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Benutzername: 
Dreamworx
Wohnort: 
Berlin

Bewertungen

Insgesamt 1369 Bewertungen
Bewertung vom 12.12.2020
Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen
Maher, Kerri

Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen


weniger gut

Eine sehr langweilige Geschichte über Grace Kellys Leben
Die Schauspielerin Grace Kelly stammt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, wo sie und ihre Geschwister eine strenge Erziehung genossen. Schon früh hegte sie Ambitionen, auf der Bühne und beim Film Karriere zu machen, was ihr mit viel Ehrgeiz, Disziplin und Widerstand gegenüber ihren Eltern auch gelang und nach zahlreichen Filmen sogar mit einem Oskar gekrönt wurde. Ihre Begegnung mit Rainier, dem Fürsten von Monaco im Jahr mündete in einer Hochzeit im April 1956, die weltweit für Aufsehen sorgte. Schon bald verehrten die Monegassen ihre Landesfürstin, die für die Ehe ihre Hollywoodkarriere aufgab und sich fortan für wohltätige Zwecke einsetzte, während sie nebenbei als Stilikone gefeiert wurde und den kleinen Fürstenstaat Monaco aufgrund ihrer guten Kontakte zum Hotspot für die Reichen, Schönen und Berühmten machte.
Warum ausgerechnet in diesem Jahr gerade drei Romane von verschiedenen Autoren über Grace Kelly/Gracia Patricia von Monaco erschienen sind, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn weder jährt sich ihr Todestag mit einer Null am Ende noch ihr Geburtstag. Mit „Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen“ hat Kerri Maher allerdings den schlechtesten der drei Romane um das Leben von Grace Kelly vorgelegt. Der flüssige Schreibstil sowie Stilmittel wie Rückblenden, Zeitsprünge und integrierte Briefe können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autorin nichts Neues über die Fürstin von Monaco zu berichten hat und auch die Chance verpasst, ihre (erfundene) Geschichte spannend und mit etwas mehr Gefühl an den Leser zu bringen. All die in dem Roman eingebrachten Informationen sind für alle frei zugänglich, jedoch fragt man sich als Leser oft, was ist hier Realität und was ist Fiktion, wenn es um das von der Autorin aufgezeigte Gefühlsleben von Grace geht. Vieles entspringt wohl eher ihrer Phantasie, denn sie zeichnet das Bild einer zerrissenen Frau, die mal kühl, berechnend und unnahbar, mal unsicher und verloren wirkt. Während der gesamten Handlung gelingt es der Autorin nicht, ihrer langatmigen und gleichsam langweiligen Aufzählung von Ereignissen mehr Spannung zu verleihen. Dass eine Einheirat in einen „gekrönten“ Haushalt auch Kompromisse, das Einhalten von Traditionen und gewisse Verhaltensweisen erfordert, bedingt auch gewisse Überlegungen und Entscheidungen im Vorfeld, weshalb die Erzählung der Autorin wenig glaubwürdig wirkt.
Auch mit ihren Charakteren beweist die Autorin kein glückliches Händchen, denn weder schafft sie es, Grace mit ihren Schilderungen Wärme und Menschlichkeit zu verleihen, noch die immer wieder aufgezählte Prominenz mit Farbe zu versehen. Als Leser steht man all dem erst ratlos, im weiteren Verlauf der Handlung aber immer gleichgültiger gegenüber. Grace wird als eine Frau dargestellt, die sich willenlos manipulieren lässt und keine Ahnung davon hatte, worauf sie sich einließ. Doch sie war wie jeder von uns ein Mensch, der seine eigenen Entscheidungen trifft und den gewählten Weg antritt. Ebenso wird Rainier als doch recht gewissenloser und unerbittlicher Mann und die Ehe mit Grace als Farce dargestellt. Wenn man sich dann an die alten Bilder erinnert, die einen gebrochenen Mann in tiefer Trauer zeigen, hat dies so gar nichts mit den Ausführungen der Autorin zu tun.
„Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen“ enttäuscht auf ganzer Linie durch unnahbare Protagonisten, einem langatmigen Erzählstil und einer 08/15-Recherche. Es gibt keine Quellenangaben, die die Behauptungen der Autorin stützen. Und selbst für einen fiktiven Roman ist dieser hier einfach nur langweilig. Hier wurde viel gewollt und wenig gekonnt, keine Empfehlung!

6 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.12.2020
Salt & Silver Lateinamerika
Kosikowski, Thomas;Riffelmacher, Johannes

Salt & Silver Lateinamerika


ausgezeichnet

„The best surfer out there is the one having the most fun.“ (Phil Edwards)
Auch ich bin seit über 40 Jahren dem Surfsport erlegen, habe mit meinen Boards einige der schönsten und anspruchsvollsten Surferspots der Welt ausprobiert. Deshalb habe ich mich über das Buch „Salt & Silver Lateinamerika“ von Thomas Kosikowski und Johannes Riffelmacher sehr gefreut, denn die beiden Hamburger haben damit einen wirklich guten Job gemacht. Nur die wenigsten von uns geben für ein Jahr alles auf, um sich mit Sack und Pack auf Reisen zu begeben und sich den Traum von Freiheit und Entdeckerfreude zu erfüllen. Gerade Lateinamerika hat so viel an landschaftlichen Höhepunkten, kulturellem Leben und Lebensfreude zu bieten, ganz zu schweigen von den kulinarischen Genüssen und einigen der besten Surfspots der Welt.
Schon die farbenprächtigen Fotos laden beim Durchblättern zum Träumen und Schwelgen ein, aber vor allem die begleitenden Geschichten über die gesammelten Reiseerfahrungen und –erlebnisse der beiden Autoren geben dem Buch einen besonderen Anstrich, weil sie so wirklichkeitsnah und mit viel Charme zum Besten gegeben werden. Sehr gut gelungen ist die Aufteilung, denn der Start beginnt in Kuba und von dort über Mexiko, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Ecuador, Peru nach Chile. Ein Kapitel ist auch bestimmten Orten gewidmet, wo man besonders gut surfen kann.
Zusätzlich haben die zwei Weltenbummler ein paar sehr authentische, landestypische Rezepte mit eingebracht, die man unbedingt ausprobieren sollte. Die Anleitungen sind auch für Laien leicht umzusetzen und bringen neben ein wenig Exotik auch ein besonderes Geschmackserlebnis auf den Tisch, bei dessen Genuss man in Erinnerungen schwelgen und vom nächsten Surferhotspot träumen kann. Besonders zu empfehlen sind die „Tacos de Chorizo“, „Ropa Vieja“ und „Pablo-Polaco’s BBQ-Ribs“. Auch einige Saucen sollten unbedingt ausprobiert werden, denn sie sind auch für unsere eigene Küche gut anwendbar. Alle Zutaten sind im heimischen Handel erhältlich, so dass es keine Ausreden gibt, diese schmackhaften Rezepturen nicht einmal auszuprobieren.
„Salt & Silver“ ist nicht nur ein Buch für Surfbegeisterte und Abenteuerlustige, sondern für alle, die gern reisen, ausprobieren, sich inspirieren lassen und dem Lebensgefühl von Freiheit nicht widerstehen können. Absolute Leseempfehlung!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.12.2020
Melissa Fortis Weihnachts-Backbuch
Forti, Melissa

Melissa Fortis Weihnachts-Backbuch


ausgezeichnet

La festa di Natale perfetta
Als Liebhaber schöner Backwaren, ob Brot, Kuchen, Kleingebäck oder Torten sind wir immer wieder auf der Suche nach neuen Ideen, die wir dann gern durchprobieren. So haben wir uns gefreut, rechtzeitig, bevor die Adventszeit begann, Melissa Fortis‘ „Weihnachts-Backbuch“ zu erhalten und neugierig die dort enthaltenen Rezepte und Ideen zu studieren, die die Italienerin dort zusammengetragen hat.
Das sehr ansprechend gestaltete Buch begrüßt den Leser mit einem Vorwort von Sternekoch Tim Raue, der die Autorin schon eine Weile kennt und mit einer Kreation von ihr eine Erfahrung fürs Leben gemacht hat. Unterteilt ist das Buch in drei Kategorien: Große Torten & prächtige Kuchen, Plätzchen, Kleingebäck & mehr sowie Weihnachtsbrote & anderes Gebäck, hinter denen sich dann 70 wahre Köstlichkeiten verbergen und den Hobbybäcker dazu verleiten, sofort loszulegen, um alsbald einige davon zu genießen. Mit wunderschönen Fotopräsentationen springen einen die wunderbaren Leckereien regelrecht an und lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, während man nebenbei die Geschichten inhaliert, in denen Forti preisgibt, woher die Rezepte stammen und was es damit auf sich hat. Da sie italienische Backtradition mit internationalen Elementen und eigenen Inspirationen mischt, sind einige Rezepte regelrechte Überraschungseier, die einen aufgrund ihres Geschmacks und ihrer Kompositionen staunen lassen. Ob man das auch selbst so perfekt hinbekommt?
Die Rezepte sind mit einer präzisen Zutatenliste und Anleitung versehen, zudem werden Informationen über die Abstammung geliefert und zu welcher Gelegenheit man diese serviert. Forti bedient sich einiger ungewöhnlicher Zutaten, die nicht überall erhältlich sind, doch in italienischen Lebensmittelläden wird man auf jeden Fall fündig. Neben dem Rezept für den Red Velvet Cake (der ein absolutes Gedicht ist!) können wir auf jeden Fall „Semifreddo Alle Nocciole Pralinate“, „Calissons“ (Mandelkonfekt), „Mostaccioli di Napoli (Neapolitanische Lebkuchen), „Ricarelli di Siena“ (feine Mandelkekse), La Sbrisolona (ein traditionelles Mürbegebäck aus Mantua) oder auch den allseits bekannten Panettone empfehlen, die wir alle schon ausprobiert und mit Begeisterung verspeist haben.
Wer gerne backt und vor allem für die Weihnachtszeit Anregungen sucht, der wird von diesem Buch hellauf begeistert sein. Aber auch, wenn das Fest vorbei ist, schmeckt die eine oder andere Köstlichkeit genauso gut! Absolute Leseempfehlung für ein Quell ständiger Gaumenfreuden!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.12.2020
Aloha - Das Hawaii-Kochbuch
Lex, Viola;Stanitzok, Nico

Aloha - Das Hawaii-Kochbuch


ausgezeichnet

Ono! (Lecker)
Wer einmal die Hawaiianischen Inseln besucht hat, wird neben den traumhaften Stränden zum Baden und Surfen, den vielen Sehenswürdigkeiten und den unglaublich liebenswürdigen Bewohnern auch die sehr schmackhafte Tiki-Küche nicht vergessen und sie oftmals herbeisehnen. Vor allem jetzt, in der Zeit von Corona und dauerhafter „Isolationshaft“ in den eigenen vier Wänden wünscht man sich, die Koffer zu packen, um den nächsten Flieger zu besteigen und Hawaii einen Besuch abzustatten.
Mit „Aloha – Das Hawaii-Kochbuch“ von Viola Lex und Nico Stanitzok gelingt es zumindest, am heimischen Herd einige der Köstlichkeiten zuzubereiten und sich gedanklich wie geschmacklich auf den pazifischen Inseln zu träumen und so das Fernweh etwas in den Griff zu bekommen. Schon beim Durchblättern dieses opulenten Buches gerät man ins Schwärmen, denn die wunderbar farbenfrohen Fotos und beigefügten Geschichten bringen den dort verbrachte Zeit an die Oberfläche und lassen in Erinnerungen schwelgen. Die Rezepte kitzeln den Gaumen schon beim Durchstöbern und animieren dazu, sich ihnen baldmöglichst anzunehmen.
Neben Rezepten für Mahi Mahi mit Mango-Salsa findet man nicht nur das köstliche Huli-Huli-Hähnchen, das Bananenbrot oder die Poke Bowl, sondern liest sich ebenso durch die Anleitungen für Temaki-Sushi, Lomi-Lomi Salmon, Rindfleisch Chili-Bowl, Teriyaki Plat-Lunch, Zitronenhähnchen oder das im Backofen zubereitete Kalua Pug. Auch Burger, Süßkartoffelsalat oder spezielle Frühlingsrollen sowie Tofu-Varianten sind hier zu finden. Neben den Starters, Bowls und Hauptgerichten gibt es natürlich auch für die Süßschnäbel einige Highlights, die sich nachzumachen lohnen wie z.B. Lava Flow, Hula-Pie oder der dort sehr beliebte Kokosmilchpudding „Haupia“.
Dieses Buch ist ein wahrer Schatz nicht nur an schönem Fotomaterial und tollen Infos über die Inseln, sondern vor allem auch reich an exotischen Rezepten, die, einmal auf dem Tisch, nicht nur für leuchtende Augen, sondern auch für besondere Gaumenfreuden sorgen. Absolute Leseempfehlung für Menschen mit Fernweh!!!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.12.2020
Honigbienen - geheimnisvolle Waldbewohner
Arndt, Ingo;Tautz, Jürgen

Honigbienen - geheimnisvolle Waldbewohner


ausgezeichnet

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben." (Albert Einstein)
Nicht nur der Klimawandel, sondern auch unserer Lebensweise trägt dazu bei, dass man immer seltener Bienen zu sehen bekommt. Das hauptsächlich durch die Industrialisierung verursachte Bienensterben nimmt von Jahr zu Jahr zu und ist einer Katastrophe gleichzusetzen, denn gibt es keine Bienen mehr, hängt auch das Leben des Menschen an einem seidenen Faden. Bienen sind die Hauptbestäuber von Gemüse und Früchten, sorgen so dafür, dass wir Menschen zu essen haben. Gerade deshalb sollte man diese wunderbaren kleinen stacheligen Geschöpfe als eines der herausragenden Wunder der Natur betrachten.
Mit „Honigbienen-geheimnisvolle Waldbewohner) widmen sich Ingo Arndt und der Fotograf Jürgen Tautz diesen ungewöhnlichen Erdbewohnern und lassen dem interessierten Leser nicht nur einige wissenswerte Informationen zukommen, sondern bringen ihm diese kleinen fleißigen Geschöpfe mit einzigartigem Bildmaterial sehr nahe. Sachliche, unverkrampfte und leicht verständliche Texte lassen den Leser in die Bienenwelt eintauchen und ihre Bedeutung in der Gesamtheit der Schöpfung erkennen, die so einfach und doch so außerordentlich wirkungsvoll ist.
Das begleitende Fotomaterial ist sowohl einzigartig als auch unglaublich faszinierend, beim Betrachten hat man das Gefühl, ein Teil des Bienenvolkes zu sein, das in sich in ihrer Gemeinschaft umeinander tummelt und in der jeder eine gewisse Rolle einnimmt.
Jeder, der sich für die Natur interessiert, sollte dieses Buch einmal zur Hand nehmen, er wird es nicht wieder hergeben und diese kleinen Wesen noch mehr zu schätzen wissen. Absolute Empfehlung, von solchen Büchern müsste es viel mehr geben!!!

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.12.2020
Gesichter mit Geschichten: 43 Porträts in der Kunst
Robecchi, Michele;Bonazzoli, Francesca

Gesichter mit Geschichten: 43 Porträts in der Kunst


ausgezeichnet

Die Geschichten hinter den Gemälden
Oftmals betrachtet man Kunstgemälde in Museen oder Galerien und fragt sich, wer wohl die Personen sind, die vom Künstler auf Leinwand verewigt wurden. Während es bei manchen eine überlieferte Geschichte gibt, wie z.B. bei abgebildeten Familienangehörigen, Thronfolgern oder Personen der Geschichte, sind es gerade die Bilder, von denen man wenig bis gar nichts weiß, die einen umso mehr faszinieren.
Das Buch „Gesichter mit Geschichten: 43 Porträts in der Kunst“ von Michele Robecchi und Francesca Bonazzoli beinhaltet nicht nur epochal sehr unterschiedliche Kunstwerke aus einer Zeitspanne von knapp 700 Jahren, sondern lässt den Betrachter in ihrer Diversität an den verschiedensten Lebenssituationen teilhaben. In farbenprächtigen großformatigen Abbildungen kann man die Werke bis ins kleinste Detail bewundern, während man die damit verbundenen Geschichten kennenlernen darf. Es ist wie ein verbotener Blick durchs Schlüsselloch, der dem Betrachter ganz neue Erkenntnisse bringt, um dann mit einem zweiten unverbrauchten frischen Blick das Kunstwerk ganz neu zu entdecken.
Unter den dargestellten Werken findet man u.a. Caravaggios „Madonna die Pellegrini“, Da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ oder Tizians „Danae“, sondern auch Werke von Gerhard Richter, Hans Holbein d. J., El Greco, Otto Dix, Renoir, Thomas Gainsborough, Raffael, Dante Garbriel Rossetti, Picasso, Francis Bacon, Frida Kahlo, Andy Warhol, Rembrandt, Klimt und Goya, um nur einige zu nennen.
Mein persönliches Highlight ist „Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci, da es eines jener Werke ist, die ich selbst schon sehr nahe in Augenschein nehmen durfte anlässlich einer großen Ausstellung. Das Ende des 15. Jh. entstandene Bild war bei seinem Fund schon sehr restaurationsbedürftig und musste entsprechend geschützt werden. Die Geschichte dahinter gleicht einem Skandal, denn der damalige Mailänder Herrscher Ludovico Sforza beging einen großen Faux pas. Mehr wird hier nicht verraten…
Ein wirklich schönes Buch, das neben den Darstellungen und offenbarten Geschichten zusätzlich dazu anregt, andere Kunstwerke eingehender zu betrachten in der Hoffnung, dass sich einem dabei etwas Neues ins Auge springt. Absolute Empfehlung für alle Kunstliebhaber!

8 von 9 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.12.2020
Milena und die Briefe der Liebe / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.3
Schuster, Stephanie

Milena und die Briefe der Liebe / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.3


sehr gut

"Feder und Papier entzünden mehr Feuer als alle Streichhölzer der Welt." (M. S. Forbes)
1916 Prag. Als Tochter eines gutsituierten Zahnarztes wächst Milena Jesenska zu einer modernen und selbstsicheren jungen Frau heran. Obwohl ihr Vater ein strenges Auge auf sie hat, darf sie ein Studium beginnen. Ihre Vorliebe für Besuche in den Prager Kaffeehäusern bringt sie in die Gesellschaft des dort verkehrenden Künstlervolks, wobei sie auch den Schriftsteller Franz Kafka kennenlernt, mit dem sie sofort eine Art Seelenverwandtschaft verbindet. Von ihrem Vater aufgrund ihrer Liaison mit dem jüdischen Literaturkritiker Ernst Polak verstoßen, heiratet sie diesen und geht mit ihm nach Wien. Den Kontakt zu Franz Kafka erhält sie jedoch per Briefwechsel aufrecht. Als ihre Ehe scheitert, wendet Milena sich an Franz, dem sie vorschlägt, seine Werke ins Tschechische zu übersetzen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Doch schon bald entwickeln sich zwischen ihr und dem Schriftsteller tiefere Gefühle…
Stephanie Schuster hat mit „Milena und die Briefe der Liebe“ einen unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, der die ungewöhnliche Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Kafka und der bisher unbekannten Journalistin und Übersetzerin Milena Jesenska beleuchtet. Der flüssige und bildhafte Erzählstil lässt den Leser ins vergangene Jahrhundert nach Tschechien und Wien reisen, um eine recht selbstbewusste jungen Frau kennenzulernen und einige Jahre ihres Lebensweges zu begleiten. Während Kafka eigentlich jedem heute ein Begriff sein sollte, ist seine Verbindung zu Milena Jesenska vielen gar nicht bekannt. Als Tochter einer angesehenen Familie stand sie unter der Knute ihres Vaters, der ihren schon in jungen Jahren unbändigen Freiheitsdrang immer wieder zu beschneiden versuchte. Ihr Umgang mit jüdischen Künstlern, vor allem aber die Beziehung zu Polak war ihm ein Dorn im Auge, weshalb er sie auch in eine Psychiatrie einweisen ließ, um dieser einen Riegel vorzuschieben, was allerdings nicht von Erfolg gekrönt war. Der Leser erlebt mit, wie Milena sich in Wien allein durchs Leben schlagen muss, während ihr Ehemann seine Freiheiten propagiert und sie in keiner Weise unterstützt. Mit der brieflichen Kontaktaufnahme zu Kafka, die erst eher beruflicher Natur war, wird eine persönliche Beziehung zwischen den beiden in Gang gesetzt, die schon bald in flammenden Gefühlen füreinander Ausdruck findet, jedoch nie weiter ging aufgrund der Bindungsangst des psychisch-labilen Kafka.
Die Charaktere sind sehr lebendig und glaubwürdig dargestellt, so dass der Leser den Eindruck gewinnt, sowohl Milena, Polak, Kafka sowie Dr. Jan Jesensky in ihrem Alltag kennenzulernen und zu manchem von ihnen sogar eine persönlichere Beziehung aufzubauen. Es ist nicht verwunderlich, dass Milena gerade wegen ihrer strengen Erziehung durch ihren Vater ihren Freiheitsdrang entwickelt hat, der schon fast als Gefängnisausbruch gewertet werden darf. Sie ist eine selbstsichere und offene Frau, die jedoch auch mit einiger Naivität ausgestattet ist. Für die damalige Zeit ist sie recht modern veranlagt, die daraus resultierenden Folgen waren für sie aber in jeder Hinsicht recht schmerzlich. Polak war ein selbstverliebter Mann, der sein Ego durch unzählige Frauenbekanntschaften streichelte und sich gegenüber seiner Ehefrau in keinerlei Verantwortung sah. Kafka hingegen war ein Träumer, der die Liebe auf ein Podest stellte und sobald es ernster wurde, Reißaus nahm vielleicht aus Angst, dass seine Erwartungen sich doch nicht erfüllen würden.
In „Milena und die Briefe der Liebe“ wird der gut recherchierte Hintergrund mit einiger Fiktion verknüpft, woraus eine recht unterhaltsame Geschichte entstanden ist, die dem Leser die Verbindung zwischen Kafka und Milena Jesenska näher bringt. Kurzweilig und empfehlenswert!

6 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.12.2020
Emmi kocht einfach
Prolic, Christiane Emma

Emmi kocht einfach


sehr gut

Kochen ist kein Hexenwerk
Wer Kinder hat, die erwachsen werden und ausziehen, der hofft, dass sie sich eigenständig ernähren und sich auch mal selbst etwas Leckeres auf dem Herd zubereiten können, vor allem, wenn sie sich nicht in der Nähe von „Hotel Mama“ niederlassen. Da wir Christiane Emma Prolics Kochblog schon eine Weile verfolgen und inzwischen einige der Empfehlungen nachgekocht haben, haben wir unserem Nachwuchs jedem eines von ihren Büchern als „Küchennachschlagewerk“ mit ins Gepäck gegeben, um die Nahrungsverwertung sicherzustellen.
Das Buch startet mit einem persönlichen Vorwort, wo die Autorin schon so einige Tipps und Tricks zum Besten gibt, die selbst alten Kochhasen hilfreich sind. U. a. geht es da ums Schneiden von Roten Beeten, Fettentfernung aus Soßen, das Soßenbinden, das Erkennen von frischen Eiern, der Umgang mit Fleisch, Brühen, Fonds, Gewürzen und Kräutern, Ölen, Käse, welche Küchenhelfer, Messer und Vorräte hilfreich sind.
Die Gliederung geht von Salaten, über Beilagen, Eintöpfe, Suppen, Hauptgerichte, Nudel- und Reisgerichte, Quiches, Tartes, Süßspeisen, Desserts bis hin zum Backen. Eine Zutatenliste, ein Saisonkalender sowie ein Rezeptregister runden dieses Buch wunderbar ab, zumal die benötigten Lebensmittel überall erhältlich sind.
Mit „Emmi kocht einfach“ gelingt auch Anfängern mühelos eines der 75 gut durchdachten Rezepte. Ob es die Gemüsequiche ist, der Caesars Salat oder auch die Bananen-Schoko-Muffins, hier wird jeder fündig, der sich selbst bekochen will und nicht unbedingt ein Küchenprofi ist. Die Rezepte sind ausführlich beschrieben und lassen auch einen Laien sein Erfolgserlebnis haben, wenn die erste selbstgekochte Mahlzeit auf dem Tisch steht.
Ein tolles Einsteigerkochbuch, das in Studentenbuden und Kleinhaushalten gute Dienste leistet. Empfehlenswert!

7 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.12.2020
Stella Fortuna
Grames, Juliet

Stella Fortuna


sehr gut

"Der Mensch ist nichts anderes, als was er selbst aus sich macht." (Jean-Paul Sartre)
1920 kommt Mariastella Fortuna im Dorf Ievoli im italienischen Kalabrien zur Welt. Aufgrund des frühen Todes ihrer älteren Schwester erbt sie deren Vornamen und damit ist das Schicksal für ihr weiteres Leben besiegelt, denn Stella neigt leider dazu, dem Tod oftmals die Stirn bieten zu müssen. Für viele wirkt sie sonderbar oder gar verflucht, doch eigentlich besitzt sie nur einen unermüdlichen Lebenswillen, der sie wie ein Stehaufmännchen immer wieder zurückholt unter die Lebenden. Sie kümmert sich rührend um ihre kleine Schwester Cettina und beschützt sie vor ihrem Vater Antonio, in dessen Augen Frauen minderwertige Wesen sind und der sich deshalb seiner Frau Assunta mehr als einmal aufzwingt. Als die Familie vor Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Amerika auswandert, hofft Stella, dort endlich mehr Eigenständigkeit zu erhalten. Leider hat ihre Familie einschließlich Cettina gar kein Verständnis dafür, was die beiden eng verbundenen Schwestern über lange Zeit entfremden soll…
Juliet Grames hat mit „Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna“ einen unterhaltsame historische Familiensaga vorgelegt, die dem Leser eine sehr eigenwillige und selbstbewusste Frau vorstellt. In ihrem Roman verarbeitet die Autorin nicht nur Teile ihrer eigenen Familiengeschichte, sondern lässt den Leser auch an einer spannenden vergangenen Zeitepoche teilhaben. Mit flüssigem und bildhaftem Erzählstil wird die Handlung aus Sicht von Stellas Enkelin berichtet, die das schicksalhafte Leben ihrer über 90-jährigen Großmutter vor dem Leser ausbreitet und dabei die Brücke vom Beginn in Italien bis zum Jetzt in Amerika schlägt. Der Alltag in einer von Traditionen geprägten Familie, deren Vater entweder durch Abwesenheit glänzt oder sich der Mutter aufdrängt und sein Frauenbild verdeutlicht, prägt Stellas Sicht auf die Welt und Lebensanschauung ebenso, wie die mehrfach vorkommenden Nahtoderfahrungen, von denen sie sich immer wieder wie durch ein Wunder erholt. Mit dem Umzug nach Amerika steht Stella vor der Herausforderung, nicht nur die Heimat hinter sich und ein völlig neues Land an sich heranzulassen, sondern muss als Tochter italienischer Einwanderer so manche Hürde nehmen, um dort Fuß zu fassen. Doch all das ist nichts gegenüber dem widerlichen und missbräuchlichen Verhalten ihres Vaters, der die Familie immer und immer wieder tyrannisiert. Als Leser sind einige Dinge nur schwer zu verdauen, leben wir doch heute in einer Zeit, wo wir uns viele Freiheiten gewährt werden und wir über uns selbst bestimmen können. Da wirkt Stellas Leben fast schon wie in einem Gefängnis. Ihr langjähriger Zwist mit ihrer jüngeren Schwester ist zudem eines der Geheimnisse, die ebenfalls nach und nach offenbart werden.
Die Charaktere sind sehr glaubwürdig und lebendig in Szene gesetzt und wirken mit ihren Eigenschaften sehr realitätsnah, so dass es dem Leser leicht fällt, sie zu beobachten, sie bei ihren Erlebnissen zu verfolgen und mitzufühlen. Stella wird es von Geburt an nicht leicht gemacht, ein eigenständiger Mensch zu sein, denn man verabreicht ihr den Namen einer Toten. Zahlreiche Unfälle lassen sie beinahe sterben, doch immer wieder steigt sie wie Phönix aus der Asche empor, um noch ein wenig eigenwilliger, selbstsicherer und trotziger zu werden. Mutter Assunta sowie Schwester Cettina bleiben ihren alten Traditionen treu und nehmen wenig Rücksicht auf die Gefühle von Stella. Antonio ist ein Ekel, dem man gern mal eins überbraten würde wegen seiner frauenfeindlichen Ansichten.
„Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna“ ist ein interessanter Einblick in das Leben einer italienischen Familie, die in die USA auswandert. Vor allem aber lernt man mit Stella eine Frau kennen, die sich vom Schicksal nicht unterkriegen und verbiegen lässt. Aufgrund des biografischen Hintergrunds sehr persönlich, spannend und lesenswert!

9 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.12.2020
Die Farben der Schönheit - Sophias Triumph / Sophia Bd.3
Bomann, Corina

Die Farben der Schönheit - Sophias Triumph / Sophia Bd.3


ausgezeichnet

Abschied von Sophia
New York. Sophia ist frisch verheiratet mit ihrer großen Liebe Darren und steht gerade vor einem beruflichen Neubeginn, als Henny, ihre beste Freundin aus Kindertagen, krank auf der Türschwelle steht und dringend ihre Hilfe benötigt. Sie kommt in ein Krankenhaus, um dort ihr Suchtproblem in den Griff zu bekommen, wobei Sophia ihr nicht von der Seite weicht. Nach Hennys Genesung nimmt Sophia einen Job bei Helena Rubinstein an, wo sie sich einige Möglichkeiten erhofft, endlich eigene Innovationen durchführen zu können. Doch das bleibt ebenso ein Traum wie eigene Kinder, denn bei Sophia wird festgestellt, dass sie keine eigenen bekommen kann. Darren ist so enttäuscht, dass er sich unüberlegt freiwillig zum Kriegsdienst meldet. In ihrem Unglück stürzt sich Sophia in die Arbeit, bis sie die Nachricht erhält, dass Darren in Frankreich als vermisst gilt…
Corina Bomann hat mit „Sophias Triumph“ den letzten Teil ihrer Schönheitsfarben-Trilogie vorgelegt, der den beiden Vorgängern an Spannung und Emotionen in nichts nachsteht und wie den Leser wie ein Magnet wieder in die Handlung hineinzieht. Der flüssig-leichte, farbenprächtige und gefühlvolle Erzählstil gibt dem Leser die Möglichkeit, als Sophias Schatten in ihre Fußstapfen zu treten und die Ereignisse hautnah mitzuerleben. Die Geschichte knüpft nahtlos an den 2. Teil an und gewährt dem Leser von 1934 bis 1946 nicht nur erneut einen tiefen Einblick in Sophias Gedanken- und Gefühlswelt sowie in deren berufliche Entwicklung, sondern lässt ihn zudem teilhaben am legendären Puderkrieg zwischen Elizabeth Arden und Helena Rubinstein, die sich beide als beinharte Geschäftsfrauen bewiesen und ein Schönheitsimperium aufgebaut haben. Der historische Hintergrund der 30er und 40er Jahre wurde von der Autorin sehr gut recherchiert und mit ihrer fiktiven Geschichte verwoben. So darf der Leser mal an der Weltausstellung teilhaben oder erlebt den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit. Sophia muss wieder einige Schicksalsschläge einstecken, den Verbleib ihres Sohnes Louis weiß sie immer noch nicht und auch ihre beruflichen Pläne lassen sich nur sehr schwer verwirklichen. Die Autorin verpackt ihre Geschichte mit farbenfrohen Bildern, so dass der Leser während der Lektüre regelrecht einen Film vor dem inneren Auge ablaufen sieht. Geschickt eingebaute Wendungen und Überraschungsmomente machen die Handlung durchweg abwechslungsreich und spannend.
Die Charaktere wurden liebevoll weiterentwickelt, wirken mit ihren menschlichen Eigenschaften lebendig und authentisch, so dass der Leser sich in ihrer Mitte sofort wohl fühlt und mit ihnen gemeinsam hofft, bangt und fiebert. Sophia ist eine starke und mutige Frau, die nicht nur ihre Träume immer im Blick behält, sondern sich auch aufopferungsvoll und fürsorglich um die kümmert, die sie von Herzen liebt. Ihre Ängste behält sie für sich und krempelt immer wieder die Ärmel hoch, um dem Schicksal zu trotzen. Manchmal ist sie ein wenig eigenwillig, doch sie ist eine Perfektionistin, die nur das Beste will. Darren ist ebenfalls eine Seele von Mensch, der seine Frau auf Händen trägt und ihr den Rücken frei hält, wobei er oft mit einer Engelsgeduld zurücksteckt. Henny ist diesmal eine tragische Figur, die sich mit Hilfe ihrer Freundin wieder in den Griff bekommt. Aber auch die weiteren Protagonisten wie Elizabeth Arden und Helena Rubinstein wissen mit ihren Auftritten zu faszinieren.
Mit „Sophias Triumph“ muss der Leser leider Abschied nehmen von einer wunderbar erzählten Trilogie, die sich nicht nur um Kosmetik und Schönheit dreht, sondern vor allem um das Schicksal einer hervorragend gestalteten Protagonistin. Absolute Leseempfehlung für sehr unterhaltsame Lesestunden mit großartigem Kopfkino!

7 von 9 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.