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Benutzername: 
Lesezauber_Zeilenreise
Wohnort: 
Eggenstein-Leopoldshafen
Über mich: 
Buchnerd durch und durch

Bewertungen

Insgesamt 762 Bewertungen
Bewertung vom 30.07.2021
Wo niemand uns sehen kann
Chancellor, Bryn

Wo niemand uns sehen kann


sehr gut

Leise, fein, fast poetisch – kein Thriller, aber durchaus fesselnd

Januar 1991: die 17jährige Jess vermisst ihr früheres Zuhause. Statt lebhafte City lebt sie jetzt mit der Mutter in einem kleinen Kaff. Doch sie arrangiert sich irgendwie und lernt über Umwege sogar eine neue beste Freundin kennen.

22. Dezember 1991: Jess bricht abends zu einem ihrer vielen kleinen Spaziergänge auf… den Kopf freibekommen, durchatmen, über alles nachdenken… und kehrt nicht mehr zurück. Sie ist spurlos verschwunden. 2009 entdeckt die neu hinzugezogene Collegedozentin ein Skelett im Canyon ganz in der Nähe. Jess? Hat das jahrelange Hoffen und Bangen von Maude, Jess´ Mutter, nun endlich ein schreckliches Ende gefunden? Die Dorfbewohner erinnern sich alle daran, wann sie zuletzt Kontakt mit Jess hatten, wie dieser ablief, was ihnen noch in Erinnerung ist. Diese Erinnerungen sind jedoch nicht alle gut oder fröhlich – der eine oder andere hat allen Grund, sich zu schämen, wütend, traurig oder verletzt zu sein.

Anfangs fand ich es ein bisschen mühsam, in die Story rein zu finden. Man springt zwischen den beiden Jahren 1991 und 2009 hin und her, es kommen viele Personen zu Wort und diese vielen Perspektivwechsel machen es einem anfangs nicht gerade einfach. Zudem beginnt die Geschichte sehr leise und entwickelt sich nur höchst langsam. Im Lauf der Erzählung, wenn man immer mehr Infos aus allen Richtungen erhalten hat, fängt sie allmählich an zu wirken und zieht mich in ihren Bann. Die Charaktere sind vielschichtig und werden wundervoll detailliert beschrieben. Ich werde auf falsche Fährten gelockt bzw. hin zu mehreren mögliche Szenarien. Dennoch: das hier ist kein Krimi oder Thriller. Ganz und gar nicht. Vielmehr eine leise, fast poetische Erzählung über eine Kleinstadt, deren Bewohner und die Geheimnisse und Erlebnisse, die sie miteinander teilen. Für mich hätte daher der Originaltitel „Sycamore“ besser gepasst als der deutsche, mit dem ich eher nichts anfangen kann. Das Ende ist in meinen Augen schlicht perfekt – und passt genau zum ganzen Rest des Buches.

Fazit: es lohnt sich auf jeden Fall, dranzubleiben und nicht vorzeitig aufzugeben! Diese leise, poetische Erzählung, die erst im Ganzen so richtig wirkt, übte auf mich trotz oder gerade wegen der ruhigen Art eine große Sogwirkung aus. Natürlich wollte ich wissen, was mit Jess passiert ist. Doch mindestens genau so faszinierend war es, die einzelnen Leben der Figuren mitzuverfolgen über einen Zeitraum von immerhin fast zwei Jahrzehnten.

Bewertung vom 26.07.2021
Evie und die Macht der Tiere
Haig, Matt

Evie und die Macht der Tiere


ausgezeichnet

Tierschutz, Natur, Magie und jede Menge Spannung – ein rundum tolles Abenteuer

Evie lebt mit ihrem Vater in Lofting, England. Sie kann mit Tieren sprechen, doch ihr Vater hat ihr verboten, diese Gabe zu nutzen und begründet dies darin, dass es sie in Gefahr bringen könnte. Er erzählt ihr die wahre Geschichte, die hinter dem Tod ihrer Mutter steckt und Evie´s Welt wird auf den Kopf gestellt. Ihre Oma (Granny Flora) beginnt heimlich, Evie in der Gabe zu unterrichten, sie darin mächtiger und sicherer machen, da Evie´s Leben davon abhängt. Denn ein böser, machtgieriger Mann möchte alle Menschen mit der Gabe entweder auf seine Seite ziehen oder sie beseitigen. Dieser Mann darf keinesfalls erfahren, dass es Evie gibt bzw. wo sie lebt, daher darf die Öffentlichkeit nie von Evie´s Gabe erfahren. Eines Tages muss Evie ihr Versprechen, von der Gabe keinen Gebrauch zu machen, jedoch brechen, um ein kleines Kind vor dem sicheren Tod im Löwengehege des Zoos zu schützen. Und ab dann überschlagen sich die Ereignisse. Es wird gefährlich und abenteuerlich. Kann Evie das bevorstehende Unglück abwenden?

»Manche Menschen sprechen mit Tieren. Aber es gibt nicht viele, die ihnen auch zuhören.« (A.A. Milne). Dieser Satz, der gleichzeitig die Einleitung des Buchs ist, trifft hier den Nagel auf den Kopf und beinhaltet doch so viel mehr. Es geht hier um nichts weniger als um Tier- und Naturschutz, um Mitgefühl und darum, sich für die Welt und alle Lebewesen darin einzusetzen. Matt Haig nimmt sich dieser so wichtigen Themen auf lustige, spannende und abenteuerliche Art und Weise an und schafft es dadurch hoffentlich, in den Köpfen der jungen Leserinnen und Leser (sowie deren Eltern) ein Gespür für die Wichtigkeit aller Lebewesen einzupflanzen, für den Wert, den ein Tier hat, dass dagegen angekämpft werden muss, dass Menschen den Tieren grausame Dinge antun, sie ausrotten, die Natur zerstören.

Ich bin über die Seiten geflogen, fühlte mich jederzeit sehr gut unterhalten und habe sogar noch das eine oder andere Kuriose über Tiere erfahren. Gut gefallen hat mir auch, dass das Thema social media angesprochen wurde und die damit einhergehende immer größer werdende Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit der Menschen. Mehr Schein als Sein, jeder Klick zählt, Follower um jeden Preis. Sehr aktuelle Themen, die meiner Meinung nach unbedingt und dringend in Kinderbüchern angesprochen werden müssen.
Evie wächst einem sofort ans Herz: sie ist intelligent, mitfühlend, einfühlsam und hat das Herz am rechten Fleck. Ich musste oft herzlich über die Gedanken der Tiere oder die Gespräche zwischen Evie und ihnen lachen. Und Granny Flora ist ohnehin die Beste. Das Buch hat alles, was ein gutes Kinderbuch beinhalten muss. Auch optisch ist es ein Leckerbissen mit dem fröhlichen, auffälligen gelben Cover auf dem Evie und einige der Tiere, die eine Rolle spielen zu sehen sind. Die Kapitel sind schön kurz und immer wieder mit hübschen Illustrationen untermalt. Hier kommen auch schon die jungen Leser auf ihre Kosten.

Fazit: eine spannende Abenteuergeschichte mit einem Hauch Magie, ganz viel Tierliebe und einigen sehr wichtigen Botschaften. Gehört in jedes Kinderzimmer!

Bewertung vom 16.07.2021
Rum oder Ehre / Kulinarische Kriminalromane Bd.2
Henn, Carsten Sebastian

Rum oder Ehre / Kulinarische Kriminalromane Bd.2


sehr gut

Morde und Rumpanscherei unter der karibischen Sonne – mittendrin ein alter Flensburger auf der Suche nach seinem Bruder

Eigentlich vergebe ich für dieses Buch 4,5 Sterne, halbe Sterne gibt es hier nicht, daher runde ich tendenzmäßig ab auf 4 Sterne.

Martin, ein recht eigenbrötlerisches Nordlicht, leidet schon lange darunter, dass sein jüngerer Bruder Christian seit Jahren vermisst wird. Nun also rafft er sich endlich auf und fliegt nach Jamaika, um Christians Spuren zu folgen. Die führen ihn von einer Destillerie zur nächsten und quer durch Jamaika. Gut, dass er mit Babe, der pfiffigen Taxifahrerin, eine kundige Begleitung gefunden hat. Doch Babe ist nicht nur seine Fahrerin, sondern sehr viel mehr, wie sich bald herausstellt. Die beiden geraten in tödliche Gefahr und sogar unter Mordverdacht. Gut, dass Polizistin Jo´anna einen Narren an Martin gefressen zu haben scheint und sie fortan zusammenarbeiten. Martin erfährt bald, dass man mit Rum(panscherei) sehr viel Geld machen kann. Und wenn es um Geld geht, hört die Freundschaft oftmals auf. Ist das der Grund für Christians Verschwinden? Wurde er beiseitegeschafft, um den Weg für weitere Betrügereien frei zu machen? Oder steckt doch ganz was anderes dahinter?

Die ersten Seiten hatte ich ein bisschen Probleme, in die Geschichte reinzukommen. Keine Ahnung, woran das lag, da sie eigentlich von Anfang an Struktur hat. Als Martin dann aber ein Weilchen in Jamaika war, nahm die Handlung Fahrt auf und alles war gut. Mir gefällt der Gegensatz der Charaktere, der hier so schön durchkommt: einerseits der trockene, nordisch-zurückhaltende Charakter, andererseits das quirligbuntfröhliche jamaikanische Temperament. Da prallen zwei Welten aufeinander. Ich mag es, wie man das Buch durch nicht weiß, was mit Christian passiert ist und wer die Todesfälle, in die Martin hineingezogen wird, verschuldet hat. Schön zum Miträtseln und Vermutungen anstellen. Über Christian erfährt der Leser durch diverse Tagebucheintragungen einiges. Das ist toll gelöst, weil die Eintragungen ja ca. 20 Jahre her sind, die Story aber jetzt spielt. Mit dem Fortgang der Geschichte nähert sich beides an. Richtig interessant sind auch die Infos rund um den Rum. Diese sind verpackt in locker geschriebene „Publikationen für das Flensburger Rum-Museum“, welche von Lasse (verstorbener bester Freund von Martin) verfasst wurden. Ich habe viel gelernt und fand es wirklich interessant. Am Ende des Buches findet man noch ein Rum-Glossar und sogar einige Rum-Rezepte – zum Trinken und Essen.

Apropos Ende: das war für mich überraschend und nicht vorhersehbar. Überhaupt gab es so einige Wendungen und Überraschungen, so dass es nie langweilig wurde. Ich habe viel gelacht und geschmunzelt, mich in den bildhaften Beschreibungen des jamaikanischen Settings wohlgefühlt und die Protagonisten waren mir allesamt sehr sympathisch.

Fazit: wer Wohlfühl-Krimis mit Augenzwinkern und karibischem Flair gespickt mit norddeutscher Zurückhaltung und viel Wissenswertem zum Thema Rum mag, wird Rum oder Ehre lieben.

Bewertung vom 14.07.2021
Der Shelly Bay Ladies Schwimmclub
Green, Sophie

Der Shelly Bay Ladies Schwimmclub


ausgezeichnet

Leise, gefühlvoll und einfach wunderbar – wie eine schöne Umarmung

Was erst einmal als eher zweckbestimmte Schwimmgemeinschaft beginnt, entwickelt sich langsam zu einer tiefen Freundschaft zwischen allen vier Frauen. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein, nicht nur vom Alter her (zwischen Anfang 20 und Anfang 60 ist alles dabei). Kommen doch alle aus anderen Verhältnissen und bringen jede ihr ganz eigenes Päckchen mit, dass sie zu tragen haben. Doch sie stellen schnell fest, dass sie mehr verbindet, als nur die Liebe zum Meer. So helfen sie sich gegenseitig, ihre jeweilige Situation zu bewältigen bzw. aufgeschlossener und selbstbewusster zu werden. Sie sind in Elaines schwärzester Stunde da, als diese betrunken einen Unfall baut, sie geben Leanne allein durch Zuhören und Dasein die Kraft, ihr Trauma besser zu verarbeiten und sie freuen sich alle für Marie, als diese nach langer Zeit des Witwendaseins wieder eine Liebe zu finden scheint. Als dann Theresa, vom Ehemann betrogen, Mutter von zwei kleinen Kindern, schwer an Krebs erkrankt zeigt es sich einmal mehr, wie wichtig echte Freundschaften sind.

Eine warmherzige Geschichte zum Eintauchen. Es gibt hier keine Action, kein großes Trara oder sonstige laute Szenen. Alles ist leise und sacht und gerade anfangs merkt man, wie sich alle erst mal ganz vorsichtig einander annähern. Ich spürte förmlich die Gefühle, das große Vertrauen und die tiefe Zuneigung und Liebe, die sich mit der Zeit zwischen den Frauen aufgebaut haben. Ich fühlte mich das ganze Buch durch rundum wohl und glücklich, wie umarmt. Hört sich vielleicht blöde an, ist aber so. Ich kann es nicht anders beschreiben. Ich habe gelacht, war wütend, traurig und auch das eine oder andere Tränchen floss. Sophie Green schafft es mit ihrem wunderbar leichten Schreibstil ganz große Gefühle zu vermitteln, ohne gefühlsduselig oder kitschig zu werden.

Die Story rund um die vier australischen Ladies (pardon: drei australische und eine englische) erzählt von Verlusten, von tiefer Trauer und Traumata, aber auch von Glück und Freude und Liebe – und natürlich ganz besonders von Freundschaft, die einem einfach so mitten im Leben passieren kann und die man nie wieder missen möchte.

Kennt ihr den Film „Waiting to Exhale – Warten auf Mr. Right“ (auch als Buch erschienen von Terry McMillan, „Endlich ausatmen“ – ich habe aber nur den Film gesehen)? So ähnlich fühlte sich für mich diese Story an. Sind zwar grundverschiedene Geschichten, aber rein gefühlsmäßig passt das einfach.

Fazit: ein wundervolles, warmherziges, emotionales und leises Buch, das sich wie eine wohlige Umarmung anfühlt. Für alle, die gefühlvolle, aber nicht kitschige Bücher über Frauenfreundschaften mögen. Nur für Frauen? Nein, ich denke auch gefühlvolle Männer könnten sich zwischen den Seiten verlieren. Spielt doch schließlich auch das eine oder andere männliche Geschlecht eine wichtige Rolle in der Story.

Bewertung vom 11.07.2021
Schottensterben / Hebriden Krimi Bd.2
Tyrie, Gordon

Schottensterben / Hebriden Krimi Bd.2


ausgezeichnet

Schwarzer Humor und ein verliebtes Highland-Rind - zum Brüllen

Der immer barfuß laufende Nicol wird, als er sich gerade daran macht, die angespülte Leiche am Strand zu verbuddeln, von einigen anderen Dorfbewohnern dabei gesehen. Da das als McKechnie vermutete Opfer bei keinem so wirklich beliebt war, bekommt er schnell Hilfe von der resoluten Val. Doch auch Hynch, ein ehemaliger Profikiller, beobachtet die Aktion. Ist er der Mörder? Ganz egal, die Leiche muss weg, wie auch immer. Wäre da nur nicht dieses neugierige Touristenpaar, das einfach zu viele Fragen stellt und immer zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Und dann ist da noch Thin Lizzy… die auf der Insel frei herumlaufende Highland-Kuh, die sich zu allem auch so ihre Gedanken macht und sich dann auch noch in Nicol verliebt.

Ich habe so gelacht! Das Buch ist von vorne bis hinten einfach nur köstlich. Die Charaktere werden so lebhaft geschildert, das Setting ebenso. Der Umgang aller untereinander, die immer störenden Touristen, das Hin- und Her mit dem Toten und nicht zu vergessen: die Kapitel, in denen Thin Lizzy, die Fladenkönigin, zu Wort kommt – umwerfend. Ich war ständig am Grinsen und am laut Lachen, habe meinem Mann immer wieder Passagen daraus vorgelesen (was zur Folge hatte, dass er das Buch dann auch gelesen und sich genauso beömmelt hat) und war schlicht richtig gut unterhalten. Schwarzer Humor at its best, ein paar Verstrickungen und immer wieder die Frage: wer ist der Mörder? Und: was stellt Lizzy wohl als nächstes an?

Ihr ahnt es schon: es ist kein ernsthafter Krimi, sondern eine Krimikomödie. Alle, die „Immer Ärger mit Harry“ oder auch „Eine Leiche zum Dessert“ mögen, die schwarzen Humor lieben und nicht immer alles so ernst und verbissen sehen und auch einfach für alle, die mal gerne wieder herzhaft beim Lesen lachen wollen, sei dieses Buch empfohlen. Ich hätte gerne noch viel mehr dieser schwarzhumorigen Hebriden-Krimis.

Bewertung vom 09.07.2021
Das Universum ist verdammt groß und supermystisch
Krusche, Lisa

Das Universum ist verdammt groß und supermystisch


ausgezeichnet

Schräger Roadtrip mit genialen Charakteren – berührend, klug und witzig. Ein Geheimtipp!

Gustav sammelt kleine Dinge, die er auf seinem Weg findet und die in seinen Hosentaschen Platz finden. Die Fundstücke werden ordentlich beschriftet und katalogisiert. Außerdem spricht er mit seiner Wasserpflanze namens Agatha – dafür aber nicht mit dem Rest der Welt (Schweigegelübde, bis der neue Mann an der Seite seiner Mutter wieder weg ist). Er macht sich Gedanken, wer sein Vater sein könnte und während er also so sein Leben lebt, läuft ihm die unbefangene Charles über den Weg. Die zwei freunden sich an und Charles hat die Idee, gemeinsam mit Gustav dessen Vater zu suchen. Gustavs Opa muss auch mit, einer muss ja schließlich das Auto fahren – und Opa weiß auch, wer Gustavs Vater ist. Nur nicht, wo er ist. Nun beginnt ein Roadtrip der besonderen Art: von Berlin über die Slowakei und Ungarn bis nach Instanbul folgen Gustav, Charles, Opa und Agathe die Wasserpflanze der Spur von Emilio Galetti (so heißt er nämlich) und erleben dabei so einiges. Im Lauf der Zeit stoßen dann noch Opas uraltes Zirkuskaninchen Miffler dazu sowie Vida, eine orangener Plüschkrake, der zu Charles gehört.

Also dieses Buch hat es in sich. Es ist total crazy, cool, krass und einfach nur genial! Die Charaktere sind der Hammer und wunderbar gezeichnet. Gustav, der für mich autistische Züge hat, lebt in seiner Blase und ist sehr in sich gekehrt. Er lässt sich aber von der wunderbar unkonventionellen Charles, Tochter eines Künstlerehepaars, ins pralle Leben entführen. Sie zeigt ihm, dass es auf der Welt so viel mehr gibt, als man glaubt. Sie ist überzeugt, dass man nur gute Vibes ins Universum zu senden braucht und schon fügt sich alles. Gnadenlos optimistisch und unfassbar lebendig sieht sie immer eine Lösung, nie ein Problem – ich liebe sie! Opa, der ehemalige Zirkusclown, will einfach nochmal leben – raus aus dem Altersheim und rein ins Abenteuer. Das Leben ist zu kurz, um nur davon zu träumen.

Die Geschichte macht Spaß und bietet doch so viel mehr! Nicht einfach eine Kindergeschichte, sondern ein absolut lesenswertes, kluges Buch mit so viel Weisheit und Botschaft darin. Es gibt sehr viele bemerkenswerte Sätze und ich fühlte mich einfach immer berührt. Hier ist alles drin: es ist lustig, traurig, bewegend, amüsant, schräg, intelligent, völlig gaga, mystisch, spannend, fesselnd, verrückt, botschaftenvermittelnd, mutmachend, nachdenklich, genial! Ein Buch fürs Herz und für die Seele. Dass die Autorin es geschafft hat, das alles in knapp 190 Seiten zu packen ohne dass es überfordert oder einfach zu viel wird, zeugt von echter Schreibkunst. Ihr Stil ist super zu lesen, kommt direkt an und versteht es, zu fesseln. Man kann gar nicht anders, als gute Laune zu haben, wenn man diese Geschichte liest. Grandios!

Fazit: ein wertvolles, Mut und gute Laune machendes Buch, das direkt in Herz und Seele trifft - nicht nur für Kinder, sondern für jedes Alter. Ein echter Geheimtipp und eine ganz klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 08.07.2021
Vampiluna
Jaenicke, Maren

Vampiluna


sehr gut

Süße, kindgerechte Vampirgeschichten, die Spaß machen

Drei Geschichten in einem Sammelband:

Teil 1: Neue Nachbarn – diese nervenden Vampirjungs müssen weg, ganz klar! (Vampi)Luna, (Vampi)Lotta, (Vampi)Milla und (Vampi)Nola lassen sich so allerhand Streiche einfallen, um Fritz, Bertie und Bohne zu vertreiben. Doch die zahlen es den Mädchen mit gleicher Münze heim. Doch dann tauchen Bagger auf, die die Ödelburg und damit das neue Zuhause der Jungs plattmachen wollen. Jetzt heißt es: zusammenhalten! Und plötzlich sind die Mädchen und Jungs sich gar nicht mehr so spinnefeind. Und zu siebt (die vier Mädchen, die drei Jungs plus Rabe Rabert) ist es in einer Gruft doch auch viel schöner. Kurzerhand ziehen sie alle zusammen.

Teil 2: Finstere Ferien – so schön das Zusammenleben ist, so manchmal geht man sich doch auf den Keks. Kurzerhand entschließen Vampiluna und ihre Mädels: Urlaub muss her! Sie reisen in das Hotel, in dem sie vor ca. 50 Jahren schon mal so viel Spaß hatten. Doch kaum angekommen stellen sie fest: das Hotel ist nicht mehr das, was es mal war. Ein anderes Luxushotel hat ihm den Rang abgelaufen. Da muss geholfen werden! Mit einer kleinen List und mit Hilfe von Fritz, Bertie und Bohne wollen alle gemeinsam es schaffen, das Hotel „Morgengrauen“ wieder zu seinem alten Glanz zu verhelfen.

Teil 3: Geniale Gefährten – Menschen sind gefährlich. Das weiß jeder Vampir. Doch als die Bande rund um Vampiluna auf das Menschenmädchen Annabelle trifft, überdenken sie ihre Meinung. Sie treffen sich immer häufiger mit ihr morgens, wenn es noch dunkel ist und haben viel Spaß miteinander. Alles wäre super, wenn es da nicht diesen fiesen Klassenkameraden gäbe, der Annabelle das Leben schwermacht. Die Vampirbande beschließt einzugreifen, um dem Menschenmädchen zu helfen.

Dieses Kinderbuch ist wieder einmal ein Beweis mehr, dass Selfpublisher-Bücher durchaus kleine Schätzchen und absolut lesenswert sein können. In dem Buch sind 3 Teile versammelt, jeder Teil mit ca. 80 Seiten (+/-). Ein Band besteht aus 14 bis 17 Kapiteln. Die einzelnen Kapitel sind also schön kurzgehalten. Die vielen hübschen sw-Illustrationen untermalen die Storys jeweils sehr gut und – ganz süß für die Leseanfänger – im Text sind viele Emojis integriert. Da macht das Lesen gleich nochmal so viel Spaß. Die Storys rund um Vampiluna & Co. sind sehr süß, ein bisschen frech und sehr lustig. Jede hat eine Botschaft, es geht hier vor allem um Freundschaft und Zusammenhalt, um Hilfsbereitschaft, Selbstbewusstsein und vorurteilsfreie Akzeptanz. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, er ist wunderbar kindgerecht und gut zu lesen bzw. auch zum Vorlesen super geeignet. Die Erstleser haben sicher ihren Spaß an Vampirmädels und -jungs, die kein Blut trinken, dafür aber Nudeln in Tomatensauce lieben. Und auch Rabe Rabert, der in Reimen sprechende Rabe, ist immer wieder für einen Lacher gut. Ich hätte allerdings gern ein kleines bisschen mehr über die Vampire erfahren: wo kommen sie her? Gibt es Eltern? Familie?

Am Ende des Sammelbands findet man sogar noch ein Bingo-Spiel zum Ausschneiden oder Kopieren und selber Spielen. Eine nette Idee.

Fazit: für die jungen Erstleser ab 6 Jahren ein lustiges und pfiffiges Vampirabenteuer, alters- und kindgerecht und einfach nur süß.

Bewertung vom 07.07.2021
Das Karlgeheimnis
Wilke, Jutta

Das Karlgeheimnis


ausgezeichnet

Ein Kinderkrimi der besonderen Art: lustig, spannend, traurig, berührend und einfach schön

Emil trifft Finja zum ersten Mal an Karls Büdchen. Dort ist er jeden Tag, liest Karl ein bisschen vor, hilft ihm ab und zu aus und bekommt immer einen Lolli geschenkt. Doch nicht nur auf Finja trifft er dort, sondern auch auf einige andere Nachbarn und die Müllmänner, die morgens hier immer ihren Kaffee trinken. Alle kennen sich, unterhalten sich gerne. Das Büdchen ist für alle so eine Art Kommunikations-Treffpunkt. Emil ist gerne dort, weil das besser ist, als allein daheim zu sitzen. Zumal seine Mutter immer sehr viel arbeiten muss, damit sie finanziell über die Runden kommen. Außerdem vermisst Emil seinen Papa und hier hat er Ablenkung. Doch irgendwann verschwindet Karl spurlos und keiner weiß, was los ist. Dann tauchen auch noch Männer in schwarzen Anzügen auf, die sich für das Büdchen sehr zu interessieren scheinen. Finja – aufgeweckt, forsch und spontan – beschließt Karl zu helfen. Nicht nur, den Fall „Karl“ aufzulösen, sondern auch diverse andere Probleme anzugehen. Denn die finanziellen Probleme sind immens, Emil und seine Mama trauern um Emil´s Papa, das ganze Leben steht Kopf und ist so schwer geworden.

Rein vom Äußeren und dem Klappentext habe ich einfach ein nettes, kurzweiliges Kinderbuch erwartet. Doch was ich dann zwischen den Buchdeckeln entdecken durfte, ist so viel mehr! Die Geschichte ist mit so viel Gefühl und Liebe geschrieben, ich konnte gar nicht anders, als Emil sofort in mein Herz zu schließen. Seine eigene Trauer und seine Gedanken dazu, was seine Mama gerade durchmacht, seine Rücksicht, seine Nächstenliebe, sein übergroßes kleines Herz. Das alles hat mich tief berührt, traurig und glücklich gemacht. Doch auch der Spaß und die Spannung kommt hier nicht zu kurz. Die bildhaft geschriebenen Charaktere, die sich rund um das Büdchen treffen, lassen die Geschichte lebendig werden. Die zahlreichen super passenden Illustrationen von Ulf K. tun ihr Übriges dazu. Eine tolle Idee: alle Charaktere werden mittels eines von Emil geschriebenen Steckbriefs vor den einzelnen Kapiteln vorgestellt. Mit Bild und Beschreibungen. Wirklich süß!

Der Schreibstil ist flüssig und super zu lesen, die Kapitel nicht zu lang. Erzählt aus der Ich-Perspektive von Emil kann sich die/der junge Leser/in sicher super mit ihm identifizieren. Letztlich geht es um Zusammenhalt, Familie, Trauer, Freundschaft. Schön spannend eingepackt in eine kriminelle Handlung, gewürzt mit viel Gefühl und Emotionen und einer Menge Humor. Ein wunderbar vielschichtiges Kinderbuch, welches ich sehr gerne mit der vollen Punktzahl bewerte. Für alle Kinder und auch für alle anderen von 10 bis 100. Einfach zauberhaft, traurig, berührend, lustig und schön. Ein tolles Gesamtpaket.

Bewertung vom 04.07.2021
Tante Poldi und der Gesang der Sirenen / Tante Poldi Bd.5 (6 Audio-CDs)
Giordano, Mario

Tante Poldi und der Gesang der Sirenen / Tante Poldi Bd.5 (6 Audio-CDs)


gut

Wenn Hochzeitsvorbereitungen von Mordfällen unterbrochen werden – ein neuer Fall für Tante Poldi

Ich vergebe 3,5 Punkte – da es hier aber keine halben Sachen gibt, runde ich tendenzmäßig ab auf 3 Punkte.

Poldi steckt mitten in den Vorbereitungen zu Ihrer Hochzeit mit Montana. Alle Welt will dabei sein bei diesem Großereignis und es gibt viel zu tun. Da kommt es gerade gelegen – oder ungelegen? Wie man´s nimmt – dass die Vorbereitungen wegen des Verschwindens des windigen Geschäftsmanns Aldo Favorotta auf Eis gelegt werden müssen. Dieser lockt, bevor er sich in Luft auflöst, Poldi mit einem Auftrag zu sich und eröffnet ihr, dass er Infos über Maria – Poldis gesuchte Zwillingsschwester – hat. Die steckt also auch wieder irgendwie mit drin. Dann noch die tote Slowakin, mit der Poldis Neffe zu Lebzeiten Kontakt hatte. Hängen diese Fälle zusammen? Wo ist Favorotta? Wo ist Maria? Was haben die beiden miteinander zu schaffen? Wie kam die Slowakin ums Leben? Fragen über Fragen – da rückt die Hochzeit erst mal in den Hintergrund.

Wie immer hat auch hier die Poldi ihren großen Auftritt als Ermittlerin/Detektivin. Immer mit Perücke und bunten, auffallenden Gewändern – Dezenz ist schließlich Schwäche. Es geht rasant zu, ein Vorkommnis jagt das nächste, es bleibt nicht bei einem Toten und Geld, Betrug, Verrat etc. sind auch mit an Bord. Dann ist da noch Maria, die plötzlich wieder auftaucht und den Neffen „entführt“, sich dann aber in einen alleinstehenden Bauern verliebt und überhaupt irgendwie friedlicher geworden ist. Zwischendrin die Hochzeitsvorbereitungen, die Suche nach dem verschwundenen Favorotta, die Ermittlungen am Mord der angespülten Leiche und des Mannes oben in den Bergen. Dann die seltsamen Geschäfte des Favorotta. Seine Ehefrau, die auch irgendwie komisch ist und und und. Puh… ganz schön viel. Das alles ist für mich fast zu viel. Auch wenn der Schreibstil gewohnt locker und frech und lustig ist, sind mir das zu viele Dinge auf einmal. Ich verliere ein bisschen den Faden, komme nicht mehr ganz mit. Bei einem Hörbuch möchte man ja nicht immer wieder zurück gehen, um sich die eine oder andere Stelle noch mal anzuhören. Viel zu umständlich.

Mir gefällt in dieser Krimireihe die bayerische Mundart, Poldis polternde, sehr selbstbewusste Art, die Naivität des Neffen, der sich aber auch gemausert hat und vor allem aber die Interaktion mit den anderen Charakteren: die traurige Signora, der Pater, die Schwestern von Poldi, der furzende Totti, der Tod, Montana und wie sie alle heißen. Das kam mir hier ein bisschen zu kurz und hat mir daher gefehlt.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen lebendigen, rasanten, witzigen Krimi und – so wie sich das Ende für mich anhört – um das vorläufige Ende der Poldi-Reihe. Schade irgendwie; aber so eine Pause – wenn es denn nur eine Pause ist – ist vielleicht auch ganz gut, um frischen Wind reinzubekommen und sich zu sammeln für die hoffentlich nächsten Poldi´schen Krimiabenteuer.

Bewertung vom 03.07.2021
Tote lächeln nicht / Schwaben-Krimi Bd.1
Hafermeyer, Franz

Tote lächeln nicht / Schwaben-Krimi Bd.1


ausgezeichnet

Ein Schwabenkrimi mit heftigen Mordfällen und witzigen Dialogen – viel Spannung, viel Humor, einfach gut

Elsa Dorn hat sich von München in die „Provinz“, also nach Augsburg versetzen lassen und wird sogleich der Soko Gabriel zugeteilt. Allerdings nicht als aktive Ermittlerin, sondern als Zuarbeiterin, die Akten sichtet und im staubigen Kabuff sitzt. Dabei geht es doch um einen Doppelmord – einen äußerst brutalen sogar! Und es bleibt auch nicht bei diesen beiden Leichen – weitere folgen. Elsa kann nicht anders und muss sich unerlaubt und heimlich in die Ermittlungen stürzen. Doch allein ist das schwierig. Gut also, dass sie auf Sven Schäfer trifft. Er ist aus dem Polizeidienst entlassen worden und jetzt als Detektiv unterwegs. Zudem ist er ein Grobian, sieht bisschen aus wie Bruce Willis, ist ein unmöglicher Aufschneider und arrogant. Doch auch Sven findet wenig Gefallen an der pfiffigen, aufdringlichen und direkten Elsa Dorn mit dem großen Hintern und dem noch größeren Appetit. Doch irgendwie schaffen die beiden es, sich gemeinsam auf den Fall zu konzentrieren und kreuzen damit die Wege des Serienkillers, der Mafia und des Rotlichtmilieus.

Ich mag Elsa Dorn, die ein wenig korpulente, immerzu hungrige, selbstbewusste, schlagfertige, schlaue Polizistin, die notgedrungen in ihrem alten Kinderzimmer wohnt. Und ich mag Sven Schäfer, der raubeinige Ex-Polizist mit den unkonventionellen Methoden, seiner Ketchup-Sucht, seiner Direktheit und seiner rauen Schale mit dem weichen Kern (er ist doppelter Kater-Vater). Doch zusammen sind die beiden ein echter Knaller! Ich musste so lachen beim Lesen ihrer Dialoge. Da sprüht der Humor, die Fetzen fliegen, die beiden schenken sich nichts, werfen sich Beleidigungen an den Kopf und doch spürt man irgendwie, wie es funkt zwischen ihnen (auch wenn bisher nichts läuft zwischen ihnen). Die zwei sind wie Katz und Maus, aber irgendwie auch wie Faust aufs Auge. Es passt überhaupt nicht und doch so gut. Ein großartiges Ermittler-Duo!

Die Story selbst ist brutal. Sehr blutige, extreme Morde, Rotlichtmilieu, Mafia, viel Blut und grauenhafte Details. Die Spannung ist immer ganz oben, weil man als Leser nicht weiß, wer nun dieser Engel Gabriel ist. Warum er die Morde verübt und wie die Opfer zusammenhängen. Hinzukommt noch ein Maulwurf bei der Polizei. Also viel Stoff für einen Krimi. Doch der Autor schafft es, all das in einer absolut fesselnden und doch auch super lustig-frechen und sehr unterhaltsamen Weise zwischen die Buchdeckel zu packen. Was sicher auch an der immer wieder eingestreuten bayerischen Mundart liegt. Ich habe mir schon die anderen 3 Bände (darunter ein Kurzkrimi) gekauft und werde sie garantiert genau so verschlingen, wie diesen 1. Teil.

Für alle, die bayerische (schwäbische) Krimis mit viel Spannung aber mindestens genau so viel Humor mögen, kann ich diesen Auftakt der Schäfer und Dorn-Reihe nur empfehlen. Von mir gibt´s auf jeden Fall die volle Punktzahl.