»Nach der Tradition der Heimat war Fodé zwar mein Zwillings-, aber auch mein großer Bruder. Er hatte mich zuerst zur Welt kommen lassen und war dann selbst hinaus gegangen. Er hatte mir den Vortritt gelassen.« | 93
Bouhel ist ein Suchender. Schon als Kind bereiste er die Welt in Büchern, es war
klar, dass er nicht im Senegal bleiben würde und die Weite der Welt sein Leben bestimmen würde. Sein…mehr»Nach der Tradition der Heimat war Fodé zwar mein Zwillings-, aber auch mein großer Bruder. Er hatte mich zuerst zur Welt kommen lassen und war dann selbst hinaus gegangen. Er hatte mir den Vortritt gelassen.« | 93
Bouhel ist ein Suchender. Schon als Kind bereiste er die Welt in Büchern, es war klar, dass er nicht im Senegal bleiben würde und die Weite der Welt sein Leben bestimmen würde. Sein Zwillingsbruder Fodé ist einen ganz anderen Weg eingeschlagen, seine Bestimmung ist die Tiefe der Welt, die Details, die Ahnen und die Traditionen. Fodé wird spiritueller Gelehrter der Serer, den Senegal verlässt er nie.
An der Universität in Frankreich lernt Bouhel seine Liebe Ulga kennen, eine polnische Studentin, die ihn hingebungsvoll liebt, ebenso wie ihre Eltern und ihren Bruder Vladimir, der in seiner psychotischen Welt lebt. Etwas passiert, das ihre Lebenswege schlagartig ändert. Durch Fodés Hilfe und Kraft und einem Bruder im Kloster sucht Bouhel Heilung, Versöhnung und Spiritualität.
Als Ökonom, Autor, Verleger, Musiker und Professor für Romanistik hat sich der Autor Felwine Sarr einen Namen gemacht. Er zählt zur intellektuellen Elite der westafrikanischen Diaspora. Seine in der deutschen Übersetzung bei Matthes & Seitz 2019 erschienenen Sachbücher »Afrotopia« und »Zurückgeben« (mit Bénédicte Savoy) beeinflussten die Debatten zum Postkolonialismus, der Rückgabe afrikanischer Kulturgüter ebenso, wie die von ihm und Anderen in Leben gerufenen »Ateiliers de la Pensée«, die einen Ort für intellektuelle Debatten der afrikanischen Diaspora bereitstellen.
Auch wenn ich sofort zu einer der zum Teil schon stattgefundenen Lesungen und Diskussionen gehen würde, konnte der Roman meine hohen Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Sprachlich holperte es etwas, ob es auch an der Übersetzung der etablierten Übersetzerin Doris Heinemann liegt, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Geschwister Ulga und Vladimir waren im Vergleich zu Bouhel und Fodé weniger lebendig und stimmig. Aber überzeugt euch selbst und geht unbedingt zu einer der Veranstaltungen, wenn ihr könnt, denn Sarr ist einer der spannendsten Intellektuellen unserer Zeit.