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Midnight-Girl
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NRW

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Insgesamt 853 Bewertungen
Bewertung vom 29.03.2016
Tränen aus Blut / Post Mortem Bd.1
Roderick, Mark

Tränen aus Blut / Post Mortem Bd.1


sehr gut

Obwohl Avram Kuyper mit seinem Bruder und dessen Familie seit einigen Jahren kaum Kontakt hat, ist er sofort alarmiert, als er eine Botschaft auf seinem Anrufbeantworter findet. Sein Bruder Goran bittet ihn, sich an denjenigen zu rächen, die sie getötet haben. Auch Interpol-Agentin Emilia Ness erhält eine kryptische Nachricht des Mannes, obwohl sie ihm noch nie begegnet ist. Avram und Emilia verfolgen dasselbe Ziel, allerdings jeder auf seine eigene Art und Weise, die nicht unbedingt mit der des anderen kompatibel ist...

Da man aus dem Klappentext bereits erfahren hatte was es mit den Hauptpersonen Emilia Ness und Avram Kuyper auf sich hat, erschienen die ersten 100 Seiten ziemlich langwierig, für einen Thriller gar zu unspektakulär, da hier hauptsächlich die Einführung der Figuren stattfand, das Vorantreiben der Handlung blieb unlängst auf der Strecke. Entsprechend hoffte man, dass das Tempo im weiteren Verlauf noch angezogen würde, damit auch die Spannung, die durchaus unterschwellig zu erahnen war, noch Raum finden würde sich zu entfalten.

Gut gelungen waren hingegen von Anfang an die Perspektivwechsel, so sprang man hin und her zwischen Emilias und Avrams Sicht, immer darauf lauernd, wann ihre Wege sich kreuzen würden, auch wenn Emilia mitunter ein wenig nerven konnte. Natürlich versucht man trotzdem herauszufinden was sich auf dem Kuyper-Hof zugetragen hat und warum Goran seinen Bruder bittet sich zu rächen. Es sind einige Szenarien denkbar, doch an die schreckliche Wahrheit, die sich nach und nach abzeichnet, wird das Erdachte wohl nicht herankommen.

Obwohl die Erzählung über weite Teile nach wie vor recht ruhig bleibt, verändert sich die Atmosphäre doch merklich, so dass auch endlich die gewünschte und lang ersehnte Sogwirkung eintritt. Man taucht immer tiefer ein in ein Dickicht aus Korruption und Macht, das man gar nicht so einfach zu entschlüsseln vermag. Wer hängt wirklich mit drin, wo befinden sich die Drahtzieher und was für ein morbides Spiel wird hier überhaupt gespielt? Fragen, bei denen man sich gar nicht so sicher ist, ob man die Antwort erfahren möchte.

„Tränen aus Blut“, der erste Teil der Post-Mortem-Reihe, endet mit einem lauten Knall und in einem fulminanten Finale, das allerdings deutlich macht, dass noch lange nicht Schluss ist. Auch ohne die Leseprobe zum zweiten Teil ahnte man bereits, dass das Netzwerk noch viel weitreichender ist und es noch einiges zu tun gibt – für Avram und Emilia.

Bewertung vom 29.03.2016
Die Spur des Teufels / Sherlock & Watson - Neues aus der Baker Street Bd.3 (1 Audio-CD)
Koppelmann, Viviane

Die Spur des Teufels / Sherlock & Watson - Neues aus der Baker Street Bd.3 (1 Audio-CD)


ausgezeichnet

Komarow bricht auf den Stufen der Baker Street 221b zusammen. Instinktiv und ohne irgendwelche Fragen zu stellen beginnt Watson mit Wiederbelebungsmaßnahmen, um den Überraschungsgast zu retten. Auf dem Weg ins Krankenhaus wird der Krankenwagen, in dem sich Watson mit dem Patienten befindet, entführt. Holmes erfährt, dass Komarow ein Dokument besitzt, an dem nicht nur diverse Geheimdienste ein hohes Interesse haben. Logisch, dass er beginnt seine eigenen Ermittlungen anzustellen, doch was er dabei entdeckt ist alles andere als beruhigend...

Der dritte Fall für Sherlock und Watson im modernen London, hat es von Anfang an in sich. Die Vorgeschichte, die zunächst nur der Hörer kennt, lässt bereits erahnen, dass der Consulting Detective eine wahre Herausforderung erwartet. Doch über das Ausmaß dessen, was sich hier abspielt, kann man nur mutmaßen, erst im weiteren Verlauf lassen sich dazu nähere Aussagen tätigen.

Beeindruckend ist erneut die enorm schnelle Auffassungsgabe Sherlock Holmes'. In der Zeit, in der er so manche Situation reflektiert und analysiert, hat man als Hörer nicht einmal begriffen wer sich überhaupt im Raum befindet. Natürlich ist diese Fähigkeit nicht nur eines seiner Markenzeichen, vielmehr macht es ihn für seine Gegner so gefährlich. Es scheint als wisse er schon um den nächsten Schritt, wenn sie selbst noch nicht daran denken.

In diesen Fall sind wahrlich viele Organisationen verstrickt, die im Grunde hauptsächlich im Geheimen operieren. Zunächst braucht man daher eine gewisse Zeit, um sich zurecht zu finden, zu verstehen wer zu wem gehört und was Komarow so wichtiges besitzt. Als klar wird, dass jede Gruppe hinter einem bestimmten Dokument her ist, malt man sich im Geiste bereits aus wie Sherlock es wohl schaffen wird die anderen auszutricksen. Oder hat er am Ende dieses Mal gar selbst das Nachsehen? Fakt ist, dass noch einige Überraschungsmomente darauf warten an die Oberfläche zu gelangen, ohne wäre es doch wahrlich zu langweilig. Auf Grund ebendieser Passagen kann man sich allerdings keineswegs ob des Ausgangs sicher sein, außer in der Hinsicht, dass es sicherlich anders kommt als man denkt...

Erneut überzeugen die Sprecher und bringen brillante Leistungen, die, in Verbindung mit dem ebenfalls großartigen Sounddesign, den Hörer mitten ins Geschehen katapultieren.

Bewertung vom 20.03.2016
Mein Herz wird dich finden
Kirby, Jessi

Mein Herz wird dich finden


sehr gut

Mia stürzt in ein tiefes Loch als ihre große Liebe Jacob bei einem Unfall ums Leben kommt. Jeglicher Bemühungen zum Trotz kann nicht einmal ihre Familie ihr dazu verhelfen neuen Lebensmut zu schöpfen. Als Mia nach weit über einem Jahr endlich das Haus verlässt, geschieht dies aus einem ganz anderen Grund als alle denken. Sie begegnet Noah, mehr oder minder zufällig, und beginnt eine Bindung zu ihm aufzubauen, die die Wahrheit verdient hat, doch mit jeder Sekunde, die verstreicht, wird es schwerer für Mia ehrlich zu sein...

Trauer ist ein gewaltiges Gefühl und ein unheimlich langwieriger Prozess, jeder wird dies auf die ein oder andere Weise bereits erlebt haben, so kann man recht gut nachvollziehen wie Mia sich fühlt. Da natürlich der Umgang mit Verlust bei jedem anders und somit individuell ist, verurteilt man Mia nicht ob ihres Verhaltens, wünscht sich aber natürlich, dass sie beginnt nach vorne zu schauen und versteht, dass dies kein Verrat an demjenigen ist, der nicht mehr physisch bei einem sein kann.

Ihre Beweggründe Noah kennenlernen zu wollen, was eigentlich nur aus der Ferne geplant war, sind ebenfalls gut zu verstehen. Gleichzeitig ahnt man jedoch, dass hier ein gewisses Konfliktpotential vorliegt. Kaum gedacht wird man in diesem Punkt auch schon bestätigt, denn das Schicksal nimmt unablässig seinen Lauf. Emotional ist man ganz nah an den Protagonisten und würde ihnen ein ums andere Mal gerne auf die Sprünge helfen, um den Graben, der sich zwischen ihnen bildet, endlich zu schließen, damit einer positiven Wendung nichts mehr im Wege steht. Doch muss man einsehen, dass ein direktes Eingreifen natürlich nicht möglich ist, bleibt also nur die Hoffnung, dass die Figuren selbst zur Besinnung kommen.

„Mein Herz wird dich finden“ behandelt ein noch nicht allzu häufig gesehenes Thema in der Jugendliteratur und mischt es mit romantischen Elementen. Zu Beginn hat man die Befürchtung die Geschichte würde zu einer kitschigen Romanze avancieren, doch glücklicherweise bekommt die Autorin die Kurve, so dass dies nicht geschieht. Wer nicht noch nicht so intensiv mit Organspende und -transplantation beschäftigt hat, wird hier interessante Informationen erhalten, die dazu beitragen das Geschehen nochmals mit anderen Augen zu betrachten, ohne von Fachwissen erdrückt zu werden.

Auf Grund diverser Faktoren ist der Ausgang der Geschichte alles andere als gewisse, auch wenn man natürlich eine Vermutung, möglicherweise auch Hoffnung, hegt. Doch die Autorin zeigt, alles ist möglich, erst wenn man das Buch zugeschlagen hat kann man sicher sein wie das Ende sich gestaltet hat.

Bewertung vom 20.03.2016
Heringsmord
Beerwald, Sina

Heringsmord


sehr gut

Frieda und Ernst Schmälzle wollen sich eigentlich nur ihren lang gehegten Traum, ihr Rentnerdasein auf Sylt zu verleben, erfüllen. Doch als sie sich auf dem Kampener Campingplatz wieder- und einfinden, scheint sich eine Krise anzubahnen, die sie in über 40 Ehejahren noch nicht erlebt haben. Plötzlich wird ein Platznachbar ermordet und Frieda fürchtet, ihr Ernst könne der Täter sein, möglicherweise sogar sie selbst. Daher tut sie alles in ihrer Macht stehende, um die Vorkommnisse zu vertuschen und sucht nach Spuren, die zur Entlastung beitragen können...

Wer träumt nicht von einem kleinen Häuschen auf Sylt, ob als zwischenzeitlichen Rückzugsort oder Dauerdomizil? Entsprechend gut kann man sich in die Gedankengänge des Ehepaars Schmälzle hineinversetzen, wenn es um Für und Wider und vor allem die Kostenfrage geht. Ob nun schlussendlich bei jedem die Entscheidung auf ein Wohnmobil fällt sei dahingestellt, Fakt ist jedoch, dass es auf dem Campingplatz allerhand zu erleben gibt.

Die Geschichte braucht ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen, ihr liegt zunächst eine Gemütlichkeit zugrunde, die allerdings schon darauf hindeutet, dass es sich hierbei nur um die Ruhe vor dem Sturm handelt. Am liebsten würde man das Ehepaar packen und ordentlich schütteln, damit sie einmal Klartext miteinander reden, doch käme man dann nicht in den Genuss der wahnwitzigen Ermittlungen. Erzählt wird das Geschehen abwechselnd aus der Sicht von Frieda und Ernst. So hat man einerseits die Möglichkeit ein- und dieselbe Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, andererseits aber auch an zwei Orten gleichzeitig zu sein, da das Ehepaar zwangsläufig nicht immer gemeinsam unterwegs ist.

Als es zu dem tödlichen Vorfall kommt, glaubt der Leser nicht, dass Ernst der Täter ist, diese Annahme wäre doch viel zu durchschaubar. Oder etwa doch nicht? Durch geschickt platzierte manipulative Elemente wird der Leser plötzlich unsicher und ist gar nicht mehr so hundertprozentig überzeugt von seiner Unschuld. Daher versucht man zusammen mit Frieda herauszufinden was wirklich geschehen ist, bevor die Polizei oder gar die Mit-Camper Wind von der Sache bekommen.

Es liegt eine gesunde Mischung von Humor, Tragik und Spannung vor, die ein paar Stunden Lesevergnügen mit Rätselanteil verspricht. Die ein oder andere Situation mag vorhersehbar sein, andere dafür umso überraschender, auch diese Anteile sind gut ausgewogen. Vor allem die finale Auflösung birgt noch das ein oder andere Geheimnis. Und vielleicht gibt es ja noch mehr vom Ehepaar Schmälzle zu lesen...

Bewertung vom 20.03.2016
Mein Phantastischer Ozean - Postkartenbuch
Basford, Johanna

Mein Phantastischer Ozean - Postkartenbuch


ausgezeichnet

Ausmalbücher für Erwachsene gibt es zwar nicht erst seit gestern, doch erfreuen sie sich erst seit geraumer Zeit immer größerer Beliebtheit. Wundert es also nicht, dass bereits diverse Abwandlungen erschienen sind, so beispielsweise auch das vorliegende Postkartenbuch.

Gezeichnet von Johanna Basford finden sich hier 20 Postkarten im Standardformat, die nach Lust und Laune verziert, vervollständigt und ausgemalt werden können. Dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, und schon gar keine vorangegangene Anleitung. Jeder darf nach Belieben zu einem oder mehreren Stiften greifen und einfach drauf los malen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob zweifarbig oder bunt, ob sämtliche Elemente schlussendlich noch erkennbar sind oder nicht, erlaubt ist was gefällt, so dass sich immer wieder neue individuelle Ergebnisse erzielen lassen.

Die mitunter sehr filigranen Zeichnungen machen es ein ums andere Mal schwer, die Umrandung nicht zu übermalen, egal wie dünn der genutzte Stift auch ist. Dennoch erfreut man sich der Vorlagen, die mit jedem Strich weiter zum Leben erwachen, so dass man sich schon bald in der Unterwasserwelt wähnt, in der es so einiges zu entdecken gibt. Häufig werden erst während der Bearbeitung weitere Feinheiten sichtbar, über die man sich regelrecht freut. Gleichzeitig kommt man ungemein zur Ruhe und kann sich den ein oder anderen Moment der Entspannung gönnen.

Die Postkarten sind nicht nur im bereits erwähnten Standardformat angefertigt, sondern auch sehr stabil, so dass sie weder sofort knicken noch die Farbe sich auf die Rückseite durchdrückt. Die Karten lassen sich einfach herauslösen, so dass sie, nach individueller Gestaltung, schon bald auf die Reise gehen können oder die heimischen Wände zieren, ganz wie man möchte.

Bewertung vom 20.03.2016
Hanni und Nanni kämpfen um Internat Lindenhof

Hanni und Nanni kämpfen um Internat Lindenhof


ausgezeichnet

Internat Lindenhof hat eine lange Tradition und ist entsprechend auch vor baufälligen Balkonen nicht gefeit, wie ein jüngstes Ereignis zeigt, das glücklicherweise noch einmal gut ausgegangen ist. Dennoch steht das Internat plötzlich vor der Schließung, die Direktorin soll abgesetzt werden. Das wollen Hanni, Nanni und die anderen Mädchen nicht so einfach hinnehmen und haben auch schon eine Idee, wie sie ihr Zuhause retten können. Doch im Hintergrund ist eine arglistige Verschwörung im Gange, von der noch keiner etwas ahnt...

Zum Jubiläum gibt es eine Doppelfolge „Hanni & Nanni“, auf zwei CDs mit entsprechender Laufzeit, so dass man den Abenteuern der Lindenhof-Mädchen gleich doppelt so lange lauschen kann. Doch kaum dass die Ereignisse ihren Lauf nehmen, fragt man sich unwillkürlich, ob es auch das letzte Mal ist, dass man gemeinsam mit den Zwillingen und ihren Freundinnen das Internat unsicher macht.

Natürlich neigen alte Gebäude dazu irgendwann Baufälligkeiten aufzuweisen, doch ebenso wenig wie die Mädchen glaubt der Hörer daran, dass Frau Theobald fahrlässig und in vollem Bewusstsein gehandelt hat. Da muss etwas anderes dahinterstecken, nun gilt es nur noch herauszufinden wer ein Interesse daran hat das Internat schließen zu lassen. Leichter gesagt als getan, denn derjenige agiert ziemlich geschickt und im Verborgenen, so dass man immer nur Indizien zusammentragen kann, und auch diese nur in einem geringen Maße. Die Zukunft des Internats scheint besiegelt.

Niemand ist bereits so einfach aufzugeben, die Mädchen starten eine groß angelegte Rettungsaktion, die nicht nur die Lehrer beeindruckt. Doch ob sie damit Abhilfe schaffen können? Zittern und Bangen stehen ganz weit oben auf der Tagesordnung, niemand traut sich so recht, den normalen Alltagsbetrieb aufzunehmen, es fehlt zunehmend an Konzentration, auf allen Ebenen. Doch sich kampflos geschlagen geben ist keine Option, entsprechend motiviert ist auch der Hörer den Übeltäter endlich ausfindig zu machen, obwohl dies ein schier unlösbares Unterfangen scheint.

Es bleibt spannend bis zum Schluss und immer wieder stellt sich die Frage: Wird es eine 51. Folge geben?

Bewertung vom 20.03.2016
Sex in Serie - Eiskalte Leidenschaft
Topf, Markus

Sex in Serie - Eiskalte Leidenschaft


sehr gut

Als Daniela ihren Freund inflagranti mit einer anderen erwischt, zieht sie sofortige Konsequenzen und sucht sich eine neue Bleibe. Dabei trifft sie auf Clara, in deren WG gerade ein Zimmer frei geworden ist. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb und beginnen schon bald eine leidenschaftliche Affäre. Dann wird plötzlich Danielas Exfreund ermordet und sie rückt in den Fokus der Ermittler. Kann sie die Beamten von ihrer Unschuld überzeugen?

„Eiskalte Leidenschaft“ ist der zweite Titel der neuen Reihe aus dem Hause Contendo Media, der mit einer guten Mischung aus Sinnlichkeit und Spannung aufwarten kann. Die Darstellung der Affäre zwischen Daniela und Clara kommt authentisch und realitätsnah beim Hörer an. Anders als bei der ersten Folge nimmt das Geschehen recht bald Fahrt auf, und steigert das Tempo stetig, wodurch gleichzeitig die Spannung angekurbelt wird.

Zwar glaubt man schon früh den Täter zu kennen und ist sich auch des Motivs recht sicher, ahnt aber noch lange nicht welchen Verlauf das Geschehen noch nehmen wird. Außerdem bleibt die ein oder andere Frage, eigentlich nebensächlicher Natur, aber dennoch nicht ganz unwichtig, offen. So ist man nicht mehr vollends überrascht als das Rätsel gelüftet wird, Langeweile tritt aber auch nicht auf. Vielmehr gilt es nun einen Schritt voraus zu sein, denn das Ende ist weiterhin nicht vorhersehbar.

Häufig schon hat man erlebt, dass es am Schluss noch zu unerwarteten Wendungen kommt, manches Mal wartet man vielleicht sogar gerade auf eine solche. Entsprechend darf, kann und sollte man sich niemals zu sicher sein das Geschehen bereits verstanden zu haben, solange der letzte Ton nicht verklungen ist. Sicherlich kommt einiges genauso wie man es erwartet, das ein oder andere Überraschungsmoment wartet allerdings schon hinter der nächsten Ecke...

Bewertung vom 20.03.2016
Nahtod
Preyer, J. J.

Nahtod


sehr gut

Mehr aus Pflichtbewusstsein denn tatsächlichem Interesse begleitet Chefinspektor Viktor Grimm seinen Freund zur Lesung Nora Furtners, deren Roman ihn interessiert, aber auch verstört zurücklässt. Als das Ehepaar Furtner kurz hintereinander zu Tode kommt und sich eine tiefere Verbindung zu Grimms Freund David abzeichnet, lässt der Chefinspektor sich vorsorglich beurlauben und taucht ab. Journalist Christian Wolf ist nicht nur daran gelegen Viktor Grimm zurückzuholen, sondern auch den Fall zu lösen, egal welche Enthüllungen dieser bereithalten wird...

„Nahtod“ ist der dritte Fall für den Journalisten Christian Wolf und seinen guten Freund Viktor Grimm, Chefinspektor der Steyrer Polizei. Wer bereits einen oder beide Vorgänger gelesen hat, weiß ob der Besonderheit der Sprache, die hier gewählt wird. Eine eher melancholische Grundstimmung untermalt gekonnt das Geschehen, dem es dennoch nicht an Spannung fehlt. Vielmehr besinnt der Leser sich auf Grund der Basis immer wieder der Ruhe und Entspannung, die notwendig sind, um seine Gedanken zu ordnen. Denn nur dann ist es möglich den wahren Tathergang zu rekonstruieren und den Täter zu stellen.

Ein wichtiger Aspekt sind immer auch die Charaktere und ihr Leben. Man taucht regelrecht ein in eine Gemeinschaft, die sich mitunter selbst gerade erst besser kennenlernt. So bekommt man einen tieferen Einblick in die Denkweise der Protagonisten, wie es ansonsten selten der Fall ist. Ob man sich mit einzelnen Figuren identifizieren kann sei dahingestellt, nichtsdestotrotz ergeben sich durch die Zusammenkünfte und Ermittlungsansätze der Gruppe diverse Hinweise, bei denen es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen und der ein oder anderen Spur zu folgen.

Die Spannung entwickelt sich, passend zur Atmosphäre, eher gemächlich, aber dennoch stetig. Zwar kommt man ziemlich rasch einer Ahnung näher, wie sich alles abgespielt haben könnte, es fehlen allerdings noch einige Erkenntnisse im Hinblick auf das Motiv, so dass man im Grunde eher von einem Bauchgefühl denn einem tatsächlich begründetem Verdacht sprechen sollte. Auch wenn so manches Ereignis vorhersehbar erscheint, ist man doch häufig überrascht ob der Wendungen, die sich hin und wieder anschleichen und einen überrumpeln.

J. J. Preyer hat mit Christian Wolf und Viktor Grimm ein Gespann erschaffen, das man gerne noch während weiterer Fälle begleiten möchte.

Bewertung vom 13.03.2016
Morgan & Bailey - Süsser Tod
Topf, Markus

Morgan & Bailey - Süsser Tod


ausgezeichnet

Ein schrecklicher wie mysteriöser Todesfall überschattet den Basar in Heaven's Bridge, der von den christlichen Kirchengemeinden ausgerichtet wird. Die Obduktion ergibt, dass Mrs. Cameron an einem vergifteten Lebkuchen starb. Stellt sich die Frage, ob sie ein zufälliges Opfer wurde oder jemand es konkret auf sie abgesehen hatte. Als es bald darauf zu einem weiteren Mordversuch kommt, können Morgan und Bailey die Füße nicht still halten und stellen wieder einmal eigene Nachforschungen an, die sie auf so einige Ungereimtheiten stoßen lassen...

Gab es nur einen vergifteten Lebkuchen oder sind noch weitere Gäste gefährdet? Wurde Mrs. Cameron gezielt Opfer dieses perfiden Anschlags oder war sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Fragen, die sich nicht nur der Hörer stellt. Schnell ist klar, dass Heaven's Bridge ein Geheimnis birgt, dem nicht nur das ungleiche Duo auf die Spur kommen will. Dafür allerdings müssen diverse Spuren verfolgt werden, was sich als gar nicht so leicht herausstellt, denn nicht jeder Befragte ist zu einer vollständigen Aussage bereit. Bald schon gelangt man zu der Überzeugung, dass es noch einige Altlasten zu entdecken gibt, die zur Lösung des Rätsels beitragen können.

Morgan und Bailey sind bereits in ihrem zweiten Fall ein eingespieltes Team und ein Gespann, dass man nicht unterschätzen darf. Pfarrer Morgan und Pastorin Bailey mausern sich zu wahrhaftigen Sympathieträgern, denen man auch gefährliche Alleingänge durchgehen lässt, obwohl man schon im Vorfeld sicher ist, dass manches Mal ein wenig Vorsicht durchaus angemessen wäre.

Nichtsdestotrotz verfolgt man mit Spannung das Geschehen und die Ermittlungen, die interessante Neuigkeiten zutage fördern und dennoch nicht sofort in den korrekten Zusammenhang gebracht werden können. Ein gewisses Maß an Logik ist natürlich notwendig, aber auch die Kooperation des ein oder anderen Protagonisten. So malt sich der Hörer natürlich aus wie genau und warum die Tat vonstatten ging, die tatsächliche Auflösung gibt es dennoch erst zum Schluss. Dann wird man erkennen, ob die eigenen Gedankengänge mit denen der Geistlichen konform gehen und zum selben Ergebnis führen.

Bewertung vom 13.03.2016
Silent Scream / Kim Stone Bd.1
Marsons, Angela

Silent Scream / Kim Stone Bd.1


ausgezeichnet

Als DI Kim Stone zu einem neuen Fall gerufen wird, ahnt sie noch nicht was sich daraus entwickeln wird. Doch schon bald gibt es ein zweites Opfer, das in Verbindung zu der ersten Leiche stand. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist klar, dass mit weiteren Taten zu rechnen ist, wenn die Ermittler den Fall nicht schnellstmöglich aufklären. Hinzu kommt die Suche nach dem Motiv, dass sich vermutlich in der Vergangenheit befindet. Während der Nachforschungen stößt Kim Stone nicht nur auf Unglaubliches, sondern mitunter an ihre Grenzen, denn auch ihre eigenen Erinnerungen treiben mehr und mehr an die Oberfläche...

Der Prolog beschreibt in all seiner Kürze ein ungeheuerliche Tat, der der Leser beiwohnt, allerdings ohne zu ahnen, wer die Protagonisten sind und worum genau es eigentlich geht. Doch sollte man das dort dargestellte Ereignis immer mal wieder präsent halten, denn im weiteren Verlauf gibt es Hinweise auf den konkreten Hergang der Geschehnisse.

Angela Marsons pflegt einen flüssigen und wahrlich angenehmen Schreibstil, der den Leser schnell einfängt und in seinen Bann zieht. Im Zusammenspiel mit dem Inhalt ergibt sich somit eine spannungsgeladene Atmosphäre, der man sich kaum mehr entziehen kann. Auch wenn sich mit der Zeit mehr Fragen ergeben als Antworten auftauchen, ist man gewillt, dem Rätsel weiter auf den Grund zu gehen, ungeheuerliche Funde bestätigen die Annahme, dass etwas Schreckliches vorgefallen ist und über einen langen Zeitraum vertuscht wurde. Gleichwohl müssen die Zeichen richtig gedeutet werden, doch an der Seite von Kim Stone ist der Leser absolut zuversichtlich das gesamte Ausmaß des Geschehens aufdecken zu können.

Mit der Zeit erfährt man immer mehr private Details aus dem Leben der Ermittlerin und kann somit noch besser nachvollziehen, warum ihr gerade dieser Fall so am Herzen liegt. Sie bedient sich mitunter unkonventioneller Methoden, für die man jedoch ebenfalls Verständnis hat, manchmal ist es eben notwendig auf seinen Bauch zu hören, langwierige Dienstwege, obwohl es sie natürlich nicht ohne Grund gibt, wirken manches Mal einfach störend. Kim Stone ist kein Übermensch und wird auch nicht als solcher dargestellt, vermutlich baut der Leser dadurch von Anfang an eine gewisse Bindung zu ihr auf, die bis zum Schluss nicht abreißt.

Die Beschreibungen sind authentisch und realitätsnah, so dass man kaum zu sagen vermag, ob es sich wirklich um reine Fiktion handelt. Bis zum Schluss hat man nahezu jeden verdächtigt der Täter zu sein und ebenso viele Motive gesponnen, doch auf die wahrhaftige Auflösung war man so nicht gefasst. Hier zeigt sich wieder einmal, dass bei Weitem nicht alles ist wie es auf den ersten Blick scheint und mit allem gerechnet werden muss. Eine absolut unberechenbare Lektüre und genau deswegen empfehlenswert.