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sommerlese
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Zu meinen Hobbies gehört Lesen einfach dazu. Meine Rezensionen erscheinen auch auf meinem Blog. Schaut doch bei Interesse mal rein! https://sommerlese.blogspot.com/
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Bewertung vom 10.01.2024
Die Insel der Pelikane
Hope, Hannah

Die Insel der Pelikane


gut

Konnte mich leider nicht mitreißen!
Bei Tinte & Feder erscheint Hannah Hopes Liebesroman "Die Insel der Pelikane" als erster Band der Reihe Geheimnisse der Brandung.

Lisas Arbeit an einem Projekt zur Umsiedelung von Halsbandsittichen in Heidelberg ist erfolgreich abgeschlossen, nun sucht sie einen neuen Job. Sie erfährt, dass braune Pelikane auf "Lobos Island", einer Insel vor dem Küstengebiet von Big Sur, vor 30 Jahren fast ausgestorben waren und sich ihre Population inzwischen wieder erholt und stabil angewachsen ist. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, aber vielleicht weiß der Leuchtturmwärter der Insel nähere Einzelheiten darüber, denn nur er darf die Insel betreten. Lisa hat Glück und bekommt von ihrem Professor weitgehende Unterstützung für einen Forschungsauftrag.

Die Szenerie der landschaftlich schönen kalifornischen Küste und das Thema um die besagte Pelikan-Population haben mich gereizt und ich wollte unbedingt mehr wissen über die Vögel und ihre Insel.


Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven beschrieben. Lisa bedient den Strang der Gegenwart und erzählt, was sie nach ihrer Ankunft in Carmel erlebt. Von Finnlay erfahren wir die Geschichte seiner Kindheit, als er mit seinem Großvater Lobos Island und die braunen Pelikane besucht und später mit seinen Eltern dort lebt. Diese Kindheit ist geprägt von der Gewalt des alkoholkranken Vaters und einer führsorglichen Mutter, die irgendwann in Depressionen versinkt und Mann und Kind verlässt. Später als Erwachsener übernimmt Finn dann den Posten als Leuchtturmwärter auf Lobos Island und trifft Lisa, die dort in Kalifornien Forschungen betreiben möchte.

Die flüssige Erzählweise macht diesen Roman leicht lesbar. Finnlays Kindheit machte mich betroffen und er bekam mein Mitgefühl, das Erlebte erklärt auch sein Verhalten und seine zurückgezogene Art. Es gibt ein dunkles Geheimnis der Insel und Lisa versucht, dahinter zu kommen. Doch sie stößt auf Widerstand. Mich konnte die Geschichte zwar unterhalten, aber irgendwie kommt die Handlung erst spät in Fahrt und wurde für mich erst zum Ende hin spannend. Davor werden Finnlays Kindheitserlebnisse auserzählt und Lisas Aufenthalt und ihre Erkundigungen plätschern ziemlich vor sich hin. Allein die schönen landschaftlichen Beschreibungen waren sehr lesenswert und sorgten für ein angenehmes Lesevergnügen.

Die im Buch vorkommenden Figuren sind ein Mix aus Gut und Böse, wobei Finn und Lisa natürlich zu den Guten gehören. Die Charakterschilderungen fand ich teilweise zu einseitig und recht klischeehaft und die Geschichte entwickelt sich sehr vorhersehbar. Außerdem scheint man es den Lesern dieses Buches nicht zuzutrauen, dass ihnen der Begriff der "Ornithologie" bekannt ist und so wird er im Text noch erklärt. Sehr seltsam finde ich auch eine Biologin, die am Meer Pelikane erforscht, sich in einem kleinen Ruderboot aufs Meer wagt und nicht einmal schwimmen kann. Aber solche Dramatik kommt scheinbar gut an und wird auch belohnt mit einem Retter, der sich mutig in die Wellen begibt.

Bei diesem Roman hatte ich auf interessante biologische Fakten über Pelikane gehofft, leider aber nicht erhalten. Und ich hatte damit gerechnet, dass Lisa und Finn gemeinsam die Pelikane beobachten und dass sich dabei eine Liebesgeschichte entwickelt. Doch die Emotionen kamen nur schwer in Fahrt und man spürt sie erst auf den letzten Seiten. Dafür lief Finnlays Kindheit wie ein Film ab und ich konnte es mir sehr genau vorstellen, was er alles durchmachen musste und deshalb die Natur und die Pelikane den Menschen vorzog. Als Lisa sich auf die Suche nach Finns Geheimnis macht, gibt es einige Personen und Widrigkeiten, die sie daran hindern wollen. Diese Intrigen und Hindernissen erscheinen zwar logisch denkbar, aber im Großen und Ganzen wirkt der Hergang doch sehr konstruiert und gipfelt in einem erlösenden und glücklichen Ende.

"Die Insel der Pelikane" liest sich flüssig und unterhaltsam, sie konnte aber leider meine Erwartungen in Bezug auf Vogelkunde und eine spannende Handlung nicht erfüllen.

Bewertung vom 08.01.2024
Eismusik
Lund, Angela

Eismusik


sehr gut

Der Lockruf des Eises
Im Droemer Verlag erscheint Angela Lunds historischer Roman "Eismusik".

Oslo, Ende des 19. Jahrhunderts: Der Zoologe und Polarforscher Fridtjof Nansen und die Sängerin Eva Sars lernen sich beim Wintersport kennen, beide haben ihre großen Träume und werden später ein Paar. Doch diese Ehe setzt beide vor Probleme, denn durch die Arktis-Expedition muss Fridtjof seine Eva für eine unbestimmte Zeit verlassen und Eva hat in dieser Ehe kaum Raum für ihren Traum von einer großen Gesangskarriere.



Für die erfolgreiche Grieg-Interpretin Eva Sars steht die Welt offen, sie möchte als Sängerin Karriere machen. Als dann Fridtjof Nansen in ihr Leben tritt, erobert dieser Abenteurer, Frauenheld und Forschergeist mit seinen Träumen und der starken Persönlichkeit ihr Herz.

In diesem Roman wird der Blick in ein vergangenes Zeitalter gelenkt, es geht um die Erforschung des Nordpols durch Fridtjof Nansen und das Leben seiner Frau Eva Sars. Die Autorin verbindet in ihrer Erzählung reale Vorgänge mit fiktiven Romanszenen und baut geschickt Zeitzeugen in die Geschichte ein.
Die landschaftlichen Beschreibungen lesen sich wunderbar und man kann sich den Anblick der Gletscher, die unendliche Weite, die große Kälte und das spezielle Licht gut vorstellen. Und auch die unterschiedlichen Stationen während der Expedition in der Arktis, die in einer dramatischen Zwei-Mann-Aktion enden, werden sehr bildhaft und realistich beschrieben. Ich habe mit den Menschen, aber auch mit den Tieren gelitten und wurde von Fridos überheblich wirkender Art auch abgestossen.

Angela Lund hat aufwendig recherchiert und beschreibt sehr anschaulich, wie der Polarforscher Fridtjof Nansen 1892 bis 1896 die Expedition zum Pol unternahm. Man kann sich anhand der gezeigten Einzelheiten und verschiedenen Abschnitte der Fram auf ihrem Weg in den hohen Norden sehr gut vorstellen, welche Schwierigkeiten ihnen im Polareis begegneten. Es ist erstaunlich, welche Willensstärke, Kraft und Ausdauer in Frido und seinem Begleiter Hjalmar Johansen gesteckt haben muss, als sie sich mit Hundeschlitten auf den Weg zum Pol machten.

Interessanterweise bringt Angela Lund mit den Schlittenhunden und ihrer Tötung auch abstossende Details zu Sprache, die ich bisher noch nie in einem Bericht über solche Expeditionen erfahren. Das macht die Handlung sehr authentisch und man kann sich die Gefühlsqualen und körperlichen Schwierigkeiten in der dauerhaften Kälte gut vorstellen.

Aber in diesem Roman spielt ja auch die Beziehung und Liebe zu Eva eine Rolle und während der einzelnen Phasen der Expedition bringen die abwechselnd eingefügten Kapitel über Eva Aufschluss darüber, wie sie in dieser Zeit ihr Leben mit Tochter Liv und Haushälterin Marthe verbringt und dabei die lange Abwesenheit Fridos während der Expedition erträgt. Glücklicherweise konnte sie durch ihre Liebe zur Musik auch damit wieder Fuß fassen, hatte Auftritte und Erfolge, dabei auch Umgang am Königshof und es machten ihr andere Männer Avancen. Doch so sehr sie auch Gefühle entwickelt hat, sie hatte sich aufs Warten auf Frido verlegt, natürlich ohne die Garantie, dass er wieder heil zurück kehren würde. Durch diese Perspektivwechsel konnte die Spannung im Buch gehalten werden. Manche Phasen fand ich etwas auserzählt, doch im Ganzen hat mich dieser Roman auf interessante Weise näher über die Expedition zum Pol und über die Beziehung des Ehepaares Nansen aufgeklärt.

Angela Lund beschreibt recht sachlich, wie die lange räumliche Trennung dem Paar zusetzt und was beide für sich in dieser Zeit erleben. Es wird deutlich, dass Eva immer wieder an der Beziehung zweifelt, sie aber aufrecht erhält und weiter auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Man ahnt, welche inneren Kämpfe sie mit sich austrägt, aber wie die Emotionen in ihr und vielleicht auch in Fridtjof toben, wird nicht mitgeteilt. Dadurch kamen mir die Figuren auch nicht sehr nah.

Auf anschauliche Weise bringt uns diese Romanbiografie Nansens Pol-Expedition und die Liebe und das Leben seiner Frau Eva Sars näher.

Bewertung vom 07.01.2024
Ausgstochen
Parker, Martina

Ausgstochen


sehr gut

Ein abwechslungsreicher Burgenlandkrimi!
Im Gmeiner Verlag erscheint mit Ausg´stochen der vierte Band der Reihe "Klub der Grünen Daumen" von Martina Parker.

Zur Eröffnung des Adventmarktes wird der Bürgermeister vermisst, dann findet man ihn als Leiche zwischen den Kufen eines Pferdeschlittens. Wer könnte der Täter sein? Ein Verdächtiger wird schnell ermittelt, aber sollte es so einfach sein? Die Polizisten Marlies und Franz machen sich zwischen den Weihnachtsmarktständen auf die Suche und werden vom Detektiv-Gartenklub unterstützt.


Dieser Regionalkrimi spielt in der Vorweihnachtszeit und inmitten eines für Beschaulichkeit sorgenden Weihnachtsmarktes platzt unvorhergesehen eine Leiche. Die Beziehungen des Toten und seiner Spezies wird nun genauer unter die Lupe genommen. Und da gibt es einige Menschen, die mit ihm nicht ganz sympathisierten.

Jedes Kapitel startet mit wissenswerten Infos über die Natur. Dieses Wissen ist zwar sehr interessant zu lesen, führt meiner Meinund nach aber weg von der eigentlichen Handlung. Der Krimi spielt sich im Südburgenland ab und es sind viele Dialoge im Dialekt vorhanden, die in Fußnoten übersetzt werden. Das hat meinen Lesefluss etwas gestört, es gibt damit aber auch den regionalen Charakter wieder. Es gibt ein reichliches Personenaufkommen, dabei hatte ich Mühe, die vielen lebendig beschriebenen Charaktere einordnen zu können. Vielleicht sorgt das Lesen der Reihen von Anfang an ja für einen besseren Durchblick. Gut gefallen hat mir der immer wieder durchscheinende Humor, der für einige Schmunzelmomente verantwortlich ist.

Der Schreibstil ist locker und durch den vielen Dialekt etwas gewöhnungsbedürftig, die Figuren sprühen vor Leben und führen in unterhaltsamer Weise durch die Handlung.

Bei den Charakteren hat man wie gesagt eine große Auswahl an unterschiedlichen Figuren. Ich mochte Großmutter Hilde und ihre Ansichten und ihr neu erwachtes Interesse für Tik Tok. Und die ermittelnden Personen erfassen nach und nach unterschiedliche Fakten, die durch die Mitglieder vom Gartenklub hilfreich ergänzt werden. Aber eine Person hat mein besonderes Interesse geweckt, es ist die Figur eines naturliebenden Öko-Städters, der aufs Land zieht, m sich dann ständig mit Anzeigen gegen die Besitzer von krähenden Hähnen und den beißenden Güllegeruch zu wehren. Kein Wunder, dass mit so einem Typen dann Konflikte entstehen, die für die Landbevölkerung nur als nervig angesehen werden.

Hier gibt es viele Nebenhandlungen, die an sich interessant sind, wie die Geschichte um ein Findelkind, die Schwangerschaft einer Person oder ein paar Liebesbriefe an eine unbekannte Dame. Doch in der Menge führen mich diese Szenen doch für einen Krimi etwas an der Sache vorbei.

Martina Parker streut dank ihrer Gartenklub-Mitglieder viel informatives Wissen rund um Garten, Pflanzen (auch giftige), sowie über einige regionale Weihnachtsbräuche in die Handlung ein. Das liest sich informativ und abwechslungsreich. Der Krimi gerät aber erst im letzten Drittel wieder soweit in Fahrt, dass ich von der Spannung mitgerissen wurde.

Den Abschluss des Buches macht ein kulinarischer Anhang in Form von regionalen Rezepten und Kochanleitungen, was den Regionalcharakter des Buches noch unterstützt.

Ein abwechslungsreicher, mit österreichischen Gebräuchen gespickter Gartenkrimi, der mich gut unterhalten hat.

Bewertung vom 04.01.2024
Großeltern

Großeltern


sehr gut

Eine wunderbare Sammlung an Geschichten über Großeltern
Im Diogenes Verlag erscheint die Anthologie "Großeltern - Geschichten über ganz besondere Menschen", ausgewählt von Ursula Baumhauer.

Wer Großeltern hat, ist ein Glückskind, denn sie sind das Salz in der Suppe der Familie! Ob sie die Eltern beim Babysitten unterstützen, es im Kinderwagen stolz spazierenfahren, Geschichten vorlesen oder nach dem Fallen liebevoll trösten, sie widmen ihm kostbare Zeit und vermitteln damit Geborgenheit und Zuneigung. Zwischen Alt und Jung gibt es aber auch gegensätzliche Ansichten, die für Zwist sorgen können. Was alles so passieren kann, wird in diesen Geschichten erzählt.

In dieser Anthologie versammeln sich siebzehn Geschichten von namhaften Autoren wie Bernhard Schlink, Amélie Nothomb, Joachim Meyerhoff, Ingrid Noll, Hans Fallada, Peter Härtling und vielen mehr.

Die verschiedenen Erzählstile und speziellen Handlungen sorgen für eine bunte Auswahl an unterschiedlichen Geschichten, die mal erfreuen, erheitern, überraschen, nachdenklich machen und auf jeden Fall unterhalten. Es werden verschiedene Beziehungen zu den Großeltern sichtbar, bei denen auch der jeweilige Zeitgeist, die Art der Beschäftigung und Zuneigung, sowie die Emotionen zwischen Großeltern und Enkelkindern deutlich wird. Manche sind weise, andere heiter, viele liebevoll und manche unvernünftig wie Kinder.
Einzelne Geschichten wecken bei mir Erinnerungen an die eigenen Großeltern, was mich etwas wehmütig stimmt, aber auch glücklich, weil ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe und mich immer wieder an die gemeinsame Zeit und schöne Erlebnisse erinnere.

Selten überzeugen in Anthologien alle Texte, aber es sind immer welche dabei, die man besonders gern liest und sich von ihnen mitreißen lässt. So ist es auch bei diesem Buch der Fall. Die einzelnen Erzählstile lesen sich abwechslungsreich und es gibt dabei Texte, die mir besonders gefallen haben. Inhaltlich konnten mich "Lieber Alter John" von Peter Härtling und "Der Enkeltrick" von Franz Hohler begeistern. Interessant ist auch Falladas "Großmutter", deren Art und Aussehen ich beim Lesen bildhaft genau vor Augen hatte. In Ingrid Nolls "Liebe auf den ersten Schrei" wird deutlich, dass auch Großeltern sich etwas von den Enkeln erhoffen, wenn auch erst Jahre später, wenn sie im Garten mithelfen können oder Auto fahren.


Diese vielseitige Sammlung an Geschichten über Großeltern unterhält wunderbar und bringt eigene Erinnerungen zurück. Ein Hoch auf die Großeltern und ihre Liebe und ihr Verständnis für die Enkelkinder!

Bewertung vom 03.01.2024
Wintermondnacht
Danz, Ella

Wintermondnacht


sehr gut

Mörderisches Klassentreffen
Zum zwölften Mal lässt Autorin Ella Danz ihren fränkischen Kommissar Georg Angermüller in ihrem neuen Krimi "Wintermondnacht" ermitteln. Die Krimireihe erscheint im Gmeiner Verlag.

Der Lübecker Kommissar Georg Angermüller verbringt die Weihnachtstage in seiner oberfränkischen Heimat Coburg bei seiner Schwester und Mutter. Dort nimmt er auch an einem weihnachtlichen Klassentreffen teil, bei dem auch die wilden Partys vor über zwanzig Jahren angesprochen werden, die als übergriffig bezeichnet werden. Diese Partys wurden von Rico organisiert. Die Überraschung ist groß als am nächsten Morgen ausgerechnet Rico tot beim Gasthof gefunden wird. Die Polizei vor Ort vernimmt auch Georg als Zeugen miAuch Greiner. Kommissar Georg Angermüller, zu Besuch in der oberfränkischen Heimat und auch beim Klassentreffen, wird wie alle anderen als Zeuge vernommen. Zurück im Norden erhält der Lübecker Kommissar nicht nur einen überraschenden Anruf, sondern auch Besuch aus der Heimat

Wie man es aus den Vorbänden kennt, sorgt auch dieser Krimi in seinem ruhigen und unaufgeregten Erzählstil und einer beschaulichen Handlung für eine entspannte Atmosphäre. Blutige Szenen sucht man hier vergeblich, es stehen mehr die mitmenschlichen Beziehungen und die Suche nach dem Mörder im Vordergrund.

Wir begleiten Angermüller und seinen Kollegen Jansen nach Coburg, wo sie der dortigen Polizei Amtshilfe leisten sollen, später verlagert sich die Ermittlung dann wieder in den Norden nach Lübeck. Der Mordfall lässt Angermüller einen Blick auf seine Jugendfreunde werfen und bringt deren Lebensentwicklung und ihre Beziehungen ans Tageslicht. Die Befragung der Zeugen verläuft umsichtig und zielgerichtet und es wird schnell deutlich, dass mehrere Personen als Verdächtige in Frage kommen könnten. Als Sexist war Rico unter seinen Klassenkamerad:innen nicht gerade beliebt. Dann verschwindet Mila Laos und man weiß nicht so recht, ob da ein Zusammenhang mit dem Mord vorliegt. Obwohl viele kleine Hinweise gefunden werden, tappen Ermittler und Leser im Dunkeln und man kann gut mitraten, wer denn nun für den Mord verantwortlich sein könnte.

Ich mag den ruhigen Erzählstil und auch, wie die Charaktere lebensnah und mit Ecken und Kanten beschrieben wurden. Die Spurensuche hat mich immer wieder verwirrt, weil die Verbindung nicht offensichtlich ist und damit bis zum Ende ein Mitraten möglich war.

Georg Angermüller ist ein Genussmensch und so wird auch das kulinarische Wohl wieder besonders zelebriert und hat mir mit dem ein oder anderen Gericht auch Appetit gemacht. Am Ende des Buches finden sich zahlreiche leckere Rezepte, die im Buch als Gerichte erwähnt werden und so kann man alles auch noch nachkochen.

Ein unterhaltsamer und unblutiger Krimi, der mit seinen besonnenen Ermittlern einen ruhigen Ton vorgibt und in kulinarischer Hinsicht für weihnachtlichen Genuss sorgt.

Bewertung vom 02.01.2024
Zwischen Traum und Freiheit / Gut Friesenhain Bd.1
Grünewald, Lotte

Zwischen Traum und Freiheit / Gut Friesenhain Bd.1


sehr gut

Ein fesselnder Roman zwischen Traditionen und eigenen Lebensträumen
Im Blanvalet Verlag erscheint der historische Roman und Auftaktband "Gut Friesenhain - Zwischen Traum und Freiheit" von Lotte Grünewald (Pseudonym von Mirjam Müntefering)

Münsterland, 1895: Luise von Scheweneys Leben ist als älteste Tochter der Grafenfamilie vorbestimmt. Sie soll ihren Cousin, den Adeligen Johan van Leeuwen heiraten und ihre Zeit mit Damen der feinen Gesellschaft verbringen. Doch Luise sträubt sich gegen diese Vorstellung, sie möchte ihr Leben selbst bestimmen und träumt von einem Studium der Tiermedizin, um mit ihrer Arbeit das Gestüt ihrer Familie zu unterstützen. Heimlich besucht sie eine Veranstaltung der Frauenbewegung und lernt dort den Sozialdemokraten Max Brugge kennen. Auch wenn Max Luises Probleme nur spöttisch belächelt, kann sie ihn nicht vergessen. Johan scheint dagegen ein weltoffener und damit passender Ehemann zu sein. Wie wird Luise sich entscheiden?


Der Auftaktband der Münsterland-Saga dreht sich um drei junge Menschen, deren Leben mit Gut Friesenhain eng verknüpft sind. Es sind die Gutsbesitzertöchter Luise und Clara, sowie Marie, die Tochter des Stallmeisters auf dem Gut. Sie alle träumen von ihren eigenen Lebenswünschen, doch die Zeit ist nur bedingt reif dafür.

Hier taucht man in die Welt des Münsterlands ein und wird in eine mitreißende Handlung hinein gezogen, in der gesellschaftliche Normen der Zeit, viel Frauenpower und der Wunsch nach Emanzipation eine wichtige Rolle spielen und auch die Liebe zu den Pferden wird spürbar gemacht.

Dabei habe ich mich durch die facettenreich dargestellten Figuren gut in ihre Gedankenwelt einfühlen können und durch ihre authentisch gezeigten Emotionen werden sie mit Leben gefüllt. In dieser Zeit war der Wunsch nach Emanzipation durch vorbestimmte Rollenbilder nicht so einfach. Und so hofft und bangt man mit den jungen Menschen, die sich zum Teil arrangieren und ihre Ziele auf ihre Weise angehen.

Wenn man so einen Wälzer liest, hofft man auf eine spannungsreiche Geschichte ohne Längen. Und ich muss sagen, dieser Roman hat mich, bis auf einige kurze nebensächliche Ausführungen, gefesselt in seinen Bann geschlagen und die facettenreiche und emotionale Darstellung der Charaktere mit ihren Lebenswegen bringt reichlich Spannung und auch Leben in die Geschichte. Der bildhafte und flüssige Erzählstil führt wunderbar durch die Handlung und es gibt immer wieder Spannungsmomente, die die Geschichte am Laufen halten. Ganz nebenbei wird das Leben in Adelskreisen aufgezeigt und die Etikette und Kleiderordnung der Zeit sichtbar gemacht und das sorgt für ein reales Stimmungsbild der damaligen Zeit.

In diesem Roman fügen sich viele Figuren ein, die man durch persönliche Charakterzüge gut wieder erkennt. Aber um sie besser im Blick zu haben, ist das Personenregister am Buchende ganz hilfreich.

Was diesen historisch angesiedelten Roman auszeichnet, ist die Darstellung der gesellschaftlichen standesgemäßen Erwartungen dieser Zeit, dazu die beginnende Frauenbewegung und die auf dem Gut spürbare Pferdeliebe. Aber es geht in diesem Buch auch tiefer. So werden beispielsweise menschliche Beziehungen gezeigt, die sich gegen Konventionen stemmen und mit einem queeren Frauenpaar auch gleichgeschlechtliche Liebe sichtbar machen.

Dieser Roman ist eine lesenswerte Mischung aus historischem Kontext, einer fesselnden, teilweise dramatischen Handlung und vielseitig angelegten Figuren, die mit ihren Lebenswegen Widerstände überwinden und unterschiedliche Beziehungen eingehen und damit ihr Leben gestalten. Diese Personen möchte ich gerne weiter begleiten und bin deshalb sehr auf die Fortsetzung der Reihe gespannt.

Bewertung vom 27.12.2023
Der Schacherzähler
Pinnow, Judith

Der Schacherzähler


ausgezeichnet

Ein berührendes und warmherziges Highlight des Jahres
Im List Verlag erscheint Judith Pinnows Roman "Der Schacherzähler".

Der Witwer "Oldman" (Walter) leidet nach dem Tod seiner Frau an Einsamkeit, nur durch einem festgelegten Tagesplan schafft er Routine und spielt täglich Schach gegen seine tote Frau. Doch dann lernt er den neunjährigen Janne kennen, der sich für Schach interessiert und das Spiel erstaunlich schnell versteht. Aber Oldman ist den Umgang mit Kindern nicht gewohnt und reagiert recht schroff und ablehnend.

Diesem Roman bin ich nach kurzer Zeit verfallen und wollte unbedingt wissen, wie sich Oldman und Janne verstehen und wie die Geschichte weiter geht.

Jannes Mutter Malu ist alleinerziehend, gemeinsam meistern sie alle Schwierigkeiten ihres Lebens. Janne fällt in der Schule öfter mal unangenehm auf, sitzt nicht gern still und wird ausgegrenzt. Seine Mutter bekommt regelmäßig Anrufe von Jannes Lehrerin, die mit seiner Art nicht zurecht kommt. Doch dann entwickelt sich zwischen Oldman und Janne eine Verbindung, die tiefer geht als nur ihr gemeinsames Schachspiel. Beide profitieren voneinander und bauen eine tiefe, wunderbare Freundschaft auf.

Malu arbeitet im Café "Blue Hour", diese Location wird ihr und ihrem Sohn zu einer zweiten Heimat, denn die Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig und schaffen mit ihren Gesprächen, den Kuchen und Kaffeesorte eine heimelige Atmosphäre von Zusammenhalt und Freundschaft.

Es gibt einige Nebenfiguren, die mit ihren privaten Sorgen, Eheproblemen und ihrem Alltag für interessante Geschichten sorgen, die ich gespannt verfolgt habe.

Judith Pinnow überzeugt mit einem ruhigen, leichten und einfühlsamen Erzählstil und lässt einige humorvolle Szenen einfließen, die ganz wunderbar unterhalten. Ihre warmherzigen Charaktere kann man einfach nur gern haben, sie agieren in lebensnahen und situationsbeschreibenden Szenen und das schafft eine Nähe, die den Leser an die Figuren im Buch bindet. Ihre warmherzigen Charaktere verzaubern, denn hier entsteht eine ganz besondere Freundschaft, die einen Hauch von Magie besitzt. "Oldman" wird wieder gebraucht und genießt die Nähe zu dem kleinen Janne, dessen Pfiffigkeit und Intelligenz er nicht nur beim Schachspielen bewundert. Bei diesem Buch erfährt man auch einiges über Schach, es wird aber nicht zuviel, sondern kommt in kleinen Dosen daher.

Es ist ganz wunderbar zu erleben, wie sich "Oldman" durch die Freundschaft zu Janne verändert und sich Stück für Stück von seiner eintönigen Einsamkeit heraus wieder dem Leben zugewendet. Dieses Buch zeigt, wie von einer generationenübergreifenden Zusammengehörigkeit Älte und Jüngere gleichermaßen profitieren.

Ich bin noch ganz verzaubert von der Warmherzigkeit dieser Geschichte, die zu einem Highlight des Jahres wurde.

Bewertung vom 22.12.2023
Familie Mellops feiert Weihnachten
Ungerer, Tomi

Familie Mellops feiert Weihnachten


sehr gut

Eine fröhliche Weihnachtsgeschichte für Jung und Alt
Im Diogenes Verlag erschien 1978 die deutsche Ausgabe von "Famile Mellops feiert Weihnachten" von Tomi Ungerer.

Die Söhne der Schweinchen-Familie Mellops wollen ihre Eltern mit einem schön geschmückten Weihnachtsbaum am Weihnachtsabend überraschen. Leider hatten alle vier diese Idee und die Enttäuschung über die verpatzte Überraschung ist groß. Doch Vater Mellops gibt ihnen den Rat, die Bäume doch an arme Waisenkinder zu verschenken. Daraufhin ziehen die Brüder hinaus in die verschneite Nacht und suchen nach neuen Plätzen für ihre Bäume.

Dieses Buch überzeugt durch die fantasievollen Illustrationen im typischen Zeichenstil Tomi Ungerers und durch eine nachdenklich machende und mit etwas Humor ausgeschmückte Geschichte.

Die vier Mellops-Brüder machen sich auf die Suche nach Bedürftigen, verschenken nicht nur ihre Bäume, sondern spenden ihre Kleider und Decken und holen Holz aus dem Wald, damit die Beschenkten es zu Weihnachten schön warm haben. Sie bringen Weihnachtsfreude in die Herzen der Hausbewohner und zeigen damit einen Akt der Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Das sind die Dinge, auf die es an Weihnachten ankommt.

Immer wieder amüsiert lachen muss ich, wenn ich von den "Sparmenschen" lese, die Felix leert, um von dem Geld Arznei und Geschenke zu kaufen. Denn die Menschen in diesem Buch sind Schweine, alle ganz liebenswerte Charakte, die dieses Buch so besonders und lesenswert machen.

Ein wunderbares Buch über die Weihnachtsfreude, das Jung und Alt begeistert und für alle Tomi Ungerer-Fans ein Muss ist.

Bewertung vom 20.12.2023
19.521 Schritte
Kretschmer, Guido Maria

19.521 Schritte


sehr gut

Dieser Spaziergang bringt uns Guido, die Menschen und Berlin näher!

Guido Maria Kretschmer spaziert an einem Spätsommertag 19.521 Schritte durch Berlin, vorbei an ihm bekannten Plätzen und an Orten der Erinnerung. Es wird zu einem besonderen Tag in seinem Leben, weil er von den Menschen auf der Straße erkannt wird und so einige Begegnungen erlebt, in denen sich ihm die Menschen öffnen und ihn an ihrem Leben teilhaben lassen.

"Wir sind unser Gepäck, wir nehmen uns mit, egal wohin die Reise geht." Zitat Seite 9

Wenn man offen und wertschätzend durchs Leben geht, kommt man den Menschen näher und sieht das Leben mal aus einer anderen Perspektive. So erging es auch Guido, als er sich im Spätsommer zu einem Gang durch Berlin aufmachte. Während dieses Weges trifft er auf fremde Menschen, und so, wie man Guido aus dem TV kennt, kommen ihm die Menschen näher und plaudern mit ihm, denn er ist sehr empathisch und nimmt an ihrem Leben teil.

Auf dem Weg durch seinen früheren Wohnort Berlin erinnert sich Guido an Weggefährten, an Orte, mit denen er eine Geschichte verbindet und er trifft jede Menge Menschen, die ihn erkennen und ihn als nahbaren und empathischen Mitmenschen einschätzen, dem sie sich anvertrauen können. Guido erfährt erfüllende Momente, er wird beinahe adoptiert, er hört lustige Anekdoten und von einer großen Liebe, aber auch nachdenklich machende Lebenswege, erlebt ein skurriles Paar und nimmt Anteil an traurigen Schicksalen, die ihm in seiner Mitmenschlichkeit unglaublich nahe gehen. Guidos Erkenntnis daraus ist folgende: Jede persönliche Begegnung hat die Kraft, dauerhaft in der Erinnerung zu bleiben. Und das ist eine Chance, auch mehr über uns selbst zu erfahren. Es ist ein Geschenk, wenn man seinen Mitmenschen gegenüber offen und vorurteilsfrei begegnen kann und so ein Mensch ist Guido auf alle Fälle.

Das Buch liest sich alles durch Guidos locker beschreibenden Erzählstil im Plauderton wunderbar flüssig und sehr unterhaltsam. Und neben den vielen Stadtansichten, den Straßen und Museen und den vielen Begegnungen mit unterschiedlichen Charakteren lernt man mehr über den Menschen Guido Maria Kretschmer. Denn auch Guido öffnet sich auf seinem Gang durch Berlin den Menschen und seinen Lesern. Er berichtet aus seiner Kindheit und von seiner Familie, die aus Ostpreußen stammt. Wir hören wie er früher gerne einfach mal eine Reise gebucht hätte, ihm aber die finanziellen Mittel dazu fehlten und welche speziellen Erlebnisse er mit Berliner Promis verbindet. Diese Einsichten und die unterschiedlichen Schicksale im Buch sind interessant und auch berührend zu lesen. Kaum ein Lebensweg verläuft glatt und ohne Probleme und es liegt an uns, was wir daraus machen.


Dieses Buch kann man wunderbar weglesen und erfährt darin etwas über den Menschen Guido, über Berlin und seine Bewohner. Ein privater Spaziergang, der zu vielen mitmenschlichen Begegnungen führt!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.12.2023
Ingwer
Au, Franziska von

Ingwer


sehr gut

Kleine Knolle mit magischen Heilkräften
Im Heyne Verlag erscheint das Sachbuch "INGWER" von Franziska von Au.

In vielen Küchen hat Ingwer inzwischen Einzug gehalten, denn er gibt vielen Rezepten die richtige Würze. Aber dank seiner heilsamen Fähigkeiten gehört die Knolle eigentlich in die Hausapotheke.

Ingwer war bereits in der Antike als Heilmittel bekannt und heutzutage hat die moderne Forschung seine medizinische Heilkraft bestätigt. Denn Ingwer stärkt das Immunsystem, hilft gegen Übelkeit und Zahnschmerzen, heilt Erkältungen, unterstützt die Therapie von Migräne und Burnout und wirkt gegen zu hohen Blutdruck. Außerdem kann man die vielseitige Wurzel auch bei der Haut- und Haarpflege einsetzen.

"Ingwer ist eine der ältesten Gewürzpflanzen der Welt. In Indien und China kennt und schätzt mandas heute so moderne Superfood seit über 4000 Jahre." Zitat Seite 13

Dieses Buch beschreibt auf verständliche Weise welche idealen Nährstoffe Ingwer besitzt und wie er sanft und wirksam gegen Beschwerden hilft. Er ist durch seine antiviralen und antibakteriellen Inhaltsstoffe ein echter Immunbooster, mit dem man seinen Organismus stärken kann.
Das Buch teilt sich in acht Kapitel, es startet mit der Kulturgeschichte des Ingwers und wie er von Asien nach Europa kam. Die beschriebenen Geschichten sind sehr unterhaltsam und es gibt viele Hintergrundinformationen aus China, Indien, der mittelalterlichen Klostermedizin und auch aus England.
Besonders interessant finde ich die Infos der Warenkunde, dort erfährt man auch wie Ingwer angebaut wird und in welchen Ländern die Produktion hauptsächlich angesiedelt ist.

Ein weiteres Kapitel stellt die Inhaltsstoffe und Bausteine des Ingwers vor. Und ab dem fünften Kapitel beginnt der praxisnahe Teil mit Rezepten fürs Wohlbefinden und als Heilmittel bei vielen Krankheitsbildern.


In diesem Buch erfahren wir die botanischen Merkmale und besonderen Inhaltsstoffe, die Ingwer zu einem Superfood machen und wie man diese Heilkräfte für den Körper hilfreich nutzen kann. Vorgestellt werden zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten des Ingwers ind Form von Ingwertee, Smoothies, Bädern, auch Ingwer Masken gegen Akne bis hin zu speziellen Saftkuren, die zum Wohlbefinden beitragen können. Danach folgen die Rezepte für die Küche. Ob Indonesische Reispfanne, Indisches Putengeschnetzeltes, als Bananen-Chutney, Indisches Bananen-Chutney, Fischcurry mit Ingwer, Ingwer Poularde mit scharfem Linsensalat, Auberginendip oder die Ingwer Poularde mit scharfem Linsensalat, hier gibt es eine Vielzahl an schmackhaften Gerichten. Und auch süße Speisen wie Milchreis mit Ingwer, Marmeladen und Backwerk, sowie kandierter Ingwer oder Ingwerkekse zeigen die vielfältige Verwendbarkeit des Ingwers in der Küche, ob nun als Gewürz oder als Speisenzutat.


Ein aufschlussreicher Ratgeber mit zahreichen Rezepten und hilfreichen Anwendungsarten, der die große Bandbreite dieses Superfoods sichtbar macht und zeigt, wie die natürliche Kraft der Superwurzel den Körper auf natürlichem Weg schützen kann.