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Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 983 Bewertungen
Bewertung vom 21.11.2021
Die Begegnung. Eine Geschichte über den Weg zum selbstbestimmten Leben
Schweizer, Jochen

Die Begegnung. Eine Geschichte über den Weg zum selbstbestimmten Leben


ausgezeichnet

Die Reise des Lebens
"Die Begegnung" von Jochen Schweizer ist eine Geschichte über den Weg zum selbstbestimmten Leben.
Mitten in einem der heftigsten Stürme treffen zwei Männer aufeinander, ein sehr junger und ein alter Mann. Sie sitzen die Nacht in einer Holzhütte in den Wäldern von Norwegen und erzählen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichte.
Erlebt haben die beiden schon so einiges, sie hatten beide keinen guten Start ins Leben und doch kann der Ältere auf ein ausgefülltes, ihn zufriedenstellendes Leben zurückblicken. Beide sind Sportler, ja Extremsportler, beide sind Kämpfer und Überlebenskünstler. Grade die Geschichte von Hakon, dem Älteren, hat mich total mitgenommen auf seine Reise. Er hat sehr viel erlebt und bewirkt in seinem Leben und für ihn ist von größter Wichtigkeit etwas zurückzugeben. Seine Lebensweisheiten und Erkenntnisse teilt er dem jungen Mann mit und kann ihm somit wichtiger Mentor sein.
Aber er macht mit seinen Worten auch ganz klar deutlich, dass es nicht wichtig ist, was man alles im Leben erreicht, sondern, dass man seinen ganz eigenen Weg finden und den auch gehen soll, gegen alle Hindernisse.
Sehr viele Erkenntnisse und Denkanstösse für den eigenen Lebensweg sind hier enthalten, Weisheiten, die ohne erhobenen Zeigefinger daherkommen. Es ist eine Hilfe, um sich selbst zu helfen, eine Anregung zum denken und orientieren. Mir hat dieses Buch sehr gefallen in seiner ruhigen und bedächtigen Art.

Bewertung vom 21.11.2021
Harlem Shuffle
Whitehead, Colson

Harlem Shuffle


sehr gut

Leben in Harlem
"Harlem Shuffle" von Colson Whitehead erzählt hier die Geschichte des Möbelhändlers Ray Carney. Eigentlich ist es aber auch die Geschichte eines Stadtteils und des Lebensgefühls dort. Beschrieben werden die Jahre 1959 - 1961 - 1964 aus der Sicht von Ray.
Der Vater von Carney hat sein Geld nicht auf ganz legale Weise verdient, aber Carney will raus aus dem Milieu. Er hat eine Familie und will sich ein besseres Leben aufbauen. Der Zeitgeist, die Kriminalität, der Rassismus, das alles kommt sehr gut raus in der Beschreibung von Carneys Alltag.
Sein Cousin Freddie bringt ihm aber immer mal wieder Dinge aus Diebstählen, um sie zu Geld zu machen und Familie ist immer noch das Wichtigste. Deshalb kommt er nie so ganz raus aus dem Kreislauf, obwohl er sich bemüht stets ehrlich und auch menschlich zu bleiben.
Es ist ein ruhiges Buch, mit langen und gründlichen Beschreibungen, Spannung oder Action gibt es nur am Rande, aber der Autor versteht es trotzdem einen in die Geschichte zu ziehen. Man kann sehr gut nachvollziehen, wie sich Ray und sein Umfeld persönlich verändert haben und auch die komplette Stadt und die Stimmung dort. Ich empfand es als sehr interessante Lektüre, die mir den Zeitgeist näher brachte.

Bewertung vom 20.11.2021
Der Tod und das dunkle Meer
Turton, Stuart

Der Tod und das dunkle Meer


ausgezeichnet

Der alte Tom auf See
"Der Tod und das dunkle Meer" von Stuart Turton hat sich irgendwie nicht gelesen wie ein Kriminalroman, letztendlich war es dann doch einer. Beim Lesen selber fühlte es sich fast an wie ein Thriller in historischer Kulisse mit Grusel-und Fantasyelementen. Das spielt aber keine Rolle, denn das Buch war von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend.
Das Buch ist ausgestattet mit einem Personenregister, einer wunderbar gezeichneten Karte des Schiffes und einigen erklärenden Worten des Autors.
Man befindet sich hier mit einer bunt gemischten Gesellschaft an Bord eines Ostindienfahrers auf dem Weg von Batavia nach Amsterdam und es wird sehr schnell klar, dass dort nicht alle ankommen werden. Vor Beginn der Fahrt wurde das Schiff schon mit einem Fluch belegt.
Auch ein Detektiv befindet sich unter den Fahrgästen, allerdings in Ketten. Das Leben an Bord ist rau und teilweise brutal und es wird bildgewaltig beschrieben. Auch die vielen Charaktere lernt man sehr schnell besser kennen und kann sie gut zuordnen.
Der Autor versteht es hervorragend die Geschichte sehr geschickt aus vielen kleinen Einzelheiten aufzubauen und eine ganz besondre Atmosphäre zu schaffen. Jedes einzelne Vorkommnis trägt zu der Auflösung der Geschichte bei und doch habe ich mich hier auf eine falsche Fährte locken lassen. Das Ende hat mich überrascht und doch passte es stimmig zu der Erzählung. Ein Buch, dass ich sehr gerne gelesen habe, davon hätte ich gerne mehr.

Bewertung vom 19.11.2021
Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
Lindeblad, Björn Natthiko;Bankler, Caroline;Modiri, Navid

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte


ausgezeichnet

Eine andere Lebensgeschichte
"Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte" von Björn Natthiko Lindeblad ist ein autobiografisches Buch über sein Leben. Nattiko lebt siebzehn Jahre als Waldmönch in Thailand und auch in anderen buddhistischen Klöstern. Das Buch hat er zusammen mit Carolin Bankler und Navid Modiri verfasst.
Björn Lindeblad hatte eine Karriere in der Wirtschaft in Schweden vor sich, als er sich entschied, Mönch zu werden. Er erzählt, wie es zu diesem Entschluss kam und wie es für ihn war, dieser absolute Wechsel der Lebensumstände. Er erzählt von Schwierigkeiten, aber auch von tief empfundener Ruhe und Dankbarkeit. Grade wie ehrlich er von Problemen berichtet, beispielsweise bei der Meditation nicht einzuschlafen, macht die Lektüre sehr erfrischend. Mit den Jahren lernt er sehr viel dazu, grade auch über das Thema Gelassenheit, Vertrauen, Loslassen. In meinen Augen schafft er es auch sehr gut einige seiner Methoden und Erfahrungen aus der Praxis an uns Lesende weiterzugeben. Und das macht er mit viel Empathie und auch Humor, nie mit einem erhobenen Zeigefinger.
Durch seine natürliche Art die Dinge anzusprechen und auch sein Wissen, dass es nicht perfekt ist, wie er es macht, kam das gesagte bei mir sehr gut an und ich konnte einige seiner Gedanken für mich mitnehmen, die ich in meinen Alltag einbauen werde.
Der Autor berichtet dann noch darüber, wie er wieder in sein "Leben in Hosen" zurückkehrte und in was für eine tiefe Krise es in stürzte. Er hatte mit einer schweren Depression zu kämpfen und ist auch jetzt schwer erkrankt. Seinen Lebensmut hat er trotz allem beibehalten und findet auch gut durchdachte Worte über Krankheit und den Tod. Ein Buch, dass ich sehr gerne gelesen habe.

Bewertung vom 17.11.2021
Der Kolibri - Premio Strega 2020
Veronesi, Sandro

Der Kolibri - Premio Strega 2020


gut

Schwierig zu lesen
"Der Kolibri" von Sandro Veronesi ist ein Roman, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Es geht hier um die Familiengeschichte von dem Augenarzt Marco Carrera. Ich muss zugeben, er hatte sicher ein sehr interessantes Leben mit vielen Schwierigkeiten und Mißerfolgen, aber die Art und Weise wie das hier erzählt wird, ist schwer zu fassen.
Die Lebensgeschichte von Carrera wird bis in kleinste Einzellheiten zerlegt und analysiert, teilweise auch auf amüsante Art und Weise. Allerdings geschieht das nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern in Rückblenden. Diese Rückblenden springen aber auch in der Zeit hin und her und werden dann noch von Briefen mit verschiedenen Absendern und Empfängern unterbrochen. Auf diese Weise fand ich es sehr mühsam und zäh mir diese Geschichte zusammenzusetzen und zu erschließen.
Die Schreibweise war innerhalb der einzelnen Abschnitte gut und bildhaft, aber mir fiel es mit jedem Wechsel schwer, mich wieder zu orientieren, mit wem ich grade wann unterwegs bin. Der Bogen hat sich schon geschlossen und der Roman machte auch Sinn, vielleicht hatte ich mir etwas leichteres, schwebenderes erwartet unter dem Titel.

Bewertung vom 16.11.2021
Heimatsterben
Höflich, Sarah

Heimatsterben


ausgezeichnet

Erschreckende Zukunft
"Heimatsterben" von Sarah Höflich ist eine etwas ungewöhnliche Familiengeschichte. Hier sind Familientradition und Politik sehr eng verwoben und sie ist sehr spannend erzählt.
Tilde Ahrens hat als einzige ihrer Familie den zweiten Weltkrieg überlebt und jetzt sitzt ihre Enkelin Hannah an ihrem Totenbett. Sie weiß gar nicht, was für ein schweres Erbe sie da übernimmt, sich um die Familie zu kümmern.
Es ist eine große Familie, sehr schön, dass im Buch der Familienstammbaum mit abgebildet ist, und jeder hier hat seine Schwächen, Stärken und auch Geheimnisse. Politisch ist das Geschehen in der nahen Zukunft angesiedelt und es bildet sich eine Partei, die die Wahl gewinnen, den Kanzler stellen und Deutschland umkrempeln will. Hannah lässt sich überzeugen, sich mit in die Politik einbeziehen zu lassen. Sehr schnell wird ihr klar, dass hier etwas ganz falsch in die rechte Richtung abrutscht und sich das Geschehen schon ziemlich verselbständigt hat.
Es wird ein Deutschland beschrieben, das Angst einjagt, in dem man nicht leben möchte. Es wird eine Perspektive beschrieben, die nur sehr knapp neben der Realität läuft und da macht noch mehr Angst. Gleichzeitig wird beschrieben, auch in Rückblicken, wie Tilde ein Familienimperium aufbaute und wie dieses dann in seine Bestandteile zersplittert.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, einziger Kritikpunkt, es ist sehr sachlich und kühl geschrieben, fast wie eine Abhandlung. Ich denke aber, das macht auch einen Teil der Eindrücklichkeit aus.

Bewertung vom 14.11.2021
Das geheime Leben des Albert Entwistle
Cain, Matt

Das geheime Leben des Albert Entwistle


sehr gut

Besser spät als nie
"Das geheime Leben des Albert Entwistle" von Matt Cain ist ein sehr angenehmer, ruhiger Roman. Albert ist Postbote und das ist schon so fast sein Leben, ansonsten hat er nur noch Gracie, seine Katze. Er versucht sein Leben so zu organisieren, dass er möglichst wenig Kontakte hat. Dann bekommt er die Pensionsmitteilung und seine Gracie stirbt, Albert beginnt sein Leben von Grund auf zu überdenken.
Er beginnt sich langsam an seine Kollegen und Nachbarn anzunähern, ja schließt sogar Freundschaften. Und er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und beginnt nach der einzigen und großen Liebe seines Lebens zu suchen. Das letzte Mal, dass er ihn sah, ist fünfzig Jahre her.
Das alles ist hier ganz wunderbar und berührend erzählt, durch die sehr eigenwillige Art von Albert, auch durch einen großen Teil Humor. Es berührt sehr, zu sehen, wieviele Jahre seines Lebens er wegen dummer Vorurteile auf sein Glück verzichtet hat und macht aber auch Mut, dass es sich auch noch in diesem Alter lohnt, neue Wege zu suchen.
Albert ist ein so sympathischer Charakter, der seinen Mitmenschen soviel zu geben hat und der es nach und nach schafft aus seinem einsamen Leben einen erfüllten Alltag mit vielen Freunden zu schaffen.
Auch wenn das Buch so einige Klischees bedient und das Ende sehr vorhersehbar ist, ist es eine wunderbare Geschichte, die ich sehr gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 14.11.2021
Waldeskälte
Krüger, Martin

Waldeskälte


sehr gut

Verloren im dunklen Wald
"Waldeskälte" von Martin Krüger ist ein Thriller mit einer düsteren und kalten Grundstimmung.
Leutnant Valeria Ravelli wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. In Eigersdorf in den Schweizer Alpen, das ist der Ort, in dem sie aufwuchs, verschwindet ein junges Mädchen. Obwohl sie wirklich nie mehr dahin zurückkehren wollte, fährt sie dahin und hilft bei den Ermittlungen. Denn sie ist "das Mädchen, das zurückkehrte". Vor 21 Jahren verschwanden nämlich gleich drei Mädchen und nur sie überlebte. Leider weiß sie nichts mehr.
Für Ravelli ist es nicht nur die erneute Jagd auf den Täter, sondern vielmehr ein Kampf mit ihrer eigenen Vergangenheit und den Erinnerungen, die sie daran hat. Sehr wichtig sind auch die Erinnerungen, die sie nicht hat.
Es wird hier eine sehr düstere und unheimliche Atmosphäre geschaffen, jeder scheint etwas zu verbergen zu haben, Mißtrauen überall, das kommt auch gut so rüber.
Mich hat ein wenig gestört, dass ich das Handeln von Ravelli oft nicht nachvollziehen konnte, sie ist eine Ermittlerin und macht sehr viele dumme Fehler. Auch menschlich bin ich mit ihrer Person nicht so ganz klargekommen, sie bleibt fremd und distanziert.
Die Auflösung präsentierte sich für mich nochmals als eine Überraschung, die aber noch einige Fragen ungeklärt lässt. Einiges ist für mich unschlüssig und offen geblieben, deshalb hat mich das Buch nicht voll überzeugt.

Bewertung vom 13.11.2021
Tote schweigen nie (MP3-Download)
Turner, A. K.

Tote schweigen nie (MP3-Download)


sehr gut

Forensik-Krimi
"Tote schweigen nie" von A.K. Turner ist der Auftakt einer neuen Reihe, die ich als Hörbuch gehört habe.
Cassie Raven arbeitet als Assistentin in der Rechtsmedizin in London. Sie ist eine ganz außergewöhnliche Frau und das nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild her. Sie ist der Überzeugung, dass sie hre gute Entwicklung einer ehemaligen Lehrerin verdankt. Genau diese landet dann in einem Leichensack auf ihrem Tisch. Sie hat Zweifel an den Todesumständen und tut sich mit DS Phyllida Flyte zusammen, um die Sache aufzuklären.
Die beiden Hauptfiguren sind von ihrer Art so unterschiedlich, dass sich schon daraus sehr interessante Ermittlungsaspekte ergeben. Cassie ist überzeugt, dass die Toten zu ihr sprechen, sie ist verwegen, unangepasst, aber auch sehr gefühlvoll und verletzlich und sie hat einen guten Draht zu ihrer wundervollen Oma. Flyte arbeitet hart und gewissenhaft und ist eher etwas bieder und gediegen.
Das Buch ist durchweg spannend und gut aufgebaut. Durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch und lernt so nach und nach auch einige Details aus der Vergangenheit der beiden Ermittelnden. Der Fall hier ist schlüssig aufgebaut und wird auch abgeschlossen und aufgelöst. Durch die spannende Cassie Raven würde ich mich aber freuen, in weiteren Teilen mehr über sie und ihre speziellen Fähigkeiten zu erfahren.

Bewertung vom 12.11.2021
Die Zeit der Kirschen
Barreau, Nicolas

Die Zeit der Kirschen


gut

Vorhersehbar
"Die Zeit der Kirschen" ist ein Roman von Nicolas Barreau. Aurélie ist eine Köchin im "Le Temps des Cerises" und André ein Lektor und seit kurzem auch Bestsellerautor. Sie sind ein glückliches Paar, nur mit dem Heiratsantrag hat es noch nicht so geklappt. Das soll jetzt zum Valentinstag geschehen, doch ab da gewinnen die Dinge eine eigene Dynamik.
Ich habe erst nach dem Lesen mitbekommen, dass es dazu ein Vorgängerbuch gibt und kenne das dementsprechend nicht. Ich denke auch nicht, dass das für das Verständnis eine Rolle spielt.
Am Anfang hatte ich noch sehr viel Freude beim lesen, als es um das Buch ging und um den Stern für die Küche, ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich nur noch das Gefühl, es ist ein Hin und Her. Irgendwie geschah nichts Neues mehr, die Handlung drehte sich im Kreis und alles was passierte, war vorhersehbar.
Einer der Protagonisten stellte sich dann auch noch als schrecklich eifersüchtig, unreif und unsympathisch heraus.
Insgesamt ist es eine seichte Geschichte mit wenig Inhalt, die künstlich verlängert wurde, mir persönlich hat hier eine Handlung gefehlt.