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Elchi130
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Essen

Bewertungen

Insgesamt 458 Bewertungen
Bewertung vom 02.05.2022
Die sieben Schalen des Zorns
Thiele, Markus

Die sieben Schalen des Zorns


ausgezeichnet

Genauso gut wie erwartet

In seinem dritten Roman „Die sieben Schalen des Zorns“ widmet sich der Autor und Rechtsanwalt Markus Thiele wieder einem brisanten Thema. Der Arzt Dr. Max Keller leistet seiner Tante Maria Sterbehilfe. Doch wie viel Hilfe ist vor dem Gesetz erlaubt? Und ab wann ist Sterbehilfe strafbar?

Zu Beginn habe ich ein wenig Zeit benötigt, um mich auf das Buch einzustellen. Habe ich doch einen Roman erwartet, der zum Großteil vor Gericht spielt und uns an der Verhandlung teilnehmen lässt. Doch neben den Argumenten Pro und Contra Sterbehilfe, liefert uns der Autor eine ausgefeilte Geschichte.

Wir erfahren, welche Geschichte den Arzt Dr. Max Keller, den Staatsanwalt Jonas van Loon, die Polizistin Maria Linz und ihre Tochter Agnes verbindet. Was hat sie zueinander geführt und was treibt sie auseinander? Schon alleine diese Erzählung hätte einen wundervollen Roman ergeben.

Doch die Erweiterung, um eine wichtige moralische Frage dieser Zeit, hebt das Buch noch einmal auf ein ganz anderes Niveau. Es regt zum Nachdenken an. Dabei zeigt uns Markus Thiele nicht nur, welche Auffassung er zum Thema Sterbehilfe vertritt. Nein, er zeigt uns das rechtliche Dilemma auf, in dem die Staatsorgane und die Beteiligten, Helfer genauso wie Sterbende, stecken. Wir sehen die rechtliche Seite der Sterbehilfe genauso wie die moralische und ethische Seite. Die Darstellung erfolgt dabei nicht einseitig. Die Beleuchtung des Themas erfolgt jeweils mit den Argumenten beider Seiten.

Das Ganze verpackt der Autor wieder in eine wunderschöne Sprache. Der Schreibstil sorgt schnell dafür, dass einen das Schicksal der Figuren nicht mehr loslässt. Wir tauchen ein in eine komplexe Geschichte. Ich wünsche mir mehr davon, Herr Thiele!

Bewertung vom 24.04.2022
The Sea in your Heart (MP3-Download)
Mohn, Kira

The Sea in your Heart (MP3-Download)


ausgezeichnet

Eine Liebe wie im Märchen

Liljas Leben dreht sich um Delfine und Wale. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet sie auf einem Schiff, dass Walbeobachtungs-Touren für Touristen unternimmt. In ihrer Freizeit fährt sie mit einer Umweltorganisation raus aufs Meer, um Wale vor Walfängern zu beschützen. Männer spielen in ihrem Leben keine Rolle. Bis sie Jules trifft und eine wundervolle Nacht mit ihm verbringt. Die beiden wollen sich wiedersehen. Doch beim zweiten Treffen wird klar, dass sie auf verschiedenen Seiten des Lebens stehen.

Die Autorin, Kira Mohn, hat in ihrem zweiten Teil der Island-Reihe wieder ein tolles Setting geschaffen. Die Welt der Wale, in der ihre Hauptfigur Lilja lebt, hat mich sofort verzaubert. Bereits beim Lesen bin ich dem Zauber der Wale und Delfine erlegen. Auch mir geht es wie Lilja, ich verstehe nicht, warum diese beeindruckenden Geschöpfe immer noch gejagt und abgeschlachtet werden dürfen. Sehr gut gefallen hat mir, dass Kira Mohn ihre Hauptfigur in beiden Welten der Wale leben lässt. Zum einen der engagierte Kampf gegen das Töten der Wale. Zum anderen die Faszination, die diese gewaltigen Tiere auslösen, wenn wir sie in ihrem Lebensraum beobachten.

Die Szenen zwischen Jules und Lilja strahlen pure Magie aus. Jedes Mal ist zu spüren, welchen Zauber Jules auf Lilja ausübt. Die Anziehung zwischen den beiden ist immer wieder deutlich spürbar. Als Leserin habe ich wiederholt mit den beiden mitgefiebert und gehofft, dass es einen Ausweg für sie gibt. Es war wie ein Märchen, indem die beiden Königskinder nicht zueinanderfinden können. Liljas innerer Konflikt ist perfekt herausgearbeitet worden. Sie will das Richtige tun, will sich für das Gute entscheiden, kann Jules jedoch auch nicht gehen lassen. Gegen Ende der Geschichte hat die Autorin noch ein zusätzliches Drama eingebaut, dass ich unnötig fand. Das Geschehen war auch so schon dramatisch genug.

Gelesen wurde das Hörbuch von Corinna Dorenkamp. Für mich passte sie perfekt. Ihre Stimme ist für mich zu Lilja geworden. Sie hat die Gefühle der weiblichen Hauptfigur, wie die Freude, das Glück, die Verzweiflung, die innere Zerrissenheit, die Wut usw., meisterhaft verkörpert.

Fazit: Ein Liebesroman wie ein Märchen vor einer tollen Kulisse. Die weibliche Hauptfigur ist in all ihren Facetten sehr gut ausgearbeitet und zudem perfekt von Corinna Dorenkamp für das Hörbuch gesprochen worden.

Bewertung vom 24.04.2022
Noctis / Oxen Bd.5
Jensen, Jens Henrik

Noctis / Oxen Bd.5


sehr gut

Gut, aber nicht das erhoffte Highlight

Ein Scharfschütze tötet Veteranen. Das PET ist ratlos und bittet den Ex-Elitesoldaten Oxen um Unterstützung. Margrethe Franck und Niels Oxen versuchen herauszufinden, warum die Veteranen sterben mussten. Wählt der Täter seine Opfer zufällig aus oder gibt es etwas, das sie miteinander verbindet? Doch dann kommt Oxen den Drahtziehern gefährlich nah…

Ich liebe die Reihe um den Ex-Elitesoldaten Niels Oxen, die Geheimdienstermittlerin Margrethe Franck und ihren ehemaligen Chef Axel Mossman. Daher habe ich dem Erscheinen dieses Buches „Oxen – Noctis“, dem fünften Band der Reihe, entgegengefiebert. Toll war, dass die drei Hauptfiguren weiterhin einen Platz in der Geschichte einnehmen. Zumindest bei dem Rentner Axel Mossman war das nicht ganz klar. Zudem ist noch eine neue Figur hinzugekommen, bei der ich hoffe, dass sie der Reihe erhalten bleibt.

Leider habe ich fast 100 Seiten benötigt, um in der Geschichte anzukommen. Den Schreibstil habe ich im Vergleich zu den Vorgängern als karg und sachlich empfunden. Obwohl wir die Morde geschildert bekommen und miterleben, wie die Ermittlungen anlaufen, fehlte mir Bewegung in der Handlung. Alles wirkte, als würde ich mit Abstand starr auf ein Geschehen schauen und nicht, als würde ich mich mitten drin in der Erzählung befinden.

Doch zum Glück ist dann mehr Tempo in die Geschichte gekommen. Niels Oxen, Margrethe Franck und auch Axel Mossman agierten miteinander und es wurden langsam Zusammenhänge hergestellt. Der Mittelteil des Buches hat mir genau das geliefert, was ich mir vom Autor, Jens Henrik Jensen, erhofft habe. Figuren, bei denen ich mich Zuhause fühle, die ich mag und die mich interessieren. Ich liebe den Scharfsinn, über den alle drei verfügen. Genauso, wie ich den Ex-Geheimdienstchef Mossman extrem gerne begleite, wenn er seine Fühler ausstreckt, Kontakte aktiviert und virtuos sein Netz um alle spinnt.

Im letzten Drittel des Buchs ist die Handlung immer extremer geworden. Mir machte die in diesem Teil geschilderte Gewalt zu schaffen. Die Auflösung habe ich als passend zur Geschichte, jedoch nicht als originell oder neu empfunden. Die Lösung hinter dem Rätsel um die Morde habe ich in ähnlicher Form bereits mehrfach gelesen.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich es sehr genossen, wieder einen Fall mit Niels Oxen zu lesen und hoffe sehr, dass noch viele folgen werden.

Bewertung vom 18.04.2022
Violas Versteck / Tom Babylon Bd.4
Raabe, Marc

Violas Versteck / Tom Babylon Bd.4


sehr gut

Temporeicher Thriller, der mich zum Ende hin ermüdet hat

Tom Babylon wacht mit Amnesie in einem Londoner Krankenhaus auf. Er weiß weder, warum er sich in London aufhält, noch wieso er in einem Krankenhaus gelandet ist. Er vermutet jedoch, dass alles mit seiner verschwundenen Schwester Viola im Zusammenhang steht. Ob Dr. Walter Bruckmann seine Finger im Spiel hat? Doch wie sollte ein Mann, der in einer psychiatrischen Anstalt in den Alpen sitzt, für Toms Krankenhausaufenthalt verantwortlich sein?

Das Buch „Violas Versteck“ ist der vierte Teil der Tom Babylon Reihe von Marc Raabe. Es startet direkt temporeich. Erreicht wird dies dadurch, dass der Autor beim Leser schon auf den ersten Seiten für viele Fragen sorgt und damit die Neugierde schürt. Warum befindet sich Tom Babylon in London? Was ist ihm passiert, dass er sich in einem Krankenhaus befindet? Was hat er aufgrund einer Amnesie alles vergessen? Geschickt verwebt der Autor zwei Handlungsstränge, die zu Beginn 28 Tage auseinanderliegen. Denn 28 Tage vor Toms Krankenhausaufenthalt begibt sich die Psychologin Sita Johanns in die forensische Klinik Burg Tauenstein in den Alpen, um den hier einsitzenden Verbrecher Dr. Walter Bruckmann zu besuchen. Auch hier überschlagen sich schnell die Ereignisse und ich als Leserin habe den Kopf voller Fragen, was genau in der Klinik gerade passiert. Dem Autor gelingt es immer wieder, die beiden Handlungsstränge so miteinander zu verweben, dass wir über den einen Strang Informationen zu dem anderen erhalten. Doch kaum haben wir ein paar Antworten erhalten, tauchen auch schon neue Fragen auf, die wir unbedingt geklärt haben wollen.

Sehr schnell wird klar, dass Marc Raabe sein schriftstellerisches Handwerk aus dem Effeff beherrscht. Sein Buch ist spannend und temporeich, voller Anspielungen und gut platzierter Hinweise. Er springt mühelos von einer Erzählebene zur anderen und verbindet diese gekonnt miteinander. Die Erzählung ist sehr vielschichtig, dabei jedoch immer nachvollziehbar und in sich logisch. Hier ist ein Könner am Werk und ich weiß dieses Talent zu würdigen.

Doch oft kommt mir die Konstruktion zu perfekt, zu komponiert, zu glatt vor. Die Ausführungen sind mir immer wieder zu ausführlich geraten. Erst fällt es mir kaum auf, da das Buch nicht an Tempo verliert. Doch nach etwa Zweidrittel des Buches wünsche ich mir endlich eine Auflösung der Ereignisse. Vor mir liegen jedoch noch etwa 200 Seiten, durch die ich mich mühsam vorwärts lese. Das Buch ist mir einfach zu umfangreich und zu dick, es verliert an Spannung und ermüdet mich. Nicht, weil die Geschichte langweilig geworden ist, sondern weil sie sich insgesamt in die Länge zieht. Ich denke, wenn das Buch gestrafft worden wäre, hätte aus einer guten Geschichte eine grandiose werden können.

Fazit: Eine spannende und temporeiche Geschichte, die jedoch zu ausufernd geraten ist und mich daher irgendwann ermüdet hat.

Bewertung vom 15.04.2022
Die Stadt der Dolche / Tumanbay Bd.1
Dryden, Walker

Die Stadt der Dolche / Tumanbay Bd.1


ausgezeichnet

So stelle ich mir unterhaltsame Fantasy vor

Tumanbay ist eine Stadt, in der man auch als Sklave Karriere machen kann. Es ist jedoch auch eine Stadt, in der man schnell den Kopf verliert. Dafür braucht es nur einen vermeintlichen Fehltritt und schon ist das eigene Leben vorbei. Denn in dieser Stadt herrscht der launische Sultan al-Ghuri. Doch seine Zeit scheint gekommen. Denn die Witwe eines Kommandanten seiner Provinzen, Maya, kündigt an, Tumanbay von seiner Verderbtheit und seinen Lastern befreien und erobern zu wollen…

Das Buch „Die Stadt der Dolche“ erzählt die Geschichte der Stadt Tumanbay und ihrer Einwohner mit Hilfe mehrerer Erzählstränge. Genau diese Erzählweise lese ich sehr gerne. Wir begleiten mehrere Figuren, erhalten nach und nach Einblicke in deren Leben und erlangen so im Laufe des Buches ein umfassendes Bild der Welt, in der die Geschichte spielt. Wirken die Erzählstränge zu Beginn des Buches oft unabhängig voneinander, so verweben sie sich nach und nach miteinander und zeigen Zusammenhänge auf. Je weiter ich lese, desto mehr entblättert sich eine komplexe Geschichte, die das Buch erzählt, vor mir.

Die Handlung besteht aus vielen Intrigen und jede Menge Lügen. Die Figuren arbeiten oft nicht zusammen, sondern agieren gegeneinander. Jeder hat nur seinen Eigennutz im Blick. Es werden Allianzen geschmiedet, es wird Verrat geübt und neue Bündnisse entstehen.

Auch wie die Figuren angelegt sind, hat mir sehr gut gefallen. Sie bekommen ein paar Charaktereigenschaften zugewiesen. Doch sie bleiben zudem nebulös und geheimnisvoll. Denn kaum jemand ist, was oder wie er auf den ersten Blick erscheint. Jeder versucht die Ereignisse auf seine Art zu beeinflussen und für sich zu entscheiden.

Der Erzählstil ist ausführlich und wirkt dadurch eher ruhig. Trotzdem hatte mich das Buch schon nach wenigen Seiten im Griff. Denn wir wissen von Anfang an, welche Geschichte das Buch erzählen wird. Wir sehen, wie willkürlich das Leben in Tumanbay zu sein scheint. Wir erleben, wie Unschuldige fallen und Schuldige aufsteigen.

Im Laufe des Lesens ist mir klar geworden, worauf das Ganze am Ende hinauslaufen wird. Dabei hat mich die Frage umgetrieben, wie dies geschehen wird. Wer wird fallen, wer wird bestehen? Wie sind die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbunden? Am Ende angekommen war ich erst ein wenig enttäuscht, dass so viele Fragen offen geblieben sind. Doch dann habe ich mit Freude entdeckt, dass im Juni der zweite Teil „Der vergiftete Thron“ erscheinen wird.

Fazit: Das Buch war unterhaltsam und spannend. Die gezeichnete Welt ist tückisch und grausam. Und kaum etwas ist, wie es scheint. Wer heute die Geschicke des Landes führt, kann morgen schon ein Sklave sein. Und wer sich jetzt noch ganz unten in der Hierarchie befindet, kann im nächsten Augenblick schon von großer Bedeutung sein. Ein Buch, das ich gerne gelesen habe und bei dem ich mich sehr auf die Fortsetzung freue.

Bewertung vom 15.04.2022
Das 'Anders' gehört zu mir
Kouchev, Veronique

Das 'Anders' gehört zu mir


ausgezeichnet

Keine leichte Kost

Vero ist anders. Sie eckt schon von klein auf an. Doch sie versteht gar nicht, warum viele Menschen sie nicht mögen. Mit 17 Jahren erhält sie dann die Diagnose Asperger Autismus.

Das Buch „Das Anders gehört zu mir“ hat mich von Anfang an persönlich sehr berührt und auch getroffen. Obwohl ich wusste, was in dem Buch auf mich zukommt, habe ich nicht damit gerechnet, dass mich die Schilderungen der Autorin, Veronique Kouchev, so mitnehmen. Ihre Erlebnisse haben mich in meine eigene Kindheit hineingeworfen und sehr viele verschüttete Erinnerungen wieder hochgeholt. Sehr gut ist daher die Triggerwarnung zu Beginn des Buches.

Erschüttert haben mich die wiederholten Mobbingvorfälle, bei denen ich die Hilfe von pädagogischer Seite vermisst habe. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass wir hier die Schilderungen aus der Sicht der Betroffenen erhalten. Trotzdem hoffe und wünsche ich mir, dass heutzutage nicht alleine die bloße Diagnose einer Autismus Spektrums Störung viele Jahre dauert. Auch eine pädagogisch ausgewogenere Beurteilung der Beziehungen von Schüler*innen untereinander, Hilfestellungen für ausgegrenzte Kinder und konsequentes Vorgehen gegen Mobbing sind dringend erforderlich. Denn verantwortungs- und respektvolles Verhalten sowie Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen sollte in allen Lebensbereichen bereits Kindern beigebracht werden. Im Hinblick auf diese Mängel im Schulwesen habe ich das Buch sehr spannend gefunden.

Genauso, wie mich die Weltsicht von Vero immer wieder fasziniert hat. Wie geht sie mit den Situationen um? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt ihr „Anders“ an die Hand? Wie nimmt sie ihr Umfeld wahr?

Nach der Diagnose mit 17 Jahren hat mir Vero sehr imponiert. Sie akzeptiert diese Diagnose sofort und wendet sich der Frage zu, was sie tun kann, um sich ihr Leben zu erleichtern. Was muss sie lernen, damit „Anders“ ihr nicht immer wieder im Weg steht? Auch die Offenheit, mit der sie ihre Diagnose mit der Welt teilt, hat mich sehr beeindruckt. Die Autorin hat sich zu einer mutigen, spannenden Frau entwickelt. Hut ab!

Für mich ist „Das Anders gehört zu mir“ ein wichtiges Buch, um einerseits die Mängel aufzuzeigen, die in unserer Gesellschaft bestehen, wenn es um Menschen geht, die nicht der Norm entsprechen. Dieses Buch kann zeigen, wo es Schwachpunkte gibt, die sozialpädagogisch aufgearbeitet werden sollten, damit sich jeder Mensch in seiner Welt wohl und sicher fühlen kann. Andererseits kann es Betroffenen Mut geben, dass eine Auseinandersetzung mit sich und der eigenen Umwelt zu einem starken, selbstbewussten und mutigem Ich führen kann.

Bewertung vom 09.04.2022
Nordwestnacht / Soko St. Peter-Ording Bd.3
Jensen, Svea

Nordwestnacht / Soko St. Peter-Ording Bd.3


ausgezeichnet

Auch der dritte Fall konnte mich wieder überzeugen

In St. Peter-Ording soll ein mehrteiliger Krimi gedreht werden. Doch über der Produktion scheint kein guter Stern zu stehen. Erst wird ein Produktionshelfer tot aufgefunden und dann verschwindet auch noch eine Darstellerin. Dienststellenleiter Hendrik Norberg, Eva Wagner und Nils Scheffler haben alle Hände voll zu tun, um die Fälle zu lösen…

Die Autorin Svea Jensen schafft es, mich mit ihrem neuen Buch „Nordwestnacht“ wieder einmal vollständig zu überzeugen. Der Kriminalfall ist spannend, geheimnisvoll, wendungsreich und bietet mir viel Raum zum Miträtseln. Genauso mag ich Krimis. Der Fall startet langsam, entwickelt sich dank vieler kleiner Hinweise spannend weiter, ändert die Richtung und überzeugt mit einer guten Auflösung.

Dazu kommt, dass ich mich in dem kleinen, beschaulichen Kosmos von St. Peter-Ording bereits wie Zuhause fühle. Die wiederkehrenden Figuren habe ich ins Herz geschlossen. Ich leide mit ihnen, freue mich, wenn ihnen Gutes widerfährt und bin stets neugierig auf die weiteren Entwicklungen in ihrem Privat- und Berufsleben. Toll ist zudem, dass die Figuren so herrlich „normal“ sind. Leute wie du und ich.

Fazit: Weiter so!

Bewertung vom 09.04.2022
Magic Sparks (eBook, ePUB)
Harper, Helen

Magic Sparks (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ich will mehr davon

Emma Ballamy befindet sich in der Ausbildung zur Polizistin. Die letzten 2 Wochen ihrer Ausbildungszeit soll sie in der Abteilung Supernatural-Squad verbringen. Die Abteilung ist zuständig für die übernatürlichen Wesen von London, wie z. B. Vampire und Werwölfe. Doch bereits während der ersten Nacht in dieser Abteilung wird sie brutal ermordet – und wacht 12 Stunden später in der Leichenhalle wieder auf. Emma hat nun nur noch ein Ziel – ihren Mörder zu finden…

„Magic Sparks“ von Helen Harper habe ich von der ersten bis zur letzten Seite geliebt. Wir treffen auf unverschämte Werwölfe und Vampire, denen es gar nicht passt, dass es bei der Polizei eine Abteilung gibt, die sich in ihre Angelegenheiten einmischt. Und wir erleben Emma Ballamy, in der so viel mehr steckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Sie ist ehrgeizig, mutig, stark, neugierig und noch vieles mehr. Wenn sie sich an einem Fall festbeißt, hört sie erst wieder auf zu ermitteln, wenn sie ihn gelöst hat. Dabei lässt sie sich weder von Vorgesetzten noch von übernatürlichen Wesen stoppen. Und als Leserin ging es mir ähnlich. Nachdem ich mit dem Lesen angefangen hatte, konnte ich erst aufhören, als ich auf der letzten Seite angelangt war.

Die Geschichte ist spannend, magisch und humorvoll. Die beiden Hauptfiguren sind mir sofort ans Herz gewachsen. Ich persönlich liebe diese Bücher, die unsere Welt mit der von Vampiren und Werwölfen und anderen Fantasywesen verknüpfen. Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist hier noch, dass dieses Buch eine Verbindung meiner beiden Lieblingsgenres darstellt, und zwar die Kombination von Fantasy mit einem Kriminalroman. Ein Hauch Romantik schwebt auch zwischen den Zeilen mit.

Als Wermutstropfen empfinde ich, dass diese Reihe lediglich als E-book und nicht als Printexemplar erhältlich ist. Denn mein Herz schlägt nach wie vor für Bücher, die ich anfassen und in denen ich blättern kann. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass Emmas Abenteuer überhaupt auf Deutsch erscheint und schon sehr gespannt, wie die „Firebrand“-Reihe weitergeht.

Bewertung vom 04.04.2022
Der Mann aus dem Schatten / Rekke & Vargas Bd.1
Lagercrantz, David

Der Mann aus dem Schatten / Rekke & Vargas Bd.1


ausgezeichnet

Politisch und mit einem tollen Ermittlerduo

Nach einem Fußballspiel wird der Schiedsrichter im Wald erschlagen aufgefunden. Der Täter scheint schnell gefunden zu sein. Denn es gab einen Streit zwischen dem betrunkenen Vater eines Spielers und dem Schiedsrichter. Nur die Polizistin Micaela Vargas glaubt nicht an die einfache Lösung und gräbt tiefer…

„Der Mann aus dem Schatten“ ist ein tolles Buch. Es beginnt ganz harmlos und entwickelt sich dann zu einem Politthriller. Ich mag Bücher, in denen politische Skandale aufgedeckt werden. Besonders, wenn diese Skandale viel Ähnlichkeit mit realen politischen Ereignissen haben. Und das ist in diesem Buch von David Lagercrantz der Fall. Wir können eintauchen in eine Welt der Lüge und Vertuschung. Aber ebenso in eine Welt der Intoleranz und Unterdrückung. Für mich sind diese Einblicke sehr spannend.

Doch der Autor weiß nicht nur mit politischen Themen zu überzeugen. Mich hat besonders eine Figur in seinem Buch völlig umgehauen, und zwar der Psychologe Hans Rekke. Er ist ein Genie und doch auch eine hochtragische Person. Aber er weckt Neugierde, Bewunderung, Abwehr und Mitgefühl. Als Ergänzung zu ihm ist die Polizistin Micaela Vargas perfekt. Sie kommt aus einer gänzlich anderen Welt. Sie ist das Kind von Migranten, lebt in einem sozialen Brennpunkt und ihre Brüder sind beide vom rechten Weg abgekommen. Bei der Polizei wird sie wegen ihres Geschlechts und ihres Migrationshintergrundes verspottet. Dabei hinterfragt sie leichte Lösungen, hat eine sehr gute Auffassungsgabe gepaart mit einer ausgezeichneten Kombinationsgabe.

Der Schreibstil des Autors hat mir auch super gefallen. Seine Figuren treiben die Handlung voran. Was er nicht über Rekke oder Micaela erzählen kann, lässt er in Form von Rückblenden in die Handlung einfließen. Viel Wissen erlangen wir aufgrund der genialen Einfälle, des überscharfen Blickes oder der ausgezeichneten Kombinationsgabe der Figuren.

Fazit: mich hat die spannende Politstory in Kombination mit aussagekräftigen, faszinierenden Figuren nicht mehr losgelassen. Daher kann ich das Erscheinen des zweiten Buches des tollen Ermittlerduos kaum erwarten.

Bewertung vom 04.04.2022
Ostseekreuz / Pia Korittki Bd.17
Almstädt, Eva

Ostseekreuz / Pia Korittki Bd.17


sehr gut

Konnte mich nicht vollends überzeugen

Pia Korittki ist von ihrem letzten Fall noch traumatisiert. Deshalb zieht sie sich für eine Auszeit in ein Kloster zurück. Doch schnell wird aus der erhofften Erholung immer mehr eine Ermittlung. Einer der Mönche wird ermordet aufgefunden und ein Gast ist verschwunden. Obwohl Pia sich aus den Untersuchungen heraushalten will, hat sie die Neugierde gepackt…

Seit vielen Jahren begleite ich die Kommissarin Pia Korittki schon. Ich bin mit ihr im Laufe der Zeit durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Jeder neue Fall ist ein wenig, als würde ich sie nach langer Zeit wieder einmal besuchen und hören, wie es ihr seit dem letzten Treffen ergangen ist.

In ihrem neuen Krimi „Ostseekreuz“ lässt sich Eva Almstädt Zeit, bis die Geschichte Tempo aufnimmt. Wir lernen ausführlich die Menschen kennen, die sich im Kloster Naumar aufhalten. Auch das Klosterleben wird uns ausführlich beschrieben. Bis zum ersten Toten dauert es fast 90 Seiten. Für mich persönlich hätte dieser schon viel eher auftauchen können. Denn bis dahin fehlte mir das Tempo in der Erzählung.

Die Autorin schildert uns zwei unterschiedliche Handlungsstränge. Zum einen gibt es den bereits erwähnten Aufenthalt von Pia im Kloster. Zum anderen verfolgt ihr Partner Marten den Täter aus Pias letztem Fall. Da er persönlich betroffen ist, versucht er alles, um den Flüchtigen zu fassen zu bekommen. Dabei stößt er immer wieder auf Unverständnis bei den anderen Ermittlern, mit denen er zusammenarbeitet.

Im Mittelteil des Buches fand ich beide Erzählstränge fesselnd und spannend. Im Kloster tauchen immer mehr Fragen auf. Viele Personen geraten in meinen Fokus als Verdächtige und werden wieder gestrichen, um dann doch wieder von mir verdächtigt zu werden. Ich mag das, wenn ich miträtseln kann, wer hinter den Taten steckt und warum. Auch die Verfolgungsjagd von Marten ist streckenweise spannend. Er stöbert den Flüchtigen auf, der ihm dann wieder entwischt, jedoch schnell erneut entdeckt wird.

Doch zum Ende hin fängt die Verfolgungsjagd an, mich zu ermüden. Das Schema bleibt gleich, nur die Umgebung ändert sich. Aber zum Glück hat die Autorin ein Erbarmen mit mir und die Jagd hat ein Ende. Auch die Ereignisse im Kloster finde ich im letzten Drittel ermüdend. Doch auch hier kriegt Eva Almstädt die Kurve und führt uns in ein temporeiches Finale. Zum Schluss gibt es noch ein paar Szenen aus dem Privatleben von Pia, das in diesem Buch aufgrund des Klosteraufenthalts bisher spärlich ausgefallen ist.

Ganz überzeugen konnte mich die Autorin mit „Ostseekreuz“ nicht. Sie beherrscht ihr Handwerk mittlerweile sehr gut. Leider hat dies bei mir jedoch nicht immer zur erwünschten Spannung geführt. Der zündende Funke, damit mich das Buch nicht mehr loslässt, hat dieses Mal leider gefehlt. Nun bleibt mir nur, mich auf den nächsten Fall der Ermittlerin zu freuen.