Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Meggie
Wohnort: 
Mertesheim
Über mich: 
Ich lese gerne! Und diese Leidenschaft möchte ich teilen! https://www.meggies-fussnoten.com
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 1206 Bewertungen
Bewertung vom 15.10.2017
Dark Wood
Finn, Thomas

Dark Wood


ausgezeichnet

Die Fernsehshow "Survive" macht Furore. Firmen, die vor der Pleite stehen, haben die Chance 500.000 Euro zu gewinnen, wenn sie es schaffen, verschiedene Aufgaben zu "überleben". Auch Dagmars Firma nimmt an der Show teil. Zusammen mit ihren Arbeitskollegen Katja, Lars, Bernd, Sören und Gunnar wird sie nach Norwegen geschickt. Die perfekte Kulisse für die Show. Doch dort angekommen merken alle bald, dass noch etwas anderes in den Wäldern Norwegens lauert. Etwas altes und grausames. Doch die Show muss weitergehen. Bis Gunnar angegriffen wird und das TV-Team spurlos verschwindet. Der Kampf ums Überleben beginnt.

Thomas Finn ist nun ein Name, den ich mir merken muss. Denn mit "Dark Wood" hat er mich positiv überraschen können. Dies lag an dem schönen Setting Norwegen, an dem packenden Schreibstil, der spannenden Story und dem Umstand, dass er es geschafft hat, dass ich den Namen Dagmar ab sofort mit anderen Augen sehe.

Ich muss zugeben, dass die Handlung an sich schon sehr komplex ist. Es ist nämlich nicht nur die Bedrohung aus den Wäldern Norwegens, die die Arbeitskollegen vor Probleme stellt, sondern auch der Umstand, dass es innerhalb des Teams auch einen Erpresser und Verräter gibt. Man kann keinem trauen, denn jeder hat etwas zu verbergen.
Das Vertrauen hält sich in Grenzen und so ist es für alle schwierig, zusammenzuarbeiten und sich der Gefahr zu stellen.

Zu Anfang lernt man natürlich alle oberflächlich kennen. Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Details ans Licht, die dazu führen, die Unruhe zu schüren und den Hass zu streuen.
Dazu kommt die unbekannte Bedrohung aus den Wäldern. Ein Wesen, dass mordet und sich an seinen Opfern labt. Und dessen Biss ansteckend ist.

Der grausame Kampf ums Überleben fordert seine Opfer und bringt bei allen auch ihr wahres Gesicht zum Vorschein.

Und doch kann ich fast allen Protagonisten auch ein gewisses Quäntchen Sympathie abgewinnen.
Jeder Teilnehmer hat seine Probleme und möchte nicht, dass diese an die Öffentlichkeit gelangen und doch gibt es Momente, da muss die Wahrheit ans Licht, um das größt Mögliche erreichen zu können.
Dieses Enthüllen von spannenden Details führt dazu, dass man mitfiebert und so seine ganz eigenen Favoriten aus der Gruppe filtert und für andere wiederum tiefen Hass entwickelt, obwohl sie am Anfang eigentlich ganz nett wirkten.

Dieser gut gelungene Mix aus Horror, Thriller und mysteriösem hat mir sehr gut gefallen und führte nun auch dazu, das sich mir noch weitere Bücher des Autors zulegen werde.

Sehr gut gefallen haben mir die "Zickereien" innerhalb der Gruppe. Jeder hat etwas zu verbergen, doch jeder weiß etwas über den anderen und hält dies in der Hinterhand, um den richtigen Moment abzupassen und die Bombe platzen zu lassen.

Zeitweise erinnerte mich das Konzept an eine verschärfte Version des "Dschungelcamps" gepaart mit "Big Brother". Für Geld macht man sich zum Hampelmann vor laufenden Kameras.
Für mich auch unglaubwürdig war die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich für ihre Firma so derart einzusetzen, obwohl gar keine Teamfähigkeit besteht und auch die meisten Mitarbeiter gar nicht so richtig Sympathie für ihre Firma entwickelt haben.
Auch dass von Seiten der TV-Firma keine Hilfe geschickt wurde, obwohl die Verbindung zum Camp vollständig abgebrochen war, fand ich nicht so gut gelöst.
Diese kleinen Logik-Fehler kann man jedoch verschmerzen und werden durch die spannende Story mehr als wett gemacht.

Fazit:
Spannung pur.

Bewertung vom 15.10.2017
Arena
Jennings, Holly

Arena


ausgezeichnet

In einer nahen Zukunft bestimmen Computerspiele das Leben. Virtual Reality ist in aller Munde. Und es gibt Menschen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Fangemeinschaft ist groß und die Popularität rast steil nach oben.
Kali Ling ist eine Kriegerin. Zusammen mit ihrem Team "Defiance" kämpft sie regelmäßig in Arenen um den Sieg. Und manchmal stirbt sie. Das ist ihr zwar schon oft passiert, doch sobald sie zurück in der Realität ist, kann alles von vorne beginnen.
Kali treibt auf einer Welle des Erfolges und lässt sich mitreißen. Alkohol, Drogen und die Sucht nach der Virtual Reality bestimmen ihr Leben. Jäh wird sie jedoch daran erinnert, was es heißt, in der Realität dem Tod zu begegnen, als ihr Teammitglied Nathan an einer Überdosis Drogen stirbt - und droht, in Vergessenheit zu geraten.

Das Buch ist rasant - wie ein virtuelles Autorennen. Es gibt ein Auf und Ab, man fährt Achterbahn, zumindest bis zur Hälfte des Buches.
Ab da wird es ruhiger, überschaubarer, aber nicht weniger interessant.

Das Zukunftsszenario erinnert an dem Film "Tron", von dem sich die Autorin auch hat inspirieren lassen.

In einer Kapsel liegend und mit Kabeln mit einem Computer verbunden, taucht man ab in eine virtuelle Realität, die so echt wirkt, dass man auch alles um sicher herum spürt. Sonnenstrahlen, das weiche Gras oder die staubige Erde. Auch Gerüche und Laute wirken echt.

Kali Ling ist knapp 20 Jahre alt und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Dies macht sie unvorsichtig. Beim Vorentscheidung zum großen Turnier werden sie und ihr Team von den Newcomern InvictUs gnadenlos fertig gemacht und getötet. Nun müssen sie in der Verlierergruppe antreten. Ihre Chancen sind gering. Um damit fertig zu werden, stürzt sich das Team in Alkohol, Drogen und Party.
Was Nathan, einem Teammitglied, zum Verhängnis wird. Er stirbt an einer Überdosis Heroin.

Kali stürzt dies in eine schwere Krise. Das Team ist am Ende, obwohl sie als Favoriten gehandelt wurden. Und zu allem Überfluss scheint es auch keinen groß zu interessieren, das Nathan gestorben ist.
Schnell muss für Ersatz gesorgt werden. Rooke taucht auf. Verschwiegen und anscheinend auch nicht teamfähig, er bringt alles durcheinander. Bis Kali merkt, dass mehr hinter allem steckt und Ruhm nicht alles sein kann.

Die Protagonisten sind mir alle von Anfang an sehr sympathisch gewesen. Vor allem Kali und Rooke, die beide gegen das System rebellieren, haben es mir besonders angetan.
Kali ist eine junge Frau, die in der Virtual Reality eigentlich besser zurecht kommt, als in der Realität. Die Rolle, die sie als Kriegerin spielt, passt besser zu ihr. Eigentlich hat sie sich nur selbst noch nicht gefunden. Ihr Platz im Leben ist zwar der Richtige, doch sind es falsche Umstände, die dazu führen, dass sie sich nicht wohlfühlen. Rooke dagegen weiß, woran es liegt und versucht, sie auf den richtigen Weg zu führen.

Der Schreibstil der Autorin ist durchweg fesselnd, so dass ich nach langer Zeit mal wieder ein Buch hatte, dass ich an einem Tag verschlungen habe.
Spannend und packend zugleich, realitätsnah und doch in einer weit entfernten Zukunft. Trotzdem lässt sich vieles auf die Gegenwart übertragen. Der Druck, der auf vielen lastet, führt gerade bei Jugendlichen oft zu überstürzten und unüberlegten Handlungen, so dass es schwer ist, wieder in die richtige Bahn zu gelangen.
Es ist wichtig, Freunde und Familie zu haben, die einem in so schwierigen Lebensphasen zur Seite stehen und eine helfende Hand bieten.

Das Zukunftsszenario, welches die Autorin hier gezeichnet hat, ist sehr gut vorstellbar und nicht abwegig, so rasant, wie unsere Fortschritte sind. Eine virtuelle Realität ohne Brille zu erleben, kann ich mir sehr gut vorstellen.
Umso realistischer macht dies die Zukunft und die damit verbundene Story der Autorin.

Fazit:
Eine sehr realitätsnahe Dystopie mit vielen gegenwärtigen Elementen.

Bewertung vom 15.10.2017
Deine letzte Nachricht. Für immer.
Trunko, Emily

Deine letzte Nachricht. Für immer.


ausgezeichnet

Abschiede sind nicht schön. Vor allem, wenn man im Streit auseinandergeht oder der Tod seine Hände im Spiel hat.
Emily Trunko ist Bloggerin. Eines Tages hatte sie die Idee, Nachrichten von Menschen zu sammeln. Aber nicht irgendwelche Nachrichten, sondern die letzten Nachrichten. Nachrichten, die verschiedene Aussagen beinhalten. Traurige, böse, schlimme, nachdenkliche, freudige, hoffnungsvolle.
Auf ihrem Tumblr-Blog The Last Message Received veröffentlichte sie diese Nachrichten. Und nun liegen ausgewählte Nachrichten nun in Buchform vor, wunderschön illustriert von Zoë Ingram.

Viele Nachrichten handeln von der immer beliebteren Art, per WhatsApp, SMS oder eMail Schluss zu machen. Aber nicht auf die so einfache Art " Es ist aus", nein, es geht tiefer, wird hasserfüllt oder auch sentimental. Man ist anderweitig verliebt oder hat einfach die Schnauze voll davon, sich weiter ausnutzen zu lassen.

Aber auch Freundschaften werden beendet, weil man merkt, dass man hintergangen wurde, man einfach mit den Falschen befreundet ist oder selbst jemanden hintergeht.

Viele Nachrichten treiben einem Tränen in die Augen, denn sie handeln gar nicht von einem geplanten Abschied. Es sind zusammenhanglose Nachrichten, die aber trotzdem die letzten sind, weil danach ein Unglück geschehen ist.
Ein Unfall, eine tückische Krankheit oder gar Mord. Das Leben, das unerwartet zuschlägt.

Die Sammlung ist unendlich traurig, zeigt sie doch, wie vergänglich alles ist. Und wie schnell man aus dem Leben gerissen werden kann. Aber auch, wie grausam viele sein können, wenn es darum geht, ihr Ego durchzusetzen. Es werden Leben zerstört.

Dann gibt es aber auch wieder das Gegenteil. Die Hoffnung, die bei solch letzten Nachrichten entsteht. Viele schöpfen daraus Kraft, sich ein neues Leben aufzubauen. Einen neuen Start zu wagen.

Die zu jeder Nachricht passende Zeichnung unterstreicht nochmals die Aussage, die hinter allem steckt. Es verstärkt das Gefühl der Trauer oder der Freude.

Emily Trunko hat ein weiteres Buch herausgebracht, in welchem es um nie abgeschickte Briefe geht. "Ich wollte nur, dass Du noch weißt..." werde ich mir ebenfalls noch zulegen, damit sich hier auch garantiert wieder dieses bittersüße Gefühl einstellt, dass man beim Lesen solcher Bücher hat.

Fazit:
Es bleibt zu hoffen, dass einem solche Nachrichten nie erreichen werden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.10.2017
Die große Sherlock-Holmes-Edition
Doyle, Arthur Conan

Die große Sherlock-Holmes-Edition


ausgezeichnet

Arthur Conan Doyle hat eine unsterbliche Figur geschaffen. Zumindest in literarischem Sinne. Viele Geschichten sind uns bekannt. Und durch die TV-Serie hat er nochmals an Popularität und Beliebtheit zugelegt: Sherlock Holmes, der Meisterdetektiv aus der Baker Street 221b.

Mit der großen Sherlock-Holmes-Edtion liegt nun Sammelwerk vor, welches grandios gelesen von Oliver Kalkofe, für kurzweilige Stunden sorgt.
"Ein Skandal in Böhmen" oder "Die fünf Orangenkerne" sind dabei nur zwei der vielen Fälle des Detekvis, welche er mit Hilfe seines Freundes Dr. Watson löst.

Bei vielen muss man gehörig um die Ecke denken, was Holmes natürlich gelingt. Ich wurde sehr oft eher in die Irre geführt, nur bei zwei oder drei Geschichten konnte ich gleich von Anfang an das Rätsel lösen.

Die Geschichten werden aus Sicht von Dr. Watson erzählt, der eher als unbeteiligter Zuschauer eine Rolle spielt. Zwar wird er von Holmes immer zu Rate gezogen, doch kann er meist nur im ärztlichen Bereich helfen. Ansonsten versucht Watson nur, Holmes Gedankengängen zu folgen. Die Hauptarbeit liegt aber bei Sherlock Holmes.

Und so ist jeder einzelne Fall hochinteressant, total wirr und immer wieder überraschend gut. Oliver Kalkofe setzt die gelesenen Fälle sehr gut um, verleiht jedem Charakter eine eigene Stimmlage und sogar die weiblichen Rollen wirken nicht gekünstelt oder übertrieben.
Beim Hören hatte ich immer wieder die Schauspieler aus der TV-Serie vor Augen, obwohl ja die Geschichten im 19. Jahrhundert spielen. Und trotzdem konnte ich mir gewisse Charakterzüge sehr gut vorstellen.

Die Länge der einzelnen Fälle ist gerade perfekt dazu, Spannung aufzubauen und dann die große Auflösung zu starten.
Dabei sollte man wirklich auf jedes noch so kleine Detail achten. Zwar hat man ja Holmes für die Auflösung, aber das Miträtseln macht großen Spaß (zumindest, wenn man die Geschichten zum ersten Mal hört).

Meist konnte ich allerdings nicht selbst auf des Rätsels Lösung kommen. Dann lehnte ich mich zurück und wartete gespannt auf die Auflösung, die ebenso logisch wie brillant war.

Fazit:
Ein toller Hörgenuss.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.10.2017
Das Fundament der Ewigkeit / Kingsbridge Bd.3  (Restauflage)
Follett, Ken

Das Fundament der Ewigkeit / Kingsbridge Bd.3 (Restauflage)


ausgezeichnet

Wie in jedem großen historischen Werk, dass sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, lernen wir natürlich viele, viele Namen kennen. Diese Mal sind es historische Persönlichkeiten wie Maria Stuart, Elizabeth Tudor und andere hochkarätige Adlige. Aber auch Bischöfe oder historisch belegte Personen, die das 16. Jahrhundert geprägt haben, kommen zu Wort.

Aber es sind ja die fiktiven Charaktere, die uns interessieren. In diesem Fall Ned Willard, Margery Fitzgerald, Sylvie Palot und Pierre Aumande. Sie sind die Träger der Geschichte und sorgen dafür, dass uns nicht langweilig wird.

Interessanterweise erwartet uns diesmal keine große Schlacht um die Kathedrale von Kingsbridge. Diese thront nun seit langer Zeit schon über ihrer Stadt und ist Dreh- und Angelpunkt für verschiedene Situationen. Und doch steht sie nicht wirklich im Mittelpunkt. Denn wir begeben uns auch außerhalb von Kingsbridge, so z.B. nach Paris, Antwerpen oder London. Denn dort spielt sich Ungeheuerliches ab. Der Glaubens"krieg" zwischen Katholiken und den Anhängern der neuen Religion, den Protestanten schwellt immer weiter vor sich hin, bis es zum Höhepunkt in der sog. Bartholomäusnacht kommt.

Kingsbridge ist diesmal "nur" Wohnort von Ned und Margery, bis sich Ned in den Dienst von Königin Elizabeth begibt und damit nach London zieht.
Was in Band 1 und 2 noch so eine große Faszination ausstrahlt (der Bau der Kathedrale, die Ausweitung der Stadt Kingsbridge) rückt hier in den Hintergrund. Kingsbridge hat sich etabliert und ist anerkannt. So geht es nun darum, sich auch außerhalb der Stadtmauern einen größeren Namen zu machen.
Die Bewohner schwärmen aus und suchen ihr Glück in der Ferne. Die Karriere findet nun in größeren Metropolen statt.

Auch wenn mich der Umstand, dass Kingsbridge nicht mehr im Mittelpunkt steht, schon etwas traurig gestimmt hat, ist es dem Autor trotzdem gelungen, einen spannenden historischen Roman zu verfassen, der uns über Jahrzehnte hinweg die religiöse Entwicklung Europas sowie der Kampf gegen den angeblich falschen Glauben aufzeigt.

Die historischen Begebenheiten werden geschickt mit fiktiven Geschehnissen gefüllt, so dass sich ein die halber Welt umfassender Roman ergibt. Wir starten im beschaulichen Kingsbridge, befinden uns jedoch bald in London und Paris. Das Besegeln der Weltmeere wird uns ebenso vertraut, wie der Handel der Kaufleute in Antwerpen oder Amsterdam. Buchschmuggel und geheime Messen werden durchgeführt und das Schmieden der Komplotte gegen den Hochadel geht uns ins Blut über. Der Scheiterhaufen hört nicht auf zu rauchen und hinter jeder Ecke lauert eine neue Verschwörung. Man weiß nie, was als nächstes kommt.

Die Intrigen, Rachefeldzüge und politisch geführten Schachzüge führten damals zu vielen Möglichkeiten. Es wäre ja furchtbar langweilig geworden ohne diese Machtspiele.

Und wenn Autoren es schaffen, dies auch noch richtig interessant zu verpacken und aufzuschreiben, freut sich das Leserherz. Und den Autor freut es, wenn sich seine Leser freuen.
Dabei noch als Nebeneffekt etwas über englische und französische Geschichte zu lernen, ist für mich persönlich auch von Vorteil.

Die Charaktere sind wieder sehr gut ausgearbeitet. Sie haben Tiefe, machen ihre Fehler, lernen jedoch auch daraus. Sogar die Gegenspieler sind sehr gut gelungen.

Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und spannend. Einzig mit machen doppelten Namen (viele Henris, Charles usw.) haben mich durcheinander gebracht. Doch hier bekommt man Hilfe durch ein Glossar am Anfang sowie am Ende des Buches.

Es wird Bezug genommen auf die ersten Bände „Die Säulen der Erde“ sowie „Die Tore der Welt“. Durch kleine Rückblenden bekommt man kleine Inhaltsangaben, allerdings ist für den dritten Band keine Vorkenntnis nötig. Ich muss jedoch erwähnen, dass auch die ersten Bände einfach nur lesenswert sind.

Bewertung vom 01.10.2017
Das mordsmäßig merkwürdige Verschwinden der Lily Cooper
Holler, Renée

Das mordsmäßig merkwürdige Verschwinden der Lily Cooper


gut

Wenn man denkt, hier erwarte einem ein lustiges Buch für Kinder und Jugendliche, dem muss ich von vornherein sagen, dass die Botschaft in dem Buch mal so gar nicht lustig ist. Der Titel ist da in meinem Augen etwas irreführend.
Schon allein der Grund, warum Selina nach London zieht, ist sehr traurig. Ihre Mutter hat keine Zeit für sie und schickt sie deshalb zu Tante und Onkel. Dort angekommen, wird sie einfach am Flughafen vergessen und muss auf eigene Faust zu dem Haus ihrer Verwandten kommen. Zum Glück begegnet sie einer netten Bibliothekarin. Aber Selina hätte auch sonst wem in die Arme laufen können.

Dort angekommen, muss Selina erfahren, dass ihre Cousine verschwunden ist. Wahrscheinlich entführt. Während die Tante in großen Kummer verfällt, schmeißt sich der Onkel in seine Arbeit und kümmert sich nur selten um Selina.

Selina ist also somit auf sich alleine gestellt, wird dann zu allem Übel noch an die Nachbarn abgeschoben und weiß so gar nicht, wo ihr der Kopf steht.

Dann - als sie Eric kennenlernt - bekommt sie ein wenig Halt. Eine Freundschaft baut sich auf. Und ihr gemeinsames Ziel, Lily zu finden, schweißt sie zusammen. Eric und Selina fangen an, auf ihre sehr eigene Art zu recherchieren.

Erst nach ca. einem Drittel des Buches konnte ich mich damit abfinden, dass Selina selbst es gar nicht so schlimm findet, in welcher Situation sie sich befindet. Alleine in einer großen, wenn auch nicht ganz so fremden Stadt, ohne ihre Mutter, dafür mit einer verschwundenen Cousine, einer verzweifelten Tante und einem beschäftigten Onkel.
Sie meistert es recht gut, sich selbst zurechtzufinden und sich dann auch noch auf die Suche nach ihrer Cousine zu begeben.

Doch ist Selina meist sehr unvorsichtig, was dazu führt, dass sie in Situationen gerät, in denen sie haarscharf an einer Bestrafung vorbeischrammt.

In Eric findet sie einen guten Freund und als sich beide auf die Spuren von Lily begeben und dabei auf Hinweise stoßen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr fesselnd und einnehmend. Man fliegt durch die Geschichte, was aber auch dazu führt, dass einem keine Ruhepause gegönnt wird. Eric und Selina haben ständig etwas zu tun, kommen kaum zum Nachdenken. Dies führt dann dazu, dass sich Situationen ergeben, die gefährlich werden könnten. Doch immer wieder schafft es vor allem Selina, sich daraus zu retten und auch noch einen kleinen Nutzen daraus zu ziehen.

Mir kam es dann letztendlich so vor, als wäre alles irgendwie ein bisschen planlos und erst gegen Ende ergibt sich eine gerade Linie. Es wird strukturierter und sortierter.

Die Protagonisten wirken sehr sympathisch, zumindest was Selina, Eric, dessen Zwillingsschwestern und seine Mutter anbetrifft. Ebenso die Haushälterin von Onkel und Tante ist nett. Alle anderen sind mir jedoch sehr unsympathisch. Vor allem eben Onkel und Tante. Eben weil diese sich entweder in Arbeit verkriechen oder in ihrem Bett, um ja nichts mitzubekommen. Ich, als Mutter, hätte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um mein Kind wiederzufinden. Das Verhalten der beiden fand ich sehr bedenklich.

Es gab so einiges an der Geschichte, dass mir nicht gefallen hat. Ich habe aber am Ende nochmals versucht, alles durch die Augen eines Kindes bzw. eines Jugendlichen zu sehen. Das ernste Thema ist ungewöhnlich, und doch hat die Autorin es geschafft, die Geschichte für Kinder spannend zu verpacken. Als Erwachsener erwartet man natürlich mehr Rätsel, mehr Besonnenheit und mehr Nachdenken. Aber mit 13 Jahren kann man von niemandem erwarten, dass er einen Kriminalfall auflöst und dabei vorgeht wie Sherlock Holmes.

Letztendlich bin ich also doch sehr zufrieden mit der Geschichte und werde das Buch gerne an meinen Sohn weitergeben, in der Hoffnung, dass er am Ende genauso gut unterhalten wurde, wie ich.

Fazit:
Ernstes Thema mit gutem Ausgang.

Bewertung vom 27.09.2017
Blutrausch / Smash99 Bd.1 (eBook, ePUB)
Frank, J. S.

Blutrausch / Smash99 Bd.1 (eBook, ePUB)


weniger gut

"Blutrausch" ist der Auftakt zu einer Reihe, die im Serienformat präsentiert wird. Jede Folge ist aus Sicht einer anderen Person geschrieben und so ergibt sich nach und nach das große Puzzle. Bis jetzt sind fünf Folgen erschienen.

Wir befinden uns in Deutschland, schon ein ungewöhnliches Setting für einen "Zombie"-Angriff. Obwohl es sich bei Smashern nicht um die uns bekannten Zombies handelt. Denn wenn ein Smasher angreift, stirbt er auch kurze Zeit selbst an den Folgen des Toxins, dass in seinem Körper wütet.
Im ersten Teil lernen wir Hardy Stalmann kennen, einen Lehrer, der durch seine etwas depressive Art eh schon vielen ein Dorn im Auge ist. Als er aus unmittelbarer Nähe den Angriff eines Smashers mitansehen muss, rüttelt ihn dies dann doch etwas wach.
Und so begeben wir uns mit ihm auf einen ungewöhnlichen Weg. Denn Stalmann ist tablettenabhängig. Nach einem Verkehrsunfall hat er sich sehr an Morphium gewöhnt und braucht dies auch heute noch.
Trotz seiner Abhängigkeit möchte er den Drogen an seiner Schule den Kampf ansagen, ohne zu wissen, auf was genau er sich da überhaupt einlässt.

Gleichzeitig ist dann da noch die Bedrohung durch die Smasher. Keiner weiß, wie das Toxin an die wehrlosen Opfer verteilt wird. Evtl. durch Spritzen oder Nahrungsmittel. Aber die ständige Angst, als nächstes dran zu sein, sitzt jedem im Nacken.

In kurzer Zeit bekommt man viele Informationen geliefert, die nicht nur die aktuelle Lage in Deutschland beschreiben, sondern auch wie es überhaupt dazu gekommen ist. Aber auch die Geschichte Stalmanns muss erzählt werden. Indessen muss die Handlung vorangetrieben und Spannung aufgebaut werden.
Dies ist dem Autor in meinen Augen leider nur teilweise gelungen, da sich die erste Hälfte der knapp 120 Seiten wie eine Art Sachbuch liest, in welchem die politische, militärische und soziale Lage erklärt wird. Der trockene Ton, der dabei angeschlagen wird, gab mir eigentlich den Grund, abzubrechen, doch aufgrund der Kürze der Geschichte wollte ich nicht aufgeben, da mir die Grundidee an sich doch sehr gefallen hat.

Leider konnte ich aber auch zu den Protagonisten keinen Bezug aufbauen. Hardy Stalmann war mir von Anfang an nicht sympathisch. Seine fast schon passiv-depressive Art konnte mich nicht einnehmen. Auch wenn er eine bewegte Vergangenheit hat, konnte mich sein Handeln nicht überzeugen. Ebenso die Schülerin Lena, die zu Stalmann ein besonderes Verhältnis hat, war mir unsympathisch. Ihr aggressives Verhalten und die rotzfrechen Antworten hätte ich mir als Lehrer nicht gefallen lassen.
Auch die weiteren Charaktere - wenn sie denn eine größere Rolle spielten - konnten mich nicht packen, was der Geschichte leider weitere Minuspunkte einfährt.

Da ich irgendwie ahnte, wie es ausging, war ich am Ende auch nicht überrascht. So konnte sich für mich auch keine weitere Spannung aufbauen und die Lust an der Fortführung der Reihe wurde nicht geweckt.

Dabei lag es noch nicht mal am Schreibstil, der mir sogar sehr gut gefallen hat. Und auch die Idee an sich war reizvoll. Nur die Umsetzung war in meinen Augen nicht gelungen.

Fazit:
Leider kein gelungener Auftakt zu der Reihe "Smash99".

Bewertung vom 27.09.2017
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr / Zamonien Bd.7
Moers, Walter

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr / Zamonien Bd.7


sehr gut

Lange mussten wir auf ein neues Buch von Walter Moers warten. Und so wie ich die Stimmen zu seinem aktuellen Roman mittlerweile deute, sind viele nicht so begeistert von seinem neuesten Werk.
Ich muss zugeben, dass auch ich nach dem Lesen sehr zwiegespalten war und es mir auch jetzt sehr schwer fällt, diese Rezension zu schreiben, da ich meine Gefühle zu dem Buch nicht so recht zum Ausdruck bringen kann.

Am Anfang war ich sogar wirklich versucht, das Buch zur Seite zu legen und ihm zu späterer Zeit nochmals eine Chance zu geben. Doch irgendetwas in mir weigerte sich, dies zu tun und so hielt ich durch.

Zuerst möchte ich die Aufmachung des Buches ansprechen. Das Cover allein ist wunderschön anzusehen. Zu sehen ist der Nachtmahr Harvarius Opal in seinen schönsten Alptraumfarben. Wenn man sich das Buch von innen ansieht, dann finden sich dort wunderschöne Illustrationen der Zeichnerin Lydia Rode, die mit den Zamonien-Romanen und Walter Moers besonderes verbindet, was sich im Nachwort nachlesen lässt. Ich möchte dem nicht vorgreifen, aber es erklärt einiges über den etwas anderen Stil, der in der Geschichte eingeschlagen wird.

Wir gehen nämlich diesmal nicht auf Reise durch Zamonien, sondern durch das Gehirn von Prinzessin Dylia. Und dort treffen wir - auch aufgrund der seltenen Krankheit, die Dylia im Griff hat - auf allerlei Kurioses. Seien es Zwielichtzwerge, Irrschatten, Hirnschnecken und Grillos. Ständig gibt es Neues zu entdecken. Und ständig locken neue Gefahren Dylia und ihren alptraumfarbenen Gefährten tiefer in das Gehirn.

Die bunte Aufmachung - die Zeichnungen und manche Wörter sind in Pastellfarben gehalten - mutet etwas ungewohnt an. Doch auch hier gibt das Nachwort wieder Aufschluss.

Dylia ist eine sehr gewöhnungsbedürftige junge Frau. Sie ist neugierig, vorlaut und sagt, was sie denkt. Zu Anfang war sie mir noch sehr sympathisch, da sie ja auch aufgrund der Krankheit ein großes Handicap zu tragen hat. Doch je näher ich sie kennenlernte, umso mehr musste ich meine Meinung über sie revidieren.
Ihre teilweise wirren Gedanken haben mich manchmal in den Wahnsinn getrieben, doch bin ich nach Beendigung des Buches nicht mehr so sicher, ob diese Gedanken ihre eigenen waren oder ihr so von Havarius Opal eingepflanzt wurden.

Da die Geschichte jedoch einen ernsten Hintergrund hat, seht man am Ende die Geschichte dann doch mit etwas anderen Augen und überdenkt manche Situation nochmals neu.
Dies war bei mir auch so und so schlug die anfängliche Enttäuschung in Interesse um.
Eine Reise durch ein Gehirn stelle ich mir sehr schwer vor. Die Recherche, die nötige Kenntnis des Weges und vor allem alles so hinzubiegen, dass es auch noch eine Geschichte ergibt. Ein komplexes Organ ergibt dann auch eine komplexe Geschichte.

Walter Moers ist ein wahrer Wortspieler. Er jongliert so geschickt mit den einzelnen Buchstaben, dass sie daraus so manch wunderbarer Satz ergibt und letztendlich eine interessante Geschichte. Durch die Wortspielereien ergeben sich neue Kreationen und so werden aus Kopfschmerzen eben mal Schmopfkerzen und schon wird dem Wort der "böse" Kern genommen. Gerade dies zeigt aber auch, dass sich der Autor sehr, sehr viele Gedanken gemacht hat und auch mit viel Liebe zum Detail ans Werk ging.

Abschließend kann ich sagen, dass ich nicht ganz unzufrieden aus der Geschichte heraus ging. Zwar war es anders, als gedacht und auch weniger als erwartet, aber gerade durch die "Andersartigkeit" dann doch wieder gut.

Fazit:
Ein Buch, auf das man sich einlassen muss.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.