Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 983 Bewertungen
Bewertung vom 08.01.2022
Perfect Day (eBook, ePUB)
Hausmann, Romy

Perfect Day (eBook, ePUB)


gut

Verwirrspiel
"Perfect Day" ist ein Song von Lou Reed und der erste Thriller von Romy Hausmann, den ich gelesen habe.
Schon seit vielen Jahren verschwinden in und um Berlin kleine Mädchen, zu deren toten Körpern eine Spur aus roten Schleifen führt. Ann ist dabei, als ihr geliebter Vater, Professor der Philosophie und Anthropologie, als einziger Verdächtiger verhaftet wird. Er sitzt in Haft und legt weder ein Geständnis ab, noch verteidigt er sich. Ann glaub ganz fest an seine Unschuld und will diese auch beweisen.
Die Geschichte breitet sich hier in verschiedenen Erzählebenen, die aber deutlich unterscheidbar gekennzeichnet sind, ganz langsam vor unseren Augen aus. Einmal haben wir hier Ann bei ihrer Suche nach dem wahren "Schleifenmörder", um ihren Vater zu entlasten. Dabei gibt es auch so einige Rückblicke in ihre Kindheit nd ihre innersten Gedanken und Gefühle. Besonders gefallen mir hier die Stellen, wo Gefühle mit kindlichen Worten aufsatzmäßig beschrieben werden.
Dann gibt es Passagen mit einer Person und einem Kind, das Prinzessin genannt wird und man ist hier wohl beim Täter, der aber ungenannt und unerkannt bleibt. Und auch sehr interessant sind Passagen aus einem Interview eines Reporters mit dem Mörder, dass zu einer späteren Zeit stattfindet und die immer wieder eingestreut werden.
Dadurch, dass bei Ann Träume und Wirklichkeit ineinander übergehen, muss man sehr aufmerksam lesen, um das unterscheiden zu können. Der Schreibstil ist durchaus spannend, verlangt dem Leser aber auch eine gewisse Aufmerksamkeit ab.
Die Protagonisten blieben mir fremd und auch nicht unbedingt sympathisch, was bei einem Thriller nicht unbedingt schadet. Es ist ein psychologisches Verwirrspiel, dass mir etwas sehr viel mit dem Zufall spielt, aber ein überraschendes Finale bietet.

Bewertung vom 08.01.2022
Der Gesang der Berge
Que Mai, Nguyen, Phan

Der Gesang der Berge


ausgezeichnet

Das unmenschliche Anlitz des Krieges
"Der Gesang der Berge" von Nguyễn Phan Quế Mai ist ein sehr aufwühlendes Familienepos.
Huong lebt bei ihrer Großmutter und erzählt hier ihre Familiengeschichte,teils als Erzählung der Großmutter aus ihrem Erleben, teils ihre eigenen Erfahrungen. Jedes einzelne Mitglied der Familie bekommt hier ein Gesicht und eine Stimme. Nach und nach setzt sich aus diesen Erzählungen die Vergangenheit und auch die Gegenwart zusammen.
Die Autorin verwendet teils sehr poetische Worte, um ihr wunderschönes Land zu beschreiben und auch sehr kraftvolle, durch die die Schrecken des Vietnamkrieges vor den Augen des Lesers entstehen. Schonungslos wird hier der Schrecken des Krieges offenbart mit den furchtbaren Folgen für die Bevölkerung, auch noch in den folgenden Generationen.
Es ist aber auch eine Erzählung über Stärke und Mut, den die Frauen in dieser Familie bewiesen haben, die nie aufgegeben haben und immer positiv in die Zukunft schauen konnten.
Man lernt hier sehr viel über das Land und seine Bewohner, die Geschichte und Kultur, man bekommt eine ganz besondere, fast intime Sicht auf die Geschehnisse. Es ist kein Wohlfühlbuch, es macht Bauchschmerzen, hat mich aber tief berührt.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.01.2022
Serera
Hof, Bruno

Serera


ausgezeichnet

Großartige Fantasy in Parallelwelten
"Serera: Erstes Buch: Die zwei Welten" von Bruno Hof ist das Romandebüt von Bruno Hof und für mich mein Lesehighlight von 2021. Es ist ein Fantasyepos, angelegt auf zwei Bände, dessen zweiter, "Die zwei Kriege" noch erscheint.
Das Buch an sich. ist von der Ausgabe her sehr liebevoll gestaltet, ein wunderbares Cover mit einer besonderen Haptik, passendes Vorsatzpapier, Landkarten und ein Wörterverzeichnis einer eigens für diese Welt erschaffenen Sprache.
Wir tauchen hier tief ein in ein Fantasyepos, dass auf zwei Welten angelegt ist, deren Handlung sich zur gleichen Zeit abspielt. Wir befinden uns in unserer gewohnten Welt, in die das Böse einen Zugang findet und in der Parallelwelt Serera, in der das Böse schon Armeen aufstellt, um beide Welten zu übernehmen.
Zwischen den Welten befinden sich Tore, versteckt und bewacht von Torwächtern, verschlossen seit Ewigkeiten. Doch ein Schlüsselwächter wird gejagt, getötet und der Schlüssel fällt an Robin, einem ziemlich normalen Jugendlichen. Er ahnt nicht, in was für eine Geschichte er hier reingezogen wird, denn der Seelenlose, der in der anderen Welt wacht, will nichts anderes als diesen Schlüssel, um sich beide Welten anzueignen und in trostloses Land zu verwandeln. Es wäre das Ende unserer Welt.
Viel mehr möchte ich von der wirklich fantastischen Story auch nicht verraten. Das Buch glänzt durch den sehr abwechslungsreichen Sprachstil. Der Fortlauf der Handlung wird uns hier aus sehr unterschiedlichen Perspektiven erzählt, einmal Robins oder seiner Freunde und Familie und dann einer abgrundtief bösen. Das Böse ist hier auch sehr bildgewaltig, grausam und voller Brutalität wiedergegeben. Man gewinnt eine sehr gute Vorstellung von der Bedrohung. Trotz der dadurch entstehenden Wiederholungen wird hier ein gewaltiger Spannungsbogen aufgebaut.
Die Charaktere entwickeln sich weiter, haben Schwächen und Stärken und wirken dadurch sehr lebensecht, man kann Sympathien aufbauen und mitfühlen, Angst und Freude empfinden. Für mich waren die Welten so gut beschrieben, dass ich immer Bilder dazu im Kopf hatte, ein Fantasybuch, wie ich es lange nicht mehr gelesen habe.
Trotz des Umfangs von über 800 Seiten, war ich jetzt traurig, mich aus dieser Welt verabschieden zu müssen und warte jetzt sehr gespannt auf den Abschluß dieses Abenteuers um die zwei Welten. Ich empfehle dieses Buch jedem Liebhaber von guten und epischen Fantasywelten, es ist mehr als einen Blick wert.

Bewertung vom 05.01.2022
David Bowie - Alle Songs
Clerc, Benoit

David Bowie - Alle Songs


ausgezeichnet

Umfassend und gewaltig
"David Bowie - Alle Songs: Die Geschichten hinter den Tracks" von Benoît Clerc ist ein gewichtiges Meisterwerk über einen der größten Ausnahmekünstler. Es ist schwer diesem Menschen und seinem Werk gerecht zu werden, aber mit diesem Buch vor Augen und den richtigen Alben auf dem Plattenteller dazu, ist man da schon ganz nah dran.
David Bowie hätte 2022 seinen 75. Geburtstag gefeiert, wenn er nicht leider viel zu früh verstorben wäre. Seine Hinterlassenschaft an uns ist riesig, er war ein sehr fleißiger Künstler, der sich sehr oft neu erschaffen hat und etwas gänzlich anderes herausbrachte.
Mit diesem Buch gewinnt man den perfekten Überblick über das Leben und Lebenswerk von Bowie. Hier kann man in Hunderten von Seiten blättern, Fakten lesen und auch kleine Anekdoten. Es sind sehr viele Bilder enthalten, von Plattencovern, aber auch Fotos, teilweise auch unbekannte.
Der Aufbau dieser Enzyklopädie orientiert sich an den Alben von Bowie, zu denen es jeweils alle wichtigen Informationen gibt und die dann Song für Song besprochen werden. Grade diese ganzen kleinen Geschichten und Informationen lassen Bowie hier wiederauferstehen, als Mensch und als Künstler. Jeweils die passende Musik dazu aufgelegt und man kann hier tagelang lesen und in Erinnerungen abtauchen.
Dieses Buch hat meine Erwartungen voll erfüllt und übertroffen, ich werde es sicher noch so manches Mal zur Hand nehmen und mir jetzt die anderen Künstler, die hier verlegt worden sind, mal ansehen.

Bewertung vom 04.01.2022
Stell dir vor ...
Hopkins, Rob

Stell dir vor ...


sehr gut

Die Macht der Fantasie
"Stell dir vor …mit Mut und Fantasie die Welt verändern" von Rob Hopkins ist ein ganz fantastisches Buch. Es ist ein Buch gegen unsere negativen Gedanken über die Zukunft, gegen unsere Angst und Perspektivlosigkeit, es ist ein Aufruf zu Optimismus und Hoffnung und Fantasie.
Unterteilt in acht Kapitel mit jeweils einem anderen Aspekt wird aufgezeigt, wie wir uns selber und die Gesellschaft wieder auf einen besseren, einen richtigen Weg bringen, mit der Kraft, die in uns steckt. Hier wird sehr viel beleuchtet, sei es das Spiel der Kinder, unsere Fantasie, unsere Einheit mit der Natur, unsere Mediennutzung und Wertschätzung. Alle Kapitel sind gründlich recherchiert, mit Zahlen und Fakten belegt oder mit anschaulichen Beispielen versehen.
Mir hat es sehr viel Freude gemacht in diesem Buch zu lesen, es hat mir Inspiration und Mut verliehen eigene Ideen zu verwirklichen und es hat mir Hoffnung gemacht.Hoffnung, das in einer starken, kreativen und aktiven Gemeinschaft alles möglich ist, was man sich vorstellen kann.
Ein Buch zum nachdenken, sich anregen lassen, aktiv werden, Dinge positiv verändern, eine anspruchsvolle Lektüre.

Bewertung vom 31.12.2021
Abgetrennt / Paul Herzfeld Bd.3
Tsokos, Michael

Abgetrennt / Paul Herzfeld Bd.3


gut

Finale der Trilogie
"Abgetrennt" von Michael Tsokos ist ein True-Crime:Thriller und der Abschluß der Paul-Herzfeld-Trilogie. Meine Empfehlung wäre es auch, die Teile über den sympathischen Rechtsmediziner in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da einem sonst einige Entwicklungen und Zusammenhänge entgehen.
Herzfeld ist nach den Anschlägen von Schneider so langsam wieder etwas zur Ruhe gekommen, seine Hochzeit ist in Planung und alles läuft sehr positiv. Die Meldung, dass in einem Institut mit Leichenteilen gearbeitet wird, klingt auch noch nicht allzu bedrohlich. Als er an einem dort beschlagnahmten Arm dann die Tätowierung wiedererkennt, wird die Lage schon angespannter.
Das Buch geht ganz gemächlich los und wer schon andere Bücher des Autors gelesen hat, kennt auch die Beschreibung echter Fälle und auch Obduktionen. Die Spannungskurve steigt in diesem Buch ganz allmählich an, bis sich wirklich alles zuspitzt und in einem fast filmreifen Showdown endet.
Der Schreibstil ist flüssig und gut, die vorgestellten Fälle interessant und spannend, mir war diese Geschichte ein wenig zu vorhersehbar und auch etwas zu kurz.

Bewertung vom 29.12.2021
Der Sucher
French, Tana

Der Sucher


gut

Düster und beklemmend
"Der Sucher" von Tana French ist ein spannender Roman mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Cal Hooper ist ein ehemaliger Cop aus Chicago, der nach etwas mehr Ruhe und Natur sucht und deshalb auswandert, nach Irland. Dort will er seinen zeitigen Ruhestand genießen. So ganz kann er seinen ehemaligen Beruf aber nicht abschütteln und wird deshalb alarmiert, als um ihn herum Grausamkeiten an Tieren geschehen. Und dann sieht er immer öfter ein Kind, welches ihn beobachtet. Ganz schnell ist er wieder in Ermittlungen verstrickt, die er nicht wollte.
Die Geschichte baut sich hier sehr, sehr langsam auf, man bekommt viel Zeit, um die Beschreibungen der Natur und vor allem auch des Protagonisten zu verinnerlichen. Die Charakterbeschreibungen sind auch die große Stärke dieses Buches, Cal fühlt sich an, als würde ich ihn persönlich kennen und auch die Dorfbewohner haben alle ihre Eigenheiten.
Es ist eine langsame, eine düstere Geschichte, wer lieber mehr Action und Spannung hat, für den ist dieses Buch nicht so ganz das richtige. Mir hat es in großen Teilen gefallen, aber in seiner Gesamtheit nicht überzeugt.

Bewertung vom 28.12.2021
Was man bei Licht nicht sehen kann / Vergissmeinnicht Bd.1
Gier, Kerstin

Was man bei Licht nicht sehen kann / Vergissmeinnicht Bd.1


sehr gut

Vielversprechender Anfang
"Vergissmeinnicht" von Kerstin Gier ist der Auftakt einer fantastisch angehauchten Trilogie. Gleich zu Beginn stürzt Quinn bei einer Flucht vor ein Auto und landet schwer verletzt im Krankenhaus. Er überlebt, ist aber erstmal an den Rollstuhl gefesselt. Matilda kümmert sich, nicht ganz uneigennützig, um ihn. Ganz so einfach kann man die Geschichte der beiden Jugendlichen natürlich nicht erzählen, denn da gibt es noch viel mehr. Quinn sieht Monster und kann manchmal extrem gut hören, es gibt sprechende Wasserspeier und lebende Elfen, die Blumen verkaufen und..... ja, auch davon gibt es noch sehr viel mehr.
Was mir an dieser Erzählung von Anfang an sehr gut gefallen hat, ist dieser spezielle Humor. Quinn und Matilda sind schon ganz normale Jugendliche, die auf ihr Aussehen achten und ihr Umfeld und wen sie peinlich finden, aber sie schaffen es auch, sich selbst nicht so ernst zu nehmen und können auch über ihre eigenen Fehler lachen.
Ansonsten gefällt mir die Welt, die hier entsteht, sehr gut, besonders, dass sie mit unserer so eng verzahnt ist, sich durchdringt. Für mich werden hier einige Klischees zu viel bedient, aber ich werde den nächsten Teil definitiv lesen, um zu erfahren, mit welcher Wendung die Geschichte noch zu überraschen mag.

Bewertung vom 28.12.2021
Duckmäuser
Ehemann, Wolfgang

Duckmäuser


ausgezeichnet

Gabe oder Fluch
"Duckmäuser" von Wolfgang Ehemann ist ein Roman, der mich schon mit dem Titel gefangen hatte. Diesen Titel trägt hier Hilmar Hitzler, der einige Augenblicke der Zukunft vorhersehen kann. Diese Gabe macht ihn eher unglücklich, da er Tode sieht, die er nicht verhindern kann. Er ist kein großer Held und fühlt sich schlecht damit.
Durch seine erste bewußte Voraussage lernt er Camilla kennen, die im Laufe der Jahre immer wieder in seinem Leben auftaucht. Über die Jahre lernen wir hier Hilmar mit seinen ganzen Ängsten und auch Stärken immer besser kennen, wir begleiten ihn ja eine lange Zeit. Camilla wird in seinem Leben auch immer wichtiger.
Das Leben von Hilmar ist sehr interessant beschrieben, auch indem immer mal wieder reelle historische Wegmarken und Erinnerungen auftauchen. Der Schreibstil ist sehr ruhig, flüssig und gut zu lesen. Das wirkliche Highlight sind hier aber die Charaktere, sie entstehen hier bildhaft vor meinen Augen, entwickeln sich weiter, zeigen Stärken und auch Schwächen, haben Humor, ja erwachen regelrecht zum Leben. Und auch Hilmar ist beileibe nicht so ein Feigling, als den er sich selber sieht, hier geht es aber vordergründig um die ganzen negativen Momente des Lebens. Das Buch ist nicht fröhlich, nein eher drückend, manchmal erdrückend, aber trotzdem voll von schwarzem Humor.
Die Figur des Hilmar und seine Geschichte wird mir noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben.

Bewertung vom 27.12.2021
Mohnblumen
Szaszka, Markus

Mohnblumen


ausgezeichnet

Was wiegt der Tod?
"Mohnblumen" ist der neueste Band der Reihe "Großstadtballaden" von Markus Szaszka und hat mir wirklich sehr gut gefallen. Man braucht auch keinerlei Kenntnisse der Vorgänger, um sich in die Geschichte einfinden zu können.
Wir befinden uns hier mit der neunjährigen Linh spätabends auf den Fluren des riesigen Krankenhauses in Wien. Ihre Mutter ist hier in Behandlung und sie hat sich auf den Fluren verlaufen. Bei ihrer Suche lernt sie ein Mädchhen kennen, die jugendliche Punkerin Mori. Mori begleitet sie bei ihrer Suche und stellt sich als der leibhaftige Tod heraus, der aber hier nichts mit den Schrecken, die so üblich sind, zu tun hat. Ganz im Gegenteil, Mori ist sehr sensibel und einfühlsam und erklärt Linh sehr viel über das Leben im Laufe dieser einen Nacht. Sie treffen auf andere Patienten, mit denen sie sich unterhalten und für die Mori jeweils etwas anderes darstellt. Das ist sehr clever gelöst und macht beim Lesen sehr nachdenklich.
Obwohl für mich das Ende der Geschichte vorhersehbar war, spielte das gar keine Rolle, denn die Geschichte ist so liebevoll erzählt. Es ist dieser Schreibstil, der mich mitnimmt, er hat was leichtes, ist voll Humor und auch bildgewaltiger Beschreibungen. Dennoch besitzt das Buch eine gewisse Tiefe mit vielen philosophischen Ansätzen. Mich hat der Autor hier voll überzeugt und ich werde sicher noch andere Bände aus dieser Reihe lesen.