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Benutzername: 
KimVi
Wohnort: 
Niedersachsen
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 1589 Bewertungen
Bewertung vom 22.03.2021
Ewig Dein
Glattauer, Daniel

Ewig Dein


sehr gut

In fünfzehn Phasen verfolgt man Judiths und Hannes' Geschichte. Zunächst hat man das Gefühl, einen harmlosen und netten Liebesroman zu lesen. Die Atmosphäre ist hell und beschwingt. Außerdem kommt es zu humorvollen Szenen, sodass man amüsiert beobachtet, wie sich die beiden immer näher kommen. Der Familien- und Freundeskreis wird lebendig beschrieben. Dadurch bekommt man einen guten Eindruck, wie Hannes langsam ein Teil davon wird und wie er auf die verschiedenen Personen wirkt. Alle scheinen sich einig zu sein, dass Hannes der perfekte Partner für Judith ist. Nur bei Judith selbst schleichen sich langsam erste Zweifel ein. Denn Hannes erdrückt sie mit seiner Liebe und nimmt ihr den Raum sich zu entfalten.

Zu diesem Zeitpunkt wandelt sich auch die Grundstimmung der Erzählung. Denn schon bald wird klar, dass Hannes Liebe bedingungslos und ewiglich ist. Hannes Versuche, Judith davon zu überzeugen, dass ihre Beziehung eine Zukunft hat, wirken nicht zurückhaltend und sanft, sondern fordernd und beklemmend. Er gibt Judith das Gefühl, stets bei ihr zu sein und kann auch ihren Verwandten- und Freundeskreis für seine Zwecke gewinnen. Denn niemand außer Judith scheint zu bemerken, mit welchem Fanatismus der abgewiesene Hannes seine Traumfrau verfolgt. Dabei macht er weiterhin einen netten und sympathischen Eindruck. Beim Lesen hat man sogar das Gefühl, dass Judith eventuell zu negativ und voreingenommen auf den armen Mann reagiert. Überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man bald nicht mehr weiß, was man glauben soll. Die düstere Grundstimmung ist nun allgegenwärtig.

Durch die aufgebaute Spannung entwickelt die Erzählung eine sogartige Wirkung, sodass man sich kaum noch vom Gelesenen lösen kann. Die Auflösung ist überraschend, doch schon fast etwas zu kurz. Zunächst überschlagen sich die Ereignisse, um dann abrupt und relativ lahm zu enden. Auf den großen, finalen Paukenschlag wartet man leider vergeblich.

Dieser Glattauer unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen". Denn die Liebe, mit der Judith hier konfrontiert wird, zeigt sich von einer düsteren und unheimlichen Seite. Dennoch gelingt es dem Autor auch in diesem Werk hervorragend, die Stimmungen einzufangen und glaubhaft zu vermitteln. Durch eingestreute Dialekte ist man sich außerdem stets bewusst, dass sich diese dunkle Liebesgeschichte in Wien zuträgt. Die handelnden Charaktere sind facettenreich und wirken sehr lebendig. Man kann sich gut in sie hineinversetzen und mit ihnen mitfiebern. Auch wenn mich das Ende nicht vollkommen überzeugen konnte, vergebe ich begeisterte vier Sterne und eine klare Leseempfehlung.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.03.2021
Kalter Trost (eBook, ePUB)
Bates, Quentin

Kalter Trost (eBook, ePUB)


sehr gut

Nach "In eisigem Wasser" ist dieser Krimi der zweite Fall für Gunnhildur Gísladóttir. Da die Handlungen in sich abgeschlossen sind, können die Bände unabhängig voneinander gelesen werden. Das Buch beginnt mit einem kurzen Vorwort und ist in zwanzig Kapitel unterteilt, die mit dem Datum der Handlung versehen sind. Dadurch fällt es leicht, die Zeit, die während der Ermittlungen vergeht, richtig einzuordnen.

Die Atmosphäre in skandinavischen Romanen wirkt beim Lesen oft recht schwermütig und düster. Das braucht man bei Quentin Bates Erzählung allerdings nicht zu befürchten. Man merkt sofort, dass der Autor viele Jahre in Island gelebt hat, denn es gelingt ihm mühelos, die jeweiligen Handlungsorte und die isländischen Gepflogenheiten glaubhaft in die Handlung einfließen zu lassen. Zunächst wirkt es etwas befremdlich, dass die Protagonisten sich alle mit "Du" ansprechen und dabei keine Rücksicht auf den Rang der jeweiligen Person nehmen. Da dies in Island allerdings so üblich ist, lässt diese Eigenart den Handlungsort noch lebendiger erscheinen.

Die isländischen Namen der verschiedenen Akteure sind zunächst eine große Herausforderung, denn es fällt nicht immer leicht, die fremdartigen Namen den jeweiligen Personen zuzuordnen. Da auch noch Abkürzungen und Spitznamen ins Spiel kommen, ist deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Lesen erforderlich. Die isländische Finanzkrise und ihre Auswirkungen sind in der Handlung allgegenwärtig, sodass der Hintergrund der Kriminalermittlungen authentisch wirkt.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und angenehm lesbar. Es gelingt ihm, Land und Leute zum Leben zu erwecken und die Handlung durch eingestreuten Witz aufzulockern. Die Protagonisten wirken authentisch und es fällt leicht, sich mit der Hauptprotagonistin Gunnhildur Gísladóttir zu identifizieren. Der private Hintergrund der Ermittlerin fließt ebenfalls in die Handlung ein, sodass man sich ein gutes Bild von ihr machen kann. Die Krimihandlung ist von Anfang an interessant. Es gelingt dem Autor mühelos Spannung aufzubauen und diese durchgehend zu erhalten. Denn er legt Spuren aus, denen man bei den eigenen gedanklichen Ermittlungen nur allzu bereitwillig folgt, um dann aber festzustellen, dass sich der Zusammenhang doch nicht so einfach ergründen lässt. Die unterschiedlichen Handlungsstränge sind nicht so einfach zu entwirren, sodass die Auflösung kaum vorhersehbar ist. Das Ende kommt dann allerdings einen Tick zu abrupt und lässt einige Fragen zurück. Das wirkt im ersten Moment zwar etwas störend, doch im Nachhinein passt es doch zur Handlung.

Insgesamt gesehen hat mir dieser Island-Krimi sehr gut gefallen. Die isländische Hintergrundkulisse war allgegenwärtig und die Kriminalhandlung durchgehend spannend. Auf mich wirkte der Krimi keinen Moment vorhersehbar, da ich bis zur Auflösung nicht geahnt habe, wie sich wohl alles zusammenfügen wird. Das hebt ihn sehr positiv aus der Masse heraus, da man bis zum Schluss mitfiebern kann.

Bewertung vom 21.03.2021
Der Zauber von Somerset
Watson, Pippa

Der Zauber von Somerset


ausgezeichnet

Amber braucht dringend eine Auszeit und beschließt deshalb, London drei Monate den Rücken zu kehren und diese Zeit in einem Feriencottage in Somerset zu verbringen. Kaum angekommen, ist die ersehnte Ruhe allerdings in Gefahr. Denn bei der Buchung des Ferienhauses ist dem Vermieter ein Fehler unterlaufen. Aus Versehen hat er das Cottage in dieser Zeit ebenfalls an der Schriftsteller Finian vermietet. Amber hat Mitleid mit Finian und bietet ihm deshalb spontan an, sich das Häuschen zu teilen. Da beide Einzelgänger sind, gehen sie sich zunächst aus dem Weg. Doch dann schleicht sich eine Hündin bei ihnen ein. Beide merken, dass diese sich vor ihrem eigentlichen Besitzer fürchtet und dort alles andere als gut behandelt wird. Kurzentschlossen verstecken die beiden die Hündin und kommen sich dadurch langsam näher...

Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Amber und Finian, erzählt. Dadurch kann man nicht nur hautnah in die Gedanken und Gefühle der beiden Hauptprotagonisten eintauchen, sondern kann außerdem beobachten, wie sie aufeinander wirken und was sie voneinander halten. 

Beide wirken vom ersten Moment an sympathisch, wodurch man sich von Anfang an auf die Geschichte einlassen kann. Handlungsorte und Charaktere werden so authentisch beschrieben, dass man sich sofort wohlfühlt und die zauberhafte Umgebung Somersets genießt. Die tierischen Akteure schließt man ebenfalls sofort ins Herz und beobachtet deshalb gespannt, wie sich Amber und Finian bei ihrem Einsatz für die Vierbeiner näher kommen. Es kommt im Verlauf zu einigen Wendungen, die man zwar erahnen kann, die aber dennoch so einfühlsam und fesselnd erzählt werden, dass man früh in den Sog der Ereignisse gerät. Man fiebert mit den Hauptprotagonisten und den tierischen Akteuren mit und fliegt deshalb förmlich durch die Seiten. 

Ein zauberhafter Wohlfühlroman, bei dem man jede einzelne Seite genießt. 

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.03.2021
Rotkäppchen und der Hipster-Wolf / Hipster-Märchenreihe Bd.1
MacKay, Nina

Rotkäppchen und der Hipster-Wolf / Hipster-Märchenreihe Bd.1


sehr gut

Schneewittchen, Dornröschen, Rapunzel und Cinderella vermissen ihre Prinzen. Diese sind spurlos verschwunden. Die Prinzessinnen fühlen sich um ihre Happy Ends betrogen und begeben sich auf den Kriegspfad. Sie erstellen eine "Verhöre-und-Töte"-Liste aller Verdächtigen und bitten ihre Freundin Red ( Rotkäppchen) um Unterstützung. Die hält den Plan zwar für äußerst schwachsinnig, macht aber mit. Dabei läuft ihr der Hipster Ever über den Weg. Er scheint mehr zu wissen. Doch dann entpuppt er sich als Werwolf. Für Red ist das äußerst kritisch, da sie, verständlicherweise, unter einer Wolf-Phobie leidet. Doch was tut man nicht alles für seine Freundinnen...

Vorweg lässt sich sagen, dass die Warnung am Anfang des Buchs, die darauf hinweist, dass es zu pikierten Blicken kommen kann, wenn man das Buch in der Öffentlichkeit liest und bei bestimmten Textstellen laut loslachen muss, durchaus ihre Berechtigung hat. Denn diese Märchenadaption ist unheimlich locker und humorvoll geschrieben. Spontane Lacher sind deshalb garantiert. Das Ganze wird vorwiegend aus der Sicht von Red geschildert. Und Rotkäppchen ist unglaublich schlagfertig, nachtragend und nie um eine Antwort, egal ob passend oder nicht, verlegen. Es macht einfach Spaß, sie zu beobachten. Red wird so lebendig beschrieben, dass man sie und ihre Mimik spontan vor Augen hat. 

Die meisten anderen Charaktere können da leider nicht mithalten. Denn sie wirken schon etwas klischeehaft. Dennoch ist die Suche nach den Prinzen spannend. Denn die Lage ist äußerst verzwickt und wer hier zu den Guten oder den Bösen gehört, lässt sich nicht so leicht enttarnen. 

Eine unheimlich witzige Märchenadaption, die sich quasi von selbst liest. 

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.03.2021
Searching Lucy
Stein, Christina

Searching Lucy


ausgezeichnet

Ambers Vater ist verschwunden. Es gibt keine Lösegeldforderung und keinen einzigen Hinweis, was mit ihm passiert sein könnte. Als wäre das allein nicht schon schlimm genug, ist nun auch Lucy, Ambers Zwillingsschwester, weg. Niemand hat sie gesehen. Die Polizei sucht zwar nach den vermissten Familienmitgliedern, doch Fortschritte gibt es nicht. Amber hält die Ungewissheit einfach nicht mehr aus. Sie beginnt auf eigene Faust zu suchen und scheut sich dabei auch nicht, in fremde Häuser einzubrechen. Denn sie weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Vater und ihre Zwillingsschwester noch leben, mit jedem Tag, der ergebnislos verstreicht, sinkt. Deshalb muss sie einfach etwas tun...

Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Amber, geschildert. Der Schreibstil ist so locker und lebendig, dass man beinahe meint, von Amber direkt angesprochen zu werden. Deshalb kann man sich vom ersten Moment an in die Handlung hineinversetzen. Obwohl Amber kein leichtes Schicksal hat, ihre Suche verzweifelt wirkt und man alles hautnah miterlebt, gibt es doch immer wieder Momente, in denen man schmunzeln kann, weil man unverhofft Ambers herrlichen Sarkasmus genießen darf. 

Man begleitet Amber bei ihren Einbrüchen und erlebt dabei Spannung und Nervenkitzel pur! Dennoch scheint es keine Spur vom Vater oder Lucy zu geben. Man tappt gemeinsam mit Amber im Dunkeln und hat keine Ahnung, was passiert sein könnte. Nicht nur Amber, sondern auch die anderen Charaktere, wirken so authentisch, dass man sie beim Lesen vor Augen hat. Man fiebert mit ihnen mit und versucht verzweifelt, Puzzleteilchen zu entdecken, die dazu führen, dass geheimnisvolle Verschwinden der beiden vermissten Familienmitglieder aufzudecken. Doch bis dahin muss man sich fast bis zum Schluss gedulden. Denn die früh aufgebaute Spannung kann nicht nur durchgehend gehalten werden, sondern sich im Verlauf stetig steigern. Beim großen Finale liegen die Nerven blank. Die Atmosphäre ist so düster und angespannt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann und gebannt die Schlussszenen verschlingt. 

Ein spannender Jugendthriller, dem man sich vom ersten Moment an nicht entziehen kann!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.03.2021
Das Bernsteinmädchen
Meyer zu Düttingdorf, Hans

Das Bernsteinmädchen


ausgezeichnet

Als der deutsche Matrose Karl in Argentinien Helena kennenlernt, ist es für die beiden Liebe auf den ersten Blick. Helena verlässt für Karl ihr Heimatland und folgt ihm auf den kleinen Hof in der Nähe der Ostsee. Der Zweite Weltkrieg trennt die Liebenden. Auf dem Hof ist und bleibt Helena als Argentinierin die Außenseiterin. Selbst die Geburt des gemeinsamen Sohnes Robert ändert nichts daran. Etwa 70 Jahre später bekommt Robert von einem Notar das Erbe seiner Mutter ausgehändigt. Es handelt sich um einen Bernstein und die Aufforderung in seinen Geburtsort zurückzukehren. Robert macht sich auf den Weg, das Rätsel des Bernsteins zu ergründen und mehr über die Vergangenheit, von der seine Mutter niemals sprach, zu erfahren...

Die Handlung trägt sich auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen zu. Der Strang in der Vergangenheit beginnt Ende der 30er Jahre in Argentinien. Hier beobachtet man Helena als junges Mädchen und verfolgt dann, wie sie den Matrosen Karl kennenlernt und diesem schließlich in seine deutsche Heimat folgt. Im aktuellen Geschehen, das sich etwa siebzig Jahre später zuträgt, lernt man Robert kennen, erfährt etwas über ihn und beobachtet, dass er sich auf den Weg nach Deutschland, in das Dorf seines Vaters, macht. Diese beiden Handlungen wechseln sich ab. Die Übergänge sind allerdings sehr gelungen. Denn beide Perspektiven sind so interessant und lebendig geschildert, dass man den jeweiligen Handlungsstrang nicht verlassen möchte, um sich dem jeweils anderen zuzuwenden. Dadurch gerät man schon früh in den Sog der Erzählung und mag das Buch nur schwer aus der Hand legen.

Handlungsorte und Protagonisten sind so authentisch beschrieben, dass man alles mühelos vor Augen hat. Man kann sich in beiden Handlungssträngen ganz auf das Geschehen einlassen und dabei gespannt beobachten, was geschieht. Man fiebert mit beiden Hauptcharakteren mit. Die Handlung ist aufwühlend, stellenweise etwas distanziert erzählt, schafft es dabei aber dennoch, tief zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.

Ein wundervoll erzählter Roman, der unheimlich fesselnd erzählt wird und es schafft, tief zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.03.2021
Angst
Kurbjuweit, Dirk

Angst


sehr gut

In Dirk Kurbjuweits Roman erzählt der Hauptprotagonist Randolph Tiefenthaler seine Geschichte. Er greift den Ereignissen etwas voraus, denn gleich zu Beginn erfährt man, dass sein Vater im Gefängnis sitzt und dort eine Strafe wegen Totschlags verbüßen muss. Dennoch ist das Interesse an der Handlung sofort geweckt, da man unbedingt erfahren möchte, was einen alten Mann dazu treiben kann, die Familie seines Sohnes auf diese Art zu schützen.

Durch die gewählte Erzählperspektive erlebt man hautnah, wie die Angst sich langsam Randolphs Familie schleicht, dort die Atmosphäre vergiftet und schließlich den Alltag bestimmt. Man erfährt allerdings nicht nur von der Angst, die Tiberius durch sein Verhalten auslöst, sondern von tief verschütteten Ängsten, denen Randolph in seiner Kindheit ausgesetzt war.

Angst steht im Zentrum der Handlung. Es gelingt Dirk Kurbjuweit hervorragend die verschiedenen Facetten der Angst zu beschreiben, und zu vermitteln, welchen Einfluss sie nehmen kann. Die Protagonisten wirken sehr lebendig und ihre Reaktionen nachvollziehbar. Obwohl man sich beim Lesen manchmal wünscht, dass Randolph endlich mehr Rückgrat zeigt.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die entsprechenden Szenen gut vorstellen und hat das Gefühl, dass man Randolph gegenüber sitzt und seiner Geschichte lauscht. Diese ist durchgehend interessant und kann mit einer unverhofften Wendung punkten.

Bewertung vom 14.03.2021
Die Leiden einer jungen Ebay-Verkäuferin
Fischer, Romy

Die Leiden einer jungen Ebay-Verkäuferin


sehr gut

In sieben Kapiteln, die sich fast von selbst lesen, erzählt Romy Fischer Begebenheiten aus dem alltäglichen Ebay-Wahnsinn. Sie verwendet dazu einen herrlich sarkastischen und frechen Schreibstil, sodass man das Gefühl hat, ihr gegenüber zu sitzen und zuzuhören. Dabei gerät man oft unwillkürlich in Versuchung, zustimmend oder gar mitleidig zu nicken. Denn jeder, der schon mal selbst etwas auf der Plattform verkauft oder bestellt hat, dürfte die ein oder andere beschriebene Situation wiedererkennen. Besonders lustig, oder auch traurig, ist das Kapitel, in dem auf die Kommunikation mit dem Kunden eingegangen wird. Das kann man entweder mit Humor nehmen, oder intensiv darüber nachdenken, ob Höflichkeit und Benehmen, oder gar die Bereitschaft in ganzen Sätzen zu kommunizieren, vom Aussterben bedroht sind. Mir hat das äußerst kurzweilige Lesevergnügen sehr gut gefallen. Obwohl ich bemängeln muss, dass es viel zu kurz ist. Denn ich hätte gerne noch mehr von Romy Fischers alltäglichem Wahnsinn gelesen.

Bewertung vom 14.03.2021
Die Stille nach dem Schrei (eBook, ePUB)
Sammer, Isolde

Die Stille nach dem Schrei (eBook, ePUB)


gut

Irenes Leben ändert sich schlagartig, als ihr leiblicher Sohn Jonas getötet wird. Das allein ist eigentlich schon schlimm genug, doch Irenes Albtraum nimmt kein Ende. Denn für die Tat verantwortlich ist ihr neunzehnjähriger Stiefsohn Martin. Er behauptet, Jonas im Affekt getötet zu haben, als er beobachtete, dass Jonas einen kleinen Jungen auf bestialische Art ermordete. Vor Gericht sagt er außerdem aus, jahrelang vom eigenen Vater missbraucht worden zu sein. Da Irenes Mann nicht mehr lebt, kann er nichts zu seiner Verteidigung sagen. Das Gericht spricht Martin frei, doch Irene kann sich nicht mit dem Urteil abfinden. Sollte sich dieses Familiendrama tatsächlich vor ihren Augen abgespielt haben, ohne dass sie davon auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte? Irene zweifelt stark an Martins Aussage und beschließt, die Wahrheit herauszufinden. Als Martin Tina kennenlernt, beschleicht Irene ein ungutes Gefühl. Denn sie hat die Vermutung, dass er einen teuflischen Plan verfolgt...

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Den größten Teil der Handlung nimmt dabei die Perspektive ein, in der Tina, die Freundin von Martin, ihre Sicht der Dinge schildert. Da das in einem Geständnisbrief an Kommissar Schneider geschieht, wird dort die Ich-Form aus ihrer Sicht verwendet. Beim Lesen dieser Passagen taucht man sofort in die Handlung ein und folgt gespannt Tinas Schilderungen. Da sie kein Blatt vor den Mund nimmt und schon eingangs ganz unverblümt von ihrem verpfuschten Leben berichtet, bekommt man sofort ein ungutes Gefühl.

Doch auch Irenes Sicht auf das Geschehen wird ausführlich beschrieben. Hier bekommt man wichtige Hintergrundinformationen zu Martins Kindheit und den recht schwierigen Familienverhältnissen. Da man in einer weiteren Perspektive Martin über die Schulter schaut, bekommt man einen recht umfassenden Gesamtüberblick.

Die Protagonisten werden sehr authentisch beschrieben. Sie wirken dadurch menschlich und lebendig. Obwohl man zuweilen den Eindruck hat, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ohne Gewissen durchs Leben gehen. Beim Lesen dieser Passagen verdüstert sich die Atmosphäre des Buchs schlagartig, sodass man ein ziemlich mulmiges Gefühl bekommt.

Die Autorin hat ein schwieriges und brisantes Thema ins Zentrum der Handlung gerückt. Denn schnell wird klar, dass der Hauptprotagonist Martin, der es fabelhaft versteht, sich in bestem Licht darzustellen, zu gewaltsamem Kindesmissbrauch neigt. Gespannt verfolgt man, wie lange es noch dauern wird, bis man ihm auf die Schliche kommt und wann Tina endlich merken wird, was sich direkt vor ihren Augen abspielt. Durch die wechselnden Perspektiven bleibt die Handlung durchgehend interessant. Echte Hochspannung und Nervenkitzel stellen sich allerdings nicht ein, da die Perspektiven in denen man Irene beobachtet, den Spannungsaufbau etwas ausbremsen. Obwohl Irene eine Protagonistin ist, die sehr sympathisch wirkt und das Herz auf dem rechten Fleck zu tragen scheint, kann ihre Sicht nicht fesseln, sodass man sogar dazu neigt, die entsprechenden Passagen zu überfliegen.

Insgesamt gesehen habe ich mich beim Lesen dieses Psychothrillers recht gut unterhalten. Nicht weniger - doch leider auch nicht mehr. Deshalb vergebe ich auch "nur" drei von fünf Bewertungssternen.