Milieustudie in der Fünften französischen Republik
Das Haus der Geschichte in Bonn ist ein Museum, das vom Alltagsleben in der Bundesrepublik Deutschland erzählt. Dieses Buch macht das gleiche für Frankreich.
Politik wird nicht ausgespart, kommt aber nur am Rande vor, eben so wie man sich
darüber im Alltag unterhält. Wichtiger sind die Fortschritte der Moderne, etwa die Einführung der…mehrMilieustudie in der Fünften französischen Republik
Das Haus der Geschichte in Bonn ist ein Museum, das vom Alltagsleben in der Bundesrepublik Deutschland erzählt. Dieses Buch macht das gleiche für Frankreich.
Politik wird nicht ausgespart, kommt aber nur am Rande vor, eben so wie man sich darüber im Alltag unterhält. Wichtiger sind die Fortschritte der Moderne, etwa die Einführung der 35-Stunden-Woche, der Fernseher, der PC oder das Handy.
Dinge, die viele Betreffen beschreibt die Autorin mit „man“, auch wenn etwa nicht alle Mitterrand wählen. So entstehen Lebensweisheiten wie: „Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten.“ (S.150)
Persönliche Erlebnisse erzählt die Autorin in der dritten Person und ist in erotischen Fragen offen, wie mein Lieblingszitat zeigt: „als sie in Toledo im Hotel Estorial übernachten, wird sie mitten in der Nacht von spitzen Schreien wach […] Mittlerweile ist auch ihr Mann aufgewacht, und sie stellen fest, dass irgendwo eine Frau einen gewaltigen Orgasmus hat, ihre Schreie hallen von den Wänden des Innenhofs wieder und dringen durch die offenen Fenster herein. Ihr Mann schläft schnell wieder ein, während sie neben ihm masturbiert“ (S.148)
Ich habe ihr Buch „Erinnerungen eines Mädchens“ vorher gelesen. Es erstaunt, dass die Lücke in ihrer persönlichen Biographie gut kaschiert ist und nicht auffällt.
Mir gefällt ihre Art zu schreiben, ihr Humor mit echten Witzen („ein anständiges Mädchen geht um acht ins Bett, damit es um zehn zu Hause ist“ (S.15)) und lustigen Vergleichen. 5 Sterne.