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Christina19

Bewertungen

Insgesamt 69 Bewertungen
Bewertung vom 27.04.2024
Ein Traum aus Nuss und Schokolade / Café Alba Bd.1
Lombardi, Emilia

Ein Traum aus Nuss und Schokolade / Café Alba Bd.1


sehr gut

Eine starke junge Frau in einem atmosphärischen Setting

Emilia Lombardi erzählt in ihrem Roman von Francesca, die als junges Mädchen in den 1940er Jahren bei Familie Milani als Hausmädchen arbeitet. Die Familie betreibt das Café Alba in der gleichnamigen Stadt und serviert ihren Gästen köstliches Gebäck, leckere Kuchen und besondere Torten. Als Francesca eines Tages in der Backstube aushilft, entdeckt sie ihre Liebe zum Handwerk – und zum Sohn der Milanis. Gemeinsam arbeiten sie Hand in Hand. Da die nötigen Zutaten für die Köstlichkeiten nach dem Krieg mitunter schwer zu bekommen sind, ist Ideenreichtum gefragt. Francesca und Matteo entwickeln neue Rezepte und sehen vor allem in ihrer Haselnusscreme großes Potential. Auf das junge Paar warten jedoch ungeahnte Widrigkeiten und schwere Schicksalsschläge…

Die Geschichte rund um Francesca ist eingebettet in ein atmosphärisches Setting. Sie spielt in der italienischen Stadt Alba, die im Piemont liegt. Emilia Lombardi gelingt es, die Landschaft in Norditalien, die Stadt, das Markttreiben und das Café sehr bildhaft zu beschreiben. Das Gebäck, das in der Backstube zubereitet wird, kann man dadurch förmlich riechen und schmecken.
Viele Figuren wie Francesca, Matteo, dessen Vater und die Köchin Antonella sind liebenswürdig dargestellt. Mit Matteos Mutter und einigen weiteren Figuren, die an dieser Stelle noch nicht verraten werden sollen, stehen ihnen Gegenspieler gegenüber, die mitunter höchst unsympathisch sind und für mächtig Furore sorgen. Entsprechend hält die Handlung viele unerwartete Ereignisse sowie Wendungen bereit, sodass der Verlauf der Geschichte kaum vorhersehbar ist. Ich habe das Buch daher mit Spannung verfolgt, muss aber anmerken, dass einzelne Situationen auf mich ein wenig konstruiert wirkten. Sprachlich ist der Roman leicht verständlich und gut lesbar. Viele Situationen sowie die Gedanken und Gefühle der Hauptfigur werden umfassend beschrieben, wobei manches aus meiner Sicht etwas kürzer gefasst oder mit Leerstellen versehen werden könnte.
Inhaltlich thematisiert der Roman in erster Linie die Erfolgsgeschichte einer neuartigen Leckerei angefangen von der ersten Idee, die in der Not geboren wurde, bis zum landesweiten Durchbruch. Damit erinnert „Café Alba“ an den namhaften Nuss-Nougat-Aufstrich eines großen Herstellers im Piemont. Daneben geht es aber auch um die Stellung der Frau in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Mit Francesca wurde eine Figur geschaffen, die im Verlauf der Handlung mehr und mehr Stärke entwickelt und sich ein Stück weit emanzipiert, wodurch sie sich in der Welt der Männer behaupten kann. Außerdem klingt im Roman eine Liebesgeschichte ebenso an wie die Entbehrungen der Menschen nach dem Ende des Krieges. Eine sehr vielseitige Geschichte also, deren Ende neugierig auf Francescas weiteren Lebensverlauf macht und damit Stoff für eine Fortsetzung bietet. Laut Verlag soll diese unter dem Titel „Café Alba – Zeiten in goldenem Glanz“ im Spätherbst erscheinen.

Bewertung vom 15.04.2024
Die Stimme der Kraken
Nayler, Ray

Die Stimme der Kraken


gut

Ein Thriller, der zu Natur- und Umweltschutz mahnt

Seit Jahrhunderten ranken sich Legenden um die Ungetüme in den Gewässern vor Don Cao. Nachdem sie mehrere Menschenleben auf dem Gewissen haben, wächst das Interesse großer Konzerne an den hochentwickelten Lebewesen. Die Bewohner der Insel werden mit einer großzügigen Abfindung umgesiedelt und schon bald beginnt die Wissenschaftlerin Ha unter größter Geheimhaltung mit der Erforschung der Tiere. Während sie erstaunliche Entdeckungen zur Sprache und Kultur der Kraken macht, geschehen im Rest der Welt ungeheuerliche Dinge…

Die Handlung spielt in der Zukunft, in der Künstliche Intelligenz längst zum Alltag gehört. Mit selbststeuernden Schiffen, allgegenwärtiger Überwachung durch Drohnen und dem ersten Androiden wird aufgezeigt, in welche Richtung sich unsere bisherigen technischen Errungenschaften noch entwickeln könnten. Teils empfinde ich das Szenario als sehr beängstigend!
Eingebettet in dieses Setting erleben wir abwechselnd die Wissenschaftlerin Ha, den Hacker Rustem und den Sklaven Eiko. Neben den drei genannten Figuren tauchen etliche Nebencharaktere auf. Die in dem Buch gewählten Namen sind für mich eher ungewöhnlich, weshalb ich anfangs einige Mühe hatte, mir diese zu merken und sie auseinanderzuhalten. Man lernt jede der Hauptfiguren ein wenig kennen und erfährt, was sie in ihre aktuelle Lebenssituation gebracht hat. Auffallend ist, dass alle drei eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber ihren Mitmenschen aufweisen. Sie haben daher kaum soziale Kontakte und sind sehr einsam. Nach meiner Auffassung ist dies eine Folge der fortgeschrittenen Technisierung der Welt. Leider wurde ich mit keiner der drei Figuren wirklich warm, bis zum Schluss blieben sie mir fremd. Vieles bleibt in den Erzählungen nur vage umschrieben – allen Voran die Auftraggeber der Charaktere bzw. deren Interessen. Hier erfährt man lediglich, dass hinter den Machenschaften Großkonzerne stecken, für die ein Menschenleben nichts wert ist. Um ihre Interessen durchzusetzen, nehmen sie daher auch Sklaverei und Mord in Kauf. Damit wird in dem Buch ein sehr düsteres Weltbild gezeichnet. Die drei Erzählstränge werden am Ende zusammengeführt, sodass mir einige Inhalte und Verbindungen erst dann klar wurden.
Im Lauf der Geschichte werden an mehreren Stellen die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns oder des Körpers einer Krake beschrieben. Auch beinahe philosophische Absätze darüber, was Verstand bedeutet oder die Seele ist, sind enthalten. An diesen Stellen fiel es mir zeitweise etwas schwer zu folgen. Die Kapitel sind kurz gehalten, sodass sie sich meist zügig lesen lassen. Der Autor versteht es dabei, jeden Leseabschnitt so zu gestalten, dass er mit einer Situation endet, die neugierig auf die weiteren Ereignisse macht.
„Die Stimme der Kraken“ behandelt mehrere Themenkomplexe. Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, die uns die KI bietet ebenso wie eine Auflistung der Gefahren, die von ihr ausgehen. Vor allem aber übt der Roman deutliche Kritik an uns Menschen, die wir uns oft als die am weitesten entwickelte Spezies sehen und keine anderen Lebewesen mit ähnlicher Kultur und Sprache neben uns dulden. In der Geschichte klingt die Aufforderung an, sich nicht als überlegener Herr der Welt anzusehen, sondern im Einklang mit der Umwelt und in Verbundenheit mit anderen Spezies zu leben. Dazu gehört es, ab und an die Perspektive zu wechseln: Wir Menschen nehmen unsere Umgebung auf eine ganz bestimmte Art und Weise wahr. Doch wie sieht unsere Umwelt uns? Wie sieht die Krake die Spezies Mensch, die in ihren Lebensraum eindringt, diesen gefährdet und zahlreiche Tiere jagt? Nur dann, wenn man sich diese Fragen stellt, ist ein gegenseitiges Verständnis möglich. Damit ist „Die Stimme der Kraken“ ein eindringliches Plädoyer für die Auseinandersetzung mit der Natur und unserer Umwelt sowie eine Aufforderung zu deren Schutz.

Bewertung vom 27.03.2024
25 letzte Sommer
Schäfer, Stephan

25 letzte Sommer


ausgezeichnet

Ein kluger Roman voller Weisheiten

Mit „25 letzte Sommer“ ist Stephan Schäfer ein kluger Roman gelungen. Er erzählt von einem Mittvierziger, der die Arbeit, Anerkennung und das Geldverdienen in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat. Getrieben von den Erwartungen anderer sowie den eigenen hat er schleichend immer mehr Pflichten gegen immer weniger Freiheiten eingetauscht. So zieht er sich am Ende einer vollen Arbeitswoche ohne seine Familie in das gemeinsame Wochenendhaus auf dem Land zurück. Dort trifft er beim morgendlichen Joggen auf Karl, dessen Leben nicht gegensätzlicher sein könnte. In langen Gesprächen lernen die beiden Männer sich kennen und spüren rasch eine Verbundenheit zueinander. Der Erzähler beginnt, seinen Lebensstil zu überdenken und erkennt, worauf es wirklich ankommt.

Mit dem Ich-Erzähler, dessen Namen man im Verlauf des Romans nicht erfährt, hat der Autor eine Figur geschaffen, in der sich wohl viele Menschen wiedererkennen können. „Irgendetwas ist immer.“ - Oft unter Druck und ständig gestresst bleiben die eigenen Interessen sowie das eigene Wohlbefinden häufig auf der Strecke. Der Protagonist ist hier in unserer schnelllebigen Arbeitswelt absolut realistisch gezeichnet. Während er sich nun fragt, an welcher Stelle in seinem Leben er falsch abgebogen ist, um in diesen Strudel zu geraten, steht ihm mit Karl eine Figur entgegen, die im völligen Kontrast dazu lebt. Der Mittsechziger wirkt in sich ruhend, zufrieden und glücklich. Der Erzähler ist überrascht davon, wie wohl er sich bei Karl fühlt und wie schnell er sich ihm gegenüber öffnen kann. Die Zeit vergeht in der Gegenwart des Älteren sehr schnell, sodass der Erzähler seine Verpflichtungen für eine Weile vergessen kann. Auch mir erging es beim Lesen so, dass sich Karls gelassene Art auf mich übertragen hat, ich zur Ruhe kommen konnte und das Buch sehr genossen habe.
An mehreren Stellen des Romans habe ich gestoppt, um die Worte auf mich wirken zu lassen. In den Seiten stecken einige Fragen und Weisheiten, die ihren Raum und ihre Zeit brauchen, um ihren tiefgründigen Inhalt zu entfalten: „Warum hab ich mir selbst nicht oft genug erlaubt, einfach das zu tun, was mir guttut? Und warum hab ich nicht mehr im Leben gewagt?“ (S. 33, 34) Ich habe noch tagelang über so manche Textstelle nachgedacht und hoffe, die Worte selbst verinnerlichen zu können. Ein absolut empfehlenswerter Roman, den ich auf jeden Fall noch einmal lesen möchte!

Bewertung vom 26.03.2024
Mein Gefühle-Heft. Ausmalen, ausfüllen und Dampf ablassen mit Eddie
Bohnstedt, Antje

Mein Gefühle-Heft. Ausmalen, ausfüllen und Dampf ablassen mit Eddie


sehr gut

Gefühle kindgerecht thematisieren und ergründen

„Mein Gefühle-Heft – Ausmalen, ausfüllen und Dampf ablassen mit Eddie“ stammt aus dem Don Bosco Verlag. Das Material eignet sich als Ergänzung zu den Bildkarten mit Eddie, die es im gleichen Verlag gibt. In meinen Augen kann man das Heft aber auch als eigenständiges Lehrmittel nutzen, um die Auseinandersetzung von Kindern mit ihren Emotionen anzuleiten. Auf über 30 Seiten werden insgesamt 14 Gefühle thematisiert, darunter Wut, Angst und Neid sowie Freude, Liebe und Stolz. Die Auswahl der Emotionen ist sehr umfangreich und vielfältig.
Zu jedem Gefühl kann eine Doppelseite gestaltet werden, wobei die Aufgaben Malen und Zeichnen genauso wie Lesen und Schreiben umfassen. Idealerweise sollten Kinder also schon einige Buchstabenkenntnisse besitzen. Alternativ kann ich mir aber auch vorstellen, dass der begleitende Erwachsene hier unterstützend zur Seite steht und das Vorlesen und Eintragen von Antworten übernimmt.
Mir gefällt, dass die Aufgaben auf die unterschiedlichsten Aspekte von Gefühlen abzielen: An welcher Stelle im Körper kann man etwas fühlen? Welche Situation hat das ausgelöst? Welche Form und Farbe kann dieses Gefühl haben und wie würde es klingen? Was kann mir ggf. helfen? Gut finde ich auch, dass zwischen den Emotionen teilweise Verknüpfungen hergestellt werden, z. B. Scham und Angst oder Zufriedenheit als Gelassenheit. Bei einigen negativen Emotionen wie dem Ekel wird außerdem darauf hingewiesen, dass diese eine Schutzfunktion haben. Das würde ich mir beispielsweise auch bei der Angst wünschen, sodass man mit Kindern besser ergründen kann, woher dieses Gefühl kommt und ihm einen positiven Nutzen zuschreiben kann.
Toll ist das Gefühlerad, das im Heft enthalten ist und gemeinsam gebastelt werden kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dieses leicht in den Alltag einbinden kann und somit auch dann noch mit dem eigenen Kind über dessen Gefühlswelt sprechen kann, wenn das Heft bereits vollständig ausgefüllt ist.

Bewertung vom 24.03.2024
Gefühle wahrnehmen, beschreiben und zuordnen mit Eddie
Bohnstedt, Antje

Gefühle wahrnehmen, beschreiben und zuordnen mit Eddie


ausgezeichnet

Gut durchdachtes und ansprechend gestaltetes Material

Das Set besteht aus insgesamt 30 Bildkarten, mit denen Kindern der Zugang zu Emotionen ermöglicht werden kann. Dabei wird zunächst ein Überblick über die Gefühle gegeben, die thematisiert werden. Darunter sind Freude, Trauer und Wut genauso wie beispielsweise Neugier, Neid und Schuld. Die Auswahl finde ich sehr gelungen, da sie alle Emotionen umfasst, die Kinder tagtäglich durchleben.
Auf einer weiteren Karte erhält man eine Einweisung in die Verwendung der Materialien. Sehr hilfreich ist an dieser Stelle die Triggerwarnung für vorbelastete Kinder.

Zu jedem Gefühl folgen nun jeweils zwei Karten: eine Gefühle- und eine Szenen-Karte. Auf der ersten wird die jeweilige Emotion durch das kleine Monster Eddie dargestellt. Kinder erkennen hierbei, wie sich beispielsweise Angst durch die Mimik und die Körperhaltung zeigt. Gut finde ich, dass der Fokus nicht allein auf äußerliche Merkmale gelegt wurde, sondern neben der Figur ebenfalls aufgezeigt wird, wie sich die Emotion für Eddie im Inneren anfühlt. Die Zeichnungen sind dabei treffend gewählt, sodass man die Gefühle auch ohne die Erklärungen leicht erkennen kann. Auf der Rückseite der Karten befinden sich einige Hinweise. Dank der Beschreibungen und ausformulierten Fragen sind diese sehr konkret und erleichtern die Arbeit mit Kindern.
Die Szenenkarten sind jeweils beidseitig bedruckt und liefern passende Gesprächsanlässe. Die ausgewählten Situationen sind meines Erachtens gut durchdacht, denn sie sind sehr vielfältig. So werden sowohl Beispiele dargestellt, in denen Gefühle durch die Interaktion mit Mitmenschen ausgelöst wurden (z. B. Trauer wegen Hänseleien), aber auch solche, in denen materielle Dinge ursächlich für Emotionen sind (z. B. Stolz auf den neuen Roller).

Die Aufmachung des Sets gefällt mir ausgesprochen gut! Die Illustrationen stellen die Emotionen genau dar. Die kleinen Monster sind niedlich gestaltet und in ihrer Farbigkeit sehr ansprechend, ohne zu bunt zu sein. Die Karten selbst sind klar strukturiert und keineswegs überladen. Außerdem sind die Materialien aus stabilem Karton gefertigt, sodass man lange Freude daran hat.
Wer Kindern beibringen möchte, Gefühle wahrzunehmen, zu beschreiben und zu reflektieren, ist mit diesem Set gut beraten!

Bewertung vom 17.03.2024
Die Entflammten
Meier, Simone

Die Entflammten


sehr gut

Eine starke, aber weitgehend unbekannte Frau

„Die Entflammten“ erzählt von Gina, deren Vater ein mehr oder minder erfolgreicher Autor ist. Sie studiert Kunstgeschichte und befasst sich dabei mit Vincent van Gogh. Schnell lernt sie dessen Schwägerin Johanna kennen, von der sie zunehmend fasziniert ist. Gina beschließt, es ihrem Vater gleichzutun und beginnt mit ihrer Arbeit an einem Buch.
Ein zweiter Erzählstrang berichtet aus dem Leben von Johanna van Gogh-Bonger. Wir lernen sie als junge Frau kennen, erfahren von ihrer Ehe mit Theo van Gogh und ihrem Wirken nach dessen frühen Tod.

Das Buch stellt die Leistung von Johanna van Gogh-Bonger in den Mittelpunkt, die Vincent van Gogh nach dessen Tod berühmt gemacht hat. Johanna wird anfangs als eine zarte junge Frau beschrieben, die sich durch ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu einer starken Persönlichkeit entwickelt. Dabei erfährt man viel über sie und ihre Familie, genauso wie über die Familie van Gogh und den bekannten Maler.
Kapitelweise wechselt sich die Erzählung mit der über Gina ab. Hier werden viele Episoden aus ihrem Leben erzählt, wobei ihr Vater als Autor eine große Rolle einnimmt. Dabei geht es um Themen wie Erfolg und Misserfolg, Selbstverwirklichung und persönliches Glück, aber auch um familiäre Beziehungen und Erwartungen.
Die Autorin verbindet die beiden Geschichten geschickt miteinander, wobei sich etliche Parallelen zwischen den Familien auftun.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich den Erzählstil, der teilweise recht ausschweifend war. Außerdem wurde auf direkte Rede bzw. deren Markierung durch die entsprechenden Satzzeichen verzichtet. Durch diesen fließenden Übergang von direkter Rede in den Redebericht/inneren Monolog wird Ginas Rolle als Ich-Erzählerin gestärkt, denn ich hatte durchgängig das Gefühl, in ihren Gedanken zu lesen. Allerdings hat das Fehlen der Anführungszeichen nach meinem Ermessen die Lesefreundlichkeit des Textes herabgesetzt.

Bewertung vom 13.03.2024
König von Albanien
Izquierdo, Andreas

König von Albanien


sehr gut

Ein unterhaltsamer Roman über einen sympathischen Hochstapler

Mit seinem Freund Max schlägt sich Otto seit einiger Zeit durch Konstantinopel. Um an Geld zu kommen, ist den beiden jede Betrügerei recht. Ob ein arrangiertes Hunderennen oder manipulierte Wetten, an Einfallsreichtum mangelt es nicht. Als sich die politische Lage auf dem Balkan zuspitzt, sieht Otto seine Chance, König von Albanien zu werden. Dank seiner Ähnlichkeit mit Prinz Eddine, grandioser Ideen sowie einer großen Portion Glück gelingt ihm der Coup und mit ihm beginnt ein außergewöhnliches Abenteuer!

Der Roman stammt aus der Feder von Andreas Izquierdo, der mit einem angenehmen Schreibstil überzeugen kann.
Die Geschichte spielt in den Jahren 1912/1913 und dreht sich um die Erlebnisse von Otto Witte. Obwohl der Protagonist ein Hochstapler ist, hat er meine Sympathien geweckt. Seine Streiche, so kriminell sie auch sind, haben mich öfter schmunzeln lassen, sodass ich sie ihm kaum übelnehmen konnte. Neben ihm werden eine übersichtliche Anzahl weiterer Figuren beschrieben, die Otto teils freundschaftlich gegenüberstehen, ihm teils aber auch eher feindlich gesonnen sind. Nachdem Ottos Geschichte in Konstantinopel beginnt, spielt der Großteil später in Albanien. Hierbei wird an mehreren Stellen die politische Lage des Landes im frühen 20. Jahrhundert beschrieben. Mit dieser war ich bislang nicht vertraut und empfand daher manche Szenen als etwas langatmig.
In seinem Werk gibt der Autor der Geschichte von Ottos Tagen als König eine Rahmenhandlung. Diese spielt in einer Heilanstalt für Gemütskranke in Salzburg und wird aus Sicht eines angehenden Arztes erzählt. Durch den Ortswechsel sowie die unterschiedliche Erzählperspektive gewinnt der Roman an Tiefe und für den Leser bietet sich eine willkommene Abwechslung.
Überraschend ist für mich die Tatsache, dass die Geschichte einen wahren Kern hat. Neben der Hauptfigur Otto Witte basieren auch andere Figuren auf real existierenden Personen. Ob der wahre Otto allerdings wirklich zum König von Albanien gekrönt wurde, wie er zeit seines Lebens behauptet hatte, konnte nie bewiesen werden.
„König von Albanien“ hat mich mit seinen Figuren und deren Abenteuern öfter überrascht, stellenweise berührt und insgesamt gut unterhalten!

Bewertung vom 12.03.2024
Ein Zuhause für deinen Drachen
Felber, Ulrike

Ein Zuhause für deinen Drachen


ausgezeichnet

Alle Gefühle sind willkommen

Mit „Ein Zuhause für deinen Drachen“ entführt Ulli Felber Kinder in eine magische Welt. Dort lebt Mari, die einen ganz besonderen Drachen hütet. Gemeinsam mit der uraltenjungen Frau lernt sie diesen besser kennen und sein Verhalten zu verstehen.

Das Buch verzaubert mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Hierbei fallen zunächst die farbenfrohen Illustrationen auf, die den Leser in eine fantastische Welt entführen. Die sprachliche Gestaltung der Geschichte unterstreicht diese Wirkung: Anschauliche Beschreibungen und besondere Adjektive wie „uraltjung“, „immerlaut“ und „wildwogend“ sorgen dafür, dass die Vorstellungskraft geweckt wird und sich beim Lesen fantasievolle Bilder vor dem inneren Auge auftun.
Die Hauptfigur ist mit Mari ein junges Mädchen, das stets auf seinen Drachen Acht gibt, damit er nicht aus seiner Höhle entkommt. Der Drache steht hierbei sinnbildlich für Maris Gefühle. Mit der uraltenjungen Frau erkundet sie Freude, Traurigkeit, Wut, Angst und Scham. Die Gefühle sind klasse beschrieben, da zuerst benannt wird, was sie auslösen kann, und anschließend aufgezeigt wird, welche Macht sie besitzen. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf den positiven Aspekten unserer Emotionen. So wird beispielsweise Angst als ein Warnsignal, dass uns etwas nicht guttut, dargestellt. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass manche Gefühle für eine kurze, andere für eine längere Zeit bleiben – doch keines hält für immer an.
Die Botschaft von „Ein Zuhause für deinen Drachen“ finde ich unglaublich wertvoll: Das Buch kann Kindern vermitteln, dass alle Gefühle ihre Ursachen sowie ihren Nutzen haben und somit wichtig sind. Wir sollten sie daher nicht unterdrücken, sondern annehmen und willkommen heißen.

Bewertung vom 04.03.2024
Fensterbrettgarten
Haßler, Deike

Fensterbrettgarten


sehr gut

Tipps für einen Nutzgarten auf kleinstem Raum

In „Fensterbrettgarten“ zeigt Deike Haßler, wie man auch ohne großen Garten Obst, Gemüse und Kräuter anpflanzen kann. Auf über 100 Seiten erklärt sie zunächst die Grundlagen von der benötigten Ausstattung über die Standortbedingungen und das Saatgut bis hin zum Gießen und Düngen. Anschließend widmet sich die Autorin nacheinander dem Außen- und dem Innenfensterbrett, wobei sie durch zahlreiche Pflanzenportraits geeignete Nutzpflanzen vorstellt, einige Rezepttipps gibt und auf Schädlinge eingeht.

Die Idee des Buches gefällt mir richtig gut! Gerade in größeren Städten, in denen nicht jede Wohnung einen Balkon oder gar eine Terrasse mit ein wenig Grün hat, finde ich es toll, dennoch die Möglichkeit zu haben, mich ein Stück weit selbst zu versorgen.
Deike Haßler gibt dem Leser dafür alles an Wissen an die Hand, was von der Anzucht bis zur Ernte benötigt wird. Für Anfänger ist das ideal. Wenn man schon etwas Erfahrung im Gärtnern gesammelt hat, kann man einige der Informationen im Buch jedoch überspringen. Für mich interessant waren vor allem die Idee des Regrowings, die Upcycling-Ideen sowie die richtige Auswahl an Pflanzen für meine Standorte. Die Pflanzenportraits sind hierbei recht hilfreich, da darin neben den Ansprüchen an Licht und Temperaturen auch der Platzbedarf aufgegriffen wird. Gut gefallen mir außerdem die Vorschläge zum vertikalen Gärtnern, wobei ich mir dieses Kapitel etwas ausführlicher gewünscht hätte und mir auch das eine oder andere DIY vorstellen könnte.
Das Buch ist weitgehend klar gegliedert und die einzelnen Seiten sind übersichtlich gestaltet. Ansprechende Fotos runden die Informationen ab und machen Lust auf das Gärtnern.

Bewertung vom 04.03.2024
Leuchtfeuer
Shapiro, Dani

Leuchtfeuer


gut

Das bedrückende Schicksal zweier Familien

Eine Familie, die ein Geheimnis mit sich trägt, und eine Familie, deren Sohn besondere Interessen hegt. Beide Nachbarn. Ihr Schicksal führt sie zusammen. Dies sind - knapp formuliert - die Zutaten für den Roman "Leuchtfeuer".
Nachdem die Geschwister Theo und Sarah einen schweren Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang verursacht haben, liegt ein dunkler Schatten über der bisher glücklichen Familie. Statt jedoch über das Geschehene zu reden und die Ereignisse aufzuarbeiten, schweigt Familie Wilf.
Als Jahre später auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein junges Paar einzieht, bringt der Zufall Ben Wilf mit deren Sohn Waldo zusammen. Zwischen ihnen, die beide ihr Päckchen zu tragen haben, entwickelt sich eine enge Beziehung.

Nachdem dieses Buch so intensiv beworben wurde, wollte ich es unbedingt lesen. Leider kann ich die Begeisterung hierfür nicht teilen, was schon mit der Erzählweise beginnt: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern enthält Rückblenden und Vorausschauen. Bis zum Schluss konnte ich mich damit nicht richtig anfreunden, da es mir das Verständnis erschwerte und teilweise auch Ereignisse vorweggenommen wurden.
Auch inhaltlich ist das Buch hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. So hatte ich darauf gehofft, dass alle Familienmitglieder die Einsicht gewinnen, man müsse über den schlimmen Unfall sprechen und dass sie ihr Trauma dadurch gemeinsam bewältigen. Hier hätte ich mir also ein versöhnliches Ende gewünscht. Stattdessen hat das Geschehene die Familie jahrelang belastet und die einzelnen Mitglieder entzweit. Erst viel zu spät haben Theo, Sarah und Ben begonnen den Unfall aufzuarbeiten, sodass die negative Grundstimmung des Buches für mich bis zum Ende bestehen blieb.
Ein nicht unerheblicher Teil des Romans dreht sich um Familie Shenkman, die zwar keinen direkten Bezug zu dem Autounfall hat, die jedoch ebenfalls ein schwieriges Schicksal ereilt. Deren Sohn Waldo ist eine bezaubernde Figur, die mir definitiv ans Herz gewachsen ist. Er ist es, der beide Familien zusammenbringt. Die Umstände, unter denen Waldo aufwächst und lebt, empfinde ich als traurig, sodass mich auch dieser Teil des Romans bedrückt zurücklässt.
Wenn ich ein positives Resümee aus "Leuchtfeuer" ziehen müsste, dann die persönliche Erkenntnis, dass innerhalb der eigenen Familie belastende Themen nicht unausgesprochen bleiben sollten.