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MaWiOr
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Halle

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Insgesamt 3704 Bewertungen
Bewertung vom 13.07.2024
Oswald von Nell-Breuning
Russi, Florian

Oswald von Nell-Breuning


ausgezeichnet

Vor sechs Jahren startete der Mitteldeutsche Verlag die beliebte Reihe „Philosophie für unterwegs“, die im Westentaschenformat (auf jeweils 48 Seiten) mit den großen Philosoph*innen und ihren wichtigsten Werken bekannt macht. Den Auftakt machte 2018 der griechische Philosoph Epikur (341-271/270 v.Chr.), den der Reihenherausgeber Florian Russi vorstellte, der auch noch für weitere Ausgaben (u.a. Karl Popper, Jesus und Machiavelli) verantwortlich war.

Nun widmet sich Russi in Band 22 dem katholischen Theologen und Sozialphilosophen Oswald von Nell-Breuning (1890-1991), der als Erfinder des „Subsidiaritätsprinzips“ (Hilfe zur Selbshilfe) bekannt wurde. Seine Soziallehre war weiterhin geprägt von den Prinzipien Gemeinwohl und Solidarität. In seinem mehr als 100-jährigen Leben setzte sich Oswald von Nell-Breuning unermüdlich für eine gerechte Gesellschaftsordnung ein, die dem Menschen Selbstverwirklichung durch Arbeit ermöglicht.

Zunächst gibt Florian Russi einen kurzen biografischen Überblick zu Oswald von Nell-Breuning, ehe er den Denker in seinen philosophischen Grundgedanken und Grundprinzipien seiner Soziallehre vorstellt. Bei den sozialen Fragen geht er ausführlicher auf die Themen Arbeit, Lohn, Einkommen, Mitbestimmung, Gewerkschaften oder Gemeinwohl ein. Oswald von Nell-Breuning hat ein unvorstellbares Gesamtwerk (rund 1.800 selbstständige Publikationen) hinterlassen, aus denen zahlreiche Zitate die Neuerscheinung bereichern. Fazit: Ein informativer Überblick zu einem wichtigen Denker des 20. Jahrhunderts.

Bewertung vom 13.07.2024
der die DADA

der die DADA


ausgezeichnet

Der Dadaismus war eine Kunstbewegung, die während des Ersten Weltkriegs in Zürich als Reaktion auf die Schrecken und den Wahnsinn des Krieges entstand. Er war eine bewusste Rebellion gegen die etablierte Kunstwelt. Die Dadaisten sahen sich jedoch selbst nicht als Schöpfer einer neuen Kunstrichtung, schließlich lehnten sie jede Definition ab.

Zahlreiche Frauen waren an dieser progressivsten aller Kunstströmungen beteiligt, doch bis auf wenige Ausnahmen kennt kaum jemand ihre Namen, obwohl sie den Dadaismus entscheidend mitgeprägt haben. Die Ausstellung „der die DADA“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck (7. Juli 2024 bis 12. Januar 2025) in Remagen will hier Abhilfe schaffen und anhand von über 180 Exponaten aller Gattungen (Malerei, Objekt, Zeichnung, Collage, Grafik, Fotografie und Film) zeigen, dass die Künstlerinnen oft radikaler waren als ihre männlichen Kollegen.

Auch der Begleitkatalog, der im Hirmer Verlag erschienen ist, stellt mit seinen interessanten Essays eine gelungene Aufarbeitung des vergessenen, weiblichen Teils der Kunstgeschichte dar. Die Texte von renommierten Kunsthistorikerinnen widmen sich einzelnen Künstlerinnen der revolutionären Bewegung oder künstlerischen Arbeitsgemeinschaften. Der umfangreiche Werkteil mit den Abbildungen der Ausstellungsobjekte ist dann unterteilt in die verschiedenen DADA-„Hauptstädte“: Zürich, New York, Paris, Berlin und Köln, wobei es zu jedem Kapitel eine kompakte Einleitung gibt. Der Katalog besticht neben den Texten und Abbildungen auch durch sein farbenfrohes und modernes Design – ganz DADA-mäßig. Einfach toll. Ausstellung und Katalog beweisen zudem, dass auf diesem Gebiet noch viel Forschung notwendig ist.

Bewertung vom 13.07.2024
London auf der Spur
Schatz, Matthias

London auf der Spur


ausgezeichnet

Die englische Hauptstadt zählt zu den beliebtesten Touristenzielen in Europa. London hat mehr als hundert Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zu bieten. Doch es geht vielen Touristen nicht darum, die Vielzahl von Museen oder Kirchen abzuklappern, sie wollen vielmehr die Atmosphäre der Metropole aufsaugen. Der kulturgeschichtliche London-Reiseführer von Matthias Schatz kann hierbei eine große Hilfe sein. Schatz, der vor ein paar Jahren schon ein Reise-Taschenbuch zu London vorgelegt hat, führt durch dreißig charakteristische Straßen und Wege und zu bekannten Plätzen.

Am Anfang und am Ende werden als Rahmen Orte in den Außenbezirken beschrieben. Danach wird mit dem Trafalgar Square das Londoner Zentrum in den Blick genommen, dann geht es spiralförmig durch die Innenstadt, bis die Route schließlich am House of Parlament und der Westminster Bridge ankommt. Jede der dreißig Routen (Kapitel) steht für sich, wobei auch Blicke in die Seiten- und Nebenstraßen geworfen werden. Auf den Spaziergängen lernt man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Londons kennen und Schatz weiß viel über die historischen Hintergründe und die kulturelle Bedeutung zu erzählen. Dem Autor gelingt es dabei, sich auf das Charakteristische zu konzentrieren.

Ergänzt wird der London-Führer durch ganzseitige Illustrationen von Matthias Dettmann, der seine Farbfotos digital verfremdet hat, wodurch kleine interessante Kunstwerke entstanden sind. Fazit: Ein etwas anderer Reiseführer, der mehr Wert legt auf Information und Atmosphäre. Sehr empfehlenswert !

Bewertung vom 13.07.2024
Der Esel und die Flöte
Russi, Florian;Eberhardt, Carolin

Der Esel und die Flöte


ausgezeichnet

Fabeln sind eine uralte Literaturform, die auch heute noch beliebt ist. Mit Fabeln wurden moralische Werte vermittelt, aber auch, meist auf verdeckte Weise, auf Missstände aufmerksam gemacht. Neben Jean de La Fontaine (1621-1695) war Jean-Pierre Claris de Florian (1755-1794) einer der bekanntesten französischen Fabeldichtern. Seine Fabeln zeichnen sich durch Schalkhaftigkeit und treffenden Spott aus.

Florian Russi, der mit „Der verliebte Schwan“ bereits einen Band mit Nacherzählungen von Fabeln veröffentlicht hat, hat nun gemeinsam mit Carolin Eberhardt einige Fabeln von de Florian in einer modernen Sprache nacherzählt. Gleich in der ersten Fabel lesen wir von einem Fuchs, der versucht, ein Eichhörnchen auf einem Baum mit Schmeichelworten zu überlisten. In der titelgebenden Fabel „Der Esel und die Flöte“ hört ein Grautier voller Neid das Flötenspiel eines Hirten und will sich selbst einmal versuchen …In der letzten Fabel will ein Leopard an dem munteren Spiel einer Horde Äffchen teilhaben. Alle Fabeln enden mit einer Schlussbemerkung, die zum Nachdenken anregt.

Die Neuerscheinung wird durch eine Kurzbiografie von de Florian und farbenfrohe, fantasievolle Illustrationen von Petra Lefin ergänzt. Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre.

Bewertung vom 02.07.2024
Abendblätter
Jägersberg, Otto

Abendblätter


ausgezeichnet

Nach „Pianobar“ und „A la carte“ legt der Schriftsteller und Filmemacher im Diogenes Verlag mit „Abendblätter“ einen weiteren Band mit Kurzprosa vor. Auf knapp 180 Seiten versammeln sich Beobachtungen, Anekdoten, Gedankenblitzen und Erinnerungen.

Jägersberg serviert wieder zahlreiche Denkanstöße, Aphorismen und Kürzestgeschichten. Ob der Onkel aus Dortmund, der Taubenhalter war, ob der defekte Computer, Zugverspätungen, Goethes Essgewohnheiten, die Frühzeit des deutschen Fernsehens, Rennfahrer mit überproportionierten Beinen oder Genusstage im Kaufhaus … alles (meist kuriose) Themen, über die es sich für Jägersberg lohnt, Gedanken zu machen. Die meisten Texte sind nur eine halbe Seite lang, manchmal auch nur drei, vier Zeilen. Eben spontane Einfälle, die keinerlei großer Erklärungen bedürfen. Einige Texte drehen sich um Literatur (Herwegh, Adorno oder Nietzsche). Manchmal wirkt es wie ein Tagebuch, doch es geht dem Autor nicht um den Alltag sondern um das Komische, Beiläufige und Unspektakuläre, ohne, dass er sich darüber lustig macht oder mit dem Zeigefinger droht.

Dieses Mal sind es knapp zweihundert Texte, die zum eigenen Nachdenken anregen. Eine willkommene Ergänzung zu der Lyrik und Prosa von Otto Jägersberg, die ebenfalls im Diogenes Verlag erscheint.

Bewertung vom 30.06.2024
24 x Adventsglück

24 x Adventsglück


ausgezeichnet

Die Eschbacher Advents- und Weihnachtsgeschichten erfreuen sich seit einigen Jahren einer großen Beliebtheit. Die 24 kleinen Heftchen mit ihren fröhlichen und nachdenklichen Geschichtchen sind eine anregende und wundervolle Fünf-Minuten-Lektüre für jeden Tag in der Adventszeit.

Die 2025-Ausgabe unter dem Titel „24mal Adventsglück“ versammelt wieder Geschichten von verschiedenen Autor*innen, darunter so bekannte Schriftsteller*innen wie die Brüder Grimm, Charlotte Link, Erich Kästner oder Eugen Roth. In der ersten Geschichte erzählen Jacob und Wilhelm Grimm von einem armen Schuster, dem die Wichtelmänner heimlich in der Nacht die Arbeit erledigen, sodass er mit seiner Frau bald zu Wohlstand kommt. Doris Bewernitz berichtet von einem Kind, das Weihnachten sucht, das sie schließlich bei einer alten Blumenhändlerin findet. In der Geschichte von Christa Spilling-Nöker spielt ein schwerer und riesiger Rucksack die Hauptrolle. In ihm trägt ein Wanderer all die Verletzungen mit sich, die er in seinem Leben erlitten hat.

Während die bekannte französische Schriftstellerin Francoise Sagan von einem Monsieur Ximenestre erzählt, stellt Charlotte Link einen cleveren Weihnachtsmann vor und Manfred Kyber hat sich eine Geschichte um einen kleinen Tannenbaum ausgedacht. Am Heiligabend dann mit „Von sieben Tannen und vom Schnee“ eine Geschichte des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhardt, in der ihn drei Heilige zu sieben geheimnisvollen Tannen an den Rand des Waldes führen.

Die Geschichten, die in einem schön gestalteten Schuber versammelt sind, eignen sich auch als Vorlesegeschichten für die Kleinen … damit verkürzt sich die Wartezeit bis zum Heiligabend. Die Heftchen lassen sich mit Klammern auch an einer Schnur befestigen – ein toller Adventskalender.