»Sie haben aber zu viele Bücher. Wie wollen Sie sich da zurecht finden? Vermischen Sie nicht sämtliche Geschichten? Ach, das ist nicht schlimm? Das sehe ich aber anders! Wenn man Sie zu einem Buch befragt, sollten Sie es nicht verwechseln, sonst hält man Sie am Ende noch für verwirrt. Außerdem
erzählt jedes Buch eine bestimmte Geschichte und keine andere. Wäre ich Schriftstellerin wie Sie, würde…mehr»Sie haben aber zu viele Bücher. Wie wollen Sie sich da zurecht finden? Vermischen Sie nicht sämtliche Geschichten? Ach, das ist nicht schlimm? Das sehe ich aber anders! Wenn man Sie zu einem Buch befragt, sollten Sie es nicht verwechseln, sonst hält man Sie am Ende noch für verwirrt. Außerdem erzählt jedes Buch eine bestimmte Geschichte und keine andere. Wäre ich Schriftstellerin wie Sie, würde es mir kein bisschen gefallen, wenn man meine Bücher mit anderen verwechselt.«
Es ist verschwommen, was für eine Geschichte »Im Herzen eines goldenen Sommers« erzählt.
Serre mischt alles zusammen, ihre erlesenen, ihre erzählten und ihre erlebten Geschichten. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat aus anderen Literaturen, zeigt eine der dreißig Facetten ein und derselben Person. Die Kapitel hängen scheinbar lose zusammen, sind angefüllt mit literarischen Bezügen, die ebenso wild zusammengewürfelt sind, wie die autobiographischen.
Wir lesen von einer Frau, von einer Schriftstellerin, die in der Literatur zuhause ist. Wir sehen durch ihre Augen eine sinnliche Mutter, einen liebenden Vater, eine verlorene Freundin, eine Angestellte, die Schwester, den Verleger, Lektor und immer wieder sie in verschiedenen Gestalten. Sie ist unsicher, wütend, ängstlich, begehrend, nimmt die Gestalt einer stalkenden Geliebten, einer ausbeutenden Arbeitgeberin, einer schüchternen Schwester, einer Mörderin ein. Dieser Text ist verwischt, phantasierend, magisch und er ist nicht auf der Suche nach der Wahrheit.
»Warum muss man immerzu auf die Wahrheit pochen? Und auf welche Wahrheit eigentlich?«
Gratulation an Serre, an Klobusiczky, an den Berenbergverlag. Ein spannender Text von hoher Qualität, der mit dem Trend der autofiktionalen Literatur spielt und neue spannende Formen findet.