Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Mel.E
Wohnort: 
L.
Über mich: 
Mein Blog: http://melbuecherwurm.blogspot.de/

Bewertungen

Insgesamt 1270 Bewertungen
Bewertung vom 22.11.2016
Die Schöne und der Tod / Max Broll Krimi Bd.1
Aichner, Bernhard

Die Schöne und der Tod / Max Broll Krimi Bd.1


sehr gut

Gelungener außergewöhnlicher Auftakt einer Krimireihe

Die Max-Broll-Krimis
1. Die Schöne und der Tod
2. Für immer tot
3. Leichenspiele



Durch die Thrillerreihe "Totenfrau" und "Totenhaus" (Abschluss der Reihe "Totenrausch" erscheint im Januar 2017) war mir der Autor Bernhard Aichner schon bekannt und ich wusste eigentlich schon zuvor, worauf ich mich einlassen werde. Auch "Die Schöne und der Tod" begeisterte durch einen außergewöhnlichen Schreibstil. Es dauerte zwar einen Moment, bis ich mich mit den vielen eingebauten Dialogen zurechtfand, aber nach einigen gelesenen Seiten konnte ich mich auch damit anfreunden. "Die Schöne und der Tod" ist der Auftakt einer Buchreihe, die ich als recht gelungen empfunden habe.

Max Broll, ein Totengräber und sein bester Freund, ein ehemaliger Fußballstar sind die Helden dieses Krimis und wenn ich ehrlich bin, brillieren sie durch reichlich Alkoholkonsum, wobei sie dabei die besten Ideen zu entwickeln scheinen. Es ist leicht gewöhnungsbedürftig, gibt der Stimmung aber einen gewissen Charme. Max, der sich mit Toten umgibt, ist längst nicht so abgestumpft, wie es auf den ersten Blick erscheint. Als seine große Liebe Emma sich bei ihm meldet, um ihm vom Tod ihrer Schwester Marga zu berichten und ihn gleichzeitig bittet die Beerdigung zu übernehmen, werden alte vergrabene Gefühle wieder wach. Es sind also einige innere Kämpfe vorprogrammiert. Alles verläuft relativ normal, bis Max entdeckt, dass er seine Uhr, ein Erbstück miteingegraben hat, als Marga beerdigt wurde und diese natürlich finden will. Nun überschlagen sich die Ereignisse und ein Krimi entwickelt sich, in dem einige skurrile Handlungen und Begebenheiten einschlagen wie eine Bombe. Durch die Dialoge wird die Handlung komplett aufgepeppt und das eine ums andere Mal musste ich wirklich sehr schmunzeln, da Max und Beroni absolut dämlich reagieren und eigentlich auch zwei Persönlichkeiten sind, die nicht zum Helden geboren sind. Mitunter handeln sie wirklich einfältig und als Leserin war ich mehrfach versucht, die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen vor Verzweiflung. Wer den Krimi nicht ganz so ernst nimmt, wird sich tatsächlich köstlich amüsieren können.

Auch mit "Die Schöne und der Tod" beweist Bernhard Aichner, das er seine großartige Gabe des Schreibens nutzen konnte, auch wenn natürlich Ernsthaftigkeit fehlt, die durch beschriebene Situationskomik durch seine beiden Protagonisten einiges wieder wett machen konnte, was ich vermisst hätte. Letztendlich ist die Story rund und hat mich mehrere Stunden beschäftigen können. Gerne eine Leseempfehlung für einen wirklich außergewöhnlichen Krimi in dem der Alkohol in Strömen fließt und Protagonisten in ihrem Rausch zu echter Kreativität in der Verbrechensbekämpfung versetzt.

Bewertung vom 19.11.2016
Über mir der Himmel
Nelson, Jandy

Über mir der Himmel


ausgezeichnet

In "Über mir der Himmel" wird Trauer deutlich hervorgehoben. Sie ist eine gewaltige Macht, die das Leben von Lennie von Grund auf verändert. Bailey verstirbt und ihre jüngere Schwester muss lernen alleine zurechtzukommen. Es hilft ihr, ihre Gedanken aufzuschreiben in Form von Texten und Gedichten, die sie überall verteilt. Dort wo sie sich befindet, lässt sie sie fallen. Die Texte selbst, sind auch für uns zu lesen. Manche Gedanken betrüben, manche erheitern und es wirkt dadurch sehr lebhaft, da es immer wieder eingestreut wird und den Roman optisch regelrecht verschönern. Sie sind ein Teil des Romans und wirken authentisch auf dem Weg ins Leben zurück. Ein Leben, welches Lennie nun alleine gestalte muss. Sie schwankt emotional sehr, denn es wird deutlich, dass sie Bailey immer als die bessere und schönere Schwester betrachtet hat und sich selbst in ihren Schatten gestellt hat. Lennie empfindet sich weder als hübsch, noch als besonders liebenswert. Als sie sich verliebt, lernt sie sich selbst wertzuschätzen, auch wenn der Weg bis dahin sehr steinig wirkt.
"Über mir der Himmel" ist ein wirklich gelungener Jugendroman, der zwar auch traurige Momente beinhaltet, die aber nicht überwiegen, denn der Schmerz, den der Verlust eines geliebten Menschen mit sich bringt, wird immer bleiben und die Erinnerungen immer wieder auf uns einströmen, da wir aber diejenigen sind, die weiterleben müssen, müssen wir uns erneut Glücksmomente schenken. Was natürlich heißt, das wir die Verstorbenen ausklammern aus diesen Erlebnissen. "Über mir der Himmel" bringt mich zum Nachdenken, aber auch oft zum Lächeln, denn Lennie ist wirklich eine wunderbare Protagonistin, die durch ihre ersten Schmetterlinge im Bauch und die ersten Küsse offen wird sich auszusprechen und Dinge, die wie Geheimnisse auf ihr lasten endlich zu offenbaren. Dieses erleichtert auch den Umgang innerhalb ihrer Familie, die aus Onkel und Grandma besteht. Ihre Mutter ist ein Unruhegeist, die es nicht geschafft hat, ihre beiden Töchter so sehr zu lieben, um sesshaft zu werden. Verlust ist in dieser Familie ein starker Inhalt und dennoch entwickelt sich Lennie zu einer außergewöhnlichen jungen Frau, die erneut lernt, ihr Leben meistern zu müssen, auch wenn es oft weh tut und man manchmal auch andere Menschen durch sein Verhalten verletzen wird. Lennie hat eine wunderbare Familie an ihrer Seite, die sie nicht fremd bestimmen, sondern ihr genügend Zeit geben, um wieder ins Leben zurückzufinden,
"Über mir der Himmel" ist aussagekräftig, aber dennoch ein Jugendbuch, welches das Herz seiner Leser_innen erwärmen wird. Die Story ist authentisch und dennoch auch hier und da leicht kitschig. Mich hat es begeistert, sodass ich ohne Einschränkungen eine Leseempfehlung aussprechen möchte. Sich mit Tod und Trauer auf liebenswerte Art und Weise auseinanderzusetzen ist der Autorin hochgradig gelungen.

Bewertung vom 11.11.2016
Und nebenan warten die Sterne
Spielman, Lori Nelson

Und nebenan warten die Sterne


ausgezeichnet

Wunder gesucht?
Auch in ihrem dritten Roman "Und nebenan warten die Sterne" konnte sich Lori Spielmann treu bleiben. Der Schreibstil und die sehr bewegende Story ist schon sehr identisch mit den beiden vorherigen Romanen, auch das Cover lässt gleich erahnen, was mich als Leserin erwartet. Natürlich lebt der neue Roman nicht von Wiederholungen, Er erzählt eine einzigartige und eigenständige Familiengeschichte, die mitunter einem Drama gleicht. Ich freue mich sehr auf das Lesen des Buches und wurde nicht enttäuscht. Als Mutter habe ich vielleicht ganz andere feine Antennen, als eine Leserin ohne Kinder, denn ich weiß, dass man seine Kinder vor Leid und Schmerz schützen möchte und es doch leider nicht kann. Angst und Sorge ist immer wieder präsent im Leben und oft ist durch Arbeit und Beruf unmöglich, dem Wunder, welchem man das Leben geschenkt hat, so zu genießen, wie sie es verdient hätten.

Da der Klappentext eine recht deutliche Sprache spricht, werde ich auf Kristens Tod eingehen können ohne zu spoilern. Das Zugunglück überschattet die Familie und der Strohalm, das es sich nur um ein Missverständnis handelt und Kristen noch lebt, wird schnell ergriffen. Erika und Annie ziehen sich beide auf ihre eigene Art voreinander zurück. Vielleicht, weil sie sich schon zuvor auseinander gelebt haben? Beide geben sich intensiv die Schuld daran, dass Kristen in den Zug eingestiegen ist und dies ist, was sie voneinander trennt oder war die Beziehung von Mutter und Tochter schon zuvor angespannt und kaputt? Nach und nach zeigt uns Lori Nelson Spielman in kleinen Ausschnitten oder kurzen Sätzen, die wie nebenbei miteinfließen, warum Mutter und Tochter sind wie sie sind. Erika flüchtet sich in die Arbeit und eine Begebenheit mit Kristen könnte dazu geführt haben, dass sie sich für ihre beiden Töchter ein gutes und gesichertes Leben wünscht. Diese Begebenheit wurde in zwei, drei kurzen Sätzen in die Story eingebunden, hat in mir aber Verstehen für Situationen die nun folgen schenken können. Völlig unbewusst kränken wir Menschen einander, ohne uns das Ausmaß dessen bewusst zu sein. Es gibt in "Und nebenan warten die Sterne" viele prägende Ereignisse. Auch Erika kämpft mit ihrer Vergangenheit. Sie bleibt aber nicht in ihrem Schmerz stecken, sondern findet nach und nach ihr Lachen zurück. Hilfreich sind Lebensweisheiten und Sprüche ihrer Mutter oder Großmutter:

Freundinnen sind wie Blumen in unserem Leben. Damit sie blühen, muss man sie hegen und pflegen.
Zitat Seite 50

Manchmal geht es im Leben darum, an etwas festzuhalten, viel öfter aber muss man einfach loslassen.
Zitat Seite 162

Lass nichts unausgesprochen, sonst bereust du es für den Rest deines Lebens.
Zitat Seite 200

Mir hat besonders gut gefallen, dass die Protagonisten im Buch alle durchweg ihre Ecken und Kanten haben. Niemand glänzt durch Perfektionismus, sondern wirkt durch Gedanken, Erfahrungen und dem Leben selbst als äußerst authentisch. Wir Menschen sind zwar unterschiedlich in allem was wir denken oder Tun, aber dennoch sind wir alle auf der Suche nach Geborgenheit und Liebe. Manchmal kommt es zum Bruch mit anderen Menschen, auch innerhalb unserer Familie. Wichtig ist, dass man sich trotzdem wieder annähert. Vielleicht durch "Wunder gesucht"? "Wunder gesucht" hat mich am Ende sehr überrascht und bewegt. Ich hatte mir sehr eine Versöhnung gewünscht und habe diese in vielfältiger Art und Weise bekommen. Eine echte Leseempfehlung an ein Buch, welches sich wirklich zu lesen lohnt!

Bewertung vom 10.11.2016
Wie ein Fisch im Baum
Hunt, Lynda Mullaly

Wie ein Fisch im Baum


ausgezeichnet

"Wie ein Fisch im Baum" ist ein Kinder - und Jugendbuch mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" Ich war wirklich ganz verzaubert von der Story, die mich schon alleine durch das Cover komplett für sich eingenommen hatte. Ein junges Mädchen, welches sich scheinbar unter ihrer Mütze versteckt, um nicht gesehen zu werden?

Allys größte Schwäche ist, nicht lesen zu können und dieses bringt ihr immer wieder große Schwierigkeiten ein. So macht sich Ally automatisch zur Außenseiterin und dabei liegt dies meiner Meinung nach auch in der Aufmerksamkeit ihrer Lehrer_innen, aber scheinbar sind diese zu oberflächlich, um genauer hinzusehen. Es werden lieber regelmäßig Sanktionen ausgesprochen und dem Kind dadurch nicht geholfen. Ich hätte Ally am liebsten regelmäßig in den Arm genommen, denn Mobbing und die seelische Einsamkeit, die damit verbunden war, traf mich zutiefst.

"Weißt du, ein weiser Mann sagte einmal: "Jeder ist auf seine Art klug. Aber wenn du einem Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist."
Zitat aus dem Buch Seite 180

Es gab aber einen Ausweg aus der Mobbingfalle und die kam mit einem Lehrerwechsel. Mr. Daniels sieht genauer hin und versucht nun, Ally zur Offenheit zu bewegen, damit er sie unterstützen kann. Er tut dies auf ganz besonders liebevolle Art und Weise, dass sich Ally irgendwann überwindet und ihre Schwäche bestätigt. Man merkt Mr. Daniels an, dass er ein äußerst sensibler Mensch ist und die Kinder, die er unterrichtet am Herzen liegen. Ich würde den Lehrerberuf nicht abwerten, aber manchmal gibt es eben auch unter ihnen darunter ganz Besondere Exemplare, die sich von anderen abheben können. Solch einer ist Mr. Daniels und damit genau der Lehrer den Ally benötigt, um aus sich herauszukommen und eine eigene innere Wandlung zu erleben. Zum Heulen schön!

Definitiv eine Leseempfehlung an ein Kinder - und Jugendbuch, welches nicht nur eine bezaubernde Story erzählt, sondern auch durch das Lesen zwischen den Zeilen absolut wertvoll ist.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.11.2016
Winterblüte
Bomann, Corina

Winterblüte


sehr gut

Mit "Winterblüte" las ich einen weiteren gelungenen Roman der Autorin Corina Bomann. Es entführte mich in das Jahr 1900 in dem die Uhren noch anders ticken und Frauen sich an das halten sollen, was Eltern für sie vorgesehen haben. Nicht standesgemäß heiraten? Unvorstellbar. Eine alte Fehde überschattet die Liebe der jungen Johanna. Sie ist mittlerweile im heiratsfähigen Alter und Heiratskandidaten klopfen schon an, um um ihre Hand anzuhalten. Wie soll sie sich entscheiden? Soll sie auf ihr Herz hören oder sich für einen anderen jungen Mann entscheiden, nur um ihre Eltern nicht zu enttäuschen?
Sehr gefallen hat mir, dass sich hier einige Ereignisse miteinander verbinden und es sich nicht nur um die unglückliche Liebe von Johanna dreht. Auch Barbaras Geschichte ist sehr faszinierend. Am Strand angespült bekommt sie vorläufig ein Zuhause im Hause Baabe. Von der Hausherrin wird sie als Hochstaplerin angesehen und auch so behandelt. Es ist wirklich peinlich, wie sehr Frau Baabe auf Stand und Reichtum pocht. Durch ihr Verhalten setzt sie letztendlich ihre eigene Ehe aufs Spiel. Barbara ist es auch, die die Adventstradition des Barbarazweiges zum neuen Leben erweckt. Sie hält ihn umklammert und es ist das erste was sie fragt, nachdem sie aus ihrer Ohnmacht erwacht. Leider hat sie ihr Gedächtnis verloren und erst nach und nach kommen ihre Erinnerungen zum Vorschein. Diejenige, die sich im Nachhinein für ihr Verhalten und ihre Demütigungen zu entschuldigen hat ist Frau Baabe, denn alle anderen Familienmitgliedern kann man keine Vorwürfe eines fehlerhaften Verhaltens der jungen Frau gegenüber machen. Sie haben Barbara mit offenen Armen und einer guten Portion Nächstenliebe behandelt. Frau Baabe hingegen reagiert auf Grund eigener schmerzlichen Erfahrungen absolut unangemessen.
Letztendlich überrascht das Ende nicht, denn es lief alles daraufhin, dass sich alle beteiligten Personen neu finden und ein Umdenken trotz der Zeit in der sie leben, stattfinden konnte. Etwas anderes hätte mich auch unzufrieden werden lassen.
Gerne eine Leseempfehlung für einen gelungenen Roman, der eingekuschelt in warme Decken und einer Tasse Tee so genossen werden kann, dass er auch das Herz erwärmt. Absolut gelungen!

Bewertung vom 04.11.2016
HELIX - Sie werden uns ersetzen
Elsberg, Marc

HELIX - Sie werden uns ersetzen


ausgezeichnet

"Helix - Sie werden uns ersetzen" ist ein sehr gelungener Politthriller. Da mir die vorherigen Thriller von Marc Elsberg sehr zusagten, freute ich mich auf einen erneuten Lesegenuss des Autors. Meine Vorfreude wurde nicht getrübt, denn ich war vom Anfang bis Ende absolut gefesselt von Worten und Geschehnissen innerhalb der Story. Mich hat es völlig überrumpelt, wie nah es mir ging, das Kinderlosigkeit Menschen über Grenzen gehen lässt, die so hoffentlich nie eintreten werden, Ein Kind sollte niemals einfach nur designed sein, sondern genetisch so entstehen, wie es vorgesehen ist. Eine beängstigende Fiktion wie ich hoffe, denn in den Plan des Schöpfers einzugreifen empfand ich als sehr verwerflich. Absolut gelungen und für mich reichlich Raum zum Nachdenken. Die Strafe folgt auf dem Fuß, denn wer sich Geschöpfe schafft, die perfekt erscheinen sollen und ohne Makel, könnte sich auch Monster schaffen, denen Gefühle wie Liebe oder Mitleid völlig fremd sind. Empathie? Keine Spur davon. Es zeigt sich eher, das Experimente an DNA nicht nur die genetischen Anlagen verbessert, sondern die Designerkinder zu Außenseiter machen wird. Mich hat es einerseits fasziniert, auf der anderen Seite sehr abgestoßen. "Helix - Sie werden uns ersetzen" ist gigantisch und eine echte Leseempfehlung wert. Ich flog förmlich durch die Seiten und gönnte mir kaum Pausen zum Atemholen. Die Story hat mich regelrecht umgehauen. Noch jetzt ein paar Tage nach Beenden des Politthrillers fühle ich leichten Grusel und erhoffe mir, dass es nur Fiktion bleibt und sich niemals zur grausamen Realität entwickelt.

Die Protagonisten in "Helix - Sie werden uns ersetzen" sind so gezeichnet, dass sie entweder sympathisch oder unsympathisch erscheinen. Mir hat gefallen, wie nah sie mir als Leserin gekommen sind. Als Mutter von drei Kinder ist mir natürlich bewusst, wie stark ein Kinderwunsch ausgeprägt ist und wie unvollständig man sich als Ehepaar fühlt, wenn eine Schwangerschaft trotz aller Bemühungen ausbleibt. Mir ist bewusst, dass man seinen Verstand ausschaltet und sich nur Schmerz und Hoffnung hingeben könnte, sollte man ein solches Angebot bekommen, wie in diesem Buch beschrieben. Als Außenstehende finde ich es dennoch mehr als verwerflich. Es hat mich mitunter überfordert. "Helix - Sie werden uns ersetzen" wird viel Raum für Diskussionen bieten und wird hoffentlich so viel Erfolg beim Verbreiten und Verkauf haben, wie es verdient ist. Ich habe lange schon nicht mehr einen Thriller gelesen, der völlig unblutig und ohne Psychosen dargestellt wird und dennoch ganz viel Raum zum Gruseln und Fürchten lässt. Die Ereignisse überschneiden sich förmlich und werden hinterher wie Puzzlestücke aneinandergefügt. Es ist unvorstellbar grausam und dadurch fesselnd, denn es zeigt sich wie gehabt, dass es nicht straffrei bleiben wird, wenn man die Pläne der Schöpfung zu durchkreuzen versucht. Niemand sollte Schöpfer spielen, denn es wird nur nach hinten losgehen, was im Thriller sehr verdeutlicht wird. Dies aufzuzeigen war sicherlich nicht die Absicht des Autors, aber meine eigene Interpretation als gläubiger Mensch.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.10.2016
Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8
Neuhaus, Nele

Im Wald / Oliver von Bodenstein Bd.8


ausgezeichnet

"Im Wald" ist ein weiterer Taunuskrimi, der mir sehr zusagen konnte. Eine untergründige Spannung zieht sich komplett durch den Krimi, denn Bodenstein ist emotional sehr eingebunden, was mir sehr gefallen hat. Tief vergrabene Gefühle werden regelrecht ausgegraben. Was mich faszinieren konnte, ist die Tatsache, das jahrelange geschwiegen wurde und ein grausames Geheimnis verborgen blieb. Ob nun ein Fluch über dem Dorf liegt lasse ich mal dahingestellt, denn Tatsache ist, das scheinbar gemordet wird, um Mitwisser aus dem Weg zu räumen. Wer Nele Neuhaus kennt, weiß, das viele Nebenschauplätze ergründet werden müssen, um letztendlich ein spannendes Gesamtpaket zu ergeben. Für mich ist als Leserin ist es aufregend, da ich viele Personen kennen lerne, eigene Strategien entwickel, Sympathiepunkte an Protagonisten vergebe und letztendlich komplett falsch liege, was den aktuellen Fall betrifft. Das ist Krimi. Leser_innen auf falsche Fährten führen und am Ende einen riesigen Knall zu hinterlassen.


Ich mag es, wenn Ermittler menschlich wirken und nicht nur oberflächlich bleiben. Da es nun schon der 8. Band der Tausnusreihe ist, sind mir Eigenarten und Gewohnheiten von Pia Sander und Oliver von Bodenstein sehr gut bekannt und bringen mich daher immer wieder zum Schmunzeln. Es ist, als wenn man alte Freunde trifft. Innerhalb der 8. Bände ist beruflich und privat sehr viel geschehen und in "Im Wald" wird ein Kindheitstrauma von Oliver von Bodenstein sichtbar. Manchmal bemerkt man auch erst nach 40 Jahren, das es Ereignisse gibt, die sich nie geklärt haben. Wirklich verwunderlich finde ich, das alle im Dorf etwas vermuten, aber schweigen. Dies bleibt fast bis zum Ende des Krimis erhalten und regt in mir das Gefühl an, diesen oder jenen mal so richtig durchzuschütteln, um ihn / sie zum Reden zu bringen. Jeder weiß etwas oder hat hier und da eine Vermutung, aber beißt sich lieber auf die Lippen, als den Fall voranzutreiben. Immer mehr Menschen müssen ihr Leben lassen. Vielleicht bist du der Nächste und trotzdem schweigst du weiterhin? Dies ist aber, was "Im Wald" die Spannung schenkt, denn zu frühe Verdachtsmomente hätten mir die Freude am Lesen genommen. Letztendlich bekam ich einen Krimi, der voller Emotionen steckte und auch Tabuthemen wie Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung und Mobbing beinhaltet. Es lässt mich nachdenklich zurück und hier und da bewegte es mich auch zutiefst, denn das Schicksal von Artur wird irgendwann genauer beleuchtet und ist und bleibt der rote Faden, der sich durch "Im Wald" ziehen konnte.


Ich möchte eine Leseempfehlung aussprechen für einen weiteren gelungenen Taunuskrimi aus der Feder von Nele Neuhaus. Ich hatte mich sehr auf den Krimi gefreut und wurde auch keinesfalls enttäuscht. Es ist nicht direkt Hochspannung zu spüren, aber es geht emotional doch sehr in diese Richtung. Gerade für Oliver von Bodenstein wünscht man sich Aufklärung der Fälle und den Frieden damit auch innerlich abschließen zu können und sich selbst vielleicht auch freizusprechen von Schuld. Ein absolut gelungener Krimi, der viele Nebenschauplätze und Personen beinhaltet, die letztendlich doch alle irgendwie und irgendwo miteinander verknüpft werden. Wieder einmal sehr gelungen!

Bewertung vom 28.10.2016
Erste Stunde: Alienkunde
Norton, Jeff

Erste Stunde: Alienkunde


ausgezeichnet

"Erste Stunde Alienkunde" ist ein Kinderbuch, welches für die angegebenen Zielgruppe für junge Leser ab 10 Jahren absolut passend erscheint. Mein persönliches Empfinden nach Beenden des Buches ist, das es eher jungslastig ist, obwohl auch Mädchen angesprochen werden könnten. Abenteuer, Freundschaft und ein Held, der eben mal kurz die Welt rettet und dabei natürlich auch ein klein wenig verliebt ist in eine Legende.

Sherman unser Protagonist muss wieder einmal die Schule wechseln, nachdem er nach einem persönlichen Experiment dazu verdonnert wurde. Eigentlich war dies ein echter Liebesbeweis, der aber nicht als solcher anerkannt wurde, sondern erst später im Verlauf des Buches seinen Platz und Auflösung findet. Sherman ist ein kluges Köpfchen und konnte bisher wenig Einsatz zeigen und dies beweisen, ohne in große Schwierigkeiten zu geraten. Sein Vater ist überfordert und seine Schwester genervt. Echte Geschwisterrivalität wird deutlich und bessert sich natürlich erst einmal nicht, denn nun spielt Sherman im Theaterprojekt der Schule auch noch den Romeo. Das Ankommen in der neuen Schule gestaltet sich sehr amüsant, denn hier gibt es keine normalen Schüler, sondern Aliens in allen Formen und Farben. Menschen sind eigentlich unerwünscht und daher wird es gerade am Anfang sehr brenzlig für Sherman. Die erste Stunde Alienkunde zu überleben, ist also eine echte Herausforderung.

Mit "Erste Stunde Alienkunde" lesen wir ein Kinderbuch, welches auf wirklich amüsante und abenteuerliche Art und Weise von einer Weiterentwicklung eines Jungen erzählt, der zum Helden wird, da er sich nicht verkriecht und Dinge als gegeben hinnimmt, sondern reagiert. Mir hat es sehr gefallen, denn Sherman wirkt am Ende sehr positiv auf mich, obwohl er ganz am Anfang des Buch noch nicht so leicht zu durchschauen war. Als Antiheld begonnen und als Held am Ende ein echter Sympathieträger, dem Freunde an die Seite gestellt wurden, die im ersten Moment nicht zu ihm passen scheinen und dann doch miteinander wunderbar agieren konnten. Eine echte Leseempfehlung, denn das Buch macht Spaß und auch wenn es hier und da auch kitschig wirken könnte oder vielleicht auch sehr vorhersehbar ist, konnte ich mich komplett darauf einlassen. Kinder werden begeistert sein. Das bunte Cover lädt wirklich dazu ein, "Erste Stunde Alienkunde" zu lesen und wird sicherlich auch Lesemuffel begeistern. Die kapitel sind kurz und knapp und werden auch nicht überfordern, sondern eher dazu motivieren noch ein oder zwei Kapitel mehr zu lesen.