Ich sag’s gleich vorweg: The Seoul Season von Patricia Bouslair ist so gar nicht mein übliches Beuteschema. Normalerweise tummeln sich auf meinem Nachttisch eher Krimis, verschrobene Familiengeschichten oder Bücher, bei denen man mindestens drei Mal nachdenken muss, bevor man versteht, warum die
Hauptfigur plötzlich im Jahr 1862 steht. Aber – und das ist das Schöne am Viellesen – manchmal stolpert…mehrIch sag’s gleich vorweg: The Seoul Season von Patricia Bouslair ist so gar nicht mein übliches Beuteschema. Normalerweise tummeln sich auf meinem Nachttisch eher Krimis, verschrobene Familiengeschichten oder Bücher, bei denen man mindestens drei Mal nachdenken muss, bevor man versteht, warum die Hauptfigur plötzlich im Jahr 1862 steht. Aber – und das ist das Schöne am Viellesen – manchmal stolpert man in Genres hinein, die man sonst links liegen lassen würde … und landet prompt mitten in Seoul, zwischen Kirschblüten, Kunst und K-Drama-Vibes.
Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, ich binge-watche statt lese. Location-Scout Maya ist so eine dieser Figuren, die man gleichzeitig schütteln und umarmen möchte. Beruflich ehrgeizig, emotional leicht chaotisch, und immer mit der Kamera im Anschlag – wie eine Mischung aus Karrierefrau und Tagträumerin auf Koffein. Und dann taucht Jae-ho auf, der grumpy Künstler mit der charmanten Aura eines Mannes, der zu viele Espresso und zu wenig Komplimente bekommen hat. Natürlich prallen die beiden aufeinander wie Öl und Wasser – und genau das macht’s so herrlich.
Was mir richtig gefallen hat, war, wie Bouslair die Stadt selbst zur dritten Hauptfigur macht. Zwischen Neonlichtern, stillen Galerien und Gassen, die nach Streetfood riechen, hat man das Gefühl, Seoul atmet mit jeder Seite. Ich musste kurz nach Flugpreisen googeln, bevor ich mich wieder daran erinnerte, dass mein Kontostand die „Reise“ auf Papier eindeutig bevorzugt.
Ja, die Story ist stellenweise vorhersehbar, und die obligatorische „Oh nein, eine Lüge droht alles zu zerstören“-Szene kommt pünktlich wie der Abspann einer Netflix-Romcom. Aber wisst ihr was? Ich habe es genossen. Diese Mischung aus leichter Melancholie, Humor und Fernweh ist einfach ansteckend. Und der „Slow Burn“ zwischen Maya und Jae-ho? Ein emotionaler Tanz auf Glut, bei dem man am liebsten selbst mitfächeln würde.
Fazit einer sonst genrefremden Vielleserin: The Seoul Season ist wie ein hübsch gestalteter Farbschnitt – vielleicht nicht tiefgründig wie ein Dostojewski, aber wunderschön anzuschauen, charmant in seiner Einfachheit und perfekt, wenn man Herzklopfen und Reisesehnsucht auf einmal spüren will.
Wer Romantik mag, bekommt hier Seoul fürs Herz. Wer sonst anderes liest, bekommt eine angenehm süße Überraschung. Und ich? Ich überlege gerade, ob ich mich doch mal an ein K-Drama wage … nur zu Recherchezwecken natürlich.