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Furbaby_Mom

Bewertungen

Insgesamt 512 Bewertungen
Bewertung vom 03.11.2019
Die Kinder des Nordlichts
Winterberg, Linda

Die Kinder des Nordlichts


gut

Netter weihnachtlicher Kurzroman.
Da mich "Aufbruch in ein neues Leben" von Linda Winterberg sowohl im Hinblick auf Schreibstil als auch Handlungsaufbau restlos begeistert hatte, freute ich mich riesig, als ich dieses neue Werk von der Autorin entdeckte. Bei "Die Kinder des Nordlichts" handelt sich um einen Mini-Folgeroman zu "Das Haus der verlorenen Kinder," welches ich noch nicht gelesen hatte.

Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Betty verlässt Marie Norwegen und kehrt nach Deutschland zurück. Sie hat schwer an diesem Verlust zu knabbern, insbesondere, weil sie Betty erst kurz vor deren Tod kennengelernt hatte und den beiden Frauen nur wenig gemeinsame Zeit vergönnt gewesen war. Auch Maries Freundin Elin hat ihre Oma verloren; sie trifft der Verlust noch härter, denn zeitgleich verliert sie damit auch ihren Arbeitsplatz – sie hatten gemeinsam ein Café betrieben. Marie überzeugt Elin davon, ihren deutschen Großvater ausfindig zu machen und verspricht, ihr bei der Suche nach ihm zu helfen. Tatsächlich gelingt es Maries Freundin Gertrud, Elins Opa Wilhelm aufzuspüren – doch eine erste Begegnung verläuft für die junge Frau dermaßen enttäuschend, dass sie Deutschland am liebsten gleich wieder verlassen würde: Wilhelm leugnet, Elins Oma je gekannt zu haben. Zum Glück stehen Marie und Gertrud Elin bei und überzeugen sie davon, nicht gleich alle Hoffnung aufzugeben. Stattdessen wagen sie einen Neuanfang: die Eröffnung eines norwegischen Cafés, im Zentrum Wiesbadens. Keine leichte Aufgabe, mitten im Vorweihnachtstrubel…

Ich habe mir während der Lektüre immer wieder in Erinnerung rufen müssen, dass es sich um einen Kurzroman handelt, um nicht unbegründet enttäuscht zu sein. Am besten lässt es sich wohl so ausdrücken: die Autorin schreibt viel zu sensationell, um auf solch ein kleines Format beschränkt zu werden – auf mehreren hundert Seiten, da können sich ihre Figuren unverwechselbar entfalten. Bei dieser Kurzausgabe bleibt ihr allerdings gerade mal Gelegenheit, die Charaktere halbwegs vorzustellen. Ich weiß, dass die Autorin wundervolle zwischenmenschliche Beziehungen aufs Papier zaubern und Figuren erschaffen kann, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Leider war dies hier nicht möglich, was ich unglaublich schade finde. Wenn schon so wenig Seiten (- von denen ein gewisser Anteil dazu noch für Rückblicke / Erinnerungen verwendet werden muss, damit auch Leser ohne Vorkenntnisse der Handlung folgen können -), dann hätte auch hinsichtlich des Inhalts bzw. der verschiedenen Themen eine Kürzung vorgenommen werden müssen: z.B. ein Roman über zwei Freundinnen, die ein norwegisches Café eröffnen, fertig – ohne Familienhintergrund. Oder zwei Freundinnen, die gemeinsam nach einem verschollenen Verwandten suchen – ohne Café. So aber war es zu viel des Guten und wirkte an vielen Stellen etwas unglaubwürdig, gerade im Hinblick auf die chaotische Geschäftseröffnung. Sagen wir einfach, in einem Weihnachtsroman darf man die Realität gerne etwas verbiegen, um zum erhofften Happy End zu kommen; das ist schon okay. Mein Romanliebling war ganz klar die herzensgute Gertrud und ich hoffe, dass die Autorin uns in der Zukunft noch mit einem Roman über Elins Leben in Deutschland beglücken wird.

Ein ganz großes Plus dieser Kurzgeschichte sind die detaillierten Beschreibungen des Cafés, von der Einrichtung bis hin zu den servierten Köstlichkeiten – gäbe es das "Café Farsund" tatsächlich, könnten sich die Betreiber gewiss nicht retten vor Kundschaft. Die vielen leckeren norwegischen Rezepte im Anhang (Pfefferkuchen, Kuchen, Glühwein) lassen einem auf jeden Fall das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch die in die Handlung eingeflochtene Weihnachtsstimmung hat zum Lesegenuss beigetragen.

Fazit: Eine nette kleine Vorweihnachtsstory, die wohl größtenteils als Ergänzung zum Hauptroman zu sehen ist, von dem ich mittlerweile schon viel Positives gehört habe und der nach wie vor auf meiner Wunschliste steht.

Bewertung vom 03.11.2019
Die Zeit der Töchter
Maybach, Katja

Die Zeit der Töchter


ausgezeichnet

Mitreißender Nachkriegsroman.
Katja Maybach hat mit diesem bewegenden, gut recherchierten Werk wunderbar den Zeitgeist der 50er Jahre eingefangen. Es ist schon erschreckend, wie oft Geschichte sich wiederholt – und dennoch scheint die Menschheit einfach nicht dazuzulernen. Viele der damaligen Probleme sind auch heute leider noch allgegenwärtig.

Es ist das Jahr 1957. Der Krieg mag vorbei sein, doch noch immer gibt es Ausgrenzung und Hassparolen in Deutschland. Wie kann das möglich sein? Die Schwägerinnen Vivien und Maria verfolgen entsetzt, wie der Fremdenhass von der Partei 'Freunde der Heimat' wieder neu befeuert wird. Seit Jahren setzen sich die beiden Frauen für Flüchtlinge aus dem Osten ein. Auch Besatzungskinder haben es nicht leicht, werden oftmals schikaniert und angefeindet. Vivien freundet sich mit dem fünfjährigen Daniel an, dem Sohn eines dunkelhäutigen Amerikaners. Daniel hofft seit Jahren vergeblich auf die Heimkehr seines Vaters, während seine Mutter, eine junge Ostpreußin, Tag und Nacht schuftet und nie Zeit für den kleinen Jungen hat. Vivien ist wild entschlossen, dem Kind und seiner Mutter zu helfen und ahnt nicht, dass sie sich mit ihrem Mitgefühl selbst zur Zielscheibe macht… Währenddessen leben die Cousinen Anna und Antonia gemeinsam in München und beschließen, ihren Müttern eine große Überraschung zu bereiten: sie wollen die Frauen aufspüren, die einst von Maria und Vivien aus einem Lager gerettet worden waren.

Ich hatte den Vorgängerband, "Die Stunde unserer Mütter", noch nicht gelesen, trotzdem habe ich dem Geschehen problemlos folgen können – mehr noch: die Autorin versteht es, die Leser von der ersten Seite an so gekonnt in den Bann zu ziehen und immer wieder subtil kleine Rückblenden und Erklärungen zur Vergangenheit der Figuren einfließen zu lassen, dass man sich von Anfang an 'mittendrin' fühlt. Alle Figuren sind intensiv ausgearbeitet und facettenreich gestaltet worden; so unterschiedlich die Frauen auch sind, so geeint sind sie in ihrem Mut, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer Güte. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, wobei auf eine sehr übersichtliche und stets nachvollziehbare Struktur geachtet worden ist. Auch die Kapitellänge habe ich als sehr angenehm empfunden. Neben den vier weiblichen Hauptfiguren erhält man zudem einen Einblick in die Gedanken von Veronika (- der hübschen jungen Ostpreußin, die als Kellnerin im Wirtshaus regelmäßig Avancen wie auch Feindseligkeiten abwehren muss -) und Marie-Luise (- einem Teenager, dessen Vater ein Kriegsverbrecher gewesen war -).

Für mich stand hauptsächlich das Schicksal von Vivien und dem kleinen Daniel im Vordergrund (- viele Tränen habe ich darüber vergossen, wie herzlos manche Menschen selbst Kindern gegenüber waren -), auch wenn die anderen einzelnen Handlungsstränge ebenfalls interessant waren. Der emotionale Schreibstil der Autorin hat mich absolut begeistert – die Lektüre war eine regelrechte Achterbahn der Gefühle für mich, berührende Szenen wechselten sich ab mit Momenten der Wut und Fassungslosigkeit. Das Werk ist keine leichte Kost, wie das lebensfrohe Cover vielleicht suggerieren mag, aber zeitgleich ist es auch voller Hoffnung.

Fazit: Ein ergreifender historischer Roman, dessen Thematik heute aktueller denn je ist.

Bewertung vom 02.11.2019
Der Tod tanzt in Graz
Preis, Robert

Der Tod tanzt in Graz


sehr gut

Düsterer Regionalkrimi.
Für mich war es das erste Mal, dass ich dem Ermittlerteam um Armin Trost begegnet bin, dennoch lässt sich das Werk gut auch ohne Vorkenntnisse lesen, da die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit kurz im Laufe der Erzählung umrissen werden und man ein Gefühl für die Zusammenhänge bekommt.

Wer hier aufgrund des Volksmusik-Themas eine gemütliche Cosy Crime-Stimmung erwartet, irrt gewaltig. Auch in der schönen Steiermark, in dessen Hauptstadt Graz das größte Volksfest des Jahres ansteht (- das "Aufsteirern" -), ist nicht alles Gold was glänzt, schon gar nicht in der Musikbranche, die mit Schunkelrhythmen den Trachtenträgern und Biersüfflern eine heile Welt vorgaukelt. Bei einer Fanwanderung auf der Alm wird ein Musiker aus dem Hinterhalt erschossen und er wird nicht das einzige Mordopfer bleiben. Ermittlerin Annette Lemberg (eine zugezogene Deutsche) und ihr Kollege Hinterher (der den Spitznamen "Graf" hat und im wahrsten Sinne 'hinterher' ist, nämlich nach seiner hübschen Kollegin) müssen ohne ihren untergetauchten Abteilungsleiter auskommen, denn Armin Trost ist verschwunden – ab und zu erhalten sie eine kryptische Nachricht von ihm, sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Dennoch ist Trost alles andere als untätig und mischt fleißig mit in den Ermittlungen, wenn auch zunächst undercover. Allen Bemühungen zum Trotz scheint der Mörder der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein und alles steuert auf einen fulminanten Showdown hin, mitten in den Feierlichkeiten des Aufsteirerns – ein logistischer Albtraum.

Die Kapitel sind recht lang, jedoch übersichtlich unterteilt. Die Spannung steigt bis zum Schluss kontinuierlich an und nie entsteht ein Eindruck der Langatmigkeit oder Langeweile. Meine Lieblingsfigur war Lemberg, in die ich mich prima hineinversetzen konnte. Im Anschluss an den Roman folgt ein Anhang, der über Wahrheit und Fiktion aufklärt und eine Vielzahl typisch steirischer Begriffe zum Thema Volksmusik erläutert. Der Schreibstil verlangt dem Leser definitiv Konzentration ab, was bei einem Krimi/Thriller auch völlig berechtigt ist. Einzig der konstant negative Touch, der unterschwellig immer mitschwang, war mir manchmal ein wenig zu viel; etwas mehr Humor (nicht nur rabenschwarzer) wäre toll gewesen. Das Cover allerdings ist äußerst treffend gewählt worden und fängt die düstere Stimmung perfekt ein.

Fazit: Bestens geeignet zum Mitfiebern und Miträtseln!

Bewertung vom 02.11.2019
Die Dame hinter dem Vorhang
Peters, Veronika

Die Dame hinter dem Vorhang


ausgezeichnet

Ein absolutes Lese-Highlight!
Ich kann die Autorin nur beglückwünschen zu diesem wundervollen Werk, das mich zutiefst berührt und inspiriert hat! Zu Beginn der Lektüre war der Name Edith Sitwell mir kein Begriff und so war ich gespannt auf die schillernde Persönlichkeit, die sich wohl dahinter verbergen würde. Ich kann nur sagen: Was für ein Lesegenuss! Meisterhaft verknüpft die Autorin Wahrheit mit einem Hauch Fiktion. Für mich war es das stimmungsvollste Portrait, das ich je gelesen habe.

Als Edith im Jahre 1887 auf Renishaw Hall zur Welt kommt, sind ihre Eltern entsetzt: weder ist sie der erhoffte männliche Nachkomme der noblen Familie noch ist sie hübsch. Insbesondere Letzteres ist in den Augen der Eltern ein unverzeihlicher Makel, den es zu beseitigen gilt; andernfalls stünden Ediths Chancen auf dem Heiratsmarkt schlecht. Edith, die mit einem beeindruckend scharfen Verstand und einer schier unglaublichen Vorstellungskraft und Kreativität gesegnet ist, wird in eine Streckapparatur gesteckt; lediglich die Hausangestellten fühlen mit dem jungen Mädchen, das von ihrer Familie seit Geburt an nur kühle Zurückweisung und Ablehnung erfahren hatte. Und dann ist da noch Ediths Freundin Emma Banister, die Tochter des obersten Gärtners, die Edith beisteht. Jahre später wird Emmas Tochter (Jane) Edith als deren persönliches Dienstmädchen nach London begleiten. Sie wird Ediths mitunter engste Vertraute, Freundin, Ratgeberin und bleibt dennoch stets ihre Angestellte, wahrt weiterhin eine ehrfürchtige Distanz. Speziell kleine Gesten in dieser innigen Freundschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen haben mich oftmals zu Tränen gerührt. Durch Emmas und Janes Augen lernen wir die Grande Dame kennen und begleiten sie durch ihr bewegtes Leben: durch Friedenszeiten und Krieg, finanzielle Dürreperioden, unerwiderte Liebe und den ganz großen schriftstellerischen Erfolg. Ob London, Paris, New York oder Hollywood – nie weicht Jane von Ediths Seite. Edith polarisiert und eckt an, ist nie ungerecht, sagt stets, was sie denkt und tut es mit der Eleganz einer Raubkatze. Sie ist exzentrisch, aber stets äußerst loyal ihren Freunden und Brüdern gegenüber. Ihre Intelligenz ist beflügelnd, ihre Spitzzüngigkeit bei Kritikern gefürchtet. Sie hat früh gelernt, Unabhängigkeit zu schätzen, sehnt sich nach Liebe und wird doch nie heiraten, vergöttert ihre Katzen und kann furchtbar launisch sein.

Einfühlsam, emotionsgeladen, voller humorvoller Elemente und geprägt von intensiver Recherche ist der Schreibstil der Autorin Veronika Peters. Selten hat ein Buch mich dermaßen in seinen Bann gezogen. Es ist ein Werk, bei dem man am liebsten laut in die Welt hinausschreien möchte: "Alle mal herhören! Ihr müsst dieses Buch lesen!" Die Liebe fürs Detail zeigt sich nicht nur an den unheimlich authentischen Dialogen und detaillierten Beschreibungen, sondern auch an der wunderschönen Buchgestaltung samt Lesebändchen sowie dem enorm umfangreichen Literaturverzeichnis – ein Traum für alle Vielleser.

Fazit: Das eindrucksvolle Portrait einer mutigen, charakterstarken Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Für mich ist es eines der Lese-Highlights der letzten Jahre. Unbedingte Leseempfehlung!!

Bewertung vom 29.10.2019
Die Hoffnung zwischen den Zeilen
Olofsson, Elin

Die Hoffnung zwischen den Zeilen


weniger gut

Kein 'historischer' Roman. Dafür langatmig und emotionsarm.
Von in dem in Schweden so gefeierten Werk "Die Hoffnung zwischen den Zeilen" hatte ich mir aufgrund des vielversprechenden Klappentexts und des wunderschönen Covers einiges erwartet, eine Geschichte mit unglaublichem Potential. Leider ließ mich der Roman relativ unberührt und enttäuscht zurück; gegen Mitte bis Ende der Lektüre hatte ich nur noch eine Hoffnung zwischen den Zeilen: dass das Buch bald zu Ende sein möge.
Als die junge Ulrike im Jahr 1949 erfährt, dass ihr in Norwegen stationierter Verlobter Hansi desertiert und gestorben ist, hält sie nichts mehr in Deutschland. Nicht nur Hansis Tod lässt sie keinen Frieden finden, auch ein Bündel ominöser Briefe, die Hansis verbitterte Mutter ihr vor die Füße geknallt hatte. Hansi hatte Kontakt zu einer Frau namens Elsa Pettersson gehabt – aber warum? Wer ist diese Frau, die im kleinen nordschwedischen Örtchen Krokom lebt? Woher kannten sie und Hansi sich? Wird Ulrike sie finden und zur Rede stellen können? Tatsächlich gelingt ihr das scheinbar Unmögliche und sie spürt Elsa auf, die zunächst alles andere als begeistert über den Überraschungsgast aus Deutschland ist. Letztlich aber beschließt Elsa, die verzweifelte junge Deutsche ins Vertrauen zu ziehen – denn sie hütet seit langer Zeit ein gefährliches Geheimnis.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ärgere ich mich über den folgenden, im Innencover enthaltenen Text, in dem es heißt: "Mit großer Empathie und Wärme erzählt Elin Olofsson von der ungewöhnlichen Freundschaft zweier junger Frauen, die mutig ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen." Zwei junge Frauen kommen in der Handlung vor, das ist richtig. Aber Empathie und Wärme sucht man als Leser vergebens. Welche Freundschaft?! Wohl eher ein Machtgefüge. Beide weiblichen Hauptfiguren werden größtenteils oberflächlich-neutral beschrieben, sodass man kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Zudem fehlt es ihren Entscheidungen häufig an Nachvollziehbarkeit. Tatsächlich hat eine von ihnen mich ob ihrer Ignoranz und anmaßenden Haltung permanent genervt – wie dreist, penetrant und gewissenlos kann man sein?! Mein anfänglicher Respekt für die andere der beiden Frauen, ihre Tüchtigkeit und ihr Bestreben, das Richtige zu tun, löste sich immer mehr in Wohlgefallen auf, da sie sich dermaßen demütig ausnutzen lässt, dass ich ein paar Mal wütend das Buch zuschlagen wollte. Einzig zwei Nebenfiguren (ein Ehepaar) waren sympathisch geschildert. Die Briefe, denen eigentlich die Schlüsselrolle des gesamten Werks hätte zustehen sollen, werden als beiläufige Randerscheinung abgetan und wirkten auf mich eher wie ein Mittel zum Zweck. Man erfährt kaum etwas über ihren Inhalt. Die Thematik 'Zweiter Weltkrieg' wird nur angerissen; stattdessen nimmt die Beschreibung von Krokom und dessen diverser Einwohner einen Großteil der Handlung ein, die sich zäh wie Kaugummi zieht. Zwar wurden 1, 2 spannende Elemente eingebaut, aber deren Auflösung gestaltete sich recht realitätsfremd.
Der Schreibstil ist äußerst sachlich und emotionslos. Für mich überwog ein Eindruck deprimierender Tristesse und Negativität; ich hatte beim Lesen das Gefühl, unter einer grauen Wolke zu sitzen – eventuell ist das ja gewollt von der Autorin und es mag Leser geben, denen die Dauer-Düster-Stimmung gefällt; mein Fall war es nicht.
Fazit: Meine 2 Sterne setzen sich zusammen aus dem tollen, leider trügerischen Cover und der Grundidee, aus der man viel hätte machen können.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.10.2019
Weihnachtsküsse und Schneegestöber
Lewis, Emily

Weihnachtsküsse und Schneegestöber


ausgezeichnet

Ich liebe dieses Buch! Achtung: Suchtpotential!
Für mich kam Weihnachten dieses Jahr schon etwas früher – nämlich mitten im Herbst, als ich dieses wundervolle Werk der Autorin Emily Lewis lesen durfte! Sooooooo schön!!
Ihren 18. Geburtstag hatte sich Vanessa, die gemeinsam mit ihrem Bruder Vigo nach dem Tod der Eltern von ihrer Oma Katrina großgezogen worden war, gewiss anders vorgestellt. Ihr Freund hatte sich mit einer fadenscheinigen Ausrede vor ihrer großen Geburtstagsfeier gedrückt. Und Grandma Katrina sieht plötzlich rot, als Vanessa sich für ihre Geburtstagsreise ausgerechnet Cambridge aussucht – jenen Ort, den ihre Eltern so geliebt hatten. Hat dies womöglich mit der 50 Jahre alten Postkarte zu tun, die Nessie auf dem Dachboden ihrer Oma entdeckt hatte? Einmal in Cambridge angekommen, trifft sie auf einen unerwarteten Mitbewohner in der angemieteten Wohnung: den charismatischen & unverschämt gutaussehenden Trevor, der vom 1. Augenblick an ihren Herzschlag beschleunigt. Er bietet sich nicht nur als Vanessas persönlicher Reiseführer an & organisiert eine unvergessliche (& höchst romantische) Tour durch das winterlich verschneite Cambridge für sie, sondern erklärt sich zudem bereit, Vanessa hinsichtlich der geheimnisumwobenen Postkarte zu unterstützen: gemeinsam wollen sie den Absender ausfindig machen. Die Frage ist nur, wie Grandma Katrina reagieren wird, sollten sie den besagten Herrn tatsächlich finden. Und: warum geht Trevor plötzlich auf Distanz, nachdem er zuvor so ungezwungen mit Nessie geflirtet hatte?
Ich weiß gar nicht wohin mit mir vor lauter Begeisterung über diese berührende, absolut mitreißende Weihnachts-Love Story! Die Geschichte strotzt nur so vor liebenswerten Charakteren, die einem bereits nach kurzer Zeit ans Herz wachsen. Ob Haupt- o. Nebenfiguren, sie alle sind so facettenreich, tiefgründig & schlichtweg angenehm, d. man sich am liebsten in den nächsten Flieger setzen & sie in Cambridge bei ihren Abenteuern begleiten würde. Katrina – eine durch & durch goldige Person, wie man sie sich nur als Oma wünschen kann – hat mich in vielen ihrer Gesten o. Aussprüchen an meine eigene Omi erinnert. Vanessa ist eine bewundernswert charakterstarke junge Frau & hat mich mit ihrer Gewissenhaftigkeit, ihrer Schlagfertigkeit & ihrem aufrichtigen Wesen immer wieder vom Hocker gerissen. Ein klasse Vorbild für junge Mädchen & die perfekte Hauptfigur! Und dann gibt es da noch Trevor, der garantiert die Herzen vieler, vieler Leserinnen zum Schmelzen bringen wird… (Ich sage nur: Mr. Darcy-Level!) Ein Traumtyp!
Die auf 2 Zeitebenen aufgeteilte Handlung (Vanessa in der Gegenwart, ihre Grandma in der Vergangenheit) ist stimmig aufgebaut & so logisch strukturiert, dass jegliches Durcheinanderkommen ausgeschlossen ist. Besonders gefallen hat mir, d. der kreative, humorvolle Schreibstil immer zeitgemäß ist & die Autorin es schafft, authentische Dialoge herbeizuzaubern, ohne sich nervigen Jugendslangs zu bedienen. Die Beschreibungen von Cambridge sind so realistisch & einladend, d. man komplett in die Story eintaucht. Es kommt ja oft vor, d. in Romanen z.B. ein Stadtbummel beschrieben wird & häufig wird dies dann mit wenigen Sätzen abgehandelt; die berühmtesten Sehenswürdigkeiten werden mal eben erwähnt & fertig – hier ist das zum Glück ganz & gar nicht der Fall! Ich hatte nach der Lektüre wirklich richtig Lust auf eine Reise nach Cambridge! Und auch das Thema Weihnachten kommt nicht zu kurz, speziell die Feiertage sind ein zentrales Element der Handlung.
Für mich war es das 1. Buch der Autorin und ich hoffe ganz fest auf einen Folgeroman (vielleicht über Vigo &?) bzw. auf ein Wiedersehen mit den Figuren. Auf jeden Fall gehört "Weihnachtsküsse und Schneegestöber" ab sofort zu meinen Lieblingsbüchern!
Fazit: Eine bezaubernde Geschichte voller Weihnachtsflair, ganz viel Herzklopfen & mit Figuren, in die man sich verlieben könnte! Dieses Buch macht einfach glücklich und gehört auf jeden Wunschzettel!

Bewertung vom 19.10.2019
Unter samtweichem Himmel
Ganshert, Katie

Unter samtweichem Himmel


ausgezeichnet

Wundervoller christlicher Roman!
Für mich war dies das erste Werk der Autorin Katie Ganshert und es hat mich vollends begeistert. - So sehr, dass ich bereits ihrem nächsten Roman entgegenfiebere.

Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Bethany dem kleinen, erdrückenden Kaff Peaks, wo jeder jeden kennt, den Rücken zugekehrt und ein paar Stunden Fahrzeit später ein gänzlich neues Leben in Chicago begonnen hat. Fortan würde sie nie mehr das arme kleine Mädchen aus dem Trailer-Park sein, sondern eine versierte, selbstbewusste, finanziell erfolgreiche Architektin. Mit ihrer besten Freundin aus Kindheitstagen, Robin, hat sie schon längst nichts mehr zu tun, auch ihre Mutter fehlt ihr nicht – im Gegenteil. Bethany hatte es nicht erwarten können, volljährig zu werden und sich von all dem, was sie jahrelang bedrückt hatte, lösen zu können. Einzig an ihren Großvater Dan denkt sie gelegentlich mit schlechtem Gewissen, mit ihm hatte sie als Kind unvergesslich schöne Stunden auf seiner Farm verbracht. Mitten in ihren hektischen Arbeitsalltag platzt ein Anruf von Bethanys Mutter, der alles verändert. Dan hatte einen Herzinfarkt. Und auch Robin, jene Frau, die ihr einst so nahestand und zu der sie vor Jahren jeden Kontakt abgebrochen hatte, wurde von einem schweren Schicksalsschlag ereilt. So gerne sie es auch vermieden hätte, Bethany gibt ihrem Impuls nach und reist zurück an den Ort, von dem sie einst geflohen war – ein kurzer Pflichtbesuch soll es werden, mehr nicht. Das sollte doch zu schaffen sein, oder? Sie hat jedoch nicht mit der Wärme gerechnet, die das Wiedersehen mit Grandpa Dan in ihrem Herzen auslöst, mit der aufrichtigen Dankbarkeit, die Robin ihr entgegenbringt oder mit dem charismatischen Evan, der seit geraumer Zeit ihrem Grandpa mit der Farmarbeit zur Hand geht…und zu ihrem größten Widersacher zu werden droht.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die sich äußerst harmonisch ergänzen und in ihrer Abfolge nie verwirrend sind. Insbesondere die Figuren Bethany, Robin und Evan sind außergewöhnlich tiefgründig ausgearbeitet worden und man hat bereits nach kurzer Zeit das Gefühl, sie zu kennen. Auch ihre Dialoge sowie Gedankengänge sind durch und durch authentisch und nachvollziehbar. Der intensive, emotionsgeladene Schreibstil, vor allem in Kombination mit den dramatischen Ereignissen, mit denen die Charaktere allesamt zu kämpfen haben, hat mich mehr als nur einmal zu Tränen gerührt. "Selbst wenn wir alles richtig machen, werden trotzdem Dinge falsch laufen." - Während Robin und Evan aus ihrem Glauben an Gott Kraft ziehen, hat Bethany sich von der Kirche abgewandt…ein Konflikt, der einfühlsam und ohne moralischen Zeigefinger thematisiert wird. Vergebung ist ein zentrales Handlungselement, ebenso Vertrauen – in Gott, in andere Menschen sowie in sich selbst.

Die ländliche Abbildung auf dem wunderschönen Cover (- so bezaubernd, dass es ein Puzzlemotiv sein könnte -) wurde in meiner Phantasie zum Handlungsort (Dans Farm). Einmal mit der Lektüre begonnen, habe ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen können.

Fazit: Ein inspirierendes Werk, das mich zutiefst berührt zurückgelassen hat. Taschentücher bereitlegen!

Bewertung vom 18.10.2019
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
Turton, Stuart

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle


ausgezeichnet

Mordsspannend! - "In diesem Haus trägt jeder eine Maske."
Stuart Turton ist mit diesem Werk ein Geniestreich gelungen; ich kann mich nur verneigen vor der Genialität dieses komplizierten Plots, der bis ins letzte Detail stimmig ist und wahrlich Spannung bis zum Schluss garantiert. Bravo! Ich habe den Roman als Audiobuch, sensationell stimmungsvoll gelesen von Sprecher Frank Stieren, genießen dürfen und möchte an dieser Stelle seine gelungene Interpretation hervorheben. An manchen Stellen standen mir die Haare vor Angst zu Berge, weil er die Atmosphäre so authentisch zu erzeugen vermag, dass man vor Nervosität (und Angst um das Schicksal der Figuren) den Atem anhält. Besser hätte man dieses Werk nicht lesen können, Hut ab!
Hinsichtlich des Inhalts fasse ich mich kurz, da ich keineswegs in Gefahr geraten möchte, etwas zu spoilern. - Du bist zum Ball geladen: auf ein in die Jahre gekommenes, verlassenes Anwesen mit dem düsteren Namen "Blackheath", dessen Vergangenheit ebenso dunkel ist wie die Seelen der anderen Partygäste. Der Tag des feierlichen Events wird sich immer wiederholen – bis du den Mörder enttarnt hast, der für den Tod der Tochter des Hauses, Evelyn Hardcastle, verantwortlich ist. Ansonsten gibt es auch für dich kein Entkommen. Der Haken an der Sache: du erwachst jeden Tag in einem anderen Körper…und der Mörder ist bereits auf der Suche nach dir. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Wer komplizierte Rätsel und einen vor Kreativität strotzenden Schreibstil schätzt, wird diese Geschichte lieben. Fantasy meets 'Und täglich grüßt das Murmeltier' mit einem Schuss von Agatha Christie. …definitiv ein Whodunnit der ungewöhnlichen Art, im positiven Sinne. Überhaupt gibt es nichts an diesem Werk, das nicht außergewöhnlich ist. Warnung: Mitdenken ist angesagt. - Jeden. Einzelnen. Moment! Aufgrund der Vielzahl der Charaktere, die noch dazu in verschiedene Rollen schlüpfen bzw. an unterschiedlichen Tagen im Körper eines Anderen erwachen, muss man wirklich höllisch aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren – was gewiss so beabsichtigt ist, da die Handlung wie ein (höchstwahrscheinlich blutverschmiertes) Wollknäuel dahergekullert kommt, das es zu entwirren gilt. Es ist so viel mehr als der gewöhnliche Mordfall und bei Weitem vielschichtiger als die 'üblichen' Verdächtigen bzw. die 'typischen' Spekulationen!
"Nicht zum ersten Mal beschleicht mich das sichere Gefühl, mich auf dem Holzweg zu befinden." - Stets wenn ich dachte: 'Okay, jetzt habe ich eine Ahnung, wer welche Rolle spielt' (= wer Täter oder Opfer ist), gab es plötzlich eine Wendung, die ich so nie und nimmer hätte kommen sehen – immer und immer wieder. Wem kann man trauen?
Fazit: Abwechselnde Perspektiven, Zeitsprünge und ein komplexes Rätsel, das mit jeder scheinbaren Antwort eine neue Frage aufwirft… Ja, es ist ein gedankliches Mammutwerk, aber bis ins kleinste Detail durchdacht – Dranbleiben und Mitfiebern lohnt sich.