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rewa
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wien

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Insgesamt 388 Bewertungen
Bewertung vom 16.06.2019
Leben mal sieben / Französisch von unten Bd.1
Gogolin, Wolfgang A.

Leben mal sieben / Französisch von unten Bd.1


sehr gut

Nicht nur die Bewohner in dem kleinen französischen Fischerdorf Arnaud sind in Aufruhr, sondern auch der Kater Merlin, der stets auf der Suche nach Futter ist und nie gedacht hätte, dass er in den nächsten 5 Tagen, dank der Göttin Isis, seine sprichwörtlichen 7 Leben verbrauchen würde. Völlig aus den Fugen gerät auch das Leben des langweiligen Buchhalters Juste Simon, der nach einem Autounfall plötzlich blaue Zahlen auf der Stirn von Menschen sehen kann und er bald feststellt, was diese bedeuten. Immer noch traurig darüber, dass er von seiner Frau Marguerite geschieden ist und er es auch furchtbar findet, dass der skrupellose Bürgermeister Laval den Kindergarten, in dem seine Ex Frau arbeitet, schließen will und ebenso die marode Kirche zu Gunsten eines Bordelles weichen soll, beschließt er dank seiner ungewöhnlichen Fähigkeit etwas gegen diese Ungerechtigkeit zu unternehmen. Dass es nach 5 ereignisreichen Tagen, in denen die Bewohner von Arnaud viele ungewöhnliche Dinge erleben werden, es einige menschliche und tierische Todesopfer gibt, hätte wohl niemand gedacht.
,, Französisch von unten - Leben mal sieben´´ ist der erste Band der Trilogie vom Autor Wolfgang A. Gogolin. Der Roman erzählt die nicht ganz ernst zu nehmende Geschichte des Katers Merlin und den skurrilen Bewohnern von Arnaud. Gleich zur Erklärung bezüglich der 7 Leben des Katers ist zu erwähnen, dass es sich um verschiedene Wiedergeburten handelt. Da der Klappentext etwas anderes vermuten lässt , könnten dabei Leser eine andere Erwartung haben und dadurch enttäuscht sein, wenn es sechs Mal zu Sterbeszenen kommt. Mir hat die gemütliche Art und Weise gefallen, wie das Leben in dem kleinen Fischerdorf abläuft. Die Beschreibungen wie sich die Bekannten im Bistro treffen, wie sich die Menschen auf den Straßen begegen haben ein gemütliches Flair entstehen lassen. Manche der Protagonisten kann man durchaus als etwas seltsam und schrullig bezeichnen und man muss viele Szenen mit einem großen Augenzwinkern betrachten.Aber nicht nur humorvoll, sondern manchmal auch ein wenig philosophisch werden dabei die Geschichten erzählt. Da es ein Roman ist der von Wiedergeburt, unheimlichen Erscheinungen und Stimmen im Kopf erzählt, sollte man sich als Leser darauf einlassen können. Die Geschichte ist mit Humor, herrlichen Dialogen und Slapstick Einlagen garniert. Es gibt sowohl tote Menschen als auch tote Tiere und manche Szenen, sind durchaus auch blutig, wer damit nicht klar kommt, sollte den Roman nicht lesen. Ich bin auch gegen Gewalt und tote Tiere mag ich auch nicht, aber hier habe ich den gesamten Kontext hergenommen, wie der Roman geschrieben ist und wovon er handelt. Jeder der Bewohner hat seine Eigenheit, seine Probleme, Sorgen und Wünsche. Deshalb sollte man auch hinter die Geschichte blicken, wo die scheinbar heile Welt oft hinter verborgenen Türen ganz anders aussieht. Der erste Band ist zwar abgeschlossen, aber man wird sicher von neuen Abenteuern von Merlin und den Bewohnern von Arnaud in den beiden anderen Bänden erfahren.

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Bewertung vom 15.06.2019
Was die Gottlosen planen / Laurenz Broich Bd.1
Mahlmann, Magnus

Was die Gottlosen planen / Laurenz Broich Bd.1


ausgezeichnet

Gefängnispfarrer Laurenz Broich wird ausgerechnet nach Köln in sein Heimatveedel als Pastor versetzt. Dort leben seine Schwester Linda, die die Familien Detektei übernommen hat mit ihrem an Demenz leidenden Großvater Eberhard. Ein wenig überfordert ist Laurenz mit der energischen Charity-Lady Birte Molzhagen, die sich nicht nur ehrenamtlich bei der Nachbarschaftshilfe engagiert, sondern die auch für den neuen Pastor das Pfarrhaus renovieren lassen möchte. Bald schon kommt Laurenz in einen Gewissenskonflikt als er erfährt, dass seine Schwester im Auftrag von Martin Molzhagen dessen Frau Birte observieren muss, um diese der Untreue zu überführen. Als kurz daruf ein Mord passiert müssen Linda und Laurenz erkennen, dass so mancher ein unlauteres Spiel spielt und sie gemeinsam versuchen müssen, schlimmeres zu verhindern. Zum Glück haben sie auch noch Olek, den Laurenz aus dem Gefängnis her kennt, der nun bei ihnen wohnt und sich um den Haushalt und Opa Eberhard kümmert. Denn geheimnisvolle Nachrichten, die ihren Großvater betreffen, sind mysteriös und besorgniserregend.
,, Was die Gottlosen planen´´ ist der erste und bestimmt nicht letzte Fall des Pfarrers Laurenz Broich. Der Autor Magnus Mahlmann hat eine spannende, auch humorvolle und schöne Geschichte rund um Laurenz und seiner Familie geschrieben. Seine beiden Protagonisten Laurenz und Linda kommen sehr sympathisch rüber, auch wenn gerade zu Beginn sich die Freude über ein Wiedersehen in Grenzen hält. Sie, die die langjährige Familientradition in einer Detektei zu arbeiten aufrecht erhält und er, der ganz aus der Reihe schlägt und sich nie dafür interessiert hat. Dabei hat der Autor schöne und auch witzige Dialoge für beide parat, wenn sie sich gegenseitig ihren Beruf madig machen, aber auch wenn emotionale Gespräche über die Familie, ihre Enttäuschungen im Leben, zur Sprache kommen, fühlt man sich als Leser gut unterhalten. Es ist ein Roman, der nicht durch übermäßige Brutalität oder viele aufregende Szenen besticht, sondern der eher in ruhiger Art und Weise Gefühle und Emotionen rüberbringt. Mich hat es auch gar nicht gestört, dass man ca. ab der Mitte schon weiß, wer der Mörder ist, weil danach noch spannende und unerwartete Szenen kommen. Auch die Nebenprotagonisten wie der ehemalige Strafgefangene Olek, der sich zu einem tollen und hilfsbereiten Mitbewohner entwickelt hat, sowie der demente Großvater Eberhard, dem anscheinend ein düsteres Geheimnis aus seiner Vergangenheit umgibt, sowie der humorvolle Pater Matthew, runden perfekt die Geschichte ab. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Mischung zwischen feinem Zynismus, Spannung, Intriegen und menschlichen Schicksalen macht den Roman zu einem Lesevergnügen. Da die Familiengeschichte und die Geheimnisse rund um den Großvater noch nicht abgeschlossen sind, darf man sich schon auf den nächsten Fall von Pfarrer Laurenz freuen.

Bewertung vom 09.06.2019
Düsternbrook
Milberg, Axel

Düsternbrook


weniger gut

Das vornehme Kieler Villenviertel Düsternbrook, ist für viele Jahre die Heimat des jungen Axel und seiner Familie. Gemeinsam mit seinen zwei Geschwistern erlebt er alle Höhen und Tiefen, die ein neugieriger Junge haben kann, wenn er noch dazu ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern ist. Dass seine Eltern nicht immer Zeit für ihn haben und auch das Verhältnis zu ihnen nicht immer als liebevoll zu bezeichnen ist, stört ihn wenig, denn seine blühende Fantasie erlaubt es ihm, dass er an Aliens glaubt und seine schauspielerischen Fähigkeiten bei Schulaufführungen zeigen bereits seinen zukünftigen Lebensweg auf.
Der Roman ,, Düsternbrook´´des bekannten Schauspielers Axel Milberg ist eine Erzählung von vielen kurzen Geschichten aus seiner Kinder -und Jugendzeit. Es ist mir doch schwer gefallen, das Buch richtig genussvoll zu lesen. Die Geschichten sind oft einfach nur aneinander gereiht, wo man nicht genau weiß, was der Autor damit erzählen wollte. Manche Szenen hören einfach scheinbar mittendrin auf und man weiß dann nicht, wie die Geschichte weitergegangen ist. Da das Buch teilweise autobiografische Züge aufweist und dann wieder frei erfundene Handlungen hat, ist es als Leser schwer sich wirklich emotional hinein zu versetzen, weil man ja nicht weiß, was Wahrheit und was erfunden ist. Es gibt natürlich auch Erzählungen, wo sich speziell ältere Leser gerne an ihre Kindheit zurückerinnern, wenn über Poesiealben oder spezielle Süßigkeiten, die es früher gegeben hat, berichtet werden. Axel Milberg schildert manchmal auch sehr drastisch die Beziehung zwischen den Eltern untereinander und auch gegenüber ihren Kindern. Da hat man als Leser schon immer wieder den Kopf schütteln müssen, wie lieblos und grob die Beziehung war. Der Autor hat wohl mit Absicht zu Beginn die Sprache und die Gedanken des jungen Alex auf einfacher und kindlicher Art und Weise dargestellt. Gegen Ende hin als Jugendlicher und junger Erwachsener merkt man dann schon, wie die Lebenseinstellung, die Sprache und die Handlungen sich ändern. Ich habe mir eine durchgehende Geschichte mit einem roten Faden erwartet, den es aber nicht wirklich gegeben hat. Es waren interessante, humorvolle und seltsam anmutende Geschichten dabei. Trotzdem ist leider nicht wirklich der Funke übergesprungen, den ich mir erhofft habe. Es wird aber sicher Leser geben, die gerne Eintauchen in die Vergangenheit und denen die episodenhaften Geschichten gefallen.

Bewertung vom 02.06.2019
Das wiedergeborene Kind
Siems-Dahle, Martina

Das wiedergeborene Kind


sehr gut

Ein kleiner medizinischer Eingriff beim Frauenarzt, hat für Julia ungeahnte Folgen. Nach einem schrecklichen Erlebnis in ihrer Jugend und nach einem jahrelangen Aufenthalt in der Psychiatrie, holen sie die Schatten der Vergangenheit wieder ein. Es ist die verhasste Stimme in ihr, die ihr befiehlt Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht will. Immer tiefer dringt diese in ihr ein und auch die Stimme ihres bereits toten Vaters, der ihr gnadenlos immer wieder aufgezeigt hat, was passiert, wenn man sich nicht an die Bibel und Gottes Worte hält, quälen Julia so sehr, dass die Situation eskaliert, als die kleine 5 jährige Nachbarstochter Lucia plötzlich vor ihr steht.
,, Das wiedergeborene Kind´´ von Martina E. Siems- Dahle lässt den Leser in ihrem Roman an einer berührenden und furchtbaren Geschichte teilhaben. Sie beschreibt in manchmal sehr verstörenden Bildern das Leben von Julia, die seit ihrer Kindheit an mit den fanatischen und auch brutalen Methoden des gottesfürchtigen Vaters leben musste. Bereits das Cover mit dem weißen und dem schwarzen Stuhl in deren Mitte ein Kreuz hängt zeigt die Widersprüchlichkeit auf, wie weit man im Namen Gottes handeln darf. Der Vater wird von der Autorin als extrem gottesfürchtig beschrieben, wo dieser aber keine Grenzen kennt und in seinem religiösen Wahn, Julia für alles verantwortlich macht, was mit ihr passiert ist. Dass diese körperlichen und auch seelischen Quälereien aus seiner Tochter einen neurotischen, sich selbst verletzenden und geistig kranken Menschen gemacht hat, hat die Autorin sehr gut beschrieben. Es war als Leser erschütternd zu lesen, wie diese Stimmen Einfluss auf Julia genommen haben und welche Auswirkungen ihr stummer Hilfeschrei auf sich selbst gehabt hat. In dem Haus wo Julia lebt gibt es noch viele Mitbewohner, die in einem Glossar zu Beginn vorgestellt werden. Jeder hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, sei es mit Einsamkeit, verletztem Stolz oder Drogenabhängigkeit. Die kurzen Kapiteln wechseln ständig mit den verschiedenen Hausbewohnern ab, wo manche Geschichten, nicht unbedingt mit der von Julia zusammen hängen. Die Autorin lässt dabei auch immer wieder den Leser hinter die jeweiligen Türen blicken, wo mancher zwar hört, dass in der Nachbarwohnung etwas nicht stimmt, aber jeder mit sich selbst und seinen großen und kleinen Sorgen beschäftigt ist.
Der Roman ist sicher keine leichte Kost und auf drastische Art und Weise wird hier aufgezeigt, wie religiöser Wahn, geistig und körperlich, einen Menschen schaden kann.