Produktdetails
- Anzahl: 1 Audio CD
- Erscheinungstermin: 18. Juli 2008
- Hersteller: Warner Music Group Germany Hol / Reprise Records,
- EAN: 0093624983910
- Artikelnr.: 24240180
- Herstellerkennzeichnung Die Herstellerinformationen sind derzeit nicht verfügbar.
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1 | What Are Their Names? | 00:02:28 | |
2 | Living With War - Theme | 00:03:25 | |
3 | After The Garden | 00:03:41 | |
4 | Military Madness | 00:04:02 | |
5 | Let's Impeach The President | 00:05:43 | |
6 | Déjà Vu | 00:07:15 | |
7 | Shock And Awe | 00:05:08 | |
8 | Families | 00:02:58 | |
9 | Wooden Ships | 00:08:18 | |
10 | Looking For A Leader | 00:03:55 | |
11 | For What It's Worth | 00:04:50 | |
12 | Living With War | 00:05:24 | |
13 | Roger And Out | 00:05:37 | |
14 | Find The Cost Of Freedom | 00:03:55 | |
15 | Teach Your Children | 00:03:20 | |
16 | Living With War - Theme | 00:03:01 |
Nach so langer Zeit: Crosby, Stills, Nash & Young fordern Amerika heraus - im Tourneefilm "Déjà Vu"
Soll ein Amerikaner bis zu 200 Dollar hinblättern, um ein Konzert von Musikern zu sehen, deren beste Zeit vierzig Jahre zurückliegt und die nun ohne Umschweife fordern, den Präsidenten der Vereinigten Staaten abzusetzen? Das kommt auf die Musiker an; die Ansichten, die sie vertreten, sind ja nicht sonderlich originell. Aber wenn Originalität ein Kriterium wäre, hätte man die Sache gleich abblasen können. Es geht einfach um die Frage, ob man für oder gegen den Irak-Krieg ist.
Wenn man die Tournee-Dokumentation "Crosby, Stills, Nash & Young - Déjà Vu" von Bernard Shakey sieht, muss man sagen, dass man das Eintrittsgeld für die Konzerte wohl besser anlegen könnte, der Film als solcher aber sein Geld wert ist. Es ist ein gar nicht mal so nostalgisches Lehrstück über die Haltbarkeit politischer Aussagen in rockmusikalischer Verpackung. Man hat sich inmitten all der Erinnerungsarbeit, der längst auch die Rockmusik unterzogen wird, ja fast schon daran gewöhnt, politisch-gesellschaftliches Engagement als eine museale, irgendwie rührende, aber nicht weiter ernstzunehmende Angelegenheit zu betrachten und meistens auch noch mit dem Vorwurf des Opportunismus zu quittieren.
Dass dieser Film derart gelingen würde, war schon deswegen nicht zu erwarten, weil sein Regisseur Neil Young heißt - Bernard Shakey ist nur der Deckname, den Young sich für seine bisher nicht sehr professionell geratenen, aber in ihrem Dilettantismus zuweilen ergreifenden Ausflüge ins Filmgeschäft zugelegt hat. Für dieses Mal hat er seine alten Mitstreiter David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash, die damals vorschnell als die amerikanischen Beatles gehandelt wurden und mit denen er zum ersten Mal in Woodstock aufgetreten war, zusammengetrommelt. Das ist in mehrfacher Hinsicht ein rockhistorisches Ereignis. Der Titel spielt an auf die bis heute mythisch verklärte Platte "Déjà Vu" (1970). Es war, wegen der Verfassung von mindestens zweien von ihnen, gar nicht damit zu rechnen gewesen, dass es, nach drei kurzlebigen Wiedervereinigungen in den vergangenen fünfunddreißig Jahren, überhaupt noch einmal dazu kommen würde. Young selbst, der einzige unermüdlich Produktive unter ihnen, hatte während der langen Phasen der Funkstille die anderen drei wörtlich als "fette alte Fürze" bezeichnet, von denen nichts mehr zu erwarten sei. So verwundert es auch gar nicht, dass David Crosby ihn, den Jüngsten, als den "Boss" des ganzen Unternehmens bezeichnet und auch ganz offen einräumt, es handele sich dabei um eine Diktatur, nicht um eine Demokratie. Das ist das Gute an einer Demokratie, könnte man sagen, dass in ihr Diktaturen wie diese abgehalfterte Supergruppe ungehindert durchs Land reisen und ein Repertoire vortragen dürfen, das zum Teil natürlich klassisch ist - darunter Youngs großartiges Zorneslied "Ohio", das er im Mai 1970 quasi unter Schock über die blutige Niederschlagung von Studentenprotesten geschrieben hatte -, zum überwiegenden Teil aber aus den Liedern von Youngs vorletzter Studioaufnahme "Living With War" von 2006 besteht. Die musikalische Minderwertigkeit dieses Materials tut der Schlagkraft keinen Abbruch. Man muss nur sehen, wie das Südstaaten-Publikum fast ohnmächtig wird vor Wut, sobald die vier den Song "Let's Impeach the President" intonieren; die Beschimpfungen, die sich vor allem Young dabei gefallen lassen muss, kann man sich denken.
Es sind, abgesehen von den unter moralischer Selbstgewissheit leidenden alten CSN&Y-Liedern wie "Chicago" oder "Teach Your Children", eher plumpe Parolen, mit denen das Land auf dieser Tournee konfrontiert wurde; einzig der alte Stills-Song "For What It's Worth" schimmert bedrohlich in seiner Ambivalenz. Trotzdem entfalten diese ergrauten Idealisten eine gewaltige Kraft, die allerdings weniger auf der Bühne als vielmehr in den Reaktionen abseits sichtbar wird und die von Bernard Shakeys ausnahmsweise unwackeliger Kamera mit großer Aufrichtigkeit eingefangen werden: Zeitungsschlagzeilen, Kommentare aus der Menge, Gespräche mit Kriegsveteranen von damals (Vietnam) und heute (Irak) sowie Angehörigen von Gefallenen, dazu Bilder aus einem Militärflieger, in dem grauenhaft verstümmelte Soldaten behandelt werden. Vor allem Letztere hatten Young dazu veranlasst, in heiligem Zorn seine ihm in nun schon ewiger Hassliebe verbundenen Veteranen um sich zu versammeln. Es hat sich gelohnt. Selten konnte man anhand eines so gewöhnlichen Ereignisses wie einer Altrocker-Tournee in solcher Verdichtung und Anschaulichkeit erleben, wie dieses Land sich über sich selbst verständigt. Einem Kanadier sei Dank.
EDO REENTS
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