Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
MaWiOr
Wohnort: 
Halle

Bewertungen

Insgesamt 3704 Bewertungen
Bewertung vom 17.07.2023
Aufbau Literatur Kalender 2024

Aufbau Literatur Kalender 2024


ausgezeichnet

Seit der ersten Ausgabe 1968 ist der Aufbau-Literaturkalender mein ständiger und zuverlässiger Jahresbegleiter in Sachen Literatur, der mich stets neben Informationen auch mit Anregungen versorgt hat. Mit der 2024- Ausgabe liegt nun bereits der 57. Jahrgang des wohl dienstältesten deutschsprachigen Literaturkalenders vor. Wie seine Vorgänger ist er neben der klassischen vor allem der internationalen, zeitgenössischen Literatur verpflichtet.

Das Titelblatt des Kalenders ist der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux (geb. 1940) gewidmet, die im Vorjahr mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde. Es ist längst eine gewohnte Tradition, dass der Aufbau-Kalender an literarische Jubiläen des Jahres erinnert. 2024 sind das z.B. der 150. Geburtstag des englischen Erzählers und Dramatikers William Somerset Maugham (25. Januar), der 100. Todestag von Franz Kafka (3. Juni), der 50. Todestag von Erich Kästner (29. Juli) oder der 100. Geburtstag der österreichischen Schriftstellerin Friederike Mayröcker (20.12.).

Der Kalender besticht durch seine abwechslungsreiche Vielfalt und macht dabei auf viele internationale SchriftstellerInnen aufmerksam, die bisher der deutschen Leserschaft eher unbekannt waren – z.B. die irisch-amerikanische Schriftstellerin Maeve Brennan (1917-1993), die erste afroamerikanische Dichterin Phillis Wheatley (1753-1784) oder die rumänische, deutschsprachige Dichterin Selma Merbaum (1924-1942), die mit 18 Jahren in einem NS-Arbeitslager starb. Also genügend Anlässe zum zukünftigen Kennenlernen.

Jedes Wochenblatt ziert eine großformatige Abbildung (schwarz/weiß oder farbig). Meist sind es historische Fotos, Gemälde, Karikaturen oder Zeichnungen, die den kurzen literarischen Text illustrieren. Dazu gibt es eine Kurzbiografie des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin. Das Kalendarium tritt mit einer kleineren Schriftgröße dezent in den Hintergrund. Trotzdem sind zu jedem Kalendertag bis zu zehn Geburts- oder Sterbejahre von Autoren der Weltliteratur angeführt.

Die 2024-Ausgabe präsentiert sich jedenfalls wieder als ein verlässlicher Jahresbegleiter, der viele Anregungen zur Lektüre und zur Beschäftigung mit der Literatur gibt. Mit seinen Illustrationen ist er ein Wandschmuck und mit seinen informativen Texten zugleich ein kleines Literaturlexikon. Aufgrund der langen Tradition ist der Kalender natürlich auch ein Sammlerobjekt.

Bewertung vom 14.07.2023
Ottilie von Goethe

Ottilie von Goethe


ausgezeichnet

In der letzten Zeit rückte das Schicksal von Ottilie von Goethe (1796–1872) verstärkt ins Interesse. Erinnert sei nur an die Biografie „Die Schwiegertochter – Das Leben der Ottilie von Goethe“ von Dagmar von Gersdorff oder die Ausstellung „Ottilie von Goethe – Mut zum Chaos“ der Weimarer Goethe- und Schiller Archivs.

Nun hat der Germanist Ulrich Janetzki im Verlag Sol et Chant eine umfangreiche Neuerscheinung mit Zeugnissen von ihr bzw. ihren Zeitgenossen herausgebracht. In fünf Kapiteln werden die verschiedenen Lebensabschnitte von Ottilie von Goethe beleuchtet und belegt. Das erste Kapitel ist ihren Jugendfreundschaften und ihrer Verlobungszeit (1806-1817) gewidmet. Eine Zeit, die geprägt war von den Napoleonischen Kriegen und den Befreiungskriegen. 1817 wurde Ottilie die Gattin von Goethes Sohn August, obwohl ihre adelsstolzen Verwandten die Ehe mit dem unehelichen Sohn des Dichterfürsten nicht billigten. Sie zog in das berühmte Weimarer Haus am Frauenplan ein; doch trotz dreier Kinder (Walther, Wolfgang und Alma) erwies sich die Ehe mit August als problematisch. Neben den Ehejahren (1817-1830) werden im zweiten Kapitel auch ihre Gedichtveröffentlichung in der Zeitschrift „Chaos“ (1829 von ihr gegründet) behandelt. Es folgen die zwei Jahre (1830-1832) bis zu Goethes Tod.

Ottilie war jetzt 36 Jahre alt, die zweite Hälfte ihres Lebens lag noch vor ihr. Sie verließ das allzu enge Weimar. Es folgten Jahre mit wechselnden Aufenthaltsorten, die im Kapitel „Wanderjahre bis Adeles Tod (1832-1849)“ behandelt werden. (Adele Schopenhauer, die Schwester des Philosophen und Ottilies langjährige Freundin). Wo immer sie sich aufhielt, knüpfte Ottilie von Goethe Kontakte zur Literatur- und Kunstszene. Ihr „Alter und Lebensende 1849-1872)“ wurde von Reisen nach Italien und der Übersiedlung mit ihren Söhnen Walther und Wolf nach Weimar in das Haus am Frauenplan bestimmt. Am 26. Oktober 1872, kurz vor ihrem 76. Geburtstag, verstarb Ottilie von Goethe.

Anhand zahlreicher Dokumente (meist Briefe, aber auch Aufzeichnungen und Zeitungsartikel) sowie historischen Abbildungen lernen die LeserInnen nun die „ganze“ Ottilie von Goethe kennen, auch ihre geistreiche und künstlerische Seite, ihren Freiheitsdrang und ihre verzweifelte Such nach dem Liebesglück. In ihrem Nachwort (kein Schlusssatz) beleuchtet die Literaturhistorikerin Francesca Fabbri die bisherige Rezeptionsgeschichte, die erst in den 1980er Jahren Ottilies Rolle als Pionierin in den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext heraushob.

Bewertung vom 13.07.2023
Fernweh im Paradies
Mücke, Matthias

Fernweh im Paradies


ausgezeichnet

In dem Roman „Fernweh im Paradies“, der im Vorjahr erschien, erinnert sich der Maler Matthias Mücke an die Zeit der Ost-Berliner Boheme in den letzten Tagen der DDR, an das aufregende Leben in den heruntergekommenen Altbauten im Prenzlauer Berg. Hier tummelt sich ein buntes Völkchen: Punks, Schwule, Bohemiens, brotlose Künstler und Rockbands. Diese Subkultur und Hausbesetzungen erlebt der 17-jährige, namenlose Erzähler hier tagtäglich.

Im Leipziger Buchfunk Verlag ist die Lesung (Dauer 4 h 31 min) des autobiografisch gefärbten Romans erschienen. Dem bekannten Sprecher Stefan Kaminski gelingt es dabei, die Atmosphäre der Hinterhöfe, der Partys, des untergehenden Mauerstaates und der ungeahnten Freiräume einzufangen. Temporeich und witzig … einfach ein Hörerlebnis. Außerdem wird die Lesung mit Geräuschen und Musik von Mark Badur untermalt, was dem Text zusätzlich Atmosphäre verleiht.

Bewertung vom 13.07.2023
Die Zauberflöte (MP3-Download)
Mozart, Wolfgang Amadeus

Die Zauberflöte (MP3-Download)


ausgezeichnet

Der Schauspieler und Sprecher Frederic Böhle war auch häufig an Projekten mit klassischer Musik beteiligt. Mit der Reihe „Opera re:told“ möchte er nun Musiktheater neu vermitteln. Böhle, der sein Schauspielstudium am Mozarteum Salzburg absolvierte und bereits während des Studiums für die Salzburger Festspiele auf der Bühne stand, hat natürlich eine Vorliebe für Mozart. Und so wurde Mozarts berühmteste Oper „Die Zauberflöte“ zum Startprojekt der Reihe.

Böhle erzählt die Handlung und kommentiert den Kern der Oper und wird dabei musikalisch unterstützt von den „Gutenberg Winds“, einem Bläser-Oktett plus Kontrabass aus Mainz. Damit wird das Meisterwerk vor allem für Opernneulinge zugänglich gemacht, aber auch „alte Opernhasen“ werden erstaunt sein, wie frisch und wunderbar Mozarts Oper auch in kleiner Besetzung klingt. Sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 11.07.2023
Peter Hacks auf der Fenne in Groß Machnow (1974-2003)
Dell, Matthias

Peter Hacks auf der Fenne in Groß Machnow (1974-2003)


ausgezeichnet

Peter Hacks (1928-2003) gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Außerdem verfasste er Lyrik und Erzählungen. In München studierte er Soziologie, Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaften in München. Doch 1955 gab er seine schriftstellerische Laufbahn im Westen auf und ging in den Osten, wo er ebenfalls Karriere machte. Der exzentrische Dichter war Gentleman und Genie, Snob und Stalinist, Polemiker und Dandy.

Nach jahrelanger Suche nach einem geeigneten Landsitz konnte Hacks 1973 endlich eine ehemalige Ziegelei auf freiem Feld zwischen Mittenwalde und Groß Machnow pachten. Ein Refugium, „Fenne“ genannt, für ein würdiges Dichterleben mit drei aufwendig restaurierten Gebäuden samt eigens errichtetem Turm. Im Heft 72 der Frankfurter Buntbücher beleuchtet der Kulturjournalist die knapp drei Jahrzehnte Hacks und seiner Frau Anna Elisabeth Wiede auf dem „Landsitz“.

Zunächst gibt er einen Überblick zu Biografie und Werk des Dichters, ehe er die „Fenne“ als Ausdruck von Hacks‘ Selbstinszenierung eines sozialistischen Dichters als Goethe-ähnlichen Klassiker näher beschreibt. Die Kosten für Erwerb und Umbau der „Fenne“, der bis 1977 dauerte, werden auf eine Million DDR-Mark beziffert. In den folgenden Jahren wurden die Räumlichkeiten mit eleganten Einrichtungen und wertvollen Kunstgegenstän-den ausgestattet. Die „Fenne“ war für Hacks nicht nur Arbeits-Domizil sondern auch ein Ort für seine Sammelleidenschaft von Antiquitäten, Gemälden und Accesoires. Heute ist das Anwesen im Besitz des Eulenspiegel Verlages.

Bewertung vom 10.07.2023
Mit deutschen Gedichten durch das Jahr 2024 - Tagesabreißkalender zum Aufstellen oder Aufhängen

Mit deutschen Gedichten durch das Jahr 2024 - Tagesabreißkalender zum Aufstellen oder Aufhängen


ausgezeichnet

Schon der alte Geheimrat schrieb: „Man soll jeden Tag wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen ist, einige vernünftige Worte sprechen." Doch kaum jemand hat daheim soviele Gedichtbände. Das mit dem täglichen Gedicht lässt sich mit dem Kalender „Mit deutschen Gedichten durch das Jahr 2024“ aus dem Südwest Verlag trefflich bewerkstelligen.
Der Abreißkalender im Format 15 x 11 cm bringt jeden Tag (Sa und So werden dabei zu einem Wochenendtag zusammengefasst) ein kurzes Gedicht, das mitunter einen Bezug zum jeweiligen Tag oder zur Jahreszeit hat. Den Auftakt macht der Vers „Neujahrsglocken“ von Conrad Ferdinand Meyer. Im Januar und Februar findet man dann vermehrt Wintergedichte, während im März der Frühling Vorrang hat oder im Mai Liebesgedichte dominieren. So kommen z.B. am Schalttag Karoline von Günderrode oder am Frühlingsanfang Detlef von Liliencron zu Wort.
Das Spektrum der vertretenen LyrikInnen ist dabei sehr breit gefächert, wobei Autoren aus dem 18. und vor allem 19. Jahrhundert überwiegen. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dagegen ist nicht vertreten (70 Jahre Urheberrecht). Das Jahr 2024 wird schließlich mit einem Silvester-Vers von Erich Mühsam verabschiedet.
Als langjähriger Lyrikfreund ist mir jedoch besonders positiv aufgefallen, dass der Tageskalender neben so bekannten Namen wie Goethe, Schiller, Heine, Eichendorff, Uhland, Storm, Fontane oder Rilke auch Gedichte von vielen unbekannteren SchriftstellerInnen bietet. So hält der Kalender selbst für den Lyrikkenner so manche Überraschung und Neuentdeckung parat.
Die einzelnen Tagesblätter sind schön gestaltet, dass man sicher das eine oder andere Blatt sammelt. Der Abreißkalender eignet sich sowohl als Wandkalender, aber noch mehr als Schreibtischkalender. Dafür besitzt er eine äußerst stabile Rückwand zum Aufstellen. Ein willkommener Kalender, der jeden Tag einen lyrischen Start in den Alltag garantiert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.