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Benutzername: 
Dreamworx
Wohnort: 
Berlin

Bewertungen

Insgesamt 1369 Bewertungen
Bewertung vom 16.08.2020
So schreibt man Liebe
Clayborn, Kate

So schreibt man Liebe


weniger gut

Reicht gerade so als Lückenfüller
Über die Jahre hat sich 26-jährige Meg eine Karriere als Handlettering-Künsterin aufgebaut und ist mit Hilfe eines Zeitungsartikels in New York gefragt wie nie. Bei der Gestaltung von Schriftstücken und Auftragsarbeiten hat sie sich zur Gewohnheit gemacht, kleine versteckte Botschaften zu hinterlassen. So auch bei dem Hochzeitsprogramm für ein junges Paar. Nach längerer Zeit steht plötzlich der ehemalige Kunde und damalige Bräutigam Reid in der Papeterie und konfrontiert sie damit, dass er ihre Botschaft entdeckt hat und die Hochzeit geplatzt ist. Meg sieht schon ihre Karriere den Bach runtergehen, aber dann kommen sie und Reid sich langsam immer näher...

Kate Clayborn hat mit „So schreibt man Liebe“ ihr Debüt vorgelegt und einen Liebesroman vorgelegt, der sich aufgrund des flüssig-leichten und gefühlvollen Erzählstils recht unterhaltsam und kurzweilig lesen lässt. Der Leser heftet sich an Megs Fersen und erlebt die Geschichte aus ihrer Sicht. Die Autorin hat eine recht seichte Liebesgeschichte verfasst, die viel zu vorhersehbar und ohne jegliche Spannung auskommen muss. Dafür ergeht sich sich ausufernd und detailverliebt in der recht ausführlichen Beschreibung über das Handlettering, so dass der Leser oftmals versucht ist, das Buch vorzeitig zu beenden. Überhaut wirkt die gesamte Handlung sehr konsturiert und unwirklich, im wirklichen Leben geht es einfach anders zu. Gegen Märchen und Happy Ends hat niemand etwas, doch sollte die Geschichte spritzig, würzig oder überraschend sein. All dies trifft hier leider so gar nicht zu. Auch die Annäherung der beiden Protagonisten wirkt merkwürdig und irgendwie unbeholfen, so dass das Gefühl für eine romantische Liebesgeschichte schnell verloren geht, hat man doch eher den Eindruck, zwei Teenager vor dem ersten Date zu erleben anstatt erwachsene Menschen.

Die Charaktere sind auch recht eindimensional gestrickt, eine Annäherung an sie fällt dem Leser schwer, er steht mehr oder weniger am Rand, um sie zu beobachten. Meg ist eine völlig verkopfte Frau, die jeden Buchstaben dreißig mal umdreht und jeden Gedanken immer wieder aufs Neue zerlegt und verdreht. Manchmal wirkt sie humorvoll und offen, doch meist kommt sie unsicher und irgendwie gehemmt rüber, zu sehr in ihrer eigenen Gedankenwelt verhaftet, als dass sie die Realität wahrnehmen würde. Reid ist ein Mathegenie, der eher wie ein Elefant im Porzellanladen wirkt. Nüchtern und distanziert betrachtet er die Welt, lässt die Menschen kaum seine richtige Natur erkennen. Aber auch Sibby und weitere Protagonisten haben ihren Auftritt in dieser Geschichte, können sie aber mit ihren Auftritten nicht groß anheben.

„So schreibt man Liebe“ ist eine seichte Liebeskomödie, die sich zwischendurch gut konsumieren lässt, aber kaum im Gedächtnis bleibt, weil es ihr an Tiefe und Realitätssinn mangelt. Verschenktes Potential, keine Empfehlung!

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.08.2020
Wuhan Diary
Fang, Fang

Wuhan Diary


ausgezeichnet

Isolationshaft durch Corona
Seit Anfang des Jahres hat die Pandemie des Corona-Virus die Welt fest in ihren Klauen. Der noch unbekannte Virus mit dem Namen SARS-COV-2, der vom chinesischen Wuhan aus die Welt eröbert, stellt die Bevölkerung vor neue Herausforderungen, denn niemand weiß wirklich, in wie weit dieser sich auf den Körper längerfristig auswirken und wieviele Todesopfer er hinterlassen wird.

Die chinesische Schriftstellerin Fang Fang hat bereits ab dem 25. Januar 2020, als die Millionenstadt Wuhan von der Außenwelt abgeriegelt wurde, mit ihrem Online-Tagebuchbericht begonnen, um die Weltbevölkerung von dem Verlauf und den Auswirkungen des Virus auf das tägliche Leben zu berichten. Allein und allein in ihrer Wohnung eingeschlossen, um einer Ansteckung zu entgehen, lässt sie ihre Leser teilhaben an den Folgen, die diese noch unerforschte Krankheit mit sich bringt, ohne sich um die eventuellen Sanktionen seitens der chinesischen Regierung zu kümmern. Sie berichtet nicht nur von dem großen Gefühl der Einsamkeit, das sie durch ihren Internet-Blog zu kompensieren sucht, sondern auch von der Solidarität unter Nachbarn, die sich gegenseitig mit dem Nötigsten aushelfen. Sie schreibt mit Hilfe ihres Netzwerkes, das sie mit Informationen versorgt, auch ungehemmt über die Vertuschungsmanöver der Regierung, die den Tod zweier bekannter Ärzte, die schon früh vor dem Ausbruch gewarnt haben, sowie über das völlig überlastete Gesundheitssystem, dass nicht allen Erkrankten Hilfe bieten konnte. Gerade ihre Veröffentlichungen über das Internet, welche sogar zeitweilig der Zensur unterlagen, öffneten ihr das Tor zu anderen Mitleidenden und Mitstreitern und durch den regen Austausch kamen immer mehr Informationen ans Licht.

Mit ihrem „Wuhan Diary“ hat Fang Fang den Startschuss für die Offenlegung des Virus uns seine Folgen für die Weltbevölkerung gelegt, denn seither versuchen sämtliche Staaten der Welt, die Pandemie in den Griff zu bekommen und ihre Bewohner vor einer Ansteckung zu schützen. Auch meine Kollegen und ich haben 8 Wochen im Home Office zugebracht, waren nur über Internet miteinander verbunden und ansonsten mit unseren Familien oder allein auf uns gestellt. Das Haus wurde nur vermummt zum Einkaufen verlassen, immer in der Angst, auch den gefürchteten Virus mit in die Wohnung zu schleppen, während die Nachrichten täglich neue Hiobsbotschaften und neue Todeszahlen meldeten.

Fang Fang übt mit angenehmem Schreibstil offen Kritik an der viel zu späten Information an die Bevölkerung. Auch hierzulande hat man sich viel Zeit gelassen und den Virus erst einmal nicht ernst genommen. Die stetig ansteigenden Fallzahlen zwangen unsere Regierung dann dazu, endlich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die allen von uns einiges abverlangt haben, vor allem aber den Älteren und Vorerkrankten, die besonders gefährdet sind. Unterschiedliche Sichtweise sowie orakelnde Besserwisser haben innerhalb der Bevölkerung einigen Zweifel gesät, der regelrecht Blüten trieb und Maskengegner hervorrief. All jenen sei gesagt, wenn sie schon nicht sich selbst schützen wollen, stehen sie doch in der Pflicht, andere zu schützen.

Ein eindrucksvoller und ungeschönter Bericht, wie der Virus in Wuhan seine Reise um die Welt antrat und wie Wuhan und seine Bewohner die entbehrungsreiche und leidige Zeit der Isolation erlebt haben. Absolut empfehlens- und lesenswert!!!

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.08.2020
Modehaus der Träume / Das Lichtenstein Bd.1
Averbeck, Marlene

Modehaus der Träume / Das Lichtenstein Bd.1


ausgezeichnet

Der Modetempel "Lichtenstein" öffnet seine Pforten...
1913-1918 Berlin. Fixstern in punkte ausgefallener Mode und allem, was das Herz begehrt, ist das Kaufhaus „Lichtenstein“. Hier segeln die Betuchten ins Haus und solche, die nur mal einen Blick auf die Dinge erhaschen wollen, die sie sich nicht leisten können. In diesem Warenhaus trifft sich die Welt, reich und arm, glücklich und unglücklich – hier wird die Zeit draußen gelassen, während die Augen überfließen. Mehrere Schicksale treffen hier zusammen: das modeverrückte Ladenmädchen Hedi, deren Mutter sich unbedingt einen wohlhabenden Ehemann für sie wünscht, Kaufhaussohn Ludwig, der alles so lassen will, wie es ist, während sein Bruder Jacob für Fortschritt und Weitsicht steht, derweil Ella Winkler als Schauspielerin am Theater Karriere macht, und Näherin Thea Stübner, die sich heimlich in Ludwig verguckt hat. Was wohl aus ihnen allen und dem „Lichtenstein“ wird?
Marlene Averbeck hat mit „Das Lichtenstein“ einen sehr unterhaltsamen historischen Romanauftakt ihrer Trilogie vorgelegt, der den Leser von der ersten Seite an gefangen nimmt und ihn auf Zeitreise ins vergangene Jahrhundert schickt, um ein pulsierendes Berlin, ein Luxuskaufhaus und besondere Menschen kennenzulernen, deren Schicksal eng mit dem Warenhaus verknüpft sind. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Schreibstil macht es leicht, sich als Leser in die alte Zeit versetzen zu lassen und sich als Teil der Geschichte zu fühlen. Geschickt jongliert die Autorin mit wechselnden Perspektiven, so dass der Leser die Hauptprotagonisten mit ihrer Gedanken- und Gefühlswelt gut kennenlernt. Averbeck hat den historischen Hintergrund gut recherchiert und mit ihrer Handlung verknüpft. Gesellschaftliche Gepflogenheiten finden ebenso Erwähnung wie der Stimmung innerhalb der Bevölkerung. Das Kaufhaus „Lichtenstein“ steht für viele als Tempel ihrer Hoffnungen und Wünsche, manche werden erfüllt, manche nie. Durch überraschende Wendungen erzeugt die Autorin eine gewisse Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Brand findet und gleichzeitig so manchen Protagonisten vor Herausforderungen stellt, die nicht nur in der nahen Konkurrenz begründet liegen, sondern auch der Krieg, der seine Arme ausstreckt und das Leben von allen verändern wird.
Die Charaktere sind liebevoll inszeniert und mit glaubhaften Ecken und Kanten versehen, die sie menschlich, authentisch und vor allem lebendig wirken lassen. Hedi Markwardt ist als Ladenmädchen angestellt. Sie liebt Mode und mit ihrem freundlichen, offenen Wesen sowie ihrem Gespür für Chic öffnet sich ihr so manche Tür. Ludwig Lichtenstein ist ein ewig Gestriger, der sich auf alten Lorbeeren ausruhen will und Innovationen scheut. Sein Bruder Jakob ist das genaue Gegenteil, hat viele Ideen im Kopf und ist dem Fortschritt nicht abgeneigt. Die Beziehung der Brüder ist ambivalent, was sich in der Führung des Kaufhauses niederschlägt. Thea Stübner lässt mit ihren Nähkünsten die Träume von Kunden wahr werden. Sie selbst sehnt sich nach einer eigenen Familie, am liebsten mit dem Kaufhaussohn Ludwig. Aber auch Schauspielerin Ella Winkler, Chefdesigner Hannes Hallberg, Helene und weitere Protagonisten werten die Geschichte mit ihren eigenen Episoden auf.
„Das Lichtenstein“ besticht mit einer sehr unterhaltsamen und opulenten Geschichte um Einzelschicksale, die mit dem Kaufhaus auf die eine oder andere Weise verknüpft sind. Neben einem tollen historischen Hintergrund bietet dieser Roman alles, was es für einen Pageturner braucht: Familie, Intrigen, Spannung und Liebe. Eine sehr schön in Szene gesetzte Zeitreise, die den Leser zum Träumen einlädt und Vorfreude auf die Fortsetzung schürt. Toll gemacht – Chapeau!

8 von 9 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.08.2020
Margherita
Revedin, Jana

Margherita


weniger gut

Chance verpasst
1920 Treviso. Die 25-jährige Margherita Trimble lebt mit ihren Schwestern und ihrer Mutter in einfachsten Verhältnissen, als sie den Weg des 36-jährigen adligen Diplomaten Giovanni Antonio Giuseppe Filippo Maria Revedin Marquis di San Martino, genannt Antonio, kreuzt. Nach einem halben Jahr Paris, in dem sie nicht nur die nötigen Umgangsformen erlernt, sondern auch auf einige namhafte Künstler trifft steigt Margherita durch eine Heirat mit Antonio in die höchsten Gesellschaftskreise auf. Die adlige Verwandtschaft rümpft bei der Eheschließung der beiden die Nase, denn die Braut wird als nicht standesgemäß erachtet. Derweil bezieht das junge Paar einen venezianischen Palazzo, wo Margherita sich bald ihre Bekanntschaft mit den Künstlern wie Jean Patou, Coco Chanel, Peggy Guggenheim oder Pablo Picasso zunutze macht, um Venedig als Dreh- und Angelpunkt für große gesellschaftliche Ereignisse zu machen…
Jana Revedin hat mit „Margherita“ einen historischen sowie biografischen Roman über die Großmutter ihres Ehemannes vorgelegt, der nicht nur unterhaltsam ist, sondern eine fast vergessenen Persönlichkeit wieder zum Leben erweckt, um ihr Tribut zu zollen für ihr Lebenswerk. Der pragmatisch-kühle und sehr detailverliebte Schreibstil ist für den Leser eine echte Herausforderung, die Geschichte bis zum Ende durchzuhalten, zu oft verliert die Autorin sich in Nichtigkeiten und streift die wirklich wichtigen Informationen nur am Rande. Auch den Zugang zu Margherita findet man als Leser leider gar nicht, obwohl die Handlung aus ihrer Perspektive geschildert wird, es kommt einfach viel zu wenig Gefühl zum Einsatz. Deshalb bleibt Margherita für den Leser fremd und unnahbar. Revedin gelingt es weder, ihrer Protagonistin ein Herz zu geben noch die Stadt Venedig auf wundervolle Art und Weise vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Die Aneinanderreihung von wichtigen belegten Persönlichkeiten wirkt eher wie Aufschneiderei als das Gefolge einer Mäzenin. Auch wichtige Stationen wie die ersten Filmfestspiele 1932 finden nur kurz Erwähnung und spielen weiter keinerlei Rolle. Gerade ein biografischer Roman lebt von den Tätigkeiten der Persönlichkeit, das geht hier leider völlig unter. Dafür wird mehr Wert auf das Privatleben von Margherita gelegt, damit kann man ihr kein Denkmal erschaffen, denn viele Menschen werden vom Schicksal gebeutelt und raffen sich wieder auf. Die Vermengung von Fiktion und Realität ist fließend, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man von Margherita am Ende auch nicht mehr weiß als zuvor.
Mit ihren Charakteren konnte die Autorin auch keine Punktlandung hinlegen. Sie alle wirken durchweg oberflächlich und farblos, so dass sie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zudem fehlt die Nähe zum Leser, der hier nur als Beobachter fungieren darf. Durch die eher unpersönliche wie nichtssagende Schilderung wird dem Leser sowohl Mitfühlen als auch Mitfiebern verwehrt. Margherita wirkt wie Aschenputtel, das seinen Prinzen gefunden hat. Im Märchen heißt es dann jedoch „sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“, was bei Margherita nicht der Fall ist. Revedin konnte ihr weder Charisma noch eine besondere Persönlichkeit verleihen, so dass man als Leser über diese 08/15-Entwicklung doch sehr enttäuscht ist.
„Margherita“ war wahrscheinlich als Homage für eine Frau gedacht, die sich um die Kunstszene ebenso verdient gemacht hat wie um den Einfluss, den Venedig in der internationalen Künstlerwelt in vielen Jahrzehnten ausgeübt hat. Leider ist das gar nicht gelungen, die Person Margherita Revedin bleibt so leblos und unbekannt wie vorher, schade. Keine Empfehlung.

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.08.2020
Alles, was ich dir wünsche
Carnevale, Vanessa

Alles, was ich dir wünsche


gut

Etwas zu viel des Guten
Mia Moretti hat immer für die Malerei gelebt, ihre Kunst war das Wichtigste in ihrem Leben. Doch seit bei ihr eine Krebsdiagnose gestellt wurde, ist diese Liebe in der Versenkung verschwunden. Wie weggeblasen sind Inspiration und Leidenschaft, das ändert sich auch nicht nach ihrer Genesung, denn Mia kann die innere Angst vor neuen Rückschlägen nicht überwinden. Um ihr Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen, gönnt sie sich eine Auszeit in der toskanischen Stadt Florenz, wo sie sich in eine WG einmietet. Mitbewohnerin Stella wächst ihr schon bald an Herz, denn diese versprüht solch eine Lebensfreude, der sich auch Mia nicht zu entziehen vermag. Die zufällige Begegnung mit Luca lässt Mias Herz schnell höher schlagen, für beide ist es schon bald die große Liebe. Doch wie das Leben so spielt, gilt es erneut, große Hürden zu überwinden und sich dem Schicksal zu stellen, bis das Glück zu einem kommt…
Vanessa Carnevale hat mit „Alles, was ich dir wünsche“ einen unterhaltsamen emotionalen Roman vorgelegt, der den Leser während der Lektüre auf eine Gefühlsachterbahn schickt. Der eingängige und gefühlsbetonte Erzählstil lädt schnell zum Eintauchen ein, so findet sich der Leser alsbald an Mias Seite wieder, erlebt mit ihr Höhen und Tiefen sowie nicht nur eine emotionale Reise zu sich selbst, sondern auch ins malerische Florenz, wo Geschichte und Romantik Hand in Hand gehen. Wenn man eine Krebsdiagnose bekommt, fällt man erst einmal in ein Riesenloch: die Gedanken drehen sich im Kreis und man blendet die Umwelt komplett aus. Die Autorin lässt dies ihre Protagonistin authentisch durchleben, nichts ist mehr wie vor der Diagnose, die Wichtigkeit der Dinge verschiebt sich von einer Sekunde auf die andere völlig. Die Gedanken- und Gefühlswelt von Mia ist hier glaubhaft eingefangen, die Ich-Perspektive gut gewählt, so dass der Leser sich gut in die Protagonistin hineinversetzen kann. Der Aufenthalt in Florenz ist bildhaft beschrieben und transportiert die nötige italienische Lebensfreude, die gleichzeitig für den behutsamen Neubeginn steht, dem Mia sich gegenüber sieht ebenso wie die Liebe, die ihr begegnet. Die allerdings neu aufkommenden Probleme sind schon fast zu viel des Guten, das Thema Krebs nimmt einigen Raum ein, weshalb zusätzliche Niederschläge eher wie unnötige Effekthascherei wirken.
Die Charaktere sind recht ansprechend gezeichnet, wirken menschlich, modern und glaubwürdig. Der Leser allerdings steht trotz der Ich-Perspektive eher am Rand, denn so einige Verhaltensformen der Protagonisten wirken eher aufgesetzt und überspannt, was deutlich macht, wenn jemand nur über Krebs und die Folgen schreibt, ohne ihn selbst erlebt zu haben. Mia ist eine talentierte Frau, die sich ein Leben ohne die Malerei nicht vorstellen kann. Sie drückt ihre Gedanken- und Gefühlswelt in ihren Bildern aus, doch ihre Erkrankung und deren Folgen möchte sie mit niemandem teilen. Sie hat sich irgendwie aufgegeben, braucht Mut und Stärke, um ihr Leben wieder in die Normalität zu bringen. Stella ist eine lebenslustige und fröhliche Frau, die andere zu überzeugen und zu begeistern weiß. Luca ist ein warmherziger und sympathischer Mann, der selbstlos und verliebt ist.
„Alles, was ich dir wünsche“ ist ein emotionaler Liebesroman, der leider zu oft auf die Tränendrüse drückt und den Leser durch ein Wechselbad der Gefühle jagt. Hier wurde zu viel Drama in wenige Seiten hineingepackt, so dass sie sich zum Wohlfühlen nicht mehr wirklich eignet. Eingeschränkte Leseempfehlung!

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.08.2020
Kein Ort ist fern genug
Amigorena, Santiago

Kein Ort ist fern genug


ausgezeichnet

Das Leid der Verstummten
1940-1945. Vicente Rosenberg emigrierte 1928 von Warschau nach Buenos Aires, wo er schon bald mit Rosita Szapire, der Liebe seines Lebens, eine Familie gründete. Schnell hat sich Vicente in seiner neuen Wahlheimat eingelebt und besitzt neben drei Kindern auch ein gutgehendes Möbelgeschäft. Alles wäre wunderbar, wären da nicht die alarmierenden Briefe seiner Mutter, die die sich zuspitzende Lage in Europa sowie ihr Leben und das seines Bruders im Warschauer Ghetto eindringlich beschreiben und in Vicente übermäßig große Gefühle von Ohnmacht, Schuld und Unvermögen hervorrufen, so dass er sich immer mehr von allem zurückzieht. Doch er hat die Rechnung ohne seine liebende Ehefrau Rosita gemacht, die ihn nicht aufgibt und für die Familie kämpft…
Santiago Amigorena hat mit „Kein Ort ist fern genug“ einen sehr berührenden Roman vorgelegt, in dem er dem Leser die Geschichte seines Großvaters nahe bringt. Mit eindringlichen, ruhigen und bildhaften Worten lässt der Autor Vicente wieder lebendig werden und gibt dem Leser mit einer Zeitreise die Möglichkeit, dessen Schicksal hautnah mitzuerleben. Dabei schildert er nicht nur Vicentes Mut und Tatkraft, sich in einem fremden Land eine neue Zukunft aufzubauen, sondern spiegelt dabei auch die damalige Zeit wunderbar wieder. Im fernen Argentinien war der zweite Weltkrieg für die Auswanderer weit entfernt, das Ausmaß der dort stattfindenden Tragödie kannten Auswanderer nur aus Briefen, die sie zeitverzögert erreichten.
Amigorena gelingt es hervorragend, die Gedanken- und Gefühlswelt seines Großvaters an die Oberfläche zu holen, dessen Zerrissenheit ob der Handlungsunfähigkeit, die ständig weiterwachsenden Schuldgefühle sowie die Frage nach der eigenen Identität, die vorher für Vicente kein Thema war. Obwohl Vicente nicht direkt dem Holocaust ausgesetzt war, fühlt er sich den fernab Leidenden so verbunden, während seine Schuldgefühle ihm zusätzlich zusetzen. Virtuos zeichnet Amigorena das Bild einer Generation, die das Leid der KZs und der Verfolgung zwar nicht selbst erleben mussten, doch in ihren Herzen und Seelen durch Ohnmacht gekennzeichnet wurden und sich selbst dafür bestraften. Besonders interessant ist die Sichtweise, aus der Amigorena erzählt. Sein Großvater kannte die Lage von 1940 bis 1945 nur aus den Briefen seiner Mutter und dennoch hat dies ausgereicht, dass Vicente sich von allem abkapselte, während sein Enkel all die Gräueltaten inzwischen durch belegte Fotos, Augenzeugenberichte etc. kennt und somit viel mehr Zugang zu den Emotionen seines Großvaters hat. Gerade dies macht den Roman so besonders, denn die intensive Recherche nebst der engen familiären Bindung lässt diese sehr berührende Schilderung zu, die Vicente nach Jahrzehnten doch noch zum Leser sprechen lässt.
Absolute Leseempfehlung für ein literarisches Highlight! Ergreifend und einfach wunderbar – Chapeau!

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.08.2020
Das Vermächtnis der Seidenvilla / Seidenvilla-Saga Bd.3
Bach, Tabea

Das Vermächtnis der Seidenvilla / Seidenvilla-Saga Bd.3


sehr gut

"An seinen Vorfahren kann man nichts ändern, aber man kann mitbestimmen, was aus den Nachkommen wird." (F. de La Rochefoucauld)
Turbulente Zeiten stehen Angela und Vittorio ins Haus, denn sie wollen nicht nur mit einer Hochzeit ihre Liebe besiegeln, sondern auch Nathalies Sohn kommt auf die Welt. Doch dann werden dem Paar erneut Steine in den Weg zu ihrem Glück gelegt, denn nicht nur Vittorios Sohn stellt sich gegen ihn, sondern auch Lorenzos Versäumnis wird ihnen zum Verhängnis, denn die Familie seiner ersten Frau tritt auf den Plan, um Angela die Seidenvilla zu nehmen und an sich zu reißen. Anstatt sich also endlich auf ihr gemeinsames Glück zu besinnen, müssen Angela und Vittoria mit allen Kräften das verteidigen, was sie sich so mühsam aufgebaut haben…
Tabea Bach hat mit „Das Vermächtnis der Seidenvilla“ den finalen Band ihrer Trilogie um die venezianische Seidenweberei vorgelegt, der auch diesmal mit einigen Überraschungsmomenten und Spannungselementen punkten kann. Der locker-flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil schickt den Leser erneut ins italienische Venezien, um in malerischer Kulisse endlich das Glück von Angela und Vittorio mitzuerleben. Doch vorher gilt es, noch einiges an Neid, Intrigen und Boshaftigkeiten aus der Welt zu schaffen, die von allen Seiten auf die beiden Liebenden hereinprasseln und ihnen das Leben schwer machen. Hier trifft das Zitat von Jean de La Bruyère wie die Faust aufs Auge: „Im Schoß der Familien herrschen oft Misstrauen, Eifersüchtelei und Abneigungen, während uns ein zufriedenes, einträchtiges und heiteres Äußeres täuscht und einen Frieden vermuten lässt, der gar nicht vorhanden ist.“ Zum Finale fährt die Autorin noch einmal sämtliche Geschütze auf und lässt mit geschickten Wendungen die Spannung innerhalb der Geschichte ansteigen, so dass der Leser nur so durch die Seiten jagt, während er sich an einer wunderschönen Hintergrundkulisse nebst italienischer Lebensart erfreuen darf. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind mal impulsiv, mal gefühlvoll gehalten, so dass der Leser während der Lektüre ein Wechselbad der Gefühle miterlebt, vor allem, wenn man die ältere Generation dabei beobachtet, wie sie der jungen ihren Stempel aufdrücken wollen.
Die Charaktere haben sich weiterentwickelt und versprühen mit ihren menschlichen Eigenschaften Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit. Der Leser fühlt sich ihnen verbunden und nimmt Anteil an ihrem Schicksal. Die warmherzige und hilfsbereite Angela wächst einem immer mehr ans Herz, denn mit ihrer Stärke und ihrer offenen Art nimmt sie die Menschen schnell für sich ein. Vittorio hat sich endlich etwas von seiner Mutter abgenabelt. Er ist ein sympathischer, freundlicher Mann, der Angela in allen Belangen unterstützt. Constanza ist und bleibt eine Furie, die gern manipuliert und intrigiert, um ihren Willen zu bekommen. Tiziana hat auch nicht gerade ein leichtes Los. Sie ist eigentlich eine selbstbewusste Frau, die sich jedoch nur schwer gegen die eigene Familie durchsetzen kann. Aber auch Nathalie, Tess, Lorenzo und weitere Protagonisten sorgen innerhalb der Handlung für einige Spannungsmomente.
„Das Vermächtnis der Seidenvilla“ ist ein gelungenes und unterhaltsames Finale, in dem neben Intrigen, Neid und Familienbande auch die Liebe eine größere Rolle spielt. Verdiente Leseempfehlung für einen kurzweiligen Roman mit italienischer Lebensart!

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.08.2020
Das Haus an der Grand Avenue
Renner, Joy

Das Haus an der Grand Avenue


gut

Ein Kind ihrer Zeit

Joy Renner hat mit „Das Haus an der Grand Avenue“ einen kurzweiligen historischen Roman vorgelegt, der recht unterhaltsam ist und sich an wahre Begebenheiten anlehnt. Der flüssige Erzählstil lässt den Leser eine Zeitreise antreten und nach Ponca City reisen, um dort Lydies Schicksal zu verfolgen. Die Autorin hält sich in Bezug auf die Person Ernest Marland sehr an die historische belegten Tatsachen und spinnt ihre fiktive Geschichte drum herum. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, wobei die Gegenwart der Handlung in der Vergangenheit einen Rahmen gibt und einen erfundenen Kreis schließt. Eigentlich hätte es der Gegenwartsebene nicht bedurft, sie kommt hier sowieso zu kurz und ist eher Effekthascherei. Viel interessanter sind die historisch belegten geschäftlichen Interessen Marlands und sein kompletter Sturz durch J.P. Morgan während der Weltwirtschaftskrise. Marland lebte auf großem Fuß und warf mit dem Geld nur so um sich, ob durch größenwahnsinnige Bauten oder beim Spielen. Die Rolle der Frau wird ebenfalls in diesem Roman thematisiert und welche Rechten und Pflichten sie hat. Zudem spielt auch die zweierlei Maßmessung in Bezug auf die Partnerfindung eine größere Rolle, die allerdings eher Unverständnis hervorruft. Die Handlung selbst plätschert leider eher vor sich hin, Spannungsmomente werden hier vergebens gesucht.
Die Charaktere sind eher oberflächlich skizziert, hier fehlt es eindeutig an etwas mehr Wärme und Gefühl, um glaubhaft zu sein. So findet sich der Leser eher am Rand der Szenerie wieder auf Beobachtungsposten. Lydie und ihr Bruder George haben mit der Adoption durch die Marlands einen Sechser im Lotto erhalten. Während George eher eine Randfigur abgibt, ist Lydie neben Ernest die zentrale Person. Lydie ist jung, lebenslustig, offen, freundlich und oftmals leider auch sehr naiv. Das ändert sich mit ihrem Alter, doch kann sie sich nicht gegen ihren Adoptivvater durchsetzen, verpasst immer wieder die Chance, ihr Glück zu finden. Ernest ist ein aufgeblasener und berechnender Mann, der alle Strippen in der Hand halten will, wobei er leider so einfältig wie dumm ist, sich von J.P. Morgan über den Tisch ziehen zu lassen, während er sich allzu sehr in Lydias Leben einmischt und dabei auch nicht vor Unterschlagung zurückschreckt. John ist ein sympathischer, ehrgeiziger und treuer Mann, der seine Prinzipien hat. Virginia hat ihren Mann durchschaut und muss sich deshalb auf dem Abstellgleis wiederfinden.
„Das Haus an der Grand Avenue“ mischt historische Fakten mit einer Liebesgeschichte. Kurzweilige und unterhaltsame Lektüre ohne größere Ansprüche. Für zwischendurch ganz angenehm.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.08.2020
Die verstummte Frau / Georgia Bd.10
Slaughter, Karin

Die verstummte Frau / Georgia Bd.10


ausgezeichnet

Ist ein alter Fall der Schlüssel?
Für Will Trent und die Pathologin Dr. Sara Linton ist es wie ein Déjà-vu-Erlebnis, denn ein Inhaftierter im Staatsgefängnis von Atlanta möchte mit ihnen einen Deal aushandeln und stellt dafür Informationen zur Verfügung, die den aktuellen Fall einer toten Studentin betreffen. Der neue Mordfall hat große Parallelen zu alten Fällen, die Sara mit ihrem bereits verstorbenen Ehemann Chief Tolliver untersucht hat und sie anscheinend den falschen Täter verhaftet haben. Die Konfrontation mit der Vergangenheit macht Sara zu schaffen, doch mit Will an ihrer Seite konzentriert sie sich darauf, endlich den wahren Täter von unzähligen brutalen Mordfällen zu überführen, die sich jetzt erst offenbaren…
Mit „Die verstummte Frau“ legt Karin Slaughter den 8. Band ihrer Georgia-Reihe mit Will Trent und Dr. Sara Linton vor und überzeugt einmal mehr mit viel Atmosphäre, Direktheit und einem extrem hohen Spannungslevel. Der flüssige und sehr bildhafte Schreibstil lässt den Leser nicht nur als unsichtbaren Ermittler an der Handlung teilnehmen, sondern bewirkt auch, dass während der Lektüre vor dem inneren Auge auch ein regelrechter Film abläuft. Die Autorin bringt die Vergangenheit ihrer Protagonisten wieder an die Oberfläche und jongliert zwischen damals und heute hin und her. Dadurch wird der Leser noch einmal mit alten Protagonisten konfrontiert, aber auch mit Ereignissen, die vor allem Sara auf der Seele liegen, da sie die Erinnerungen an ihren ersten Ehemann wieder hervorrufen. Besonders interessant sind die Ermittlungen des 8 Jahre zurückliegenden Falls, denn die Spur ist inzwischen recht kalt und ein möglicherweise Unschuldiger sitzt dafür hinter Gittern. Der Wechsel zwischen den Zeiten sowie die jeweiligen Ermittlungen sind gut konzipiert und in sich schlüssig, so dass sie die Spannung auf ein recht hohes Niveau pushen. Ebenso interessant wie die Mordermittlungen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen der Beteiligten untereinander, die sich stimmungsmäßig auch auf die Arbeit niederschlagen und zusätzlichen Sprengstoff bieten.
Die Charaktere haben erneut eine glaubhafte Entwicklung erfahren, wirken lebendig und authentisch, so dass der treue Leser der Reihe sich freut, wieder unter ihnen zu sein, um mit ihnen auf Mörderjagd zu gehen. Sara Linton hat schon einiges an Schicksalsschlägen hinnehmen müssen. Gerade in diesem Fall holt sie die Vergangenheit doppelt ein, denn nicht nur ihr verstorbener Ehemann Chief Tolliver ist wieder präsent, sondern auch die Jahre zurückliegende Vergewaltigung. Doch Sarah ist sehr professionell und geradezu unnahbar, lässt sich ihre Gefühle nicht anmerken. Will ist wie eine Bulldogge, er verbeißt sich in den Fall und lässt nicht locker. Kollegin Faith Mitchell hat es nicht immer leicht mit ihm. Aber auch Lena und Jeffrey Tolliver, Amanda und Daryl sind wichtige Protagonisten in dieser Handlung.
„Die verstummte Frau“ ist ein hochexplosiver Psychothriller, der den Leser mit in die Ermittlungen hinein nimmt. Vergangenheit und Gegenwart werden sehr gut miteinanderverknüpft und bieten einen intelligent durchdachten Fall, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite nicht loslässt. Ein Pageturner mit absolut verdienter Leseempfehlung!

8 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.08.2020
Bluthölle / Detective Robert Hunter Bd.11
Carter, Chris

Bluthölle / Detective Robert Hunter Bd.11


ausgezeichnet

Das Notizbuch des Grauens
Angela Wood geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach, denn sie ist von Berufs wegen Taschendiebin oder Langfingerin. An einem bereits erfolgreich absolvierten Arbeitstag genießt sie einen Cocktail in einer Bar und beobachtet einen Gast, der aus der Rolle fällt. Da ihr das gegen den Strich geht, erlaubt sie sich, den Rüpel mit dem Klau seiner Ledertasche zu bestrafen. Allerdings ist die Ausbeute nicht gerade berauschend. Dafür reicht das enthaltene Notizbuch aus, um Angela in Angst und Schrecken zu versetzen. Anonym schickt sie dieses an das Los Angeles Police Department, wo bei Robert Hunter und seinem Partner Carlos Garcia sofort die Alarmglocken schrillen, als sie den Inhalt begutachten. Die Jagd auf einen brutalen Sadisten beginnt, der schon bald Hunter ins Visier nimmt…
Mit „Bluthölle“ reiht Chris Carter Band 11 in seine Hunter-Garcia-Serie ein, der wieder einmal überrascht, denn er zeigt ein neueres gefühlvolleres Bild des Autors, wenn auch die Spannung erneut auf hohem Level angesiedelt ist. Der flüssige, detaillierte und sehr bildhafte Erzählstil Carters lässt den Leser schnell wieder zum unsichtbaren Ermittlungspartner der zwei Spürhunde werden, um mit ihnen alle nur möglichen Ansatzpunkte für die Aufdeckung dieses perfiden Mörders zu finden. Dabei projiziert der Autor Bilder im Kopf des Lesers, die ihm eine Gänsehaut nach der anderen bescheren und ihn an den Seiten kleben lassen, um bloß nichts zu verpassen, denn es gilt mindestens 16 Morde aufzuklären. Überraschend an diesem Thriller ist, dass Carter erstmals nicht so viele brutale Details und Grausamkeiten zu Papier bringt, wie man es von ihm gewohnt ist. Doch das trübt weder den Spannungslevel sowie den Kinofilm, der im Kopf des Lesers abläuft, während ein Kapitel das andere jagt und das Spannungsniveau sich immer weiter in die Höhe schraubt. Der Einblick in die gruseligen Notizen des Mörders bietet einen Nervenkitzel der besonderen Art und geht dem Leser auch nach der Lektüre nicht aus dem Kopf.
Wer die Vorgängerbände bereits kennt, wird sich über ein Wiedersehen mit Robert Hunter und Carlos Garcia freuen. Während Hunter die Intelligenzbestie des Duos darstellt, steht der ruhige Pol Garcia eher für das Bodenständige. Angela Wood ist eine sehr interessante und vor allem auch faszinierende Frau, die sich gern durch ihre Profession gern dem Nervenkitzel aussetzt. Doch sie hat auch einen Sinn für Gerechtigkeit und bestimmte Werte. Der Täter kommt ebenfalls nicht nur durch seine Notizen zu Wort, bleibt aber bis zum finalen Schluss der große Unbekannte, der dem Leser tatsächlich trotz seiner feigen Taten ein wenig Mitgefühl entlockt.
Mit „Bluthölle“ legt Carter wieder einen rasanten und hochexplosiven Psychothriller vor, der die Spannung bis zum Schluss und den Leser in Atem hält. Wieder einmal eine absolute Leseempfehlung für einen Thriller der Superlative!

8 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.