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Elchi130
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Essen

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Insgesamt 458 Bewertungen
Bewertung vom 10.07.2021
Nordwestzorn / Soko St. Peter-Ording Bd.2
Jensen, Svea

Nordwestzorn / Soko St. Peter-Ording Bd.2


ausgezeichnet

Auch der zweite Fall ist wieder sehr spannend

Anna Wagner und ihre Vermisstenstelle werden der Polizeiwache in St. Peter-Ording als eigenständige Behörde angesiedelt. Also kann die sympathische Münchnerin in Zukunft zusammen mit dem Polizeichef Henrik Norberg an aktuellen Vermisstenmeldungen und ungelösten Altfällen arbeiten. Nach der Umsiedelung nimmt sich Anna Wagner als erstes eines Falles an, der mehr als 15 Jahre zurückliegt. Damals war ein 9-jähriger Junge aus einem Sommercamp verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Sie versucht nun mit Hilfe des Polizeichefs und von Nils Scheffler, der ihr für die Ermittlungen zugeteilt wurde, die damalige Polizeiarbeit nachzuverfolgen und den Fall zu lösen.

Ich mag die Atmosphäre dieser Reihe sehr gerne. Durch die Ermittlungen in St. Peter-Ording hat das Ganze Dorfcharakter – und das, obwohl die drei Polizisten immer wieder nach Kiel, Hamburg oder Husum müssen, um Befragungen durchzuführen.

Die Autorin Svea Jensen lässt uns in „Nordwestzorn“ wieder in das Privat- und Familienleben von Henrik Norberg, seinen Kindern und Schwiegereltern blicken. Wir erleben, wie Anna Wagner, da sie in den Nebenanbau der Schwiegereltern gezogen ist, immer enger an den Familienkreis gebunden wird. Ich mag es, wenn ich die Ermittler in Kriminalromanen immer besser kennenlerne, etwas über ihre Probleme und Nöte, aber auch über ihre glücklichen privaten Momente erfahre. Dadurch wachsen mir die Figuren ans Herz und erhöhen meine Bindung an die Krimireihe. Und das klappt hier hervorragend, denn ich kann es kaum erwarten, dass weitere Bände über die Soko St. Peter-Ording erscheinen.

Der Kriminalfall ist sehr geschickt und spannend aufgezogen. Schnell haben wir als Leserinnen eine Reihe Verdächtiger zur Hand. Doch die Handlung ist so verwickelt, dass ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie die Autorin den Fall so auflösen will, dass der Schluss für mich schlüssig und akzeptabel ist. Doch was soll ich sagen? Svea Jensen hat es geschafft. Die Lösung des Falls hat mir sehr gut gefallen. Die Ereignisse, die dahin geführt haben, waren unterhaltsam, kurzweilig und spannend. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen.

Bewertung vom 04.07.2021
A Reason to Stay / Liverpool-Reihe Bd.1 (MP3-Download)
Benkau, Jennifer

A Reason to Stay / Liverpool-Reihe Bd.1 (MP3-Download)


ausgezeichnet

Tolle Liebesgeschichte, die mich immer wieder zum Nachdenken angeregt hat

Durch Zufall treffen Sibyl, genannt Billy, und Cedric aufeinander als Billy und ihre Freundin im Museum eine Ausstellungseröffnung verlassen und Cedric gerade ankommt. Sofort ist da etwas zwischen den beiden und sie flirten heftig miteinander. Doch Olivia, Billys Freundin, muss dringend raus aus dem Museum und zieht Billy mit. Zur Entschädigung organisiert sie kurz darauf ein erneutes Treffen von Cedric und Billy…

„A reason to stay“ von Jennifer Benkau ist eine genretypische Liebesgeschichte. Eine junge Frau, die den interessanten, geheimnisvollen, unglaublich gutaussehenden Mann, mit dem sie sich vom ersten Moment an fühlt, als würden sie sich schon ewig kennen, nicht vergessen kann. Ihre Umgebung warnt sie vor dem Herzensbrecher, doch sie kann ihm nicht widerstehen. Cedric hat seine Gründe, warum er keine Beziehung eingehen will und mit jeder Frau nur eine einzige Nacht verbringt. Doch dann tritt Billy in sein Leben, und sie lässt ihn gedanklich nicht mehr los. Nicht sonderlich originell, aber genau deshalb lese ich diese Geschichten. Sie zeigen mir eine Liebe wie im Märchen und tragen mich an einen Ort, an dem ich mich an den Liebenden erfreuen, mit ihnen mitfiebern und mit ihnen mitleiden kann.

In diesem Buch hat mich Cedric ins Herz getroffen. Auch seine Gründe, keine Frau an sich heranlassen zu wollen, findet man mittlerweile in vielen Liebesromanen wieder. Aber hier konnte ich seine Worte so oft nachvollziehen, verstehen, glauben. Seine Ängste und Wünsche und die Offenheit, mit der er diese äußerte, haben mich für ihn eingenommen. Genauso wie ich Billy einfach lieben musste. Sie ist stark, mutig, klug, gefühlvoll und passt wunderbar zu Cedric. Gegen Ende, als Billys Probleme deutlich werden, ist sie mir mit ihrem Verhalten kurz auf die Nerven gefallen. Doch Cedric hat sie zum Glück schnell vom Gegenteil überzeugen können. Die Auflösung der Ereignisse rund um Billy kamen für mich nicht überraschend, haben die Situation jedoch glaubhaft aufgelöst.

Für mich ist „A reason to stay” ein rundum gelungenes Buch, bei dem ich ein wenig traurig war, als ich das Ende erreicht hatte. Ich hätte die beiden Hauptfiguren gerne noch länger begleitet.

Mit dafür verantwortlich, dass mir das Buch so gut gefallen hat, waren die Hörbuchsprecher. Maren Ulrich hat Billy so eindringlich verkörpert, dass ihre Stimme für mich Billy war. Sie hat genau den richtigen Ton beim Erzählen der Ereignisse, beim Darlegen von Billys Gefühls- und Gedankenwelt getroffen. Das war einfach toll. Zudem hat sie den unterschiedlichen Figuren mit verschiedenen Tonlagen eine eigene Stimme verliehen. Olivia war mir zu aufgedreht und schrill, sodass ich sie als anstrengend empfunden habe. Aber es ist auch nicht ganz einfach, mehreren Frauen eine eigene Stimme zu verleihen. Julian Mill dagegen hat mir die Facetten von Cedric nahe gebracht. Er hat dafür gesorgt, dass ich mich schnell und anhaltend in Cedric verliebt hat. Auch er hat Cedric nicht einfach gesprochen. Er war Cedric und hat seine Gefühle und Gedanken perfekt verkörpert. Zwei Sprecher also, die sehr gut zueinander und zur Geschichte gepasst haben und die ich als Bereicherung für diese schöne Geschichte empfunden habe.

Bewertung vom 04.07.2021
Schicksal
Shalev, Zeruya

Schicksal


schlecht

Hier wird jeder Gedanke seziert

Zu Beginn hat mir das Buch sehr gut gefallen. Obgleich ich sofort gemerkt habe, dass dies kein Buch ist, das ich schnell mal eben weglesen kann. Wir befinden uns im Buch „Schicksal“ von Zeruya Shalev zum einen in der Gedankenwelt von Atara, die mit sich, ihrem Leben und den Entscheidungen ihrer Vergangenheit hadert. Zum anderen erzählt Rachel in Gedanken aus ihrem Leben, von ihren Söhnen und ihrer Gegenwart. Das fand ich am Anfang sehr spannend, denn ich wollte die beiden Frauen näher kennenlernen. Und wie geht das besser als über die Gefühls- und Gedankenwelt der Figuren? Eine Annäherung an Atara ist mir sehr schwer gefallen, da sie sich selbst verloren hat und in Gedanken nie im Hier und Jetzt war. Sie war entweder bei den Entscheidungen ihrer Vergangenheit oder sie war schon bei dem, was die Zukunft ihr bringen könnte. Da konnte ich Rachel viel besser verstehen. Ihr Leben war spannend und von Brüchen durchzogen. Das hat sie erst einmal zu einer spannenden Figur gemacht. Zumal ich die alte Rachel nur schwer mit ihrem jungen Ich in Einklang bringen konnte.

Von Anfang an schwierig war für mich der politische Kontext des Buches. Der Feind waren zuerst die Briten, die Palästina verwaltet haben. Als diese abgezogen waren, waren die Araber die Feinde. Sie wurden durchweg als der Aggressor des Konflikts dargestellt. Vielleicht hätte mich das nicht verwundern sollen, da die Autorin in einem Kibbuz am See Genezareth aufgewachsen ist. Doch diese einseitige Sichtweise störte mich in dem Buch enorm, denn es war für mich zu sehr in hier die Guten und dort die Bösen unterteilt. So einfach ist Geschichtsschreibung jedoch nicht.

Im Laufe der weiteren Erzählung habe ich mich dann immer mehr von den beiden Hauptfiguren entfernt. Atara ist mir gehörig auf die Nerven gegangen, da sie für mich keine greifbare Persönlichkeit besaß. Sie zeichnete sich durch Sprunghaftigkeit in ihrem Denken, Handeln, Meinungen, Wünschen und Bedürfnissen aus. Stets wollte ich sie schütteln, damit sie endlich einmal zur Besinnung kommt. Doch durch die Ereignisse des Buches steigerte sich ihr irrationales Verhalten immer weiter. Die Figur hat schließlich Wut und Abscheu in mir erzeugt.

Die Kapitel von Rachel werden immer kürzer und die von Atara immer länger. Fand ich Rachel zu Beginn interessant, so konnte ich ihre Gedankengänge im Verlauf der Geschichte immer weniger nachvollziehen. Diese waren mir zu abstrakt und nicht greifbar. Das kann sehr gut daran gelegen haben, dass Rachel und ich keine gemeinsamen Berührungspunkte besitzen, unsere Welten einfach zu unterschiedlich sind. Ihre Kultur, Geschichte, Weltsicht sind mir einfach fremd. Rachels Kapitel fesselten mich daher nicht mehr.

Mit der Zeit hat mich das Buch einfach nur noch gelangweilt. Jede Szene mit Atara war bis ins Unendliche in die Länge gezogen. Da ich der Figur und ihren Gedanken nur noch Ablehnung entgegengebracht habe, ist es mir immer schwerer gefallen, weiterzulesen. Zudem kreiste sie in Gedanken nur um sich selbst und um das, was sie bedauert. Eine Entwicklung konnte ich nicht entdecken. Ich habe es als Gedankenspirale wahrgenommen, die immer wieder von vorne beginnt. Das führte dazu, dass ich anfing, ihre Kapitel querzulesen. Doch das bringt mir nichts, denn ich wollte ja gar nicht mehr wissen, welche Gedanken sie ausspuckt.

60 Seiten vor Ende des Buches habe ich dann die weiße Flagge gehisst und das Buch abgebrochen. Die Autorin hatte meiner Ansicht nach nichts zu erzählen. Sie hat uns die ganze Zeit an den ewigen inneren Monologen einer Figur teilhaben lassen, bei der nichts geschah. Das war für mich schlichtweg Langeweile pur. So wurde jede Seite, durch die ich mich durchgekämpft habe, zu einer Qual.

Habe ich mich zu Beginn an dem Schreibstil erfreut, war da irgendwann nichts mehr, woran ich mich in diesem Buch erfreuen konnte. Was nutzt ein toller Schreibstil, wenn der Inhalt nichtssagend ist oder Ablehnung in mir erzeugt? Gar nichts!

Bewertung vom 23.06.2021
Neuanfang in Porthmellow
Ashley, Phillipa

Neuanfang in Porthmellow


gut

Kein Highlight, als Urlaubslektüre okay

Vier Personen treffen auf Porthmellow aufeinander. Da ist Marina, die vor 3 Jahren ihren Mann ans Meer verloren hat. Sie ist endlich wieder auf die Beine gekommen. Geholfen hat der Lehrerin, dass sie eine Station gegründet hat, die die Strände und das Meer überwacht, um hilfebedürftige Personen an die Seenotrettung melden zu können. Bei ihr schlüpft ihre Cousine Tiff unter, die nach einem Skandal sowohl den Job als auch den Partner verloren hat. Ihre Nachbarn sind der schweigsame Lachlan und der launische Dirk. Lachlan hat sich nach einem traumatischen Erlebnis auf die Insel zurückgezogen. Dirk hat es vor Jahren, nach der Trennung von seiner Frau, nach Porthmellow verschlagen.

Das Buch ist eine nette Urlaubslektüre. Die Menschen sind nett, die Gegend ist toll. Aber es war mir ein wenig zu seicht. Obwohl in dem Buch problematische Themen angesprochen werden, bin ich die ganze Zeit an der Oberfläche des Geschriebenen geblieben und fühlte mich nicht mitten drin im Geschehen. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Buch nicht in der Ich-Erzähler Perspektive geschrieben ist. Daher spürte ich die Gefühle der Figuren nicht und sie blieben mir fremd.

Zu Beginn von „Neuanfang in Porthmellow“ von Phillipa Ashley haben mir die Figuren gefallen und ich fand sie in weiten Teilen sympathisch. Doch leider ist das nicht so geblieben. Gerade die beiden Frauen wurden mir im Laufe der Geschichte immer unsympathischer. Dachte ich einige Kapitel lang, dass ich die Reaktionen der beiden Frauen zwar nicht nachempfinden kann, aber jeder Mensch halt anders reagiert, so merkte ich irgendwann, dass mich das Verhalten von Marina und Tiff wütend machte. Das führte dazu, dass ich sie nicht mehr leiden konnte. Den Langmut von Dirk und Lachlan gegenüber den beiden Frauen fand ich bewundernswert, jedoch nicht realistisch.

Die Ereignisse in dem Buch waren für mich sehr vorhersehbar. Doch das fand ich okay und in weiten Teilen auch normal für einen Liebesroman. Es ist ein nettes Buch, um es im Urlaub am Strand zu lesen. Aber insgesamt werde ich es schnell wieder vergessen haben.

Am Ende des Romans war ich traurig, dass er mir nicht so gut, wie erhofft, gefallen hat. Bei einem Liebesroman erwarte ich keine Tiefe. Jedoch Figuren, die ich mag und denen ich Liebe und Glück wünsche. Das war in diesem Buch leider nicht der Fall. Dazu kommt, dass ich die Dialoge oft als gestelzt und unnatürlich empfunden habe.

Bewertung vom 23.06.2021
Alle Farben des Regens
Winter, Jessica

Alle Farben des Regens


ausgezeichnet

Eine wunderschöne Geschichte

Als Arya und Kasey sich kennenlernen, ist Arya gerade einmal 7 Jahre alt. Sie werden beste Freunde. Doch als Arya 17 Jahre alt ist, verschwindet Kasey aus ihrem Leben und lässt sie mit einem gebrochenen Herzen zurück. Sieben Jahre später steht er plötzlich wieder vor ihr. Er und seine beiden kleinen Kinder…

Eine Stärke des Buches „Alle Farben des Regens“ von Jessica Winter ist die liebevolle Ausarbeitung der Figuren. Die meisten Personen habe ich umgehend in mein Herz geschlossen. Auch die Bösewichte der Geschichte sind gut ausgearbeitet. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Figuren Dialoge führen, wie sie auch bei mir oder dir stattfinden könnten. Besonders die Kinder reden, wie Kinder es nun einmal tun. In vielen Büchern wirken gerade die Aussagen von Kindern sehr unnatürlich. Doch in diesem Buch sagen sie genau die Dinge, die ich von Kindern erwarten würde. Toll!

Das Buch beschäftigt sich mit ernsten Themen, wie Tod, Verlust, häusliche Gewalt und toxische Beziehungen, ohne mich als Leserin damit herunterzuziehen oder die Geschichte zu überladen. Die Probleme, die aus diesen Situationen entstehen, werden deutlich. Die Autorin zeigt jedoch auch, dass es ein „Danach“ gibt und wir nicht in diesen schwierigen Situationen stecken bleiben müssen.

Die große Verbundenheit und die tiefen Gefühle, die Arya und Kasey schon seit Kindertagen füreinander haben, sind sehr gut herausgearbeitet. Besonders gelungen sind dabei die Kapitel, die mich als Leserin in die Vergangenheit der beiden Hauptfiguren führen. Dadurch wächst mein Verständnis für die beiden Personen.

Das Buch hat mich eine große Palette an Gefühlen durchleben lassen. Ich war traurig, glücklich, wütend, habe gelacht, mitgefiebert und noch vieles mehr. Wer einen schönen Liebesroman mit tollen Menschen lesen will, ist hier genau richtig.

Bewertung vom 19.06.2021
Emanio - Der Schöne und das Biest
Gozdek, Nicole

Emanio - Der Schöne und das Biest


ausgezeichnet

Zu Beginn war ich skeptisch...

Emanio führt als Sohn des Herzogs, in dessen Abwesenheit, die Amtsgeschäfte, um sich auf seine spätere Aufgabe vorzubereiten. Dabei versucht er, stets gütig und gerecht zu sein und sich um die Bewohner des Herzogtums zu kümmern. Doch der Ruf, den er hinter seinem Rücken hat, ist ein ganz anderer. Er gilt als Mädchen- und Frauenverführer und Schänder. Die Frauen lässt er nach einer Liebesnacht mit ihren Nöten und Problemen allein. Aus diesem Grunde verflucht ihn eines Tages eine Hexe. Fortan muss er sein Leben als Biest fristen. Wenn er die wahre Liebe bis zur Wintersonnenwende findet, wird der Fluch gebrochen. Ansonsten muss er den Rest seines Lebens als Biest verbringen…

Ich denke, fast jede Leserin wird schon einmal eine Version von „Die Schöne und das Biest“ gelesen oder verfilmt gesehen haben. Zu Beginn des Buches „Emanio – Der Schöne und das Biest“ von Nicole Gozdek hat mich verwirrt, dass Emanio so gut, ehrlich und edel wirkte. Das stimmte nicht mit meinen Erinnerungen an das Original-Märchen überein. Im Laufe der ersten Kapitel ist mir dann klar geworden, dass der Grund dafür ist, dass wir hier die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt bekommen. Zum einen aus der Sicht von Emanio, der durch den Fluch verwandelt wird, und zum anderen aus der Perspektive von Lerio, einem Gestaltwandler, der über den Fürstensohn wachen und auf ihn aufpassen soll.

Skeptisch war ich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die Liebesgeschichte mich überzeugen würde. Doch die Autorin erzählt diese mit so viel Gefühl und Wärme, dass auch ich mich im Laufe des Buches für die beiden Liebenden erwärmt habe und mir keine bessere Wahl vorstellen konnte.

Das Buch erzählt eine rundum gelungene Geschichte. Dabei gelingt es Nicole Gozdek dem Erzählten Tiefe zu verleihen. Die Figuren konnte ich mir lebhaft vorstellen – von den Haupt- bis zu den kleinsten Nebenfiguren. Genauso wie ich den Hof mit seinen vielen Zimmern, die Jagdgebiete, das Tierreservat und alles andere vor meinen Augen sehen konnte.

Das Buch ist an 2 – 3 Stellen zu ausführlich geraten. Insgesamt führte die Geschichte jedoch zu einer enormen Lesesucht bei mir und hat mich in das Herzogtum hineingesogen und mich erst wieder losgelassen, als ich am Ende des Buches angekommen war. Und auch das Ende ist für meinen Geschmack rundum gelungen. So erzählerisch dichte Geschichten möchte ich unbedingt öfter lesen.

Bewertung vom 14.06.2021
Bittersüßer Tod / Adria mortale Bd.1
Giovanni, Margherita

Bittersüßer Tod / Adria mortale Bd.1


ausgezeichnet

Klassischer Whodunit-Krimi

Der Lehrer eines kleinen italienischen Ortes wird tot aufgefunden. Verdächtige gibt es mehr als genug. Denn Kilian Rossi war weder bei den Einwohnern des Dorfes noch bei den wenigen Touristen sonderlich beliebt. Die Wirtin seiner Pension, Federica Pellegrini, und der von außen hinzugezogene Commissario Garibaldi haben mit der Aufklärung der Umstände, die zum Tode des Lehrers geführt haben, alle Hände voll zu tun.

„Adria Mortale“ ist genau so, wie ich Krimis mag. Die Autorin Margherita Giovanni stellt uns das spätere Opfer, den Lehrer Kilian Rossi, vor. Wir erleben ihn im Umgang mit den Touristen, seiner Pensionswirtin und vielen Personen, die in dem kleinen italienischen Ort leben. Dabei wird schnell klar, dass Herr Rossi sich nicht darum bemüht, mit seinen Mitmenschen gut auszukommen. Ich habe es sehr genossen, wie hier von der Autorin nach und nach jede Menge spätere Verdächtige aufgebaut werden.

Dazu liefert sie uns ein touristisch noch wenig erschlossenes Italien im Sommer 1958. Dabei kam bei mir sehr schnell ein Urlaubsgefühl auf. Sommer, Sonne, Meer, italienischer Wein und italienisches Essen. Da ist das Fernweh nicht weit. Leider führt die Autorin die Beschreibungen, die das typisch italienische Flair erzeugen, nach meiner Ansicht ein wenig zu ausführlich aus. Das ist jedoch auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich habe.

Durch die vielen Verdächtigen war dieses Buch für mich ein heiteres Rätselraten. Jeder scheint ein Motiv zu haben, alle Lügen wie gedruckt und jeder verdächtigt jeden. Ich liebe die klassischen Whodunit-Krimis, in denen jede Menge Fährten gelegt und widerlegt werden. Es passiert ständig etwas Neues und wir erfahren nach und nach immer mehr Geheimnisse der Figuren.

Besonderen Spaß hat es mir gemacht, die Wirtin der Pension und den Commissario Garibaldi zu verfolgen. Sie ergänzen sich sehr gut und obwohl gerade der Commissario manchmal vom Übereifer der Wirtin, genervt ist, entsteht immer wieder der Eindruck, dass beide einander nicht abgeneigt sind.

Die Auflösung hat mir sehr gut gefallen. Zum Teil hatte ich sie mir schon genauso gedacht, was meiner Lesefreude jedoch keinen Abbruch getan hat. Im Gegenteil fand ich sie sehr stimmig. Auch die Verwicklungen und Verfolgungen gegen Ende waren gut inszeniert und sehr glaubhaft.

„Adria Mortale“ ist ein Krimi, der mich sehr gut unterhalten und mir viel Spaß bereitet hat. Gerne würde ich einen weiteren Fall mit den beiden Hauptfiguren lesen.

Bewertung vom 07.06.2021
Verflucht / Underworld Chronicles Bd.1
May, Jackie

Verflucht / Underworld Chronicles Bd.1


ausgezeichnet

Band 2 ist schon vorbestellt

Das Leben hat es bislang nicht gut mit Nora Jacobs gemeint. Doch zum Glück besitzt sie ein inneres Frühwarnsystem, dass sich meldet, wenn ihr Gefahr droht. Als sie eines Abends mit dem Bus auf dem Weg nach Hause ist, springt eben dieses an. Doch leider merkt sie zu spät, dass die Gefahr vom psychopathischen Sohn ihres Vermieters und seinem Freund Parker ausgeht. Um die beiden loszuwerden, schlägt sie vor, in den Nachtclub „Underworld“ zu gehen. Denn was die Menschen normalerweise nicht wissen, ist, dass sich in diesem Nachtclub die Wesen der Unterwelt vergnügen…

Ich habe mich riesig gefreut, dass ich endlich einmal wieder auf ein Buch gestoßen bin, indem Vampire, Werwölfe, Magier, Trolle, Succubi, Feen und noch viele andere Wesen eine Rolle spielen. Es gab eine Zeit, da habe ich sehr viele Bücher gelesen, die in dieser Welt spielten. Und genau an diese Bücher musste ich beim Buch „Underworld Chronicles – Verflucht“ von Jackie May auch immer wieder denken. Die Bücher von Lara Adrian, Larissa Ione, Alexandra Ivy, Nalini Singh habe ich geradezu verschlungen. Doch diese Bücher richteten sich an erwachsene Leserinnen und erotische Szenen waren ein fester Bestandteil der Geschichten. Die „Underworld Chronicles“ richten sich an junge Lesende ab 16 Jahren. Erotik wird angedeutet, thematisiert und tritt in Form von Symbolen, wie z. B. das Trinken von Blut, auf, wird jedoch nicht explizit beschrieben. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nora tritt im Laufe des Buches in Kontakt mit den Wesen der Unterwelt und es wird immer deutlicher, dass sie kein normaler Mensch ist. Sie hilft dabei, eine Vermisste dieser Welt zu finden. Das ist sehr spannend erzählt und ich fand die eine oder andere Szene auch recht gruselig. Da der Humor jedoch nicht zu kurz kommt, lassen sich auch die Szenen, in denen die Nerven zum Zerreißen gespannt sind, gut lesen.

Während des Schmökerns hat mich am meisten interessiert, ob die Wesen der Unterwelt es mit Hilfe von Nora schaffen, die Vermissten zu finden und zu befreien. Immer neugieriger bin ich auch bei der Frage geworden, was an Nora so besonderes ist und warum sie besondere Fähigkeiten hat. Und natürlich frage ich mich, ist sie eine Mischung aus Unterweltwesen und Mensch? Wenn ja, welches? Dazu kommt der Punkt, der mir lange keine Ruhe gelassen hat. Wird es einem der männlichen Wesen gelingen, Noras Herz zu erobern? Wenn ja, wem?

Okay, ich gebe zu, ich stehe auf die Mischung des Buches. Verbotene, gefährliche Wesen, eine spannende Kriminalstory, eine außergewöhnliche Liebe, die in der Luft hängt oder Teil des Buches ist. Jackie May hat es geschafft, mich gut zu unterhalten und mich neugierig auf die weitere Geschichte zu machen. Deshalb habe ich umgehend, nachdem ich Teil 1 beendet hatte, den zweiten Band vorbestellt.

Bewertung vom 05.06.2021
Das Leben ist ein Fest
Berest, Claire

Das Leben ist ein Fest


sehr gut

Faszinierender Einblick in die Gefühlswelt von Frida Kahlo

Frida Kahlo ist noch eine Teenagerin, als sie bei einem Busunglück so stark verletzt wird, dass sie ein Leben lang unter den Nachwirkungen und Schmerzen leidet. Doch sie schafft es, entgegen aller Prophezeiungen der Ärzte, das Bett wieder zu verlassen und wieder zu laufen. Zur Verarbeitung ihres Traumas beginnt sie zu malen. Diese Bilder zeigt sie Diego Rivera und eine der großen Künstler-Liebesgeschichten des letzten Jahrhunderts nimmt ihren Lauf…

Sprach- und bildgewaltig schildert uns die Autorin Claire Berest in ihrem Roman „Das Leben ist ein Fest“ das Leben und Lieben der Künstlerin Frida Kahlo. Wir befinden uns in der Gefühls- und Gedankenwelt der großen mexikanischen Malerin. Und in dieser Innenwelt der Frida Kahlo bin ich immer wieder komplett versunken während des Lesens.

Einzelne Szenen sind so poetisch und doch eindringlich geschildert, dass sie starken Eindruck auf mich gemacht haben. Denn ich denke, es ist eine Kunst, Szenen so plastisch bzw. fassbar darzustellen, dass ich als Leserin die Bilder sehen, die Gefühle spüren, die Ereignisse empfinden kann. Als Beispiele möchte ich zu Beginn des Buches den Busunfall, bei dem Frida so schwer verletzt wurde, ebenso nennen, wie gegen Ende des Buches die erste Ausstellung von Fridas Werken in Mexiko. Das sind wirklich grandios geschriebene Szenen.

Gehadert habe ich mit den Zeitsprüngen während der ersten Hälfte des Buches. Diese haben meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen und dadurch wurde mir ein tiefes Eintauchen in die jeweiligen Passagen erschwert. Im dritten Abschnitt war mir der ansonsten tolle Schreibstil teilweise zu künstlerisch und abstrakt. Dadurch fiel es mir schwerer, mich auf diesen Abschnitt einzulassen, denn er war für mich schlecht fassbar.

Inhaltlich habe ich festgestellt, dass mir die Personen Frida Kahlo und Diego Rivera, wie sie in dem Buch beschrieben werden, nicht sympathisch waren. Sie ist viel zu abhängig, geradezu besessen von diesem Mann, der ihr viel Leid beschert. Er wird immer wieder als grandioser Fabulierer und Lügner beschrieben, der eine magnetische Macht auf Frauen ausübt. Zusammen wirkten sie oft wie eine Inszenierung auf mich und nicht sehr authentisch. Doch ich muss die Personen nicht mögen, um ihre Kunst genießen und lieben zu können. Und große Künstler waren die beiden gewiss.

Bewertung vom 04.06.2021
Stunden des Aufbruchs / Berlin-Saga Bd.1
Konstantin, Nina

Stunden des Aufbruchs / Berlin-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Anders als erwartet, aber sehr spannend

Berlin 1951: Die 19-jährige Charlotte ist nach dem Krieg bei Onkel und Tante untergekommen. Als ihr Onkel sich sexuell an ihr vergehen will, schlägt sie ihn nieder und flieht. Zum Glück läuft sie dem amerikanischen Militärpolizisten Timothy DeWindt über den Weg, der sie bei sich aufnimmt. Als er mit den Ermittlungen an dem Mord eines amerikanischen Piloten nicht weiterkommt, nimmt Charlotte eine Arbeit im Nachtclub Midnight an, um für Timothy zu spionieren.

Das Berlin von 1951, das uns die Autorin Nina Konstantin in „Stunden des Aufbruchs“ präsentiert, ist ein hartes, dunkles Berlin. Die Menschen leiden unter den Nachwehen des 2. Weltkrieges. Sie versuchen sich aus Elend und Armut herauszuarbeiten. Die einen mit ehrlicher Arbeit, die anderen mit dem Schmuggeln aller möglichen Waren. Doch sie alle vereint der Traum von einem besseren, sorgenfreien Leben.

Aufgrund des Klappentextes habe ich mit einem fröhlichen, bunten Buch gerechnet. Doch das Buch fing schon sehr ernst an. Charlotte darf in der Fabrik die Schichten der Tante übernehmen, den erarbeiteten Lohn muss sie jedoch vollständig Zuhause abliefern. Und schließlich nähert sich ihr der Onkel immer gezielter unsittlich. Doch Charlotte ist stark und mutig, aber auch unerfahren und neugierig. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben. Dabei hilft ihr der US-Militärpolizist Timothy, der ein einsamer Wolf ist, jedoch das Herz am rechten Fleck hat.

Die Autorin beschreibt sehr schön, wie Charlotte, in dem Jahr, in dem der Roman spielt, von einem naiven, unbedarften Mädchen zu einer kreativen, selbstbewussten Frau heranwächst. Sowohl Charlotte als auch Vera, die Nachclubbesitzerin, wünschen sich ein selbstbestimmtes, freies Leben. Damit ecken sie aber bei den Männern um sie herum immer wieder an. Mussten die Frauen im Krieg zusehen, wie sie sich und die ihren am Leben halten, so sollen sie nun wieder in die zweite Reihe treten und den Männern die Führung überlassen.

Insgesamt macht die Mischung aus diesem Buch etwas Besonderes. Ein wenig Gangsteratmosphäre, ein wenig eine Reise in die Möglichkeiten der 50er Jahre, aber auch der Kampf der Frau für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben. Mir hat sehr gefallen, dass Nina Konstantin die Zeit nicht einfach verklärt, sondern auch zeigt, welche Probleme zu bewältigen waren oder wie manch einer vom Schwarzmarkt profitierte und ganz nach oben kommen wollte.