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Leseigel
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Villingen

Bewertungen

Insgesamt 1139 Bewertungen
Bewertung vom 19.07.2018
Das Erbe der Macht - Die Chronik der Archivarin: Der verschollene Mentiglobus
Suchanek, Andreas

Das Erbe der Macht - Die Chronik der Archivarin: Der verschollene Mentiglobus


sehr gut

Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart

Die Lichtkämpfer stehen vor der großen Aufgabe nach dem Sieg über die Schattenfrau, wieder Ordnung ins große Chaos zu bringen. Bei Aufräumarbeiten wird ein Mentiglobus entdeckt, der nur von Johanna und Leonardo gemeinsam ausgelesen werden kann. Da man allgemein davon ausgeht, dass sich wichtige Informationen darin befinden, lassen sich Johanna und Leonardo auf das gefahrvolle Unternehmen ein. Die Erinnerungen führen zurück zu ihren Anfängen als Unsterbliche und der Bedrohung durch Nagi Tanka, der versucht Amerika zu unterjochen. Zuerst scheint es, als ob es den beiden gelungen wäre Nagi Tanka in eine Splitterwelt zu verbannen. Doch es gelingt ihm zuzrück zu kommen und den Körper von Johannas und Leonardos Sohn Piero zu übernehmen. Beide fallen in tiefe Verzweiflung und müssen gegen das Böse in Gestalt ihres geliebten Sohnes kämpfen.
Wie nicht anders erwartet, sprüht die Geschichte vor vielen Ideen und Wendungen. Man begegnet alten Bekannten und trifft auf neue Bedrohungen. Was für mich neu war, war die ausführliche und einfühlsame Beschreibung der Liebe zwischen Johanna und Leonardo. Ich war gerührt von den tiefen Gefühlen der beiden für einander, die von der Trauer über den Verlust des gemeinsamen Kindes zerstört werden. Dass die Geschichte auch wieder unglaublich spannend ist, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Das Buch endet in der Gegenwart erneut mit vielen ungelösten Fragen und lässt den Leser mit der Hoffnung auf baldige Fortsetzung zurück.

Bewertung vom 18.07.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


ausgezeichnet

Manchmal wäre es besser die Vergangenheit, ruhen zu lassen
Eddie ist Englischlehrer in einer kleinen englischen Stadt. Er lebt dort seit seiner Geburt im gleichen Haus. Alles verläuft im Gleichmaß, bis er einen Brief mit einer Strichmännchenzeichnung und einem Stück Kreide erhält. Auf einen Schlag ist die Vergangenheit wieder präsent. Als Eddie, Metal Mickey, Fat Gav, Hoppo und Nicky beste Freunde waren, Strichmännchen als Geheimcode benutzten und ein Unfall auf dem Jahrmarkt alles veränderte.Und die Ereignisse zum Tod eines jungen Mädchens führten, dessen wirklicher Täter nie gefasst wurde. Jetzt - dreißig Jahre später - beginnt das Sterben erneut. Eddie ist sich sicher, wenn er sich erinnert an jenes unscheinbare Detail das er vergessen hat, dann wird es ein Ende haben.
Die Geschichte wird von Eddie erzählt und der Leser erfährt nur das, an das sich Eddie erinnert oder er sich zusammen reimt. So bleibt das Geschehen bruchstückhaft und lässt dem Leser Raum für Vermutungen. Die auf den ersten Blick glückliche Kindheit zeigt auf den 2. Blick erhebliche Risse. So lebt Hoppo in sehr ärmlichen Verhältnissen, Nicky wird von ihrem Vater geschlagen. Die gemütliche Kleinstadtfassade ist trügerisch. Je mehr sich Eddie erinnert, desto bedrohlicher werden die gegenwärtigen Ereignisse und zerstören gleichzeitig vermeintlich glücklichen Erinnerungen. Die Autorin verwebt gekonnt Vergangenheit mit der Gegenwart und schafft so eine Atmosphäre der Unsicherheit und unterschwelligen Bedrohung. Die Auflösung ist überraschend, wird aber Stück für Stück überzeugend hergeleitet. Zurück bleiben zerstörte Lebensträume.

Bewertung vom 16.07.2018
Die Welt im Viertel
Buch, Cord

Die Welt im Viertel


sehr gut

Politischer Mord oder doch eine Eifersuchtstat
Hamburg befindet sich im Ausnahmezustand. Demonstranten und Polizei sind im G-20-Fieber. Bei einer Demonstration kommt ein junger Mann, Sven, in der Menge zu Tode. Seine Freunde machen die Polizei dafür verantwortlich. Am 1. Tag des Gipfeltreffens wird eine Polizistin erschossen. Kurz darauf wird der Stadtrundschau, bei der Nele, die zum Freundeskreis von Sven gehört, arbeitet, ein Bekennerschreiben zugespielt, das den Mord der Polizistin als Racheakt für Sven bezeichnet. Während Hamburg im Chaos versinkt, versucht Kommissar Jensen zusammen mit seiner Kollegin Wiebke den Mord auf zu klären. Besteht ein Zusammenhang zu den Ereignissen um den Tod von Sven oder liegt das Motiv im privaten Umfeld des Opfers ? Als der Täter Jensens Familie bedroht und ein Ultimatum stellt , wird die Zeit knapp.
Das Buch war sehr spannend. Die Erzählweise - erinnert an ein Protokoll - ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber perfekt zu den Ereignissen. Man bekommt einen sehr lebendigen Eindruck von der herrschenden Stimmung und dem Chaos anlässlich des G-20-Gipfels. Mittendrin verfolgt Kommissar Jensen unbeirrt durch Vorurteile seines Chefs und Profilneurosen des Staatsanwaltes seine Ermittlungen. Gut gefallen hat mir Nle, die zwar andere politische Ansichten hat, ihren Sinn für Gerechtigkeit aber behält. Der Schluss hat mich nicht völlig überzeugt. Das liegt weniger am präsentierten Täter, als an dem dilettantischen Vorgehensweise Kommissar Jensens und seiner Kollegin Wiebke, die jedem polizeilichen Vorgehen widersprechen. Insgesamt ein lesenswerter Krimi, nicht zuletzt wegen seiner Schilderungen der Ereignisse beim Gipfeltreffen.

Bewertung vom 15.07.2018
Herz im Fadenkreuz
Flade, Tatjana

Herz im Fadenkreuz


ausgezeichnet

Kann man einen Mörder lieben ?
Esther ist eine ganz normale junge Frau, die studiert und mit ihren Freunden abhängt. Und natürlich spielt auch die Liebe eine wichtige Rolle. Als Esther in einem Lokal von einem Mann belästigt wird, kommt ihr der Sportstudent Lys zur Hilfe.Esther verliebt sich in ihn. Und auch Lys scheint starke Gefühle für Esther zu empfinden. Wenn sie zusammen sind, ist alles gut, aber Lys verschwindet oft unvorhergesehen. Und welche Rolle spielt sein bester Freund Jörg, mit dem er sich eine Wohnung teilt ?Nicht nur Lys Verhalten beunruhigt Esther, sondern auch die steigende Zahl von politisch motivierten Attentaten. Bei einem Bombenanschlag auf den Bonner „Pützchen Markt “ kann Esther nicht länger die Augen vor der Wahrheit verschließen. Lys ist offensichtlich ein Terrorist. Kann man Liebe einfach abschalten , wenn man den Falschen liebt ? Esther steht vor einer schweren Entscheidung.
Während der gesamten Lektüre war ich fasziniert von den beiden unterschiedlichen Lebenswelten, die die Autorin vor dem Leser ausbreitet. Auf der einen Seite Esther, eine junge fröhliche Studentin, die sich in den charmanten, etwas geheimnisvollen Lys verliebt. Sie machen gemeinsam Sport, lernen die gegenseitigen Eltern kennen und schweben auf Wolke sieben. Der Gegenentwurf ist Lys Leben mit seinem Freund Jörg. Völlig emontionslos werden Attentate geplant, durchgeführt und analysiert. Der Autorin gelingt es, dadurch eine ganz besondere Spannung auf zu bauen, da man als leser fest damit rechnet, dass Lys Doppelleben nicht lange gut gehen kann. Gleichzeitig fand ich Lys, wenn er bei Esther ist, sehr sympathisch und liebenswert. im Gegensatz zu seiner Person als emotionslos plannender Mörder. Esther fand ich zeitweise fast zu naiv. Sie schiebt alles, was ihre heile Welt bedroht, erstmal zur Seite.Trotzdem habe ich mir gewünscht, dass die Liebe der beiden eine Chance hat. Das Buch lässt das offen.Einer der Pluspunkte der Geschichte, die in meinen Augen sehr lesenswert ist, ist auf jeden Fall , dass die Autorin den terroristen Lys als normalen Menschen schildert und ihn nicht nur auf seine kriminellen Taten reduziert.

Bewertung vom 12.07.2018
Verkaufte Erleuchtung
Schwendele, Peter

Verkaufte Erleuchtung


ausgezeichnet

Mord im Sannyasin - Paradies

Eine junge Frau liegt tot in der Lauter in der Nähe von Ulm. Sie lebte seit ein paar Tagen auf einem Bauernhof, der von Sannyasins bewirtschaftet wird. Der jungen Ulmer Kommissarin Zita wird zusammen mit ihrem Chef Hector und dem Kollegen Benz die Morduntersuchung übertragen. Die Mordermittlungen gestalten sich schwierig, denn die Sannyasins sind nicht besonders auskunftsfreudig und haben andere Wertevorstellungen. Besonders Hektor hat bereits sein Urteil gefällt und tritt dem Anführer der Gruppe Namito alles andere als vorurteilsfrei gegenüber. Zugleich ärgert er sich über seine jungen Kollegin Zita, die er insgeheim als Quotenfrau bezeichnet und die auch andere Spuren verfolgen möchte und dies auf eigene Faust tut. In den Focus gerät der Bauer, der den Sannyasins Hof und Grund verpachtet hat und dem Alkohol mehr zuspricht, als ihm gut tut. Oder liegen die Gründe für die Tat in der Zeit, als Bhagwan noch lebte ? Die Ermittler geraten unter Druck, als sich die Ereignisse auf dem Bauernhof überschlagen.
Die Geschichte ist ein unterhaltsamer Regionalkrimi, der sich im nicht alltäglichen Umfeld der Sannyasins abspielt. Die Älteren können sich vielleicht noch an die orange gekleideten Anhänger mit der Mala um dem Hals im Stadtbild erinnern. Der Autor nutzt den ungewöhnlichen Rahmen, um die Geschichte der Bewegung ins Gedächtnis zu rufen und einen Teil der zugrunde liegenden Philosophie darzustellen. Interessant fand ich die Person Zita, die sich als „Quotenfrau“ in einem Männerteam durchsetzen muss. Am meisten mochte ich den Kollegen Benz, der versucht zwischen Hector und Zita ausgleichend zu wirken. Hektor war mir dagegen mit seinen Vorurteilen und schroffen Art eher unsympathisch.
Am Ende gibt es in meinen Augen nur Verlierer. Da ist die Auflösung des Falles fast Nebensache.

Bewertung vom 11.07.2018
Heute keine Schüsse
Krächan, Brigitte

Heute keine Schüsse


ausgezeichnet

Geschichte in unterhaltsamer und verständlicher Form
Das Buch schildert die Ereignisse im Zeitraum vom Sommer 1914 bis mitte November 1933. Der Chronist Walter Schachtschneider berichtet in Tagebucheintragungen über sein Leben als Soldat im 1. Weltkrieg und die täglichen Ereignisse in Berlin, wo er nach einer Kriegsverletzung in einer Kunstgalerie tätig ist. Wir erleben mit ihm die Schrecken des Krieges, die chaotischen Verhältnisse nach Ende des Krieges, den schweren Start der Weimarer Republik so wie deren Niedergang im Gleichschritt mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten.
Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Dadurch, dass Walter historische Geschehnisse mit seinen persönlichen Erfahrungen und Ereignissen in seiner Familie verknüpft, werden geschichtliche Fakten mit Leben erfüllt. Beispielhaft sind seine Erlebnisse im Schützengraben, die nicht nur die Zahl der Toten nennen, sondern dem Grauen ein Gesicht geben. Genauso lebendig sind die Bilder, die das allmähliche Infiltrieren des Alltags durch die NSDAP zeigen und gleichzeitig das langsame Sterben der Weimarer Republik verdeutlichen. Unfassbar für mich die Gewalt, die in den Nachkriegsjahren auf Berlins Straßen zuhause war, weil sich die unterschiedlichen politischen Gruppierungen in Straßenkämpfen verstrickt haben, anstatt demokratische Lösungen zu suchen. Für mich waren die Erwähnungen gesellschaftlicher und kultureller Ereignisse eine zusätzliche besondere Freude wie die Geschichte vom „Eisernen Gustav“ oder die Aufführung des Kinofilms „“ Die Biene Maja “. Positiv fand ich auch, dass Walter in seiner Rolle als Chronist zwar die Ereignisse in meist knappen Schlaglichtern schildert und erwähnt welche Auswirkungen sie auf ihn und seine Familie haben, aber er gibt vordergründig kein Werturteil ab, so dass man sich sein eigenes Urteil bilden kann. Für mich ein unterhaltsames und informatives Buch, das so wohl vergnügliche Lesestunden bereitet, aber auch zum Nachdenken anregt. Bitte mehr davon !

Bewertung vom 04.07.2018
Römermaske
Dorra, Simone

Römermaske


ausgezeichnet

Tod eines Archäologieprofessors
Kommissar Malte Jacobsen von der Waiblinger Kripo besucht gemeinsam mit Lukas von Weyen das Römerkastell in Welzheim. Zufällig findet Jacobsen in einem Brunnen der Anlage die Leiche von Simon Adlersfeld, ein Experte für römische Militärhistorie. Er war in Welzheim, um die Echtheit einer kürzlich aufgefunden Römermaske zu prüfen, die für Aufsehen gesorgt hatte. Hängt der Mord mit der Maske zusammen oder liegt das Motiv im Privatleben des Professors ? Der Vorsitzende des ansässigen Römervereins Häger gerät in Verdacht. Sein Ansehen profitiert vom Maskenfund und seine russische Ehefrau scheint sich sehr intensiv um den Professor gekümmert zu haben.. Eifersucht als Tatmotiv ? Oder hatte Häger Angst, dass die Maske als Fälschung enttarnt wird und er dadurch zum Gespött der Leute wird. Wer hat dann die Maske hergestellt ? Ist der Fälscher der Mörder ? Jacobsen und seine Kollegin Melanie stechen mit ihren Ermittlungen in ein Wespennest von Eifersüchteleien und falschen Verdächtigungen. Die Lage spitzt sich zu, als Lukas, der Jacobsen unbedingt bei der Aufklärung des Mordfalls helfen will, spurlos verschwindet und gleichzeitig eine verbrannte Leiche gefunden wird.
Der Krimi hat mich absolut begeistert. Die Handlung spielt rund um das Römerkastell von Welzheim und somit im tiefsten Schwaben. Das gibt der Autorin die Möglichkeit etwas über die römische Vergangenheit zu erzählen und zu wunderbaren schwäbischen Dialogen der dortigen Bewohner. Jacobsen ist ein sympathischer und sehr integrer Mensch, der nicht nur seinen Fall sieht, sondern auch die Menschen. An seiner Seite ermittelt die ruhige Melanie, für die Jacobsen etwas mehr als Kollegialität empfindet. Die Auflösung des Falles hat mich überrascht und überzeugt. Obwohl es in der Geschichte in meinen Augen eine sehr tragische Figur gibt, liest sich der Krimi auch sehr humorvoll. Mich haben sowohl die Handlung als auch die handelnden Personen restlos überzeugt.