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gaby2707

Bewertungen

Insgesamt 2031 Bewertungen
Bewertung vom 13.08.2023
Hallo, ich bin auch noch da!
Endres, Brigitte;Tourlonias, Joëlle

Hallo, ich bin auch noch da!


ausgezeichnet

Übersehen werden tut weh

Das merkt auch das kleine Chamäleon, das in einem Zooladen jeden Tag wartet, ob es vielleicht Jemand mit zu sich nachhause nimmt. Aber alle nehmen nur die Kaninchen, Meerschweinchen und Goldhamster mit. Als es dann gerade mal keiner sieht, entwischt es aus seinem Terrarium – und ein großes Abenteuer beginnt. Aber auch in der großen Stadt sieht es keiner. Es ist weiterhin wie unsichtbar und es ist gefährlich hier am Boden. Bis es in einer Bäckerei auf die kleine schüchterne Camée trifft. Sie gibt dem kleinen Chamäleon seinen Namen: Leon und sie nimmt ihn mit zu sich nachhause. Ab dann geben sich die Beiden Kraft und sind nicht mehr unsichtbar.

Ein wirklich wundervolles Mut-mach-Buch von Brigitte Endres, das ich immer wieder anschaue. Das mich berührt und mir zeigt, wie auch hier Freundschaft das Selbstvertrauen stärken kann und dann alles endlich gut wird. Ich bin mir sicher, dass unsere Jüngsten sich an Chamée und Leon ein Beispiel nehmen können um mutig auf sich aufmerksam zu machen, wenn es angebracht ist.
Dazu die durchgängig farbigen Illustrationen von Joëlle Tourlonias, die allein durch die Farbgebung, zuerst eher dunkel und gedeckt, später dann hell und lebensbejahend, die Gefühle der Einsamkeit des Alleinseins und dann die Zusammengehörigkeit so gut ausdrücken. Es gibt auf den detailreichen Seiten so viel zu entdecken, dass wir uns manchmal nur die Bilder anschauen.
Das übergroße Buch liegt gut in der Hand und die Schrift hebt sich auch auf den dunkleren Seiten gut ab. Es hat genau den richtigen Seitenumfang um es abends als Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen.

Eine wunderbare Geschichte, die zeigt, wie Freundschaft und Zusammenhalt das Selbstbewusstsein stärken und Mut machen können auf sich aufmerksam zu machen.

Bewertung vom 13.08.2023
Kommissar Jennerwein darf nicht sterben / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.15
Maurer, Jörg

Kommissar Jennerwein darf nicht sterben / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.15


gut

„Kommissar Jennerwein muss sterben“…

… da sind sich 12 Knackis bzw. deren Angehörige einig. Sie alle haben nichts gemeinsam, außer, dass sie alle von ein und demselben Polizisten gefasst und hinter Gitter gebracht worden waren: von Kriminalhauptkommissar Hubertus Jennerwein. Sie setzen den „Isländer“ auf Jennerwein an, einen Auftragskiller, der sie von diesem Übel befreien soll.
Der Kommissar will derweil die Folgen seiner Überarbeitung in dem schicken Wellness- und Sporthotel Relax auskurieren. Aber er wäre nicht der legendäre Kommissar, wenn er nicht auch hier über einen bzw. mehrere Fälle stolpern würde.
Ein südkoreanischer Geschäftsmann engagiert ihn um einen Mitarbeiter zu finden. Florian Rossi, Manager der World Wide Real Mikado Solutions ist mit vertraulichen, innerbetrieblichen, hochbrisanten Informationen verschwunden. Nebenbei entlarvt er eine Betrügerin und geht verschiedenen Teufelsanspielungen nach. Nicht ahnend, wie nahe ihm sein Mörder dabei immer wieder kommt.

Dass dieses Buch anders wird, wie die vorherigen über Hubertus Jennerwein habe ich mir anhand des so ganz anderen Covers schon gedacht. Hatten die bisherigen Fälle anhand des Covers einen gewissen Wiedererkennungswert, so fällt dieses hier total aus dem Rahmen.

Bisher bin ich mit dem hintergründigen schwarzen Humor von Jörg Maurer und seinem Kommissar Jennerwein immer ganz gut klar gekommen. Er hat mir sogar gefallen. Hier geht er mir mit seinen Fiktionen einfach zu weit und sogar auf die Nerven. Die Suche nach Florian Rossi bei der sehr viel Künstliche Intelligenz zum tragen kommt, empfinde ich einfach nur langatmig und langweilig. Vielleicht, weil ich mich damit noch nicht weiter beschäftigt habe und genau so wenig darüber weiß, wie Jennerwein.
Es gibt einige Nebenschauplätze, die für mich wild zusammen gewürfelt erscheinen. Seine Frau, er hat ja wahrhaftig geheiratet, wird stark im Hintergrund gehalten. Ihr wäre ich gerne öfter begegnet, hätte sie gerne näher kennengelernt.
Über den „genialen“ dummdreisten Auftragskiller habe ich immer wieder nur den Kopf geschüttelt.
Außerdem fehlt mir der feine, bissige Humor, der hier für mich nur grob und großenteils absurd rüber kommt.
Meinen Geschmack hat Jörg Maurer leider mit diesem Buch absolut nicht getroffen.

Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut. Weiter empfehlen werde ich es nicht.

Bewertung vom 13.08.2023
Koffer voller Briefe
Gregg, Stefanie

Koffer voller Briefe


ausgezeichnet

Vergangenheitsbewältigung

Elias Brand, 48, weiß zuerst gar nicht, was die Polizisten vom ihm wollen, die ihn nach Isabella Faber fragen, die eines unnatürlichen Todes gestorben ist. Bis er sie auf einem Foto als die 18-jährige Isi erkennt, mit der er damals für kurze Zeit zusammen war. Man hat Briefe gefunden, Briefe an ihn, nicht nur die drei oder vier, die er hat ungeöffnet zurück gehen lassen. Viele, sehr viele. Isi hat ihm 30 Jahre lang jeden Tag einen Brief geschrieben. Koffer voll. Elias ist erschüttert und fühlt sich erbärmlich. Ist er unbewusst mit Schuld an Isabellas Tod?

Was für eine emotionale, wunderschöne aber auch tragisch-traurige Geschichte. Ich bewundere Elias, wie er sein Leben als alleinerziehender Vater mit seinem elfjährigen Sohn Leo und seiner 15-jährigen Tochter Anne, die ihm eine große Hilfe ist und darüber sich selbst vergisst, meistert. Sie habe ich besonders ins Herz geschlossen. Seine Frau Sabrina ist vor ein paar Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Seitdem bewältigt Elias sein Leben so gut es geht, bis er von den Briefen aufgeweckt wird.
Die Briefe von Isi, manche sehr kurz, andere länger, die hier abgedruckt sind, haben mich richtig erschüttert. Wie einsam muss diese Frau gewesen sein, wie versessen auf ein Leben an Elias Seite. Wenn ich mir überlege, dass diese Geschichte eine wahre ist, trifft mich das noch mehr.
Ich mag den Erzählstil von Stefanie Gregg sehr und auch hier zieht sie mich sofort in die Geschichte hinein. Ich lerne nach und nach einige Menschen aus Elias Umfeld kennen. Tauche in seine Lebensgeschichte ein. Er scheint in seiner Jugend ein ganz schöner Schlawiner gewesen zu sein. Auch das gefällt mir hier sehr gut: Stefanie Gregg wertet nicht, sie lässt mir die Wahl zu entscheiden, ob und wen ich mag und wen nicht.

Dies ist mal wieder ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Das die Gegenwart mit der Vergangenheit vereint und zeigt, was unwissentlich alles schief laufen kann. Die Entwicklung, die Elias hier durchmacht, wie er seine neuen Erkenntnisse in etwas Gutes wandelt, hat mir sehr gut gefallen.

Ein wundervolles Buch einer wahren Lebensgeschichte, das mir einige spannende und unterhaltsame Lesestunden geschenkt hat. Das aber auch nachdenklich macht und das ich sehr gerne weiter empfehle. Ein Buch, das meine 5 goldenen Sterne absolut verdient hat.

Bewertung vom 08.08.2023
Inselwut
Husmann, Rieke

Inselwut


sehr gut

Ein komplizierter Fall

Der Vorstand der Heemann-Gruppe Philipp Heemann aus Bremen wird tot in seiner Suite im Hotel Selinger auf Juist gefunden. Schnell stellt sich heraus – er wurde ermordet. HK Hella Brandt von der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund wird als Leiterin einer SoKo eingesetzt. Zusammen mit dem aus Osnabrück versetzten Thomas Hinrichs, ihren beiden Kollegen Lars Mattes und Alina Becker, sowie 4 weiteren Beamten macht sie sich auf die Suche nach dem Täter. Auch Inselkollegin Imke Wessels wird bald zum unverzichtbaren Teil der Ermittlertruppe. Aber Hella hat nicht nur mit dem Fall alle Hände voll zu tun. Thomas Hinrichs vergreift sich oft im Ton, reagiert äußerst unhöflich, setzt Zeugen unter Druck – kurzum ein echter Kotzbrocken. Der sich aber auch zusammenreißen kann, wenn er will. Ich sehe Hella förmlich vor mir, wie sie immer wieder mit den Augen rollt. Und dann steht ja auch noch die Entscheidung aus, ob sie zusammen mit ihrem Mann Leon und Tochter Jella ein Jahr Auszeit nimmt.

Durch die bildhaften Beschreibungen bin ich schnell mit der Insel und den Bewohnern, die ich hier kennenlerne, warm geworden.
Der Fall hat es wirklich in sich. Und da die Reihe der Verdächtigen immer länger wird, es keine richtigen Spuren gibt, hatte ich Schwierigkeiten, mich in die Ermittlungen einzuklinken. Die Täter-Reihung auf meiner Verdächtigenliste hat sich dauernd geändert, was allerdings bei meinen Ermittlungen zu keinem Ergebnis geführt hat. Es ist mal wieder Kommissar Zufall bzw. der Geistesblitz von Hella Brandt, der den Täter endlich entlarvt.

Während ich lese, meine ich die Wolken über die Insel ziehen zu sehen, ich höre die Wellen rauschen und habe den Geschmack von Meersalz und Rührei mit Krabben auf der Zunge. Rieke Husmann versteht es, mich an die Geschichte zu fesseln und mir gleichzeitig die Insel schmackhaft zu machen.

Ich gönne Hella Brandt ihre Auszeit, würde mich aber auch sehr freuen, wenn sie dann weiter ihre 11. Fall an der Nordsee ermitteln würde.

Bewertung vom 07.08.2023
Gauner, Gangster, schräge Vögel
Wehrle, Ute;Kugler, Hans Jürgen

Gauner, Gangster, schräge Vögel


gut

Witziges aus dem Polizeialltag

Unterteilt in 10 Kategorien, wie z.B. Streithähne, Katerstimmung, Viechereien, irren ist menschlich oder Retter in der Not, haben Ute Wehrle und Hans Jürgen Kugler 355 ungewöhnliche polizeiliche Fälle gesammelt und für dieses Buch aufgearbeitet.
Ob die Auswahl einer Wurstsorte zum tätlichen Angriff führt, eine Katze als Einbrecher verdächtigt wird, ein 5-jähriger von seinen Fußfesseln befreit wird; eine Kuh vom Gerüst geholt werden muss, ein Waschbär eine neue Bleibe sucht, ein Kioskräuber noch schnell einen Kunden bedient, Kommissar Zufall einen Drogenhandel aufdeckt, ein PKW zum Frühstück in eine Küche kracht oder eine Plastiktüte für eine Taube gehalten wird u.v.a.
Alle Geschichten sind sehr kurz gehalten; manche entlocken mir ein Schmunzeln, andere ein Kopfschütteln. Es ist schon kurios, zu welchen Einsätzen Polizei und Feuerwehr z.T. gerufen werden, wie Täter sich durch ihre eigene Dummheit selbst überführen oder welche Missverständnisse es manchmal gibt.

„Gauner, Gangster, schräge Vögel“ ist zwar keine tiefgreifende Lektüre, bietet aber für ein paar Stunden gute Unterhaltung aus dem True Crime Sektor.

Bewertung vom 05.08.2023
Meine Auszeiten - Westerwald
Steffens, Nicole

Meine Auszeiten - Westerwald


ausgezeichnet

Hier ist für Jeden etwas dabei

In „Meine Auszeiten – Westerwald – durchatmen & Kraft schöpfen“ stellt mir Autorin Nicole Steffens 70 Möglichkeiten vor um abzuschalten und aufzutanken. Nordwestlich davon, im südlichen Siegerland, bin ich aufgewachsen und kenne daher schon einige Ecken dieses Mittelgebirges, das sich über die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen erstreckt. Trotzdem habe ich hier viele neue Anregungen bekommen.
Unterteilt in 4 große Kapitel – Meine Atempause, Meine Kraftquelle, Mein Tag Urlaub, Meine Frei-Zeit – kann ich auf 168 Seiten mit 70 Bildern unter den verschiedensten Aktivitäten wählen. Allein mir diese Vorschläge anzuschauen und durchzulesen macht schon großen Spaß und bringt mich irgendwie zur Ruhe.
Ich bin gleich beim ersten Vorschlag hängen geblieben, der Zisterzienserabtei Marienstatt. Hier befinden sich in der zweigeschossigen Bibliothek mehr als 110.000 Bücher und Schriften. Auch das kleinste Buch der Welt mit 5 x 5mm, das 7 verschiedene Fassungen des Vaterunser enthält. In Rotenhain kann ich das Bauerndiplom machen; wenn ich den Eisvogelweg ab wandere, komme ich zum Café Elsternest, wo ich mit englischen Spezialitäten verwöhnt werde. Wandern kann ich auch entlang der Schwarzen Nister ab Bad Marienberg; zur Waldkapelle Schloss Molsberg; um den Dreifelder-Weiher in Steinebach an der Wied oder ich wandere in Puderbach mit den Alpakas. In Koblenz, der größten Stadt im Westerwald gibt es gleich mehr Sehenswerte, wie die Altstadt mit dem Florinsgarten, die Buchhandlung Reuffel mit über 25.000 Büchern in ihrem Sortiment und den kleinen Ort und die Festung Ehrenbreitstein. Bei Sabine Hirnich kann ich die Kunst des Blumenbindens erlernen und bei Barbara Gröbl kann ich einen Malkurs besuchen. Witzig und spannend finde ich auch die Beschreibung eines Dunkelkaufhauses in Wetzlar und das Forschungsmuseum MONREPOS in Neuwied.
Ich kann Rad fahren, wandern, Kanu oder mit dem Hausboot fahren, mich mit Blumen und Pflanzen umgeben, Waldbaden, kneippen, malen, töpfern, gut und lecker essen und Vieles mehr. Hier ist wirklich von Allem und für Jeden etwas dabei.

Ein toller Ratgeber für kleine Kurzurlaube oder tageweise Auszeiten für die Seele. Für mich habe ich schon einige Sticker platziert. Es kann also losgehen.

Bewertung vom 05.08.2023
Nicht, dass noch einer sitzenbleibt! / Online-Omi Bd.19
Bergmann, Renate

Nicht, dass noch einer sitzenbleibt! / Online-Omi Bd.19


sehr gut

Oma Bergmann im Schuldienst

Renate Bergmann fühlt sich sehr wertgeschätzt, als sie von Stefan, dem Großneffe ihres ersten Mannes Otto, und seiner Frau Ariane zur Einschulung ihrer ältesten Tochter Lisbeth eingeladen wird. Sie kommt sogar aufs Einschulungsfamilienfoto eines richtigen Fotografen mit drauf. Natürlich kommt sie auch mit dem Schulalltag in Berührung und erkennt z.B. das die Hälfte aller Stunden ausfallen, weil keine Lehrer da sind. Und da sie immer hilfsbereit ist, hilft sie auch hier und stürzt sich dank dem Projekt „Pensionäre als Lernunterstützung“, wie man auf dem Cover schon sehen kann, in den Schulbetrieb. Schließlich erinnert sie sich noch gut an das kleine Einmaleins, den Kreuzstich und an die Eselsbrücke zu nämlich. Und sie ist ja schon mit 60 in den Ruhestand gegangen. Da kann sie jetzt ruhig noch mal was tun.

Ich habe mit Renate Bergmann schon Blümchenkaffee getrunken, hab mit ihr schon Weihnachten und eine Hochzeit gefeiert, war mit ihr auf Kreuzfahrt, hab einige Krankheiten mit ihr durchgestanden und durch sie den Offline-Opa Günter Habicht kennengelernt. Nun bin ich dabei, wie sie als LoVL in den Schulbetrieb mit einsteigt und hofft, nicht beamtet zu werden.
Gewohnt witzig schweift sie während des Erzählens immer wieder zu anderen Themen ab, kommt von Höcksken auf Stöcksken und findet dann nach ihrem „Was wollte ich…?“ tatsächlich immer wieder zur eigentlichen Thematik zurück. Ihre Vergleiche z.B. mit ihrer eigenen Schulzeit oder Bildungssystem – Heringssalat sind einfach herrlich, wie sie die Kinder zur Raison bringt einfach lesenswert. Ich hatte beim Lesen durchgehend ein Schmunzeln im Gesicht und immer wieder habe ich laut lachen müssen. Sie ist einfach einmalig, die Renate Bergmann.
Torsten Rehde, der Renate die Worte in den Mund legt, zeigt hier sehr anschaulich die im Moment bestehenden Probleme der Schulpolitik, an den Schulen und der Eltern auf, die gestresst wie sie sind ihren Kindern nicht mal die grundlegendsten Dinge beibringen. Mehr als einmal habe ich gedacht: Ja, genau so ist es.
Auf das Personenregister von A-Z am Ende des Buches weist Renate, die durch ihre vier verstorbenen Ehemänner eine große Verwandtschaft und einen großen Bekanntenkreis hat, schon in ihrer Vorstellung ganz am Anfang hin. Sehr interessant und vor allem informativ.

Ein witziges Lesevergnügen dieser 19. Band mit einem ernsten Hintergrund, das mich wieder sehr gut unterhalten hat.

Bewertung vom 04.08.2023
Spargel-Geheimnis im Allertal
Reimann, Bettina

Spargel-Geheimnis im Allertal


ausgezeichnet

Die Vergangenheit drängt ans Licht

Während Corona in Deutschland Einzug hält, wandelt der pensionierte Bibliothekar Henry Baumert, 68, aus Amerika nach 60 Jahren in seiner alten Heimat auf touristischen Pfaden auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Seine Mutter Clara, seine Zwillingsschwester Christine und er stammen vom Booms-Hof in Eikeloh. 1960 wurden sie nach Amerika umgesiedelt. Als Baumert schwer verletzt am Rand eines Spargelfeldes gefunden wird, ist die Familie Blume, in deren Gasthof der Amerikaner bis zu seinem Auszug einige Wochen gewohnt hatte, sofort alarmiert und wittert hier einen neuen Fall. Ob sie das Geheimnis, das Henry Baumert aufdecken wollte, aufklären können?

Ich habe schon den ersten Fall der „Cold Case Unit“ bestehend aus der Bloggerin Flora Kamphusen, ihrer Mutter Anna Blume-Kamphusen und ihrem Opa Hauptkommissar i.R. Carsten Blume gelöst. Nun war ich sehr gespannt, zu welchem Fall im Aller-Leine-Tal mich Autorin Bettina Reiman in ihrem neuen Krimi mitnimmt.
Neben dem Kriminalfall, den ich mega spannend und sehr gut ausgearbeitet finde, werde ich hier in eine Zeit zurück versetzt, an die ich mich gar nicht so gerne erinnere: Corona. Ziemlich realitätsnah und sehr ausführlich wird hier immer wieder auf die damit verbundenen Regeln mit Maske tragen usw. eingegangen. Natürlich darf auch ein Corona-Leugner, hier in Person des Vaters Michael Kamphusen, nicht fehlen. Das war mir ein bisserl zu viel.
Ansonsten fand ich den Krimi, der immer wieder zwischen dem 1. März und dem 1. Juni 2020 hin und her springt und auch das Jahr 1960 nicht ausspart, super spannend, sehr interessant und abwechslungsreich.
Natürlich ist auch HK Hartmut Ziegler vom LKA Hannover wieder mit von der Partie. Mir persönlich ist Kommissarin Grit Heinecke, die diese Fall übernimmt, ein bisserl sympathischer. Mit ihr würde ich auch in Zukunft gerne ermitteln.
Gut gefällt mir auch die Skizze vor Beginn der Geschichte auf der die drei wichtigsten Bauernhöfe der Gegend, die hier eine Rolle spielen, aufgezeichnet sind. Da habe ich immer mal wieder rein gespickert, wenn ich wissen wollte, wo ich denn gerade bin.
Der Titel das „Spargelgeheimnis im Allertal“ hat mich etwas irritiert, spielt der Spargel hier doch nur eine untergeordnete Rolle, weil der Amerikaner blutend im Spargelfeld gefunden wurde. Das Geheimnis selbst ist so viel undurchsichtiger und kommt ganz langsam an die Oberfläche. Ich war mal wieder schockiert, was ein Mensch alles für Geld und vor allem sein Ansehen tut.
Auch wenn die Täter hier ungeschoren davon kommen, hat die Cold Case Unit zusammen mit der Polizei wieder ausgesprochen gute Arbeit geleistet und Flora eine tolle Art der „Strafe“ gefunden.

Ein spannender Fall, sympathische und auch eigenwillige Personen in einer idyllischen Landschaft, die Lust macht, sie einmal zu besuchen. Vor allem aber erstklassige Unterhaltung. Ich freue mich heute schon auf den nächsten Fall im Aller-Leine-Tal.

Bewertung vom 31.07.2023
Dirndltod
Brunner, Mia C.

Dirndltod


ausgezeichnet

Allgäuer Verstrickungen

Hauptkommissar Florian Forster ist mit seiner Frau Jessica und den Kindern Svenja, Tobias, Elias, Lukas und Johanna von einer Silberhochzeitsfeier auf dem Weg nachhause, als ihr Familienbus auf der Straße gerammt wird. Daraufhin stürzt er einen Abhang hinab und bleibt auf der Fahrerseite liegen. Jessica, die gefahren ist, wird dabei schwer verletzt. Hier ermittelt HK Daniel Graf, Kripo Kempten, wegen Fahrerflucht.
Ein paar Wochen vorher verschwand aus einem Bus, der Richtung Oberstdorf einen Unfall hatte, die 15-jährige Lina Bergmair. Ihre Eltern sind sich sicher, dass Florian ihre Tochter finden wird.
HK Forster muss erst mal für einige Wochen auf seinen Kollegen Berthold Willig verzichten. Dafür kommt Kommissarin Sabine Strodl, die nach ihrer Erziehungspause wieder eingegliedert wird, in sein Team zur Kripo Kempten. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach dem verschwundenen Mädl und treffen bei ihren Recherchen immer wieder auf Mitglieder des alteingesessenen Trachtenhauses Laubenberger in Oberstdorf. Als sie einem alten Vermisstenfall aus den 1950er Jahren wieder aufrollen, stoßen sie auf ungeheuerliche Fakten. Wird es ihnen gelingen, die verschwundene Lina noch lebend zu finden?

Ich sag´s ja immer wieder: reden hilft. Aber Florian Forster will mit seiner Frau Jessica nicht über etwas reden, was er zufällig entdeckt hat und was ihn aus der Bahn geworfen hat. Ich hatte schon große Sorge, dass diese Sprachlosigkeit zur Trennung führen könnte. Gut, dass Jessica ihre beste Freundin Paula hat, die immer wieder vermittelnd eingreift. Ich mag es, wenn ich auch bei den privaten Problemen der Ermittler dabei sein kann. Für mich macht sie das immer noch ein bisserl menschlicher und nahbarer.
Dann begegne ich in kursiven Abschnitten immer wieder einer jungen Frau, die in einem dunklen, kalten Raum gefangen gehalten wird. Sie scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben. Bei mir erzeugen diese Abschnitte Gänsehaut und ich habe lange keine Ahnung, wie diese Geschichte mit dem Fall, den HK Forster lösen muss, zusammenhängen könnte. Als sich das dann aufklärt, bin ich zutiefst schockiert.
Ich liebe den packenden, spannenden und bildhaften Erzählstil von Mia C. Brunner, die mich damit ganz schnell in die Geschichte hinein zieht. Und der Fall bzw. die Fälle lassen mich nicht mehr los. Es ist mir wieder sehr schwer gefallen, das Buch mal aus der Hand zu legen. Ich wollte einfach ganz schnell wissen, ob sich eine Ahnung, die ich bei meinen eigenen Recherchen hatte, bewahrheitet. Aber klar, ich habe mich mal wieder auf die falsche Spur eingelassen.

Ein spannender Kriminalfall, der bei mir immer wieder Gänsehaut erzeugt hat und bei dem ich nach der Auflösung fast nicht fassen kann, wie hinterhältig, egoistisch und hinterlistig ein Mensch sein kann. Da bin ich immer froh, wenn ich mir klarmache, dass dies nur der Unterhaltung dient. Und die ist der Autorin auch diesmal wieder absolut gelungen.

Bewertung vom 31.07.2023
Camillo, ein Hund macht Ferien / Erst ich ein Stück, dann du Bd.5
Schröder, Patricia

Camillo, ein Hund macht Ferien / Erst ich ein Stück, dann du Bd.5


ausgezeichnet

Mit Familienhund Camillo im Urlaub

Familienhund Camillo ist ganz aufgeregt. Warum hat Frauchen seinen Futter- und den Trinknapf eingepackt? Auch seine Leckerlis sind schon im Auto. Hat er etwas falsch gemacht? Wollen sie ihn loswerden? Ins Tierheim bringen? Als er sich im offenen Kofferraum versteckt, hört er, dass es in die Ferien gehen soll und daher alle so aufgeregt durcheinander rennen.
Was er dort am Meer mit seinen liebsten Spielkameraden Joschi und Jule alles erlebt, das lest ihr in dem von der Stiftung Lesen empfohlen Buch „Camillo, ein Hund macht Ferien“ aus der Reihe „Erst ich ein Stück, dann du“ von Patricia Schröder.

Bisher kannte ich die Reihe „Erst ich ein Stück, dann du“ nicht und bin nun ganz begeistert von der Möglichkeit, ein Buch gemeinsam mit einem Leseanfänger zu lesen.
Die Abschnitte für die Erstleser mit den extra großen Buchstaben haben, wie ich finde, genau die richtige Lange um nicht zu überfordern. Die Geschichte ist kindgerecht mit tollen Dialogen, dazu noch richtig spannend aufgebaut und hat auch mir, der Vorleseoma, viel Spaß gebracht. Die ausdrucksstarken, liebevoll gezeichneten und in den Text eingepassten Bilder von Marina Rachner ergänzen die Geschichte auf wunderbare Weise.
Das dicke Hardcover mit einer stabilen Bindung und leicht verstärkten Seiten ist bestens für Kinderhände geeignet und lässt sich im Bedarfsfall sogar abwaschen.
Bald haben ja die Schulanfänger ihren ersten Schultag. Da eignet sich dieses Buch ganz wunderbar als kleines Geschenk.
Vielleicht begegnen wir Camillo ja auch einmal auf einem Bauernhof oder in den Allgäuer Bergen?

Ein tolles Buch aus einer Reihe, die ich mir merken werde. So macht lesen lernen richtig Spaß.