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Mel.E
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Mein Blog: http://melbuecherwurm.blogspot.de/

Bewertungen

Insgesamt 1270 Bewertungen
Bewertung vom 21.05.2018
Ohne ein einziges Wort
Walsh, Rosie

Ohne ein einziges Wort


sehr gut

"Ohne ein einziges Wort" ist eine Liebesgeschichte, die definitiv anders ist. Sie verwirrt, schmerzt und hinterlässt mitunter einen bitteren Beigeschmack. Die Autorin verschleiert zunächst Tatsachen, die den Lesefluss nicht beeinträchtigen, aber die Leser auf eine völlig falsche Fährte führen. Dieses ist sehr geschickt, denn es wirft ein völlig falsches Bild auf Eddie. Dieser trägt schon sehr lange eine Last mit sich herum und dieses bricht erneut auf, nachdem er erkennt, wer Sarah wirklich ist. Ich habe ihn zunächst als sehr oberflächlich wahrgenommen, da er trotz Anrufen und diversen Nachrichten nicht reagiert. War Sarah für ihn nur eine kurze Liebelei oder steckt noch mehr dahinter? Der Klappentext verrät einiges und dennoch ist alles ganz anders als es auf den ersten Blick erscheint. Ich war sehr überrascht über die tiefe der Gefühle, die sich nach und nach entwickeln können, was dem Roman die Oberflächlichkeit einer Liebesschnulze nimmt, da es viel tiefere und emotionalere Auswirkungen hat, als zuerst vermutet. Es entwickelt sich erst spät zu einem Wohlfühlroman, da erst einige Hürden genommen werden müssen. Diese Hürden beziehen komplett Familien mit ein, die schmerzlich an ihren Erinnerungen hängen und sich einen Puffer für den Schmerz suchen mussten. Es ist mitunter doch erbärmlich, wie wir Menschen verarbeiten, ohne uns professionelle Hilfe zu suchen. Vergebung ist in "Ohne ein einziges Wort" wirklich angemessen, um den weiteren Verlauf der Story ändern zu können. So schmoren alle weiterhin in ihrem eigenen Saft, ohne die Geschichte des "Damals" zu hinterfragen. Familien gehen auseinander oder verlieren sich in Sucht oder Suizidgedanken. Loslassen wäre hier die Devise, wobei dieses natürlich leichter gesagt ist als ausgeführt. Man sucht immer nach einem Schuldigen für Leid, oder?

Der Roman ist definitiv anders als erwartet, dennoch konnte er mich überzeugen, da er emotional wirklich ganz gewaltig auf mich wirken konnte. Das Cover vermittelt Romantik, die im Buch aber erst spät zu entdecken ist, wobei der Anfang der Story auf echte, wahre Liebe hinweist, die dann in Tausende von Scherben endet. Warum meldet sich Eddie nicht? Er bricht jeglichen Kontakt zu Sarah ab, was ich wirklich als unfair empfunden habe, wobei sein Verschwinden ohne ein einziges Wort der Erklärung sehr zum Titel des Romans passt. Ein gelungenes Auf und Ab der Gefühle mit vielen Irrungen und Wendungen, die überzeugen konnten. Sehr gerne eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 21.05.2018
Der Neue
Chevalier, Tracy

Der Neue


ausgezeichnet

"Der Neue" ist ein atmosphärisch sehr gelungener Roman, dessen Parallelen zur Oper Othello sehr verdeutlichen. Ich empfand den Roman als sehr düster und sehr authentisch, denn Mobbing, wie es es hier dargestellt wird, ist ebenso aktuell wie 1970, als Osei als einziger Afrikaner die Schule wechseln muss. Er freundet sich rasch mit Dee an, aber es gibt Neider, die es darauf anlegen, diese frisch erwachte Freundschaft zu zerstören. Es wirkt befremdlich, wie schnell Worte unser Denken und handeln bestimmt, denn es könnte tatsächlich so geschehen. Worte, die Herzen erhärten und sich daher wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Ian ist Jago aus dem Stück von Shakespeare sehr ähnlich und macht mich als Leserin tatsächlich wütend, wobei er seine Tyrannei so geschickt wahrnimmt, das selbst die Lehrkörper auf ihn hereinfallen. Was am Anfang wie stille Gewalt wirkt, endet zum Ende hin als lautstarker Showdown, der überrascht und dennoch Othello sehr nachempfunden wurde. Ich habe das Glück, dass ich erst kürzlich die Oper im Bielefelder Stadttheater gesehen habe und dieses war auch mein Anreiz "Der Neue" lesen zu wollen.
Der Autorin ist es gelungen, ihr Buch so zu schreiben, dass es auf Anhieb nicht auffällt, dass es Othello nachempfunden wurde, denn es könnte tatsächlich auch heute noch in den Schulen genauso geschehen, wie hier dargestellt. Der Neue, der sich erst einmal behaupten muss und die Neider, die darauf hinzielen ihm die Anpassung so schwer wie möglich zu machen. Ich bin begeistert von der Sprachgewalt, die dieser Roman bietet. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, da es mich fesselte und ich mit Osei und Dee gelitten habe. Die Macht hinter Ians Worten ist verletzend, demütigend und wirklich hart für beide, die doch eigentlich nur Freunde sein wollen. Eifersucht ist wie ein Stachel, den es zu ziehen Ian nicht gelingt und so zieht er immer mehr Menschen in seine Intrigen. Es leiden also nicht nur Dee und Osei, sondern einige andere Personen, die sich den Lügen Ians nicht widersetzen können.
Atmosphärisch eine echte Sahneschnitte und ein LeseHighlight für 2018. Wer hätte hinter diesem doch sehr zurückhaltenden Cover eine so ausdrucksstarke Geschichte vermuten können? Schon "Der Ruf der Bäume" der Autorin konnte mich gewinnen, wobei "Der Neue" mich noch ein klein wenig mehr begeistert zurücklässt. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 21.05.2018
Blaues Funkeln / Mein Date mit den Sternen Bd.1
Belitz, Bettina

Blaues Funkeln / Mein Date mit den Sternen Bd.1


sehr gut

"Mein Date mit den Sternen - Blaues Funkeln" ist der erste Band einer Buchreihe, welches mich köstlich amüsiert hat. Der zweite Band erscheint im August 2018 und wird den Titel "Mein Date mit den Sternen - Rotes Leuchten" tragen. Ich habe schon mehrfach Bücher der Autorin gelesen und war daher sehr neugierig, ob sie es schafft, mich erneut zu packen. Ich wurde nicht enttäuscht, denn dieses kosmische Abenteuer ist wirklich so herrlich amüsant, dass ich oftmals wirklich grinsen musste. so ganz kann man die Story nicht ernst nehmen, aber das ist ja auch nicht verlangt. Mich hat es letztendlich sehr faszinieren können und ich konnte mich einfach zurücklehnen, um die Story zu genießen. Für junge Leserinnen sicherlich ebenso ein Genuss wie für mich. Das Buch kommt komplett ohne Gewalt und extreme Liebesschwüre aus, was ich oftmals in Kinder - und Jugendbücher zu überladend finde, daher ist meine Begeisterung diesbezüglich noch um einiges höher.
Die Story an sich entwickelt ein hohes Potential dadurch, dass es Problemthemen anspricht, die junge Leserinnen mitunter sehr beschäftigen. Mobbing (großes Thema), Aussehen und die erste große Liebe, wobei es natürlich hart ist, wenn man sich in seinen besten Freund verliebt. Joss hat einige Macken und damit meine ich nicht die Allergien die sie plagt, wobei dies auch sehr gewaltig ist. Sie ist von Anfang an sehr sympathisch und eben auch außergewöhnlich, was sie sehr charmant macht. Beide Protagonisten sind wunderbar gezeichnet und haben die für dieses Alter sehr zutreffend, die üblichen kleinen und großen Probleme. Maks ist Sohn einer Helikoptermutter, was eigentlich traurig ist, wenn es nicht so amüsant dargestellt worden wäre. Joss kommt hinter ein sehr großes Geheimnis, was dann auch den gewählten Titel des Buches erklären wird.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung und freue mich schon auf weitere Bände der Buchreihe, denn der Cliffhanger am Ende war schon sehr fies, obwohl es natürlich darauf hinausgezielt hat, Neugierde zu schüren. Dies ist der Autorin zu 100% gelungen!

Bewertung vom 13.05.2018
Schwestern für einen Sommer
Lyra, Cecilia

Schwestern für einen Sommer


sehr gut

"Schwestern für einen Sommer" ist ein sehr kurzweiliger und emotionaler Roman, der zwar auch seine Längen hat, die aber letztendlich wie ein Puzzlestück ineinander gefügt wurden. Ich wurde bestens unterhalten und gestehe, dass mich gerade das Ende sehr bewegt hat. Wichtig wurde mir, dass Familie etwas ganz Besonderes sein kann und auch muss, denn niemand kann dich mehr verletzen als die, die dir sehr nahe stehen. Sie sind es, die dich am Besten kennen und sich auseinander zu Leben wie in dem Fall von Cassie und Julie bedeutete, die jeweils andere viele Jahre lang zu vermissen. In dieser Zeit ist vieles geschehen und nur durch das kluge Verhalten ihrer Großmutter ist es möglich sich anzunähern und auszusprechen. Die Aussprache ist längst fällig und dennoch sind beide Frauen in ihrer Vergangenheit und Gegenwart so sehr verstrickt, dass die Leserschar auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird. Dies sind die Längen, die ich anfangs schon erwähnt habe. Ob es im wahren Leben auch solch ein Hin und Her geben würde? Es gibt nur Alles oder Nichts, denn wer Versöhnung anstrebt, wird sich irgendwann aufraffen können, endlich "Tabula rasa" zu machen und einen Neuanfang zu wagen, mit der doch sehr geliebten Schwester.

Faszinierend empfand ich die Familienkonstellation und auch wenn die eine Schwester in einer Familie mit Vater großgezogen wird, treten die Defizite dessen deutlich hervor. Wirklich glücklich ist keine der Schwestern gewesen.

Der Titel des Buches passt ideal zur Story, wobei die beiden Frauen auch schon vor diesem Sommer Schwestern für einen Sommer waren, denn das ist die Zeit in der sie Zeit mit ihrer Großmutter verbringen. Die Halbschwestern lernen sich allerdings erst kennen, als beide neun Jahre alt sind. Zuvor hat ihr Vater darüber geschwiegen, zumindest bei der einen Schwester. Deutlich wird, dass es wichtig ist, seine Wurzeln zu kennen. Sich einen Vater zu teilen ist schlimm genug, denn während die Eine sich immer nur anpasst, ist die andere der ständigen Kritik des Vaters ausgesetzt. Was hinter geschlossenen Türen geschieht ist erschreckend und prägend für das weitere Leben. hinzu kommt eine depressive Mutter, wie also soll sich da ein glückliches, gesundes Mädchen entwickeln können? Die Sommer in Hamptons sind es, die letztendlich prägen und auch nach dem Tod der Großmutter, ist diese im Strandhaus präsent. Es zeigt sich also, wie echte, wahre Liebe uns Menschen Kraft und Stärke gibt, auch in unserem Erwachsensein.

Letztendlich kann ich eine Leseempfehlung aussprechen, da ich "Schwestern für einen Sommer" als sehr gelungen empfunden habe, mich in meinem Stress vor dem Examen abzuholen, abzulenken und ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Die Story ist nicht perfekt, dennoch habe ich mich zurücklehnen können und das Buch mit einem Lächeln im Gesicht beenden können. Jeder braucht sein Happy End und Cassie und Julie finden es, auch wenn es anders ausfällt als erwartet. Ich fand den Verlauf und die Entwicklung, den die Handlung nimmt sehr gelungen.

Bewertung vom 04.05.2018
Die Geschichte des Wassers / Klima Quartett Bd.2
Lunde, Maja

Die Geschichte des Wassers / Klima Quartett Bd.2


ausgezeichnet

"Die Geschichte des Wassers" stimmt mich sehr nachdenklich, denn für mich ist Wasser alltäglich und kein Kraftaufwand, da ich es aus jedem Wasserhahn im Haus beziehen kann. Nun bekommt Wasser eine andere Wertigkeit. Manchmal muss man einfach sanft angestubst werden, um sich darauf besinnen zu können, wie viel Luxus wir haben. Ich konnte mich ab der ersten Seite mit Protagonisten und Schreibstil anfreunden. Zwei Handlungsstränge zu nutzen werteten auf und gaben Authentizität, um eine wirklich gelungene Story zu erzählen. Es ist nicht immer leicht zu folgen, aber wer sich auf "Die Geschichte des Wassers" einlassen kann, wird einen Roman lesen, der nachklingt und auch bereichert.
Das Segelboot auf dem Cover, welches erst einmal schlicht und einfach wirkt, bekommt für die Story eine ganz besondere Bedeutung. Das Segelboot ist es, welches David und Signe zusammenführt. Für alle ist Wasser ausschlaggebend und gut dargestellt ist, wie schrecklich Durst sein kann und wie es Menschen verändert. Emotional werden hier viele Gefühle dargestellt, um die Wertigkeit des Wassers darzustellen.
Dürre löst Brände aus, das ist nicht utopisch. Flüchtlingslager sind bekannt und lassen ein Grauen zurück. Was sehr anrührend ist, ist die Liebe eines Vaters, der um das Überleben kämpft. Wut, Trauer, Familiendramen, sind wunderbar verpackt und hinterlassen mitunter auch einen bitteren Nachgeschmack, dennoch ist es wertvoll sich auch mit Büchern auseinanderzusetzen, deren Geschichten nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen vermitteln, sondern auch schmerzliche Episoden darbieten.
Sehr gerne eine Leseempfehlung an ein Buch, welches nachdenklich stimmt und auch einen Kern Wahrheit beinhaltet.

Bewertung vom 26.04.2018
Ich beobachte dich
Stevens, Chevy

Ich beobachte dich


ausgezeichnet

Gelungener Thrill
"Ich beobachte dich" ist ein sehr gelungener Thriller, der mich als Leserin auf viele verschiedene Fährten führen konnte, um dann am Ende komplett andere Geschütze aufzufahren. Dieses Verwirrsspiel hat mich wirklich gefesselt und meine hohen Erwartungen vielfach übertroffen. Die stetigen Szenenwechsel sind sehr gelungen, da sie einen guten Einblick darauf bieten, warum Lindsey ihren Mann verlassen hat und sich fernab ein neues Leben aufgebaut hat. Andrew hat sie jahrelang manipuliert und nachdem er nun aus dem Gefängnis entlassen worden ist, muss Lindsey erneut darum fürchten, dass sich Andrew wieder in ihr Leben schleichen wird. Dies geschieht auch, aber vorerst nur durch den Kontakt, den Sophie zu ihrem Vater aufbaut. Ihre Kindheitserinnerungen sind getrübt, daher lässt sie sich einlullen, dass ihr Vater durch den Gefängnisaufenthalt geläutert ist. Kann ein Mensch sich soweit verändern oder ist dieses narzisstische Verhalten in einem Menschen tief verborgen? Für mich als Leserin ist nicht eindeutig, was Andrew bezweckt und dies erhöht den Spannungsbogen vielfach.

Geschrieben ist der Thriller in der Ich - Form, wobei die Eindrücke und das Erleben in verschiedenen Zeiten stattfindet und sowohl Sophie, als auch Lindsey beleuchtet. Diese unterschiedlichen Perspektiven lassen viel Spielraum für eigene Interpretationen des Lesers, was mir sehr gefallen hat, da die Story darauf aufbaut, immer mehr Verdächtige Personen einzuflechten. Letztendlich gelingt der Autorin ein Showdown, der mich wirklich umgehauen hat, da ich auf ganz anderen Pfaden unterwegs war. Ein echter Überraschungsmoment, wobei wieder einmal klar wird, wie nah Liebe und Rache beieinander liegen können.

Die Protagonisten sind interessant und wirken authentisch, was für den Lesefluss sehr angenehm war. Ich habe natürlich ein klein wenig Verständnis für Sophie, da diese sich nach einer Vaterfigur in ihrem Leben sehnt, dennoch wirkt sie hier und da wirklich naiv. Hat sie nicht lange genug mit ihrer Mutter alleine gelebt und deren Ängste wahrgenommen? Die Kontaktaufnahme zu ihrem Vater, der sich dann auch noch ziemlich daneben benimmt, führt letztendlich dazu, dass Sophie ihrer Mutter zu glauben beginnt, aber es scheint schon zu spät zu sein, denn Andrew hat seine Fühler schon weit ausgestreckt.

Letztendlich ist nichts, wie es scheint und dieses konnte mich letztendlich sehr fesseln. "Ich beobachte dich" ist mitunter sehr beängstigend, da es Themen wie häusliche Gewalt, wenn auch oft auf psychischer Ebene, Stalking und Alkoholismus werden ganz klar erläutert und geben dem Thriller daher Spannung und auch eine gewisse Authentizität. Deutlich wird, dass Lindsey auch eine Schuld mit sich trägt, die ausgesprochen einen guten und gelungenen Nebeneffekt haben.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe und letztendlich genossen habe, mehrfach an der Nase herumgeführt zu werden, da ich ein ganz anderes Motiv und einen anderen Ausgang des Thrillers vermutet hätte.

Bewertung vom 25.04.2018
Die Lichter unter uns
Carl, Verena

Die Lichter unter uns


sehr gut

Vielleicht ist es die Midlifecrisis, die es wahrscheinlich auch bei Frauen gibt oder sogar eine Hausfrauendeprsssion, die Anna so unzufrieden wirken lässt? Anstatt ihren Urlaub auf Sizilien zu genießen schweift Anna immer wieder ab in Gedanken, die leider nicht immer sehr sympathisch wirken. Interessant war der eingeflochtene Satz: "Er sieht mich", der nachdenklich stimmt und dadurch eine ganz andere Wende des Geschehens innerhalb des Romans schenkt. Vorher war ich doch etwas irritiert von Anna, die mir wirklich chronisch neidisch erschien. Neidisch auf alles was keucht und fleucht und anstatt ihre kleine Familie zu genießen wirkt sie überfordert und mitunter auch desinteressiert. Natürlich gibt es im Leben Momente der Unzufriedenheit, aber Anna scheint kaum Lebensfreude zu haben. Das Altern macht ihr Stress und dann wird sie endlich gesehen, was einen Wendepunkt innerhalb der Story ausmachen konnte. Annas Mann ist mit sich selbst beschäftigt, dauern hat er sein Tablett, Smartphone oder was auch immer vor sich, wenn er nicht damit beschäftigt ist, die pubertierende Tochter zu besänftigen. Aber er sieht Anna nicht und irgendwann ist klar, warum er wenig Interesse zeigt. Natürlich hat es auch damit zu tun, dass er Angst davor hat seine Existenz zu verlieren, denn im Job läuft es auch nicht ganz rund.

Nun flicht die Autorin in all das Chaos rund um Anna, Alexander ein, der sie am Strand bemerkt und dessen Blicke dieser so gut tun, dass sie ihn regelrecht verfolgt, um weitere Blicke zu bekommen und sich Tagträumen hingeben zu können. Alexander ist allerdings auch nicht der, den er vorgibt zu sein. Es scheint jede Menge Geld vorhanden zu sein, aber Familienglück, so wie es bei Anna eigentlich hätte sein sollen, fehlt gänzlich. Beide Familien spiegeln lediglich das wieder, was der andere gerne hätte und doch nicht haben kann, da Lebenslügen das Glück trügen.



"Die Lichter unter uns" war mitunter leider etwas zäh zu lesen und auch wenn die Story letztendlich stimmig ist, vermisse ich Urlaubsgefühle und auch schöne Momente eines Familienlebens. Letztendlich ist alles nur Schall und Rauch, denn das, was Alexander in Anna sieht, kann diese nicht erfüllen und andersherum ist es ebenfalls nur auf einer Lebenslüge aufgebaut. Trotzdem möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen, da Lesegeschmäcker definitiv unterschiedlich sind. Da, was mir gefehlt hat, um ein gutes Gefühl zu hinterlassen, wird von jemand anderem vielleicht ganz anders wahrgenommen werden. Ich fand die Story rund, aber es war für mich kein Buch, welches ich ein zweites Mal lesen würde.



★★★★ (3,5)

Bewertung vom 25.04.2018
Die Rebellinnen / Iron Flowers Bd.1
Banghart, Tracy

Die Rebellinnen / Iron Flowers Bd.1


ausgezeichnet

"Iron Flowers" hat mich zu Beginn leicht an Selection und Panem erinnert, wobei die Handlung letztendlich ganz andere Wege gehen wird. Die bekannte Brutalität Panems bleibt allerdings bestehen. Es geht ums nackte Überleben, wobei Nomi die schönere Variante des Anpassens aufgezwungen bekommt.
Was mich fassungslos macht, ist die Unterdrückung der Frauen, denen Bildung komplett untersagt wird und hart bestraft wird, wenn eine Frau lesen kann oder sich gegen die Männerwelt auflehnt. Nomi ist in ihren Entscheidungen geblendet, selbst ich wurde durch gut gewählte Worte kurzzeitig eingelullt und hätte ebenfalls dem Falschen kurzzeitig vertraut.
Tracy Banghart erzeugt eine Spannung, die mich ab der ersten Seite meines eBooks in den Bann schlug, daher war es mühsam sich vom Reader zu trennen, um alltäglichen Dingen nachzugehen. Viel lieber hätte ich mich weiterhin von dieser fiktiven, mitunter grausamen Welt faszinieren lassen. Trotzdem war das Buch schnell gelesen und es ist noch nicht bekannt, wann es mit Nomis und Serinas Schicksal weitergeht. Feststeht, dass der Cliffhanger am Ende die Neugier schürt und möglich macht, die Story in Gedanken weiterzuspinnen.
Auch wenn mir die Idee eines Heiratsmarktes befremdlich erscheint, ist es für diese Story äußerst wichtig, da sie aufzeigt, wie wenig wertvoll Frauen sind. Fremdbestimmt ist Serina dazu erzogen worden, sich komplett anzupassen, um sich wie eine Grace zu bewegen, zu handeln und selbst das eigenständige Denken abzustellen. Nomi hingegen hat ihren eigenen Kopf, der ihr letztendlich auch zum Verhängnis wird. Das Blatt wendet sich und die Schwestern werden getrennt.
Es ist sehr gelungen dargestellt, wie unterschiedlich die Schwestern erzogen wurden und welche Schwierigkeiten sich daraus zunächst ergeben. Die eine Schwester erscheint erst einmal sehr schwach, obwohl letztendlich eine Rebellin in ihr steckt, die sich zu wehren beginnt und damit zunächst ihr Überleben in all dem Grauen sichern kann. Die andere Schwester hingegen muss sich mit Intrigen und einer regelrechten Besessenheit nach Macht auseinandersetzen.
Ich möchte "Iron Flowers" sehr gerne eine Leseempfehlung aussprechen, da meine hohen Erwartungen sich mehr als erfüllt haben. Ich konnte mich sofort auf die Story einlassen und empfand diesen Kontrast zwischen Armut und Reichtum sehr gelungen.

Bewertung vom 19.04.2018
36 Fragen an dich
Grant, Vicki

36 Fragen an dich


sehr gut

"36 Fragen an dich" ist ein doch recht außergewöhnlicher Roman, da er sich nur selten im Fließtext befindet. Es ist tatsächlich anfangs etwas irritierend lediglich Gesprächen zu folgen. es ist keine neue Idee, aber dennoch muss ich mich als Leserin erst daran gewöhnen und manchmal auch den einen oder anderen Satz lesen, um mich zu vergewissern, ob nun Paul oder Hily redet. Das Experiment an sich finde ich gelungen, obwohl ich es ebenso wie Hildy empfinde, manche Fragen sind einfach sehr persönlich und gehen dem Fremden mir gegenüber nichts an, da es mein Leben ist und ich mich nicht in allem offenbaren möchte.
Die Protagonisten sind beide sehr interessante Persönlichkeiten, die im weiteren Verlauf der Story zu reifen scheinen. Paul will tatsächlich nur 40 Dollar verdienen und macht dies sehr deutlich, denn nachdem Hildy das Projekt abbricht, ist er es, der Kontakt aufnimmt und dazu führt, dass sie ihr Gespräch beenden. Es wächst etwas heran, was natürlich keine Überraschung ist, da ich einen Liebesroman erwartet hatte. Dieser ist amüsant, authentisch und wie schon erwähnt durch seinen Schreibstil außergewöhnlich. Ich befinde mich in einer Story, die viele Facetten bedient. Beide Protagonisten sind keine gewöhnlichen Teenager, da sie beide ihre eigenen Probleme tragen und ertragen müssen. Die Wahrheit tut weh und gibt der Story dadurch hier und da Stoff zum Nachdenken.
Ich mochte die Story, obwohl ich erst warm werden musste und dafür einige Lesezeit benötigte. Mein Lesefluss war durch die Dialoge anfangs etwas gehemmt. Auch war mir Hildy anfangs zu chaotisch und aufgewühlt. Ihre Persönlichkeit ändert sich nicht, aber als Leserin bekomme ich mehr und mehr Verständnis für ihr Verhalten. Ich mag dennoch eine Leseempfehlung geben, denn letztendlich hat mich der Roman gut unterhalten können und ein gewisses Interesse in mir geweckt. Letztendlich ist es der Kugelfisch, der Paul und Hildy wieder zusammenbringt, aber mehr will ich nun nicht hinwegnehmen, da die Grundidee der Studie hervorgehoben werden soll und nicht das persönliche Drama zweier junger Menschen, die sich auf doch sehr interessanten Wege kennen lernen und sich vielleicht sogar verlieben werden. Das war ja immerhin Sinn und Zweck des Ganzen, oder?

Bewertung vom 19.04.2018
Zartbittertod
Herrmann, Elisabeth

Zartbittertod


ausgezeichnet

"Zartbittertod" ist anders als erwartet und dennoch konnte ich mich sehr schnell in die Story hineinfinden. Die Thrillerelemente, die ich mir erhofft hatte, fehlten zu Beginn gänzlich und ich empfand die Story eher als seicht. Da es sich aber um einen Jugendroman handelt, muss sich der Leser / die Leserin bewusst machen, dass die Zielgruppe ab 14 Jahren nicht unbedingt mit vielen blutigen Details erschüttert werden muss, daher war auch dieses letztendlich angemessen. Normalerweise schreibt die Autorin ja auch vielfach im Bereich der Erwachsenenliteratur, daher ist natürlich ein Unterschied im Schreibstil verständlich. Ich mag Schokolade und ich mag Thriller, daher war ich neugierig, wie beides miteinander verwoben werden kann. Der Autorin ist es gelungen durch die Rückblicke in die Kolonialzeit in Afrika und Familiendramen einen Roman (Thriller möchte ich vermeiden, da diese Elemente einfach zu wenig sind, um von einem Thriller zu sprechen) zu verfassen, der mitunter auch nachdenklich stimmt. Woher kommt unsere Schokolade und wer ist daran beteiligt? Sind es Kinder? Wäre es sinnig Fair Trade zu kaufen bei Kaffee, Schokolade und anderen Erzeugnissen? Frau Herrmann stubst da einiges Wichtiges an, was natürlich nicht immer gleich offensichtlich wird, sondern manchmal auch nur zwischen den Zeilen gelesen werden kann.

Die Protagonistin Mia begibt sich nach Lüneburg, um Nachforschungen über einen nahen Verwandten herausfinden will, sticht sie in ein Wespennest, wie auch schon der Klappentext verrät. Afrika und Deutschland sind in diesem Fall ganz dicht beieinander. Die Kolonialzeit in Afrika und das Grauen, was Kriege mit sich bringt, wird sehr schnell deutlich, aber auch Verrat und Betrug. Mia gerät in Gefahr, die nicht sofort ersichtlich ist und am Ende auch sehr überraschend aufgelöst wird. Menschen fühlen sich im Unrecht und handeln daher mitunter kopflos. Manchmal ist es auch der Blick auf Reichtum, der alle menschlichen Gefühle auflöst. Eine Obsession entsteht und Mia gerät direkt in den Fokus.

"Zartbittertod" braucht einige Zeit, bis sich die Story dahingehend entwickelt, um Spannung zu erzeugen. Der Beginn ist tatsächlich sehr seicht und ich kann mir denken, dass manche Leser_innen es ebenso empfinden werden. Ein roter Faden ist natürlich zu erkennen, denn Tagebuch und Briefe führen letztendlich zum Ziel. Für die Leserschar muss aber erst begreiflich gemacht werden, wohin Frau Herrmann uns führen will. Es dauert ein klein wenig und stört auch den Lesefluss, der sich erst ab etwa Mitte des Buches komplett entfalten kann. Dann erst, wird "Zartbittertod" spannend und die Story begreiflich. Zumindest das, was Frau Herrmann durch das Einfügen der Vergangenheit aussagen will. Jakob hat eine Geschichte hinterlassen, die nach und nach aufgedeckt wird. Letztendlich möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen und nur leichte Kritik anmerken. Das Ende überzeugt, während die ersten 100 Seiten in etwa leider etwas schwächelten. Ansonsten doch gelungen und auch überzeugend.