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Oliver Volckart geht von der These aus, daß die Entstehung marktwirtschaftlicher Institutionen in Europa eng mit der politischen Zersplitterung des Kontinents zusammenhing. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das bekanntlich extrem fragmentierte Heilige Römische Reich des 11. bis 18. Jahrhunderts. Der Autor geht der Frage nach, wie sich der im Reich stattfindende Wettbewerb politischer Akteure um die Unterstützung durch potentielle Anhänger sowie der Wettbewerb territorialer politischer Autoritäten um mobile Produktionsfaktoren auf den Wandel derjenigen Institutionen auswirkten, in deren…mehr

Produktbeschreibung
Oliver Volckart geht von der These aus, daß die Entstehung marktwirtschaftlicher Institutionen in Europa eng mit der politischen Zersplitterung des Kontinents zusammenhing. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das bekanntlich extrem fragmentierte Heilige Römische Reich des 11. bis 18. Jahrhunderts. Der Autor geht der Frage nach, wie sich der im Reich stattfindende Wettbewerb politischer Akteure um die Unterstützung durch potentielle Anhänger sowie der Wettbewerb territorialer politischer Autoritäten um mobile Produktionsfaktoren auf den Wandel derjenigen Institutionen auswirkten, in deren Rahmen sich der Wettbewerb auf ökonomischen Märkten abspielte. Dabei konzentriert sich Oliver Volckart auf vier Schwerpunkte: den politischen Wettbewerb des Hochmittelalters, die Entstehung ständischer wettbewerbsbeschränkender Institutionen im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit, die gleichzeitige Bildung von Staaten mit territorialem Gewaltmonopol sowie den zwischenstaatlichen institutionellen Wettbewerb des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese Prozesse werden nicht nur unter Heranziehung vorwiegend institutionenökonomischer Theorieelemente jeweils im einzelnen analysiert, sondern es wird auch untersucht, wie sie die Veränderung der Wirtschaftsordnung und damit die wirtschaftliche Leistung beeinflußten. Im Ergebnis wird deutlich, daß politische Fragmentierung allein die Entstehung marktwirtschaftlicher Institutionen nicht befördert. Notwendige Bedingung für diese Wirkung ist die Existenz moderner Staaten.
Autorenporträt
Geboren 1964; 1983-1990 Geschichtsstudium an der FU Berlin; 1990-1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt; 1992-94 Nafög-Stipendiat; 1995 Promotion in Geschichte an der FU Berlin; 1995-2000 Forschungsreferent am Max-Planck-Institut in Jena; 2000 Habilitation an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena; z.Zt. Privatdozent in Jena.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die zentrale Frage, die der Wirtschafthistoriker Oliver Volckart in beiden Bänden stellt, ist die nach den Gründen für die Entstehung einer wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft. Eine der allgemein verbreiteten Thesen dazu lautet: die politische Zersplitterung Europas, insbesondere des Heiligen Römischen Reichs war eine mehr oder weniger hinreichende Voraussetzung. Bei seiner Überprüfung unterscheidet Volckart erst einmal drei Wettbewerbsformen: Wettbewerb auf Produkt- und Faktormärkten, politischen und institutionellen Wettbewerb. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert, zeigt Volckart, war eine klare Unterscheidung zwischen politischem und Produkt- und Faktor-Wettbewerb nicht möglich - es herrschte jedoch "Vertragsfreiheit hinsichtlich des Angebots von Schutz". Mangels verbindlicher Instanzen dominierten bilaterale Verträge - es kam zu einer Frühform von Marktwirtschaft, die nach 1400 durch die Bildung von weit ausgreifenden Organisationen (etwa: Zünfte) wieder abgewürgt wurde. Eine entschiedene Weiterentwicklung und, darin stimmt der Rezensent Norbert Tofall der "eindrucksvollen Analyse" Volckarts zu, notwendige Voraussetzung wirklicher Marktwirtschaft war die Trennung von Staat und Gesellschaft um 1800.

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