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MaWiOr
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Halle

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Insgesamt 3704 Bewertungen
Bewertung vom 17.11.2023
Venezia 500

Venezia 500


ausgezeichnet

In der Frührenaissance entstand die venezianische Malerei, auch venezianische Schule genannt, und entfaltete sich im 15./16. Jahrhundert auf dem Gebiet der Republik Venedig. Ihre namhaftesten Vertreter waren Bellini, Giorgione, Palma il Vecchio, Veronese, Tintoretto oder Tizian, wobei nicht alle Maler der selber aus Venedig stammten. Das Hauptmerkmal der venezianischen Malerei war die Farbigkeit der Gemälde. Die bevorzugten Sujéts waren keine Ikonographien, sondern man erfand neue poetische Themen.

Diese sanfte Revolution in der Malerei präsentiert die Ausstellung „Venezia 500“ in der Alten Pinakothek München (27.10.2023 bis 04.02.2024). Sie vereint 15 Meisterwerke der Münchner Sammlung mit rund 70 internationalen Leihgaben und konzentriert sich dabei auf Porträts und Landschaften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Katalog zu dieser beeindruckenden Ausstellung erschienen. Im Essayteil, in dem die Abbildungen der Ausstellungswerke und andere Abbildungen einbezogen sind, berichten international renommierte Kunsthistoriker*innen über die aktuelle Forschung zur venezianischen Malerei – u.a. „Wie der Traum von Arkadien die Landschafts- und Porträtmalerei revolutionierte“, über das „Venezianische Bildkonzept und seine Wurzeln in der spätmittelalterlichen Frömmigkeit“ oder über „Venezianische Frauenporträts und das lyrische Menschenbild des Giorgionismo“. Ein Stadtplan und ein Zeitstrahl Venedigs geben bereits am Anfang einen historischen Überblick.

Fazit: Ausstellung und Katalog beleuchten diese markante Umbruchszeit und zeigen die bahnbrechenden Neuerungen der venezianischen Malerei, die bis weit in die Moderne nachwirkten.

Bewertung vom 14.11.2023
Ins Reine
Krüger, Michael

Ins Reine


ausgezeichnet

Der Schriftsteller Michael Krüger, der über Jahrzehnte den Hanser Verlag geleitet hat, ist auch als Lyriker und Essayist bekannt. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt.

Das vorliegende Hörbuch (Spieldauer über 6 Stunden) zu seinem 80. Geburtstag präsen-tiert 233 (!) Hörbeispiele, meist Gedichte aus Lyrikbänden aus den unterschiedlichsten Schaffensperioden des Autors – von „Die Dronte. Gedichte“ (1985) bis „Im Wald, im Holz-haus. Gedichte“ (2021). Krügers lässt in seinen Gedichten die Dinge und seine Wahrnehmungen sprechen, ohne sie dem Leser (Hörer) aufzudrängen. Es sind sehr persönliche Gedichte, die einen Naturbezug haben, an Momente der Vergangenheit erinnern oder Zukunftsvisionen erörtern – einmal ironisch, politisch, poetisch und dann geheimnisvoll. Hier vereinen sich Kraft, Verpflichtung, Zuversicht und Poesie. Viele Gedichte sind auch europäischen Städten gewidmet, von Odessa über Sarajevo, Chur, London bis Leipzig und Gdansk.

Neben den Gedichten sind auch Prosatexte vertreten – z.B. „Das Ungeplante zulassen. Eine Verteidigung des Dichterischen. Münchner Reden zur Poesie“. Michael Krüger, ein Verleger, der Gedichte schreibt und der weiß, wie man sie liest. Ein Hörerlebnis.

Bewertung vom 13.11.2023
Unser Leben mit Werder
Schalz, Daniel

Unser Leben mit Werder


ausgezeichnet

Werder Bremen, 1899 gegründet, kann im nächsten auf eine 125jährige Tradition zurückblicken. Das werden Zehntausende Fans feiern, die bei Wind und Wetter ins Weserstation pilgern. Weltweit sind bereits hunderte Fanclubs mit tausenden Mitgliedern registriert, um so ihre Verbundenheit mit dem Fußballverein zu dokumentieren.

Zum bevorstehenden Jubiläum ist nun eine Neuerscheinung erschienen, in der Fans von dieser Verbundenheit erzählen. Zu den prominenten Fans gehören u.a. Arnd Zeigler, Wigald Boning, Bärbel Schäfer, Florian Kohfeldt, Henning Scherf oder Willi Lemke. Mit anderen namenlosen Fans teilen sie die Leidenschaft für Werder. Es sind oft ungewöhnliche, ja abenteuerliche Geschichten, die die Fans erzählen – z.B. mit dem Auto zum Auswärtsspiel ins norwegische Trondheim, Meisterschaft im Taubenzüchter-Verein oder auf Kreta mit dem Werder-Virus infiziert. Natürlich kommen auch ehemalige Werder-Profis zu Wort, wie Willi Schröder, Rudi Völler oder Claudio Pizarro. Auch an große Siege, Meisterfeiern und herbe Pleiten wird erinnert. Das Fan-Buch ist außerdem mit zahlreichen (auch privaten) Fotos ausgestattet

Bewertung vom 13.11.2023
Rilke. Der ferne Magier
Decker, Gunnar

Rilke. Der ferne Magier


ausgezeichnet

Rainer Maria Rilke (1875-1926) gilt als einer der einflussreichsten Lyriker des frühen 20. Jahrhunderts. Seine frühen Werke waren noch stark vom Jugendstil und vom Impressionismus geprägt. Später wandte er sich dem Symbolismus und der Moderne zu. Sein Leben war von vielen Veränderungen geprägt, die auch sein literarisches Schaffen beeinflusst haben.

Der Schriftsteller und Journalist Gunnar Decker, der schon mehrfach Biografien vorgelegt hat (u.a. über Franz Fühmann, Hermann Hesse oder Ernst Barlach) widmet sich in seinem neuen Buch Rilke als „fernen Magier“. In acht umfangreichen Kapiteln beleuchtet er Rilkes Leben von dem Elternhaus, der Prager Kindheit, Schulzeit, Studium und Militärdienst über die ersten literarischen Arbeiten, sein Versuch, ein bürgerliches Leben zu führen, die Ehe mit der Bildhauerin und Malerin Clara Westhoff, seine Jahre in Paris, wo seine bedeutendsten Werke entstanden bis zu seiner Schaffensphase in der Schweiz und seiner Erkrankung und schließlich seinem Tod am 29. Dezember 1926.

Die Biografie stellt Rilke als modernen Mystiker vor, als „einen Beschwörer der Als-ob-Existenz Gottes“, der am Ende seines Lebens ein französischer Dichter werden will. Doch in der Hauptsache wird der Mensch Rilke sichtbar. So findet Decker auch kritische Worte, wenn es um Rilkes Beziehungen zu anderen Menschen geht. Neben dem unsteten Leben Rilkes widmet sich der Autor auch immer wieder dessen vielschichtigem Werk, das sich durch sprachliche Musikalität und Flexibilität auszeichnet.

Abgerundet wird die Neuerscheinung durch zahlreiche Anmerkungen und eine Zeittafel sowie ein Personenregister, das beim Auffinden der in dieser Biographie erwähnten Personen hilfreich ist.

Bewertung vom 12.11.2023
Kafkas Kosmos
Kafka, Franz

Kafkas Kosmos


ausgezeichnet

Im nächsten Jahr, am 3. Juni 2024, begeht die literarische Welt den 100. Todestag des Schriftstellers Franz Kafka. Zu diesem Jubiläum wird es sicher zahlreiche Neuausgaben seiner Werke und andere Neuerscheinungen geben. Im Manesse Verlag ist mit einem fotokünstlerischen Bildband eine besondere Würdigung des Autors erschienen.

Franz Kafka hat seine Heimatstadt Prag selten verlassen. Noch heute gibt es in der Stadt an der Moldau 25 Adressen, die mit seiner Person verwoben sind. Der bekannte Fotograf Helmut Schlaiß hat nun eine fotografische Ortsbegehung unternommen und Kafka-Stationen in Gassen und auf Plätzen der Prager Altstadt aufgesucht und in Schwarz-Weiß-Fotos festgehalten – von seinem Geburtshaus über Kaffeehäuser, Parkanlagen oder dem weltberühmten „Goldenen Gässchen“ bis hin zum Alten Jüdischen Friedhof. Bei seinen Spaziergängen, oft durch menschenleere Gassen, entdeckte er immer weitere interessante Motive.

In seinem Vorwort betont Schlaiß, dass seine SW-Bilder natürlich nicht den ganzen Kafka-Kosmos ausloten können. Mit fotografischen Mitteln setzen sie die Orte atmosphärisch in Szene und werden dabei jeweils von Kafka-Zitaten unterstützt, die zumeist aus Kafkas Briefen und Tagebüchern sowie seinen Nachgelassenen Schriften und Fragmenten entnommen wurden. Es sind Zitate, die Kafkas Grübeln über die Welt widerspiegeln. Die Bildlegenden finden sich dann am Ende der Neuerscheinung. Fazit: Mit den stillen und nachdenklichen Fotos von Helmut Schlaiß kann man bildlich eintauchen in Kafkas Gedankenwelt.

Bewertung vom 12.11.2023
Bildband - Berge
Hüsler, Eugen E.

Bildband - Berge


ausgezeichnet

Der grandiose Bildband präsentiert faszinierende Farbfotos von der europäischen Gebirgswelt – von Spanien bis zum Kaukasus, vom Mittelmeer bis in die Arktis. All diese europäischen Gipfel von den eisgepanzerten Bergen Nordeuropas bis zu den Vulkankegeln im Atlantik werden in dieser gewichtigen (immerhin mehrere Kilos) Neuerscheinung vorgestellt.

Die europäische Bergwelt wird dabei in fünf geografische Kapitel unterteilt. Den Auftakt macht die Mitte mit den wilden Alpen und den Dolomiten – u.a. mit dem Matterhorn oder den Drei Zinnen. Aber auch die waldigen Mittelgebirge (u.a. die Zauberwelt Elbsandsteingebirge) finden bildlich Aufnahme. Die folgenden Kapitel sind den vier Himmelsrichtungen gewidmet. Im „Norden“ sind es vor allem die Norwegischen Fjorde, die im Bild festgehalten sind. Hier berühren sich Fels und Wasser. Das „Westen“-Kapitel ist vorrangig den Pyrenäen und den Azoren vorbehalten, während das „Süden“-Kapitel den Mittelmeerraum vorstellt, u.a. mit dem Ätna auf Sizilien oder mit Santorin, der Perle in der Ägäis. Das „Osten“-Kapitel führt schließlich in ein bisher wenig entdecktes Gebiet, den wilden Kaukasus, wo der Elbrus mit seinen 5.642 Metern der höchste Berg Europas ist.

Die beeindruckenden und großformatigen (ganz- oder doppelseitig) Farbaufnahmen von renommierten FotografInnen zeigen die Bergwelt bei unterschiedlichsten Jahres- oder Tageszeiten sowie bei verschiedenen Wetterphänomenen. Hier einige Highlights: die Ötztaler Gletscherlandschaft, das Mont-Blanc-Massiv in gespiegelter Ausführung, der isländische Wasserfall Godafoss im Winterkleid oder die Felsensiedlung Metéora im albanischen Pindosgebirge. Alle Kapitel werden mit einem ausführlichen Text mit Informationen zu den geologischen Besonderheiten der Gebirge eingeleitet. Ein Register am Ende erleichtert das Auffinden der einzelnen Berge und Gebirge. Der Bildband mit der prachtvollen Ausstattung ist seinen Preis durchaus wert.

Bewertung vom 11.11.2023
Mein Freund Felix
Edel, Edmund

Mein Freund Felix


ausgezeichnet

Edmund Edel (1863-1934) war nicht nur als deutsch-jüdischer Schriftsteller tätig, er gehörte auch zu den wichtigsten Illustratoren und Karikaturisten seiner Zeit. Der Quintus Verlag widmet sich seinem literarischem Werk. Nach dem schriftstellerischen Debüt, der Gesellschaftssatire „Berlin W.“ (1906), dem Berlin-Roman „Der Snob“ (1907) wird die Edmund Edel-Edition nun mit dem Roman „Mein Freund Felix“ fortgeführt, der ebenfalls in den wohlhabenden Kreisen der Berliner Gesellschaft angesiedelt ist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Felix aus begüterter Familie, der eine steile Karriere vom Banklehrling bis zum Direktor einer G.m.b.H. hingelegt hat. Der Junggeselle bewohnt eine kunstgerecht möblierte Vierzimmerwohnung. Der 33jährige kann sich ein Leben inmitten der „eleganten Nichtstuer“ im Berliner Westen leisten: Rennbahnbesuche, Theaterpremieren, Kostümbälle oder Abendgesellschaften … und dazu zahlreiche Liebesabenteuer. Seine berufliche Position steht seinem Müßiggang nicht im Wege zu stehen. Trotzdem gehört Felix mit seinen 33 Jahren bereits zum „alten Eisen“, die junge Generation, vor allem die „Tanzjungens“, machen ihm Konkurrenz bei den Damen.

Fazit: Der Roman, der im Juni 1914, also wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs erschien, zeichnet ein authentisches Bild von Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts – mit Autodroschken, Rohrpost oder U-Bahnen. Man darf auf die Fortsetzung der Edmund Edel-Werkausgabe gespannt sein.

Bewertung vom 08.11.2023
Geniale Frauen

Geniale Frauen


ausgezeichnet

Seitdem Kunst entsteht, gibt es auch Künstlerinnen, obwohl sie oft in Vergessenheit gerieten. Seit der Antike über das Mittelalter, den Barock, den Manierismus, die Renaissance, das 19. Jahrhundert und bis heute gab es weibliche Kunst. Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg präsentiert mit der Ausstellung „Geniale Frauen“ (14.10.2023 bis 28.1.2024) rund 100 Werke von erfolgreichen Hofmalerinnen, Lehrenden, Unternehmerinnen und Verlegerinnen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und beleuchtet so diese drei Jahrhunderte aus einem neuen Blickwinkel. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht dabei der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschienen, die danach im Kunstmuseum Basel (2.3. bis 30.6.2024) zu sehen sein wird. Im Essayteil beleuchten renommierte KunsthistorikerInnen die verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen, unter denen Künstlerinnen tätig waren. Die ausgestellten Werke im Katalogteil werden unter diesen Gesichtspunkten ebenfalls in unterschiedliche Themenkapitel aufgeteilt – von „Künstlerinnen am Hof“ über „Malen mit Familie“ und „Karriere vor der Ehe“ bis zu „Bewusst ohne Ehemann“. Durch die bewusste Gegenüberstellung mit Werken der Väter, Brüder, Ehemänner oder Malerkollegen eröffnen sich weitere Einblicke.

Neben einigen bekannten Künstlerinnen wie Catarina van Hemessen (1527/28-1583) oder Angelika Kauffmann (1741-1807) gibt es viele bisher weniger bekannte weibliche Künstlerpersönlichkeiten zu entdecken. Ausstellung und Katalog bietet neue Erkenntnisse zu ihrem Leben und Wirken.

Bewertung vom 06.11.2023
Auf den Spuren von Johann Sebastian Bach
Gretzschel, Matthias

Auf den Spuren von Johann Sebastian Bach


ausgezeichnet

Johann Sebastian Bach (1685-1750) gilt heute als einer der größten Komponisten aller Zeiten. Er hat Werke geschaffen, die von zeitloser Gültigkeit und Schönheit sind. Die Bedeutung des Barock-Komponisten liegt besonders in der protestantischen Kirchenmusik.

Der Schriftsteller und Theologe Matthias Gretzschel skizziert in seinem Buch „Auf den Spuren von Johann Sebastian Bach“ Leben und Werk des großen Komponisten. Zunächst beleuchtet er Herkunft, Familie, Kindheit und Schulzeit, ehe er sich den Wirkungsstätten widmet - von der ersten Organistenstelle im thüringischen Arnstadt über Lübeck, Mühlhausen, Weimar, Köthen, Hamburg, Leipzig und Dresden bis hin zu Potsdam, wo er Friedrich den Großen traf. Alle Stationen werden ausführlich und detailreich geschildert, dazu mit historischen Abbildungen illustriert.

Darüber hinaus widmet sich Gretzschel Bachs Grabstätte, denn der Komponist liegt auf keinem Friedhof. Seine letzte Ruhestätte ist heute in der Thomaskirche in Leipzig. Abschließend werden die wichtigsten Bachstätten in Text und Bild vorgestellt - von der Bachkirche in Arnstadt bis zum Bachhaus in Köthen. Ergänzt wird die Neuerscheinung durch eine Zeittafel. Fazit: Ein kompakter und doch informativer Einblick in Leben und Werk von Johann Sebastian Bach.

Bewertung vom 05.11.2023
Die schwarze Spinne
Gotthelf, Jeremias;Theisohn, Philipp

Die schwarze Spinne


ausgezeichnet

Der Schweizer Schriftsteller und Pfarrer Jeremias Gotthelf (eigentlich Albert Bitzius, 1797-1854) hat neben seinen bekannten Bildungsromanen „Uli der Knecht“ und „Uli der Pächter“ auch zahlreiche Erzählungen geschrieben. Der Diogenes-Band versammelt eine Auswahl seiner bekanntesten Geschichten.

In der Auftaktgeschichte „Die Wassernot im Emmental am 13. August 1837“ gibt Gotthelf eine präzise Darstellung einer Hochwasserkatastrophe; mit gewaltiger Sprache lieferte er eine der eindrucksvollsten Schilderungen einer Naturkatastrophe in der deutschen Literatur. In „Wie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkommen“ beobachtet ein Geschäftsreisender in der Gaststube eines Berner Wirtshauses fünf branntweinsüchtige Mädchen. Gotthelf spricht hier das konkrete soziale Problem des Alkoholkonsums an.

Joggeli, ein junger Bauer verkleidet sich in „Wie Joggeli eine Frau sucht“ als Kesselflicker und begibt sich auf Brautschau. Er schaut sich unter den Töchtern des Landes um und findet am Ende tatsächlich die ahnungslose Richtige. „Die schwarze Spinne“ ist Gotthelfs bekannteste Geschichte. Die Rahmenhandlung bildet ein Tauffest einer gottesfürchtigen Familie im Emmental, darin eingebettet sind zwei Binnengeschichten, die vom zweimaligen Auftreten einer teuflischen schwarzen todbringenden Spinne erzählen, zuerst zur Zeit der Kreuzritter und Kreuzzüge im 13. Jahrhundert, ein weiteres Mal in der frühen Neuzeit des 15. Jahrhunderts. Die abschließende Geschichte „Elsi, die seltsame Magd“ erzählt von einer Müllerstochter, die nach dem Tod ihrer lieben Mutter das Vaterhaus verlässt und von einem Bauern als Magd aufgenommen wird. Wegen ihrer stillen und „adelichen“ Art wird sie von den Dorfbewohnern allerdings gemieden.

Ergänzt wird die Diogenes-Ausgabe durch zehn Kalendergeschichten Gotthelfs, ein Nachwort „Gestatten, Gotthelf, vormals Bitzius“ von Nora Gomringer und ein umfangreiches Glossar zum besseren Verständnis. Fazit: Ein willkommener Einstieg in das Werk von Jeremias Gotthelf. Der Diogenes Verlag lässt demnächst die beide „Uli“-Romane folgen.