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Meggie
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Bewertungen

Insgesamt 1206 Bewertungen
Bewertung vom 22.01.2018
Sie riechen dich / Pheromon Bd.1
Wekwerth, Rainer;Thariot

Sie riechen dich / Pheromon Bd.1


sehr gut

"Pheromon: Sie riechen Dich" wird in zwei Strängen erzählt. Im ersten Strang befinden wir uns in der Gegenwart, im Jahr 2018 und begleiten Jake, einen 17jährigen Jungen, der auf der Highschool eigentlich nur die üblichen Probleme vorzuweisen hat. Football, Unterricht und Mädchen. Doch trägt er leider einige Handicaps mit sich herum. Ohne Brille ist er fast blind und sein Heuschnupfen hilft ihm auch nicht gerade, den Frühling und Sommer genießen zu können.
Als er auch noch bei einem wichtigen Footballspiel kurz vor Schluss den Spielzug vermasselt, scheint alles im Eimer zu sein.
Doch gleichzeitig ist dies für ihn ein Neuanfang, denn plötzlich merkt Jake, dass sein Heuschnupfen weg ist und auch die Brille nicht mehr von Nöten ist. Sein Geruchssinn entwickelt sich sogar so weit, dass er meilenweite entfernt Feuer riechen kann. Und Gefühle. Er riecht sofort, ob jemand traurig oder froh ist, ob jemand lügt oder die Wahrheit erzählt.

Im zweiten Erzählsprung stoßen wir auf Dr. Travis Jelen, der mit seinen über 60 Jahren in der Zukunft im Jahre 2118 lebt. Er arbeitet ehrenamtlich als Arzt in einer Einrichtung, die sich um Obdachlose kümmert und um diejenige, die sich keine Krankenversicherung und somit keine Fachärzte leisten können.
Travis selbst hat schon einiges hinter sich. Alkohol war bis vor drei Jahren noch sein ständiger Begleiter und das Gefängnis hat er auch schon von innen gesehen. Nun ist er auf Bewährung und möchte dies aus als Neuanfang werten.
Als er von Jugendlichen überfallen wird, fällt ihm ein schwangeres Mädchen auf, dass ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein paar Tage später sieht er sie wieder. Nur scheint sie das Kind mittlerweile bekommen zu haben. Nur kann sich das Mädchen gar nicht daran erinnern, je schwanger gewesen zu sein.
Auch Travis stellt Nachforschungen an und stößt dabei auf die Organisation Human Future Project.

Beide Protagonisten, Jake und Travis, waren mir von Anfang an sehr sympathisch. Gerade Travis, der in seinem Alter noch mit enormem Elan an die Aufklärung geht und sich mächtig ins Zeug legt. Er denkt so gut wie nicht an sich, führt sich die Vorteile für die anderen vor Augen und handelt auch ständig so, dass es den anderen gut geht. Was er selbst durchmachen muss, rückt er in den Hintergrund. Für ihn ist es wichtig, dass es den anderen gut geht.
Jake ist aber auch so. Er versucht zwar mit allen Mitteln herauszufinden, was eigentlich los ist, vergisst aber nicht, dass es noch andere Personen gibt, die ebenfalls Hilfe brauchen.

Diese Vorgehensweise hat mich bei beiden sehr überrascht. Erstens müsste Jake mit seinen 16 Jahren eher der Draufgänger und Partymensch sein und Travis mit über 60 so langsam herunterfahren und mehr an sich denken. Aber beide handeln meist selbstlos.

Der Schreibstil hat mich sehr fesseln können. Ich hatte Mühe, das Buch aus der Hand zu legen, da mit jedem weiteren Kapitel mehr Informationen freigelegt wurden. Die Spannung war greifbar und ich hatte auch ein richtig gutes Kopfkino. Die Charaktere waren ausgefeilt, die Story lief richtig rund und die einzelnen Kapitel (immer abwechselnd Gegenwart und Zukunft) griffen auch gut ineinander über. Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und konnte mich auch gut in alle hineinversetzen.

Der Gegenpart - in diesem Fall die Organisation Human Future Project - blieb immer geheimnisvoll. Selbst am Ende, wo alles ein bisschen aufgelöst wird, sind noch einige Fragen offen. Aber dies ist auch gut so, schließlich handelt es sich hier ja um den Auftakt der Reihe. Die Spannung wird also gehalten und die Neugier ist geweckt.

Die Zusammenarbeit der beiden Autoren ist mehr als gelungen. Im Laufe des Buches hatte ich erst das Gefühl, dass es sich um eine Fantasy-Story handelt, die dann jedoch ab der Mitte eher doch als Science-fiction gehandelt werden kann.

weiter auf: https://kleeblatts-buecherblog.blogspot.de/2018/01/rezension-rainer-wekwerth-thariot.html

Bewertung vom 22.01.2018
Die Raunende Maske / Lockwood & Co. Bd.3
Stroud, Jonathan

Die Raunende Maske / Lockwood & Co. Bd.3


ausgezeichnet

Lucy, George und Lockwood haben alle Hände voll zu tun. George und Lockwood finden es deswegen mehr als in Ordnung, nun eine Sekretärin einzustellen, was Lockwood auch prompt tut. Holly Munro bringt sich auch gleich ein, in dem sie das Haus aufräumt, die Termine koordiniert und auch sonst das Leben der Agentur bereichert. Alle sind zufrieden, bis auf Lucy, die in Holly eine mächtige Konkurrentin sieht.

Im dritten Teil der Lockwood-Reihe stoßen wir auf eine sehr unentschlossene Lucy, die mittlerweile alles in Frage stellt - außer ihre Berufung zur Geisterjagd. Ihre Gabe, sich mit Geistern unterhalten zu können, um so herauszufinden, was diese so umtriebig sein lässt, rettet so manchen Auftrag. Nur ist es Lockwood, der das unterbinden will, aus Angst, dass Lucy eines Tages an den falschen Geist gerät.
Lucy wird von Tag zu Tag unzufriedener. Nicht nur, dass Lockwood ihrer Gabe Einhalt gebietet, auch die neu zur Agentur gestoßene Holly bringt sie durcheinander. Sie ist eifersüchtig, weil gerade Lockwood sich sehr für Holly engagiert und es mehr als gutheißt, sie nun im Team zu haben.

Da die Geschichte aus Lucys Sicht erzählt wird, bekommen wir sehr viel Einsicht in ihr Gefühlsleben. Sie fühlt sich ausgeschlossen, unverstanden und ist eifersüchtig. Ihr Gedanken werden immer wieder dadurch unterbrochen, dass sie Worte und Gesten falsch deutet und sich dann lieber über sich Gedanken macht, anstatt sich um andere Dinge zu kümmern. Gerade bei Einsätzen ist dies natürlich sehr riskant und birgt so einige Risiken.

Lockwood wird in diesem Band als noch undurchsichtiger dargestellt. Hatte er in den ersten beiden Teilen noch ein tadelloses Verhalten gerade gegenüber Lucy, fängt er nun an zu kritisieren und gerade Holly über den grünen Klee zu loben, obwohl er eigentlich genau weiß, dass er Lucy damit wehtut. Entweder macht er dies absichtlich oder er weiß wirklich nicht, wie er sich gegenüber allen verhalten soll.

George bleibt der Alte bzw. stürzt sich mit noch mehr Feuereifer in die Recherche-Arbeiten. Dabei entsteht eine enge Zusammenarbeit mit der Artefaktenjägerin Flo Bones. Die beiden scheinen gute Freunde geworden zu sein. Dies wird bei kommenden Aufträgen bestimmt noch nützlich werden.

Die neue im Bunde ist Holly Munro, die von einer ehemaligen großen Agentur zu Lockwood & Co. gewechselt ist. Sie ist fleißig, adrett, immer höflich und weiß auf alles eine Antwort. Ihr Ordnungsfimmel ist sehr nützlich, da der Tagesablauf nun geregelt ist und unnötige Aufträge erst gar nicht angenommen werden. Sie kocht, wäscht, wischt Staub und fängt an, sich langsam aber stetig als wertvolles Mitglied zu entpuppen. Doch auch sie kommt mit Lucy nicht ganz zurecht und so ergeben sich teilweise sehr witzige Dialoge, weil beide zwar wissen, dass sie sich nicht leiden können, aber trotzdem keinen Streß verursachen wollen.

Irgendwie hat dieser Teil ein bisschen von dem Charme eingebüßt, der von den ersten beiden Teilen ausgestrahlt hat. Dies lag unter anderem daran, dass Lockwood eben etwas mehr hormongesteuert gehandelt hat. Aber man muss ja auch bedenken, dass es sich immerhin um Teenager handelt und gerade 16 ein sehr gefährliches Alter ist.

Die Story an sich war wieder richtig spannend, vor allem im letzten Drittel. Dort konnte ich das Buch sehr schlecht weglegen, weil die packende Geschichte einem sehr in den Bann gezogen hat. Es gab einiges Neues, was in den ersten beiden Teilen noch nicht behandelt wurde, gerade was die Geister anbetraf.

Am Ende hat der Autor dann noch mal einen Brüller rausgelassen, so dass ich sofort nach dem vierten Teil greifen musste. Ich bin gespannt, wie sich nun alle weiterentwickeln werden.

Fazit:
Etwas weniger Charme, dafür viele Geister und Erfahrungswerte in der Gruppe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2018
Der wispernde Schädel / Lockwood & Co. Bd.2
Stroud, Jonathan

Der wispernde Schädel / Lockwood & Co. Bd.2


ausgezeichnet

Ein erfolgreiches Jahr liegt hinter der Agentur Lockwood & Co. Viele Aufträge und neue Erkenntnisse konnten Anthony Lockwood, George Cubbins und Lucy Carlyle sammeln. Durch ihren neuen Bekanntheitsgrad sind sie mittlerweile eine der angesagtesten Agenturen in London.

Das macht den drei schon ganz schön zu schaffen und trotzdem stürzen sie sich in jede Arbeit, die sich ihnen bietet. Manchmal kommen sie tagelange nicht richtig zum Schlafen, können aber irgendwie doch bei der Sache zu bleiben und die Aufträge bearbeiten.

Ich habe unheimlich viel Spaß beim Lesen gehabt, denn Lucy, George und Lockwood sind ein unschlagbares Team. Die drei haben sich aufeinander eingestellt, wissen, wie der andere handelt, vertrauen sich blind und können sich auch aufeinander verlassen. Zumindest, wenn es darum geht, Geister zu jagen oder Rätsel zu lösen.

Vor allem Lucy, die sich mit ihrer neuen Fähigkeit vertraut machen konnte, führt viele Fälle zum Erfolg. Dies freut alle sehr, nur Lucy fragt sich, warum ihre Fähigkeit gerade bei dem Geisterschädel versagt, der in einem Einmachglas bei ihnen zu Hause steht. Einmal konnte sie mit ihm reden, doch seit dem blieb er ruhig. Seine Worte gehen ihr nicht aus dem Kopf. George führt etliche Experimente mit dem Schädel durch, um ihn zum Sprechen zu bringen.

Im zweiten Teil der Reihe bekommt die Agentur nunmehr den Auftrag, ein Grab auf dem Friedhof zu versiegeln. Dies scheint eigentlich eine einfache Aufgabe, nur kommt es ungewollt zu kleinen Komplikationen, bei denen ein Artefakt in einem Eisensarg entdeckt wird. Ein Spiegel, der alle, die hineinblicken, in seinen Bann zieht. Dieses Artefakt ist nunmehr sehr begehrt. Und so kommt es, wie es kommen muss. Der von Lockwood, Lucy und George versiegelte Sarg wird aufgebrochen und der Spiegel gestohlen.

Natürlich ist dies noch nicht alles, denn der Besitzer des Spiegels ist der im Eisensarg liegende Edmund Bickerstaff, der durch Experimente im 19. Jahrhundert zur traurigen Berühmtheit gelang. Seine okkulten Vorhaben war alles andere als ehrenhaft und führten zu Tod und Verderben.

Klar ist nun, dass Lockwood & Co. sich dem Fall annehmen und dabei auf noch mehr Geheimnisse stoßen.

Die Geisterjagd mit den drei jugendlichen Agenten ist ein wahrer Spaß, wenn man mal den Ernst außer Acht lässt. Sarkasmus wird groß geschrieben und wenn andere (gegnerische) Agenten mit von der Partie sind, lassen gerade George und Lucy kein gutes Haar an ihnen aus. Dies führt zu etlichen Wort-Schlagabtauschen, bei denen ich mich fast kringelig gelacht habe. Denn gerade George, der körperlich eher ein Defizit sprich Übergewicht aufweist, ist es, der mit seinem Wissen punkten kann und sich deshalb so einiges "unschönes" für seine Konkurrenten einfallen lässt. Hoch anrechnen muss man ihm, dass er aber auch einstecken kann.

Lucy hat diesmal eine große Aufgabe, denn sie muss versuchen, den nunmehr im Hause der Agentur lebenden Geisterschädel zum Reden zu bringen. Und sich keine Gedanken über die eine Tür im Haus zu machen, die sie nicht öffnen darf. Beides schwer, denn für das eine hat sie keine Lust und die Neugier für die Tür ist übermächtig.

Lockwood dagegen bliebt undurchsichtig, wie auch im ersten Teil. Man bekommt nur spärliche Informationen über ihn und trotzdem hat er ein so charismatisch nettes Verhalten, dass man ihn einfach gern haben muss. Dies merkt übrigens auch Lucy und mehr als einmal gerät sie über ihn ins Schwärmen. Gut nur, dass sie sich auch zusammenreißen kann, wenn es gerade brenzlig wird.

Der Autor, der mich schon mit seinen Bartimäus-Romanen überzeugen konnte, hat mit Lockwood & Co. eine Agentur geschaffen, die mit Abenteuerlust, Witz und Charme so manche tolle Jagden veranstalten können und dabei einfach so bleiben, wie sie sind. Nett, charismatisch und intelligent. Einfach ein Trio, das man gerne haben muss.

Fazit:
Die Geisterjagd im modernen London kann ich nur mit der vollen Punktzahl bewerten.

Bewertung vom 15.01.2018
Vom Zorn geküsst / Diabolic Bd.1
Kincaid, S. J.

Vom Zorn geküsst / Diabolic Bd.1


sehr gut

Wir befinden uns im Weltraum, in einer weit entfernten Zukunft. Das Leben auf der Erde scheint schon lange nicht mehr möglich und so wurde das Gebiet erobert, dass unendlich erscheint. Im All gibt es einige Möglichkeiten und die Menschheit hat sich den Bedingungen dort recht gut angepasst.
Es hat sich sehr viel verändert, denn wenn man sich in der Nähe es Kaisers aufhält, lebt man in Saus und Braus. Man "modifiziert" sich, verändert sein Aussehen. Gefällt einem die Nase nicht, lässt man sich in kürzester Zeit richten. Die Hautfarbe ist zu hell? Dann wird man kurzerhand dunkler. Die Augen sind zu grün, ein Knopfdruck und sie sind blau. Gerade so, wie es die Mode gerade vorschreibt.
Und so kann man aus einem Kraftpaket wie Nemesis innerhalb kürzester Zeit eine junge, stattliche Dame machen. Und da im Zeitalter der Avatare und anonymen Übertragung von Daten nur sehr wenige wissen, wie den zu Nachfolgerin im Hause Imperyan aussieht, ist es kein Problem, eine Diabolic an ihrer Stelle zu schicken.

Der Saus und Braus, der im Reich der Kaisers vorrangig alles bestimmt, lässt die Menschen sehr oberflächlich werden. Durch die Veränderungen am Körper sehen alle gleich aus und die Unmenschlichkeit nimmt Oberhand. Für alles werden "Menschen" entsprechend gezüchtet. Servitoren übernehmen Kellnerarbeiten und werden wir Vieh behandelt. Exalte sind für Wettkämpfe "geboren" und Diabolics sind dazu da, dass man einen Bodyguard ohne Gefühle an seiner Seite hat.
Drogen stehen an der Tagesordnung, und das dazu passende Gegengift ist auch gleich griffbereit, falls man es übertreibt.

Nebenbei wird noch regiert. Der Kaiser steht jedoch unter der Fuchtel seiner Mutter und als Nachkommen hat er nur seinen verrückten Neffen Tyrus. Kein gutes Standbein.

Alles scheint wirr, wenn man anfängt, das Buch zu lesen. Die Rangordnung, die Gepflogenheiten und Sitten, der tägliche Ablauf und die ständige Angst der Untertanen, alles wirkt zwar durchdacht, doch hat man Mühe, es zu verstehen und vor allem die Personen herauszufiltern, die am wichtigsten erscheinen. Bis man alles so versteht, wie es ist, dauert es schon einige Zeit, denn mit großen Erklärungen hält sich die Autorin nicht auf.

Schnell merkt man jedoch, dass die Diktatur, die herrscht, alle nach der Pfeife des Kaisers bzw. dessen Mutter tanzen lässt. Fällt man aus dem Rahmen, stirbt man oder es wird auch schon mal die ganze Sippe ausgelöscht.
Nemesis merkt bald, dass einiges falsch läuft, doch gibt sie ihr wahres Ich nicht preis, sondern tut alles zum Wohle für Sidonia von Imperyan. Sie spielt die Rolle der unterwürfigen Untertanin, gerät dabei aber trotzdem ins Visier von Tyrus, dem Neffen des Kaisers. Der Geisteszustand des Neffen ist sehr fraglich und trotzdem lernt Nemesis den Mann näher kennen. Und ihre Zweifel werden noch größer, je mehr sie sich mit Tyrus abgibt.

Der Schreibstil ist sehr fesselnd und erzählt die Geschichte in Ich-Form aus Sicht von Nemesis. Da diese Gefühle nicht oder nur in geringem Maße kennt bzw. nicht zulässt, wirkt alles sehr nüchtern, immer aus dem Blickwinkel betrachtet, ob Gefahren drohen und Abhilfe geleistet werden muss. Nur wenn es um Sidonia geht, kommt eine andere Nemesis zum Vorschein.

Das von der Autorin erschaffene Leben im Weltraum ist hart, unbarmherzig und voller Gefahren. Aber nicht der Weltraum ist es, der die Leute fordert. Die Diktatur des Kaisers, die unmenschlichen Bedingungen und das Streben nach Macht. Dies führt zu Angst und Gewalt.

Die genetischen Züchtungen und Modifikationen führen zu Anonymität. Keiner zeigt mehr sein wahres Gesicht, der Tag besteht aus Lug und Trug.

Einige erheben sich, doch der Widerstand wird im Keim erstickt. Alles ist geregelt und vorgegeben.

Dieses Zukunftsszenario ist sehr düster und birgt kaum Hoffnung. Deswegen finde ich die Idee, eine "Kreatur", die eigentlich nicht zu Gefühlen fähig ist, gerade die Hoffnungsträgerin sein zu lassen.

Fazit:
Spannend und düster.

Bewertung vom 06.01.2018
Das große Spiel / Sherlock Bd.3
Jay.;Moffat, Steven;Gatiss, Mark

Das große Spiel / Sherlock Bd.3


gut

Sherlock Holmes ist zu Tode gelangweilt. Kein Fall kann ihn herausfordern oder gar reizen. So stößt er sogar seinen Bruder Mycroft vor den Kopf und lässt diesen mit einem Auftrag hängen. Dr. John Watson dagegen versucht zu vermitteln und prompt ist er plötzlich in zwei Dinge involviert. Mycroft nicht zu enttäuschen und Sherlock bei einem Fall zu helfen, der ihn endlich vor die Herausforderung stellt, die er sich wünscht. Denn es geht persönlich um ihm. Sherlock muss fünf Fälle lösen mit nur einem kleinen Hinweis. Die Leben, die er dadurch retten kann, würden ihm selbst zu einem guten Gefühl verhelfen. Doch Sherlock wäre nicht Sherlock, wenn er mit Gefühlen etwas anfangen könnte. Und so stößt er diesmal jede Menge Leute vor den Kopf. Die Genialität, die er dabei aber an den Tag legt, verschafft ihm wieder einen Höllenrespekt.

Der dritte Teil der Fernsehserie liegt nun auch in Manga-Format vor und wieder konnte ich mich einer ungewöhnlichen Lektüre widmen. Von hinten nach vorne gelesen und dann auch noch von rechts nach links. Sehr gewöhnungsbedürftig und diesmal für mich bis Ende des Buches auch wirklich schwer umzusetzen.

Trotzdem hat es mir wieder Spaß gemacht, zusammen mit Sherlock Holmes und Dr. John Watson einen neuen Fall zu lösen. Diesmal sogar fünf Stück hintereinander, denn Sherlock wird zu einer Art Spiel herausgefordert. Er bekommt einen gewissen Zeitkorridor, in dem er den Fall lösen muss, ansonsten stirbt eine Person. Kleine Hinweise sind für Sherlock ja kein Problem. Aus einem Staubkorn kann er ja die Zukunft lesen. Doch diesmal ist es wirklich ganz verzwickt.

Die Logik, mit der Sherlock an den Fall geht, ist mir diesmal nicht so sehr nachvollziehbar, was aber auch daran liegt, dass Sherlock auf ältere Fälle zurückgreifen muss, so dass es für den Leser gar nicht ersichtlich ist, wieso eigentlich alles so passiert, wie es gerade passiert. Watson ist ebenfalls ratlos, kann wie immer nur in medizinischen Fragen als Ratgeber fungieren.

Sehr gut gefallen hat mir Watson diesmal. Er ist schier vorm Ausrasten, kann sich aber dann doch immer noch so weit beherrschen, dass er Sherlock nicht einfach am Kragen packt und schüttelt. Erst gegen Ende des Bandes merkt man ihm deutlich an, dass er anfängt zu resignieren und Sherlock einfach so nimmt, wie er ist.

Sherlocks Empathie ist grandios. Er sagt, was er denkt, er denkt, was er sagt und stößt dabei sämtliche Charaktere vor den Kopf. Doch am Ende des Buches kommt ein neuer Sherlock zu Tage, ein Sherlock, der auch weiß, was es heißt, Freundschaften zu pflegen und mal Neue gerade sein zu lassen.

Denn es tritt ein Gegner auf den Plan, ein Erzfeind, den viele aus den Büchern von Arthur Conan Doyle zur Genüge kennen. Endlich weiß Sherlock, wer hinter allem steckt und kann sich nun dem widmen, was er die ganze Zeit schon will.

Die Zeichnungen sind diesmal in meinen Augen nicht so wie in den ersten beiden Bänden. Gerade Sherlock wirkt auf mich abgemagert und kantig. Sein Äußeres ist manchmal nicht mehr mit dem Schauspieler Benedict Cumberbatch zu vergleichen. Bei Watson und einem Polizisten hatte ich sehr Mühe, die beiden auseinanderzuhalten, da sie doch sehr ähnlich gezeichnet waren. Auch andere Protagonisten hatten Ähnlichkeit mit Watson. Manchmal musste ich Seiten mehrmals lesen, um den Sinn zu verstehen.

Leider hat dies dann auch nochmals den Lesefluss gestört und ich habe einige Zeit mehr gebraucht, als für die ersten beiden Manga.

Die Story an sich war zwar packend, konnte mich aber nicht so arg mitreißen. Dies war aber in der Fernsehserie schon so. Erst der Schluss war spannend und hat so einigen Aufschluss gebracht und auch ein Versprechen abgeliefert, dass es ab jetzt so richtig abgeht. Denn nun hat Sherlock eine Lebensaufgabe: seinen Erzfeind besiegen.

Fazit:
Nicht so gut wie die ersten beiden Teile.

Bewertung vom 06.01.2018
Über den wilden Fluss / His dark materials Bd.0
Pullman, Philip

Über den wilden Fluss / His dark materials Bd.0


ausgezeichnet

Mit "Der goldene Kompass" hat Philip Pullman eine so besondere Welt geschaffen, die parallel an unsere angegliedert ist. Ein Dæmon ist jedem Menschen zugewiesen, der in Tiergestalt als Seelenverwandter fungiert. Ein Mensch und sein Dæmon sind so sehr miteinander verbunden, dass eine Trennung zu körperlichen sowie seelischen Schmerzen führt.

Malcolm ist elf Jahre alt. Er ist ein aufmerksamer Junge, der sich für wissenschaftliche Themen genauso interessiert, wie für Nautik oder den Ablauf in einem Kloster. Er saugt Informationen in sich auf und lernt sehr schnell. Sein Dæmon Asta und er fahren am liebsten auf einem Kanu über den Fluss. Bei seiner Arbeit in der Gaststätte seiner Eltern bekommt Malcolm so einiges mit.
Außerdem ist er sehr hilfsbereit. Gerade im angrenzenden Kloster ist er ein gern gesehener Gast. Er unterhält sich gerne mit den dort lebenden Nonnen, hilft in der Küche oder bei Ausbesserungsarbeiten.
Als dort ein Baby auftaucht, ist Malcolm natürlich neugierig und möchte wissen, warum das Kind da ist. Doch er bekommt nur fadenscheinige Antworten.
Beim Bedienen dreier Gäste wird er von diesen ausgefragt. Und seine Neugier steigt weiter. Wer ist das Baby namens Lyra? Warum wurde sie gerade in das Kloster gebracht? Wer sind die Eltern? Und was ist so besonderes an ihr, dass jeder Interesse zeigt?

Und ab da beginnt ein Abenteuer, dass sich Malcolm so nie hat vorstellen können. Der Autor hat es aber geschafft, sich nicht zu sehr in der Parallelwelt zu verlieren. Dinge, die in der Trilogie "Der goldene Kompass" erklärt wurden, werden hier nochmals erklärt, so dass es nicht zwingend erforderlich ist, erst die Trilogie und dann das Prequel zu lesen. Denn "Über den wilden Fluss" spielt zeitlich vor "Der goldene Kompass" und erzählt die Vorgeschichte von Lyra.
Malcolm ist mir unheimlich sympathisch, da er mit seinem Wissensdurst und dem angeborenen Talent des Zuhören gesegnet ist. Dadurch saugt er so unheimlich viel in sich auf und wirkt mit seinen 11 Jahren schon derart erwachsen, dass man ihn zeitweise gar nicht mehr als Kind wahrnimmt. Er übernimmt eigenständig Verantwortung, ist hilfsbereit, nett und zuvorkommend. Doch bei der Flut kommt manchmal sein "kindliches" Wesen zum Vorschein und man merkt, wie dringend er einen Erwachsenen benötigt, der ihm hilft. In Alice, die ihm dabei hilft, Lyra zu ihrem Vater zu bringen, findet er eine Freundin, die ihn mit ihrer manchmal sehr schroffen Art auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Die Vorgeschichte schlägt eine Brücke zu der anschließenden Trilogie, die die Bände "Der goldene Kompass", "Das magische Messer" und "Das Bernstein-Teleskop" umfasst.

Mit einem sehr jugendlich wirkenden Schreibstil, erzählt der 1946 geborene Autor die Geschichte von Malcolm und Alice und schafft es, in einer Geschichte mit wenig Handlung trotzdem Spannung und Abenteuer einfließen zu lassen. Und so begleiten wir Malcolm und Alice auf ihrem Weg über den wilden Fluss, der viele Gefahren bereit hält, aber auch Gutes.

Einige Informationen bekommt man "zugeschmissen", die sich dann im Laufe der Geschichte aneinander reihen. Es geht nämlich nicht nur um Malcolm und Alice, sondern auch im die geheime Oakley Street, eine Organisation, die sich dem Guten gewidmet hat. Sie hüten die sog. Alethiometer, ein Gerät, dass die Wahrheit anzeigen kann. Diese Geräte werden sporadisch eingesetzt und stehen auch nicht so richtig im Mittelpunkt der Geschichte. Trotzdem sind sie wichtig für die spätere Handlung.

Und so wird man langsam, aber stetig auf die angrenzende Trilogie vorbereitet. Da ich diese schon vor Jahren gelesen habe, werde ich mir die Trilogie als ReRead für 2018 vornehmen und freue mich schon richtig auf ein Wiederlesen mit Lyra und ihrem Dæmon Pantalaimon.

Fazit:
"Über den wilden Fluss" ist eine mitreißende Geschichte über den Jungen Malcolm, dessen Herz mehr für andere schlägt.

Bewertung vom 06.01.2018
Der Weihnachtosaurus / Weihnachtosaurus Bd.1
Fletcher, Tom

Der Weihnachtosaurus / Weihnachtosaurus Bd.1


ausgezeichnet

William ist ein wahrer Dinosaurier-Fan. Es liegt also nichts ferner, als dass er sich zu Weihnachten einen echten Dinosaurier wünscht. Doch er weiß auch genau, dass ihm dieser Wunsch nie erfüllt werden kann, denn bekanntlich sind Dinosaurier ja ausgestorben. Aber wenn man fest genug an etwas glaubt, entsteht eine Magie, die alles möglich macht.

Wer hat sich nicht auch schon mal etwas gewünscht, das nicht in Erfüllung gehen kann?Und viele Kinder wünschen sich sicherlich mal einen Dinosaurier als besten Freund. Unmöglich ist dieser Wunsch zur erfüllen. Doch der Weihnachtsmann ist nicht umsonst der Weihnachtsmann - der Wunsch eines Kindes ist ihm Befehl und wenn er gerade einen Dinosaurier am Nordpol hat, warum verschenkt er ihn dann nicht.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn der Weihnachtsmann will ja nicht so einfach seinen liebsten Weihnachtosaurus verschenken. Und so bastelt er einen Dino für William. Nur blöd, dass der Weihnachtosaurus den gebastelten Dino sehr lieb hat und ihm ein letztes Mal auf Wiedersehen sagen will. Natürlich in Williams Zimmer, wo der Gebastelte in der Weihnachtsnacht vom Weihnachtsmann abgeladen wurde. Und wie verhält sich ein Dinosaurier im Kinderzimmer? Genau, wie der Elefant im Porzellanladen und es kommt, wie es kommen muss. William wacht auf, entdeckt den Weihnachtosaurus und ein großes Abenteuer beginnt. Viele Gefahren lauern an jeden Ecken und dann taucht auch noch der Jäger Huxley auf, der es auf die Rentiere des Weihnachtsmannes abgesehen hat... bis er den echten Weihnachtosaurus sieht und nur noch dessen Kopf im Kopf hat.

Rasant und abenteuerlich leitet uns der Autor durch die zauberhafte wie auch traurige Weihnachtsgeschichte. Denn unser Protagonist William hat es nicht leicht. Er ist mit einem großen Handicap gestraft, sein Vater scheint ein bisschen "tüddelig" und ist ein absoluter Weihnachtsnarr und in der Schule läuft es Dank der neuen Schülerin Brenda auch nicht gerade rosig. So hat William eines wohl am Nötigsten: einen Freund, der ihm beisteht, ihm hilft und ihm zeigt, was es heißt, Spaß am Leben zu haben. Der Weihnachtosaurus kommt da gerade richtig.

Das Schöne ist, dass wir nicht nur einem echten Dinosaurier begegnen, sondern auch dem Weihnachtsmann und anderen zauberhaften Gestalten, die in der Phantasie der Kinder eine wichtige Rolle spielen und für sie das Fest der Feste zu etwas Besonderem machen.

Der Autor zieht wirklich alle Register, lässt eine wunderschöne Weihnachtsnacht entstehen, die gespickt ist mit Abenteuer und der Suche nach etwas Neuem und Aufregendem. Und die Suche nach Glück, einem normalen Familienleben und Freundschaft.

Mit leichten Worten wird kindgerecht die Geschichte über William, den Weihnachtosaurus und die Suche nach einer Familie beschrieben. Doch so traurig die Geschichte beginnt, so wunderschön weihnachtlich endet sie und bringt einem in die richtige Stimmung. Doch nicht nur für Weihnachten ist das Buch geeignet. Man kann es das ganze Jahr über lesen, sich in der Geschichte verlieren und sich so auch immer wieder einen Stück des Zaubers der Weihnachtszeit zurückholen.

Und wer von der Geschichte noch nicht genug hat, bekommt am Ende des Buches auch noch eure Top-Ten-Liste der besten Dinge zu Weihnachten. Film, Musik und Essen sowie Aktivitäten des Autors werden vorgestellt. Und ein paar Rätsel gibt es auch noch. So kann man testen, ob man auch gut aufgepasst hat beim Lesen.

Aber nicht nur die Geschichte ist wunderbar gestaltet. Auch der Text ist "sehenswert"... denn es gibt immer wieder kleine und große Zeichnungen sowie hervorgehobene Schrift, um natürlich einen Effekt noch etwas "bildlicher" zu beschreiben. Die Zeichnungen sind ebenso liebevoll gehalten und unterstreichen somit nochmals die Geschichte und ist somit auch für Kinder geeignet, die noch nicht lesen können, da es ja was zu sehen gibt.

Fazit:
Der Weihnachtosaurus rettet Weihnachten, William und den Rest der Welt.