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Benutzername: 
Magda
Wohnort: 
Köln

Bewertungen

Insgesamt 326 Bewertungen
Bewertung vom 20.04.2025
Stromlinien
Frank, Rebekka

Stromlinien


ausgezeichnet

Stromlinien von Rebekka Frank ist schon von der Optik und Haptik her ein echter Hingucker, auf dem wunderschönen und zum Inhalt perfekt passenden Cover kann man die (Strom)Linien ertasten. Dem Buch sieht man die 500 Seiten nicht an, es ist kein wuchtiger Wälzer, sondern handlich genug für die Handtasche.
Es ist die Geschichte von drei Familien – die Wilkes, die Ellerbrocks und die Eggers. Wie das Schicksal der Familien miteinander verbunden ist, erfahren wir in Rückblenden in die 1920er, 1970er und 1980er Jahre.
2023: Die siebzehnjährigen Zwillingsschwestern Enna und Jale Eggers leben bei ihrer Oma Ehmi in den Elbmarschen und warten ungeduldig auf die Entlassung ihrer Mutter aus dem Gefängnis. Als endlich der Tag X da ist, warten Enna und Ehmi vergeblich vor dem Gefängnistor. Doch nicht nur von Alea, sondern auch von Jale fehlt jede Spur. Enna macht sich auf die Suche nach Mutter und Schwester.
Am Tag von Aleas Entlassung ertrinkt ein Mann in seinem Sportboot nicht weit vom Gefängnis auf Hahnöfersand entfernt, die Polizei verdächtigt Alea.
1923: Der fünfzehnjährige Gunnar stiehlt ein paar Äpfel und muss ins Gefängnis auf der Insel Hahnöfersand. Dort freundet er sich mit seinem Mithäftling Rudolf Wilke an. Nach ihrer Entlassung fahren die beiden zur See.
1978 sinkt das Schiff mit Aleas Vater an Bord auf hoher See, 1985 kommt es zu einem Bootsunglück auf der Elbe, bei dem neunzehn Menschen sterben.
Das Buch deckt mehrere Genres ab: Coming of Age, Krimi, Liebesroman und historischer Roman. Im Nachwort erfahren wir, dass die Handlung an wahre Ereignisse angelehnt ist. So gab es beide Schiffsunglücke, und auf der Insel Hahnöfersand war früher zunächst ein Jugend- und später ein Frauengefängnis. Im Gegensatz zu dem Urteil im Buch mussten jedoch noch nicht einmal Terroristen achtunddreißig Jahre im Gefängnis bleiben. Und hier kommt mein Kritikpunkt: Ich konnte nicht nachvollziehen, warum Alea nichts dafür getan hatte, um ein milderes Urteil zu bekommen und erst sehr spät ein Gnadengesuch gestellt hatte.
Wunderschön sind die Beschreibungen der Natur in den Elbmarschen, wo Enna mit ihrem Boot „Sturmhöhe“ unterwegs ist. Die Auflösung und die geschickte Verknüpfung der Schicksale der drei Familien fand ich großartig. Ich vergebe fünf Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die tief in Familiengeheimnisse eintauchen möchten.

Bewertung vom 13.04.2025
Die Kollegin - Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
McFadden, Freida

Die Kollegin - Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?


ausgezeichnet

Von Freida McFadden habe ich bereits „Wenn sie wüsste“ sehr gern gelesen. Das Cover und der rote Farbschnitt ihres neuen Thrillers finde ich sehr gelungen, es lenkt die Aufmerksamkeit auf das Buch und hat mich neugierig gemacht. Das Buch hält, was das Cover verspricht.
Boston: Natalie, 30, arbeitet beim Vertrieb von Vixed, einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminprodukte vertreibt. Sie sieht gut aus, ist seit einigen Wochen mit Caleb, einem Kollegen von der IT zusammen und Vixed‘s beste Verkäuferin. In der Firma kann sie sich aufgrund ihrer Spitzenverkäufe alles erlauben, stundenlang bespricht sie im Aufenthaltsraum mit ihrer Kollegin Kim deren bevorstehende Hochzeit, Anrufe von verärgerten Kund*innen belasten sie nicht weiter.
Die Mitarbeiter*innen sitzen in sogenannten Bürozellen, nur Seth, der die Firma leitet, hat ein Einzelbüro. Dawn hat die Bürozelle neben Natalies und bekommt zwangsläufig viel von ihr mit. Sie ist Buchhalterin und erst seit kurzem bei Vixed. Die Neue ist pünktlich, gewissenhaft und introvertiert, sie scheint weder eine Beziehung noch Freunde zu haben. Außerdem macht ihr Faible für Schildkröten in allen Größen und Formen sie zu einem gefundenen Fressen für Mobberin Natalie.
Als Dawn eines Morgens nicht wie sonst um 08.45 Uhr an ihrem Arbeitsplatz erscheint, fährt Natalie zu ihrer Wohnung. Dort finden sich Anzeichen für einen Kampf und viel Blut, und Dawn ist spurlos verschwunden. Natalie wird zur Hauptverdächtigen.
In Rückblenden und über E-Mails, die Dawn an ihre Freundin Mia schreibt, erfahren wir, was sich in der Vergangenheit ereignet hatte.
Ich habe bis zum Schluss gerätselt, wer gut und wer böse ist. Natalie wurde mir immer unsympathischer, doch auch Caleb, Seth und Mia zählten für mich zu den Verdächtigen.
Wie wir es von Freida McFadden kennen, gibt es auch in Die Kollegin einen überraschenden Twist, der die Handlung in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Der Thriller hat mich gut unterhalten, der Spannungsbogen war konstant hoch, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, die Auflösung war keineswegs vorhersehbar und hat mich überrascht. Gerne vergebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 13.04.2025
Die Frauen jenseits des Flusses (eBook, ePUB)
Hannah, Kristin

Die Frauen jenseits des Flusses (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Frauen jenseits des Flusses von Kristin Hannah ist das dritte Buch der Autorin, das ich gelesen habe. The Women konnte mich genauso begeistern wie Die Nachtigall und Die vier Winde.
„Dieser Roman ist den mutigen Frauen gewidmet, die in Vietnam gedient haben. Diese Frauen folgten dem Ruf ihres Landes und zogen in den Krieg. Viel zu oft kehrten sie in eine Heimat zurück, die sich nicht dafür interessierte, was sie geleistet hatten und in eine Welt, die nichts von ihren Erfahrungen hören wollte.“
1965, Kalifornien, Coronado Island: Frankie und ihr Bruder Finley wachsen behütet in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Amerika befindet sich im Krieg mit Vietnam, Finley meldet sich freiwillig. Kaum in Vietnam angekommen, wird sein Flugzeug abgeschossen.
Frankie geht als Krankenschwester nach Vietnam. Sie schließt Freundschaft mit ihren beiden Kolleginnen Barb und Ethel und verliebt sich, zunächst in Jamie, später in Rye. Als sie nach zwei Jahren nach Hause zurückkehrt, schlägt ihr Feindseligkeit und Hass entgegen, bereits am Flughafen wird sie angespuckt. Amerika protestiert gegen den Vietnamkrieg, Vietnamveteranen werden angefeindet. Frankies Eltern schämen sich dafür, dass ihre Tochter in Vietnam war.
Derweil kämpft Frankie mit ihren Dämonen, Albträumen und Traumata. Schonungslos zeigt The Women den Krieg mit all seiner Gewalt und Grausamkeit. Frankie und ihre Kollegen und Kolleginnen arbeiten Tag und Nacht, um Verwundete zu retten, oft behandeln sie auch einheimische Kinder und Frauen. Verheerend sind die Nachwirkungen des Pflanzenvernichtungsmittels Agent Orange: Krebs, Fehlgeburten, Fehlbildungen.
Kristin Hannah gehört zu meinen Lieblingsautorinnen, ihre Bücher lese ich mit angehaltenem Atem. Einmal angefangen, konnte ich The Women nicht mehr zu Seite legen. Man sollte bei ihren Büchern allerdings nicht mit einem Happy End rechnen, Beziehungen gehen unwiederbringlich auseinander, geliebte Menschen sterben, Verlust und Trauer beherrschen die Handlung. Sie schreibt authentisch und lebensnah, ihre Bücher sind wie das wahre Leben. Von mir eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.04.2025
Felsengrund / Die Falck Saga Bd.2
Nore, Aslak

Felsengrund / Die Falck Saga Bd.2


gut

Bei Felsengrund von Aslak Nore handelt es sich um Band 2 der Falck-Saga. Ich war schon sehr auf die Fortsetzung der Familiensaga gespannt, da mir Band 1 Meeresfriedhof sehr gut gefallen hatte.
Sehr hilfreich ist der Stammbaum der Familie Falck, der am Anfang des Buches abgedruckt ist. Beim Anschauen des Stammbaums hatte ich sofort die mir bekannten Charaktere aus Band 1 vor Augen.
In Band 2 stehen Patriarch Hans Falck und seine entfernte Cousine Connie Knarvik im Mittelpunkt. Hans ist Anfang sechzig, er war sein ganzes Berufsleben lang als Arzt in Kriegsgebieten unterwegs, sein Herz hängt besonders am Nahen Osten. In den 1970er und 1980 er Jahren hatte er viel Zeit im Libanon verbracht. Hans ist und war überzeugter Kommunist bzw. Maoist.
Connie gehört das Grundstück Adventdalen auf Spitzbergen, ein Grundstück, das sowohl die Falcks auch Russland in ihren Besitz bringen wollen.
Johnny Berg schreibt eine Biographie über Hans Falck, doch erst einmal soll er herausfinden, ob es innerhalb der SAGA-Stiftung einen russischen Spion gibt. Ein Großteil der Handlung spielt auf Spitzbergen, einer Region, über die ich fast nichts weiß, und die geopolitisch für Russland interessant ist.
Meine Lieblingscharaktere sind Connie Kvarnik und Sasha Falck. Sasha kämpft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln um ein Wohnrecht auf dem Familiensitz Rederhaugen. Sie ist mit Mads verheiratet, fühlt sich aber zu Johnny Berg hingezogen.
Ich mochte die Beschreibungen der arktischen Landschaft auf Spitzbergen und Connies Lebensgeschichte. Geschmunzelt habe ich über die Anekdote mit einem Eisbären, der eine Konservendose im Ganzen verschlungen hatte.
Meine Empfindungen zu diesem Band sind gemischt, einige Passagen fand ich interessant und spannend, andere musste ich mehrfach lesen, um sie zu verstehen. Den Schreibstil von Aslak Nore mag ich sehr, hier mein Lieblingszitat: „Der Vorrat an Erinnerungen lag tief verborgen wie eine Ölquelle, für das bloße Auge unsichtbar, aber bohrte man an der richtigen Stelle, schossen sie heraus.“ (S. 364)
Ich hoffe, dass mir Band 3 wieder besser gefallen wird, da ich die Geschichte von Sasha, Sverre, Hans und Johnny auf jeden Fall weiterverfolgen möchte.

Bewertung vom 08.04.2025
Hier draußen
Behm, Martina

Hier draußen


ausgezeichnet

Der Debütroman der Autorin hat einen sehr passenden Titel, denn es geht um eine Dorfgemeinschaft draußen auf dem Land. Ingo und Lara sind mit ihren beiden Kindern aufs Land gezogen. Sie wollen es ruhiger angehen zu lassen, der Hektik der Stadt entfliehen. Lara ist selbstständige Designerin und arbeitet im Home Office. Ingo arbeitet bei einem Start Up-Unternehmen in Hamburg, die Fahrerei strengt ihn an. Eines Abends läuft ihm eine weiße Hirschkuh vors Auto. Die Polizei benachrichtigt Uwe, den zuständigen Jäger, der der Hirschkuh den Gnadenschuss geben muss.
Uwe erschießt das Tier gemeinsam mit Ingo, da er nicht allein die Last tragen will, die die weiße Hirschkuh mit sich bringt: Dem Aberglauben nach stirbt derjenige, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb von einem Jahr.
Wider Erwarten und obwohl sie völlig unterschiedlich sind, freunden sich Ingo und Uwe an. Ingo interessiert sich für die Jagd, und Uwe nimmt ihn mit auf den Hochsitz und macht mit ihm Schießübungen. Ingos Frau Lara sind Uwe und das Thema Jagd ein Dorn im Auge, das Ehepaar driftet immer mehr auseinander.
Mein Lieblingscharakter unter den Dorfbewohnern ist Tove. Sie ist mit Schweinebauer Enno verheiratet, der alles andere als ein Sympathieträger ist. Landfrau Tove arbeitet bei ihrem Bruder Olaf und seiner Frau Christine. Die beiden betreiben eine kleine Pension und eine Alpaka-Farm.
Dann gibt es da noch Maggie und Sönke. Maggie und Tove sind gut befreundet, die beiden haben viel gemeinsam, sie leben seit Jahrzehnten in Fehrdorf und haben beide erwachsene Kinder. Zusammen besuchen sie Vorträge für Landfrauen und tauschen sich über die Ehe und die Männer aus.
Interessant fand ich Jutta und Armin, Überbleibsel einer ehemaligen Sechser-WG. Die beiden sind kein Paar, mögen sich aber sehr. Jutta hat ein paar Hühner und gibt Kurse im Hühnerschlachten.
Ich war sehr gern in Fehrdorf und habe Zeit mit Tove, Maggie, Lara und den anderen verbracht. Ich habe viel über die Jagd erfahren, aber auch über Schweinezucht, Hühner und die Arbeit und das Leben auf dem Bauernhof. Trotz der knapp fünfhundert Seiten fand ich das Buch an keiner Stelle langatmig, ich wollte immer weiterlesen, mit Tove leiden, lieben und hassen, mich mit Lara über Ingo aufregen und mit ihr und ihrer Hündin Cookie über die Felder ziehen. Gerne empfehle ich das Buch allen, die für eine Weile dem Alltag entfliehen und ins Dorfleben abtauchen möchten.

Bewertung vom 07.04.2025
Unsere Suche nach Zärtlichkeit
Ehrenhauser, Martin

Unsere Suche nach Zärtlichkeit


sehr gut

Unsere Suche nach Zärtlichkeit von Martin Ehrenhauser ist das zweite Buch des Autors und auch das zweite, das ich von ihm gelesen habe. Sein Debütroman Der Liebende zählt zu meinen Highlights. Ehrenhausers Schreibstil habe ich sofort wiedererkannt, er schreibt ruhig und gefühlvoll.
Sebastien Dumont lebt in Brüssel, wo er ein kleines Uhrengeschäft führt. In seiner Freizeit arbeitet er ehrenamtlich für die Telefonseelsorge. Als er eines Tages eine weinende Frau am Telefon hat, die vorhat, nach Antibes zu fahren, fasst er den spontanen Entschluss, die Frau zu suchen.
Nach einer achtstündigen Zugfahrt erreicht er Antibes, wo er ein Zimmer in einer kleinen Pension reserviert hatte. In einem Museum lernt er Florence kennen. Zusammen erkunden sie Antibes und machen Ausflüge in die Umgebung. Dabei lernen sie sich näher kennen, doch Florence hat ein Geheimnis. Als Sebastien zufällig hinter ihr Geheimnis kommt, droht die gerade erst entflammte Beziehung zu zerbrechen.
Sebastien war mir sehr sympathisch, er hat hohe Moralvorstellungen und hilft mit seiner Tätigkeit in der Telefonseelsorge Menschen, die in Not sind. Mit Florence bin ich nicht richtig warm geworden, obwohl ich das Dilemma verstehen konnte, in das sie unverschuldet geraten ist. Ihr Schicksal ist mir nahegegangen.
Der leise Roman hat mir gut gefallen, ich mag den Schreibstil des Autors und seine gefühlvolle Art, Emotionen, Orte und Charaktere zu beschreiben. Es war eine Reise an die Côte d’Azur und in die Provence, nach Antibes, Nizza und Grasse bis nach Monaco. Diejenigen, die schon dort waren, werden sich sehnsuchtsvoll zurückerinnern, denjenigen, die die französische Riviera noch nicht kennen, empfehle ich, an die Orte zu reisen, die Sebastien und Florence zusammen besucht hatten.
Ich hätte mir mehr französisches Flair gewünscht, typisch Französisches wie Chansons, Spezialitäten wie Coq au Vin, Crème Brûlée, Bordeaux oder Café au lait habe ich vermisst.
Das Buch empfehle ich allen, die gern leise Liebesromane lesen und/oder gedanklich an die französische Riviera reisen möchten.

Bewertung vom 04.04.2025
Das Restaurant am Rande der Zeit
Takahashi, Yuta

Das Restaurant am Rande der Zeit


ausgezeichnet

Seit einigen Jahren lese ich sehr gern und regelmäßig japanische Literatur, zuletzt Das Café der zweiten Chancen, das einen ähnlichen Plot aufweist wie Das Restaurant am Rande der Zeit: Trauernde Menschen bekommen die Chance, ein letztes Mal mit der verstorbenen Person zu sprechen, die sie sehr geliebt hatten.
Der junge Schauspieler Yuito rettet seiner Schwester Kotoko das Leben und verliert dabei das seine. Kotoko und ihre Eltern versinken in tiefer Trauer. Als das junge Mädchen von einem Restaurant hört, in dem man die Gelegenheit bekommt mit Verstorbenen zu sprechen, setzt sie sich in den Zug und fährt von Tokio aus etwa zwei Stunden nach Chiba, wo das Restaurant in einer Bucht liegt. Dort wird ein Kagezen, „ein Gericht von damals“, zubereitet.
Das „Chibis Kitchen“ wird von einem jungen Mann namens Kai betrieben, Chibi ist Kais kleine Katze. Wie es zu der Begegnung mit Yuito kommt und welchen Rat dieser seiner Schwester gibt, müsst ihr selbst lesen, es ist so schön geschrieben, dass ich Tränen in den Augen hatte.
Kotoko empfiehlt Chibis Kitchen dem Fünftklässler Taiji Hashimoto, der sehr unglücklich über den Tod seiner Mitschülerin ist, mit der er sich unbedingt aussprechen will, da zwischen ihnen einiges ungeklärt geblieben ist.
Ein weiterer Gast in Chibis Kitchen ist der hochbetagte Yoshio Kurata, dessen Frau kürzlich verstorben ist. Yoshio möchte seiner Frau eine Frage stellen, die ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt hatte.
Schließlich darf auch Kai Kontakt zu seinen verstorbenen Eltern aufnehmen.
Neben dem „Gericht von damals“ lernen wir eine weitere japanische Tradition kennen: „Uketsuki“, die empfangende Mondsichel. „Wenn man einem Uketsuki seinen Wunsch anvertraut, wird dieser von der Sichel aufgenommen wie Wasser in einer Schale und geht dann in Erfüllung.“ (S. 131)
Katzen spielen im Land der aufgehenden Sonne eine wichtige Rolle, sie sind mir bisher in fast jedem Buch begegnet, das ich von einem japanischen Autor bzw. Autorin gelesen habe.
Im Buch findet man vier Rezepte für Gerichte, die man nachkochen kann, wobei einige Zutaten im Asia-Shop gekauft werden müssen.
Ich bin sehr gern in das Buch eingetaucht und habe mit Kotoko, Kai und den Restaurantgästen gelitten, geliebt und die leckeren Gerichte genossen. Ich empfehle das schlanke Buch (190 Seiten) allen, die Japan mögen und – wenn auch nur gedanklich - hinreisen möchten.

Bewertung vom 01.04.2025
Luzie in den Wolken
Lucas, Charlotte

Luzie in den Wolken


gut

Ein unterhaltsamer Wohlfühlroman, der auf die Tränendrüse drückt.
„Liber Gott, mein Papa ist bei dir im Himmel – kanst du mir bitte einen neuen schikken? Von ganzem Herzen, deine Luzie in den Wolken“ schreibt die siebenjährige Luzie bei einem Ballonwettbewerb im Spielwarenladen. Gabriel findet die Postkarte, die an einem roten Ballon hängt.
Der über fünfhundert Seiten starke Roman ist aus der Sicht von Gabriel und Miriam geschrieben. Gabriel ist erfolgreicher Schriftsteller, seine Bücher haben ihm ein gutes Einkommen gesichert, doch jetzt hat er eine Schreibblockade. Er findet die Postkarte, die ihn auf die Idee zu einem neuen Buch bringt. Zunächst muss er aber die Absenderin der Postkarte finden.
Miriam ist seit dem Tod ihres Mannes fünf Jahre zuvor alleinerziehend. Vor einigen Monaten hat sie ein Geschäft für gebrauchte Kinderkleidung eröffnet, welches nicht besonders gut läuft. Deswegen möchte sie einen Raum, der zu dem Laden gehört, untervermieten und freut sich sehr, als Gabriel alias Buchhalter Ben Sommer den Raum anmietet.
Ben lässt sich einiges einfallen, um Luzies Leben zu verschönern und erobert bald nicht nur ihr Herz, sondern auch das von Miriam. Er hat eine phänomenale Idee, um den Umsatz zu steigern, und Miriam vor der Insolvenz zu retten. Doch wie sagt er ihr, dass er gar kein Buchhalter, sondern ein Bestsellerautor ist?
Miriams beste Freundin Rebecca hatte zunächst Bedenken und Vorbehalte gegenüber Miriams neuem Untermieter, doch Ben schafft es schnell, diese aus der Welt zu schaffen.
Es ist eine unterhaltsame Wohlfühllektüre, die Handlung war in meinen Augen jedoch unrealistisch. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum Miriam so lange gebraucht hatte, um zu merken, dass Ben nicht der ist, für den er sich ausgibt. Sie ist noch nicht mal dann misstrauisch geworden, als sie Bens Freunden begegnet ist, die ihn mit „Gabriel“ ansprachen. Gut gefallen hat mir die Geschichte rund um den Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“. Das Buch empfehle ich allen, die gern emotionale Liebesgeschichten lesen.

Bewertung vom 01.04.2025
Wild wuchern
Köller, Katharina

Wild wuchern


ausgezeichnet

Schon das Cover entfaltet eine Sogwirkung, und auch der Inhalt hat mich vollständig eingesogen und überwältigt.
Es geht um die beiden gleichaltrigen Cousinen Marie und Johanna, von Marie in der Ich-Perspektive erzählt. Obwohl ihre Mütter Zwillingsschwestern sind, könnten die beiden Mädchen unterschiedlicher nicht sein, äußerlich wie innerlich. Marie vergleicht Johanna und sich mit Goldmarie und Pechmarie aus dem Märchen Frau Holle. Marie ist so, wie ihre Eltern es erwarten, sie hat einen Beruf und hat den Mann geheiratet, den ihr Vater gutgeheißen hatte. Johanna wiederum ist ein Naturkind, sie liebt Tiere und das Leben in der Natur, mit Menschen hat sie schlechte Erfahrungen gemacht.
Der Großvater der beiden Mädchen ist irgendwann in eine Hütte auf dem Berg gezogen und zum Almöhi geworden. Er war der einzige, der Johanna Marie vorzog, worüber sich Marie früher immer geärgert hatte, später hatte seine Abneigung einen guten Grund… „Er hat mit mir einfach nicht können, ganz egal, wie ich mich verhalten hab. Wenn ich Blumen gepflückt hab, hat er gesagt, ich soll sie lieber wachsen lassen. Wenn ich gesungen hab, hat er gesagt, ich soll lieber den Vögeln zuhören. Wenn ich herumgehüpft bin, hat er gesagt, ich soll das Gras nicht zertrampeln.“ (S. 120)
Johanna lebt seit ihrem vierzehnten Lebensjahr auf der Alm in der Hütte des Großvaters. Sie versorgt sich selbst und hat keinen Kontakt zu anderen Menschen. Eines Tages taucht Marie bei Johanna auf, sie hat eine durchwachte Nacht hinter sich und eine blutende Platzwunde an der Stirn. Johanna ist nicht begeistert, sieht jedoch ein, dass Marie ein Dach über dem Kopf braucht und ihr außerdem bei den täglichen Arbeiten helfen kann. Sie spannt sie beim Mähen, Holz hacken, Dach reparieren, der Herstellung von Käse und der Arbeit mit den Ziegen ein. Allmählich öffnen sich die beiden einander, und Marie erfährt, warum sich Johanna auf die Alm zurückgezogen hat.
Besonders atmosphärisch fand ich die Szene, als ein Gewitter auf dem Berg tobt, und Marie sich im Stall beim Ziegenbock Hubsi versteckt, vor dem sie eine mindestens genauso große Angst hat wie vor dem Gewitter.
Ich mochte das Buch sehr und konnte es kaum aus der Hand legen. Durch den bildhaften Schreibstil und die österreichischen Ausdrücke hat mich die Autorin auf die Tiroler Alm in die Einöde versetzt, viele Worte wie Latschen und Watschen kannte ich vorher gar nicht. Ich stimme Daniela Dröscher zu, die das Buch als ein „soghaftes Alpen-Kammerspiel“ bezeichnet, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung für alle aus, die ein atmosphärisches Buch mit Sogwirkung lesen wollen.

Bewertung vom 25.03.2025
Die Magnolienkatzen
Morishita, Noriko

Die Magnolienkatzen


sehr gut

Die Magnolienkatzen von Noriko Morishita ist schon von der Optik und Haptik her wunderschön. Zusätzlich gibt es ein farblich perfekt abgestimmtes purpurfarbenes Lesebändchen. Das Buch wurde von Charlotte Scheurer aus dem Japanischen übersetzt.
Noriko ist im mittleren Alter, ledig und kinderlos und lebt mit ihrer Mutter in einem Haus mit Garten. Norikos verstorbener Vater hatte vor vielen Jahren einen Magnolienbaum im Garten gepflanzt, den er sehr geliebt hatte. Irgendwann drohten die Wurzeln, eine stützende Betonwand zu beschädigen und einen Erdrutsch zu verursachen und der Baum musste bis auf einen Stumpf gefällt werden. Auf und um den Baumstumpf herum wurden Hortensien und andere Blumen gepflanzt.
Eines Tages findet Noriko am Baumstumpf eine Straßenkatze mit fünf neugeborenen Katzenwelpen. Obwohl Norikos Familie nie Katzen hatte und sie zu Katzen keine Beziehung hatte, nehmen sie die Katzenmama mit ihren Jungen bei sich auf. Die Kätzchen entwickeln sich prächtig, und als sie acht Wochen alt sind, geben sie vier von ihnen schweren Herzens in sorgsam ausgesuchte liebevolle Familien ab. Den kleinen Kater Taro behalten sie. Das Leben von Noriko und ihrer Mutter dreht sich von nun an um Mimi und Taro.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, es ist ein ruhiges Wohlfühlbuch mit wunderschönen Illustrationen vor jedem Kapitel. Auch ich habe eine Katze und stimme Noriko zu, dass das Zusammenleben mit Katzen, mit ihnen zu spielen, zu schmusen und sie zu beobachten guttut und Glücksgefühle hervorruft.
Die Autorin weist darauf hin, dass Wohnungskatzen bis zu zwanzig Jahre alt werden können, und wir bedenken müssen, dass wir uns irgendwann von einem Tier werden verabschieden müssen, was großen Schmerz verursachen wird.
Das Buch empfehle ich allen, die Katzen halten oder vorhaben, sich Katzen anzuschaffen, es ist das perfekte Geschenk für Katzenliebhaber*innen.