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Bewertungen

Insgesamt 623 Bewertungen
Bewertung vom 30.01.2013
Gefährliche Liebe / Die Tribute von Panem Bd.2
Collins, Suzanne

Gefährliche Liebe / Die Tribute von Panem Bd.2


ausgezeichnet

Gerade erst sind Katniss und Peeta aus der Arena zurück, da müssen sie schon wieder kämpfen. Viele Bewohner Panems haben ihre Selbstmorddrohung am Ende der Spiele als Drohung gegen das Regime im Kapitol wahrgenommen und starten eine Rebellion in einigen Distrikten. Wenn Katniss überleben will, muss sie die Menschen bei der Tour der Sieger davon überzeugen, dass sie nur aus verzweifelter Liebe zu Peeta gehandelt hat und nicht gegen das Regime kämpft. Doch als das misslingt geschieht das Schlimmste, was Peeta und sie sich vorstellen können: Sie müssen zurück in die Arena und sich bekämpfen. Und dieses Mal soll keiner von Ihnen überleben, wenn es nach den Plänen des Kapitols geht.
Der zweite Band der Tribute von Panem schließt inhaltlich und stilistisch lückenlos an den ersten Band an. Es geht genauso spannend weiter und man zittert mit Katniss, Peeta und Gale um ihr Überleben. Der Charakter von Katniss von Suzanne Collins noch deutlich weiter entwickelt, sie ist immer zerrissener zwischen Wunsch nach Rebellion und der Angst vor dem Regime. Gleichzeitig weiß sie nicht, wem sie trauen kann und wer ihr Feind ist, so dass der Kampf in der Arena für sie wieder zu einer beispiellosen psychischen wie physischen Herausforderung wird. Ihr Jugendfreund Gale spielt in diesem Band schon eine größere Rolle, so dass zu Katniss‘ Kampf gegen das Regime auch noch die Unsicherheit kommt, welche Gefühle sie für Peeta hegt und was Gale ihr bedeutet. Ist er wirklich nur ein guter Freund? Immer zerrissener und verstörter kämpft Katniss sich durch die zweiten Hungerspiele, die sie bestreiten muss.
Wie der erste Band ist auch der zweite uneingeschränkt empfehlenswert. Am besten fängt man erst an zu lesen, wenn man alle drei Bände zu Hause liegen hat, sonst ist das Warten bis man den nächsten hat nur schwer zu ertragen.

4 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.01.2013
Tödliche Spiele / Die Tribute von Panem Bd.1
Collins, Suzanne

Tödliche Spiele / Die Tribute von Panem Bd.1


ausgezeichnet

Jedes Jahr finden in Panem die Hungerspiele statt. Zur Erinnerung an die Rebellion des Volkes gegen das Kapitol muss jeder der zwölf Distrikte zwei Kinder zwischen zwölf und achtzehn Jahren als Tribute ins Kapitol schicken, wo sie sich so lange bekämpfen müssen, bis nur noch einer am Leben ist. Wer als Tribut die Hungerspiele bestreiten muss, entscheidet jedes Jahr das Los. Als in Distrikt 12 die erst zwölf Jahre alte Prim als Tribut ausgelost wird, springt ihre Schwester Katniss vor und geht an ihrer statt ins Kapitol als Tribut- auch wenn das ihren beinahe sicheren Tod bedeutet. Denn die anderen Distrikte haben sehr viel besser trainierte Tribute, die sie ins Rennen schicken.
Die Tribute von Panem spielt in einer Art postapokalyptischen Welt, angesiedelt in Nordamerika. Die Bewohner von Panem leben größtenteils in den Distrikten unter der absoluten und brutalen Diktatur des Kapitols, das sie jederzeit spüren lässt, dass die Rebellion vor fast hundert Jahren nie vergessen sein wird. Die Idee der Hungerspiele, die im Fernsehen übertragen werden und die jeder Bewohner sich ansehen muss, ist wie ein ständiges Mahnmal ruhig zu sein und sich nicht aufzulehnen, da der eigene Tod sonst schneller kommt, als man denkt.
Auch wenn Suzanne Collins die Tribute von Panem als Jugenbuchtrilogie angelegt hat, wird schon im ersten Band klar, dass das Buch auch für Erwachsene großartig geeignet ist. Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, reflektiert das politische System mit all seinen Implikationen und Grausamkeiten und schafft mit Katniss eine umwerfende Protagonistin. Sie ist nicht nur stark, sondern sie zweifelt, sie kämpft mit sich und den Umständen, für ihre Familie und ihre Freunde aber auch für sich selbst. Sie vergeht nicht Selbstlosigkeit, die unglaubwürdig werden könnte an dem Punkt, an dem sie in der Arena der Hungerspiele dem Tod ins Auge sieht. Trotz des rein fiktiven Hintergrundes Panem ist die Gestalt der Katniss glaubwürdig und auch Peeta wächst einem ans Herz, obwohl er eine sehr viel kleinere Rolle spielt als die Hauptfigur. Die restlichen Charaktere die größtenteils Bewohner des Kapitols sind, erinnern von der Beschreibung an einen wahnsinnig gewordenen Karneval, alle sind bunt bemalt und körperlich optimiert, aufgespritzte Lippen, vergrößerte Brüste - ohne darf man sich als Frau im Kapitol nicht auf die Straße wagen. Es ist die Welt der Schönheit und Oberflächlichkeit auf eine scheinbar wahnsinnige Spitze getrieben, die von Suzanne Collins konstruiert wird.
Ein absolut gelungener Auftakt für Trilogie, die hoffentlich genauso mitreißend weitergeht.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.01.2013
Goldstein / Kommissar Gereon Rath Bd.3
Kutscher, Volker

Goldstein / Kommissar Gereon Rath Bd.3


ausgezeichnet

Der amerikanische Kriminelle Abraham Goldstein ist in Berlin und statt an einer Mordermittlung teilnehmen zu dürfen, muss Gereon Rath den windigen Kriminellen auf Schritt und Tritt beschatten. Seine Freundin Charly Ritter hat inzwischen ihren Vorbereitungsdienst am Gericht angetreten und muss sich mit kriminellen Jugendlichen rumärgern, die ihr dann auch noch aus dem Büro abhauen. Gleichzeitig beginnt ein Kleinkrieg zwischen den konkurrierenden Ringverbänden der Berolina und den Nordpiraten, das Chaos scheint sich in der Berliner Unterwelt breit zu machen. Über all dem liegt die politisch angespannte Stimmung der gerade begonnenen 30er Jahre mit Antisemitismus und SA-Aufmärschen auf dem Kurfürstendamm.
Der dritte Band um Gereon Rath ist meiner Meinung nach bisher der gelungenste, endlich kommt er ein wenig Weg von seinem totalen Individualismus, arbeitet mehr mit seinen Kollegen zusammen und so entsteht auch ein in sich viel flüssigerer Krimi. Außerdem bekommt Charly Ritter in diesem Band eine sehr viel größere Rolle, die sie großartig ausfüllt. Ihr Charakter wird von Volker Kutscher endlich weiter ausgearbeitet und durch ihre neue Arbeit kommt sie auf einer ganz anderen Ebene in Kontakt mit Gereon Rath. Dadurch erhält ihre Beziehung sehr viel mehr Tiefe und Charly muss sich aktiv mit der Rolle der Frau Anfang der 30er Jahre auseinander setzen. Will sie heiraten und zu Hause bleiben oder doch Karriere machen? Kann sie nicht beides haben? Das sind Fragen, die sie sich stellen muss, während sie gleichzeitig vom Chef der Mordkommission Gennart in halboffzielle Ermittlungen reingezogen wird.
Insgesamt hat der dritte Band von Gereon Rath sehr viel mehr Substanz und Tiefe als die ersten beiden Bände, die schon sehr gut waren. Die zeitgeschichtlichen Elemente rücken immer mehr in den Vordergrund und beginnen, das Leben der bekannten Charaktere zu beeinflussen. Es bleibt spannend, wie es für Gereon und Charly angesichts der Machtgewinnung der Nazis weitergeht, wie sie damit umgehen und was für Fälle dadurch noch ihren Weg kreuzen. „Goldstein“ ist bisher der beste Roman von Volker Kutscher, man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.01.2013
Zorn - Tod und Regen / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.1
Ludwig, Stephan

Zorn - Tod und Regen / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.1


sehr gut

Die Polizei entdeckt in einem leeren Keller Unmengen von Blut. Doch keine Leiche, keine Hinweise auf die Identität von Oper oder Täter. Die Menge des Blutes lässt darauf schließen, dass das Opfer regelrecht ausgeblutet wurde. Kommissar Zorn und sein Kollege Schröder bekommen von Staatsanwalt Sauer den Auftrag, in diesem Fall zu ermitteln. Überraschend, wo er doch von der Inkompetenz dieses Teams überzeugt ist. Dennoch machen sie die Kollegen an die Arbeit und schnell häuft sich vor ihnen ein regelrechter Leichenberg auf, denn es kommen immer neue Morde dazu.
Selten hat es in der Kriminalliteratur einen derart trägen und lethargischen Ermittler gegeben wie Claudius Zorn. Anfang vierzig, Kettenraucher und bis zum Umfallen faul. Mit Kommissar Schröder zeichnet der Autor ein passendes Gegenstück: klein und dick, aber arbeitswütig und überaus engagiert versucht Schröder auszubügeln, was Zorn Tag für Tag falsch macht und verschläft. Die beiden bieten ein interessantes Paar und sorgen beim Lesen für jede Menge amüsante Momente. Allein dafür lohnt es sich schon, das Buch zu lesen. Ihr Zusammenspiel ist auch deutlich agiler und abwechslungsreicher als im zweiten Band, der nur noch ein müder Abklatsch von „Tod und Regen“ ist.
Die Kriminalgeschichte an sich ist spannend, wenn auch vielleicht etwas sehr gewollt blutrünstig. Dennoch kann man ihr folgen und sie ist in der Grundkonstruktion logisch aufgebaut, man hat als Leser lange keine Ahnung wie alles zusammenhängt und will unbedingt weiterlesen, um den Fall zu klären. Das Ende des Buches hat mich jedoch sehr enttäuscht, die letzten 20 Seiten strotzten nur so von unglaubwürdigen Zusammenhängen und Übertreibungen. Schade eigentlich, bis dahin hatte mir die Handlung gut gefallen. Ein wenig mehr Zurückhaltung hätte dem Buch gut getan.

8 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.01.2013
Die blaue Liste / Georg Dengler Bd.1
Schorlau, Wolfgang

Die blaue Liste / Georg Dengler Bd.1


ausgezeichnet

„Es ist nur eine Geschichte, aber vielleicht war es so.“ Besser als der Autor selber hätte man das Motto für seinen Krimi nicht formulieren können. Georg Dengler verlässt das BKA und startet als privater Ermittler sein Dasein in Stuttgart. Ein Mann tritt an ihn heran, er soll herausfinden, ob der Vater seiner Freundin vor zwölf Jahren wirklich bei einem Flugzeugabsturz in Thailand ums Leben kam. Seine Ermittlungen bringen Dengler in die Nähe eines Falls, den er Jahre zuvor für das BKA nicht lösen konnte, die Ermordung des Präsidenten der Treuhand Rohwedder. In welche Machenschaften war Christianes Vater verwickelt und was steckt wirklich hinter Absturz der Maschine über Thailand?
Wolfgang Schorlau gelingt mit seinem ersten Fall für Georg Dengler ein großartiger politischer Roman über eine Umbruchzeit der deutschen Geschichte. Der Zusammenbruch der DDR und die dazugehörigen Herausforderungen für die wirtschaftliche Neuorganisation, die Tätigkeiten von RAF und Geheimdiensten in diesem Umfeld, all das arbeitet Wolfgang Schorlau zu einem spannenden Krimi um. Fiktion und reale Geschichte vermischen sich an vielen Stellen, werden aber nie abgehoben oder unglaubwürdig. Alles steht unter dem Motto „vielleicht war es so“. Es muss nicht sein, aber es kann, es ist möglich und vor allem- es ist logisch.
Mit Georg Dengler schafft der Autor gleichzeitig eine sympathische Hauptfigur, deren private Probleme zwar am Rande erwähnt werden, ohne jedoch ständig die Krimihandlung zu unterbrechen und in endlosen selbstmitleidigen Monologen zu enden. Dengler nimmt sein Leben in die Hand und versucht das Beste daraus zu machen. Und einen Fall übernimmt er nicht nur für das Geld, es muss ihn reizen und herausfordern. Und so fordert auch Schorlau seinen Leser heraus, sich auf sein Gedankenspiel des „was wäre wenn“ einzulassen und die Geschichte durch die Brille von Georg Dengler einmal etwas anders zu betrachten.
Ein großartiges Debüt für Georg Dengler und hervorragend recherchiert von Wolfgang Schorlau. Zum Glück gibt es noch viele weitere Bände, auf die man sich freuen kann und noch viele Male „Es ist nur eine Geschichte, aber vielleicht war es so.“

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.12.2012
Ich. Darf. Nicht. Schlafen.
Watson, S. J.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.


ausgezeichnet

Jeden morgen aufzuwachen ohne zu wissen, wer man ist oder wo man ist - eine schlimmere Vorstellung gibt es wohl kaum. Der Mann neben einem im Bett ist fremd, das Gesicht im Spiegel um Jahre älter als erwartet und jeden Tag aufs neue muss einem jemand die eigene Lebensgeschichte erzählen. Genau das passiert Christine in „Ich. Darf. Nicht. Schlafen“. Durch jede Nacht Schlaf verliert sie ihr Gedächtnis. Doch mit viel Arbeit und der Hilfe eines Arztes beginnt sie, sich bruchstückhaft an Dinge zu erinnern.
Was auf den ersten Blick klingt wie ein Roman über das Leiden einer Frau, ist in Wahrheit ein haarsträubender und packender Thriller. Wenn man niemanden in seinem Umfeld kennt, wem kann man dann trauen? Wer sagt einem die Wahrheit und wenn jemand lügt, warum? Je mehr Erinnerungen zurückkommen, desto klarer wird, dass irgendetwas nicht stimmen kann in Christines Leben. Doch wer oder was ist der Grund dafür? Die ganze Geschichte wird durch aus der Sicht von Christine erzählt, durch ein Tagebuch, das sie führt und jeden Tag neu lesen muss, um sich zu erinnern. Ihr Blick auf die Welt ist verzweifelt und menschlich. Man leidet mit ihr und zweifelt mit ihr, ständig schleicht sich einer neuer Verdacht zwischen die Zeilen und lässt einen innehalten. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob mit ihrer Krankheit nicht schlicht und einfach eine ausgeprägte Paranoia einhergeht und sie sich alles nur einbildet. Der Autor erzählt eindringlich und lebensnah, für den Leser ist Christine kein Forschungsprojekt sondern wird sehr schnell zu einer Person, die man schützen möchte. Eindringlich erzählt erlebt man mit, wie Christine an ihre Grenzen kommt und darin schwankt, einfach aufzugeben und sich in ihr Schicksal, immer nur einen Tag zu haben um sich kennen zu lernen, zu ergeben.
Es ist das Buch einer starken Frau in einer unglaublich spannenden Geschichte. Auch wenn die klassischen Elemente des Thrillers vielleicht fehlen, wenn es keine Leichen gibt und kein Blut fließt, kann man es gar nicht erwarten, eine Seite umzublättern und zu wissen, wie es weitergeht. Die Spannung ist hier viel subtiler angelegt und schwelt ständig unter der Oberfläche der Geschichte. Das latente Wissen, dass irgendwas etwas nicht stimmt, ist die ganze Zeit da, doch was es ist, kann weder Christine noch der Leser so richtig benennen.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.12.2012
Mathilde und der Duft der Bücher
Delaflotte, Anne

Mathilde und der Duft der Bücher


gut

Mathilde macht sich in kleinem Ort in Frankreich als Buchbinderin selbstständig, nachdem ihr Großvater gestorben ist und ihr sein Werkzeug hinterlassen hat. Statt Diplomatin in Paris wird sie nun Buchbinderin in einem kleinen Dorf und muss sich mit den Dorfleuten arrangieren. Als ein Fremder ihr ein altes Buch zum Restaurieren bringt und kurz danach zu Tode kommt, wird sie in die Geschichte des Unbekannten reingezogen. Zunächst weiß keiner, wer er war und woher er kam. Was hat es mit dem Fremden und seinem wunderschönen alten Buch auf sich? Und wer soll das schön erneuerte Buch jetzt überhaupt bekommen, wo der Besitzer tot ist?
Das Buch klang für mich als Leseratte und Buchliebhaberin auf den ersten Blick einfach perfekt, denn auch Mathilde liebt Bücher über alles. Die Geschichte und ihre Idee ist an sich auch sehr schön und nett geschrieben, leider wird das große Geheimnis, was hinter allem steht bereits auf dem Klappentext gelöst, so dass bin schon bis zur letzten Seite weiß, warum Mathilde die Probleme hat, die sich ihr in den Weg stellen. Was ich als Einstieg zur Geschichte erwartet hatte, auf dem alles weitere aufbaut, entpuppt sich nach 200 Seiten als die Lösung des ganzen Konstrukts. Spannung war daher überhaupt nicht vorhanden, eher etwas Ärger über den Verlag, der die Geschichte schon auf dem Buchrücken aufgelöst hat.
Auch sonst hatte die Geschichte viel Potenzial, doch viele Fäden wurden nicht konsequent weitergesponnen und gute Ideen für Nebengeschichten verliefen einfach im Sand und wurden nicht wieder aufgenommen. Das Ende war dann auch eher zu erwarten und bot keine Überraschung. Ganz nett, aber spannungslos und fast langweilig.

Bewertung vom 18.12.2012
Requiem
McNamee, Eoin

Requiem


sehr gut

Irland Anfang der sechziger Jahre: Ein Mord geschieht und der Täter steht eigentlich schon fest, bevor die Ermittlungen begonnen haben. Alles passt so gut zusammen, der junge Mann, der mit der Ermordeten bei einem Tanzfest eng getanzt haben soll, obwohl sie es nicht wollte. Ein Mord aus verschmähten Gefühlen, ganz klar. Eine ganze Stadt macht es sich einfach, nachdem die junge Frau nackt und tot auf einem Feld aufgefunden wird. Der Chef der Ermittlungen, der gerade erst aus London nach Irland gekommen ist, kommt keine Schritt weiter, da alle seine Ermittlungsversuche sofort blockiert werden. Doch kann man einen Mann hängen lassen, einfach weil eine ganze Stadt beschließt, dass er der Täter ist?
Der Roman „Requiem“ unterscheidet sich besonders durch seinen Stil von all den Romanen und Thrillern, die sich auf dem Buchmarkt tummeln. Nüchtern und klar, wie in einem Dokument beschreibt Eoin McNamee die Geschehnisse. Teilweise scheint man direkt in der Polizeiakte zu lesen, so distanziert und kühl wird die Handlung erzählt. Das Buch ist kein Thriller oder Krimi im klassischen Sinne, es ist eher ein politisches Buch um die Verstrickungen der Polizei mit alle Gesellschaftsteilen und die Todesstrafe als ultimatives Mordurteil in der Politik.
Die Geschichte hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, besonders durch die Eigenarten im Stil des Autors und die bewegende Handlung, die einen nicht unberührt lassen kann. Und die Unsicherheit, die bis zum Schluss bleibt - kann man sich jemals so sicher sein, dass man jemandem unumkehrbar zum Tode verurteilt?

Bewertung vom 26.11.2012
Das Mädchen auf den Klippen
Riley, Lucinda

Das Mädchen auf den Klippen


ausgezeichnet

Grania ist gerade aus New York zu ihren Eltern aufs irische Land gefahren, als sie ein kleines Mädchen völlig allein auf den Klippen der irischen See stehen sieht. Aurora ist acht und zieht Grania sofort in ihren Bann. Quasi über Nacht wird sie Mutterersatz und Kindermädchen der kleinen, die alleine mit ihrem Vater in einem alten Herrenhaus an der irischen Küste lebt. Wie lange die Geschichte von ihrer Familie mit der von Aurora verwoben ist, erfährt sie von ihrer Mutter. Und plötzlich scheint die Geschichte mit Aurora viel mehr Bedeutung zu haben, als Grania anfangs dachte.
Der zweite Roman von Lucinda Riley ist genauso großartig wie „Das Orchideenhaus“. Mit viel Liebe hochemotional geschrieben zieht einen die Geschichte von der ersten Seite fast in das Buch hinein und man kann sich nur noch schwer von Grania und Auroras Schicksal trennen. Die Familiengeschichten sind so schicksalshaft verwoben, dass ein Leben der beiden fast vorbestimmt scheint. Aurora ist kleiner Wirbelwind, mit ihrem eigenen Kopf bringt sie zwar alles durcheinander, nur schwer kann sich aber jemand gegen ihren Charme wehren. So geht es Granias Mutter Kathleen ebenso wie dem Leser, der Aurora von Anfang an ins Herz schließen muss.
Ich habe lange nicht mehr ein so kurzweiliges Buch gelesen, jedes Mal wenn ich auf die Uhr geschaut habe, war plötzlich eine Stunde oder mehr Zeit verflogen, ohne dass ich es überhaupt gemerkt habe. Das Buch entspricht zwar im großen und ganzen den Klischees und Erwartungen des Genres der Schicksals-und Liebesromane, hebt sich aber durch lebhaften und frischen Schreibstil der Autorin positiv ab von Auswandererkitsch und Geschichtsnostalgie. Wie der erste Roman auch, absolut empfehlenswert für alle Leseratten!

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.