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BK

Bewertungen

Insgesamt 258 Bewertungen
Bewertung vom 12.11.2023
Kein guter Mann
Izquierdo, Andreas

Kein guter Mann


ausgezeichnet

Herzlich
Walter ist ein Griesgram wie er im Buche steht. Einziger Lebensinhalt ist sein Beruf als Postzusteller, von seiner Familie hat er sich entfremdet. Über 40 Dienstjahre machen ihn unkündbar und zur Institution seines Zustellbezirks, bis ein Konflikt mit einem Kunden ihm seinen Dienst erschwert. Nach einigen Schikanen von beiden Seiten zieht ihn seine Vorgesetzte aus dem Zustellgeschäft ab und versetzt ihn in die Christkindlfiliale. Hier werden Briefe, die an das Christkind, den Weihnachtsmann oder den Nikolaus adressiert sind, beantwortet.

Nach einem etwas konstruierten Zufall entsteht ein reger Briefwechsel zwischen Walter und dem zehnjährigen Ben, der den älteren für Gott hält. Wirklich Tiefgang bekam das Buch als sich der Blick auf Walters Vergangenheit richtet. Ihm ist viel unrecht widerfahren. Das Ende des Buchs ging mir zu Herzen, nicht nur weil es perfekt in die kommende Weihnachtszeit passt. Andreas Izquierdo erzählt wunderschön kurzweilig und herzerwärmend.

Bewertung vom 10.11.2023
Da bin ick nicht zuständig, Mausi
Conny from the block

Da bin ick nicht zuständig, Mausi


ausgezeichnet

Fühle mich ertappt
Ich fühle mich ertappt. Selbst in einer Behörde beschäftigt, sind mir 95% der Situationen die Conny beschreibt bekannt. Vom Schlado bis zum Waschbecken im Büro ist mir nichts fremd und ich konnte oft herzhaft lachen. Conny ist seit über 20 Jahren Beamtin und liebt ihre Routinen, ein arbeiten in der freien Wirtschaft wäre für sie und ihre Kolleg*innen unmöglich. Sie kommentieren alle ihre Arbeitsschritte und Service oder Kundenorientierung sind Fremdwörter. Das geschätzte Team rund um Conny ist absolut veränderungsresistent und eine eingeschworene Gemeinschaft. Jeder und jede weitere Beamt*in ist eine Marke und werden in einzelnen Kapiteln vorgestellt. Den Großteil der Handlung schildert Conny in launigem, ungefilterten Ton und wunderbar überspitzt. Mit kesser Berliner Schnauze darf man kein sprachliches Höchstniveau erwartet, dies ist in diesem Genre aber auch nicht Kernkompetenz.
Das Buch macht Spaß und Lust auf die nächste Woche im Büro.

Bewertung vom 07.11.2023
Mattanza
Fabiano, Germana

Mattanza


gut

Wandel der Zeit
Mattanza ist der jährliche Thunfischfang und nicht der Name des Mädchens das auf dem Cover abgebildet ist. Das Buch handelt von der Insel Katria im Süden Italiens die vom alljährlichen Fischfang lebt. Im Zentrum der Geschichte steht Nora, die aus Mangel an männlichen Alternativen in die Fußstapfen ihres Großvaters als Dorfoberhaupt treten soll. Aus diesem Grund wird sie ab ihrem siebten Lebensjahr von ihm groß gezogen.
Die Kapitel sind mit Jahreszahlen überschrieben, sodass wir Eleonora beim Aufwachsen begleiten.

Um ehrlich zu sein, habe ich mir mehr von dem Buch erhofft. Recht trocken und eintönig wird das Leben mit dem Meer und der Arbeit als Thunfischfänger im Mittelmeer geschildert. Bei dem Wandel den die Insel und ihre Bewohner über Tourismus und ankommenden Flüchtlingen erlebt, fühlte ich mich nicht mitgenommen. Von der Stärke welche die Protagonistin aufzeigt um sich zu etablieren, hätte ich dem Text mehr gewünscht.

Bewertung vom 05.11.2023
Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte
Hacke, Axel

Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte


ausgezeichnet

Heiter ist die Kunst
Das neue Buch von Axel Hacke mutet an wie einen guten Artikel in der Zeitung zu lesen. Wortgewandtheit, verschiedene Ebenen, gehobener Satzbau sind alles Dinge die ich mag und schätze. Auch den Humor, den der Autor mitbringt, finde ich sehr ansprechend. Die Gedanken, die Hacke mit seinen Lesern teilt, geben interessante Impulse und klingen lange nach. Er schweift gelegentlich ab, kommt aber immer wieder auf den Kern der Sache, die Sache mit der Heiterkeit (vor allem heutzutage), zurück. Kein Buch, das man in einem Stück durchlesen muss, aber trotz der Tatsache dass es ein Sachbuch ist, kann.
Ich muss gestehen, dass ich vorher noch kein Buch von Hacke gelesen habe (das werde ich nachholen). Jedoch gewann ich den Eindruck, dass er zu seiner Höchstform aufläuft.

Die hübsche Aufmachung des kleinen Bändchens durch den Dumont-Verlag finde ich ebenfalls sehr gelungen. Die vielen kleinen Sonnen stimmen sofort heiter. Ein Buch das ich gerne weiterempfehle.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.11.2023
Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten / Vampirtier Bd.1
Schweizer, Lotte

Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten / Vampirtier Bd.1


ausgezeichnet

Hund mit Faible für Tomaten
Emma fand das Zusammenleben mit ihrem Vater bisher ganz in Ordnung, nur ein Hund fehlte zum Glück. Ausgerechnet an ihrem Geburtstag ziehen in die kleine Wohnung zusätzlich Papas neue Freundin Diana und deren Söhne ein. Die Zwillinge Lenny und Paul sind zwei Jahre älter und erhalten ungefragt in Emmas Kinderzimmer Quartier. Doch der Familienzuwachs birgt auch etwas Positives für Emma, denn nicht nur optisch verändert sich ihr Vater, auch die Meinung zum Thema Hund wendet sich. Diana findet ein Hund sei eine prima Idee und im Handumdrehen gibt es einen haarigen Mitbewohner mit besonderen Vorlieben.

Lotte Schweizer hat für mich ein sehr gelungenes Kinderbuch geschrieben. Text und Bild (von Alexandra Helm) ergänzen sich sehr gut. Die Länge der Kapitel ist überschaubar und der Witz kommt nicht zu kurz. Der unerfüllte Wunsch nach einem Haustier ist für viele Kinder ein Thema aus ihrem Leben. Eine passende Familiengeschichte zu Halloween.

Bewertung vom 03.11.2023
Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen / Die mörderischen Cunninghams Bd.1
Stevenson, Benjamin

Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen / Die mörderischen Cunninghams Bd.1


sehr gut

Klassisch und modern

Ein Kriminalroman der schon auf der ersten Seite an die große Namen der Spannungsliteratur Agatha Christie und Chesterton erinnert, legt die Latte hoch. Teilweise erinnerte die Lektüre aufgrund des guten Plots auch daran, andererseits schrieb Benjamin Stevenson doch eine ganz andere Art von Buch.

Gemocht habe ich seinen ruhigen unaufgeregten Erzählstil, der einen ereignisreichen Plot wiedergab. Zu schätzen wusste ich auch die vielen, detailliert gezeichneten Charaktere.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich die direkte Ansprache der Leser, was der Autor aber mit Selbstironie und Witz seines Protagonisten wettmachte. Dieser ist Ernest Cunningham, der uns in die Geheimnisse seiner Familie blicken lässt. Diese ist nicht ganz ohne, weil ein jeder von ihnen (wie der Titel schon verrät) jemanden auf dem Gewissen hat. Angesiedelt ist die gegenwärtige Handlung in einem Skiresort in Australien, bei einem großinszenierten Familientreffen. Sie sind nach längerer Zeit wieder vollzählig, da ein Familienmitglied gerade seine Haftstrafe abgesessen hat.
Gleich im Prolog verrät der Autor ganz unorthodox auf welchen Buchseiten es um Todesfälle gehen wird. Auch sonst ist es ein Krimi der anderen Art, nichtsdestotrotz fühlte ich mich bestens unterhalten.
Einen Stern ziehe ich wegen gelegentlicher Wirrungen in der Erzählung ab. Auf die Fortsetzung bin ich schon sehr gespannt.

Bewertung vom 27.10.2023
Das Klugscheißerchen
Kling, Marc-Uwe

Das Klugscheißerchen


ausgezeichnet

Besonderer Dachbodenfund
Für Fans des Neinhorns geht es mit diesem Buch im Erstleseformat weiter. Das bewährte Duo von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn zeigt wieder sein Können. Letztere hat dem Klugscheisserchen ein unglaublich süßes Aussehen verpasst, dass man ihm nicht böse oder von ihm genervt sein kann. Sogar vor dem Impressum hat der Besserwisser nicht halt gemacht.
Aber zunächst mal auf Anfang: Wir lernen die Familie Theufel kennen. Diese besteht aus Tina und Theo sowie ihren Eltern. Die Erwachsenen werden durch ihre Kindern fleißig belehrt. Solange bis diese nach dem Abendessen zum Spielen auf den Dachboden des frischbezogenen Hauses entlassen werden. Gänzlich ins Piratenspiel vertieft, hören die beiden plötzlich eine Stimme aus einer zurückgelassenen Kiste der Vorbesitzer. Die Geschwister können kurz darauf auch das Klugscheißerchen sehen, denn es ist nur für wahre Klugscheißer*innen sichtbar. Am nächsten Morgen ist es aber verschwunden, obwohl sie doch mit ihrem Vater gewettet hatten. Selbstverständlich hat das türkisfarbene Wesen noch weitere Auftritte im Verlauf des Titels.
Ein Buch das viel Spaß zum Vor- und ersten Selbstlesen macht. Viele Wiederholungen (durch die vielen Einwände) erleichtern das Leseverständnis. Die Menge an Text pro Seite ist überschaubar und die Illustrationen sind in einem guten Verhältnis und nicht zu aufdringlich. Für jedes Klugscheißerchen ein Muss!

Bewertung vom 25.10.2023
Nebenan ist doch weit weg
Bones, Antje

Nebenan ist doch weit weg


ausgezeichnet

Vollste Empfehlung
Der Titel des Buchs "Nebenan ist doch weit weg" sagt alles aus, als sich für Edith ihre ganze Welt verändert. Die Zwölfjährige zieht mir ihren Eltern nicht auf einen fernen Kontinent, sondern von Berlin nach Krakau ins benachbarte Polen. Und egal wie weit der neue Wohnort entfernt ist, ein Umzug bedeutet immer Angst vor etwas Neuem. Zieht man wie Edith sogar in ein neues Land ist es umso spannender. Die Umgebung ist anders, die Sprache muss sie neu lernen. Währung, Buslinien und sogar Menschen, Alles ist anders in Polen.

Der Text von Antje Bones liest sich wunderbar flüssig. Der Wechsel zwischen Erzählung und zusammenfassenden Tagebucheinträgen bringt Geschichte rasch voran, die Illustrationen von Michael Szyszka veranschaulichen polnische Vokabeln (welche in den Text eingestreut sind) und lockern das Buch angenehm auf.
Erstaunlich reif finde ich Ediths Gedanken für ihre 12 Jahre und dass sie keinen Groll gegen ihre Eltern hegt. Mich hat das sehr beeindruckt. So stehen nicht ihre Emotionen im Mittelpunkt, sondern das Entdecken ihrer neuen Heimat.

Ein schönes Buch nicht nur für Kinder die einen Umzug vor oder hinter sich haben, sondern auch für zurückgebliebene Freunde. Vollste Empfehlung!

Bewertung vom 20.10.2023
Florence Butterfield und die Nachtschwalbe
Fletcher, Susan

Florence Butterfield und die Nachtschwalbe


weniger gut

Langatmig
Wie der Titel unschwer erkennen lässt, ist die Heldin dieses Buchs Florence (kurz genannt Florrie) Butterfield. Sie ist Mitte 80 und lebt wegen einer Unterschenkelamputation in der Seniorenresidenz Babbington Hall. Geistig ist sie noch vollends auf der Höhe, sodass ihr Unstimmigkeiten beim Sturz der Heimleiterin aus dem dritten Stock auffallen. Trotz ihrer körperlichen Einschränkungen lässt sie sich nicht aufhalten und findet Unterstützung im Mitbewohner Stanhope Jones. Abgesehen von Gesprächen mit ihm und einigen Angestellten wird viel im inneren Dialog von Florrie vorgetragen, was die Geschichte an manchen Stellen langatmig und unstrukturiert macht. Auch Rückblenden auf des Leben und Lieben der Florence Butterfield wird in diesem Format eingestreut, womit ich mich schwer tat. Hierbei wird auch mehrmals ein Aufhebens und Andeutungen um einen Vorfall gemacht werden, dass es mich irgendwann einfach nicht mehr interessierte.
Ebenfalls schade fand ich, dass Personen aus ihrem Leben zwar mehrmals benannt aber nicht eingeführt oder vorgestellt wurden. Sie waren einfach da.
Durch diese Erzählweise wirkt die Protagonistin sehr in sich gekehrt und still, dabei blickt sie auf ein ereignisreiches Leben zurück. Folglich erschien sie für mich als eher unstimmiger Charakter.
Nach etwa 100 Seiten nimmt das Buch doch noch an Fahrt auf, trotzdem sehnte ich mich dem Ende entgegen.

Bewertung vom 14.10.2023
Wie Sterben geht
Pflüger, Andreas

Wie Sterben geht


sehr gut

Spannend
Ich habe die Zeit des kalten Krieges nicht erlebt, umso atemloser lässt mich dieses Buch zurück. Anfangs tat ich mich etwas schwer die Rollen der einzelnen Personen richtig zwischen Ost und West einzuordnen, da mancher zu diesen Zeiten ja gerne auch eine Doppelrolle ausfüllte.
Zuletzt befasste ich mich mit dem Thema Spionage bei der Lektüre der Reihe von Titus Müller, dieses Buch hier ist wesentlich unverblümter. Mit direktem und prägnantem Schreibstil fängt Andreas Pflüger ohne Umschweife die Stimmung des schwelenden Konflikts ein.
Mittendrin Protagonistin Nina, die ich wegen ihres Humors und ihrer Stärke gleich gern gewann. Der mir bis dahin unbekannte Autor beeindruckte mich mit seiner Wortgewalt.

Auch optisch macht der Titel mit dem blauen Buchschnitt sehr viel her. Auch die Papierauswahl muss ich erwähnen, da es mir richtig gut gefiel das Buch in der Hand zu halten. Alles in allem ein gutes Buch!