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Märchens Bücherwelt
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Königslutter am Elm

Bewertungen

Insgesamt 262 Bewertungen
Bewertung vom 28.01.2023
Dämmerung der Hoffnung
Blackburn, Lynn H.

Dämmerung der Hoffnung


sehr gut

Auch im 2.Teil ist es wieder so schön, nach Raleigh zurückzukehren und all die vertrauten, sympathischen Gesichter aus den vorherigen Büchern (Lake Porter Reihe) wieder zu treffen und mitzuverfolgen, was aus ihnen geworden ist. Diesmal ist der sanfte, rücksichtsvolle und stets um andere besorgte Gil Dixon an der Reihe, dessen große Liebe aus Kindertagen, Dr.Ivy Collins, ziemlich übel zugerichtet wird. Eigentlich haben sie sich aus den Augen verloren, aber auf ihre Firma eingezahltes Falschgeld lässt Gil auf die letzte Sekunde das Schlimmste verhindern.

Die Ermittlungen, wer es auf das Leben Ivy´s abgesehen hat, wer an ihrem neuen Projekt interessiert sein könnte und ob da überhaupt ein Zusammenhang besteht, sind ziemlich rasant und spannend. Ein Ereignis nach dem anderen lässt sie nicht zur Ruhe kommen, zudem hat Ivy immer noch Gewissensbisse wegen dem, was in ihrer Familie passiert ist.



Es ist wirklich süß zu sehen, wie sehr Gott in ihrem Leben eine Rolle spielt, nicht nur die Bitten um Hilfe in der ausweglosen Situation, sondern auch füreinander und für vernünftige Vorgehensweisen. Man hat gespürt, wie wichtig ihnen die Verbindung zu Gott ist, nicht nur beschränkt auf Tischgebete, und das spielt natürlich auch schön in den Titel hinein.

Auch wenn man weiß, dass es ein Happy End geben muss, weil man es von der Autorin bereits gewöhnt ist, gefiel mir der Entwicklungsstrang. Da 15 Jahre zwischen dem Wiedersehen liegen, braucht es seine Zeit, sich über Gefühle und Zukunftspläne Gedanken zu machen, was aber aufgrund der Geschehnisse nicht unbedingt leicht ist, und so müssen beide lernen, zu vertrauen, aber nicht zu erdrücken.

Das gesamte Team hab ich so ins Herz geschlossen, es hat so Spaß gemacht, alle auf ihre Art zu erleben, was mir unterhaltsame Lesezeit beschert hat.

Spannung, Romantik, Humor gemischt mit christlichen Aspekten bietet gute Unterhaltung.

Das Buch ist in sich abgeschlossen, doch es ist bietet noch mehr Hintergrundwissen, wenn man die vorherigen Bände kennt, da man dann auch weiß, was es mit dem mittlerweile doch ziemlich gewachsenem Team auf sich hat und was sie erlebt haben.

Für mich hätte der Spannungsbogen gerade bei der Auflösung des Falles noch etwas länger anhalten und dramatischer verlaufen können, das ist mir etwas zu schnell und unspektakulär verlaufen.

Fazit: Insgesamt ist es wieder ein gelungener romantischer Krimi, der zeigt, wie wichtig Vergebung und Freundschaft ist, dass man als Freunde zusammenhält, aufeinander aufpasst und füreinander da ist, nicht nur in Not. Auch die Kraft der Liebe wird beeindruckend gezeigt, die in so vielen Facetten zum Vorschein kommt. Aber noch wichtiger ist das Vertrauen zu Gott, selbst in ausweglosen Situationen niemals die Verbindung zu ihm abzubrechen, oder sich auf sich selbst zu verlassen. Dankbarkeit, Wünsche und Gefühle mit ihm zu besprechen, ist der beste Hoffnungsanker, den es gibt, und die Autorin hat das hier wirklich toll mit eingebaut.

Das Cover passt von der Gestaltung gut zu den bisher erschienen, weil sie alle dieselbe Farbgestaltung haben. Auch für diesen Teil kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen und vergebe gerne 4⭐⭐⭐⭐

Bewertung vom 18.01.2023
Die Legende der Reliquie
Lausen, Bettina

Die Legende der Reliquie


sehr gut

Inhalt: Nachdem Leopolds Familie getötet wird, muss er fliehen und seine große Liebe Allet zurücklassen. Auf seiner Flucht begegnet er einem Händler mit falschen Reliquien und schließt sich ihm an. Seine Reise führt ihn nach Constanz, wo der böhmische Prediger und Reformator Jan Hus sein Gewissen anfeuert. Im Zwiespalt zwischen seiner Tätigkeit und der Sorge um seine Geliebte gerät er selbst in große Gefahr.

Dieser historische Roman hat mich sehr beeindruckt, weil er einerseits sehr gut recherchiert ist und interessante Eindrücke in die Zeit des 15.Jahrhunderts gibt. Durch die Figur von Jan Hus erhält man auch einen spannenden Einblick in die Konflikte zwischen Kirche und dem Handel mit falschen Reliquien, die der Reformator Jan Hus streng verurteilt und damit auch viele Anhänger an sich zieht. Da Leopold in dieses Handwerk einsteigt, erfährt man mehr um die Legenden der Reliquien, mit welchen Methoden sie unter die Leute gebracht wurden und was Aberglaube bewirken kann.
Abwechselnd wird erzählt, wie es ihm ergeht und in welchen Gefahren er schwebt, parallel taucht man in die Vorgänge auf Burg Mainstain mit dem überaus düsteren, niederträchtigen Georg als Burgherren. Seine Machenschaften waren wirklich abstoßend und grausam, die Behandlung der Frauen furchtbar und so manche Szene hat mich richtig entsetzt. Mit der mutigen und tapferen Allet, die so tief gläubig ist und sich ihrem Schicksal ergibt hab ich wirklich mitgelitten.
Das Buch ist durchgehend spannend und die Eindrücke beeindruckend. Egal ob es um die Handwerke, Tagesabläufe oder Vorgänge in den Städten geht, aber auch die stets drohende Gefahr und der tiefe Aberglaube der Menschen

der leider von der Kirche extrem geschürt wurde, weswegen viele gute, aufrichtige Leute ihr Leben verloren.
Doch auch wenn es eine dunkle Zeit war, die einem teilweise sehr fremd und oft schockierend vorkommt, so hat der Roman auch viele lustige Begebenheiten, die die ganze Handlung etwas auflockern und nicht durchweg düster wirken lässt.
Die Gedankengänge und seine Veränderung von Leopold haben mir gut gefallen und auch Barthel, der reisende Händler war ein liebenswerter, lustiger Kauz, dessen Art einfach herrlich und amüsant war.
Es ist ein absolut lesenswertes Buch, allein das Cover, Titel und Klappentext wecken das Interesse, mehr erfahren zu wollen. Wer mittelalterliche Romane mit einer Mischung aus historischen Ereignissen und Persönlichkeiten und einer fiktiven Geschichte mag, der ist hier genau richtig. Auch wenn das Ende etwas absehbar und etwas zu schnell und unspektakulär abgewickelt war, hatte ich wirklich großartige, bewegende Unterhaltung, die gleichzeitig auch aufgrund der Handlung zum Nachdenken anregt, denn einige Glaubensfragen werden hier herausgestellt: Ob man für den Glauben an Gott Gegenstände zum Verehren benötigt und der Ablasshandel für die Sündenvergebung gerechtfertigt ist. Wie wirkt sich die Handlung der Kirchenoberhäupter auf das Leben des Volkes aus, wenn ihr Verhalten dem widerspricht, was sie lehren und andere dafür verurteilen oder sogar als Ketzer verbrennen?
Ich vergebe gerne 4★★★★ und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

Bewertung vom 06.01.2023
Die Schwabinger Morde / Fräulein Anna, Gerichtsmedizin Bd.2
Aicher, Petra

Die Schwabinger Morde / Fräulein Anna, Gerichtsmedizin Bd.2


gut

Als Gerichtsassistentin gerade frisch gestartet, trifft Anna Zech auf den adeligen Fritz Weynand, der sich aus Langeweile noch als Skandalreporter Fritz Nachtwey betätigt. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere die zur Prinzregentenzeit um 1912 durch den Tod einer bekannten Schauspielerin auf etwas ungewöhnliche Art ermitteln. Sie das scheue, gut erzogene Mädchen vom Land, er mit seinem Kumpel Heinrich ein Draufgänger, die beide mit ihrem adeligen und häuslichen Los unzufrieden sind und daraus auch keinen Hehl machen, besonders was die Frauenwelt betrifft.

Doch je mehr die beiden Welten aufeinander prallen, desto überraschter und neugieriger werden beide Seiten, weil Anna es Fritz nicht leicht macht, auf seine Avancen einzugehen.

Wer hier einen normalen Krimi erwartet hat, wird überrascht sein. Denn natürlich wird in dem Todesfall ermittelt und es tun sich wirklich Abgründe und Geheimnisse auf, mit denen keiner gerechnet hat. Auch der Titel selbst bleibt bis zum Schluss noch lange Zeit unklar, selbst wenn immer mal Bezug darauf genommen wird.

Ich muss zugeben, ich hab mich etwas schwer getan in die Geschichte zu kommen. Man muss sich etwas an den Münchner Dialekt gewöhnen, der mal mehr mal weniger auftaucht. Auch ist die Erzählung doch ziemlich trocken, nicht nur von den Abläufen sondern von der ganzen Handlung.

Die Personen wirkten oft stocksteif, unsympathisch und fast schon klischeehaft. Während die Männerwelt nichts anderes im Kopf hat, als den Frauen hinterherzujagen und sich ihre Geliebten warm zu halten, werden etliche Frauen, darunter auch Fritz Ehefrau als dumme, nach Anerkennung und Prestige heischende Damen umschrieben, die selbst schuld an den häuslichen Umständen sind.

Anna und Fritz merken nicht nur durch den Blick in die jeweils andere Welt, wie unterschiedlich es dort vor sich geht, sondern auch durch den Tod der Schauspielerin, was Liebe, Gier und Eifersucht anrichten können. Auf einmal ist alles nicht mehr so oberflächlich, ein Blick hinter die Kulissen veranlasst beide, anders denken und fühlen zu lernen und diese Entwicklung fand ich interessant.

Nebenbei fließt auch die historische Geschichte kurz vor Ausbruch des 2.Weltkriegs und den jeweiligen Regenten mit ein, auch hier mit so manchem düsteren Geheimnis verpackt.

Es gibt ein paar Dinge, die mich etwas gestört haben, wie zum Bsp. der ewig zu spät und betrunken auftauchende Mitarbeiter der Gerichtsmedizin, mit seiner ausgeprägten Angst vor den Toten und dennoch hat sein Verhalten keine Konsequenz. Auch die Arbeitszeit und Anwesenheit wird nicht sehr ernst genommen, so dass viele Ärzte eher durch Abwesenheit glänzen, was ich schon suspekt fand. Dr.Gernhuber, eine Koryphäe im Obduktionsraum und sehr darauf bedacht, Anna einzuarbeiten ist für mich ebenso wie Annas Tante Leni allerdings eine Überraschung, liebenswert und herzensgut.

Ob ich die Reihe weiterlesen werde, weiß ich nicht, so richtig warm geworden bin ich leider nicht und es fällt mir auch nach der Aufklärung des Todesfalls schwer, die Charaktere und ihr Verhalten nachzuvollziehen. Vielleicht hat der 2.Teil noch eine Überraschung parat, das wäre toll, aber bislang hat es mich leider nicht wirklich mitgerissen. Schade, habe mir mehr davon versprochen.

Bewertung vom 31.12.2022
Der letzte Tanz der Debütantin
Kelly, Julia

Der letzte Tanz der Debütantin


sehr gut

Von diesem Roman bin ich mehr als überrascht. Cover, Titel und Klappentext laden förmlich dazu ein, dieses Buch zu lesen. Es ist kein Regency im klassischen Sinn, da die Handlung Ende der 50er Jahre stattfindet, das letzte Jahr, wo ein Debütantenball am englischen Königshof absolviert wurde.
Die Autorin hat toll recherchiert, wie man auch im Nachwort lesen kann, was unglaublich interessant ist.

Lilys Geschichte ist süß und traurig zugleich. Weil es die Tradition so will und ihre Grandmama die Kostenträgerin ist, von der sie durch den Tod ihres Vaters abhängig sind, bleibt ihr keine andere Wahl, als an dem Debüt teilzunehmen. Man spürt ihre Zerrissenheit, stets als Außenseiterin betrachtet zu werden, weil sie nicht wirklich zu High Society gehört und auf die Gunst anderer angewiesen ist, um weitere Einladungen für die Bälle der Saison und Debütabende zu bekommen. Schnell zeigt sich ein klares Bild, wer zu der oberen Liga gehört oder zu den "Unvollkommenen". Dieser Begriff gefiel mir sehr, weil es wirklich in vielen Situationen bildhaft gezeigt wurde.
Doch ein Familiengeheimnis droht die gesamte Saison zunichte zu machen, worüber ich echt überrascht war, weil es ganz anders als erwartet verläuft.

Diese Geschichte ist kein typischer Mädchenballroman, wo nur getanzt, geflirtet und der künftige Mann ausgesucht wird. Nein dieser hier ist so völlig anders, weil er zum einen einige traurige Ereignisse ans Licht bringt, aber wunderschön auf den Wert von echten Freunden und Familie eingeht. Erkenntnisse, die zwar schmerzhaft, aber doch gerade in dem Alter so bedeutsam sind.
Anfangs wirkte es ab und zu etwas dahin plätschernd, aber man wurde erstmal mit den ganzen Abläufen vertraut gemacht, mit den Charakteren die so authentisch waren, egal ob sympathisch oder nicht.



Selbst bei den oberflächlichen, egoistischen Freunden konnte man durch einen Blick hinter die Kulissen mehr Verständnis aufbringen, und durch Lilys liebevolle Art und ihre Erfahrungen damit wusste man, was Reichtum und Standesdenken für Auswirkungen haben.
Man spürt, was das in Lily bewirkt, wie sie dadurch reifer und erwachsener wird, auch wenn es sie einiges an Tränen kostet. Ihre Geschichte und der Beginn wunderbarer Freundschaften und auch einer süßen Lovestory machen dieses Buch zu einem schönen aber auch nachdenklich stimmenden Leseerlebnis.
„Das Leben war seitdem wie ein Wirbelwind gewesen – eine merkwürdige Mischung aus immer neuen Ereignissen und ewig Gleichem.“ (Buchzitat)

Bewertung vom 05.12.2022
Ein Leben für das Recht auf Liebe / Die Hafenärztin Bd.3
Engel, Henrike

Ein Leben für das Recht auf Liebe / Die Hafenärztin Bd.3


gut

Rezension/unbezahlte Werbung
🩺Die Hafenärztin-Ein Leben für das Recht auf Liebe🩺
Das ist nun schon der Finalband, bei dem die mutige Ärztin Anne Fitzpatrick darum kämpft, unterdrückten Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen und sie ärztlich zu versorgen und aufzuklären. Keine leichte Aufgabe, denn sie gerät schnell in eine Spirale aus Menschen- und Drogenhandel, was so weit durch Hamburg vernetzt und schwer zu durchschauen und aufzuklären ist, dass sie und Kommissar Berthold Rheydt selbst in Gefahr geraten. Zusätzlich erschwert wird es auch, weil die Sprachbarriere im Chinesenviertel fast unüberwindbar scheint, gerade die Frauen dort extreme Angst haben und deshalb sehr verschwiegen sind. Doch ein Mord und das Verschwinden mehrerer Frauen starten den Wettkampf gegen die Zeit, denn der Mord trägt die Handschrift des berühmt berüchtigten Hafenmörders und dieser ist ein Psychopath.
Annes Freundin Helene Curtius, inzwischen eine erwachsene Frau, steht vor der Frage, ihrem Herzen zu folgen oder Lehrerin und unter den gegebenen Umständen unverheiratet zu bleiben. Auch sie gerät unversehens in einige schwierige Situationen, denn nicht nur in ihrer Familie verändert sich einiges, sie erlebt in ihrem Freundeskreis einige Vorfälle von häuslicher Gewalt und schwerer Misshandlungen.
Obwohl das alles nach sehr viel Action und Gefahr klingt, hat mir die gewisse Spannung durchweg gefehlt. Es gibt eine ganze Reihe von Ermittlungen, die teilweise sehr langatmig und durch die vielen unterschiedlichen Namen auch etwas verwirrend sind, zusätzlich gibt es eine Reihe an Wiederholungen, die man ruhig hätte kürzen können und damit evtl. den Spannungsbogen besser gehalten hätten.
Bis auf Helenes Mutter, die eine erstaunliche Wendung durchlebt und mir in diesem Teil endlich als selbstbewusste Person auftritt fand ich die anderen Charaktere sehr blass und trocken, ebenso wie die Handlung selbst. Dadurch wirkte das Buch sehr zäh und selbst in einigen romantischen Szenen hatte man nicht das Gefühl, als wenn das alles etwas auflockert, sondern wie eine trockene Abhandlung.
Sowohl Annes als auch Helenes Liebesleben konnte ich gefühlsmäßig nichts abgewinnen, obwohl ich beide Frauen total sympathisch und hilfsbereit finde. Und es lag noch nicht mal an der Epoche. Das Ende blieb dementsprechend auch etwas unbefriedigend, was sich erst in die Länge zog, erfolgte am Ende alles sehr abrupt und abgehackt. Schade, denn sowohl Cover als auch Titel klangen wieder sehr vielversprechend, allerdings empfand ich diesen Teil als den Schwächsten für ein großes Finale.

Bewertung vom 03.12.2022
Darlington
Krock, Jeanine

Darlington


gut

Willkommen bei den Darlington-Schwestern und in einem Roman, der eine Mischung aus Regency und Fantasy ist, ungewöhnlich und auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die 5 Schwestern Tamira, Carolina, die Zwillinge Georgiana, Henrietta und die Jüngste Anila müssen nach dem traurigen Verlust ihrer Eltern aus Indien flüchten und sind nun gezwungen, unter der Obhut von Onkel und Tante und der Patin Lady Cairnforth eine gute Partie zu machen, um die Familie zu retten. Da die Älteste Tamira aber gar nicht ans Heiraten denkt, viel zu sehr ist sie abgeschreckt von der Aussicht, einem Mann hörig sein zu müssen, lastet die Verantwortung auf der hübschen Carolina. Doch die Suche nach einer wertvollen Spieluhr, die ihnen entwendet wurde dreht das Blatt, denn Tamiras getarnte Einbruchsversuche misslingen, ausgerechnet der Duke of Asherton, Julian Weston, erwischt sie dabei.
Fasziniert vom Cover und der Inhaltsbeschreibung wollte ich gerne wissen, was es mit der mysteriösen Suche auf sich hat und wie die Darlington Schwestern ihre indische Herkunft mit dem Leben in London verbinden. Da gab es so einige Szenen, die einen zum Schmunzeln gebracht haben. Der Duke ist ein offener, sympathischer, hilfsbereiter junger Mann, der plötzlich mit einer großen Verantwortung konfrontiert wird, dabei aber immer auch an andere denkt. Allerdings fällt es ihm schwer, seine Gefühle auszudrücken, weswegen es zu etlichen Missverständnissen kommt. Die Mädchen dagegen könnten unterschiedlicher nicht sein, die Zwillinge sehr wissbegierig, mutig, offenherzig und nehmen kein Blatt vor den Mund, während Tamira und auch Anila oft in ihren Traumwelten leben, die immer wieder durch die Begegnung mit einem Tiger und Vogel in ihrer Fantasie in gewissen brenzligen Situationen Hinweise oder Warnungen erhalten.
Irgendwie passte genau das nicht so wirklich in einen Regency, denn auch wenn man lebhaft träumt, so wirkt es doch etwas merkwürdig, wenn manche Szenen plötzlich stattgefunden haben, obwohl sich die Beteiligten nicht daran erinnern können, die Folgen aber sichtbar. Von der Idee mag es interessant gewesen sein, die Umsetzung war für mich nicht durchgehend nachvollziehbar. Ich hab des Öfteren auf mehr Spannung gehofft, gerade bei der Länge des Buches, aber leider blieb sie eher flach.
Im Vergleich zu anderen Regency-Romanen ist mir stellenweise das Thema der sexuellen Entwicklung und Vorstellungen etwas zu freizügig und ausgeprägt zu dieser Zeit gewesen. Es mag zwar eine Zeit des Umschwungs und Neuentwicklung der Frauen begonnen haben, aber in dieser Art und Weise und ausführlich passte es nicht so ganz da rein.
Insgesamt hab ich leider etwas mehr erwartet, der Schluss war zur gesamten Geschichte ziemlich schnell abgewickelt und auch die Suche nach der Spieluhr hätte ich mir wesentlich spannender vorgestellt, doch das war auf einmal kein Thema mehr. Stellenweise hatte ich auch das Gefühl, als wenn die Charaktere sehr sprunghaft waren, mal penibel auf Anstand bedacht, dann auf einmal wieder völlig egal. Schade, da wäre noch wesentlich mehr Potential gewesen.

Bewertung vom 20.11.2022
Zeit der Sehnsucht / Die Töchter der Ärztin Bd.1
Sommerfeld, Helene

Zeit der Sehnsucht / Die Töchter der Ärztin Bd.1


sehr gut

Nachdem mir die Ärztin-Reihe um Ricarda Thomasius schon so gut gefallen hat, wollte ich natürlich auch gerne wissen, was ihre beiden Töchter Henny und Antonia (Toni) so machen. Beide grundverschieden. Henny als Onkologin tätig, zielstrebig und geradlinig, teilweise etwas steif wirkend, der es schwerfällt, Emotionen zu zeigen und Toni, die ihrem Freiheitsdrang nachgibt, weil sie unbedingt an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren möchte, um Erinnerungen aufzufrischen. Sie ist ein Wirbelwind, braucht die Herausforderung, ist selbstbewusst, mutig und kämpft für ihre Ziele, die sie auch sehr direkt mitteilt.
Die Geschichte schwenkt zwischen Berlin und Afrika, so dass man abwechselnd das doch ziemlich bewegte Leben der beiden Halbgeschwister miterleben kann. So fand ich es toll, dass man auch Ricarda und Siegfrieds Lebensabend weiterverfolgen konnte, ihre Sorgen um ihre Verwandtschaft, besonders der Nichten und Neffen und ihrer Skandale. Berlin erlebt gerade einen Umschwung. Einiges, was immer noch verpönt ist und nicht an die Öffentlichkeit darf. Anderes, was gerade die jüngere Generation eher frei auslebt, um aus diesen festen Regeln und Einschränkungen auszubrechen, immer mit einem Schrei nach Aufmerksamkeit und Liebe.
Toni dagegen muss sich auf ein Afrika einstellen, dass zwar durch all die Schönheit und beeindruckende Landschaft besticht, aber auch viele Tücken und Herausforderungen birgt. Kein einfaches Leben, wenn es immer noch Rassenunterschiede gibt, die Frauen immer noch darum kämpfen müssen, als gleichberechtigt angesehen zu werden und Klima und Krankheiten auch ihren Teil dazu beitragen, als Ärztin zu kämpfen. Vorurteile, Neid, Intrigen, Heimweh und eine Liebe, die anders verläuft als erhofft.
Gerade Tonis Geschichte hat mir noch mehr gefallen, war sehr abwechslungsreich und unterhaltsam, während der Part in Berlin mir ab und zu etwas zu langatmig und wiederholend erschien. Gerade was die Familie Freystetten betraf, so fand ich etliche der Familienmitglieder extrem narzisstisch, selbstverliebt und fernab der Realität. Natürlich ist es in den höheren Kreisen so üblich, wirkte aber teilweise etwas zu viel.
Ich durfte das Buch parallel auch als Hörbuch genießen und fand die Präsentation durch Tanja Fornaro ausgesprochen gut. Sie schafft es, die Stimmung toll in Szene zu setzen, die unterschiedlichen Menschen authentisch wirken zu lassen, die Spannung zu steigern, Gefühle gut zu transportieren und so für gute Unterhaltung zu sorgen.
Das Cover mit den beiden Geschwistern ist passend gewählt, besonders wegen der Hauptperson Toni und ihrer Arbeit in Afrika. Aber auch, weil die Personen selbst, wie beschrieben, genauso dargestellt werden.
Der Titel passt auf so viele verschiedene Familienmitglieder, die sich alle auf ihre eigene Art nach Dingen sehnen - die große Liebe, dem Wunsch nach Anerkennung, Verständnis, familiärer Rücksichtnahme, Neuanfängen, beruflicher Erfolge und der Hoffnung auf ein richtiges Zuhause. Das wurde interessant, lebendig und ausdrucksstark verpackt.

Bewertung vom 31.10.2022
Caroline Märklin - Sie brachte Kinderaugen zum Leuchten, doch kämpfte um ihr eigenes Glück
Feyerabend, Charlotte von

Caroline Märklin - Sie brachte Kinderaugen zum Leuchten, doch kämpfte um ihr eigenes Glück


gut

unbezahlte Werbung/Rezension
𝕮𝖆𝖗𝖔𝖑𝖎𝖓𝖊 𝕸ä𝖗𝖐𝖑𝖎𝖓
Autor/in: Charlotte von Feyerabend
Erschienen: 11/2022 Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Droemer HC
Ich finde es immer toll, mehr über Persönlichkeiten, die in der früheren Geschichte etwas bewegt haben, zu erfahren. So erfährt man auch in diesem Buch mehr über die Entstehung der bekannten Firma MÄRKLIN.
Die Geschichte von Caroline Märklin, ehemals Hettich, ist alles andere als leicht gewesen. Sie ist aufgeweckt, sprüht vor Energie und Ideen und versucht auch ihren Mann Wilhelm in seinem Geschäft als Flaschner zu unterstützen und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein. Doch zu einer Zeit, wo das Regiment der Männer herrschte und Frauen im Geschäftsgeschehen nichts zu suchen hatten, ist dies alles andere als leicht, was Caro ziemlich häufig zu spüren bekommt. Doch angesteckt vom Slogan ihres Vaters lässt sie sich unglaublich viel einfallen, um ihre Träume aber auch ihren Verpflichtungen gerecht zu werden.
Eine interessante Geschichte, die aber leider viele traurige Ereignisse enthält und für das, was Caroline alles erlebt hat, empfinde ich sie als sehr mutig und faszinierend.
All die Ereignisse zu einer Zeit, in der die industrielle Entwicklung startet, Maschinen genutzt werden, die Konkurrenz hart ist und Frauen sich behaupten müssen werden hier bedeutsam geschildert. Man erhält Einblicke in das Handwerk des Flaschners, ebenso wie die beginnende Zeit der Handelsreisenden.
Allerdings sind mir die Charaktere etwas zu oberflächlich geblieben. Zeitweise hatte ich den Eindruck, ich lese eine Information von Wikipedia mit den Daten und Fakten einer Person. Die tragischen Momente, die Caro erlebt, sind wirklich schmerzhaft, wurden mir aber etwas zu schnell abgewickelt. Ich hätte mir etwas mehr Persönlichkeit von ihr gewünscht, mehr Gefühle, gerade was ihre familiären Abläufe betrifft. Es gibt einige Zeitsprünge, in die man sich einfinden muss. Am Ende überstürzten sich die Ereignisse und Entwicklungen, was mir im Vergleich zur restlichen Geschichte zu schnell abgewickelt wurde, auch weil es wieder sehr trocken und unpersönlich geschildert wird.
Ansonsten ist es ein lesenswertes Buch, interessant auch mit den ganzen Anhängen zu den Personen, Literaturhinweisen, Fakten und Fiktion und einigen Rezepten.
Das Cover gefällt mir sehr, denn mit Märklin verbindet man überwiegend die Geschichte der Eisenbahn.

Bewertung vom 06.10.2022
Tage des Lichts / Kinderklinik Weißensee Bd.3
Blum, Antonia

Tage des Lichts / Kinderklinik Weißensee Bd.3


gut

Rezension: Kinderklinik Weißensee- Tage des Lichts (Teil 3)
Autor/in: Antonia Blum
Erschienen: 09/2022
Verlag: Ullstein
Taschenbuch: 496 Seiten
Mit dem 3.Teil erreichen wir eine Zeit, in der sich Berlin politisch stark verändert. Die NSDAP bekommt immer mehr Zuspruch, was sich auch schon in den Schulen abzeichnet.
Auch für die beiden Schwestern Marlene und Emma beginnt eine aufregende Zeit mit vielen Veränderungen, sowohl in der Klinik als auch im privaten Bereich.
Der geheimnisvolle Fremde, der sich als ihr Vater ausgibt und ständig auf und wieder abtaucht lässt sie mit vielen Fragen zurück, dann taucht auf einmal eine Krankenschwester wieder auf, die besonders Emma das Leben sehr schwer macht und auch die Ehen beider Schwestern geraten aufgrund der Umstände massiv unter Druck. Lebhaft wird hier beider Leben parallel geschildert, die ganzen Höhen und Tiefen, die emotionalen Herausforderungen. Auch Emmas Kinder Elisabeth und Theodor haben mit ihren Erlebnissen zu kämpfen - besonders Theodors Geschichte ist mir sehr nahe gegangen, weil er ein so herzensguter und aufmerksamer Junge ist, der so hin und hergerissen zwischen seinen Schulerlebnissen ist und der Rücksicht auf seine hart arbeitenden Eltern. Der Einfluss schon der Schule wird hier toll herausgestellt, was für mich ein genialer Warn- und Lehrfaktor ist.
Dieses Mal fiel es mir allerdings etwas schwer, mich vollkommen in die Geschichte fallen zu lassen - es gab etliche Wiederholungen, besonders was Marlenes und Maximillians verzweifelten Kinderwunsch betrifft, der mit der Zeit eher anstrengend und zäh wirkte.
Dann wird es mit den Hospitalkindern Albert und Gerti wieder hochemotional und spannend. Auch die Gratwanderung der Elevinnen, mit besonders anspruchsvollen Eltern umgehen zu müssen wird eindrucksvoll geschildert, ebenso wie die Verunglimpfung der Klinik durch die Fehlentscheidungen der Oberschwester, die Erwartungshaltung der Eltern, aber auch der wirtschaftlichen Lage, die viele Menschen in die Armut treibt.
Doch so richtig konnte der Spannungsbogen nicht gehalten werden, einiges flachte schnell wieder ab, wechselte in den privaten Bereich, der sich oftmals auch wiederholte und hinzu kommen dann die vielen Missverständnisse, die ich teilweise dann doch etwas ermüdend fand. Speziell die wiederholte Betonung des Reichtums der von Weilerts.
Es war vieles schnell absehbar, wobei selbst das neue Medikament Penicillin nicht ganz so spektakulär ist, wie erhofft.
Dieses Mal waren eher die Nebenfiguren die wirklichen Helden, die mich mehr fasziniert haben, als die Hauptprotagonisten, wie z.B. Willy Pinke, Albert, Gerti und Oma Anna.
Insgesamt bin ich etwas hin und hergerissen, weil ich die Entwicklung der beiden Schwestern und ihrer Tätigkeit gerne lese, die Erfolge und Rückschläge, ihre privaten Erlebnisse- doch hier fehlte mir das gewisse Etwas - was mich mitreißt und bewegt und einige Reaktionen waren zu kindisch und übertrieben.
Die Titelwahl ist passend - Lichtblicke für eine unter Druck geratene Kinderklinik, die einige Misserfolge erleidet, ein politisches System, das vielversprechend klingt, aber dennoch brandgefährlich ist, ebenso wie im privaten Leben ein ständiges Auf und Ab gemeistert werden muss. Wie schon die Vorgängerbände hat das Cover diesen besonderen Wiedererkennungswert, der Einblick in die Zeit und das Geschehen gibt.
Ein guter 3.Teil mit einigen Schwächen- dennoch freue ich mich auch auf Elisabeths Geschichte im 4.Teil und die Nachkriegsjahre.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.09.2022
Christrosenküsse
Hoffsümmer, Sandra

Christrosenküsse


sehr gut

schon das Cover und der Klappentext haben mich extrem neugierig gemacht. Die Autorin kannte ich bisher noch nicht, aber das hat sich dank dieses umwerfenden Romans umgehend geändert.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt und mich so tief eintauchen lassen, dass ich alles um mich herum total ausgeblendet habe.
Die Handlung ist geheimnisvoll, emotional und hat mich einige Tränen gekostet, denn Florence, auch Flo genannt, und ihre kleine Schwester Betty mussten schon in jungen Jahren das harte Leben auf den Straßen Londons erleben. Nur durch Zufall gelangen sie auf das Anwesen der Roychesters, doch die Tage sind lang, die Arbeit hart und undankbar. Die Schilderungen der täglichen Abläufe haben mich wirklich erschüttert, der Umgang mit den Bediensteten, der Neid untereinander. Doch Flo würde alles für ihre Schwester tun, weil sie das einzige ist, was sie noch hat, von vielen aber eigenartig gehalten wird und deswegen zusätzlichen Schutz braucht. Die Last erdrückt sie von Tag zu Tag mehr, hinzu kommt der Fund eines mysteriösen sehr bildhaft umschriebenen Tagebuches, was immer mehr Einblicke in die Geheimnisse und pikanten Vorgehen der Familie gibt, die niemals an die Öffentlichkeit dürfen.
Nach und nach ergibt sich aus dem, was Flo erlebt, aber auch was sie kombiniert, ein komplettes Bild, was ihr aber zum Verhängnis wird.
Es ist einfach so raffiniert gestaltet, alleine die Idee und Entwicklung des Tagebuches ist schon so faszinierend. Und was das Thema Romantik angeht, so hat die Autorin es wirklich durchgehend geschafft, die Gefühle, die Stimmung, das Knistern so realistisch zu umschreiben, dass selbst ich ein Kribbeln beim Lesen hatte und des Öfteren die Luft angehalten habe.
Die Charaktere sind klasse dargestellt, egal ob sympathisch oder auch nicht, auch hier wird die jeweilige Atmosphäre passend vermittelt. Unheimlich, dann wieder lustig, romantisch, beängstigend, spannend.
Mein Lieblingscharakter ist die kleine Betty, durch ihre Besonderheit und ihre liebenswerte Art muss man sie einfach lieben. Wie sie ihrer Schwester vertraut, ihre Gefühle versucht rüberzubringen und zutiefst bestürzt ist, wenn mal etwas schief gegangen ist.
Die vielen Wendungen, die dieser Roman nimmt, sind nicht vorhersehbar und bis zum Schluss hofft und bangt man so sehr mit, erlebt aber eine Überraschung nach der anderen. Besonders was es mit dem Titel auf sich hat, ist einfach das i-Tüpfelchen bei diesem winterlichen und historisch klasse umgesetzten Roman und hat mein Herz erst recht zum schmelzen gebracht. Ausgesprochen mitreißender Schreibstil, absolut lesenswert, der das Thema Klassenunterschiede und das "anders sein" eindrucksvoll aufgreift. Auch wenn ein paar kleinere Details und Fragen für mich offen geblieben sind, hatte ich tolles und etwas außergewöhnliches Lesevergnügen.