Kants Kritik der reinen Vernunft dient der Selbstverständigungdes Menschen über den Ursprung, den Umfang und dieGrenzen seiner Erkenntnisfähigkeit. Sie soll zeigen, dass die metaphysischen Fragen des Menschen in theoretischerHinsicht weder abgewiesen noch beantwortet werden können. Diesem Bewusstsein prinzipieller Grenzen der Erkenntnis entspricht nämlich die metaphysische und theoretisch unerklärliche Verpflichtung zu einem in freier Weise selbst zu verantwortenden Handeln. Der wichtigste Begründungsschritt der Kritik der reinen Vernunft, die transzendentale Deduktion der Kategorien, ist nun nicht, wie oftmals vermutet worden ist, nach dem Vorbild eines logisch-mathematischen, sondern eines historischen juristischen Rechtfertigungsverfahrens modelliert.Die Untersuchung weist diesen juristischen Hintergrund der Kategoriendeduktion erstmals detailliert anhand der Quellentexte nach und erklärt Kants philosophische Aneignung und Modifizierung dieses juristischen Verfahrens im Lichteder methodologischen Konsequenzen, die sich aus dem metaphysisch motivierten Projekt einerSelbsterkenntnis der Vernunft ergeben.
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