Dieser vorletzte Band der zehnbändigen Ausgabe von Hesses Briefen dokumentiert die vier letzten Jahre seines Lebens. Nicht größere Werke sind es mehr, die der inzwischen Achtzigjährige den zunehmenden Beschwerden des Alters noch abgewinnt, sondern Erzählungen und Rückblicke auf bewegende Begebenheiten seines Lebens. Denn das Festhalten des Erlebten und dessen Bezug auf Gegenwart und Zukunft waren ihm nun vordringlich. Nach wie vor ungebrochen ist sein Interesse an den Hervorbringungen seiner Schriftstellerkollegen und der nachwachsenden Generation sowie das Bestreben, in seiner Lyrik für die Eindrücke und Erkenntnisse der späten Jahre den knappsten und sinnfälligsten melodischen Ausdruck zu finden. Die Empathie und die Sorgfalt, womit er darüber hinaus bis zuletzt die vielen tausend Zuschriften und Anliegen seiner Leserinnen und Leser beantwortet hat, machen seine Briefe zu einem unverzichtbaren Teil seines Werkes und einem auch zeitgeschichtlich ergiebigen Gewinn.
Ein Nachtrag mit den seit Redaktionsschluss neu aufgefundenen Korrespondenzen beendet diese Sammlung und wird im abschließenden Band fortgesetzt.
Ein Nachtrag mit den seit Redaktionsschluss neu aufgefundenen Korrespondenzen beendet diese Sammlung und wird im abschließenden Band fortgesetzt.
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Rezensent Wolfgang Schneider ist erstaunt über die Emotionalität, die der alternde Hermann Hesse in dieser Ausgabe der Briefe seiner letzten Lebensjahre noch zeigt, entgegen seines Rufes als meditierender Zen-Künstler. Das Medium Brief wurde in dieser Zeit zu Hesses einzigem Zugang zur dichterischen Sprache, was für Schneider in der glänzenden Rhetorik der oft verärgerten Briefe deutlich wird. Hesse beschwert sich nicht nur über die zunehmenden Touristen, die in sein Schweizer Anwesen in Montagnola stolpern, sondern auch über die vielen Anfragen von frustrierten SchülerInnen, die ihn um die Interpretation seiner Texte bitten. Doch die Briefe zeigen auch, was für ein hohes Lektürepensum der alte Schriftsteller in diesen Jahren noch erfüllen konnte, blieb das Lesen doch neben der Musik eine seiner Haupttätigkeiten, fasst Schneider zusammen. Den Kritiker überrascht es auch in Hesses Lobeshymnen die Namen von Gottfried Benn und Ernst Jünger vorzufinden, wobei Hesse sich besonders mit Jüngers Kulturpessimismus identifizieren konnte. Dass sich der Schriftsteller in diesem Zuge als Antisemitismus-Gegner zeigt, gleichzeitig aber auch den jüdischen Kritiker Alfred Kerr kritisiert, deutet Schneider als einen Moment auszuhaltender Ambivalenz dieses sehr bereichernden Lektüreerlebnisses.
© Perlentaucher Medien GmbH
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»Sind Korrespondenzen ganz allgemein eine der besten Möglichkeiten, um historische Persönlichkeiten und Zeiten auf anschaulichste Art kennenzulernen, gilt das für Hesse ganz besonders.« Marc Reichwein DIE WELT 20250706
»Nein, Hesse ist nicht der milde Mönch von Montagnola, der Konflikte wegmeditiert. Auch in seinen späten Briefen erweist er sich als wacher Zeitgenosse, der seine heftigen Emotionen nicht unter Verschluss hält. Das macht diesen Band ... zum Lektüreerlebnis.« Wolfgang Schneider Frankfurter Allgemeine Zeitung 20251126








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