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MaWiOr
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Halle

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Insgesamt 3704 Bewertungen
Bewertung vom 23.09.2024
Edgar Degas - Junge Kunst Band 45
Dagit, Gerald

Edgar Degas - Junge Kunst Band 45


ausgezeichnet

Edgar Degas (1834–1917) gilt neben van Gogh, Cézanne und Gauguin als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Kunst. Mit lieblichen Ballettszenen, grazilen Tänzerinnen, farbenfrohen Jockeys und Kaffeehausbildern erfreut sich der Künstler bis heute einer großen Beliebtheit. Sein künstlerisch vielfältiges Werk schlug eine Brücke von der traditionellen Malerei zur Moderne.

Der Band 45 der bekannten Reihe „Junge Kunst“ macht auf 64 Seiten mit dem französischen Impressionisten bekannt, der bereits zu Lebzeiten eine Legende war. Zunächst gibt der Kunsthistoriker Gerald Dagit unter dem Titel „Im Takt der modernen Großstadt“ einen Überblick über das vielfältige Schaffen des Künstlers – von seinen Anfängen bis zu seinem Spätwerk, das sich durch eine große Experimentierfreude auszeichnete. Besonderes Augenmerk liegt hier auf Degas ständiger Erkundung neuer Medien und Techniken. Neben seiner Tätigkeit als Maler war Degas auch Bildhauer und hat mehrere Bronzewerke geschaffen. Dieser umfangreiche Textteil ist mit zahlreichen Gemäldeabbildungen (teilweise ganzseitig) illustriert.

Es folgt ein mehrseitiger biografischer Textteil mit den wichtigsten Lebensstationen und einigen historischen Abbildungen. Natürlich fehlt auch nicht der traditionelle Abschluss „Archiv“ mit einigen Fundstücken und Dokumenten aus den Jahren 1856-1919. Fazit: Eine kompakte und gelungene Einführung in Werk und Leben von Edgar Degas.

Bewertung vom 07.09.2024
Der Junge, der Ripley folgte
Highsmith, Patricia

Der Junge, der Ripley folgte


ausgezeichnet

„Der Junge, der Ripley folgte“ (1980) ist der vierte Kriminalroman der fünfbändigen Ripley-Reihe von Patricia Highsmith. Tom Ripley führt ein sorgenloses Leben auf seinem prächtigen Landsitz bei Paris. Neben Müßiggang kann er sich hier ganz der Gartengestaltung widmen, bei der ihm ein 16-jähriger amerikanischer Teenager hilft, den er in seinem Stammcafé kennengelernt hat.

Frank, so heißt der Milliardärssohn, wird aber bereits von Kidnappern und Erpres-sern gesucht, denn er soll seinen reichen Vater mit dem Rollstuhl die Klippen vor dem Sommerhaus der Familie in Maine hinuntergestoßen haben. Die beiden freunden sich an und reisen gemeinsam nach Berlin. Um den Jungen vor seiner Familie in Sicherheit zu bringen, besorgt ihm Ripley einen falschen Pass. Doch in Berlin wird Frank plötzlich entführt. Ripley, der sich in dem jungen Amerikaner gewissermaßen wiedererkennt, zeigt in dem Roman seine fürsorgliche Seite und so gelingt ihm Franks Befreiung. Schließlich kann er ihn überreden, mit ihm in die USA zurückzukehren, um dort wieder ein „normales“ Leben zu führen. Doch der schwermütige Heranwachsende kommt hier mit dem Alltag und seiner Vergangenheit nicht zurecht. Schließlich stürzt er sich von den Klippen, wo er seinen Vater umgebracht hatte.

Fazit: Ein außergewöhnlicher Band der Ripley-Reihe, in dem Tom auch seine menschliche Seite zeigt. Ein informatives Nachwort des Literaturwissenschaftlers Paul Ingendaay ergänzt die Diogenes-Ausgabe, die Teil der auf 35 Bände angelegten Patricia Highsmith-Werkausgabe ist.

Bewertung vom 06.09.2024
Ripley Under Water
Highsmith, Patricia

Ripley Under Water


ausgezeichnet

Der Kriminalroman „Ripley Under Water“ (1991) ist der letzte der fünfbändigen Ripley-Reihe von Patricia Highsmith. Der mehrfache Mörder Tom Ripley ist ein angesehener Bürger des kleinen französischen Ortes Villeperce. Mit seiner Frau Heloise lebt er in einem luxuriösen Landhaus. Der Kunstkenner ist ein zuvorkommender Ehemann. Da mietet sich mit Janice und David Pritchard ein mysteriöses amerikanisches Paar in der Nachbarschaft, das ziemlich aufdringlich die Bekanntschaft der Ripleys sucht. Die neuen Nachbarn werden Ripley bald unheimlich.

Die Schatten der Vergangenheit scheinen plötzlich Tom Ripley einzuholen, als ein anonymer Telefonanrufer sich als der Dickie Greanleaf (Toms erstem Mordopfer) ausgibt. Pritchard schnüffelt überall herum, auch in den Flüssen und Kanälen der Umgebung, wo er schließlich die Überreste der Leiche des amerikanischen Kunstsammlers Murchison findet, der Ripley vor Jahren umgebracht hatte. Den Sack mit den Überresten platziert Pritchard vor Ripleys Haustür … doch Tom Ripley weiß wieder, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Mehr soll nicht verraten werden.

Fazit: Ein spannungsgeladener und unerwarteter Abschluss der Tom Ripley-Reihe. Die Diogenes-Ausgabe wird durch ein lesenswertes Nachwort des Literaturwissenschaftlers Paul Ingendaay ergänzt.

Bewertung vom 03.09.2024
Ripley Under Ground
Highsmith, Patricia

Ripley Under Ground


ausgezeichnet

Der Kriminalroman „Ripley Under Ground“ (1970) erschien 15 Jahre nach dem erfolgreichen Auftakt „The Talented Ripley“ und ist gewissermaßen eine Fortsetzung. Patricia Highsmith lässt die Handlung aber Ende der 1950er Jahre, also im Anschluss ihres Erstlingswerkes, spielen.

Es ist sechs Jahre her, seit Ripley Dickie Greenleaf ermordet und sein Geld geerbt hat. Jetzt lebt er in einer wunderschönen französischen Villa, umgeben von einer Kunstsammlung von Weltrang und verheiratet mit einer Pharmaerbin, einer Tochter aus reichem Hause. Alles scheint seinen geregelten Gang zu gehen. Doch dann fliegt ein Kunstfälscherring auf, den zu gründen Ripley die Idee hatte und dessen stiller Teilhaber er ist. Ein amerikanischer Sammler in London hat bei dem Erwerb eines teuren Gemäldes Verdacht geschöpft. Ripley braucht jetzt eine perfekte Lösung, um seine Rolle bei dem Betrug geheim zu halten und seinen Ruf sauber zu halten. Da kommt er auf die Idee, verkleidet als der Künstler in London zu erscheinen, um die Echtheit seines Bildes zu garantieren. Doch der Sammler hat weiterhin Zweifel, sodass ihn Ripley in seinem Keller erschlägt.

In dem weiteren Verlauf schildert Highsmith detailliert Ripleys Anstrengungen, den Nachforschungen der französischen und englischen Polizei zu entkommen. Außerdem befürchtet er, dass der eigentlichen Fälscher der Gemälde, ein gewisser Bernard Tufts, der durch die Angelegenheit in Panik geraten und geflüchtet ist, sich der Polizei offenbaren wird. Also macht sich Ripley auf die Suche nach ihm. Der Ausgang der Geschichte soll jedoch nicht verraten werden.

In ihrem zweiten Ripley-Roman bietet Patricia Highsmith eine faszinierende und verstörende Geschichte, in der Ripley vor nichts zurückschreckt, um sein Lügengewirr zu bewahren.

Bewertung vom 03.09.2024
Die schönsten Anekdoten aus der Literatur
Peter Köhler

Die schönsten Anekdoten aus der Literatur


ausgezeichnet

Anekdoten plaudern aus dem Nähkästchen meist bekannter Persönlichkeiten. Häufig enden sie mit einer überraschenden Pointe. Dabei wollen sie sich nicht über die Person lustig machen, sondern sie treffend charakterisieren. Schriftsteller*innen mit ihren Eigenarten sind dabei oft eine Steilvorlage für eine humoristische Anekdote. Sie sind halt auch nur Menschen mit ihren Fehlern.

Der vorliegende Reclam-Band versammelt die schönsten Anekdoten aus dem Bereich der Literatur, die in zehn thematische Kapitel unterteilt sind. Ob Bestseller-Autor, Nobelpreisträger oder eher vergessener Autor, sie alle hatten ihre Besonderheiten oder Schrullen, die Stoff für eine Anekdote bildeten. Dabei ist die Grenze zwischen Wahrheit und Dichtung oft fließend. Da war z.B. Erich Mühsam als Anarchist bekannt, was sich auch in seiner unaufgeräumten Wohnung äußerte. Oder Gerhart Hauptmann wurde von einem Parkwächter mit Goethe verwechselt. Friedrich Schiller hatte in seiner Schreibtischschublade faule Äpfel zur geistigen Anregung. Oder Agatha Christie war mit einem Archäologen verheiratet. Für sie der beste Ehemann, denn je älter sie wurde, desto mehr interessierte er sich für sie.

Das Personenregister (immerhin sieben Seiten) zeigt die Vielfalt der literarischen Anekdoten. Kaum ein Name der Weltliteratur fehlt. Eine sehr unterhaltsame Lektüre. Man kann das Bändchen auf jeder Seite aufschlagen und kommt dabei ins Schmunzeln. Und wer nicht genug hat, findet in dem umfangreichen Literaturverzeichnis noch mehr Anregungen.

Bewertung vom 01.09.2024
Wechselstrom-Zugbetrieb in Bayern, Württemberg und Baden Band 2
Glanert, Peter; Richter, Wolfgang-Dieter; Borbe, Thomas

Wechselstrom-Zugbetrieb in Bayern, Württemberg und Baden Band 2


ausgezeichnet

Nachdem der erste Band des Wechselstrom-Zugbetriebes in Bayern, Württemberg und Baden (1900-1939) noch im Verlag VGB/GeraMond erschien, hat das Autoren-Trio (Peter Glanert, Wolfgang-Dieter Richter und Thomas Borbe) für den zweiten Band, der die Jahre von 1939 bis zur DB-Gründung 1949 beleuchtet, mit dem Verlag DGEG Medien einen neuen Partner gefunden. Auf den knapp 200 Seiten werden die Ereignisse rund um den elektrischen Zugbetrieb in Süddeutschland und im 1938 annektierten Österreich geschildert und dokumentiert.

In sechs Kapiteln wird chronologisch der elektrische Zugbetrieb anschaulich (mit vielen technischen Details, Zeichnungen, Tabellen und überaus zahlreichen historischen Abbildungen) dargestellt – vom letzten Friedenssommer 1939 über die Jahre des Zweiten Weltkriegs bis zur Nachkriegszeit mit der Gründung der DB. Der Zweite Weltkrieg wird dabei in zwei Kapitel aufgeteilt: zwischen 1940 und 1942 sowie 1943 und 1945. Im letzten Zeitraum waren die Schäden der Bahnanlagen durch die alliierten Bombenangriffe besonders groß. Die historischen Aufnahmen davon sind auch für einen Laien erschreckend. Ein besonderes Kapitel ist der versuchsweise mit 50 Hz elektrifizierten Höllentalbahn gewidmet.

Die Autoren haben es gut verstanden, sowohl die speziellen Themen als auch technische Einzelheiten gut zu erläutern. Neben der üppigen Illustration mit zum Teil bisher kaum gezeigtem Bildmaterial punktet die Neuerscheinung außerdem mit einer hervorragenden Papier- und Druckqualität. Der Bild-Text-Band ist sicher ein weiteres Standardwerk zur deutschen Eisenbahngeschichte.

Bewertung vom 27.08.2024
Ripley
Highsmith, Patricia

Ripley


ausgezeichnet

Mit „The Talented Mr. Ripley“ (1955, dt. „Der talentierte Mr. Ripley“) erschloss Highsmith dem Kriminalroman neue Dimensionen. Sie wich vom traditionellen Gattungsschema ab: Im Mittelpunkt stand nicht die Aufklärung des Verbrechens, sondern der Täter, der kaltblütig seinen Freund ermordet, um dessen Identität zu übernehmen. Der elegante Tom Ripley, der keinerlei Schuldgefühle verspürt, ist geradezu charmant und sympathisch; der Leser kann kaum anders, als mit dem Protagonisten mit zu fiebern.

Nach dem tragischen Unfalltod seiner Eltern wächst Tom bei der Schwester seiner Mutter auf. Mit kleinen Betrügereien versucht er sich durchs Leben zu schlagen. Da bittet ihn der Vater eines seiner Schulfreunde, ihm zu helfen und seinen Sohn Richard (Dickie) aus Europa in die USA zurückzuholen. In der Nähe von Neapel freundet sich Tom mit Dickie an und fasst den Plan, in Dickies Identität zu schlüpfen und dessen Vermögen an sich zu reißen. Nach dem Mord kann Tom immer wieder der italienischen Polizei entwischen. Schließlich verlässt er Italien unbehelligt und reist nach Griechenland, doch die Angst vor seiner Entdeckung ist sein ständiger Begleiter.

Mit dem Buch gelang Highsmith eine sensible psychologische Studie über eine Verbrecherkarriere. Sie habe das „Gespür für Gut und Böse“ verloren, schrieb sie in ihr Notizbuch. Der Roman wurde bereits 1960 verfilmt („Nur die Sonne war Zeuge“) mit Alan Delon in der Hauptrolle. Bis 1991 ließ Highsmith noch vier weitere Romane mit dem skrupellosen Ripley folgen und schuf damit eine der beliebtesten Romanfiguren. Die Diogenes-Ausgabe ist mit einem Nachwort von Paul Ingendaay versehen. Fazit: Ein spannender Krimi, der längst ein Klassiker ist.