»Wenn Sie glauben, mich besuchen zu wollen, ist das sehr nett von Ihnen … Bitte melden Sie sich vorher an.« Der Besuch fand nicht statt, doch beginnt mit diesen Zeilen ein Briefwechsel, der bis in die Wochen von Benns Tod im Sommer 1956 reicht. Benns Briefpartnerin, die selbstbewußte junge Germanistin Astrid Claes, hatte die erste Dissertation über Benns Lyrik verfaßt und ihm geschickt; ihre späteren Fragen zu seinem Werk werden von Benn gelesen und, wie es scheint, zunächst recht summarisch beantwortet. Bald schon gilt Benns Interesse aber auch der angehenden Schriftstellerin: Astrid Claes schickt einige Gedichte und Erzählungen nach Berlin-Schöneberg, die auf großes Lob des berühmten Kollegen stoßen. Rund achtzig, bisher zum großen Teil unveröffentlichte Briefe Benns sind hier gesammelt und mit Anmerkungen von Bernd Witte versehen.
Ein chronischer Frauenheld
Auf diese Publikation mussten die Leser lange warten. Bereits 1997 sollten die Briefe Gottfried Benns an Astrid Claes veröffentlicht werden. Benns Geliebte, Ursula Ziebarth, jedoch sah aufgrund einiger abfälliger Äußerungen Benns über beispielsweise "das amoralische Fräulein Z." ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und verhinderte zunächst die Herausgabe. Jetzt liegen die Briefe an Astrid Claes 1951-1956, 80 an der Zahl, endlich vor.
Vom "Sehr verehrten Fräulein" zur "Allerliebsten Astrid"
Die Germanistin Astrid Claes hatte 1953 mit einer Arbeit über Benns lyrischen Sprachstil promoviert und sich dem Dichter per Brief genähert. Der war zunächst gewohnt distanziert, bis sie ihm schilderte, dass sie "eine schlanke, elegante attraktive junge Dame" sei. Das ließ Benn aufhorchen, und er begann, sie unermüdlich zu umwerben, allerdings ohne Erfolg. Ein Treffen der beiden in Kassel blieb harmlos.
Die Dichtkunst stand im Mittelpunkt
So dreht sich denn der Briefwechsel in erster Linie auch nicht um die Liebe, sondern um die Dichtkunst. Es sind poetische Fragen und Antworten, die die beiden austauschen, zumal Astrid Claes selber Lyrikerin war. Der erotische Unterton allerdings, der aus Benns Briefen herausklingt, lässt sich nicht überhören. Sein Werben und Hoffen wecken in ihm, wie so oft zuvor in seinem Leben, seine ganze sprachliche und poetische Kraft. Wären die Briefe von Astrid Claes an Benn mitveröffentlicht, wäre die Publikation perfekt.
(Eva Hepper, literaturtest.de)
Auf diese Publikation mussten die Leser lange warten. Bereits 1997 sollten die Briefe Gottfried Benns an Astrid Claes veröffentlicht werden. Benns Geliebte, Ursula Ziebarth, jedoch sah aufgrund einiger abfälliger Äußerungen Benns über beispielsweise "das amoralische Fräulein Z." ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und verhinderte zunächst die Herausgabe. Jetzt liegen die Briefe an Astrid Claes 1951-1956, 80 an der Zahl, endlich vor.
Vom "Sehr verehrten Fräulein" zur "Allerliebsten Astrid"
Die Germanistin Astrid Claes hatte 1953 mit einer Arbeit über Benns lyrischen Sprachstil promoviert und sich dem Dichter per Brief genähert. Der war zunächst gewohnt distanziert, bis sie ihm schilderte, dass sie "eine schlanke, elegante attraktive junge Dame" sei. Das ließ Benn aufhorchen, und er begann, sie unermüdlich zu umwerben, allerdings ohne Erfolg. Ein Treffen der beiden in Kassel blieb harmlos.
Die Dichtkunst stand im Mittelpunkt
So dreht sich denn der Briefwechsel in erster Linie auch nicht um die Liebe, sondern um die Dichtkunst. Es sind poetische Fragen und Antworten, die die beiden austauschen, zumal Astrid Claes selber Lyrikerin war. Der erotische Unterton allerdings, der aus Benns Briefen herausklingt, lässt sich nicht überhören. Sein Werben und Hoffen wecken in ihm, wie so oft zuvor in seinem Leben, seine ganze sprachliche und poetische Kraft. Wären die Briefe von Astrid Claes an Benn mitveröffentlicht, wäre die Publikation perfekt.
(Eva Hepper, literaturtest.de)
Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension
Das wurde aber auch Zeit! Seit 1997 liegt der Briefwechsel Benns mit Astrid Claes fix und fertig zur Veröffentlichung beim Klett-Cotta Verlag, berichtet Ina Hartwig. Verhindert hat die Herausgabe bisher Ursula Ziebart, Benns letzte Geliebte, deren Briefwechsel mit Benn im letzten Jahr beim Wallstein Verlag erschienen sind. Ziebarth hatte mit Klage gedroht. Hartwig fragt sich, warum? Sicher, es gebe in den Briefen an Claes ein paar unfreundliche Bemerkungen über das "amoralische Fräulein Z.", aber Hartwig findet das nicht so schlimm. Sie freut sich, dass jetzt endlich das "entscheidende Korrektiv" für die letzten Lebensjahre Benns erschienen ist. Im Gegensatz zu Ziebarth, der "fordernden und unbequemen" Geliebten, war Astrid Claes eine "kontrollierte Akademikerin" aus gutem Haus, die kein erotisches Interesse an Benn hatte, schreibt Hartwig. "Kühn domptiert" sie das Gespräch und ist dabei "nicht ganz frei von Karriere-Kalkül". Immerhin half Benn bei der Veröffentlichung ihrer Gedichte. Eine ihrer Erzählungen, die in dem Band abgedruckt ist, zeigt nach Hartwig eine "außergewöhnliche" wenn auch etwas "altkluge" "Geistesschärfe". Das Beste an den Briefen ist für Hartwig jedoch, dass sich hier der "komplette Benn" zeigt: der "chronische Verführer", "temporeiche Formulierer", "Witzbold", "abgeklärte Menschenkenner" und Arzt. Und nicht zuletzt beweist sich Benn als kluger Mann, der in dieser Viererkonstellation mit Doktorandin Claes, Geliebter Ziebarth, die seine "Apresludes" beeinflusste und seiner Ehefrau, der Zahnärztin Dr. Ilse Benn, "weiß Gott" zeigte, dass er sich aus "dummen Frauen" nichts machte. Die älteren Rezensenten, die Ursula Ziebarth für ihre indiskreten Briefe kritisierten, sind so klug nicht, meint Hartwig.
© Perlentaucher Medien GmbH
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