"Eine Weisheitsschule"
Das Cover mit dem Turmbau zu Babel und der ihn umrahmenden augenzwinkernden Eule fällt trotz der Schlichtheit sofort ins Auge. Der Titel mit der subtilen Anspielung ist ebenso auffällig, zumal das Wort „Verstandes“ in Gold gehalten ist, ein Hinweis auf den Schatz, den wir
in uns tragen oder zumindestens tragen könnten.
Die liebevolle Gestaltung setzt sich im Innern…mehr"Eine Weisheitsschule"
Das Cover mit dem Turmbau zu Babel und der ihn umrahmenden augenzwinkernden Eule fällt trotz der Schlichtheit sofort ins Auge. Der Titel mit der subtilen Anspielung ist ebenso auffällig, zumal das Wort „Verstandes“ in Gold gehalten ist, ein Hinweis auf den Schatz, den wir in uns tragen oder zumindestens tragen könnten.
Die liebevolle Gestaltung setzt sich im Innern fort. Jedem der fünf Teile ist der Titel vorangestellt, der sich in einem schwächeren Druck auf der nächsten Seite wiederholt. Zitate sind kursiv gedruckt, Aufzählungen lassen sich schnell finden, der Zeilenabstand ist großzügig: kurz, das Buch lädt geradezu zum Lesen ein. Und obendrein gibt es ein Lesebändchen, für mich immer ein besonderes Schmankerl. Natürlich rundet ein umfangreiches Literaturverzeichnis das knapp 650 Seiten starke Buch ab.
Doch worum geht es eigentlich? Mit dem Untertitel, der gleichzeitig die Überschrift meiner Rezension ist, ist im Grunde alles gesagt. Markus Spieker nimmt uns mit auf eine Erkenntnisreise der letzten 3000 Jahre, wie es der Klappentext verspricht.
Der Autor hat seinen „Lehrplan“ in fünf Teile aufgeteilt. Er beginnt mit dem Feind der Weisheit, dann folgen das Wesen der Weisheit, die Quellen der Weisheit und die Ziele der Weisheit, bevor die Wege der Weisheit den Lehrplan abrunden, nein nicht ganz, denn es gibt zum Schluss noch den „Gipfel der Weisheit“.
Dabei werden eine Vielzahl von Dichtern und Denkern aus den unterschiedlichen Epochen zitiert, ebenso aber Film, Literatur und Musik. Sie werden jeweils in den aktuellen Kontext eingeordnet. Das alles ist kurzweilig, interessant und vor allem gut lesbar. Dies bedeutet nicht, dass Spiekers Schlüsse widerspruchslos hingenommen werden müssen, aber sie regen auf jeden Fall zum Nachdenken an.
Besonders erwähnenswert ist seine Aufzählung der großen Umbrüche in der Geschichte gleich in der Einweisung zu Beginn. Spieker nennt drei und stellt fest, dass sie die Zwischenzeiten jeweils um die Hälfte verkürzen. Mit anderen Worten: wir befinden uns möglicherweise mitten in der nächsten großen Umbruchphase. Wir dürfen nur hoffen, dass wir alle weise genug sind, um das Schlimmste verhüten zu können.
Fazit: eines der Bücher, die man gern noch einmal in die Hand nimmt – von mir gibt es eine Leseempfehlung