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Enara

Bewertungen

Insgesamt 3 Bewertungen
Bewertung vom 23.10.2025
Velvet Falls, but the Gods forgot to die / Velvet-Dilogie Bd.1
Dippel, Julia

Velvet Falls, but the Gods forgot to die / Velvet-Dilogie Bd.1


ausgezeichnet

Seit der Izara-Reihe gehört Julia Dippel zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen – und mit Velvet Falls, but the gods forgot to die hat sie sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Dieser Auftakt ihrer neuen Dilogie ist für mich ihr bisher bestes Werk und zeigt eindrucksvoll, wie gelungen der Schritt von Jugendbüchern im Fantasy/Romantasy-Genre hin zu einer düsteren, komplexeren New-Adult-Romantasy sein kann.
Schon das Setting hat mich vollkommen begeistert. Die Geschichte spielt in einer Urban-Fantasy-Welt, die sich von allem abhebt, was ich bisher gelesen habe. Nach dem Fall der Sterne kehrte Magie in die Welt zurück – und mit ihr neue, moderne Götter. Hier finden sich Figuren wie Mr Billion, der Gott des Kapitalismus, Miss Link, Göttin des Internets und der Algorithmen, Mr Like, Gott des Social Media, oder Miss Panic, Göttin der Angstspiralen und Nervenzusammenbrüche. Dieser Ansatz, aktuelle Themen mit mythologischen Elementen zu verknüpfen, hat mich absolut fasziniert. Der Kontrast zwischen der glitzernden, fast popstarartigen Welt der Götter und der düsteren, exzessiven Realität der Dämonenreiter ist großartig umgesetzt und verleiht der Geschichte eine einzigartige Atmosphäre.
Die Handlung ist ebenso rasant wie emotional. Velvet und Kashmere begeben sich auf eine Reise, um das Blut der Göttersöhne zu sammeln, und dieses Roadtrip-Motiv funktioniert erstaunlich gut. Es gibt immer wieder actionreiche, aber auch ruhige Momente, in denen sich die Figuren und ihre Beziehungen entwickeln. Die Schauplätze sind abwechslungsreich, die Kämpfe kreativ und dynamisch, und die Spannung bleibt bis zum Schluss hoch. Mehrmals wurde ich von Wendungen überrascht, mit denen ich so nicht gerechnet hatte – und das machte es wirklich schwer für mich, dieses Buch aus der Hand zu legen.
Die Figuren sind eine der größten Stärken und das Herzstück des Romans. Velvet ist eine grandiose Protagonistin: scharfzüngig, kampferprobt und gleichzeitig zutiefst verletzlich. Erst nach und nach bröckeln ihre Mauern – auch für den Leser/die Leserin – und man erkennt, wie viel Schmerz und Entschlossenheit in ihr stecken. Gerade dieser Kontrast zwischen Stärke und Verletzlichkeit macht sie so greifbar und menschlich. Ich habe von der ersten bis zur letzten Seite mit ihr mitgefiebert, gehofft und gelitten. Kashmere ist ihr kühler Gegenpart – distanziert, kontrolliert, und doch immer wieder durch seine emotionale Ehrlichkeit nahbar. Die gemeinsame Dynamik der beiden ist explosiv: zwischen Vorwürfen, unausgesprochenem Schmerz und der spürbaren Anziehung entsteht eine intensive, vielschichtige Beziehung, die mich vollkommen mitgerissen hat.
Auch die Nebenfiguren sind wieder einmal hervorragend gelungen. Jede einzelne hat ihre eigene Geschichte und Tiefe, selbst jene, die nur kurz auftauchen. Ein besonderes Highlight war für mich Monty, die Dämonenzehe – mehr sei dazu nicht verraten, aber wer das Buch liest, wird wissen, warum!
Dippels Schreibstil ist gewohnt fesselnd: temporeich, emotional, stellenweise düster, aber auch mit wunderbar humorvollen Dialogen, die mich mehrfach zum Lachen gebracht haben! Besonders beeindruckt hat mich, wie sie ernste Themen behandelt – mit Feingefühl, Respekt und Klarheit. Neben Action und Romantik geht es um Selbstbestimmung, Schuld, Missbrauch und den Umgang mit traumatischen Erfahrungen. Diese Themen verleihen der Geschichte Tiefe und Gewicht, ohne sie zu erdrücken – dennoch sollte man die Triggerwarnungen ernst nehmen.
Fazit:
Velvet Falls, but the gods forgot to die ist für mich ein absolutes Highlight und ein perfekter Auftakt für die neue Dilogie. Julia Dippel verbindet moderne Mythen, rasante Action und intensive Emotionen zu einer Geschichte, die gleichzeitig unterhält, berührt und nachhallt. Besonders Velvet als Protagonistin hat mich nachhaltig beeindruckt – selten habe ich eine Figur so stark, so menschlich und so bewegend gefunden. Ein fesselndes, düsteres und emotionales New-Adult-Debüt, das ich absolute empfehlen kann. Ich kann den zweiten Band kaum erwarten!

Bewertung vom 10.10.2025
Blood and Steel / Die Legenden von Thezmarr Bd.1
Scheuerer, Helen

Blood and Steel / Die Legenden von Thezmarr Bd.1


sehr gut

Schon der Klappentext von Blood and Steel hat mich sofort angesprochen: eine kampflustige Heldin, Magie, Intrigen und ein Todesurteil, das über allem schwebt – das klang nach Romantasy mit einem kleinen Twist. Und tatsächlich konnte mich die Geschichte schnell in ihren Bann ziehen, auch wenn sie an manchen Stellen kleine Schwächen hatte.

Die Handlung ist spannend erzählt und besonders zum Ende hin kaum noch aus der Hand zu legen. Immer wieder gibt es ruhigere Passagen, in denen man die Figuren besser kennenlernt und die Beziehungen zwischen ihnen wachsen sieht, bevor es wieder actionreich und gefährlich wird. Zwar gab es einige Längen, gerade während des Trainings der sogenannten Schildträger – also der angehenden Soldaten –, doch insgesamt fand ich den Handlungsaufbau gelungen. Einige Wendungen waren vorhersehbar, dafür sorgten andere für echte Überraschungsmomente. Etwas schade fand ich allerdings, dass das Worldbuilding recht oberflächlich blieb. Mir fiel es bis zum Schluss schwer, mir ein genaues Bild von der Welt zu machen oder zu verstehen, wie die Magie und die Bedrohung für die Königreiche funktionieren. Manche Ereignisse passierten einfach, ohne dass die Grundlagen klar waren – das erschwerte es mir, eigene Theorien zu entwickeln oder mitzurätseln (etwas, dass ich eigentlich sehr gerne mache). Auch manche Logikpunkte (wie das plötzliche Waffenverbot für alle Soldatinnen) haben mich ein wenig aus der Geschichte herausgerissen.

Die größte Stärke des Buches sind für mich die Charaktere – allen voran Protagonistin Althea, oder kurz Thea. Sie weiß, dass sie nur noch drei Jahre zu leben hat, und stürzt sich mit Entschlossenheit in ihr Training, um Schwertmeisterin zu werden. Gerade weil sie nicht perfekt ist, sondern Fehler macht und daraus lernt, wirkt sie unglaublich menschlich und greifbar. Auch Wilder, der legendäre und äußerst grummelige Krieger, hat mir gut gefallen. Er bleibt oft im Hintergrund, was ich persönlich sehr angenehm fand – so kann Thea sich erst einmal für sich selbst entwickeln. Trotz seiner distanzierten Art merkt man mit der Zeit, wie sehr ihm die Menschen in seinem Umfeld am Herzen liegen.

Auch die Nebenfiguren haben mir ausgesprochen gut gefallen. Besonders Theas Schwester Wren ist mir im Gedächtnis geblieben – eine Alchemistin, die Gifte liebt, Dinge erfindet und dabei auf ihre ganz eigene Weise genauso kämpferisch ist wie ihre Schwester. Die Dynamik zwischen den beiden war eines meiner Highlights: ihre gegenseitige Loyalität, die kleinen Neckereien und die Tatsache, dass Wren Thea als Einzige ab und zu den Kopf zurechtrücken kann, machten ihre Beziehung für mich lebendig. Ebenso mochte ich Malik, einen stummen ehemaligen Schwertmeister, und seinen riesigen Hund Dax – die Freundschaft zwischen ihnen und Thea war berührend und stellten für mich irgendwie kleine Momente des Friedens in all der Action dar.

Thematisch greift das Buch viele spannende Fragen auf: Tapferkeit und Loyalität, Freundschaft zwischen Frauen, die Diskrepanz zwischen dem glorifizierten Bild des Kriegs und seiner brutalen Realität – und natürlich die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Wie lebt man, wenn man weiß, dass einem nicht mehr viel Zeit bleibt? Diese Grundfrage zieht sich unterschwellig durch die Geschichte und hat sie für mich besonders gemacht.

Trotz der Bezeichnung New Adult Romantasy wirkte das Buch in Teilen etwas jugendlicher – vor allem durch einen Konkurrenten, der mich stark an Draco Malfoy erinnerte, und eine Aufnahmeprüfung, die fast wie eine Szene aus Divergent wirkte. Ich gehe aber davon aus, dass sich das im zweiten Band ändert, wenn die Bedrohung für die Reiche stärker in den Vordergrund rückt. Der Schreibstil war jedenfalls angenehm flüssig und hat mich gut durch die Geschichte getragen – actionreich, mitreißend und immer wieder mit schlagfertigen Dialogen, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben.

Fazit:
Blood and Steel ist ein spannender Auftakt mit einer starken, vielschichtigen Heldin, emotionalen Figuren und einer gelungenen Mischung aus Action, Drama und Romance. Zwar hätte ich mir etwas mehr Tiefe im Worldbuilding gewünscht, doch die packende Handlung und die liebenswerten Charaktere haben das für mich mehr als ausgeglichen. Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie sich Theas Geschichte im zweiten Band weiterentwickelt!

Bewertung vom 14.09.2025
With All Your Scars / Queens Cartel Bd.1
Lück, Anne

With All Your Scars / Queens Cartel Bd.1


ausgezeichnet

Schon die Ankündigung zu diesem Buch hat mich sofort neugierig gemacht: New Adult Romance meets Peaky Blinders meets Grey’s Anatomy – eine Kombination, die auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, für mich aber genau das richtige Versprechen gegeben hat. Und tatsächlich: Anne Lück gelingt hier eine Mischung aus spannender Gang-Atmosphäre, emotionaler Liebesgeschichte und einem Hauch Krankenhausdrama, die mich schnell in ihren Bann ziehen konnte.
Erzählt wird die Handlung größtenteils aus Flories Perspektive, doch auch Cillian kommt immer wieder zu Wort. Das sorgt für schöne Abwechslung und gleichzeitig für Tiefe, weil man beide Figuren besser versteht. Neben den eher ruhigen Momenten, in denen man Florie und Cillian näher kennenlernt, gibt es viele spannende Szenen – teilweise mit Krimicharakter. Besonders Florie, die versucht herauszufinden, weshalb im Krankenhaus mehrere Patienten zu Tode kommen, hat mich sehr gefesselt. Zwar konnte ich den Twist am Ende schon erahnen, trotzdem war die Umsetzung spannend und die Geschichte hat mich zum Mitfiebern gebracht.
Die Figuren sind für mich eine der größten Stärken des Romans. Florie ist eine tolle Protagonistin, deren Hintergrundgeschichte sich erst nach und nach entfaltet. Sie ist ehrgeizig, leidenschaftlich und entwickelt sich im Laufe der Handlung deutlich weiter – von vorsichtig zu mutiger und entschlossener. Cillian wirkt zu Beginn kalt, abweisend und fast einschüchternd, doch gemeinsam mit Florie entdeckt man nach und nach seine empathische Seite. Vor allem die Fürsorge, die er seinen Gangmitgliedern gegenüber zeigt, hat ihn für mich zu einer spannenden und komplexen Figur gemacht. Und die Chemie zwischen den beiden? Absolut gelungen! Auch die Nebenfiguren sind sehr lebendig gezeichnet, ihr Miteinander hat mich häufig zum Schmunzeln gebracht und einen wunderbaren Ausgleich zu den ernsteren Elementen geschaffen.
Besonders positiv hervorheben möchte ich den Umgang mit der Gangthematik. Hier wird nichts verklärt oder romantisiert – im Gegenteil. Anne Lück zeigt anhand verschiedener Figuren, weshalb Menschen in ein solches Leben geraten: Armut, familiäre Probleme, Drogen. Gleichzeitig deutet sie auch auf Lösungsansätze hin, wie diese systematischen Probleme verbessert werden könnten. Das hat dem Buch für mich eine ganz eigene Tiefe gegeben. Schön fand ich außerdem, dass es sich trotz des Settings klar von Dark Romance abgrenzt: Gewalt wird nicht verherrlicht, Consent ist ein wichtiger Aspekt und im Vordergrund steht immer noch eine berührende New Adult Romance – nur eben mit einem spannenden Twist.
Fazit:
Mit ihrem neuen Roman liefert Anne Lück eine gelungene Kombination aus Action, Spannung und Romantik, die mich von Anfang bis Ende gut unterhalten hat. Besonders die komplexen Figuren, der differenzierte Blick auf die Gangthematik und die gelungene Chemie zwischen Florie und Cillian haben dieses Buch für mich zu einem Highlight gemacht. Eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf Romance mit Tiefgang und einer Prise Nervenkitzel haben!