Seltsame Hobbies
Ein bisschen nachvollziehen kann ich schon, was Rudis schreibt. Es hat etwas Meditatives in einem Waggon zu sitzen und dem gleichmäßigem Geräusch der ratternden Schienen zu lauschen. Doch dann kommt eine rein und telefoniert. Oder eine Gruppe Migranten quatscht dich voll.
All
das beschäftigt Rudis nicht. Er sitzt ohnehin meistens im Speisewagen und trinkt Bier als guter…mehrSeltsame Hobbies
Ein bisschen nachvollziehen kann ich schon, was Rudis schreibt. Es hat etwas Meditatives in einem Waggon zu sitzen und dem gleichmäßigem Geräusch der ratternden Schienen zu lauschen. Doch dann kommt eine rein und telefoniert. Oder eine Gruppe Migranten quatscht dich voll.
All das beschäftigt Rudis nicht. Er sitzt ohnehin meistens im Speisewagen und trinkt Bier als guter Tscheche. So besteht ein großer Teil des Buches aus besonderen Gerichten und besonderen Bahnhofsrestaurants. In Bamberg heißt sein Lieblingshaus „Zum Sternla“, weit vom Bahnhof entfernt.
Da lobe ich mir, dass er sich auch auf die Strecke begibt und beispielsweise 30 stundenlang quer durch Deutschland reist. Im Paradies in Jena zählt er die schönsten Haltestellennamen auf:
Güterglück, Herzberg, Klitzchen, Rosenwinkel, Blumenthal, Vogelgesang, Taubenheim, Annaburg, Elend und Sorge, Irrenlohe und Sterbefritz, Himmelreich und Höllsteig, Lieblos und Pflaumloch (107). Er zählt unzählbar viele Eisenbahnfilme auf und gibt Literaturtipps wie „Netzkarte“ von Sten Nadolny.
Dann hat er noch einen Reisetipp für mich: Goricia und Nova Goricia, zwei Schwesterstädte, die erste in Italien, die zweite in Slowenien bilden 2025 die europäische Kulturhauptstadt (184). Hinfahren werde ich über die Semmeringsbahn, die Teil der Südbahn der Habsburgermonarchie war.
Auf Seite 200 zählt er noch die schönsten Eisenbahnbrücken auf, doch erscheint mir das zu wenig, um es hier aufzuzählen.
Etwas durcheinander ist das Buch schon, etwas zuviel Bier wird auch getrunken, doch 4 Sterne gibt es dennoch.