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Benutzername: 
Magda
Wohnort: 
Köln

Bewertungen

Insgesamt 326 Bewertungen
Bewertung vom 10.01.2025
Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne
Stanisic, Sasa

Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne


gut

An das Buch Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne von Saša Stanišić hatte ich hohe Erwartungen – es zählt nicht nur zu den 100 besten Büchern des Jahres 2024 des ZEIT-Magazins, sondern ist auch bei den TOP 3 der besten Bücher meines Lieblingsbücher-Podcasts eat.READ.sleep. In meinem persönlichen Ranking läuft es unter ferner liefen, ich fand das Buch nur mittelmäßig.
Die Covergestaltung mit sechs Postkartenmotiven von Helgoland finde ich sehr schön, ein echter Hingucker.
Das Buch ist eine Sammlung von Geschichten aus dem Leben mehrerer junger Männer und zwei Frauen, von denen mir einige gut gefallen haben. Am meisten mochte ich die titelgebende Geschichte der Witwe Gisel, die nach dem Tod ihres Mannes Hermann einsam ist und sich nach einer neuen Beziehung sehnt. Auf dem Friedhof fällt ihr ein älterer Herr auf, den sie regelmäßig beim Besuch von Hermanns Grab sieht.
Gut gefallen hat mir auch die Geschichte von Georg Horvath, der sich sehr darüber ärgert, dass er beim Memory Spielen gegen seinen fünfjährigen Sohn immer verliert. Die Elternzeit vertreibt er sich mit seinem Sohn im Tragetuch mit Pokémon Go.
Mit den Geschichten über die Fahrt mit einem Panzer, dem Diebstahl des Kneipenschilds, Heinrich Heine auf Helgoland, und der Idee, ein anderes Leben für ein paar Minuten „anzuprobieren“, konnte ich weniger anfangen.
Den autofiktionalen Roman des Autors „Herkunft“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, habe ich mir gekauft und bereits nach wenigen Seiten festgestellt, dass er ganz anders als „Die Witwe …“ ist und mir mehr zusagt. Ich empfehle, Stanišić‘ neues Buch zu lesen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Bewertung vom 07.01.2025
Die Besucherin
Fielding, Joy

Die Besucherin


ausgezeichnet

Joy Fieldings Bücher lese ich seit „Lauf, Jane, lauf“, das 1991 erschienen ist. Seitdem gehört sie zu meinen Lieblingsautorinnen. Auch ihr neuestes Buch „Die Besucherin“ hat mich uneingeschränkt begeistert.
Linda Davidsson, 76, ist seit zwei Jahren Witwe. Nach dem Tod ihres Mannes ist ihre Tochter Kleo mit ihrem Mann Mick zu ihr gezogen. Kleo schreibt an ihrer Doktorarbeit, und Mick ist seit einigen Monaten dabei, ein eigenes Unternehmen zu gründen.
Lindas beste Freundin Carol lebt im Legacy Place, einer Senioreneinrichtung für Demenzkranke. Bei einem ihrer Besuche lernt Linda Jenny Cooper kennen, eine 92jährige Bewohnerin. Jenny wirkt auf den ersten Blick aufgeweckt und scharfsinnig. Die beiden führen anregende Gespräche, Linda mag Jennys Art und ihren trockenen Humor. Während einer Unterhaltung behauptet Jenny, dass sie mehrere Männer umgebracht habe, darunter einige ihrer Ehemänner. Die Morde werden von ihr detailliert geschildert. Sagt sie die Wahrheit oder entspringen die Erzählungen ihrem erkrankten Gehirn? Bald verbringt Linda mehr Zeit mit Jenny als mit ihrer Freundin Carol.
Wir erfahren viel über Lindas Alltag als pensionierte und verwitwete Lehrerin in Florida. Sie hat zwei Verehrer, fährt mit einem von ihnen übers Wochenende nach Key West, spielt Bridge und tritt einem Leseclub bei. Sehr amüsiert habe ich mich über Lindas Versuche, mit einer Smartwatch klarzukommen, und ihren Umgang mit Telefonbetrügern.
Das Zusammenleben mit ihrem Schwiegersohn gestaltet sich immer schwieriger. Statt zu arbeiten, schaut er Pornos, immer öfter überschüttet er Kleo mit Vorwürfen, beschimpft sie und verlässt anschließend das Haus, um Stunden später betrunken zurückzukommen. Als er Kleo körperlich misshandelt, ist das Maß voll und Linda ist nicht länger bereit, mit ihm unter einem Dach zu leben.
Auch dieses Buch von Joy Fielding hat mir sehr gut gefallen. Ihre Protagonistinnen sind mit der Autorin gealtert, sie wirken sehr authentisch. Bildhaft schildert sie das Leben älterer Menschen in Florida und versetzt ihre Leser in einige Städte in dem Sunshine State wie Palm Beach, Miami, Key West und Fort Lauderdale.
Das Ende fand ich sehr gelungen, auf elegante Weise löst Linda mit Jennys Hilfe ihre Probleme. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher von Joy Fielding und hoffe, dass sie mich noch viele Jahre mit ihren Büchern begeistern wird.

Bewertung vom 07.01.2025
Die Tochter der Kelten (eBook, ePUB)
Hurst, Heidrun

Die Tochter der Kelten (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Tochter der Kelten von Heidrun Hurst ist mein zweites Buch der Autorin. Ihren Roman „Die Kräutersammlerin“ habe ich sehr gern gelesen, und auch „Die Tochter der Kelten“ fand ich spannend und informativ.
550 v.Chr.: Die junge Alenja lebt mit der alten Moja fernab von anderen Menschen und Siedlungen. Die beiden werden regelmäßig vom Druiden Triquetos besucht, der Alenja in der Heilkunst unterweist. Druiden kommunizieren mit den „Unsterblichen“.
Eines Tages werden Alenja und ihre Gefährten überfallen, Triquetos und Moja brutal ermordet und Alenja verschleppt. Sie findet sich in der Siedlung Pyrene wieder und erfährt, dass sie das einzige Kind des Rigs (=Fürst) ist. Von nun an lebt sie mit ihrem geliebten Hund und treuen Begleiter Arto in Pyrene und wird darauf vorbereitet, einen Rigs zu heiraten. Schon bald wird Airell, der zukünftige Rigs von Opia, für sie auserwählt, und sie tritt die mehrtägige Reise zu ihm an.
An ihrem Ziel angekommen stellt Alenja fest, dass Airell grausam und brutal ist, ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Faol, in den sie sich verliebt. Er unterweist sie in der Kunst des Schwertkampfes. Faols Stiefmutter, die ihren eigenen Sohn als den nächsten Machthaber sehen will, schmiedet eine üble Intrige.
„Am darauffolgenden Tag sah sie auffällig viele Raben, die Diener Cassiboduas, die die Seelen gefallener Krieger in die andere Welt geleiteten. Es gab eine Zeit, da hatte sie ebenso geschickt wie die Kriegsgöttin werden wollen, bevor auch dieser Traum wie Nebel unter der Sonne zerstob. Wollte Cassibodua ihr damit sagen, dass sie nicht aufgeben sollte? Dass sie immer noch mit ihr war und ihre Hoffnung auf Rache sich eines Tages erfüllen würde? (S. 206)
Die Geschichte der Tochter der Kelten fand ich faszinierend und spannend. Die Autorin beschreibt deren Leben bildhaft, authentisch und berührend. Dank ihrer hervorragenden Recherche habe ich die Sitten und Gebräuche aus der Hallstattzeit (750-450 v.Chr.) kennengelernt. Der Roman hat mir sehr gut gefallen, ich freue mich schon auf die Fortsetzung und empfehle das Buch allen, die historische Romane mögen.

Bewertung vom 05.01.2025
Unter Wasser ist es still
Dibbern, Julia

Unter Wasser ist es still


ausgezeichnet

Unter Wasser ist es still von Julia Dibbern ist ein atmosphärischer Roman über Vergangenheits- und Traumabewältigung.
Maira ist Restauratorin. Sie lebt seit vielen Jahren in Frankfurt, stammt aber ursprünglich aus dem kleinen Dorf Soeterhoop an der Ostsee. Als ihr Chef ihr das Angebot unterbreitet, sein Geschäft zu übernehmen, sagt sie nach kurzer Bedenkzeit zu. Um den Kaufpreis aufbringen zu können, muss sie ihr Elternhaus in Soeterhoop verkaufen und an den Ort zurückkehren, den sie achtzehn Jahre zuvor überstürzt verlassen musste.
Das Haus steht auf einem großen Grundstück in Strandnähe, Kaufinteressenten gibt es genug. Am Haus angekommen, wird Maira von Erinnerungen an ihre Kindheit und frühe Jugend überwältigt. Bevor ihre Mutter schwer krank wurde, hatte sie viele glückliche Tage und Stunden mit ihren Freunden Anne und Jasper verbracht. Besonders mit Jasper verband sie eine enge Freundschaft, die beiden waren oft mit dem Boot aufs Meer rausgefahren und sind mit Schweinswalen geschwommen. Der Tag, an dem sie einen leblosen Schweinswal auf dem Wasser treibend vorfanden, läutete das Ende ihrer Kindheit ein.
Maira trifft Anne und Jasper wieder, die beiden helfen ihr, die Erinnerungen zu verarbeiten, zusammen sichten sie die Sachen ihrer Mutter. Sie findet Briefe, die ihre Mutter ihr geschrieben hatte und wird von Emotionen und Erinnerungen überwältigt.
Unter Wasser ist es still ist ein atmosphärischer Roman mit wunderbaren Naturbeschreibungen. Ich wurde an die Ostsee in das halb verfallene Haus inmitten eines verwunschenen Gartens versetzt und fand es spannend, Maira auf den Spuren ihrer Vergangenheit zu begleiten. Das Lagerfeuer am Mittsommer, die Wiederannäherung zwischen den Kindheitsfreunden, die Rettung der Möwe und vor allem die Begegnungen mit den Schweinswalen haben mich gefesselt und begeistert. Von mir eine große Empfehlung für alle, die ruhige und atmosphärische Romane lieben.

Bewertung vom 02.01.2025
Not your Darling
Blake, Katherine

Not your Darling


gut

„Not your Darling“ hat mich an „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ erinnert, da es in beiden Büchern um das Leben einer jungen Frau in Hollywood in den 1950er Jahren geht.
Die 20jährige Loretta ist Engländerin, sie möchte in Hollywood als Maskenbildnerin Karriere machen. Auf nicht ganz legalem Wege schafft sie es nach Los Angeles. Sie verliebt sich Hals über Kopf in einen angehenden Schauspieler, dessen mieser Charakter sich bereits in der Hochzeitsnacht offenbart. Auf einer Party bzw. Orgie wird sie von zwei Männern beinahe vergewaltigt und schwört Rache.
Loretta macht Karriere und wird „Lip Girl“ genannt, sie freundet sich mit berühmten Schauspielerinnen an, die ihr den Weg nach oben ebnen. Als sie vom berühmtesten Maskenbildner Hollywoods eingestellt wird, hat sie es geschafft. Unter seiner Fittiche begleitet sie Filmcrews zu Dreharbeiten, wo sie einen ihrer Peiniger wiedertrifft.
Sowohl die Liebesbeziehung Lorettas zu einem Drehbuchautor als auch ihr Leben in Hollywood plätschern vor sich hin. Keines der Ereignisse konnte mich überraschen, außer die Art und Weise, wie sich Loretta gerächt hatte. Dass sie damit durchgekommen ist, fand ich unglaublich.
Ich hätte gern mehr über ihre Kindheit und Jugend in England erfahren. Die Beziehung zu ihrer Schwester und der übrigen Familie wird erst am Ende des Buches auf wenigen Seiten thematisiert. Dass das Hollywood der Fünfziger Jahre von Männern beherrscht wurde und es wahrscheinlich immer noch wird, war mir nicht neu. Erst seit #metoo berichten Schauspielerinnen und andere Frauen, die im Filmbusiness arbeiten, über die dort verbreitete sexuelle Belästigung. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar, der Inhalt konnte mich jedoch leider nicht überzeugen.

Bewertung vom 30.12.2024
Für immer
Lunde, Maja

Für immer


sehr gut

Von Maja Lunde habe ich mit großer Begeisterung „Die Geschichte der Bienen“ gelesen. Das Cover von „Für immer“ mit der Farbkombination dunkelrot mit dunkelgrün finde ich wunderschön.
An einem Tag im Juni kommt es auf der ganzen Welt zum Stillstand – nichts entwickelt sich weiter, niemand stirbt, niemand wird geboren, niemand empfindet Schmerzen, es findet keine Zellteilung mehr statt, Haare und Nägel wachsen nicht mehr. Die größten Veränderungen geschehen im Krankenhaus. Selbstmörder und Menschen, die längst ihren Leiden hätten erliegen müssen, leben immer noch, Frühchen entwickeln sich nicht und fristen ihr Dasein im Inkubator.
Die Fotografin Jenny kann ihr Glück kaum fassen, aufgrund eines bösartigen Tumors war sie zum Tode verurteilt, doch der Tumor wächst nicht weiter. Mit der Kamera hält sie zunächst nur die Welt um ihre Familie herum fest, dann bekommt sie den Auftrag, für die Zeitung jeden Tag ein Foto von der Welt im Stillstand zu machen. Voller Elan stürzt sie sich auf die neue Aufgabe. Ihr Auftrag bringt sie mit verschiedenen Menschen zusammen.
Otto hat soeben sein Haus verkauft und ist zusammen mit seiner Frau in ein Seniorenheim gezogen. Er vermisst seinen Garten und beschließt, die Terrasse in ein Blumenmeer umzuwandeln. Über seine Begeisterung für die Welt der Pflanzen geht die Liebe zu seiner langjährigen Ehefrau verloren.
Ellen arbeitet beim Bestattungsunternehmen und hat nichts mehr zu tun. Eines Tages wird sie von Ester gebeten, ihre Beerdigung zu organisieren. Die ältere Dame sucht sich Blumen, Musik und einen Sarg aus und lädt diejenigen ein, die sie auf ihrer Beerdigung sehen möchte. Die Vorstellung ist morbide, die Idee hat mir aber gut gefallen.
Das Buch liest sich wie eine Sammlung von Kurzgeschichten. Es gibt so viele Charaktere, dass ich keinen wirklichen Bezug zu ihnen finden konnte, zumal das Buch mit dreihundert Seiten nicht sehr umfangreich ist. Gerne hätte ich mehr über Jenny und ihre Familie, Jakob und Lisa mit ihrem Söhnchen und die Krankenschwester Anne erfahren. Mit dem Ende bin ich nicht sehr glücklich. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und angenehm lesbar.
Auch wenn dieses Buch meine Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte, bleibe ich der Autorin treu und freue mich auf weitere Bücher von ihr.

Bewertung vom 28.12.2024
Prost, auf die Gaukler
Kalpenstein, Friedrich

Prost, auf die Gaukler


ausgezeichnet

„Prost, auf die Gaukler“ ist der 6. Band der Brunngries-Reihe um Kommissar Tischler und die Dackeldame Resi. Ich habe mich köstlich amüsiert und würde am liebsten alle zehn Bände der Reihe durchsuchten. Das Buch habe ich teilweise gelesen und teilweise gehört, herrlich eingelesen von Helmfried von Lüttichau.
Auf dem Volksfest in Brunngries wird Schlagerstar Ron Goldinger nach seinem Auftritt tot aufgefunden, er wurde mit einer Armbrust erschossen, die vom nahegelegenen Schießstand entwendet wurde.
Kommissar Konstantin Tischler leitet die Ermittlungen, unterstützt von seinem jungen Kollegen Felix Fink und der Dackeldame Resi. In erster Linie werden die Schausteller befragt, außerdem die (ausschließlich weiblichen) Mitglieder der beiden Ron Goldinger-Fanclubs. Der Sänger war kein Kind von Traurigkeit, und die eine oder andere seiner Auserwählten war bereits anderweitig vergeben.
Die Ermittlung läuft mehr am Rande, sehr viel präsenter sind die beiden Kommissare und ihr Liebesleben, wobei der eigentliche Star der Reihe eindeutig Resi ist. Resi darf mit zu den Ermittlungen aufs Volksfest und erobert alle Herzen im Sturm.
Herrlich fand ich die Dialoge zwischen Tischler und Fink, wobei Tischler als der sechs Jahre ältere seinem jüngeren Kollegen gern Ratschläge auf allen Gebieten und speziell in Liebesdingen erteilt. Folgender Dialog findet beim Grillen auf Felix‘ Balkon statt (S. 220):
„Du kannst uns ja ein bisserl Musik anmachen. Vielleicht was Rockiges! Das Handy liegt auf dem Tisch. Code ist 1234.
Was ist das eigentlich für ein beschissener Code?
Erstens probiert den keiner, weil niemand damit rechnet, und zweitens kann ich mir den super merken. Hab da ´ne Eselsbrücke. Zwölf Monate hat das Jahr, aller guten Dinge sind drei und vier Beine hat der Hund.“
Man sollte das Buch nicht hungrig oder durstig lesen, die Kommissare essen gern und viel, besonders natürlich auf dem Volksfest – Brathendl, gebrannte Mandeln, türkischer Honig, und immer begleitet von einer Maß.
Gegen Ende der Ermittlung kommt es zu einigen rasanten Action- und Verfolgungsszenen. Den herrlichen amüsanten Provinzkrimi empfehle ich sehr gerne weiter und vergebe sehr gern 5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 28.12.2024
Tage mit Milena (eBook, ePUB)
Burseg, Katrin

Tage mit Milena (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Es hat mich nach Hamburg in die Achtziger und in das heutige Venedig entführt.
Annika führt ein glückliches und gediegenes Leben in Lübeck. Sie hat ein Schreibwarengeschäft mit angeschlossener Papierwerkstatt, in der sie Karten entwirft und herstellt. Das Geschäft hat sie von ihrem Schwiegervater übernommen, ihr Mann Hendrik unterstützt sie im Laden, die meiste Zeit widmet er jedoch dem Anbau von Slow flowers auf einem Acker am Stadtrand von Lübeck.
Eines Morgens kommt die siebzehnjährige Luzie in Annikas Laden, sie kauft Sekundenkleber. Nur wenige Meter vom Geschäft entfernt klebt sie sich damit auf eine belebte Kreuzung in der Altstadt und verursacht ein Verkehrschaos. Als Annika sieht, wie aggressiv die Autofahrer reagieren, hat sie einen Flashback und sieht sich als junges Mädchen im Gedränge, von Polizisten in Schutzmontur umgeben. Spontan setzt sie sich neben Luzie auf die Straße, und nach kurzer Zeit werden sie von der Polizei mitgenommen. Am Abend dürfen sie nach Hause, und Annika bietet Luzie an, bei ihr zu übernachten. Hendrik lebt umweltbewusst, für die Aktivitäten der letzten Generation hat er jedoch nur wenig Verständnis. Zornig verlässt er die Wohnung.
Als Luzie am nächsten Morgen weg ist und Annika erfährt, dass in Hamburg eine Klimademonstration stattfinden soll, beschließt sie, Luzie in Hamburg zu suchen. Luzie erinnert sie an ihre Jugendfreundin Milena. Milena ist damals in Hamburg gestorben, und Annika will verhindern, dass auch Luzie Gewalt und Willkür ausgesetzt wird.
Annika findet Luzie unter den Klimaaktivisten, sie nimmt sie mit zur Hafenstraße, wo sie damals in den Achtzigern mit Milena, Matti und vielen anderen gelebt hatte. Wir erfahren, wie es dazu kam, dass die sechzehnjährige Annika aus einer norddeutschen Kleinstadt zur Hausbesetzerin wurde. Matti war Annikas erste große Liebe, Milena ihre einzige Freundin.
Annika spürt, dass sie Matti finden muss, um die Gespenster der Vergangenheit zu begraben. Matti lebt in Mestre, einem Stadtteil von Venedig. Annika und Luzie steigen in den nächsten Zug nach München und fahren nach Venezia Mestre.
Annika hatte dreißig Jahre lang verdrängt, was genau damals mit Milena passiert ist, sie gab sich die Schuld an Milenas Tod. Erst die Begegnung mit Matti bringt die Erinnerungen zurück. Auch Luzie hat ein Geheimnis, das erst am Ende enthüllt wird.
Es war eine spannende Reise in die Achtziger und ein ereignisreicher Roadtrip nach Venedig. Ich habe sehr viel über die Hausbesetzerszene in der Hafenstraße in Hamburg und die Bewegung der Klimaaktivisten erfahren.
Ich habe Annika sehr gern auf der Reise in ihre Jugend und nach Venedig begleitet. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, der Spannungsbogen blieb bis zum Ende konstant. Das Buch empfehle ich sehr gern weiter.

Bewertung vom 18.12.2024
Zwischen Ende und Anfang
Moyes, Jojo

Zwischen Ende und Anfang


ausgezeichnet

Ich habe alle Bücher von Jojo Moyes gelesen und liebe sie. Auch „Zwischen Ende und Anfang“ konnte mich begeistern.
Lila, 42, ist erfolgreiche Autorin. Zuletzt hat sie einen Bestseller zum Thema Beziehungen und Ehe veröffentlicht. Doch kaum ist der Ratgeber erschienen, hat ihr Mann Dan sich von ihr getrennt, um mit der einige Jahre jüngeren Marja zusammenzuziehen. Fast zur gleichen Zeit wird ihre Mutter Francesca überfahren, und Lila muss einen weiteren Verlust verkraften. Ihr Stiefvater Bill unterstützt sie im Haushalt.
Lila hat Geldsorgen, ein neuer Bestseller muss her. Ihre Literaturagentin schlägt vor, ein Buch über ihr Leben als Single zu schreiben, möglichst gespickt mit pikanten Details über diverse Affären. Da Lila auf dem Gebiet keine Erfahrungen hat, möchte sie von denen ihrer besten Freundin Eleanor profitieren.
Beim Abholen ihrer achtjährigen Tochter Violet lernt Lila den alleinerziehenden Gabriel kennen und fühlt sich sofort von ihm angezogen. Außerdem ist da noch der Gärtner Jensen, der an Lila interessiert ist, doch für sie ist er nur ein guter Kumpel.
Der interessanteste Charakter in Lilas Familie ist für mich ihr Vater Gene, der eines Tages vor der Tür steht, nachdem er jahrelang in Amerika gelebt hatte. Er zehrt noch immer von der einen Hauptrolle, die er als junger Mann in einer bekannten Fernsehserie hatte. Lila würde ihn am liebsten gar nicht in ihr Haus lassen, da sie ihm immer noch nicht verziehen hatte, dass er sie und ihre Mutter verlassen hatte, als sie acht Jahre alt war.
Lila leidet fürchterlich darunter, Dans neue Freundin täglich vor der Schule zu sehen, sie kann den Anblick der jungen, hübschen Frau kaum ertragen. Ihre Selbstzweifel werden noch durch ihre Geldsorgen verstärkt, hinzu kommt die Trauer um ihre Mutter.
Doch ihr Leben wandelt sich zum Besseren, nachdem Gene bei ihr eingezogen ist. Er versteht sich gut mit seinen Enkelinnen und steht ihnen hilfreich zur Seite. Besonders die sechzehnjährige Celie, die in der Schule gemobbt wird, profitiert von seinen Erfahrungen.
Wie gewohnt wendet Jojo Moyes das Trope „frenemies to lovers“ an, und der Weg zum happy end ist mit vielen Stolpersteinen gepflastert.
Fast alle Kapitel drehen sich um Lila, in einigen lernen wir aber auch Celie besser kennen. Im Mittelteil gibt es ein paar Längen, doch nach einer kurzen Durststrecke deckt Lila ein Geheimnis ihrer Mutter auf, und die Ereignisse überschlagen sich - wieder ein wunderbarer Frauenroman von einer meiner Lieblingsautorinnen, den ich sehr gern weiterempfehle.

Bewertung vom 16.12.2024
Die Frau des Serienkillers
Hunter, Alice

Die Frau des Serienkillers


gut

Der Thriller „Die Frau des Serienkillers“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, in der es um die Familie eines mehrfachen Frauenmörders geht.
Beth ist glücklich mit Tom verheiratet, sie haben eine süße dreijährige Tochter, er hat einen gut bezahlten Job, sie leitet ein Keramikcafé im Ort, in dem die Gäste Kaffee trinkend Keramikgeschirr bemalen können.
Eines Abends wird Tom von der Polizei abgeholt und des Mordes an seiner Ex-Freundin Katie beschuldigt. Katie wird seit acht Jahren vermisst, und bei der Polizei sind Hinweise auf Toms Täterschaft eingegangen.
Das Buch besteht aus kurzen Kapiteln, die fast alle aus Beths Sicht geschrieben sind. In einigen wenigen Kapiteln erfahren wir, worum und um wen sich Toms Gedanken drehen, während er in U-Haft sitzt.
Nach und nach stellt sich heraus, dass Beth nicht ganz so unwissend ist und war, wie sie zunächst vorgegeben hatte. Sie versucht, ihr Leben unverändert weiter zu leben, was sich angesichts der Scharen von Reportern vor ihrer Haustür nicht ganz einfach gestaltet. Ihre Nachbarinnen und die Gäste im Café fragen sich, ob es möglich ist, dass Beth jahrelang an der Seite eines Mörders gelebt hatte, ohne den Hauch eines Verdachts zu hegen. Es rächt sich, dass Beth und Tom sich nie ins Dorfleben integriert hatten, sie haben keine Freunde und auch keinen Kontakt zu ihren jeweiligen Ursprungsfamilien.
Beth lässt sich sehr schnell vom kürzlich verwitweten Adam trösten, was mir seltsam erschien, da sie doch angeblich mit Tom so glücklich war.
Der Sprachstil ist flüssig, das Buch liest sich zügig, allerdings fehlte mir die Spannung, die ich von einem Thriller erwarte. Die Handlung dümpelte recht ereignislos vor sich hin – Tom in U-Haft, Beth im Café, mit ihrer kleinen Tochter und/oder Adam zusammen. Gegen Ende gibt es einen überraschenden Twist, mit dem ich nicht gerechnet habe, doch auch dieser hat die spannungsarme Handlung nicht wettmachen können. Hinzu kommt, dass mir Beth sehr unsympathisch war, sie ist mir bis zum Ende fremd geblieben. Aufgrund dieser Kritikpunkte vergebe ich nur drei Sterne für diesen Thriller, der für mich leider keiner ist.