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blauesherzblattblog

Bewertungen

Insgesamt 9 Bewertungen
Bewertung vom 16.09.2025
Es könnte so einfach sein
Handorf, Anne

Es könnte so einfach sein


sehr gut

Wichtig und wegweisend

Vera schreibt und ist über die Jahre immer wieder mit der Verlagswelt und deren veralteten Vorstellungen konfrontiert - ein zeitlicher Abriss.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren eher mäßig und wurden haushoch übertroffen!
Erstens: Hinter dem Autorinnennamen verbirgt sich ein Autor*innen-Duo, was dem Buch sicher positiv zu gute kam – vor allem, was Vielschichtigkeit und Perspektiven angeht.
Die Hauptfigur Vera ist mir vom Alter her mit ihren fast 65 Jahren zwar fern, aber sie war mir über die Seiten hinweg doch sehr nah. Ich mochte es sehr, mich in ihre Welt und ihre Gedanken hineinzulesen. Ihre Sicht auf die Welt, besonders unter feministischen Aspekten, war ein bisschen wie Frauen aus meinem Umfeld zuzuhören – nur gebündelter und pointierter.
Das Buch gibt unterschwellig, sehr dezent und doch präsent einen guten Abriss über die Entwicklung der Rechte von Frauen seit den 60ern und lässt tief blicken, wie viel Kraft und Biss in Vera stecken, um sie dorthin zu bringen, wo sie 2005 steht.
Ich mochte die verschiedenen Plotstränge, die alle für sich stehen konnten, und die Botschaft, die unmissverständlich hinter allem stand!
Das klingt jetzt ernst, aber das Buch war oft auch witzig, unterhaltsam, frech, hat viele Töne angeschlagen – und ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten und vom Schreibstil getragen gefühlt. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

Dieses Buch zeigt anschaulich, wie wichtig bis heute das Thema Verständnis im Feminismus ist. Frauen müssen sich bis heute behaupten, werden belächelt und nicht ernst genommen. Vera erlebt all das jahrelang, teilweise sehr zermürbend und mit viel innerem Druck verbunden. Aber sie zeigt auch, wie ein guter Umgang damit aussehen kann, wie viel Kraft Verbündete geben können – Menschen, die stärken, zuhören und all dem Raum geben.
Und am Ende fasst der Titel des Buches alles sehr gut zusammen: Es könnte so einfach sein, dass wir alle gleich sind, die gleichen Chancen bekommen und Worte gleich viel zählen, gleich viel wert sind …

Bewertung vom 16.09.2025
Spookily Yours
Chipman, Jennifer

Spookily Yours


weniger gut

Enttäuschend

Das Cover hat mir sofort gefallen und mich neugierig auf den Inhalt gemacht.

Mein erster Leseeindruck war: Wow, was soll ich zu diesem Buch noch sagen? Cover und Buchschnitt sind optisch ein echtes Highlight und haben mich direkt in wohlige Herbststimmung versetzt. Anfangs war ich skeptisch, ob hier nur lauter Herbstattribute aneinandergereiht werden. Diese Sorge hat sich jedoch schnell gelegt, und ich war mitten in der Handlung – begeistert von den zwei Perspektiven und der zauberhaften Welt, in die uns die Autorin entführt. Als Willow dann auch noch Damians Namen gehört hat, war ich völlig gefesselt und wollte unbedingt weiterlesen.

Leider hat dieser positive Eindruck nicht lange angehalten. Die Handlung wirkte zunehmend gehetzt und wie hastig auf die Seiten gebracht. Dadurch fehlte es für mich an Authentizität und Tiefe, vieles ging einfach zu schnell. Emotional konnte mich das Buch so nicht mehr richtig erreichen.

Das Setting und die Grundidee habe ich sehr gemocht, doch die Liebesgeschichte war für mich kaum nachvollziehbar. Sie wurde zu schnell aufgebaut und hätte deutlich mehr Erzählzeit gebraucht. Auch der Plot insgesamt fühlte sich übereilt an. Der Spice war für meinen Geschmack zu abrupt – von null auf hundert – und hat mich eher irritiert als überzeugt. Damian wirkte auf mich stellenweise übergriffig, und weder die Haupt- noch die Nebenfiguren konnte ich wirklich greifen. Hier hätte ich mir mehr Details und Tiefgang gewünscht.

Meine Erwartung: herbstliche Atmosphäre, eine stimmige Romance und spannende Hexenfiguren.
Meine Realität: eher enttäuscht, ein wenig ratlos und mit dem Gefühl zurückgelassen, dass ich etwas ganz anderes erwartet hatte.

Bewertung vom 16.09.2025
Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben (MP3-Download)
Rundberg, Johan

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben (MP3-Download)


ausgezeichnet

Flavia de Luce bekommt Konkurrenz!

Willkommen Ende des 19. Jahrhunderts im winterlichen Schweden – genauer gesagt in Stockholm, noch genauer in einem Waisenhaus. Hier lebt Mika ihr kleines Leben, das ganz schön aus den Fugen gerät, als sie zunächst ein geheimnisvolles Neugeborenes entgegennimmt und wenig später mit einem Mord konfrontiert wird.

Zur Umschlaggestaltung habe ich nichts hinzuzufügen, eine gute Wahl, gefiel mir gut und passte gut zum Inhalt.
Speziell das Hörbuch betreffend bin ich hin und weg von der Sprecherin und habe lange nicht mehr so gern zugehört! Sie hat äußerst angenehm gelesen und die verschiedenen Figuren in meinem Kopf zum Leben erweckt.

Die Geschichte war bis zur letzten Seite bzw. Minute spannend – so, wie ich mir das von einem Krimi wünsche. Das gesamte Setting war sehr ausführlich und anschaulich ausgeschmückt, und ich hatte Schweden zu der Zeit innerlich vor Augen.
Äußerst sympathische Erzählperspektive, von der ich noch viel mehr hören will.
Die Figuren habe ich komplett ins Herz geschlossen und erleichtert festgestellt, dass es noch weitere Teile der Mika-Reihe gibt, schließlich wurde bisher noch nicht jedes Geheimnis vollständig gelüftet. :)
Spannung war in Hülle und Fülle vorhanden, und ich glaube, ich habe nach Flavia de Luce meine neue Lieblingsheldin im Stil von Sherlock gefunden, die Flavia in Sachen Gründlichkeit, Humor und Wagemut in nichts nachsteht. Mein feministisches Herz hat ebenfalls bei der ein oder anderen Textstelle höher geschlagen, als deutlich wurde, dass im Untergrund von Stockholm die ein oder andere weibliche Figur die Fäden in den Händen hält.

Summa summarum: eine ganz große Empfehlung für ein fesselndes Am-Stück-Durchhören oder -Durchlesen – wunderbar spannend, ein bisschen gruselig und sehr herzerwärmend!

Bewertung vom 24.09.2024
Blue Sisters
Mellors, Coco

Blue Sisters


ausgezeichnet

Girlshood!
Als erstes war da dieses wunderschöne Cover und der zum Titel passende blaue Buchschnitt, aber spätestens ab dem ersten Blick ins Buch war meine Begeisterung nicht mehr zu bremsen.
Die Autorin schafft es zwischen den Seiten alle vier Schwestern und die Dynamiken zwischen ihnen so detailreich und mit einem so liebevollen aber auch sehr ehrlichen, fast schon therapeutischen Blick zu beleuchten. Ich habe den Sprachstil, den sie dafür verwendet, geliebt und mein Exemplar über und über mit Postits versehen, da so viele Stellen für mich sprachlich so schön und anders als sonst ausformuliert waren.
Alle vier Schwestern haben bzw. hatten ihr Päckchen zu tragen und stehen vor großen Fragezeichen. Zusätzlich sind die drei zurückgebliebenen Schwestern nach Nickys Tod damit konfrontiert, wie Trauer für jede persönlich aussehen kann und ob sie eine neue Dynamik finden ohne ihre Schwester und auf den Zusammenhalt der so unterschiedlichen anderen Schwestern zählen können.
Ich konnte mich an so vielen Stellen in die Schwestern hineinversetzten und bei ihren Learnings manchmal nur aufgeregt nicken, weil ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe und habe den Leseprozess dahingehend wie einen richtig ehrlichen Austausch mit Freundinnen erlebt.
Und auch die Aufarbeitung und Thematisierung von Generationenkonflikten und Blicke in die Vergangenheit und wie sehr diese uns beeinflußt und wie wir aufwachsen und welche Rollen wir bereits früh innerhalb der Familie einnehmen, hat mir gut gefallen und mich nur so durch das Buch fliegen lassen.

Insgesamt hat mir die Mischung aus schweren Themen wie Sucht, Verlust und Umbrüchen aber auch vielen leichten und lustigen Szenen und Erinnerungen sehr gut gefallen. Die schweren Themen wurden immer wieder gut moderiert und eingebettet und nicht nur als Aufhänger oder für die Spannung ausgeschlachtet und einige Lösungsmöglichkeiten in Aussicht gestellt.

Außerdem hat mich die feministische Perspektive in dem Buch positiv überrascht und ich habe es sehr geschätzt, dass immer wieder Themen und Schwerpunkte subtil gesetzt und angebracht wurden, zum Beispiel der Fakt, dass Endometriose immer noch zu selten von Ärzten ernst genommen wird und innerhalb des Buches auch gegendert wurde.

Ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen, eignet sich in dieser ästhetischen Ausgabe sicher auch zum Verschenken!

Bewertung vom 24.09.2024
Das mörderische Christmas Puzzle
Benedict, Alexandra

Das mörderische Christmas Puzzle


ausgezeichnet

Rätselspaß pur

Dieses Buch hat mich ab der ersten Seite mit seinen authentisch verschrobenen Charakteren und dem trockenen britischen Humor, der immer wieder zum tragen kommt, abgeholt und war schon allein deswegen ein einziger Lesegenuss, der leider viel zu schnell wieder vorbei war. Zudem war die Figurenzeichnung in meinen Augen in genau dem richtigen Maß ausgeschmückt, und war reichhaltig und interessant, ohne ermüdend zu wirken. Edie und ihre Freundin, aber auch einige andere, würde ich nur zu gern kennenlernen und Edies ganz bestimmte Teemischung mit Ihnen trinken.

Interessant und gut ausformuliert fand ich auch die verschiedenen Perspektiven, die sich im Buch immer wieder abwechseln.

Besonders gut hat mir gefallen, dass innerhalb des Buches Queerness und Liebe abseits einer heterosexuellen Matrix Platz und Sichtbarkeit einnimmt. Hier hat mir die Art und Weise der Umsetzung gefallen, das Thema geht mit einer Selbstverständlichkeit und ohne die üblichen Narrative einher, von der auch andere Bücher profitieren würden.

Und auch das Thema Puzzlen und Freude am Rätsel lösen zog sich konsequent durch das gesamte Buch und wurde noch komplimentiert mit zusätzlichen Rätseln im Buch und einer Hommage an Dickens, diese Details haben die ohnehin vorhandene Spannung des Buches noch unterstützt.

Wie man sich das von einem Krimi wünscht, gab es einen ausführlichen Spannungsbogen und begrüßenswert viele Wendungen und potentielle Mörder, sodass die Spannung bis zum Ende groß war und die Überraschung über die Auflösung bei mir umso größer war. Respekt dafür, wie die Autorin hier verschiedene Szenarien aufbaut und dann wieder hinfällig wirken lässt, um am Ende dann erneut ein stimmiges und nachvollziehbares Bild des Täters und seiner Beweggründe zu vermitteln.

Edies Umschwung am Ende des Buches war mein einziger Wehmutstropfen, da dieser mehr zu schnell und zu stark ausgeprägt war und sich daher für mich nicht realistisch angefühlt hat.

Alles in allem ist dieses Buch aus meiner Sicht ein spannender und queer-freundlicher Krimi und genau das Richtige um bereits jetzt in Weihnachtsstimmung zu kommen und einige gemütliche Stunden auf dem Sofa zu verbringen.

Bewertung vom 09.03.2024
Kosakenberg
Rennefanz, Sabine

Kosakenberg


ausgezeichnet

Bei diesem Buch haben mich bereits die ersten Seiten direkt angesrpochen und mit ihrem Schreibstil in die Realität der Protagonistin versetzt.
Inhaltlich behandelt Kosakenberg Heimatbegriffe und Fragen darüber was unsere Wurzeln mit uns machen, Entwurzelung und die schwierige Aufgabe all die verschiedenen Realitäten die in der Vergangenheit und im Jetzt unser Zuhause sind in uns zu vereinen. Ein weiteres Thema über alle Seiten hinweg dreht sich um Kontraste. Sowohl Kontraste zwischen Stadt und Land, als auch Kontraste zwischen Ost und West, DDR und BRD, früher und heute, ärmlich und reich, gebildet und einfach. An den Überlegungen ist teils nicht viel sympathisches, aber umso mehr Ehrlichkeit und ich konnte mich in einigen Konflikten wiedererkennnen. Das Buch schafft es Nähe herzustellen an den unangenehmen Stellen. Nicht wegzuschauen, sondern erst recht Leben und Gedanken zu beleuchten, die auf den ersten Blick allzu alltäglich und langweilig wirken.
Meine Ausgabe ist gespickt mit Klebezetteln und Zitaten, die in ihrer Schlichtheit so viel mehr aussagen als das ein oder andere emotionale Geständnis es könnte. Ich mochte außerdem sehr, wie der Text verschiedene Perspektiven in einen Zusammenhang setzt, trotz personalem Erzähler. Die Figuren wurden in meinem Kopf lebendig und hatten große Ähnlichkeit mit Personen in meinem Umfeld.
Der Erzählrhythmus richtet sich nach den Heimfahrten der Hauptfigur und ist dementsprechend zeitlich lückenhaft und stark räumlich beeinflusst.
Alles in allem ein vielschichtiges, berührendes und anregendes Buch, das nichts zu wünschen übrig lässt.
Bereits jetzt ein Lieblingsbuch von 2024, das als nächstes zu meiner Oma wandern wird.

Bewertung vom 11.10.2023
sie lieben
Grassmann, Alexa

sie lieben


sehr gut

Gutes Einstiegsbuch
Sehr ansprechendes Cover und passend zum Inhalt des Buches, kommt es ohne viel Schnickschnack aus und zeigt die Autorin irgendwo zwischen verletzlich, nachdenklich und direkt.
Das Buch thematisiert offen gelebte Liebe die von der sogenannten Norm abweicht, und die damit verbundene Erfahrungsreise aus der Sicht der Autorin offen und ehrlich. Samt schmerzhafter Momente, großem Glück und noch größeren Fragezeichen und vermittelt authentische EInblicke in die Lebenswelt der Autorin, ohne zu sehr in Kleinigkeiten abzudriften oder zu langatmig zu sein.
Die recht chronologische Aufteilung des Buches, sowie das gewählte Layout haben mir gut gefallen. Ebenso haben mir die Begriffsdefinitionen zu Beginn gefallen, sodass jeder Leser egal mit wie viel Vorwissen teilhaben kann.
Den Schreibstil habe ich als angenehm empfunden und die Wortwahl in ihrer Bildhaftigkeit hat mich durch die Seiten getragen. Ebenso wie die Kombination aus persönlicher Geschichte und informativen, sachlichen Inhalten.
Nicht gebraucht hätte es für mich die Zitatseiten, diese kamen mir eher wie Seitenstrecker vor.
Thematisch schneidet sie sehr viele Themen an und vermittelt wichtige Grundsätze und Ideen für ein tolerantes und wertschätzendes Miteinander. Ebenso wie Fingerzeige in die Richtungen in denen noch einiges zu tun ist.
An einigen Stellen hätte ich mir allerdings noch mehr Authentizität gewünscht oder eine Art von Wiedererkennungswert.

Aus meiner Sicht ein wunderbarer Einstiegspunkt für Menschen die bisher weniger Berührungspunkte mit querer Liebe hatten, da es viele Themen diesbezüglich anschneidet, Querverweise gibt und sich leicht an einem Tag lesen lässt. Mir waren Themen allerdings oftmals zu oberflächlich oder kurz behandelt und generell hätte ich mich über ein paar mehr Seiten gefreut.

Bewertung vom 20.09.2023
Momo
Ende, Michael

Momo


sehr gut

Bebilderter Denkanstoß

Michael Endes Geschichte über die Zeit und das kleine Mädchen Momo ist weltweit bekannt und auch ich bin damit aufgewachsen. Umso gespannter war ich auf dieses Projekt anlässlich des 50. Jubiläums von Momo. Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch mit Auszügen des Originalwerkes, ausgewählt von Uwe-Michael Gutzschhahn und liebevoll bebildert von Simona Ceccarelli.
Inhaltlich dreht sich das Buch um die große Kunst des wirklich Zuhören-Können und die eigene Entschleunigung.
Diese Motive sind sicher gerade in einer immer schneller werdenden Welt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen relevant als Denkanstoß.

Die inhaltliche Gestaltung hat mir gut gefallen, besonders der Fokus auf Momo, aber auch das Beppo der Straßenfeger und seine Geschichte miterzählt wurde, die ich als Kind in ihrer Vielschichtigkeit besonders geliebt habe. Außerdem würde ich den Text als leicht verständlich bewerten. Leser die allerdings die gesamte Momo-Geschichte erwarten, sollten sich darauf einstellen, das dem nicht so ist.

Die Illustrationen von Simona Ceccarelli habe ich als stimmungsvoll und warm erlebt. Sie sprechen neben dem Text eine eigene zauberhafte Sprache und bringen fantasievolle Facetten ins Bewusstsein des Lesers. Was könnte passender für eine Wiederaufnahme aus der Feder Michael Endes sein?

Als ungewöhnlich habe ich die teilweise Aufteilung der Seiten in verschiedene Bildsegmente erlebt, ähnlich einer Graphic Novel.

In meinen Augen eignet sich dieses Buch wunderbar zum Verschenken, sowohl für Alt und Jung oder als kleine Erinnerung an sich selbst.

Bewertung vom 06.09.2023
Nichts in den Pflanzen
Haddada, Nora

Nichts in den Pflanzen


sehr gut

Hallo Abgründe


Erst dachte ich ich lese das Buch „Nichts in den Pflanzen“ von Nora Haddada mal so nebenbei, schaue zu, wohne bei, distanzier mich mal davon und lasse das ein oder andere „oh“, „was“, „“hat sie nicht gemacht“ einfließen. Aber Pustekuchen. Bereits zu Beginn bieten sich düstere Abgründe in den Handlungen der Hauptfigur und ziehen sich durchs Buch. Alles daran erschreckt, lässt Fragezeichen über Buchseiten wandern, fasziniert umblättern, bis man sich für 5 Sekunden selbst wiedererkennt und das erstmal kurz verarbeiten muss.

Definitiv kein einfaches Buch, aber auch ohne Anspruch darauf und wieder vor den Kopf stoßend auf eine gute Art.
Die Handlung dreht sich um die Drehbuchautorin Leila und ihr erstes verkauftes Drehbuch. Konkurrenz und Blockaden machen ihr zu schaffen und lassen sie immer tiefer stolpern, bis sie sich im Kampf gegen Fliegen befindet und oftmals nicht mehr zwischen Realität und Ausflucht entscheiden kann.

Der Schreibstil ist distanziert, abgekühlt, nüchtern, der Text trotzdem emotionsgeladen, transportiert viel, Nebenprodukte die man sehen kann aber nicht muss.
Die Hauptfigur eher abstoßend, nicht sympathisch und dennoch gibt es immer wieder Facetten die dazu einladen sich auch selbst zu reflektieren, zu verstehen, wenn auch nicht zu unterstützen.

Das Buch fühlt sich ein bisschen an wie ein Fiebertraum, man ist auch froh das er vorbei ist, aber das Lesen selbst will man trotzdem hinter sich bringen, schneller als sonst sogar.

Die Thematik vielschichtig über Randgruppen, wie viel Platz wer einnehmen darf und die eigene Unzulänglichkeit, Konkurrenz auch innerhalb von Gruppen etc. wird einiges angerissen.

Alles in allem ein interessantes und abwechslungsreiches Debüt, ich bin gespannt was wir von Nora Haddada noch lesen werden.