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Elchi130
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Essen

Bewertungen

Insgesamt 458 Bewertungen
Bewertung vom 16.08.2021
Sag mir, wer ich bin
Ward, Felicity

Sag mir, wer ich bin


weniger gut

Wenn Traumata nicht bearbeitet werden

Als 16-jährige gerät Sally in Paris in die Gewalt eines unbekannten Mannes, der sie fast umbringt. Dieses Trauma wird sie nie wieder loslassen und bestimmt ihr weiteres Leben. Obwohl sie heiratet und versucht, sich anzupassen, sucht sie doch immer nach dem Mann, der ihr Leben zerstörte.

Zu Beginn war ich begeistert von „Sag mir, wer ich bin“. Die Autorin Felicity Ward beginnt ihr Buch mit einer Einleitung, um uns über die Besonderheiten ihrer Heimat Montreal zu informieren. Zurecht vermutet sie, dass ich mich noch nie mit der Geschichte von Kanada und Montreal auseinandergesetzt habe und ohne ihre Erläuterungen die Konflikte zwischen den englisch- und den französischsprachigen Bewohnern nicht hätte einordnen können.

Der nüchterne, emotionslose Schreibstil der Autorin macht es mir als Leserin schwer, einen Zugang zu den Figuren, insbesondere auch zu Sally zu erhalten. Sally will ihr Trauma verdrängen, sich nicht damit auseinandersetzen. Sie verweigert jedes Gespräch über die Ereignisse in Paris. Dadurch fällt auch ihren Eltern und dem sonstigen Umfeld der Umgang mit Sally schwer. Lediglich ihr Patenonkel findet einen Zugang zu ihr. Das Verhältnis der beiden zueinander entfacht mein Interesse und ich bin neugierig geworden, wie sich das weitere Leben von Sally und Carson entwickelt.

Auf einer Party glaubt Sally, in dem Franzosen Philippe Marignac ihren Peiniger von einst zu erkennen. Und hier setzt für mich ein Bruch in der Geschichte ein. Was nun folgt, sorgt bei mir für Verwirrung, Abscheu und Unverständnis. Gerade aufgrund von Sallys Vergangenheit, ihren Ängsten, ihrem zerbrechlichen Wesen, verstehe ich ihr weiteres Verhalten in keiner Weise. Sie wird von Seite zu Seite immer irrationaler und sprunghafter. Doch auch Philippe Marignac empfinde ich als hochgradig gestört. Die Gedanken und Handlungsweisen beider Figuren lassen in meinem Kopf jede Menge Fragezeichen aufleuchten. Sallys Ehemann und auch ihr sonstiges Umfeld tragen nicht zur Entspannung der Situation bei. Gerne möchte ich glauben, dass viele für mich unverständliche Verhaltensweisen der Figuren dem Zeitgeist der 60er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts geschuldet sind, in denen das Buch spielt. Da ich selbst jedoch nie sexualisierter Gewalt ausgesetzt war, kann ich mir kein Urteil anmaßen, was dieses Erlebnis in den Personen auslöst. Ich denke jedoch, dass eine Bearbeitung der Traumata wünschenswert und hilfreich gewesen wäre.

Gegen Ende des Buches ist mir endlich bewusst geworden, was mich an dem Buch und den Figuren am meisten stört. Keine Person verfügt über Empathie. Jeder sieht nur sich selbst, bezieht alles für oder gegen sich und ist für die Sorgen, Nöte, Persönlichkeit des Gegenübers vollkommen unempfänglich.

Auf ein Katz-und-Maus-Spiel, wie im Kurzinhalt angegeben, habe ich übrigens vergeblich gewartet.

Fazit: Sowohl der Schreibstil als auch der Inhalt des Buches waren für mich gewöhnungsbedürftig. Leider kann ich keine Empfehlung aussprechen.

Bewertung vom 14.08.2021
Flüsterwald - Durch das Portal der Zeit: Ausgezeichnet mit dem LovelyBooks-Leserpreis 2021: Kategorie Kinderbuch (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 3)
Suchanek, Andreas

Flüsterwald - Durch das Portal der Zeit: Ausgezeichnet mit dem LovelyBooks-Leserpreis 2021: Kategorie Kinderbuch (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 3)


ausgezeichnet

Auch der dritte Teil ist wieder toll

Lukas, Ella und ihre Freunde aus dem Flüsterwald haben sich vorgenommen, Ellas Großvater, den Professor, zu befreien. Dafür müssen sie in die Vergangenheit reisen, dem Professor etwas Blut abnehmen und sich sofort wieder zurück in die Gegenwart begeben. Doch ganz so einfach ist auch dieses Abenteuer nicht…

Wie immer bei Andreas Suchanek, ist auch der dritte Teil „Flüsterwald – Durch das Portal der Zeit“ wieder unglaublich spannend und sprüht vor tollen Einfällen. Zudem gibt es jede Menge unvorhergesehene Wendungen und auch der Humor kommt nicht zu kurz – halt typisch Andreas Suchanek. Ich kann bei ihm einfach nicht vorhersehen, wohin die ganze Geschichte steuert. Deshalb ist es mir auch nicht möglich, beim Lesen eine Pause einzulegen. Der Autor schafft es sehr gut, mich als Leserin mehrfach in die Irre zu führen, bei meinem Rätseln, wer der böse Magier ist. Wiederholt habe ich eine Idee und ebenso oft habe ich sie wieder verworfen.

Lukas, Ella und ihre Freunde aus dem Flüsterwald sind mir mittlerweile ungemein ans Herz gewachsen. Ich fiebere, freue und leide mit ihnen. Besonders die Katze Punchy, die in diesem Teil auch mehr Raum einnimmt als in den ersten beiden Bänden, hat es mir angetan.

Einige Fragen aus den ersten beiden Bänden werden beantwortet, doch natürlich tauchen stattdessen noch viel mehr neue Fragen auf. Nun hoffe ich, dass im vierten Teil meine Fragen beantwortet werden und freue mich schon sehr darauf.

Bewertung vom 14.08.2021
Narbenherz / Heloise Kaldan Bd.2
Hancock, Anne Mette

Narbenherz / Heloise Kaldan Bd.2


ausgezeichnet

Die Autorin konnte mich wieder überzeugen

In Kopenhagen verschwindet ein zehnjähriger Junge am helllichten Tag. Kommissar Erich Schäfer und seine Kollegen tappen bei der Aufklärung des Verbrechens völlig im Dunkeln. Die Journalistin Heloise Kaldan möchte einen Artikel über traumatisierte dänische Soldaten schreiben. Doch ihre Vorgesetzten geben ihr den Auftrag, sich um die Berichterstattung des verschwundenen Kindes zu kümmern, da sie gut mit Kommissar Erich Schäfer befreundet ist.

Das Buch startet mit einem spannenden Prolog, der mich während des weiteren Buches immer wieder beschäftigt hat. Standen in Band 1 „Leichenblume“ die Journalistin Heloise Kaldan und ihre Recherchen im Vordergrund der Handlung, so konzentriert sich der 2. Teil stärker auf ihr Privatleben und ihre persönlichen Schwierigkeiten. Konnte ich sie in Band 1 gut leiden, so wurde sie mir aufgrund ihrer Persönlichkeit in diesem Buch zunehmend unsympathisch. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit zweierlei Maß misst. Sie stellt hohe Anforderungen an andere Menschen, hält diesen Anforderungen jedoch selbst nicht stand. Gegen Ende des Buches wurden die persönlichen Konflikte von Heloise aufgelöst und ich hoffe, dass ich ihr im dritten Teil wieder näher komme.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht Kommissar Erich Schäfer. Er hinterfragt das Verhalten der Verdächtigen und Angehörigen immer wieder. Leider bleibt die Krimihandlung lange im Hintergrund, da Heloise und ihre Dramen erst einmal im Zentrum der Geschehnisse des Buches stehen. Wenn endlich das Verschwinden und die Ereignisse rund um den Fall im Vordergrund stehen, wird das Buch richtig spannend. Die Autorin Anne Mette Hancock überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen und originellen Ideen. Zudem baut sie Verdächtige auf, auf die ich mich als Leserin gestürzt habe, nur um meine Vorstellungen im nächsten Moment wieder zunichte zu machen. Bis zum Schluss habe ich nicht erraten, wie die vielen Ereignisse des Buches miteinander verknüpft sind. Mein besonderes Highlight war die letzte Seite des Buches. Hier lässt die Autorin uns an ihrem tiefschwarzen Humor teilhaben.

Auf jeden Fall möchte ich weitere Fälle mit Kommissar Schäfer und Journalistin Kaldan lesen. Ich freue mich schon sehr auf Band 3 „Grabesstern“.

Bewertung vom 08.08.2021
Mein Sternzeichen ist der Regenbogen
Schami, Rafik

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen


gut

Nicht mein Genre

Rafik Schami erzählt in seinem neuen Buch „Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ in kurzen Geschichten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Die einzelnen Geschichten hat er unter verschiedene Themen gebündelt. Er widmet sich den Gebieten Geburtstag, Lachen, Reisen, Geheimnis, Tiere und Sehnsucht.

Für mich ist Rafik Schami ein großer Erzähler. Ich liebe seinen Erzählstil, denn er vermittelt mir immer das Gefühl, er würde mich direkt ansprechen und mir persönlich eine Geschichte erzählen. Das ist eine Kunst, die nicht viele Schriftsteller beherrschen. Dazu kommt, dass seine Erzählungen stets positiv auf mich wirken, selbst dann, wenn der Inhalt sich mit problematischen, traurigen oder schwierigen Themen auseinandersetzen. Doch das Geschehen ist stets sehr lebendig und bunt. Das ist eine Gabe, die Rafik Schami besitzt, schwierige Themen so anzusprechen, dass er mich zum Nachdenken anregt, sich jedoch weder als Moralapostel aufspielt, noch mich niederdrückt.

Leider habe ich bei diesem Buch jedoch wieder festgestellt, dass mir das Genre Erzählungen/Kurzgeschichten nicht liegt. Es braucht seine Zeit, bis ich mich in das Geschriebene eingelesen habe, darin angekommen bin und mich wohlfühle. Doch bis dahin ist die Kurzgeschichte schon wieder vorbei und ich fühle mich in der Mitte stehen gelassen. Da ich den Autor sehr schätze, war es mir wichtig, auch einmal ein Buch mit seinen Erzählungen zu lesen. Das ist jedoch nichts für mich.

Die einzelnen Geschichten kann ich grob in vier Kategorien unterteilen. 1. Hat der Autor vereinzelt Kommentare in das Buch eingestreut. In diesen lässt er uns an seinen Gedanken zu unterschiedlichen Themen, wie z.B. Humor, Geheimnisse, Social Media teilhaben. Diese waren für mich zum Teil interessant, mal habe ich seine Meinung geteilt, mal nicht so sehr. Ich war jedoch neugierig auf die Ausführungen des Autors und seine Argumente. 2. Vereinzelt gab es richtig gute Stories. Sie waren humorvoll, haben mich neugierig auf das weitere Geschehen gemacht, hatten einen gut ausgearbeiteten Spannungsbogen und eine tolle Pointe. Doch davon hatte das Buch nach meiner Meinung zu wenige. 3. Dann gab es Erzählungen, bei denen ich das Ende nicht verstanden habe. Ich saß regelrecht mit einem Fragezeichen im Gesicht vor dem Buch, weil ich mit dem Ende nichts anfangen konnte. 4. Zudem gab es Geschichten, die toll waren, bei denen das Ende jedoch völlig unspektakulär war. Mir fehlte die Pointe oder Moral von der Geschichte und es wirkte auf mich, als wäre dem Autor nicht klar, wie er das Ganze gut beenden kann, also hat er es einfach auslaufen lassen.

Insgesamt konnte ich feststellen, dass ich den Autor mag und sehr neugierig darauf bin, ihn einmal bei einer Lesung zu erleben. Doch werde ich von ihm in Zukunft gerne Romane, aber keine Kurzgeschichten mehr lesen.

Bewertung vom 05.08.2021
Alles, was du mir versprichst
Welling, Nora

Alles, was du mir versprichst


ausgezeichnet

Auf dieser Hacienda würde ich auch gerne leben

Die Brüder Ramon, Damian und Luis leben auf der Hacienda de los Caballos Blancos an der Costa de la Luz. Als Amelie mit ihrem fünfjährigen Bruder Ben aus Deutschland fliehen muss, macht sie sich auf den Weg dorthin. Denn hier lebt ihre Bekannte Linda, die mit Damian verheiratet ist. Schnell leben sich Amelie und Ben ein und ebenso schnell ist klar, dass die Luft zwischen Ramon und Amelie knistert…

Das Buch „Alles, was du mir versprichst“ von Nora Welling zu lesen, ist Entspannung pur. Die beschriebene Gegend, die Menschen und die Hacienda sind einfach toll und schnell habe ich davon geträumt, auch dort zu leben und Teil dieser starken Gemeinschaft zu sein.

Die Figuren sind alle liebenswert und wachsen der Leserin umgehend ans Herz. Die Annäherung von Ramon und Amelie findet nur langsam statt. Beide haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, müssen erst lernen, einander zu vertrauen und an die Liebe zu glauben.

Die Geschichte um die Flucht von Amelie und Ben hängt die gesamte Zeit über den Geschehnissen. Immer wieder habe ich mich gefragt, was denn nun genau passiert ist und wie die Vergangenheit der beiden zu einem guten Ende geführt werden kann. Das gelingt der Autorin auf jeden Fall sehr gut und im Großen und Ganzen auch glaubhaft.

Im Übrigen kann ich mir gut vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt eine Amelie, einen Ben und einen Ramon gibt, die genau die hier erzählte Geschichte genauso erleben. Sowohl die Ereignisse als auch die Figuren und Gespräche wirken sehr realistisch. Und genau das sowie die zauberhafte Umgebung und Atmosphäre des Buches machen den Sog der Erzählung aus.

Bei „Alles, was du mir versprichst“ handelt es sich um den dritten und letzten Teil rund um die Brüder der Hacienda de los Caballos Blancos. Für mich war es der erste Band der Trilogie, den ich gelesen habe. Ich hatte jedoch an keiner Stelle das Gefühl, dass ich etwas nicht richtig einordnen konnte oder mit Wissen fehlt. Zudem macht dieses Buch unbeschreiblich neugierig auf die beiden anderen Bände. Und nach der Lektüre dieses tollen Buches sind sie für mich ein MUSS.

Bewertung vom 02.08.2021
Bevor ich dich sah
Houghton, Emily

Bevor ich dich sah


ausgezeichnet

Dieses Buch will mit dem Herzen gelesen werden

Alice und Alfie liegen beide nach einem traumatischen Erlebnis im Krankenhaus, im selben Zimmer, durch einen Vorhang getrennt. Langsam nähern sich die beiden einander an, schütten sich gegenseitig ihr Herz aus, erzählen sich von ihren Leben…

Zu Beginn stellten die Kapitelüberschriften ein Problem für mich dar. Diese Überschriften sind in sehr schnörkeliger Schrift gehalten, sodass die Namen Alice und Alfie sich auf den ersten Blick sehr ähneln. Hier wäre ein Schrifttyp, wie z. B. Arial besser geeignet gewesen.

Die Autorin, Emily Houghton, wählt ein Szenario, welches in unseren deutschen Krankenhäusern nicht zu finden ist. Im Krankenhaus von Alice und Alfie werden die Zimmer nicht nach Geschlechtern getrennt. Alice befindet sich aufgrund ihrer Verbrennungen hinter Vorhängen. Das Personal richtet den Tagesablauf an den Bedürfnissen der Patienten aus, um ein paar Beispiele zu nennen. Diese Ausgangsvoraussetzungen hat die Schriftstellerin bewusst gewählt, damit diese ungewöhnliche Liebesgeschichte überhaupt möglich ist. Nach meiner Ansicht ist es deshalb notwendig „Bevor ich dich sah“ mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf zu lesen. Denn, wenn es uns gelingt, den Verstand, der ständig „aber“ sagen will, auszublenden, erleben wir eine wunderschöne und tiefe Liebesgeschichte.

Alfie, der mit seiner extrovertierten Art die ganze Station unterhält bzw. bei Laune hält, hat auf Anhieb den Sprung in mein Herz geschafft. Alice dagegen ist sehr introvertiert und hadert mit ihrer Situation. Sie war immer stark und selbstständig und ist nun zum ersten Mal auf die Hilfe anderer angewiesen, was ihr sehr schwer fällt. Dadurch dauerte es länger, bis ich auch Alice mögen lernte. Doch auch sie lag mir schließlich am Herzen.

Besonders gelungen finde ich die Darstellung der langsamen Annäherung von Alfie und Alice aufgrund tiefsinniger Gespräche, in denen beide sich immer weiter öffnen. Dadurch konnte ich richtig gehend spüren, wie die beiden sich nach und nach ineinander verliebten. Daher konnte ich den Roman auch gar nicht mehr aus der Hand legen, bis ich endlich wusste, wie die Autorin diese Spannung, die entsteht, zum Ende auflösen will. Und das ist ihr auf jeden Fall gelungen. Dieses Buch ist für Leserinnen, die gerne in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen.

Bewertung vom 24.07.2021
Unbarmherziges Land
Offutt, Chris

Unbarmherziges Land


gut

Super Schreibstil, müde Story

In den Wäldern Kentuckys wird eine Frauenleiche gefunden. Die ermittelnde Linda Hardin ist nicht nur neu in dem Job, sondern auch der erste weibliche Sheriff der Stadt und dadurch vielen Männern ein Dorn im Auge. Also wendet sie sich bei den Ermittlungen an ihren Bruder Mick, der Militärermittler ist und gerade aufgrund persönlicher Probleme in seiner Heimatstadt ist…

Der Schreibstil von Autor Chris Offutt ist genau mein Fall. Seine zynisch humorvolle Beschreibung der Geschehnisse, Menschen und Umgebung, passt wunderbar zu den auftretenden schrägen und skurrilen Figuren. Zusätzlich wird die Erzählung durch super Einfälle des Autors bereichert. Genau das liebe ich an Autoren wie Elmore Leonard und Candice Fox. Chris Offutt kann zumindest vom Erzählstil auf jeden Fall mithalten.

Doch leider ist dies bei der Story nicht der Fall. Es fehlt der Erzählung an Dynamik. Das Erzählte wirkt zu dünn und plätschert so vor sich hin, dass die tollen Winkelzüge verpuffen, ohne bei mir als Leserin Interesse für die Geschichte zu erzeugen. Auch fehlte mir ein Spannungsbogen. Der Autor konzentriert sich oftmals auf die Beschreibung der Zustände, wenn er das Geschehen vorantreiben sollte. Weniger Sätze zur Umgebung oder dem Aufenthaltsort der Personen und mehr Interaktion hätte das Buch gebraucht. Vielleicht würden mehr innere Dialoge oder Gespräche zwischen den Personen, was nun folgt, zu mehr Spannung führen. So fehlte mir jedoch ein spannender Inhalt.

Ich hoffe, dass der Autor seine Plotentwicklung verbessert und den tollen Erzählstil beibehält. Auf jeden Fall werde ich auch das nächste Buch von Chris Offutt lesen und bin gespannt, ob er mich damit überzeugen kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.07.2021
Pfoten vom Tisch!
Kerkeling, Hape

Pfoten vom Tisch!


gut

Ich hatte mehr erwartet

Hape Kerkeling lässt uns an seinem Wissen über Katzen teilhaben. Er erzählt uns von den Katzen, mit denen er sein Leben teilt oder teilte, von Katzen anderer Menschen, von berühmten Katzen und er informiert darüber, was man über Katzen wissen sollte.

Vom Sachteil sollte mensch sich nicht zu viel versprechen. Ich habe nichts erfahren, was man nicht auch im Internet nachlesen kann. Gehofft habe ich auf viele Anekdoten über die eigenen Katzen bzw. Katzen von Freunden und Bekannten. Davon gab es für meinen Geschmack jedoch viel zu wenig in „Pfoten vom Tisch“. Da der Autor schon mehrere Katzen besessen hat und über viele Jahre Katzenerfahrung verfügt, sollte er eigentlich ausreichend Geschichten auf Lager haben. Wir haben unseren Kater erst seit 2,5 Jahren und ich weiß schon unzählige Possen zu erzählen.

Den Anfang des Hörbuchs fand ich unglaublich witzig und musste mehrfach laut auflachen. Doch leider war das bereits nach wenigen Kapiteln vorbei und ich konnte nur noch selten schmunzeln oder lachen. Als Katzenliebhaberin kann ich natürlich den ganzen Tag damit verbringen, mir etwas über Katzen anzuhören. Allerdings habe ich mir von einem Komiker vom Format eines Hape Kerkeling mit vielen Jahren Katzenerfahrung mehr versprochen. Das Gehörte war nett, aber nichts Besonderes.

Gelesen wird das Hörbuch vom Autor selbst. Das ist selbstverständlich super, denn jede Betonung stimmt und jede Pointe sitzt. Da ist ein Profi am Werk. Fans von Hape Kerkeling dürften begeistert sein. Ich habe mich gefreut, dass das Buch perfekt gelesen war. Allerdings hat Hape Kerkeling es bei mir sehr schwer, da ich tiefe Männerstimmen bevorzuge.

Alles in allem ist das Hörbuch „Pfoten vom Tisch“ von Hape Kerkeling kurzweilig, unterhaltsam und perfekt gelesen. Es hätte jedoch gerne persönlicher sein dürfen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.07.2021
Hundstage für Beck / Nick Beck Bd.1
Voss, Tom

Hundstage für Beck / Nick Beck Bd.1


sehr gut

Solider Auftakt einer neuen Krimireihe

Zu Beginn von „Hundstage für Beck“ treffen wir auf den Polizisten Nick Beck, der sich ganz unten in seinem Leben befindet. Einst war er ein erfolgreicher Ermittler des LKA Hamburg. Doch als bei der Jagd nach dem Elbripper seine Kollegin ums Leben kommt, verliert er den Boden unter den Füßen. Er lässt sich auf eine kleine Polizeistation versetzen, trinkt und zeichnet sich durch kriminelles und skrupelloses Verhalten aus. Nachdem er im betrunkenen Zustand eine junge Frau überfahren hat, überlegt er, wie er verhindern kann, dass dies auffliegt. Er packt die Leiche kurzerhand ein, um sein Vergehen zu vertuschen. Dieses kaltblütige Vorgehen eines Gesetzeshüters hat mich fassungslos gemacht. Zudem war ich neugierig, wie der Autor Tom Voss seinen Helden Nick Beck aus dieser verfahrenen Situation wieder herausholen will.

Bei den Ermittlungen zu der vermissten jungen Frau treffen schließlich Nick Beck und Cleo Torner vom LKA Hamburg aufeinander. Cleos Leben befindet sich gerade im Umbruch, sowohl beruflich als auch privat. Die ehrgeizige, intelligente junge Frau träumte immer davon, in der Mordkommission zu arbeiten. Doch dieser Traum scheint in immer weitere Ferne zu schwinden.

Beck und Cleo geben ein interessantes Team ab. Sie harmonieren sehr gut miteinander und ergänzen sich prima. Zudem mag ich es, interessantes Privates über die ermittelnden Menschen in Krimis zu erfahren. Beck kämpft gegen seine Süchte und Dämonen. Cleo sucht nach einem Weg, um mit den Veränderungen in ihrem Leben klarzukommen.

Der Autor legt geschickt mehrere Fährten zu möglichen Tätern. Damit entfacht er meinen Spürsinn und ich fange an, nach dem Täter und Motiv zu suchen. Welches ist die richtige Fährte oder lockt er mich in die komplett falsche Richtung?

Schnell wird klar, dass der Fall in diesem Buch wesentlich komplexer ist als es zuerst scheint. Nach und nach erweitert der Autor unser Wissen um das Opfer und die Verdächtigen. Die Art und Weise, wie der Kriminalroman aufgebaut war, gefiel mir sehr gut. Bereits nach der Vorstellung der Figuren, entwickelt die Story eine große Spannung und kann dieses Niveau halten.

Tom Voss zeichnet in „Hundstage für Beck“ außergewöhnliche Charaktere. So wohnt Nick Beck bei einem Pärchen, das man schon fast skurril nennen kann. Und auch die anderen Personen haben alle ihre Macken und Kanten, wie wir Menschen im wahren Leben auch.

Der Krimi war spannend, hat mich gut unterhalten und gipfelte in einem gelungenen Finale. Mit Nick Beck und Cleo Torner hat der Autor ein tolles Team eingeführt. Ich freue mich schon sehr auf Band 2.

Bewertung vom 18.07.2021
Feuer über Nasira / Age of Darkness Bd.1
Pool, Katy Rose

Feuer über Nasira / Age of Darkness Bd.1


sehr gut

Unterhaltsames Fantasybuch

Vor 100 Jahren verschwanden die sieben Propheten aus der Welt. Doch es gibt eine letzte geheime Prophezeiung: Wenn die Welt dem Zeitalter der Dunkelheit entgegen schreitet, wird es einen letzten Propheten geben. Er allein entscheidet über die Rettung oder den Untergang der Welt. Fünf junge Menschen finden aufgrund der Prophezeiung zusammen. Da ist Hassan, der Prinz von Nasira, Jude, der neue Hüter des Ordens des Letzten Lichts, Anton, ein Spieler, der sich seit Jahren auf der Flucht befindet, Ephyra, auch die Weiße Hand genannt, eine Mörderin und ihre Schwester Beru, die dem Tode geweiht ist.

Die Autorin Katy Rose Pool hat im ersten Band von „The Age of Darkness – Feuer über Nasira“ eine atmosphärisch dichte Welt erschaffen. Ihre Sprache ist sehr bildhaft, sodass ich mich schnell und gut in den Kosmos des Buches einfinden konnte. Auch die Einführung der fünf Hauptfiguren gelingt der Autorin hervorragend. Die Überschriften der jeweiligen Kapitel benennen jeweils die Figur, die wir im folgenden Kapitel begleiten. Ergänzt wird der Name durch einen schwarzen Scherenschnitt der jeweiligen Person.

Das Volk aus Nasira musste nach Pallas Athos fliehen, da Nasira von dem Hierophanten und seinen Zeugen, wie sich seine Anhänger nennen, besetzt wurde. Der Hierophant will alle magisch begabten Personen richten, sodass eine Welt entsteht, in der es keine Menschen mit besonderen Gaben mehr gibt. Das von der Autorin beschriebene Flüchtlingscamp hat mich sehr daran erinnert, wie Flüchtlinge in unserer Welt und zu unserer Zeit leben und leiden müssen.

Das Buch zeichnet sich durch eine temporeiche Handlung und überraschende Wendungen aus. Als Leserin gibt es kaum einmal Zeit, um durchzuatmen. Zum Teil hat mich jedoch gestört, dass die Hauptfiguren immer wieder das Wesentliche aus den Augen verloren haben, weil sie nur mit ihren privaten Sorgen und egoistischen Zielen beschäftigt waren. Sie begegnen sich, geraten in Schwierigkeiten, helfen sich jedoch nicht automatisch gegenseitig, sondern retten lieber ihre eigene Haut. Das ist für die Helden eines Buches sehr ungewöhnlich und ich hoffe, dass sie in den weiteren zwei Teilen mehr füreinander einstehen. Denn in Band 1 haben mich die Figuren mit ihrem Egoismus wiederholt genervt und frustriert.

Doch alles in allem ist das Buch spannend, actionreich und überrascht mich als Leserin immer wieder. Daher habe ich Band 2 bereits hier liegen, um zu erfahren, wie die 5 Hauptfiguren die Welt retten wollen.