Packender Roman über das Leid der ETA
Mit der RAF habe ich mich schon beschäftigt, mit der ETA bisher noch nicht. Es gibt aber einen Unterschied: Die ETA hat Unterstützung aus dem ganzen baskischen Dorf. Der Unternehmer Txato beschreibt auf S.65, die er hat: „zahlen, verschwinden oder sein Leben
riskieren.“ Da es ein Roman ist wird er natürlich umgebracht.
Spannung geht aber nicht verloren,…mehrPackender Roman über das Leid der ETA
Mit der RAF habe ich mich schon beschäftigt, mit der ETA bisher noch nicht. Es gibt aber einen Unterschied: Die ETA hat Unterstützung aus dem ganzen baskischen Dorf. Der Unternehmer Txato beschreibt auf S.65, die er hat: „zahlen, verschwinden oder sein Leben riskieren.“ Da es ein Roman ist wird er natürlich umgebracht.
Spannung geht aber nicht verloren, denn in diesem Roman erleben wir Leser zwei Familien, eine Opfer- und eine Täterfamilie, die vor der Ermordung Txatos befreundet waren. Zur „Opferfamilie“ gehört Txatos Frau Bittori, die dem Mörder gerne vergeben möchte und schon ins Dorf zurückkehrt, als die ETA noch existierte. Sie haben zwei Kinder Xabier, ein Arzt, und Nerea, Juristin, die versucht eine Familie zu gründen. Beeindruckend ist wie sehr jeder auf unterschiedliche Weise unter dem Tod des Vaters leidet, obwohl die Kinder beim Anschlag schon selbständig waren.
Täterfamilie ist mein Wort und eigentlich ist es ein unfaires Wort, denn Täter ist nur der älteste Sohn Joxe Mari und lange bleibt spannend, ob er Txato ermordet hat. Wir erfahren viel über das Leben als Terrorist, vom Verstecken und von der Angst vor der Polizei und wie er letztlich gefasst wird und alle froh sind, dass er wenigstens noch lebt. Seine Mutter Miren unterstützt Mittel und Politik der ETA. Sein Vater Joxian dagegen kann im Grunde „keiner Fliege was zu Leide tun“ und sitzt zwischen allen Stühlen.
In dieser Familie gibt es zwei weitere Kinder: Arantxa, die nach einem Schlaganfall im Rollstuhl wieder bei den Eltern lebt, obwohl sie selbst Kinder hat, und die sich immer für Versöhnung einsetzt. Außerdem gibt es noch den Sohn Gorka, eine Leseratte mit guten baskischen Sprachkenntnissen. Er verliebt sich später in einem Mann und so wird „Ehe für alle“ zum Thema.
Wirklich beeindruckend ist das der Autor kein Thema ausgelassen hat, auch nicht die Folterung der ETA-Gefangenen durch die spanische Polizei, die selbst Xabier pflichtschuldig anerkennen muss.
Alle Protagonisten wirken in ihrem Handeln plausibel (nicht so wie bei Maja Lunde), einzig die massive Behinderung Arantxa fühlt sich etwas konstruiert an. Es gibt auch weitere Nebendarsteller, etwa ein Dorfpfarrer als ETA-Sympatisant. Aber sie kommen nur vor, wenn sie in Kontakt mit einem Mitglied der beiden Familien kommunizieren. Die Komposition dieser nicht chronologisch erzählten Geschichte ist wirklich weltklasse.
Nach dem Roman bin ich froh, dass Terror in Deutschland kein Dorf mehr spaltet und dass auch die Basken jetzt in Frieden leben können. Auch das fehlt nicht im Roman und gut ist auch, dass am Ende nicht alles Friede ist, denn die Toten kann keiner aufwecken.
Kurz vor Ostern vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.