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Benutzername: 
Dreamworx
Wohnort: 
Berlin

Bewertungen

Insgesamt 1369 Bewertungen
Bewertung vom 21.11.2020
HOLIDAY Reisebuch: Die schönsten Wochenendtrips
HOLIDAY

HOLIDAY Reisebuch: Die schönsten Wochenendtrips


ausgezeichnet

"Reisen ist das beste, ja das einzige Heilmittel gegen Kummer."(Alfred de Musset)
Während man sich heutzutage zur Sicherheit gezwungenermaßen daheim einigelt, wächst das Fernweh jeden Tag mehr an. Da braucht es schon einiges an Ablenkung, um diese Phase zu überspielen und einige Reisen schon einmal im Kopf zu machen und zu planen, bis der ganze Spuk vorbei ist. Sehr hilfreich dabei ist das „HOLIDAY Reisebuch: Die schönsten Wochenendtrips“, dass mit 52 wunderschönen Zielorten innerhalb Europas aufwarten kann, schließlich muss man ja nicht gleich stundenlange Reisewege auf sich nehmen, um herrliche Gegenden zu entdecken.
Schon die Aufteilung und Gestaltung des Buches ist gut durchdacht, so kann man zuerst zwischen Nord-,Nordwest-, Südwest- und Südosteuropa wählen, bevor man sich den einzelnen Zielen zuwendet, die man kennenlernen möchte. Jedes Reiseziel beinhaltet neben gut gestalteten Übersichtskarten, der besten Reisezeit und der Anreisedauer auch interessante Informationen, zudem gehören Hotels, Sehenswürdigkeiten und besondere Lokalitäten dazu, alles sehr schön untermalt mit ansprechendem Fotomaterial.
Unter den Zielen für Nord- und Nordwesteuropa finden sich neben London, Edinburgh und Dublin auch Amsterdam, Antwerpen, Stockholm, St. Petersburg, Kopenhagen, Oslo, Riga und Tallinn. Wer noch nicht dort war, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn hier finden sich viele architektonischen Highlights, die man sich mal ansehen sollte. Südwesteuropa wartet mit den Städten Paris, Lissabon, Porto, Barcelona, Bordeaux, Straßburg, Palma und der Provence auf, während man bei Südosteuropa Venedig, Rom, Malta Dubrovnik, Athen, Sizilien und Istanbul entdecken darf.
Wer also eine kleine Auszeit vom Alltag braucht und schon vom nächsten Kurztrip träumt, wird in diesem Buch bestimmt fündig werden, ganz davon abgesehen, dass es auch die Vorfreude weckt auf die nächste Entdeckungstour! Absolut empfehlenswert!!!

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.11.2020
Schnell mal weg!

Schnell mal weg!


ausgezeichnet

"Einmal im Jahr solltest du einen Ort besuchen, an dem du noch nie warst." Dalai Lama
Gerade in der jetzigen Zeit, wo Reisen nahezu unmöglich erscheint, braucht der Mensch etwas für Auge, Herz und Gemüt, um sich positiv zu stimmen, vor allem, wenn ihn das Fernweh plagt. Da sind besonders schön gestaltete Bildbände und Reiseführer ein Streicheln für die Seele, wecken sie doch die Abenteuerlust, Pläne zu schmieden für eine Zeit, wo die Möglichkeiten wieder gegeben sind. Die Ziele müssen gar nicht so weit entfernt sein, denn auch in Europa gibt es jede Menge Hot Spots, die sich zu besuchen lohnen.
Das beweist auch der Reise-Bildband „Schnell mal weg! – Die 120 besten Ideen für einen Kurzurlaub in Europa“. Je nachdem, ob man eine Affinität eher mit dem hohen Norden verspürt, oder sich doch lieben in südlicheren Gefilden aufhält, ob man lieber Westeuropa erkunden oder doch eher den östlichen Teil in Erwägung zieht, bekommt man hier so allerlei Vorschläge geboten, denen man einen zweiten Blick gönnen sollte. Schon die Aufteilung ist gelungen, denn das Buch ist jeweils nach den einzelnen Himmelsrichtungen unterteilt. Hat man eine Vorliebe für Italien und kennt Florenz vielleicht noch nicht, werden hier neben ansprechenden Bildern nicht nur Hinweise für die beste Reisezeit, entsprechendes Kartenmaterial sowie Laufrouten, sondern auch jede Menge Informationen geboten, unter denen sich auch so mancher Geheimtipp finden lässt. Dabei ist auch die Länge des Aufenthalts entscheidend, denn manch einer plant nur einen Wochenendtrip ein, andere haben vielleicht eine Woche zur Verfügung, so dass sich die Vorschläge sehr gut umsetzen lassen, um Stadt, Land und Leute kennenzulernen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.
Eindrucksvolle Fotos zu den einzelnen Zielen unterstreichen die schöne Aufmachung, so dass man das Buch immer wieder gern in die Hand nimmt, um sich inspirieren zu lassen und vielleicht ein Reiseziel zu finden, das man vorher nicht unbedingt in Erwägung gezogen hätte. Europa ist vielfältig und wert, es zu entdecken. Mit diesem schönen Bildband klappt das hervorragend!

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2020
Der Traum von Übersee / Die Frauen vom Nikolaifleet Bd.1
Lansing, Katharina

Der Traum von Übersee / Die Frauen vom Nikolaifleet Bd.1


sehr gut

Leonores Emanzipation
1899 Hamburg. Schon seit ihrer Kindheit ist der gutgehende Kolonialwarenladen ihres Vaters Leonores absoluter Lieblingsplatz. Nicht nur der Duft exotischer Gewürze, auch der stetige Strom von Kunden, die ihre Einkäufe tätigen, lassen die junge Frau sich lebendig fühlen. Allerdings ist Leonores Bruder Carl für die Übernahme des Geschäfts vorgesehen, während sie den Bäckerssohn Mathias heiraten soll, um mit ihm eine Familie zu gründen. Doch Leonores Herz schlägt nicht für Mathias, während Carl seine Zukunft eher in Amerika sieht. Durch die Begegnung mit dem Künstler Julius tritt die Liebe in Leonores Leben, dessen wohlbetuchte Familie über die Verbindung allerdings nicht sehr erfreut ist. Aber Leonore kämpft um ihre Liebe und auch für die Übernahme des Kolonialladens, als Carl die Familie verlässt….
Katharina Lansing hat mit „Die Frauen vom Nikolaifleet-Der Traum von Übersee“ den Auftakt für ihre historische Trilogie vorgelegt, der nicht nur ins alte Hamburg entführt, sondern auch eine unterhaltsame Geschichte für den Leser bereithält. Der locker-leichte, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil gewährt sofort Eintritt ins 19. Jahrhundert, um dort Leonore und ihre Familie kennenzulernen und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Diese lebt seit dem Tod der Mutter mit ihrem Vater und ihrem Bruder, kümmert sich als Frau um alle Belange des Haushalts und wird gemäß den damals herrschenden gesellschaftlichen Gepflogenheiten recht klein gehalten und bevormundet. Das Patriarchat des Vaters ist streng und unbeugsam, doch neben vielen Schwierigkeiten spielen das Schicksal Leonore das eine oder andere in die Hände, um daran zu wachsen, ihre Unterwürfigkeit abzulegen, immer mehr aus sich herauszukommen und selbstsicherer zu werden, während sie sich gegen das Rollendenken ihres Vaters auflehnt und Widerstand leistet. Die farbenfrohen Beschreibungen lassen den Leser nicht nur durch Hamburg wandeln, sondern auch den Kolonialwarenladen in Augenschein nehmen. Der Spannungsbogen ist im Mittelfeld angesiedelt und verharrt dort auch bis zum Ende. Einige überraschende Wendungen hätten der Geschichte gutgetan, um dies zu ändern.
Die Charaktere sind lebendig und glaubwürdig in Szene gesetzt, überzeugen mit realistischen Eigenschaften und lassen den Leser nahe an sich herankommen. Leonore ist eine junge Frau ihrer Zeit, der zu Beginn noch der Mut fehlt, sich gegen das damals herrschende Rollenbild aufzulehnen. Sie ist hilfsbereit, liebenswürdig, aufgeweckt, aber auch sehr zurückhaltend. Doch sie wandelt sich, als es darum geht, für ihre Überzeugungen und Träume zu kämpfen. Nach und nach entwickelt sie Selbstbewusstsein, was ihr bei ihrem Widerstand gegenüber ihrem Vater zugutekommt. Eine große Unterstützung dabei ist ihre ältere Freundin Sophie, die ihr ins Gewissen redet und ihr den buchstäblichen Tritt versetzt, um die Dinge in die Hand zu nehmen. Bruder Carl ist ein egoistischer und rücksichtsloser Zeitgenosse, unter dem Leonore einiges zu erleiden hat, aber auch ihr Vater denkt nur an sich und behandelt Leonore respektlos wie eine Dienstbotin. Ebenso spielen Julius, dessen Familie und Isabel gewichtige Rollen innerhalb der Geschichte.
„Die Frauen vom Nikolaifleet-Der Traum von Übersee“ ist ein historischer Roman, der mit einem Mix aus Familie, Liebe, Widerstand und Emanzipation vor der Kulisse des alten Hamburgs aufwartet und für einigen Unterhaltungswert sorgt. Verdiente Leseempfehlung für diesen Einstand!

10 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2020
Die Malerin von Paris (eBook, ePUB)
Bonnet, Marie Caroline

Die Malerin von Paris (eBook, ePUB)


schlecht

Durchgefallen
1855 Frankreich. Lydie will sich dem Willen ihres Vaters nicht beugen, eine arrangierte Ehe einzugehen und flüchtet Hals über Kopf nach Paris, wo sie sich als alleinstehende junge Frau so allerlei Gefahren ausgesetzt sieht. Um sich ungezwungen bewegen zu können, verkleidet sie sich als Mann, verdingt sich als Straßenmaler ihren Lebensunterhalt und findet dabei Weggefährten und gute Freunde. Doch die Angst sitzt ihr immer im Nacken, dass ihre Tarnung auffliegt, vor allem, als sie sich ausgerechnet in ihren besten Freund Kilian verliebt. Aber wie soll sie sich ihm offenbaren und ihre Tarnung erklären? Erneut wird Lydie zur Flucht gezwungen, denn ihre Vergangenheit ist ihr auf den Fersen und droht, sie einzuholen. Ob sie auf eine Zukunft mit Kilian hoffen darf?
Marie Caroline Bonnet hat mit „Die Malerin von Paris“ einen leichten Roman vor historischer Kulisse vorgelegt, der sich ohne große Ansprüche kurzweilig lesen lässt. Der flüssig-leichte und gefühlsbetonte Erzählstil lädt zu einem Besuch ins 19. Jahrhundert ein, um der jungen Protagonistin zur Seite zu stehen, die einen aufregenden Weg vor sich hat und sich so mancher Gefahr aussetzt. Die Autorin hat ihre Geschichte nicht nur mit einigen Spannungsmomenten gewürzt, sondern auch den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund mit ihrer Handlung verflochten. Damals war es für anständige junge Frauen unmöglich, sich allein in einer Stadt wie Paris aufzuhalten und vor allem nicht zu arbeiten. Die Idee, sich als Mann zu verkleiden, um zu arbeiten und zu überleben, ist nicht leider nicht neu und wirkt hier ohne jeglichen Tiefgang leider wie eine billige Kopie. Die Handlung ist seicht, oberflächlich und manchmal etwas überspitzt, um als glaubwürdig durchzugehen, teilweise zieht sie sich wie Kaugummi und das plötzliche Ende ist mehr als fragwürdig nach all den hart bekämpften Widerständen.
Den Charakteren fehlt es sowohl an Farbe als auch an Glaubwürdigkeit, so dass der Leser keine Beziehung zu ihnen aufbauen kann und am Rand dem Treiben zuschaut. Lydie ist eine wankelmütige Frau, mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt. Ihre überschwänglichen Gefühlsausbrüche machen es schwer, sie für voll zu nehmen oder anzunehmen, sie hätte ihr Leben im Griff. Die Nebenprotagonisten bleiben ebenfalls blass und können nicht überzeugen.
„Die Malerin von Paris“ geht nur als Lückenfüller durch, wenn man das Denken dabei ausschaltet. Alles in allem ein Groschenroman ohne Anspruch. Durchgefallen.

10 von 14 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2020
Die Dorfärztin - Ein neuer Anfang / Eine Frau geht ihren Weg Bd.1
Peters, Julie

Die Dorfärztin - Ein neuer Anfang / Eine Frau geht ihren Weg Bd.1


gut

Lenis harter Kampf
1928 Westfalen. Das Leben von Helene Wittmann, genannt Leni, war immer schon ein Kampf, denn sie ist nicht nur seit ihrer Geburt gehandicapt, sondern muss sich auch gegen ihre Familie durchsetzen, um endlich Medizin studieren zu können. Nun zieht die 27-Jährige nach abgeschlossenem Medizinstudium mit ihrer kleinen unehelichen Tochter Marie von Berlin zurück in ihre Heimatstadt Bockhurst, um dort die Landarztpraxis zu übernehmen. Erneut muss sie gegen Vorurteile kämpfen, denn nicht nur die Dorfbewohner begegnen ihr mit Misstrauen, sogar ihre eigene allseits angesehene Familie traut ihr diese Aufgabe nicht zu. Aber auch die 5-jährige Marie ist für die Dorfbewohner ein Skandal, denn der Vater ist Lenis Jugendfreund Matthias, der seit Jahren verschwunden ist…
Julie Peters hat mit „Die Dorfärztin-Ein neuer Anfang“ den unterhaltsamen Auftakt ihrer historischen Dorfärztin-Reihe vorgelegt, der den Kampf einer jungen Frau aufzeigt, die sich nicht nur gegen Vorurteile, sondern auch aufgrund ihrer Lebensweise zur Wehr setzt. Der flüssige und gefühlvolle Erzählstil zieht den Leser zurück ins vergangene Jahrhundert, um dort in unterschiedlichen Zeitebenen den Lebens- und Leidensweg von Leni Wittmann mitzuerleben. Von Kindheit an wird diese von der eigenen Familie fast wie eine Aussätzige behandelt, da sie körperlich nicht ganz vollkommen ist, dabei muss das junge Ding so einiges an schmerzhaften Operationen durchstehen, die allein schon sie nie vergessen lassen, dass sie nicht wie andere ist. Aber sie hält tapfer dagegen und beweist nicht nur sich selbst, dass sie alles schaffen kann, wenn sie an sich selbst glaubt. Zur damaligen Zeit war die Rolle der Frau hauptsächlich an der Seite ihres Ehemannes und nicht mit eigenem Studium oder Beruf. Insofern hat Leni eine Menge erreicht und wirkt auf ihr Umfeld eher wie eine Außerirdische, wobei auch eine Menge unterschwelliger Neid vorhanden ist. Zudem hat sie ein uneheliches Kind, was damals ebenfalls skandalös war und den Frauen meist ein lotterhaftes Leben nachgesagt wurde. Es gibt in dieser Geschichte somit einige Baustellen und Vorurteile, der Kampf von Leni gleicht dem gegen Windmühlen. Die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit wurden gut mit der Handlung verwoben, ebenso die Zeit des Ersten Weltkrieges.
Die Charaktere sind lebendig und glaubwürdig mit menschlichen Ecken und Kanten bestückt worden, so dass der Leser sich in sie hineinversetzen und mit ihnen fühlen kann. Leni ist ein bewundernswertes Geschöpf, denn sie trotzt allen Widrigkeiten, ob nun innerhalb ihrer Familie oder gegenüber ihrem Umfeld. Sie musste schon als Kind einiges durchstehen und wurde von ihrer Familie klein gehalten, so dass man sich wundert, wie sie den ihr anhaftenden Kampfgeist überhaupt entwickeln konnte. Für ihre Tochter Marie, die sie liebevoll umsorgt, ist sie ein gutes Vorbild, denn auch Marie wird es zur damaligen Zeit von anderen sicherlich nicht leicht gemacht so ohne Vater. Lenis Mutter ist eine eiskalte Person, die sich nur um die Außenwirkung sorgt. Matthias war als Junge ein lieber Kerl und Leni ein guter Freund, denn er hat sie völlig normal behandelt. Seine Entwicklung wird den Kriegserfahrungen zuzuschreiben sein, jedoch wirkt er als Erwachsener eher blass und wenig einnehmend.
„Die Dorfärztin-Ein neuer Anfang“ ist ein Mix aus Liebe, Familie, Kriegsgeschehen und dem einsamen Kampf einer jungen Frau gegen ihr Umfeld vor historischem Hintergrund. Kurzweilig und unterhaltsam zu lesen ohne jegliche Spannungsmomente. Eingeschränkte Leseempfehlung.

18 von 23 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.11.2020
Teatime mit Lilibet
Holden, Wendy

Teatime mit Lilibet


ausgezeichnet

Ein kleiner Blick durchs Schlüsselloch
1932 England. Die 22-jährige schottische Erzieherin Marion Crawford erhält im englischen Königshaus eine Anstellung als Lehrerin für die beiden Prinzessinnen Elisabeth und Margaret, um für die nicht nur für deren Erziehung zu sorgen, sondern sie auch auf das Leben vorzubereiten. Doch schon bald muss sie erkennen, dass das Palastleben mit der realen Welt vor dessen Toren nicht das Geringste zu tun hat. „Crawfie“ schreibt sich auf die Fahne, dies auf jeden Fall zu ändern, denn sie selbst stammt aus einfachen Verhältnissen und möchte ihren Schützlingen klar machen, dass ihre Untertanen sich nicht von vorne bis hinten bedienen lassen können, sondern selbständig für sich sorgen müssen. So lernen die Prinzessinnen z. B. die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen oder gehen wie normale Menschen ins Kaufhaus, um ein Bewusstsein für das tägliche Leben der Bevölkerung zu erhalten. Marion Crawford stellt ihr eigenes Leben völlig zurück für die Erziehung ihrer beiden Schützlinge und bleibt 16 Jahre am Hof…
Wendy Holden hat mit „Teatime mit Lilibet“ einen unterhaltsamen historischen Roman auf der Basis von Marion Crawfords Buch „Little Princesses“ vorgelegt, der den Leser einen Blick durch das Schlüsselloch des Buckingham Palace werfen lässt. Der einnehmende flüssige und bildhafte Erzählstil wirft den Leser 88 Jahre in der Zeit zurück, um dort Marions Arbeitsalltag im Königshaus mitzuerleben. Da die königliche Familie über Jahrzehnte hinweg in den Medien präsent ist, hat man als Leser das Gefühl, Einblick in die Privatgemächer zu erhalten und dabei einmal mehr festzustellen, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Viel interessanter allerdings ist die Person Marion Crawford, die sich um die beiden Prinzessinnen gekümmert und dabei ihre eigenen Lebenspläne nach und nach verabschiedet hat, um dann von einem Tag auf den anderen nach 16 Jahren ausgemustert zu werden. Das Leben am Hof verlangte auch Marion alles ab, doch war es ihre eigene Entscheidung, dieses Opfer zu bringen, um ihren Schützlingen weiterhin nahe zu sein. Die Autorin beschreibt das Leben hinter den Palastmauern genauso, wie es uns die Medien immer wieder suggerieren und was man als Leser auch so haben möchte, ist es doch eine Art Märchenwelt, in die wir uns alle schon einmal hineingeträumt haben. Jedoch wird auch deutlich, mit welch harten Bandagen hinter den Mauern gekämpft wird. Absolute Loyalität ist unabdingbar, und wer sie nicht erbringt, wird sofort zur Persona non grata. Die Intrigen und Skandale, nach denen die Öffentlichkeit lechzt, sollen verborgen bleiben, darin unterscheiden sie sich auch nicht von uns Privatleuten. Doch diese Dinge rufen bei uns allen einen gewissen Kitzel hervor, der gestillt werden möchte, und bisher hat es immer jemanden gegeben, der seinen Mund nicht halten konnte, so dass doch etwas durch die Mauern des Königshauses gesickert ist. Die vielen kleinen Begebenheiten in diesem Buch sind gut aufbereitet und selbst, wenn sie nur erfunden sind, sorgen sie für einiges an Unterhaltung aus der königlichen „Firma“.
Der Charakter von Marion in diesem Roman ist der einer Idealistin, die mit viel Engagement die ihr anvertrauten Schützlinge auf das reale Leben vorbereiten will. Dabei ist sie liebevoll mit einer gewissen Strenge, verantwortungsvoll und vor allem vertrauenswürdig. Ihre Selbstlosigkeit kommt einer Selbstaufgabe gleich, denn alles dreht sich nur um die ihr anvertrauten Mädchen, wobei ihre eigenen Träume und Wünsche immer mehr verblassen. Die einzelnen Mitglieder des Königshauses bieten mit ihrer Darstellung genau den Eindruck, den man bisher oberflächlich auch von ihnen erhalten hat. Während Margaret als Enfant terrible und gescheiterte Existenz durchging, überraschte Queen Mum doch als beinharte Eiskönigin.
„Teatime mit Lilibet“ sollte mit einem Augenzwinkern gelesen und nicht alles für bare Münze genommen werden. Dann ist es eine Lektüre mit einigem Unterhaltungswert und schöne Lesestunden. Verd

14 von 17 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.11.2020
Es war einmal in Italien
Di Fulvio, Luca

Es war einmal in Italien


ausgezeichnet

"Fotografieren, das ist eine Art zu schreien, sich zu befreien." (Henri Cartier-Bresson)
1870 Italien. Der 16-jährige Pietro ist eines von vielen Kindern und Jugendlichen, die im Waisenhaus ihr Dasein fristen und mehr schlecht als recht dort versorgt werden. Als die wohlhabende Contessa Silvia di Boccamara Pietro adoptiert, scheint sein Leben eine entscheidende Wendung zu nehmen, doch damit ist Gehorsam verbunden, denn die Familie legt großen Wert auf Etikette und anständiges Benehmen. Durch einen Schicksalsschlag verliert die Comtesse alles und taucht mit Pietro im Kirchenstaat Rom unter, wo sie sich den Namen Nella Beltrame gibt und gemeinsam mit ihrem Sohn in ärmlichsten Verhältnissen lebt. Währenddessen tobt in Rom der Freiheitskampf für ein vereintes Italien, bei dem sich die Wege von Pietro, der Contessa sowie Melo und die 15-jährigen Marta vom Zirkus Callari kreuzen und ihr Schicksal auf dramatische Weise miteinander verbindet…
Luca di Fulvio hat mit seinem historischen Roman „Es war einmal in Italien“ wieder einmal einen absoluten Pageturner vorgelegt, der den Leser nicht nur ins 19. Jahrhundert katapultiert, sondern mit einer hinreißenden, gefühlvollen und farbenprächtigen Geschichte zu fesseln weiß. Der flüssige, bildhafte und feinsinnige Erzählstil macht es dem Leser leicht, sofort in die Handlung einzutauchen, wo er durch wechselnde Perspektiven Pietro, die Contessa und Marta hautnah kennenlernen darf, während ihr Gedanken- und Seelenleben wie ein offenes Buch vor ihm liegt. Parallel zum Handeln der Akteure verpackt di Fulvio eindrucksvoll den historischen Hintergrund seiner Geschichte, als Rom ein Kirchenstaat war auf dem Weg zur nationalen Hauptstadt Italiens. Der Autor bietet dem Leser neben einer wunderbar strukturierten und in sich schlüssigen Geschichte auch noch eine Gratisgeschichtsstunde. Farbenfrohe Bilder geleiten den Leser nicht nur durch das einerseits prächtige andererseits ärmliche Rom und dessen große Geruchspalette, sondern auch in den Zirkus Callari, wo Artisten ihr Publikum faszinieren, oder mitten hinein in den revolutionären Freiheitskampf, der brutale Szenen heraufbeschwört und so manchen in Gefahr bringt. Durch den ständigen Wechsel der unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Protagonisten ist der Leser nicht nur immer am Puls der Zeit, auch die Spannung steigert sich von Seite zu Seite, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Di Fulvia bedient eine reichhaltige Palette an Themen, die von Liebe, Freiheitskampf, Wahrheitsfindung bis hin zu Selbstfindung und Fotografie führen, dabei aber alle auf ihre Art wunderbar umgesetzt werden.
Die Charaktere sind ausgesucht liebevoll und detailliert in Szene gesetzt, mit ihren menschlichen Attributen versprühen sie Lebendigkeit, wirken glaubwürdig und real. Der Leser bewegt sich unsichtbar unter ihnen, darf mal Zirkusluft schnuppern oder sich in adliger Gesellschaft aufhalten, um dann wieder in ärmlichen Verhältnissen mit ihnen zu fristen. Contessa Silvia wirkt zu Beginn etwas versnobt und abgehoben, doch wandelt sie sich schnell zu einer liebenswerten, warmherzigen und starken Persönlichkeit, die zu kämpfen weiß. Pietro ist im Waisenhaus durch eine harte Schule gegangen und für sein Alter nicht nur kämpferisch, sondern auch recht erwachsen. Zum ersten Mal erfährt er Liebe, doch sich selbst hat er noch nicht gefunden. Die Suche danach ist spannend. Marta ist hilfsbereit, wissbegierig und leidenschaftlich. Sie brennt für Dinge, die ihr wichtig sind. Melo ist eine Seele von Mensch, aber da gibt es auch noch Albanese, Leone, Armandina oder Mamma Lucia, die ebenso wichtige Rollen in diesem Roman besetzen.
„Es war einmal in Italien“ ist ein historischer Roman voller Spannung, Liebe und Abenteuer, der den Leser mit Herz und Seele vereinnahmt. Di Fulvio weiß, wie er seine Leser begeistern kann, auch hier ist es wieder famos gelungen. Absolute Leseempfehlung!

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.11.2020
Vegan Soulfood
Zapatka, Bianca

Vegan Soulfood


ausgezeichnet

Jedes Gericht ein Gedicht!
Bisher habe ich mich an die vegane Küche nicht herangetraut, da mir bei meinen Recherchen diesbezüglich die meisten Bücher nicht so zugesagt haben und mir vor allem alles so kompliziert vorkam. In einer Familie von Fleischliebhabern kommt es darauf an, solch ein Gericht schmackhaft zu machen. Doch nun wurde ich eines Besseren belehrt, denn mit dem Buch „Vegan Soulfood: 100 wunderbare Gerichte, die glücklich machen“ von Bianca Zapatka ist mir genau der richtige Wegweiser in die Hände gefallen. Die Auswahl ist groß und sehr abwechslungsreich, so dass ich schon beim ersten Durchblättern einiges gefunden habe, das mich sofort angesprochen hat und unbedingt ausprobiert werden wollte.
Schon die Aufteilung ist gut durchdacht. Sie beginnt mit Frühstück und Brunch, gefolgt von Wärmenden Suppen und Currys, schnelle einfache Gerichte, Dumplings, Teigtaschen und Nudeln, Herzhaftes, Kuchen, Süßes und Getränke. Je nachdem, wonach einem der Kopf steht, kann man hier treffsicher in der passenden Rubrik etwas finden. Hat man erst einmal seine Wahl getroffen, wird man Schritt für Schritt mit Fotos und Erklärungen durch den Kochvorgang begleitet. Dabei sind auch die Nährwertangaben sehr hilfreich sowie alternativ angegebene Zutaten, wenn man das eine oder andere ersetzen möchte. Besonders erwähnenswert ist das Zutatenregister, wo man gut erkennen kann, was man bereits im Haus hat bzw. was vielleicht noch besorgt werden muss.
Die Blaubeer-Scones, die Bages sowie die Granola Bars sind ein Gedicht, aber auch der Vegane Karotten-Lachs ist sehr lecker. Das Dattel-Nuss-Brot hat bei uns sofort einige Liebhaber gefunden, ebenso die kleinen Apple Pies sowie der Schokoladenkäsekuchen. Herzhafter Favoriten sind bei uns die Blumenkohl-Steaks mit Nusskruste und als Griechenlandfans natürlich die vegane Moussaka. Das selbstgemachte Mango-Lassi ist unschlagbar, ebenso die Reisbällchen, die sowohl mit Avocado als auch mit Curry- oder Sesamsauce eine wunderbare Zwischenmahlzeit ergeben.
„Vegan Soulfood“ ist ein sehr empfehlenswertes Kochbuch für alle, die sich erstmals an die vegane Küche heranwagen wollen, sowohl für Anfänger als auch für Profis geeignet.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.11.2020
Das schwarze Gold des Südens
Haigh, Tara

Das schwarze Gold des Südens


gut

"Mit einem bitteren Geschmack im Mund kann man nicht Süßholz raspeln." (aus Venedig)
1887. Das in Bamberg angesiedelte Süßholzunternehmen Imhoff steht vor großen Problemen, denn die letzte Ernte war aufgrund von Parasitenbefall nicht sehr erfolgreich und die Vorräte gehen langsam zur Neige. Dabei ist Nachschub dringend erforderlich, wird das Süßholz doch nicht nur zur Lakritzherstellung verwendet, sondern auch in den Apotheken für allerlei Medizin genutzt. Als die Mutter stirbt und der Vater Elise in eine arrangierte Ehe hineinzwingen will, um so die Familie vor dem Untergang retten, flieht Elise mit ihrem Liebsten Ferdinand nach Paris, um dort ihren Traum von einer eigenen Confiserie zu verwirklichen. Nun lastet alles auf den Schultern ihrer älteren Schwester Amalie, die sich pflichtbewusst dem Willen des Vaters beugt, heiratet und sich um den Süßholzanbau in Kalabrien kümmert. Doch dann begegnet ihr die Liebe…

Tara Haigh hat mit „Das schwarze Gold des Südens“ einen historischen Roman vorgelegt, der nicht nur ins 19. Jahrhundert entführt, sondern neben einer recht unterhaltsamen Geschichte auch mit allerlei Hintergrundwissen über das Pflanzen und Verarbeiten von Süßholz punkten kann. Mit flüssigem und farbenfrohem Schreibstil sowie wechselnden Perspektiven lädt die Autorin den Leser ein, den schicksalsträchtigen Wegen der beiden so gegensätzlichen Schwester nachzuspüren. Die gesellschaftlichen Ansprüche und Anforderungen der damaligen Zeit werden ebenso mit in die Handlung eingeflochten wie historische Begebenheiten, so dass der Leser während der Lektüre sogar das Vergnügen hat, den Bau des Eiffelturms mitzuerleben. Die Rolle der Frau war damals nicht gerade leicht, denn ihr wurden weder Entscheidungen zugetraut noch wirtschaftliches Denken und Handeln. In diesem straffen Korsett war sie wie ein unmündiges Kind von ihrem Ehemann abhängig, Gleichberechtigung gab es damals noch nicht. Die Geschichte ist weitreichend vorhersehbar, doch mit einigem Gefühl und Spannungsmomenten erzählt und der Leser per Kopfkino auf Reisen nach Paris, Venedig sowie Kalabrien geschickt wird. Allerdings ist der Einstieg in die Handlung sehr langatmig, und auch die Dialoge wirken oftmals künstlich und steif, was man von der Autorin so gar nicht erwartet hätte.

Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und mit Leben versehen, denn sie besitzen glaubwürdige Ecken und Kanten, mit denen sie den Leser überzeugen. Elise ist ein impulsiver Hitzkopf, der sich mit aller Macht gegen die Auflagen des Vaters stemmt. Sie denkt gar nicht daran, eine lieblose Ehe einzugehen, um das Unternehmen zu retten. Sie besitzt Kampfgeist und Mut, was sie sofort sympathisch macht. Amelie wirkt dagegen fast dröge mit ihrem Pflichtbewusstsein und dieser untertänigen Art. Sie kommt ohne Widerstand den Wünschen ihres Vaters nach, obwohl sie im Inneren eigene Vorstellungen hat. Aber auch Ferdinand, Herrmann und einige weitere Nebendarsteller geben dieser Geschichte zusätzlichen Input.

„Das schwarze Gold des Südens“ ist ein historischer Roman, der Familiengeschichte, Liebe, Drama und interessantes Hintergrundwissen in sich vereint. Kurzweilig zu lesen, allerdings nicht das beste Werk der Autorin, deshalb gibt es diesmal leider auch nur eine eingeschränkte Leseempfehlung!

13 von 18 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.11.2020
Zeit für Nachtisch von unseren Landfrauen

Zeit für Nachtisch von unseren Landfrauen


ausgezeichnet

„Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“ (Konstantin Wecker)
Schon in unserer Kindheit war der Nachtisch unsere Lieblingsmahlzeit, dafür haben wir auch Dinge gegessen, die wir nicht mochten, nur um am Ende in den Genuss eines der köstlichen Desserts zu kommen. Auch in unserer Familie geht keine Mahlzeit ohne einen süßen Abschluss durch, der möglichst selbstgemacht und nicht mit Tüten und Pülverchen zusammengemixt wurde.
So wurde das Buch „Zeit für Nachtisch von unseren Landfrauen“ von den Uplengener Landfrauen begeistert bei uns begrüßt und schnell in Augenschein genommen, wobei man sich schon den einen oder anderen Kandidaten auf den Wunschzettel schrieb. Anhand von 50 verständlich beschriebenen Rezepten darf man sich durch die wunderbare Welt der Desserts futtern, die auch in der Umsetzung nicht schwierig sind und somit ebenso dem Anfänger gelingen dürften. Besonders herauszustellen ist dabei die Tatsache, dass hier hauptsächlich mit frischen Produkten gearbeitet und weniger auf Fertigprodukte zurückgegriffen wird. Dabei sei zu erwähnen, dass auch in den 60er/70er Jahren schon vereinzelt auf Puddingpulver zurückgegriffen wurde und dies hier auch bei einigen wenigen Rezepten zur Anwendung kommt. Vieles jedoch hat den Frischfaktor durch die Verwendung von Quark, Sahne, Joghurt und frischem Obst.
Bei Rotweincreme, Grießbrei, Mandarinen- und Zitronencreme, Apfelschnee oder Rhabarbergrütze wird die eigene Kindheit wieder lebendig, andere dagegen sind für uns neu wie z.B. die Walnusscreme oder die Schmandcreme. An der Götterspeise scheiden sich bei uns die Geister, denn einige von uns haben die schon als Kind verschmäht. Dennoch findet auch diese in dem Kochbuch Erwähnung, denn Liebhaber mögen diese ja gern auch mit selbstgemachter Vanillesauce. Auch anschauliche Rezepte zu Crumble und Tiramisu finden sich in dem Buch wieder, wobei wir diese Spezialitäten in unserer Kindheit noch nicht auf dem Teller hatten.
Auch die Gestaltung des Buches lässt keine Wünsche offen, denn nicht nur der textile Einband ist sehr gut gewählt, vor allem die Rezepte mit den eingestreuten Tipps und den dazugehörigen Fotos überzeugen auf der ganzen Linie. Ein wunderbares Dessertbuch, dass immer wieder gern Verwendung findet, um die Familie mit einem selbstgemachten frischen Nachtisch zu verwöhnen. Sehr empfehlenswert!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.