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gaby2707

Bewertungen

Insgesamt 2031 Bewertungen
Bewertung vom 20.06.2023
Das SexHaus der Wollust   Erotische Geschichten
Wiles, Simona

Das SexHaus der Wollust Erotische Geschichten


ausgezeichnet

In der Schanzstraße geht’s heiß her

In diesen elf erotischen Geschichten erlebe ich Frauen, die nur auf das eine aus sind: die körperbetonte Hilfe ihrer männlichen Kollegen in einem ganz speziellen Bereich.
Hier macht Fliesenleger Adrian in der Schanzstraße die Ritzprobe; Immobilienmakler Benjamin lässt sich von Ute für eine Wohnung verwöhnen; ich erlebe Hausmeister Siegfried, der sich bei Eli und Daria nicht nur um die Dusche kümmert und Postbote Ingbert, der nicht nur Briefe und Pakete ausliefert.

Mir gefällt der leichte, lockere, sehr freizügige Erzählstil von Simona Wiles sehr gut. Ohne anstößig zu sein oder derb unter die Gürtellinie zu gehen nimmt sie mich mit in die verschiedenen Wohnungen in der Schanzstraße 6 zu den verschiedensten Menschen. Meinen Geschmack hat sie mit ihren Geschichten wieder absolut getroffen.

Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte von Simona Wiles als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.

Bewertung vom 20.06.2023
Heimwärts
Morton, Kate

Heimwärts


sehr gut

Eine Familiengeschichte, die zum Nachdenken anregt

In den Adelaide Hills in South Australia löscht eine Tragödie am Heiligabend 1959 fast eine ganze Familie aus. Fast – bis auf ein Baby, das verschwunden bleibt. Die Polizei ermittelt zwar, aber der Fall insgesamt bleibt ungelöst.
Im Dezember 2018, fast 60 Jahre später, stößt die Journalistin Jess schon fast zufällig auf dieses Geschehnis, als sie ihrer Großmutter Nora bei der sie aufgewachsen ist, nach einem Unfall in Sydney beistehen will. Ihre Nachforschungen bringen sie auch ihrer eigenen Familiengeschichte immer näher.

Es hat etwas gedauert, bis ich in dieser Geschichte angekommen bin. Aber dann hat sie mich gepackt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Es ist eine sehr leise Geschichte in die ich langsam immer tiefer eintauche. Alles wird sehr ausführlich erzählt und ich versuche zu erkennen, was wichtig ist und was es für die Auflösung des Rätsels nicht braucht.
Kate Morton hat einen sehr bildhaften und eingängigen Erzählstil, der mir schnell wunderschöne, aber auch zutiefst traurige Bilder in meinen Kopf zaubert. Es ist ganz gewiss keine heile Welt Geschichte, in die sie mich hinein zieht. Sie regt mich eher zum Nachdenken an; über Familie, was bedeutet Heimat, über die Suche nach der eigenen Identität. Seite für Seite tauche ich tiefer ein und es tritt ein Geheimnis zutage, das unglaublich scheint.
Die vielen Menschen, die ich hier kennenlerne, erzählen das, was sich damals zugetragen hat, aus ihrer eigenen Sicht. So entstehen immer neue Bilder, die ich abspeichere und damit versuche mein eigenes Bild der Geschehnisse Stück für Stück zu vervollständigen. Schnell war mir zwar klar, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte. Es aber dann schwarz auf weiß zu lesen war für mich nochmal richtig erschütternd.

Kate Morton hat mir mit „Heimwärts“ einige unterhaltsame, aber auch aufwühlende Lesestunden geschenkt, mich bewegt und an ihr Buch gefesselt. Wer gerne Romane liest, die zum Nachdenken anregen und Familiengeschichte, ein bisserl historisches und einen Hauch von Spannung vereinen, der ist hier genau richtig.
Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die beiden Übersetzerinnen Stefanie Fahrner und Judith Schwaab, die die Geschichte ins Deutsche übersetzt und dadurch für mich lesbar gemacht haben.
Meine Reise nach Sydney wird mich wohl noch eine Zeit lang beschäftigen.

Bewertung vom 18.06.2023
Die Steine der Zwillinge
Borghoff, Wilma

Die Steine der Zwillinge


sehr gut

Spannend, mystisch, richtig gut

Die Zwillingsschwestern Nora und Helene haben seit Kindesbeinen einen ganz außergewöhnlichen Draht zueinander. Sie spüren schnell, wenn es der anderen nicht gut geht.
Nur um ihrem Mann Niklas einen Gefallen zu tun begibt sich Nora Linde mit ihm zusammen auf einen Wanderurlaub in Kanada. Leichtsinnig machen sie auch bei schlechtem Wetter nicht halt, ignorieren alle Warnzeichen. Bis Niklas abstürzt und Nora sich auf den Weg macht um Hilfe zu holen. Ein fataler Fehler, der sie in höchste Lebensgefahr bringt. Zuhause macht sich Helene auf den Weg ihre Zwillingsschwester zu suchen. Daheim muss sich die Familie mit Reportern herumschlagen und bekommt Besuch von einer Person, von der bisher niemand etwas wusste...

Wow, was für eine ungewöhnliche und tolle Geschichte.
Ich gebe zu, es hat etwas gedauert bis ich in Noras und Helenes Familien, die ich sehr intensiv kennenlerne, und dann in Kanada angekommen bin. Aber ab ca. der Hälfte des Buches war es dann so spannend und nervenaufreibend, dass ich es nicht mehr aus der Hand gelegt habe.
Ich lerne die Zwillingsschwestern Nora und Helene als Kinder kennen, wo sie schon eine sehr enge und telepathische Verbindung zueinander haben. Sie verstehen sich ohne Worte auch über größere Entfernungen hinweg, leben später jede ihr eigenes Leben mit ihren jeweiligen Partnern bzw. Familien. Ihre ganz besondere Verbindung reißt nie ab und so merkt Helene sofort, als Nora in Kanada in Gefahr ist.
Eine große Rolle spielen hier zwei Steine, die die Zwillinge auf ihrem gemeinsamen Jakobsweg gefunden haben und die die Telepathie noch zu verstärken scheinen. Gut, dass Nora ihren Stein mit nach Kanada genommen hat.

Mir hat diese Geschichte sowohl durch die vielen verschiedenen Menschen, die ich hier kennenlerne und die mir bis auf wenige Ausnahmen alle sehr sympathisch sind, als auch durch die Geschehnisse in Kanada sehr gut gefallen. Autorin Wilma Borghoff versteht es gekonnt meine Gefühle heraus zu kitzeln und ich hatte manchmal das Bedürfnis Nora zu schütteln und ihr zuzurufen „lass das bitte sein“. Aber hätte sie auf mich gehört, wäre daraus keine so emotionsgeladene Geschichte entstanden, die mich bis zum Schluss richtig gefesselt hat.

Ich habe diese Reise in die kanadische Wildnis trotz oder gerade wegen der folgenschweren Geschehnisse sehr genossen. Die Beschreibungen von @borghoffwilma haben mich berührt, fasziniert und mir wundervolle Bilder in den Kopf gepflanzt. Ein Buch mit einer ungewöhnlichen Geschichte, das ich sehr gerne gelesen habe und es gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 16.06.2023
Sternenreiter - Wie ein Licht in dunkler Nacht (Band 2)
Jando

Sternenreiter - Wie ein Licht in dunkler Nacht (Band 2)


ausgezeichnet

„Wir dürfen niemals aufgeben an das Gute zu glauben“

Das ist einer der wunderbaren Sätze, die der kleine Junge in dieser Geschichte von sich gibt.

Nach 10 Jahren hat der kleine, außergewöhnliche Junge in seinem braunen Mantel aus Jute den norddeutschen Schriftsteller Jens Koch alias Jando dazu gebracht, eine weitere Geschichte mit ihm aufzuschreiben. Und ich habe mich riesig gefreut, dass es mit dem Sternenreiter weiter geht.
Gerade in der heutigen Zeit, wo jeden Tag neue Scheußlichkeiten durch die Nachrichten gehen, tut es so gut, diese Geschichte voller Liebe, Glück und Hoffnung zu lesen.

Der Erzähler Janosch berichtet, wie er auf der Suche nach dem Mädchen Sara, die aus dem Kinderheim in dem er zusammen mit seiner Freundin Jelena arbeitet ausgebüxt ist, dem kleinen Jungen mit seinem Löwenhund und der Taube begegnet. Er nimmt ihn mit ins Heim und ist immer wieder erstaunt, wie viel Lebensklugheit der kleinen Jungen in sich trägt. Ich habe beim Lesen immer wieder mal an die Geschichte des Kleinen Prinzen denken müssen, die auch so voller Weisheit steckt.

Mir gefällt die wunderschöne Gestaltung des Buches mit der Goldschrift auf blauem Grund sehr gut. Und auch die hinreißenden Illustrationen von Antje Arning passen wunderbar zu der Geschichte, die der Autor hier erzählt.

Ein berührendes Märchen für Erwachsene, das zum Nachdenken anregt und das zeigt, dass auch in den dunkelsten Momenten immer noch ein kleiner Stern am Himmel leuchtet, der Hoffnung gibt. Eines der ergreifendsten Bücher, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe.

Bewertung vom 15.06.2023
Wasserschlag für Greetsiel
Trost, Dirk

Wasserschlag für Greetsiel


sehr gut

Zwei Bomben in Greetsiel

Nach Dieters Jungfernfahrt mit dem Fischkutter Sirius treffen sich Jan und seine Freunde Onno und natürlich Dieter in Gretas Rettungsschuppen um zu feiern. Hier werden sie Zeugen einer Schlägerei zwischen dem von Greta verehrten Schriftsteller Lars Lundström und dem Weltumsegler Finn Strindberg. Schnell werden die beiden Streithansel des Lokals verwiesen. Greta, die auch einen Schlag abbekommen hat, bittet Jan ihnen zu folgen und darauf zu achten, dass Lundström keinen Blödsinn macht. Kurz darauf entdeckt Jan den Schriftsteller im Hafenbecken treibend und Finn Strindberg lässt sich mit blutverschmierten Händen festnehmen, bestreitet aber die Tat. Auch Jan ist sich sicher, dass der Weltumsegler unschuldig ist.

Für Jan de Fries ist es nun schon der 10. Fall. Ich lerne den ostfriesischen Anwalt hier gerade erst kennen. Und trotzdem bin ich sehr gut in und mit der Geschichte zurecht gekommen. An die vielen neuen Personen mit ihren Eigenheiten und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, musste ich mich erst gewöhnen. Das hat aber sehr schnell und gut geklappt und ich konnte mich direkt auf den „Fall“ konzentrieren. Aber warum will Lundström partout nicht aus der Haft entlassen werden?

Locker-leicht mit einem sich immer weiter aufbauenden Spannungsbogen führt mich Autor Dirk Trost vom 1. bis zum 26. Kapitel durch den Fall, der für Jan und seine Freunde richtig gefährlich wird. Sehr gut gefallen hat mir, dass Jan de Fries aus seiner Sicht erzählt. Was mich noch näher am Geschehen dran sein lässt und ich alles noch besser nachvollziehen kann. HK Doro Oldenburg dagegen hat mich mit ihren Ermittlungen stark enttäuscht. Aber gut – dafür waren Jan und seine Freunde um so erfolgreicher.
Insgesamt hat mir diese sehr komplexe Geschichte gut gefallen. Ich fand sehr schwierig, die ganzen Gegebenheiten zu durchblicken und mit einem solchen Ende habe ich nicht gerechnet.
Durch die tollen Beschreibungen in und um Greetsiel konnte ich mir einen guten Eindruck von diesem Teil der Nordseeküste machen. Ich hatte das Gefühl als Urlauber immer neben Jan und seinen Freunden zu stehen.

Ein spannender Fall voller Dramatik und unvorhersehbaren Entwicklungen und Wendungen mit einem Anwalt, von dem ich gerne noch mehr lesen möchte.

Bewertung vom 11.06.2023
Ich bin willig! Erotische Geschichten
Ritchey, Pamela

Ich bin willig! Erotische Geschichten


ausgezeichnet

Phantasievoll und richtig gut

Ich lerne Vanessa kennen, die durch Axel an die gemeinsame Vergangenheit erinnert wird; Lehrerin Pia ist es egal, ob Mats ihr Schüler ist; Jakob, der zu seinen Nachbarn fast keinen Kontakt hat, lernt Josefine und Philipp bei einem Dreier besser kennen; bei Tennisspielerin Mara merkt Platzwart Stefan, dass sie mehr als Tennis kann und Annabell, deren Träume, die sich um Ben drehen, endlich erfüllen.

Allein, wenn ich mir das Cover und den Titel anschaue, weiß ich, worum es in diesen 10 Kurzgeschichten geht. Eingebettet in kleine Geschichten geht es heiß, wild, leidenschaftlich und ohne Tabus zur Sache. Mir gefällt der Erzählstil von Pamela Richey sehr gut. Leicht, locker, sehr freizügig, aber ohne anstößig zu sein oder derb unter die Gürtellinie zu gehen hat sie hier meinen Geschmack mit ihren fantasievollen Geschichten an den unterschiedlichsten Orten mit den verschiedensten Menschen absolut getroffen. Ich habe jede einzelne Geschichte genossen.

Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte von Pamela Richey als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.

Bewertung vom 10.06.2023
Die Spur der Aale / Ein Fall für Greta Vogelsang Bd.1
Wacker, Florian

Die Spur der Aale / Ein Fall für Greta Vogelsang Bd.1


ausgezeichnet

Ein spannender Einstieg in eine neue Krimi-Serie

Oberstaatsanwältin Greta Vogelsang vom Dezernat für Umweltstrafsachen in Frankfurt/Main hat Bereitschaftsdienst als sie von dem Anruf eines Polizisten geweckt und gebeten wird, an den Main zum Niederrheiner Ufer zu kommen. Hier wurde ein Mann mit einer Kopfwunde ertrunken im Wasser gefunden. Ein Kollege, wie sich herausstellt. Der Zollfahnder am Frankfurter Flughafen Lars Mathissen, der anscheinend dabei war ein Schmugglernetzwerk auszuheben. Ein gut aufgestelltes Netzwerk von Lieferanten, Schmugglern und Abnehmern in Hongkong bzw. China, wo Glasaale als Delikatesse gelten. Bei ihm zuhause findet man im Kühlschrank den Kopf eines Aales. Eine Drohung? Als Greta genau solch ein Kopf vor ihrer Haustüre findet, kann sie sich aus den Ermittlungen nicht heraushalten. Und es gibt bald einen weiteren Toten, der in diesen Fall involviert gewesen zu sein scheint.

Das farblich eher dunkel gehaltene Cover mit einem Blick auf die Frankfurter Skyline gefällt mir sehr gut und macht neugierig auf den Inhalt des Buches.
„Die Spur der Aale“ ist der erste Fall, den ich mit Oberstaatsanwältin Greta Vogelsang und ihrem Team, dem erfahrenen Kollegen Martin Abel, der jungen Staatsanwältin Sonja Wilms und Referendar Rafik Atashi bearbeite. Da dies ihr erster Fall ist, bekomme ich viele Hintergrundinfos, sowohl aus dem privaten als auch ihrem beruflichen Bereich, was etwas zulasten der Spannung geht. Die Kombination aus Umweltschutz und der Schmuggel dieser Glasaale finde ich aber so interessant, dass mich die hier und da fehlende Spannung nicht stört. Ich kann mich nicht erinnern mit einem solchen Thema in einem Krimi schon mal konfrontiert worden zu sein. Ich habe, was ich sehr mag, hier durch die Glasaale wieder etwas für mich Neues lernen können.
Ein paar Frage bleiben bei mir offen: Was hat Greta in Genua damals erlebt, was sie bis heute nicht loslässt und sie so mit Alpträumen quält? Und wie ist ihre Mutter zu dem Kosenamen „Königin“ gekommen? Vielleicht klären sich die Fragen ja im nächsten Fall für die Frau Oberstaatsanwältin.

Ein außergewöhnlicher, interessanter Fall, eine sympathische Ermittlerin und mit Frankfurt eine passende Lokation. Mir hat der Einstieg in die neue Serie gut gefallen.

Bewertung vom 10.06.2023
9 Tage wach
Stehfest, Eric;Stephan, Michael J.

9 Tage wach


sehr gut

Eine Geschichte bei der ich mich schwer getan habe

Ich kenne Eric Stehfest aus seiner Rolle des Chris Lehmann bei GZSZ, von Let´s Dance, aus dem Dschungel und aus verschiedenen Talkshows, wo er von seiner "Drogenkarriere" erzählt. ‎Seine dort gezeigte Persönlichkeit hat mich dazu animiert, mir dieses Buch zu kaufen und nun endlich zu lesen. Aber ich habe mich damit wirklich nicht leicht getan.

Eric Stehfest hat einen wie ich finde sehr aussergewöhnlichen Erzählstil. Kurze, knappe Sätze, immer wieder springt er hin und her, scheint unkonzentriert und weicht oft ab. Und ich habe mich gefragt: Ist das die heutige Jugendsprache oder hängt das mit dem Drogenkonsum zusammen, der ja bekanntlich einiges im Körper kaputt macht. Seine Berichte von Gerichtsverhandlungen und von seinen Theateraufführungen zeigen, wie Realitätsfern er da oft schon ist. Irritierend finde ich auch die immer wieder in kursiv eingeschobenen Gedanken, bei denen ich nicht weiß, was sie mir sagen wollen. Ausser, dass hier jemand die Realität verloren zu haben scheint.
Ich muss dauernd umdenken, mich in verschiedene Schauplätze hinein denken. Aber dadurch bekomme ich einen guten Einblick in die damalige Lebenssituation des Autors, was mich erschreckt und teils sehr verstörend wirkt. Er vermittelt sehr gut, wie er die Welt sieht und warum er tut was er tut.

In seinem Buch erzählt der Schauspieler aus seiner Kindheit und Jugend, von seinen Famiienverhältnissen, seiner Schulzeit, wie er langsam in die Drogenszene abdrifftet und wie er seine Sucht vor der Aussenwelt versteckt hält.
Ein großer Halt ist immer wieder seine Mutter, die ihn mit ihrer Liebe versucht aus diesem Sumpf zu befreien und die er von jeglicher Schuld freispricht. Überhaupt gibt er niemandem ausser sich selbst die Schuld an seiner Sucht. Das finde ich klasse.
Und ich bewundere ihn, dass er es mit ganz viel Willen und Disziplin geschafft hat, sich nach diesen 9 Tagen wach, die ihn fast das Leben gekostet haben, aus diesem Rausch zu befreien. Das er durchgehalten hat, wenn es auch noch so hart war. Und das er mit diesem sehr persönlichen Buch seine Erfahrungen teilt.

Eine Geschichte auf die ich mich einlassen musste. Ein Thema, das gerade wieder in aller Munde ist. Ein Buch, das, auch wenn es teilweise schwer zu lesen ist, absolut lesenswert ist.

Bewertung vom 09.06.2023
Die Farben unserer Träume
Beck, Lilli

Die Farben unserer Träume


ausgezeichnet

Das Leben geht manchmal seltsame Wege

Ich habe schon einige Bücher von Lilli Beck gelesen und auch diesmal hat sie mich von Beginn an abgeholt, in die Geschichte hinein gezogen und vollkommen überzeugt.

Mitte Dezember 1948 legt eine junge Frau ein Baby in eine Decke gewickelt in einem Weidenkorb auf die Stufen des Frisiersalon Sonnlechner in der Münchner Amalienstraße. Dazu ein Brief, er einiges erklären soll.
1965 ist dieses Baby fast erwachsen. Anna Sonnlechner ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater Xaver, Mutter Traudl und der um ein Jahr jüngeren Schwester Elsie in der Amalienstraße, wo die Familie schon in der 5. Generation einen Frisiersalon betreibt. Und den sollen Anna und Elsie in der Zukunft weiterführen. Nur fühlt sich Anna irgendwie nicht richtig zugehörig zu dieser Familie. Schon gar nicht mag sie die Arbeit im Frisiersalon, fällt sogar bei der Friseurprüfung durch. Und dieser Verdacht der Andersartigkeit verstärkt sich, als sie auf dem Dachboden einen Brief findet, der sie als ein Findelkind ausweist.
Anna macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln, ihrer großen Liebe und nach ihrer eigenen Zukunft, die sie in der Malerei sieht.

In diesem Roman erzählt Autorin Lilli Beck die Geschichte von Anna, die in der bürgerlichen Welt, in der sie aufwächst nicht glücklich scheint. Beim Lesen spüre ich regelrecht, dass Anna nicht in diese Friseurfamilie passt. Sie findet dann ja auch heraus, dass sie keine leibliche Tochter der Sonnlechners ist und macht sich auf den Weg ihr eigenes Leben zu leben. Zusammen mit dem armen (reichen) Künstler Clemens Altmann, der an der Leopoldstraße seine Bilder verkauft. Ich finde es toll, wie die Beiden jede Hürde ihres gemeinsamen Lebens meistern. Ich habe mich mit ihnen im Dachgeschoss der Schwabinger Wohnung richtig wohl gefühlt. Da ich in München lebe, hatte ich viele der Orte, die hier eine Rolle spielen und die alle sehr bildhaft beschrieben sind, direkt vor Augen. Genau so wie die Menschen, mit denen ich es hier zu tun bekomme. Alle haben ihre kleinen oder größeren Eigenheiten, sind fast alle sehr liebenswert und passen sehr gut in diese Nachkriegszeit.

Für mich hat dieses Buch alles, was ich mir von einer guten Geschichte wünsche. Eine interessante nachvollziehbare Story; Menschen, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin und eine gute Portion Spannung, die ich hier auch gefunden habe.
Ein wunderbarer Familienroman mit einer Hauptdarstellerin, die ich schnell ins Herz geschlossen habe und die ihr Herz am rechten Fleck hat. Mit ihr hätte ich noch ewig durch die Stadt streifen können. Sie, ihre Familie und ihre Freunde haben mich für einige Stunden sehr gut unterhalten.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.06.2023
Wunder gibt es immer wieder / Die Fernsehschwestern Bd.1
Sauer, Beate

Wunder gibt es immer wieder / Die Fernsehschwestern Bd.1


ausgezeichnet

Gib deine Träume niemals auf

Der Traum der 17-jährigen Eva Vordemfelde ist es Kostümbildnerin zu werden. Bei einem Besuch am Fuschlsee im Salzkammergut, wo ihre Cousine Margit als Hauswirtschafterin in einem renommierten Hotel arbeitet, lernt sie zufällig die bekannte Kostümbildnerin Gerdago kennen. Die schaut sich sogar Evas Entwürfe an, erkennt das Potential und Talent, das in Eva steckt und empfiehlt sie an ihren Kollegen Heiner Palzer in München. Ihr stockkonservativer, karrierebezogener Vater Axel, der von dieser „Spinnerei“ absolut nichts wissen will, vermittelt seiner Tochter nach dem plötzlichen Umzug nach Bonn einen Arbeitsplatz beim WDR als Sekretärin und tut alles, dass Eva fast den Glauben an sich selbst verliert. Eva lernt den Journalisten Paul Voss kennen und bald auch lieben, der sie in ihrem Vorhaben tatkräftig unterstützt.
Wird es Eva gelingen ihren Traum doch noch leben zu können? Das müsst ihr in diesem tollen Buch schon selbst lesen.

Mit ihrem offenen, leichten und fesselnden Erzählstil hat mich Autorin Beate Sauer ganz schnell in die Geschichte hineingezogen. Eva habe ich vom ersten Kennenlernen an sehr gemocht. Sie ist eine pflichtbewusste, eigenständige junge Frau, die sich ihren Traum auch durch Lügen und Intrigen nicht ausreden lässt. Mir hat es sehr imponiert, wie sie sich gerade ihrem Vater entgegen stellt und sogar er sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen kann. Eva ist ganz auf sich allein gestellt, denn von ihrer Mutter Annemie bekommt sie anfangs keine Rückendeckung. Nur Paul, den sie zuerst gar nicht mag, was sich aber schnell ändert, steht ihr in allem, was sie tut fest zur Seite und hält zu ihr.

Die 544 Seiten des Romans sind in 3 Teile mit insgesamt 21 Kapitel gegliedert. Ich streife mit Eva durch München, wo sie im Stadtteil Pasing mit ihrem Vater Alex, Mutter Annemie und den Zwillingen Franzi und Lilly wohnt. Ich bin bei ihrem ungewollten Umzug nach Bonn dabei, besuche mit ihr den Bundespresseball und bekomme durch sie und ihren Vater einen guten Einblick in die politischen und sozialen Verhältnisse der 1950er Jahre in Westdeutschland. Zu einer Zeit, wo das Fernsehen in die deutschen Wohnzimmer Einzug gehalten hat und sich die Medienlandschaft dadurch verändert.
Wenn die Rede von den Kostümen ist, die Eva entwirft, schaltet sich mein Kopfkino an und ich sehe sie direkt vor mir. Überhaupt schickt mir die Geschichte so viele wundervolle Bilder, die ich versuche alle in meinem Kopf abzuspeichern.
Sehr gut gefällt mir die Rolle der Mutter Annemie. Steht sie in der ersten Zeit wie ein wertvolles Anhängsel voll hinter ihrem Mann, wird sie im Laufe der Geschichte immer mutiger und widersetzt sich auch mal. Ihre Veränderung hin zu einer eigenständigen Frau, die keine Erwartungen mehr erfüllen will und die sie während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahre war, fand ich richtig klasse.
Ich hätte noch stundenlang weiter lesen können.

Mir hat der Auftakt zu dieser neuen Romanreihe „Die Fernsehschwestern“-Saga sehr gut gefallen. Nun bin ich gespannt, wie es auf dem Lebensweg von Eva Vordemfelde weiter geht.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.