Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Lisa

Bewertungen

Insgesamt 867 Bewertungen
Bewertung vom 31.03.2023
Muss ich das gelesen haben?
Reichl, Teresa

Muss ich das gelesen haben?


ausgezeichnet

Anregungen für einen diversen und vielfältigen deutschen Literatur-Kanon

In „Muss ich das gelesen haben?“ richtet sich Autorin Teresa Reichl primär an Jugendliche und hat dabei vor allem ein Ziel, nämlich die klassischen Lektüren in Schulen und Unis zu verändern. Denn was bisher meist gelesen wird ist oft von genau einer gesellschaftlichen Gruppe geschrieben, weißen, wohlhabenden bzw. gutsituierten und christlichen Männern. Und um eines gleich vorweg zu nehmen, das Argument „es gibt ja nichts anderes“ oder „andere Gruppen haben ja nichts geschrieben“ wird in diesem Buch gründlich widerlegt. Denn wie Teresa Reichl nachdrücklich und überzeugend aufzeigt, es gibt sie eben doch, die echten Alternativen! Diese werden vor allem im dritten Abschnitt des Buchs vorgestellt. Zunächst einmal nimmt uns die Autorin aber mit auf einen Crashkurs um zu klären was Literatur ist, was einen Klassiker zum Klassiker macht und was bisher so gelesen wird. Hochinteressant, abwechslungsreich und trotz der komplexen Materie so gar nicht langweilig. Ihr Schreibstil ist dabei bewusst nahe am Umgangsprachlichen und richtet sich an Jugendliche. Dadurch liest er sich auf jeden Fall super flüssig und auch erstaunlich leicht. Ich als Erwachsene, hätte aber auch auf die zahlreichen Anglizismen und andere jugendsprachliche Ausdrücke verzichten können. Im Verlauf des Buchs konnte ich mich an den Stil allerdings erstaunlich gut gewöhnen. Letztendlich überzeugte mich aber der Inhalt. Das Buch punktet wirklich mit jeder Menge Expertise, erhebt dabei aber keinen Vollkommenheitsanspruch. Und auch der Humor der Autorin lockert das Ganze wunderbar auf. Ich für meinen Teil habe jede Menge gelernt, tolle Buchtipps mitgenommen und kann „Muss ich das gelesen haben?“ nur aus ganzem Herzen empfehlen! Letztendlich sollte Jede:r dieses Buch gelesen haben, insbesondere aber auch Lehrer:innen und Dozent:innen.

Bewertung vom 31.03.2023
Die Radfahrerin
Leonard, Susanna

Die Radfahrerin


sehr gut

Historischer Hintergrund und jede Menge Fiktion – Annäherung an eine faszinierende Frau

„Die Radfahrerin: Annie Londonderry“ ist ein Roman von Susanna Leonard, welcher sich mit der Weltumradlung von Anna Cohen Kopchovsky beschäftigt. Eigentlich schaffen es Bücher mit Geschichten über solche historischen Vorbilder mich immer zu begeistern. Hier muss ich allerdings zugeben, dass ich mir stellenweise etwas schwer getan habe. Zunächst einmal zog sich der Beginn des Buchs für mich ziemlich hin. Es dauert tatsächlich unglaublich lange bevor Annie überhaupt mal los radelt und auch wenn sich die Ereignisse die dem Ganzen vorausgingen stellenweise spannend lesen, hätte der Abschnitt für mich gerne kürzer ausfallen dürfen. Vor allem auch deshalb da bei der eigentlichen Weltreise große Abstriche gemacht wurden. Hier wird eher Episodenweise, teils mit großen Zeitsprüngen erzählt, wobei manche Reiseabschnitte (wie z.B. der durch Frankreich) große Aufmerksamkeit bekommen, während andere noch nicht mal erwähnt werden. Das Gefühl Annie tatsächlich auf einer Weltreise zu begleiten fehlte mir durch diese Vorgehensweise schlussendlich.
Meine größte Schwierigkeit hatte ich allerdings mit der Hauptprotagonistin selbst. Diese ist nämlich eine unzuverlässige Erzählerin, das heißt sie lügt, übertreibt und dichtet immer wieder etwas hinzu wenn sie von ihren Erlebnissen erzählt. Der historischen Person wird genau dies wohl auch nachgesagt, für mich als Leserin hatte es aber den Effekt, dass ich Annie irgendwann nicht mehr glauben konnte. Ihre Reise an sich steht dabei nicht im Zweifel, die erlebten oft gefährlichen Szenen hingegen schon. Allgemein merkt die Autorin in ihrem Nachwort an, dass vieles im Roman fiktiv ist, da es kaum aussagekräftige Dokumente oder Überlieferungen gibt und sie sich deshalb nur auf ein einziges Quellenbuch beziehen konnte. Historische Genauigkeit, sollte auch deshalb nicht erwartet werden. Davon abgesehen handelt es sich beim Roman dennoch um eine unterhaltsame und kurzweilige Geschichte. Der Schreibstil liest sich flüssig und durch gelegentliche Perspektivwechsel und Stilwechsel kommt Abwechslung auf. Trotz ihrer Schwächen ist Annie auf jeden Fall eine faszinierende Person, deren Geschichte es wert ist erzählt und gelesen zu werden. Insgesamt kann ich für die Umsetzung 3 ½ Sterne vergeben, welche ich auf 4 aufrunde.

Bewertung vom 30.03.2023
After Dawn - Die wandernde Stadt
Meyer, Lars

After Dawn - Die wandernde Stadt


ausgezeichnet

Packender zweiter Band einer unglaublich tollen Trilogie

Nachdem Band 1 mit einem Cliffhanger endete, konnte ich es wirklich kaum erwarten „After Dawn – Die wandernde Stadt“ von Lars Meyer in den Händen zu halten! Damit ihr in diesem 2. Band, alles verstehen könnt, solltet ihr die Bände unbedingt chronologisch lesen. Die Geschichte ist aber auch so toll, dass sich dies auf jeden Fall lohnt und ich mich schon jetzt unglaublich auf den noch ausstehenden Teil freue. Aber zunächst einmal möchte ich natürlich noch ein paar Worte über das jetzige Buch verlieren.

Von den ersten Seiten an, war ich wieder Mitten in der Geschichte und hatte wirklich gar keine Schwierigkeiten mich an Bisheriges zu erinnern. Vielmehr war es ein freudiges Wiedersehen mit bereits liebgewonnenen Charakteren, wobei es für Heldin Ember sofort actionreich und überaus spannend weiterging. Allgemein lebt das Buch von einem hohen Tempo, vielen überraschenden Wendungen und gefährlichen Szenen. Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, kommt man hier auch als Erwachsener voll auf die eigenen Kosten. Autor Lars Meyer schafft es unglaublich detailreich und faszinierend zu erzählen und erschafft bei all der Action, ganz Nebenbei noch eine eigene dystopische Welt. Auch Science Fiction Elemente sind darin zu finden, diese nehmen allerdings nicht zu viel Raum ein oder dominieren gar die Handlung. Vielmehr erlebte ich die Geschichte als eine sehr ausgewogene Mischung aus Charakterzeichnungen (inklusive stimmigen Weiterentwicklungen) Worldbuilding und Dramatik. Für schwache Nerven ist die Handlung ehrlich gesagt nicht immer geeignet, den in der brutalen Welt in welcher Ember bestehen muss, geht es oft gewaltvoll und stellenweise auch blutig zu. Für Kinder ist das Buch deshalb weniger geeignet. Das Ende war im Gegensatz zum Rest der Handlung erstaunlich friedlich und könnte fast schon als Abschluss betrachtet werden. Zum Glück winkt aber schon das nächste Abenteuer, so dass wir uns auf einen weiteren Band freuen dürfen.

Da ich von „After Dawn – Die wandernde Stadt“ absolut begeistert bin vergebe ich natürlich volle 5 Sterne und eine große Leseempfehlung für die gesamte Reihe!

Bewertung vom 28.03.2023
Das phänomenale Erntebeet
Kampas, Doris

Das phänomenale Erntebeet


ausgezeichnet

Sehr konkrete Tipps für Neulinge und Geübte – Absolute Empfehlung!

Gartenbücher aus den Löwenzahn Verlag, mag ich besonders gerne, da diese nicht nur hochwertig und umweltverträglich verarbeitet sind, sondern auch anwendungsfreundlich daherkommen. Und auch wenn verschiedene Bücher sich mit dem Biogärtnern (oft nach permakulturellen Grundlagen) beschäftigen, lernt man doch jedes Mal noch etwas Neues. Genau so ging es mir auch mit dem tollen Buch „Das phänomenale Erntebeet“ von Doris Kampas. Neben einigen Grundlagen zur Gartengestaltung, geht es hier um sehr viel Konkretes. Will heißen, die Autorin skizziert unterschiedliche Beete und erklärt dann genau wie viele und welche Pflanzen, wann und wo ins Beet kommen, inklusive Vor- und Nachkulturen, so dass der Platz wirklich optimal ausgenutzt wird. Solch eine detailreiche Erklärung ist gerade für Anfänger:innen ungemein hilfreich. Zu festgefahren ist man allerdings auch nicht, da es außerdem noch Tipps gibt wie Jede:r die Bepflanzung an den individuellen Geschmack und Bedarf anpassen kann. Für den perfekten Überblick sorgt außerdem noch der beiliegende Aussaat-, Pflanz- und Erntekalender. Gerade dieses reflektierte und planvolle Vorgehensweise gefiel mir richtig gut. Denn natürlich sollte zunächst die vorhandene Zeit und der gegebene Platz ermittelt werden. Darüber hinaus gibt es aber auch noch geballtes Wissen zu weiteren wichtigen Gartenthemen, wie etwa dem richtigen Düngen oder dem Umgang mit Schädlingen. Aber auch kreative Ideen, wie selbst die unattraktivste Ecke noch sinnvoll genutzt werden könnte, findet man hier. In seiner Vielfältigkeit hat mich das Buch auf jeden Fall voll und ganz begeistert. Der Schreibstil liest sich zudem angenehm und die Erklärungen sind gut verständlich. Insgesamt weckt die Autorin so die Lust aufs loslegen und ermuntert einfach mal etwas ausprobieren. Für mich ist „Das phänomenale Erntebeet“ ein absolutes 5-Sterne-Buch, welches in keinem Regal fehlen sollte!

Bewertung vom 27.03.2023
Wasserzeiten
Bilkau, Kristine

Wasserzeiten


ausgezeichnet

Ein Lesebuch der besonderen Art – Anekdotisch, informativ, vielseitig

Zunächst einmal möchte ich die wunderschöne Gestaltung des Werkes „Wasserzeiten: Über das Schwimmen“ von Kristine Bilkau loben. Das Buch hat nicht nur ein schönes Format, sondern kommt wirklich sehr hochwertig daher. Aber auch inhaltlich ist das Büchlein wirklich eine Freude! Die einzelne Kapitel treffend in Wort zu fassen ist dabei gar nicht so einfach, da sich eine große Vielfalt auf den nur knapp 120 Seiten verbirgt. Die Autorin nähert sich in den verschiedenen Kapitel biografisch, historisch, aber auch gesellschaftspolitisch, sowie mit Einblicke in andere literarische Werke, einer ihrer Leidenschaften, nämlich dem Schwimmen. Besonders toll finde ich es dabei, dass alle Kapitel auch unabhängig voneinander gelesen werden können. So kann man das Buch immer wieder in die Hand nehmen und sich anregen lassen. Auch der Schreibstil gefiel mir ausgesprochen gut. Er passt zur hochwertigen Aufmachung und ist wie der Text auch zwar anspruchsvoll, aber dennoch gut lesbar. Beim Lesen kommen so ganz automatisch Bilder vom Schwimmen auf, aber auch die teils sehr besonderen Orte werden plastisch beschrieben. Darüber hinaus ist das Büchlein wirklich informativ, kurz und prägnant wird die Geschichte des Schwimmens skizziert und auch die politische Dimension treffend benannt. Alles in allem war „Wasserzeiten“ für mich ein echter Lesegenuss, welchen ich gerne weiterempfehlen mag! Ob als besonderes Geschenk oder für eigene bezaubernde Lesestunden, dieses Buch bleibt im Kopf und macht lange Freude.

Bewertung vom 26.03.2023
Die Toten von Friesland / Jaspari & van Loon ermitteln Bd.1
Jacob, Fynn

Die Toten von Friesland / Jaspari & van Loon ermitteln Bd.1


ausgezeichnet

Temporeicher und vielschichtiger Krimi, mit deutsch-niederländischem Ermittlungsteam

„Die Toten von Friesland“ von Fynn Jacob ist der erste Fall für Iska van Loon und Marten Jaspari. Der Einstieg in die neue nordische Krimireihe gefiel mir dabei wirklich gut. Die Handlung ist ausgesprochen spannend und bringt von Beginn an eine hohes Tempo mit. Langweilig wird es so, wirklich auf keiner Seite. Trotz häufiger Orts- und Perspektivwechsel fand ich mich außerdem in der Handlung erstaunlich gut zurecht und schlussendlich führen am Ende des Buchs wirklich alle Fäden zusammen. Somit überzeugte der Autor mit einem stimmigen, wie auch durchdachten Kriminalfall. Nach meinem Geschmack hätte der Erzählanteil zwischen den beiden ermittelnden Hauptfiguren gerne etwas ausgewogener sein dürfen. Der Großteil der Kapitel (besonders zu Beginn) geht nämlich an Marten und ausgerechnet Iska (welche ich persönlich weit sympathischer fand) ging etwas unter. Dabei überzeugt gerade Iska mit Erfahrung und Kompetenz und der junge Kriminalhauptkommissar Marten kann noch einiges von ihr lernen! Ansonsten habe ich aber nichts zu meckern, sondern bin rundum zufrieden mit dem Werk. Der Schreibstil liest sich flüssig, das Thema ist auf jeden Fall speziell und ziemlich einzigartig und auch der Lokalkolorit ist wirklich gelungen. Wer also auf der Suche nach spannendem Lesestoff ist, sollte hier unbedingt zugreifen! Von mir gibt es auf jeden Fall volle 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle Krimifans!

Bewertung vom 23.03.2023
Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel / Die Mordclub-Serie Bd.3
Osman, Richard

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel / Die Mordclub-Serie Bd.3


ausgezeichnet

Cosy Crime vom Feinsten – Bewährte Qualität von Richard Osman

Nun steht schon der dritte Fall für den liebgewonnenen Donnerstagsmordclub an und ich muss sagen, mittlerweile fühlen sich die Bücher für mich fast schon wie Heimkommen an. Denn auch in seinem neusten Werk „Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel“ sorgt Autor Richard Osman für ein Wiedersehen mit vielen bereits bekannten Charakteren. Der Fall ist zwar in sich abgeschlossen, um aber alle Beziehungsdynamiken rundum zu erfassen, empfiehlt es sich die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Mit gewohnten Witz und in vertrauter Umgebung lassen aber auch die neuen Ermittlungen nicht lange auf sich warten. Man spürt den Figuren ihre Erfahrung mittlerweile an und auch ihre jeweiligen Stärken ergänzen sich wieder mal grandios. Dennoch wird die Reihe keinesfalls langweilig! Auch diesmal ist der Fall vielschichtig und nicht leicht zu durchschauen. Zahlreiche Verwicklungen und Gefahren sorgen außerdem für Spannung und das Miträtseln machte wieder mal großen Spaß. Der Schreibstil las sich dabei flüssig und die wechselnden Perspektiven sorgen für umfassende Einblicke in unterschiedliche Köpfe und Situationen. Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich lediglich die stellenweise etwas zu ausschweifende Erzählweise. Etwas Straffung hätte der Handlung meiner Meinung nach nicht geschadet, wobei die zahlreichen privaten Details der Figuren natürlich auch ihren eigenen Charme haben. Alles in allem ist der Krimi durchaus unterhaltsam, auf blutige Details wird verzichtet, vielmehr besticht die Handlung durch Raffinesse. Gerne vergebe ich dafür 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 20.03.2023
Dead Romantics
Poston, Ashley

Dead Romantics


ausgezeichnet

Romantische Komödie, mit genau der richtigen Brise Besonderheit

Nach längerer Zeit habe ich nun wieder mal zu einem klassischen Liebesroman gegriffen und ich muss sagen, „Dead Romantics“ von Ashley Poston hat mich wirklich nicht enttäuscht. Die Geschichte ist trotz der ständigen Präsenz von Toten, Trauer und einer Familie mit Beerdigungsinstitut, immer noch herrlich leicht, etwas verschroben und noch dazu richtig romantisch. Für mich ergab sich im Gesamten so die perfekte Mischung, denn auch die leicht magische Note durch die Geister, war überaus stimmig, lies die Handlung dabei aber nicht ins Fantasy-Genre abrutschen. Florence mochte ich als Hauptprotagonistin ausgesprochen gerne, sie hat nämlich jede Menge liebenswerte Eigenarten und die Autorin schafft es von Beginn an, sie total lebensecht wirken zu lassen. Erzählt wird die Handlung durchgehend aus ihrer Sicht, auch dadurch fiel es mir leicht mich in sie hineinzuversetzen und emotional mitzufiebern. Zwar kam nicht jede Wendung des Romans für mich überraschend (ein größerer Twist war sogar schon recht früh abzusehen), trotzdem konnte mich die Geschichte bis zur letzten Seite gut unterhalten. Besonders toll ist finde ich dabei den Humor, dieser trägt die Geschichte, nimmt den tiefgründigeren Themen aber auch nicht den Raum. Auch die Einblicke ins Verlagswesen und die Arbeit einer Autorin machen Spaß und ergänzen die Handlung stimmig. Der Schreibstil liest sich zudem flüssig und schnell stellte sich bei mir ein regelrechter Lesesog ein. Durch zahlreiche Details wirkt die Handlung außerdem angenehm modern. Insgesamt bin ich also wirklich voll und ganz zufrieden mit dem Gesamtwerk. Da ich absolut nichts zu kritisieren habe, vergebe ich gerne volle 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 20.03.2023
Agnes geht
Keweritsch, Katja

Agnes geht


sehr gut

Wenn nichts mehr geht, hilft gehen – Geschichte einer Wanderung voller Einsichten

Kennt ihr das auch? Ihr habt Erwartungen wie eine Geschichte sein sollte und dann kommt es im Buch plötzlich so ganz anders. Genau so erging es mir mit der Handlung des Romans „Agnes geht“ von Katja Keweritsch. Gerade deshalb fällt mir die Bewertung des Werks auch etwas schwer. Denn bis etwa zur Hälfte des Buchs, war ich absolut begeistert und hätte ganz klar 5 Sterne vergeben. Dann allerdings traf Hauptprotagonistin Agnes zunehmend Entscheidungen, welche mich zunächst irritierten und mich irgendwann schlussendlich innerlich von ihr entfernten. Zunächst möchte ich aber auf die positiven Dinge zu sprechen kommen, welche mir äußerst gut gefielen. Der Schreibstil etwa liest sich sehr angenehm und sorgt auf jeden Fall für den Zauber der Geschichte. So entstehen einzigartige Beschreibungen der Natur rund um die Elblandschaft und auch die detaillierten Szenen des Wanderns, gefielen mir richtig gut. Die Charakterzeichnungen aller Figuren sind individuell, authentisch und in der Summe wirklich gelungen. Und auch das Ende erschien mir schlussendlich stimmig. Trotzdem bleibt für mich eine gewisse Dissonanz zurück, denn wie zum Beispiel mit dem Thema Betrug im Buch umgegangen wurde, gefiel mir definitiv nicht. Außerdem häufen sich für meinen Geschmack etwas zu viele gesellschaftskritische Themen, welche allerdings teils nur dezent anklingen. Meine größte Schwierigkeit hatte ich aber ab einem gewissen Punkt mit Hauptprotagonistin Agnes. Anfangs war sie mir so sympathisch und ihre Befreiung in Form der Wanderung habe ich sehr gefeiert. Anstatt sich dann aber weiterhin auf sich und ihre Wünsche zu konzentrieren, lässt sie sich zunehmend von anderen Personen vereinnahmen. Und so verlor die Geschichte in ihrer Gesamtheit, meiner Meinung nach an Kraft. Dennoch handelt es sich um einen starken Roman, voller wichtiger Themen und einer packenden Handlung. Insgesamt vergebe ich immer noch gute 3 ½ Sterne, welche ich auf 4 aufrunde.

Bewertung vom 17.03.2023
Fremde Federn
Lindermuth, Alina

Fremde Federn


ausgezeichnet

Berührende Geschichte - Aus dem Leben gegriffen und doch auch poetisch

Der Roman „Fremde Federn“ von Alina Lindermuth besticht wie ich finde durch seine Authentizität. Sehr gelungen fängt die Autorin die Lebensrealität der dementen und gebrechlichen Rosmarie, ihrem Enkel Tom und den wechselnden zwei Frauen der 24-Stunden-Betreuung ein. Obwohl vor allem aus der Perspektive von Tom erzählt wird, kommen doch die Herausforderungen für alle Beteiligten dieser besonderen Wohnsituation gut rüber. Schöne und berührende Momente, wechseln sich mit Frust, Ärger und Ablehnung ab und erzeugen im Gesamten ein wirklich stimmiges Bild. Wer sich noch nicht mit dem Thema häusliche Pflege beschäftigt hat, findet hier interessante Einblicke in die Materie. Toll ist außerdem, dass Tom als männlicher Hauptprotagonist zwischen Care-Arbeit und Erwerbsarbeit dargestellt wird und auch sonst ist die Geschichte wirklich reflektiert und greift auf nicht zu viele Klischees zurück. Trotz der Schwere des Themas, war der Roman für mich insgesamt eine angenehme Lektüre. Der Schreibstil gefiel mir überaus gut, las sich soweit flüssig und konnte Situationen oft poetisch, wie auch treffend beschreiben. Am Ende bleibt vieles offen, wie im wirklichen Leben eben auch so oft. Und obwohl ich eigentlich kein Fan von offenen Enden bin, war dieses Vorgehen hier für mich passend. Und so lässt mich dieser ruhige und doch tiefgehende Roman, nachdenklich und aufgewühlt zurück. Gerne vergebe ich, für dieses doch besondere Werk, volle 5 Sterne und eine Leseempfehlung!