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Ceodaz

Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 17.01.2026
Broken Prince / Northern Royals Bd.2 (eBook, ePUB)
Omah, Anya

Broken Prince / Northern Royals Bd.2 (eBook, ePUB)


sehr gut

Wenn Gefühle alles komplizierter machen

Sofia ist tiefer in das Leben von Kronprinz Maximilian verstrickt, als sie je geplant hatte. Die Suche nach ihrer verschwundenen besten Freundin Alva rückt immer stärker in den Mittelpunkt und bringt gefährliche Wahrheiten ans Licht. Gleichzeitig geraten Sofias Gefühle für Maximilian und das fragile Gleichgewicht des Königshauses zunehmend unter Druck. Einmal angestoßen, lassen sich die Folgen dieser Enthüllungen nicht mehr aufhalten.

"Broken Prince" holt einen genau dort ab, wo Dark Cinderella endet. Der Einstieg gelingt mühelos, und man ist sofort wieder mitten im Geschehen. Atmosphäre, Spannung und emotionale Konflikte knüpfen nahtlos an den ersten Band an.
Besonders positiv fand ich, dass das Verschwinden von Alva nun deutlich stärker in den Fokus rückt. Endlich erfährt man mehr über sie, ihre Verbindung zum Königshaus und ihre Beziehung zu Sofia. Diese neuen Informationen verleihen der Handlung mehr Tiefe und sorgen für zusätzliche Spannung.

Als besonders gut gelungen fand ich die Darstellung des Vertrauensbruchs zwischen Sofia und Maximilian. Nach der ganzen Vorgeschichte musste dieser einfach kommen. Der Konflikt zwischen ihnen wirkt ehrlich und authentisch, vor allem, weil das verlorene Vertrauen nicht nach ein paar Liebesbekundungen einfach zurückkehrt. Der langsame, vorsichtige Wiederaufbau ist emotional nachvollziehbar und gibt der Beziehung Raum, sich realistisch weiterzuentwickeln. Genau hier zeigt sich auch die besondere Dynamik zwischen den beiden. Die Dialoge, das Knistern und der Liebeskummer sind jederzeit spürbar und nehmen einen emotional mit.
Gerade in der Phase der Trennung hat mich der Perspektivwechsel zwischen Sofia und Maximilian besonders abgeholt. Die wechselnden Blickwinkel machen ihre inneren Konflikte greifbar und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Die spannenden Wendungen rund um Alvas Verschwinden haben mir sehr gut gefallen. Gleichzeitig hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass sich die Geschichte hier wieder unnötig in die Länge zieht. Im Kontrast dazu wirkte das Ende dann auf mich etwas zu knapp. Nach dem intensiven Aufbau hätte ich mir für die Auflösung mehr Raum gewünscht. Das lässt mich ein bisschen enttäuscht zurück.

Ein kleines persönliches Highlight war für mich Sofias Großmutter, die man einfach mit ihrer Art und ihren Kochkünsten ins Herz schließen muss. Umso schade fand ich es allerdings, dass die Auflösung ihres Geheimnisses recht banal ausfiel und hinter meinen Erwartungen zurückblieb.

Fazit:
"Broken Prince" ist eine emotionale und spannende Fortsetzung, die Figuren, Beziehungen und zentrale Konflikte konsequent weiterentwickelt. Trotz kleiner Längen, eines etwas zu kurzen Endes und einzelner enttäuschender Auflösungen überzeugt der Band durch starke Emotionen, und authentischen Beziehungsdynamiken.

Bewertung vom 17.01.2026
Dark Cinderella / Northern Royals Bd.1
Omah, Anya

Dark Cinderella / Northern Royals Bd.1


sehr gut

Royals, Geheimnisse und große Gefühle

Als Sofias beste Freundin Alva nach der Begegnung mit einem echten Prinzen spurlos verschwindet, glaubt Sofia nicht an Zufälle. Um sie zu finden, schleust sie sich undercover in den Palast ein. Dort trifft sie auf Kronprinz Maximilian, der so gar nicht dem Bild entspricht, das sie von ihm hatte. Zwischen Geheimnissen, Intrigen und wachsender Anziehung gerät Sofias Plan ins Wanken und mit ihm ihr Herz.

"Dark Cinderella" war mein erstes Buch von Anya Omah und ihr Schreibstil hat mich sofort gepackt. Die Geschichte liest sich flüssig und leicht, mit einem Tempo, das dafür sorgt, dass man nur so über die Seiten fliegt.

Ich liebe Geschichten, die einen in die Welt der Royals entführen. Hier hat mich vor allem der moderne Blick auf Monarchie und Macht überzeugt. Das fiktive Königreich Skonien ist so anschaulich beschrieben, dass ich die rauen Küsten, das Meer und das Schloss sofort vor Augen hatte. Auch die Intrigen und Geheimnisse sind geschickt eingefädelt, sodass man unbedingt erfahren möchte, was mit Alva passiert ist und warum sie verschwunden ist.

Besonders gut gefallen hat mir, dass zwischen Herzklopfen, Geheimnissen und der Suche nach Alva auch ernste Themen ihren Platz finden. Die Einbindung von Aspekten wie Rassismus und Kolonialismus wirkt ernsthaft, respektvoll und gut recherchiert. Diese Themen werden nicht nur angerissen, sondern sinnvoll in die Handlung integriert, ohne dabei belehrend zu wirken.

Mit Sofia als Protagonistin bin ich allerdings nicht vollständig warm geworden. Ihr Schicksal ist tragisch und nachvollziehbar, dennoch konnte ich einige ihrer Entscheidungen emotional nicht ganz nachempfinden. Maximilian hingegen hat mich deutlich mehr abgeholt. Seine innere Zerrissenheit und seine persönliche Entwicklung fand ich spannend. Allerdings hätte ich mir gewünscht, noch mehr aus seiner Perspektive zu erfahren. Insgesamt ist der Perspektivwechsel zwischen den beiden jedoch sehr gelungen und trägt viel zur Dynamik der Geschichte bei.

Als kleinen Kritikpunkt empfand ich, dass die Suche nach Alva zeitweise in den Hintergrund geriet. Gerade in den ruhigeren Passagen hätte ich mir gewünscht, dass schneller zur eigentlichen Handlung zurückgekehrt wird. Dafür endet das Buch mit einem fiesen Cliffhanger, der die Spannung dann für den nächsten Teil noch einmal enorm steigert. Zum Glück hatte ich den zweiten Band direkt griffbereit.

Fazit:
Der Titel "Dark Cinderella" weckt Märchenerwartungen, die die Geschichte bewusst nicht erfüllt. Stattdessen erzählt der Roman eine moderne Royals-Story mit Spannung, ernsten Themen und viel Gefühl. Trotz kleiner Schwächen hat mich das Buch sehr gut unterhalten und neugierig auf die Fortsetzung gemacht.

Bewertung vom 31.12.2025
Anatomy of a Broken Heart / Second Department Bd.1
Wowes, Marie

Anatomy of a Broken Heart / Second Department Bd.1


sehr gut

Zwischen Abschied und Neubeginn - Wenn das Blaulicht den Weg zurück ins Leben weist

Nach dem Unfalltod ihrer großen Liebe Flynn hat Gracie nur noch ein Ziel: Leben retten, um den eigenen Verlust irgendwie zu bewältigen. Als angehende Notfallsanitäterin absolviert sie ihr Praxissemester auf einer Rettungswache und trifft dort ausgerechnet Holden wieder, Flynns früheren besten Freund. Zwischen Einsätzen, alten Wunden und unausgesprochenen Schuldgefühlen entsteht langsam eine neue Nähe, die beide vor die Frage stellt, ob Liebe nach so viel Schmerz überhaupt möglich ist.

Schon äußerlich hat mich Anatomy of a Broken Heart sofort angesprochen. Das Cover mit der DNA-Doppelhelix ist wunderschön gestaltet und passt perfekt zum medizinischen Thema sowie zur emotionalen Tiefe der Geschichte.

Als großer Fan von Serien wie Emergency Room oder Grey’s Anatomy hat mich vor allem das Setting auf der Rettungswache begeistert. Die Einsätze, der Arbeitsalltag und das Zusammenspiel des Teams werden sehr bildhaft und authentisch geschildert. Man fühlt sich mitten ins Geschehen versetzt, spürt die Anspannung der Notfälle und die besondere Dynamik innerhalb der Wache – das hat mich vollkommen abgeholt.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, was mir sehr gefallen hat. Dadurch entsteht ein tieferes Verständnis für die Figuren, ihre Gedanken und ihre Verletzlichkeit. Gerade bei einem so sensiblen Thema wie Trauer und Schuldgefühlen ist dieser Perspektivwechsel besonders wertvoll.

Mit Gracie als Protagonistin bin ich allerdings nicht sofort warm geworden. Ihre Motivation und ihre Gedankengänge sind nachvollziehbar, und ihr Wunsch, Leben zu retten, ergibt sich logisch aus ihrer Vergangenheit. Dennoch fehlte mir ein gewisses Maß an emotionaler Nähe, um mich ihr wirklich verbunden zu fühlen. Holden hingegen ist für mich ein sehr starker, einfühlsamer Charakter. Umso schade fand ich, dass seine Kapitel oft recht kurz gehalten sind. Gerade sein Umgang mit dem Verlust seines besten Freundes hätte aus meiner Sicht noch mehr Raum verdient. Hier bleibt meiner Meinung nach spürbares Potenzial ungenutzt.

Die Liebesgeschichte zwischen Gracie und Holden empfand ich insgesamt als sehr stimmig. Ihre Annäherung ist vorsichtig, von Zurückhaltung und inneren Konflikten geprägt, aber die Spannung zwischen ihnen ist jederzeit spürbar. Nichts wirkt überstürzt, sondern dem emotionalen Hintergrund der beiden angemessen.

Besonders gelungen fand ich das Ende des Buches. Der kleine Schockmoment ist gut eingebaut und unterstreicht die zentrale Botschaft der Geschichte: Trauma braucht Zeit, Auseinandersetzung und manchmal auch professionelle Hilfe. Dass dieser Aspekt ernst genommen wird, verleiht dem Roman Tiefe und sorgt für einen stimmigen, hoffnungsvollen Abschluss.

Fazit:
Anatomy of a Broken Heart erzählt sensibel von Verlust, Schuld und dem langsamen Weg zurück ins Leben. Es ist eine emotionale Romance mit starkem medizinischem Setting, authentischen Einsätzen und der wichtigen Botschaft, dass Trauer ihren Platz haben darf, aber nicht das Ende der eigenen Geschichte ist. Für mich ein gelungener Auftakt, der Vorfreude auf Band zwei weckt.

Bewertung vom 26.12.2025
Medea
Hewlett, Rosie

Medea


ausgezeichnet

Ein Schicksal, gewebt aus Liebe und Schmerz

Medea wächst ausgegrenzt und gefürchtet am Hof von Kolchis auf. Wegen ihrer Hexenkraft wird sie gemieden, misshandelt und kontrolliert. Als Jason erscheint, um das Goldene Vlies zu erlangen, erkennt Medea darin eine Chance, ihrem grausamen Zuhause zu entkommen. Doch der Weg in die Freiheit fordert einen hohen Preis: Loyalität, Liebe und letztlich Entscheidungen, die alles verändern und unwiderruflich zerstören können.

Medea – Die Hexe von Kolchis hat mich von der ersten Seite an vollkommen in seinen Bann gezogen. Die Geschichte und die mythologische Grundlage sind so intensiv erzählt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Tragisch, schön, spannend und zutiefst herzzerreißend – all diese Gefühle greifen hier ineinander und machen den Roman zu einem echten Leseerlebnis.

Rosie Hewlett gelingt etwas Besonderes: Sie erschafft eine tiefe, schmerzhafte Verbundenheit zur Protagonistin. Medea ist keine ferne Sagengestalt, sondern eine greifbare, verletzliche und zugleich unglaublich starke Frau. Man fühlt mit ihr, leidet mit ihr und ist innerlich zerrissen angesichts der Entscheidungen, die sie trifft. Ihre Handlungen sind nicht immer leicht zu ertragen, aber sie sind teilweise nachvollziehbar, menschlich und konsequent aus der Situation heraus erzählt. Und genau darin liegt die große Stärke des Romans.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Hewlett Medeas innere Konflikte darstellt. Die Zerrissenheit zwischen Loyalität und Selbstbestimmung, Liebe und Verrat, Hoffnung und Verzweiflung ist jederzeit spürbar. Medeas Geschichte ist nicht einfach nur eine Neuerzählung eines Mythos, sondern eine intensive Charakterstudie über Macht, Ohnmacht und die Grenzen dessen, was ein Mensch ertragen kann.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und unglaublich packend. Die Sprache trägt die Emotionen mühelos und erzeugt eine dichte Atmosphäre, die sowohl die Magie als auch die Grausamkeit dieser Welt greifbar macht. Man fliegt durch die Seiten, ohne dass die Tiefe oder Schwere der Geschichte verloren geht.

Fazit:
Medea – Die Hexe von Kolchis ist eine tragische, kraftvolle und emotional aufwühlende Neuerzählung eines bekannten Mythos. Rosie Hewlett schenkt Medea eine Stimme, die lange nachhallt, und erzählt eine Geschichte über Liebe, Verrat, Schmerz und Selbstbestimmung, die unter die Haut geht. Für mich ein absolutes Highlight zum Jahresende!

Bewertung vom 16.12.2025
The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1) (MP3-Download)
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1) (MP3-Download)


sehr gut

Kann ein Pumpkin Spice Latte zwei Herzen näherbringen?

Jude kehrt widerwillig in ihr englisches Heimatdorf zurück, um an der Hochzeit ihrer Schwester teilzunehmen. Dort trifft sie auf James, einen zurückhaltenden Barista mit berühmter Herkunft, der wenig Interesse daran hat, Teil ihres Musikpodcasts zu werden. Als Jude vorübergehend in seinem Café arbeitet, kommen sich die beiden näher. Dabei wird Jude mit der Frage konfrontiert, ob sie weiterhin vor Nähe und Gefühlen davonlaufen will oder ob sie bereit ist, sich auf einen Neuanfang einzulassen.

Als Hörbuch hat mir The Pumpkin Spice Latte Disaster richtig gut gefallen, vor allem wegen der gelungenen Sprecherwahl. Dass Judes Kapitel von einer Sprecherin und James’ Perspektive von einem männlichen Sprecher gelesen werden, empfand ich als sehr passend und authentisch. Die Stimmen haben den Figuren Leben eingehaucht und erleichtern den Perspektivwechsel, wodurch die Figuren an Tiefe gewinnen.

Besonders überzeugt hat mich die realistische Entwicklung der Beziehung zwischen Jude und James. Statt schneller Romantik erleben wir zwei Erwachsene, die sich zueinander hingezogen fühlen und sich schrittweise näherkommen. Dieses natürliche Tempo macht die Liebesgeschichte glaubwürdig und angenehm zu hören.

Weniger überzeugt haben mich James’ innere Gedanken, die stellenweise eine sexistische Sicht auf Jude widerspiegeln. Zwar wird thematisiert, dass sie für ihn zunächst „tabu“ ist und gerade dadurch eine besondere Anziehung ausübt, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er sie stärker als Persönlichkeit wahrnimmt und nicht überwiegend als Objekt seiner Begierde.

Besonders sensibel ist Judes Hintergrundgeschichte, die schwere Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit aufgreift. Die Art und Weise, wie dieses Thema im Buch behandelt wird, empfand ich als problematisch. Traumatische Erlebnisse werden zwar benannt, jedoch fehlt es an einer reflektierten Aufarbeitung oder dem Hinweis auf mögliche Unterstützung. Für manche Hörer*innen könnte dieser Aspekt belastend sein.

Stellenweise verliert die Geschichte etwas an Spannung und zieht sich in die Länge, was dem Hörfluss gelegentlich schadet.
Was jedoch wunderbar gelungen ist, ist das Setting. Das englische Kleinstadtleben, das Café mit seinen Stammgästen, das Herbstfest sowie James’ Familie sind liebevoll ausgearbeitet und schaffen eine warme, stimmige Atmosphäre, die der Geschichte ihren besonderen Charme verleiht.

Fazit:
Als Hörbuch überzeugt The Pumpkin Spice Latte Disaster mit sehr guten Sprecherleistungen, einer glaubwürdig entwickelten Liebesgeschichte und einem stimmungsvollen Kleinstadtsetting. Weniger gelungen ist jedoch die Verarbeitung von Judes belastender Vergangenheit, die weder ausreichend reflektiert noch sensibel eingeordnet wird. Trotz dieses Kritikpunkts bleibt das Hörbuch eine unterhaltsame, herbstliche Romanze mit charmanten und auch spicy Momenten.

Bewertung vom 29.11.2025
Before I met Supergirl
Garvey, Rea

Before I met Supergirl


sehr gut

Woher wir kommen – und wer wir werden

Rea Garvey blickt in diesem Buch auf seine irische Herkunft zurück und erzählt von einer Kindheit voller Chaos, Herzlichkeit und Humor, von Jugendjahren zwischen Rebellion und Selbstfindung, von Verlust, Aufbruch und der Kraft der Musik. Seine Erinnerungen reichen von turbulenten Familienmomenten bis zu wilden Nächten in Belfast. Ehrlich, mal schmerzhaft, mal komisch, aber immer geprägt von irischem Herz und unverwechselbarem Charme. Gleichzeitig lädt er dazu ein, über die eigene Herkunft nachzudenken und darüber, was uns wirklich formt.

Before I Met Supergirl ist eine warmherzige, humorvolle und zugleich bewegende Biografie, die vor allem durch ihre Ehrlichkeit überzeugt. Rea Garvey nimmt einen mit zurück nach Irland, in ein Land voller Gegensätze, in dem Regen, Licht, Freiheit, Tradition, Nähe und Zweifel ständig miteinander verflochten sind. Dabei erzählt er nicht nur von prägenden Momenten, sondern lässt einen tief in sein Familienleben eintauchen.

Besonders die Anekdoten über seine Eltern und seine sieben Schwestern haben mir unglaublich gut gefallen. Diese Szenen sind lebendig, chaotisch und voller Wärme, oft so witzig geschildert, dass man automatisch schmunzeln muss. Aber auch seine Zeit als Student in Dublin und die frühen Begegnungen mit der Musik sorgen für spannende Einblicke. Irland ist dabei immer präsent, mit all seinen Eigenheiten, Traditionen und dem typischen Charme, den Garvey so liebevoll beschreibt.

Ein echtes Highlight sind die privaten Fotos im Mittelteil. Sie machen das Buch noch persönlicher und zeigen einen Rea Garvey, der weit über seine Bühnenpersona hinausgeht. Auch die Ogham-Zeichen fand ich besonders spannend. Sie spiegeln seine Verbundenheit zu Irland wider und verleihen dem Buch eine zusätzliche kulturelle Tiefe.

Sein Schreibstil ist flüssig, humorvoll und gleichzeitig ernst, wenn es darauf ankommt. Diese Mischung sorgt dafür, dass seine Geschichte authentisch wirkt. Besonders beeindruckt hat mich das Zitat auf Seite 208: „Niemand ist perfekt. Wir alle sind fehlerhaft. Und genau das macht uns zu Menschen.“ Ein Satz, der viel von Garveys Haltung und Offenheit widerspiegelt.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich: Der Titel lässt vermuten, dass die Begegnung mit seinem „Supergirl", also seiner Frau, ein zentrales Element des Endes sein würde. Dieser Moment bleibt jedoch aus, was mich ein wenig enttäuscht zurückgelassen hat. Zumindest die Beschriebung der ersten Begegnung hätte für mich die Geschichte noch runder gemacht.

Fazit:
Eine sehr persönliche, humorvolle und zugleich berührende Lebensreise, die Irland mit all seinen Facetten lebendig macht. Rea Garvey schreibt ehrlich, nahbar und mit viel Herz. Trotz meiner Kritik am Ende des Buches, ist Before I Met Supergirl eine wunderbare Lektüre für alle, die Biografien lieben, sich für Irland begeistern oder einfach neugierig sind, was den Musiker geprägt hat.

Bewertung vom 16.11.2025
Wilder Honig
Lewis, Caryl

Wilder Honig


sehr gut

Kann ein Obstgarten Herzen heilen?

Hannah, ihre Schwester Sadie und Megan stehen jeweils an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Der Verlust von Hannahs Mann John, ein lange verborgenes Geheimnis und elf hinterlassene Briefe bringen sie dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Inmitten der walisischen Natur finden sie langsam Orientierung, Trost und neue Verbindungen.

„Wilder Honig“ ist ein stilles, nachklingendes Buch, das weniger durch große Ereignisse überzeugt, sondern durch die leisen Botschaften zwischen den Zeilen. Die Geschichte beginnt schwer und traurig, fast drückend – der Tod, der Verlust und die tiefe Einsamkeit, die Hannah nach Johns Tod empfindet, prägen die ersten Kapitel. Doch gerade diese behutsame, langsame Annäherung an die Trauerbewältigung hat mich berührt. Schritt für Schritt darf man miterleben, wie die Figuren ihre Lasten sortieren, alte Wunden betrachten und nach und nach Frieden finden. Am Ende liegt eine spürbare Leichtigkeit über der Geschichte, die wie ein sanfter Wind durch den Obstgarten weht.

Besonders Johns elf Briefe haben mich fasziniert. Immer wieder stellt sich die Frage, ob er darin tatsächlich nur über die Bienen spricht oder ob er ihr Verhalten als Spiegel seines eigenen Lebens nutzt. Die Metaphern über das Bienenvolk werden zu einer behutsamen Reflexion über seine Beziehung zu Hannah. In ihnen öffnet er sich auf eine Weise, die ihm zu Lebzeiten schwerfiel. Dieses Ungesagte, das nun ans Licht kommt, zählt zu den berührendsten Aspekten des Romans.

Die Handlung an sich ist eher ruhig, stellenweise vorhersehbar, aber ich glaube, genau das beabsichtigte die Autorin. Hier geht es nicht um Spannung oder große Twists, sondern um Melancholie, Enttäuschung, Einsamkeit – und um die subtile Heilung, die aus solchen Gefühlen entstehen kann.

Im Zentrum stehen Hannah, Sadie und Megan. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind und gut miteinander harmonieren, blieben sie mir emotional etwas fern. Oft werden ihre Gedanken und Gefühle nur angedeutet, sodass mir die Nähe zu ihnen fehlte. Vielleicht ist diese Distanz aber bewusst gewählt, denn auch innerhalb der Geschichte begegnen sie einander nicht immer offen oder vertraut.

Wunderschön ist der starke Naturbezug, der das gesamte Buch prägt. Der Obstgarten, die Bienen und die walisische Landschaft wirken lebendig und echt, fast so, als stünde man selbst zwischen den Bäumen. Die naturkundlichen Details und das ruhige Erzähltempo schaffen eine meditative Atmosphäre. Besonders gelungen fand ich den Aufbau entlang der Jahreszeiten, die sich im Leben der Bienen und im Wandel der Obstbäume widerspiegeln. Das verleiht dem Roman eine poetische, stimmige Symbolik.

Fazit:
"Wilder Honig" ist ein ruhiger Roman voller leiser Töne. Seine Stärke liegt nicht in der Handlung, sondern in Themen wie Trauer, Heilung, Natur und zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch wenn mir die emotionale Nähe zu den Figuren teilweise gefehlt hat, hat mich die besondere Atmosphäre sehr berührt. Eine Empfehlung für alle, die stille, tiefgründige Geschichten mögen.

Bewertung vom 12.11.2025
Sweeter Than Pumpkin Spice
Popp, Isabelle

Sweeter Than Pumpkin Spice


gut

Charmant, herbstlich und divers – aber mit zu wenig Tiefe hinter dem Pumpkin Spice Flair

Sadie Fox hat einen Plan: Um endlich die Anerkennung ihres mürrischen Vaters zu gewinnen, will sie ihn während der Kürbisernte vertreten und den Wettbewerb auf der Indiana State Fair gewinnen. Dafür verlässt sie ihre geliebte Großstadt L.A. und kehrt zurück in ihr verschlafenes Heimatstädtchen Pea Blossom. Doch schon zu Beginn scheitert ihr Vorhaben, denn Wildschweine zerstören das Kürbisfeld. Hilfe bekommt sie ausgerechnet von Nachbar Josh, einem fröhlichen Tech-Millionär mit eigenem Kürbisprojekt. Als ein Tornado die Farm verwüstet und Sadie bei ihm Unterschlupf findet, steht sie nicht nur vor einem Neuanfang, sondern auch vor großen Gefühlen.

Isabelle Popp überzeugt mit einem angenehm leichten und atmosphärischen Schreibstil, bei dem sofort Herbststimmung aufkommt. Beim Lesen meint man, den Duft von Gewürzen und frisch gekochten Kürbisgerichten förmlich zu riechen. Besonders gelungen ist, wie natürlich Diversität und Body Positivity in die Handlung eingebettet sind: Sadie ist keine makellose Heldin, sondern eine Frau mit Kurven und kleinen Macken – echt, selbstbewusst und dennoch attraktiv. Auch ihre Bisexualität wird beiläufig und selbstverständlich thematisiert, ohne Klischees oder übertriebene Betonung, was angenehm authentisch wirkt.

Sadie ist eine vielschichtige Figur: bissig und zynisch, aber gleichzeitig verletzlich und loyal. Ihre kreative Leidenschaft als Weberin und der Wunsch, die angespannte Beziehung zu ihrem Vater zu heilen, verleihen der Geschichte emotionales Potenzial, das jedoch nicht vollständig genutzt wird. Einige Themen, wie der Familienkonflikt oder der Kürbis-Wettbewerb, werden angerissen, verlieren aber schnell an Tiefe. So blieb mir Sadie bis zum Ende ein Stück weit fremd, obwohl sie so viele interessante Facetten besitzt.

Josh wirkt mit seiner offenen, optimistischen Art zunächst wie das perfekte Gegenstück zu Sadie. Er ist charmant, großzügig und grundsympathisch. Für mich jedoch einfach viel zu glatt und zu sehr auf Harmonie bedacht. Die körperliche Nähe entsteht schnell, doch die inneren Gefühle kommen zu kurz, wodurch die Chemie zwischen ihnen stellenweise unausgewogen wirkt. Einige intime Szenen fügen sich nicht stimmig in die Charakterzeichnung ein und nehmen der Beziehung etwas von ihrer Glaubwürdigkeit.

Trotzdem hat mir das Buch insgesamt ganz gut gefallen: Die humorvollen Dialoge, die kleinen Wohlfühlmomente und die herbstliche Stimmung machen es zu einer angenehmen Lektüre für zwischendurch. Perfekt für alle, die eine charmante, unkomplizierte Rom-Com mit Kleinstadtflair suchen.

Fazit:
„Sweeter Than Pumpkin Spice“ ist eine angenehm, leichte Liebesgeschichte mit sympathischer Grundidee, starker Diversität und liebevollem Setting. Leider bleibt sie erzählerisch etwas oberflächlich und verschenkt emotionales Potenzial.

Bewertung vom 03.11.2025
City of Storm and Thunder
Elser, Manuela

City of Storm and Thunder


sehr gut

Zwischen Blitzen und Rebellion – ein Fantasyabenteuer mit Licht und Schatten

Rain lebt in Ravenport, einer Stadt, in der Magie verboten ist und dennoch wagt sie es, die Kraft der Blitze zu sammeln, um sich und ihren Bruder am Leben zu halten. Als ihr Bruder verhaftet wird, schließt sich Rain einer Gruppe von Rebellen an, um ihn zu retten. An ihrer Seite kämpft Kite, ein geheimnisvoller Nebelkämpfer, der sie mit seiner ruhigen Stärke fasziniert. Doch bald gerät alles außer Kontrolle: Die Rettungsmission wird zu einer Rebellion, und Rain muss erkennen, dass Freund und Feind in diesem Sturm nicht leicht zu unterscheiden sind.

Die Grundidee der Geschichte hat großes Potenzial: düstere Atmosphäre, Rebellion, Magie, eine moralisch zerrissene Heldin – all das verspricht Spannung und Emotion. Doch leider ist der Einstieg recht holprig: Es fehlt an Orientierung, sowohl was die Welt als auch das Magiesystem betrifft. Weder politische Zusammenhänge noch die Regeln der Magie werden zu Beginn klar erklärt, sodass man sich als LeserIn erst mühsam zurechtfinden muss. Ein kurzer Prolog oder ein erklärendes Kapitel hätte hier viel geholfen. Auch der im Buch verlinkte Glossar bietet zwar nette Zusatzinfos, kann aber die anfängliche Verwirrung nicht ausgleichen.

Die Figuren, besonders Rain und Kite, haben interessante Ansätze, bleiben jedoch oberflächlich gezeichnet. Ihre Beziehung entwickelt sich zwar nachvollziehbar, doch es fehlt an emotionaler Tiefe. Ein paar mehr Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle hätten geholfen, ihre Entscheidungen und Sorgen besser nachzuvollziehen. Mir hat es gefehlt, mit ihnen mitzufiebern, mit ihnen zu leiden und für das einzustehen, was sie mit ihrem Leben verteidigen möchten.

Ab der zweiten Hälfte ändert sich das jedoch deutlich: Die Handlung nimmt spürbar Fahrt auf, die Rebellion wird spannend und intensiver, und viele Fragen aus dem Anfang klären sich endlich. Gerade hier zeigt sich, welches Potenzial die Geschichte hat. Das Setting wirkt greifbarer, die Konflikte stärker, und der Plot gewinnt deutlich an Dynamik. Besonders die Wendung am Ende ist überraschend und gut durchdacht, auch wenn sie für meinen Geschmack noch etwas detailreicher hätte ausgearbeitet werden können.

Fazit:
„City of Storm and Thunder“ ist ein atmosphärischer Fantasyroman mit viel Potenzial, interessanten Ideen und einer spannenden zweiten Hälfte. Leider wird dieses Potenzial durch den unklaren Einstieg, den Mangel an Details sowie die fehlende emotionale Tiefe etwas ausgebremst. Wer sich jedoch durch die ersten Kapitel kämpft, wird mit einer packenden, stürmischen Geschichte belohnt, die neugierig auf mehr macht.

Bewertung vom 26.10.2025
Dem Sturm entgegen
Ahern, Cecelia

Dem Sturm entgegen


sehr gut

Ein leiser, nachdenklicher Roman über Verlust, Selbstfindung und die heilende Kraft der Natur

In einer regennassen Nacht leistet die Ärztin Enya erste Hilfe bei einem Jungen, der Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht wurde. Doch in dem verletzten Kind erkennt sie schmerzhaft ihren eigenen Sohn wieder, den Sohn, zu dem sie längst den Kontakt verloren hat. Die Begegnung weckt Erinnerungen an eine weitere Tragödie: den Tod ihrer Mutter, die in einer stürmischen Nacht im Meer ertrank. Von Schuldgefühlen und innerer Erschöpfung gequält, verlässt Enya schließlich ihre Familie und zieht sich aufs Land zurück. Zwischen Regen, Wind und der stillen Weite der Natur versucht sie, Frieden zu finden, mit sich selbst, mit ihrer Vergangenheit und mit den Menschen, die sie liebt.

Cecelia Ahern erzählt diese Geschichte mit der für sie typischen Mischung aus poetischer Tiefe und emotionaler Ehrlichkeit. Ihr Schreibstil ist flüssig, bildhaft und von einer melancholischen Schönheit, die besonders in den Naturbeschreibungen zur Geltung kommt. Man spürt den Wind, das Rauschen des Meeres und die Kraft der Elemente, die Enyas inneren Zustand widerspiegeln.

Enya ist eine vielschichtige, gebrochene Figur. Stark in ihrem Beruf, aber verletzlich in ihrer Seele. Ahern zeichnet sie mit großem psychologischem Feingefühl: als Frau zwischen Pflichtgefühl, Schuld und Sehnsucht nach Freiheit. Besonders berührend sind die Passagen, in denen Enya den Spuren ihrer Mutter folgt und langsam lernt, die Welt wieder mit offenem Herzen zu betrachten.

Der Roman lebt weniger von Handlung als von Atmosphäre und innerer Entwicklung. Manche Szenen wirken dadurch sehr ruhig oder introspektiv, fast meditativ. Wer hier eine klassische, spannungsgeladene Geschichte erwartet, könnte das Tempo als etwas zäh empfinden. Doch wer sich auf den ruhigen Ton einlässt, wird mit einer intensiven, emotional ehrlichen Reise belohnt.

Fazit:
„Dem Sturm entgegen“ ist ein tiefgründiger, atmosphärischer Roman über Schuld, Verlust und die Suche nach innerem Frieden. Cecelia Ahern verbindet emotionale Stärke mit poetischer Sprache und schenkt ihrer Leserschaft ein Buch, das tröstet, berührt und zum Innehalten einlädt.