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ingri

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Insgesamt 80 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2026
Arsen und Butterplätzchen

Arsen und Butterplätzchen


ausgezeichnet

Weihnachtsgeschichten mit schwarzem Humor

Eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die in der Winter- bzw. Weihnachtszeit spielen. Doch dem nicht genug, beschäftigen sie sich, wie der Titel schon vermuten lässt mit Tod, Mord und/oder schwarzem Humor.
Jede Geschichte wurde von einem anderen Autor verfasst und greift das grobe Thema auch etwas anders auf. Natürlich ist damit auch der Erzählstil etwas anders. Man findet bekannte Namen unter den Autoren und bekommt bei unbekannten wirklich oft auch Lust sich deren andere Werke anzusehen.


Generell wird geschickt mit den oft sehr hohen Erwartungen um Weihnachten gespielt, aber schon einen Absatz weiter ist alles gleich vollkommen anders als gedacht. Ich staune ob der Talente auch in wenigen Seiten einer Kurzgeschichte so geschickt eine wandelbare Geschichte zu transportieren.
Auch die Gestaltung des kleinen Büchleins darf nicht unerwähnt bleiben, greift doch auch die weihnachtliche Einleitung der Kapitel das Thema Mord kunstvoll auf.


Definitiv empfehlenswert, wenn man nicht die klassischen Weihnachtsromane möchte und vielleicht auch etwas sucht, dass man auch leicht zwischendurch lesen kann. Vielleicht darf man sich noch auf eine Variante zu einer anderen Jahreszeit freuen.

Bewertung vom 19.01.2026
Minnesota
Nesbø, Jo

Minnesota


ausgezeichnet

alles neu bei Jo Nesbo- neuer Ort, neuer Ermittler

Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise in Minneapolis und an den jeweiligen Schauoplätzen.
Im Jahr 2016 ist Ermittler Bob Oz, recht eigenwillige und psychisch angeschlagen, verantwortlich für einen Fall um einen illegalen Waffenhändler Marco Dante. Jener wurde angeschossen, lebt allerdings noch. Das Besondere – der Schuss dürfte mit einem Scharfschützengewehr abgegeben worden sein und es besteht die Möglichkeit, dass dahinter vielleicht ein legendärer Auftragskiller steht. Auf der Jagd nach dem Mörder, ist dieser immer einen Schritt voraus. Außerdem kämpft Oz mit sich selbst und seinem Schicksal – eine tote Tochter, eine Ehefrau, die ihn verlässt und Freunde, die sich zurückziehen.

Beide Erzählebenen sind von Beginn an verwoben – die Orientierung war für mich leicht, auch da die Orientierung anhand der Kapitelüberschriften einfach war. Jedoch gewinnt das Buch vor allem ab dem Moment, als man die Person Oz besser kennen lernt: Ab und zu wird noch in Rückblicken auf Bob Oz Schicksal eingegangen, so dass man den Ermittler immer mehr versteht. Es rollt sich also alles parallel auf – die Suche nach dem Täter und die Tatsache, dass Oz mit all dem bisherigen und jetzt erlebten, zurechtkommen muss.

Der Typus des Ermittlers ist dem der Vorgängerbücher Jo Nesbos ähnlich – ein Antiheld, wie auch schon bei Harry Hole. Beide kennzeichnet ein klarer Moralkodex, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und beide sind traumatisiert. Er wird von Schuld und Verdrängung geprägt, tendiert dazu als Einzelkämpfer zu arbeiten und ist ein ausgezeichneter Ermittler.

Im Gegensatz zu bisherigen Werken des Autors, verlässt dieses Buch auch die Nordeuropäische Region und spielt eben in Minnesota, USA. Entsprechend werden auch Besonderheiten amerikanischer Großstädte aufgegriffen wie liberaleres Waffenrecht, Bandenkriminalität aber auch aktuelle Bezüge zu Trump, George Floyed und Covid werden geschickt eingewoben.

Nach allen Perspektivenwechseln laufen die Erzählungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen, zu einem Plot mit Tiefgang und Aktualität. Eine Empfehlung wenn man einen Krimi mit ebensolchem Tiefgang sucht.

Bewertung vom 18.01.2026
Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku'damm
Stürickow, Regina

Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku'damm


ausgezeichnet

spannend, lehrreich- so lernt man Geschichte gerne kennen

Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen Geschäfte. Das Team um Kommissar Gennat übernimmt die Ermittlungen, auch wenn diese sich auf Grund des Zeitgeistes schon etwas anders als früher gestalten. Der Druck für erfolgreiche und rasche Ermittlungen ist hoch, möchte doch die neue Regierung der NSDAP ein makelloses Deutschland nach außen hin präsentieren, speziell da die Eröffnung der Winterolympiade bevorsteht.

Ein definitiv spannendes Werk, verknüpft es doch Tatsachen wie die Grundzüge des Falles und so mancher Personen mit fiktiven Charakteren wie dem Reporter Kaminski. So war Ernst Gennat, umgangssprachlich auf Grund der Körperfülle auch „Buddha“ oder „der Volle Ernst“ genannt, eine reale und vor allem wichtige Person in der Kriminalistik und in Berlin im Speziellen. War er doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Ermittlungen strukturierter abliefen und mehr systematisch dokumentiert wurde. So sollen das legendäre Mordauto – ein mobiles Büro für die Spurensicherung- und eine Verbrecherkartei auf seine Ideen zurückgehen.

Auch der Raubmord und den entsprechenden Täter hat es so auch gegeben und die Befragungen wurden nach originalen Protokollen nacherzählt. Die gesamte Ermittlungsarbeit wurde im Buch wirklich detailliert übernommen und macht das miträtseln zum Vergnügen.

Ebenso gelungen sind die allgemeinen Einblicke in das Berlin der Zeits, bzw. den Zeitgeist allgemein. Vieles davon wird durch die Erlebnisse der fiktiven Charaktere Max und Lissy Kaminsky und Georg Hawliczek transportiert. Erstere auf Grund ihrer Jüdischen Herkunft nicht mehr in ihren Berufen aktiv und in der Überlegung Berlin auf Grund des Antisemitismus zu verlassen. Letzterer als ausländischer Reporter mit Blick von außen auf das „Neue Deutschland“. Die Stimmung wird gut – und auch bedrückend transportiert. Ebenso die Tatsache, dass nicht alle zufrieden mit der neuen Situation waren.

Auch wenn dieses Werk, ein Band einer ganzen Reihe um die Person Kommissar Gennat ist, lässt es sich wunderbar eigenständig lesen. Ich bin froh die Reihe entdeckt zu haben, und werde in absehbarer Zeit auch die Vorgängerbände lesen.

Bewertung vom 13.01.2026
Meine Tiroler Welt
Fahringer, Viktoria

Meine Tiroler Welt


ausgezeichnet

moderne Tiroler Küche

Viktoria Fahringer jüngste Haubenköchin Österreichs 2020- präsentiert in diesem Kochbuch ihre Heimat Tirol. Ein wirklich schön gestaltetes, modernes Kochbuch, aber gleichzeitig auch mehr als das nämlich ein allgemeiner Einblick in Tirol, ein Roadtrip, eine Reportage zu verschiedenen Produzenten.

Im Laufe eines Kalenderjahres -unterteilt in die Jahreszeiten werden Produzenten und passende Rezepte vorgestellt. Neben Klassikern wie Schlutzkrapfen-und Kaspressknödel, finden aber auch modernere Gerichte in das Buch Einzug. Oder bekannte Rezepte werden neu interpretiert wie ein vegetarisches Tiroler Gröstl.

Für alle die nicht dem Österreichischen mächtig sind, gibt es auch noch ein entsprechendes Glossar um Unklarheiten zu beseitigen.

Definitiv ein empfehlenswertes Kochbuch, auch wenn ich nicht alle Rezepte allein der Tiroler Küche zuordnen würde.

Bewertung vom 13.01.2026
Down Cemetery Road
Herron, Mick

Down Cemetery Road


ausgezeichnet

der erste Mick Herron Spionage Roman- typisch britisch

Sarah Tucker, wohnhaft in Oxford, ist gelangweilte Hausfrau, und das auch nicht freiwillig. Als es in ihrer Nachbarschaft zu einer Explosion kommt und dabei ein Kind spurlos verschwindet, wird ihr Ehrgeiz geweckt. Gemeinsam mit der Privatermittlerin Zoe Boehm fängt sie zu ermitteln an und stößt rasch auf Täuschungen, Verwirrungen und persönliche Verstrickungen. Und zu allem Überfluss ist auch noch die Regierung irgendwie beteiligt.

Sollte man den mittlerweile doch bekannten Autor Mick Herron kennen findet man sich auch in diesem – seinem Erstlingsroman aus dem Jahr 2003- in seinen bekannten Stil wieder. Schwarzer Humor, das typisch britische, die doch sehr speziellen Charaktere, scharfsinnige Dialoge, all das stellt sich wie auch in seinen chronologisch betrachtet späteren Werken der Slough Horses Serie dar. Manches mag vielleicht noch etwas unausgegorener sein und noch nicht so perfekt sitzen wie in den späteren Werken, aber man erkennt die Handschrift.
Rasch wird eine düstere, leicht klaustrophobische Atmosphäre in Oxford geschaffen und man lernt die Figuren ausgiebig kennen. Etwas zu ausgeprägt vielleicht, bis die Spannung und Handlung konstant dichter werden. Man erhält spannende, leicht unkonventionelle Charaktere, die exakt präsentiert werden. Auch wenn Sarah Tucker, hier maßgeblich ermittelt, sollte man sich Zoe Boehm merken, da sie die eigentliche Ermittlerin in den nächsten Werken wird. Weiters sind Dialoge messerscharf, Alltagsbeobachtungen exakt auch teils über Absurditäten wie der richtige Ort die Zahnseide aufzubewahren. Handlungen und Hintergrundgeschichten werden auf unglaubliche Weise verknüpft- mit realem Bezug und Betrachtung der Politik von Großbritannien. Auch mit allgemeiner Gesellschaftskritik wird nicht gespart.

Rasch hat man ganz viele Handlungsstränge in der Hand und muss genau aufpassen beim Lesen, um keinen zu verlieren. Es wird mit Täuschungen gearbeitet und genau dies macht den Reiz für mich aus. Man fragt sich, wem man eigentlich noch trauen kann. Es ist also definitiv kein Buch für zwischendurch und definitiv kein Cozy Crime.

Für mich war es definitiv lesenswert, auch weil ich mich gefreut habe ein frühes Werk von Mick Herron zu sehen und damit seine Entwicklung zu verfolgen. Ich werde definitiv auch noch die anderen Bände der Zoe Boehm Reihe lesen – auf Deutsch oder Englisch entscheidet dabei wohl der Verlag.

Bewertung vom 12.01.2026
Verbrenn das Negativ
Winning, Josh

Verbrenn das Negativ


ausgezeichnet

Thriller mit Horrormovie-Elementen

Das Remake eines berühmt berüchtigten Horrorfilms wird in L.A. gedreht und Journalistin Laura Warren von ihrem Magazin beauftragt darüber zu berichten. Doch was eigentlich nur ihre Familie weiß, ist, dass Laura Warren vor dreißig Jahren die Hauptrolle in diesem Film spielte - ein Mädchen, dass die Fähigkeit hatte den Tod vorherzusagen. Im Laufe der Jahre haben acht Mitglieder der Produktion auf dem ein oder anderen Weg den Tod gefunden. Der Film scheint verflucht zu sein. Als Lauren mit ungutem Gefühl den Weg zum Filmstudio antritt stürzt ein Mann hinter ihrem Wagen von der Brücke. Als weitere außergewöhnliche Ereignisse passieren, ist sie sicher, dass das Unglück von vorne beginnt.

Das Buch ist vereint (Mystery)Horror, Thriller und ein wenig klassische Suche nach dem Täter. Auch einen gewissen Dokumentationscharakter kann man dem Werk zuordnen, da vor jedem Kapitel Elemente des Ursprungsfilm „The Guesthouse“ bzw. des Mythos um diesen- im Stile einer Dokumentation präsentiert werden. Interessant ist auch, auf wie viele berühmte Horrorfilme der 1980er und 1990iger hier Bezug genommen wird wie Poltergeist oder der Exorzist.

Der Spannungsbogen bleibt meiner Meinung nach, über große Teile flach mit kleinen Peaks und steigert sich erst im letzten Drittel, zum Showdown. Der Mittelteil schwächelt allerdings etwas. Die Spannung ergibt sich aus der Frage, was tatsächlich passiert und welcher Ereignisse sich rein in Lauras Kopf abspielen. Man befindet sich, obwohl man im sonnigen, perfekten L.A. ist, dauernd in dunkler Stimmung. Lauras Vergangenheit als Kinderstar bricht immer wieder durch, und man ahnt bald, dass nicht alles eitel Wonne war. Kurzum man fängt an alles zu hinterfragen, bis einem ein doch etwas turbulentes und abgedrehtes Ende präsentiert wird, dass allerdings doch schlüssig ist.
Figurentechnisch sticht Lauren Warren, der ehemalige Kinderstar und jetzt Journalistin hervor. Sie wird von ihrem Kindheitsruhm und den Schwierigkeiten als Kindheitsstar verfolgt, genauso wie von den Ambitionen, die ihre „Eislaufmutter“ mit ihr hatte. Man kann all ihr Unbehagen gut nachempfinden, auch wenn die Schilderung teilweise sehr repetitiv auftreten. Allerdings landet man auch nicht so schnell am Grund aller Problemen. Den Charakter ihrer Schwester Amy fand ich auch gut gelungen, denn auch sie trägt ihr Päckchen als Schwester des Filmstars, der ihren Traum lebte.

Einen Thriller, den ich so noch nicht kannte, der mich allerdings gut mitnahm, auch da er sehr atmosphärisch ist und gut konstruiert war. Definitiv etwas, das Liebhaber des Horrorgenres versuchen sollten.

Bewertung vom 06.01.2026
Die Magnolientochter / Die Blumentöchter Bd.4
Collins, Tessa

Die Magnolientochter / Die Blumentöchter Bd.4


ausgezeichnet

aufwühlende Suche nach den eigenen Wurzeln

Magnolia, die in London lebt und sich privat und beruflich sehr für den Umweltschutz engagiert, kehrt wieder einmal zum Haus ihrer Großeltern zurück um dort Zeit mit ihrer weitern Familie zu verbringen. Man findet in den Unterlagen der Großmutter eine alte Rechnung und ein Flugticket – beides mit Bezug zu Neuseeland – der Heimat von Magnolias Mutter. Getrieben durch diese Funde und der Tatsache, dass es Magnolias Mutter neuerlich sehr schlecht geht, macht sie sich auf den Weg nach Neuseeland. Ihr Ziel dort, ist neben der Suche nach den Geheimnissen um ihre Familie, auch mehr über den Umweltschutz in Neuseeland zu erfahren, wobei sie sehr engagierte und sympathische Mitstreiter findet.

Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt – der Ebene von Magnolia in der jetzt Zeit, die den Hinweisen folgt und Neuseeland entdeckt. Die zweite Ebene folgt ein junger Maori mit den Namen Amiri in den 1960er Jahren, die auf einer Farm arbeitet. Wie man natürlich von Beginn an erahnen kann, hängen beide Geschichten zusammen, jedoch rätselt man natürlich wie.

Speziell der Erzählstrang von Magnolia, ist natürlich der Suche nach Hinweisen gewidmet. Es ist allerdings auch viel mehr – man merkt auch an Magnolia eine Entwicklung, die sie in diesem Land vollzieht – sie wird zugänglicher und legt ihre doch eher dogmatischen Ansichten immer mehr ab. Die Entfernung zur Heimat, das neue Land und die Bekanntschaften verändern eben den Blick auf so manches. Wie nebenbei entwickelt sich auch eine Liebesgeschichte.
Die Geschichte um die Suche nach Hinweisen ist realistisch, wie ich meinen würde – immer wieder durch Rückschläge und Zufälle gekennzeichnet. Man jagt durchs ganze Land und lernt dadurch – nebenbei- die schöne Landschaft Neuseelands und einige Sitten der Maori kennen. Generell ist es eine sehr berührende Geschichte, die wenn auch fiktiv, sicher auch so passieren hätte können. Auch gibt die Geschichte Hoffnung – dass man Traumata überwinden kann. Man kann sein Glück finden, auch wenn es unwahrscheinlich scheint.

Auch wenn dies bereits der vierte Band um die Kinder bzw. Enkelinnen der Familie Carter ist, lässt sich der Roman auch ohne Probleme allein lesen. Bei der Übersicht hilft der Stammbaum zu Beginn durch die ersten Szenen.
Für mich war es definitiv ein Ansporn auch weiter Bände der Serie zu lesen, da es ein kurzweiliger und schön gestalteter Roman war.

Bewertung vom 04.01.2026
Bad Actors
Herron, Mick

Bad Actors


ausgezeichnet

schlagfertiger, britischer Politkrimi

Das aktuelle Regierungskabinett in London ist anders als bisherige – ein Berater des Regierungschefs, der alles anders macht als Bisherige – er holt eine Superforcasterin ins Team. Doch eines Tages verschwindet diese. Über Umwege wird der ehemalige MI5 Chef Claude Wheelan mit der Untersuchung beauftragt. Er nimmt die Untersuchung bei seiner Nachfolgerin Diana Taverner auf, derzeitige Chefin des MI5 – auch weil der Verdacht laut wird, dass der Geheimdienst mit einem illegalen Programm am Verschwinden beteiligt sein soll. Die Spur schließlich zum legendären bzw. berüchtigten Jason Lamb – Chef der Slow Horses. Einer Abteilung des MI5 bei dem in Ungnade gefallene Agenten landen.

Man findet sich rasch in einem Strudel aus Irrungen und Wirrungen, Intrigen und Überraschungen. Die Handlung ist komplex, verstrickt und gut konstruiert. Geschickt sind aktuelle Ereignisse – gemessen am ursprünglichen Erscheinungstermin- eingeknüpft- der Brexit, die Nachwirkungen der Covid-Pandemie, ein Premierminister mit spannenden Post-Brexit-Visionen. Sollte man sich etwas mit der britischen Politik beschäftigt haben, hat man auch rasch ein entsprechendes Bild im Kopf.

Die Charaktere sind sehr speziell- scharf gezeichnet und unterhaltsam – auch wenn man sie nicht unbedingt alle ins Herz schließt. Vor allem ihre weniger liebenswürdigen Charakterzüge werden gut dargestellt. Man hat eine eher intrigante Chefin des MI5. Jason Lamb, einen Spion, der nicht sehr umgänglich mit den meisten Personen ist, speziellen Charm besitzt und messerscharf kombiniert. Slow Horses die koksabhängig sind, weltfremde Nerds sind und noch so einige spannende Macken haben.

Wichtig ist es der Geschichte aufmerksam zu folgen, da es rasche Szenenwechsel bzw. Blickwinkelwechsel gibt. Eine Einteilung in ordentliche Kapitel gibt es nicht. Auch wird nicht linear erzählt – die Zeitebenen wechseln, richtig klar wird dem Leser das aber erst später.

Das vorliegende Buch – Bad Actors – ist mittlerweile der achte Band einer Serie um Agent Jason Lamb und seinem Team von Agenten – den Slow Horses. Für mich war es der erste Band der Serie den ich gelesen habe, jedoch kannte ich das Thema von der entsprechenden Serie. Grundsätzlich lässt sich die Geschichte auch so verstehen, jedoch profitiert man denke ich, wenn man die Bände entsprechend der Reihenfolge liest und Zusammenhänge und Hintergründe besser zu verstehen.

Ich werde mich definitiv in die Vorgängerbände stürzen, denn es war für mich ein gelungener Politkrimi. Mit schlagfertigem, bösen ja britischen Humor.

Bewertung vom 01.01.2026
Die verlassene Tochter / Die verlorenen Töchter Bd.6
Lane, Soraya

Die verlassene Tochter / Die verlorenen Töchter Bd.6


sehr gut

eine unerwartete Erbschaft in Argentinien - mit einer emotionalen Vergangenheitsebene

Die verlassene Tochter ist der sechste Band der Serie „Die Verlorenen Töchter“ von Soraya Lane. Jedes Buch greift das Schicksal eines Mädchens auf, dass in einem Londoner Frauenhaus vor vielen vielen Jahren geboren wurde, und dann zur Adoption freigegeben wurden – als Hinweis nur eine kleine Schachtel mit persönlichen Dingen. Jedoch wurde diese kleine Schachtel nicht planmäßig zum einundzwanzigsten Geburtstag überreicht, sondern erreicht jetzt nachfolgende Generationen.

So auch hier – Rose, die in London lebt, verliert ihre Mutter nach einer Zeit der Pflege. Bald erreicht sie ein Brief, der an ihre Mutter adressiert war, und erklärt, dass diese Erbin eines Anwesens in Argentinien ist. Sie tritt die Reise nach Argentinien an, um diesen Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen und erfährt, dass sie Nachfahrin von Valentina Santiago ist, einer Förderin des Polosports und Besitzerin einer Ranch. Auf der Suche nach Hinweisen zu ihrer Urgroßmutter und deren Geschichte, lernt sie unter anderem den charmanten Reiter Benjamin kennen. Rasch erfahren sie, dass die Geschichte ihrer beiden Familien eng verwebt ist.

Wie die Vorgängerbände der Reihe lässt sich auch dieser sehr gut als Stand Alone lesen. Auch die Erzählweise entspricht der der Vorgängerbände – im Wechsel werden Szenen aus der Gegenwart mit welchen aus der Vergangenheit verknüpft. Stück für Stück taucht der Leser damit in die Geschichte ein, den Protagonisten oft doch ein Stückchen voraus.

Die Geschichte aus der Vergangenheit und die Schicksale sind emotional sehr aufwühlend und für die damalige Zeit auch gut gewählt. Etwas verblasst für mich im Vergleich dazu die Geschichte der Gegenwart, vielleicht weil die Vergangenheit oft viel emotionaler geschildert wird. Beide Charaktere Rose und Valentina sind auch hier sympathisch und reagieren verständlich. Roses Erzählstrang beschränkt sich aber sehr darauf nach Argentinien zu gehen und den charmanten Benjamin kennen zu lernen. Natürlich muss sie den Verlust ihrer Familie überwinden und steht vor einem kompletten Umbruch in ihrem Leben, jedoch ist diese Ebene für mich etwas zu vorhersehbar.

Nichtsdestotrotz habe ich auch diesen Band genossen, auch auf Grund des verstrickten Erzählstils. Ein kurzweiliger doch auch sehr emotionaler Roman, über Frauengeschichten in der Vergangenheit die durchwegs so passiert sein könnten.

Bewertung vom 24.12.2025
Die Welt in unseren Händen
Walton, Emily

Die Welt in unseren Händen


ausgezeichnet

intensive, emotionale Geschichte im zweiten Weltkrieg

Ein -fiktiver- historischer Roman, der sich dennoch an einer realen Lebensgeschichte orientiert, nämlich der der Großmutter der Autorin.

Emma besucht ihre neunundachtzig Jährige Großmutter in ihrer Wohnung in einer betreuten Einrichtung. Die Enkelin findet ein ihr bisher unbekanntes, älteres Buch, dass eine besondere Widmung enthält – und so erzählt ihre Großmutter ihr von ihrem Leben zur Zeit des Krieges. June, die aus ärmlichen und komplizierten Familienverhältnissen, aus einem Ort in Essex stammt, meldet sich zur WAAF, einer Frauenunterstützungseinheit für die britische Luftwaffe. Sie hofft damit etwas zu bewirken, ihrem bisherigen Leben zu entkommen und vielleicht auch das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Die Grundausbildung ist nicht einfach, sie trifft aber inspirierende Kolleginnen in der Grundausbildung. Auch um der trostlosen Büroaufgabe in der nähe von London zu entkommen, meldet sie sich für eine Auslandseinsatz. Sie landet dabei in Kairo, wo sie den charmanten Südafrikaner Ken kennenlernt, der für die Kriegsberichterstattung zuständig ist. Doch darf sie so fern ab der Heimat ihr leben genießen, während ihre Kollegen und Freunde in London zittern.

Spannend in all dem ist die Tatsache, dass wir zu Beginn -in der Gegenwart- eine ältere, gebrechlichere Frau vorgestellt bekommen. Man ist umso überraschter welche Geschichten und Geheimnisse sie preisgibt. June ist zu Beginn des Buches eine ängstliche an sich selbst zweifelnde Frau, natürlich auch durch ihre Umstände. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater Alkoholiker, der ihren Lohn einsteckt. Sie hat zwar einen netten Freund, der sie auch heiraten möchte, jedoch fürchtet sie dann auch wieder in einer wirtschaftlich unsicheren und eher öden Zukunft zu landen. Man begleitet June durch verschiedene Etappen ihres Lebens bzw. vor allem während ihrer Tätigkeit bei der WAAF. Es ist ein Wechselbad der Gefühle: zwischen Freude und Gemeinschaftssinn mit ihren Freudinnen Dotty und Peggy, und Abschiedsschmerz kombiniert mit Vorfreude und der Angst vor dem Unbekannten. Schließlich entwickelt sie sich zu einer starken, weniger ängstlichen Frau, die einen neuen Blick auf ihr Leben bekommt.

Bei all dem ist der Leser dabei- hautnah, mitfiebernd und teilweise mit zerrissenem Herzen. So gelungen ist die Schilderung der Szenen und die erzeugte Sogwirkung.

Hervorzuheben ist auch mit welcher Genauigkeit, die verschiedensten Tätigkeiten der WAAF, die June durchläuft, geschildert werden. Büroarbeit in London und Kairo zu unterschiedlichem Zweck und auch die schwere körperliche Arbeit beim Errichten von Ballonsperren. Traurig war es zu sehen, mit welchen Vorurteilen Frauen zu kämpfen hatten – sie mussten trotz aller Kriegswirren nett und adrett aussehen und trotz aller Bemühungen, waren sie dennoch immer den Männern untergeordnet, die sich nicht immer Gentleman- like benahmen.

Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen, der einen historischen Roman sucht, der sich mit etwas künstlerischer Freiheit – an einer wirklichen Lebensgeschichte orientiert. Es war definitiv mitreißend und herzerwärmend.