„Die große Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.“
"Tage wie Salzwasser" – Tränen sind salzig, ebenso wie das Meer. Und diese fließen in
diesem Debüt reichlich. Es ist ein Roman über Verlust, Abschied und zarte Hoffnung. Atlanta und…mehr„Die große Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.“
"Tage wie Salzwasser" – Tränen sind salzig, ebenso wie das Meer. Und diese fließen in diesem Debüt reichlich. Es ist ein Roman über Verlust, Abschied und zarte Hoffnung. Atlanta und Enza, zwei junge Frauen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, brechen gemeinsam zu einer Reise durch Europa auf. Doch was als spontaner Roadtrip beginnt, entwickelt sich zu einer emotional dichten Suche nach Antworten und sich selbst.
Atlanta ist schwanger – von Malte, der sich das Leben genommen hat. Die Frage nach dem Warum beschäftigt sie unaufhörlich, er hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Aufgewachsen bei einer esoterisch-künstlerischen Mutter, die lieber ausschweifende Partys unter Drogeneinfluss feierte, als sich um ihre Tochter zu kümmern, hat sie wenig Halt erfahren. Der Tod Maltes wirft sie endgültig aus der Bahn, lässt sie zweifeln, hadern, nachdenken über einen Schwangerschaftsabbruch, über Adoption – über sich selbst.
Enza ist pflichtbewusst, bodenständig, und trägt ihren ganz eigenen Rucksack: Ihr Vater wurde aus rassistischen Motiven zu Tode geprügelt, ihre Mutter ist schwer krank. Auch Enza steht an einem Punkt im Leben, an dem sie einen Schritt in die Ungewissheit wagen muss.
Die Reise der beiden ist voller Gespräche, Konflikte, Erinnerungen – und trotz der Schwere auch von Momenten zarter Annäherung. Mit jeder Etappe lassen sie etwas von ihrem Ballast zurück. Stück für Stück wachsen sie aneinander – und an sich selbst.
Besonders gelungen: Die glaubwürdig erzählte Entwicklung ihrer Beziehung, das vorsichtige Öffnen, das stille Verstehen, das leise Vertrauen. Auch die Kapiteleinleitungen mit Zitaten wie „Im Gehen entsteht der Weg“ geben dem Buch Struktur und Tiefe.
Was mir jedoch fehlte, waren mehr landschaftliche Beschreibungen, mehr Atmosphäre entlang der Route – ein wenig mehr Weite, ein Hauch von Sommer und Aufbruch, welche Urlaubssehnsucht bei mir weckt. Die Themenfülle hingegen empfand ich als zu überladen: schwieriges Elternhaus (Atlanta), Suizid, Schwangerschaftskonflikte, schwere Krankheit, Rassismus, Adoptionsgedanken, Mobbing in der Schule – all das wäre in reduzierter Form wirkungsvoller gewesen.
Fazit:
Ein intensiver Debütroman mit feinem Gespür für emotionale Zwischentöne und glaubhaften Figuren, der jedoch etwas unter der Fülle an schweren Themen leidet. Wer leise Bücher über innere Wandlungsprozesse mag und sich nicht vor Schmerz und Tränen scheut, wird hier fündig.
3,5 Sterne mit Tendenz nach oben für die gelungene Charakterentwicklung und die zentrale Botschaft: Manchmal beginnt ein neuer Weg genau dort, wo man sich verloren glaubt!