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Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 983 Bewertungen
Bewertung vom 05.11.2021
Arzt der Hoffnung
Günther, Ralf

Arzt der Hoffnung


sehr gut

Ausnahmezustand in Hamburg
"Arzt der Hoffnung" von Ralf Günther ist ein Roman rund um den berühmten Mediziner Dr. Robert Koch und die Choleraepidemie 1892 in Hamburg. Geschickt werden hier historisch belegte Fakten mit Fiktion verknüpft, um eine spannende Handlung zu schaffen.
Dr. Koch wird von Berlin aus in die Hansestadt beordert, um sich um die rasant ausbreitende Epidemie zu kümmern. Er nimmt Proben, legt Kulturen an und bestimmt den Erregertypus. Gegen den anfänglichen Widerstand von den Stadtoberen setzt er Hygienemaßnahmen und andere Absperrungen durch. Viele dieser Maßnahmen erinnern erschreckend an die Bekämpfung der Covid19-Viren, z.B. Pestferien, Hände waschen und desinfizieren, die Stadt abriegeln.
Trotz allen müssen ständig neue Krankenbaracken gebaut und Massengräber ausgehoben werden. Unter wachsender Zeitnot und Druck sucht Dr. Koch nach der Ursache der weiteren Verbreitung. Das ist hier alles so spannend beschrieben, als würde man einen Krimi lesen.
Hedwig, die Geliebte von Koch reist ihm ungebeten hinterher, um ihm zur Seite zu stehen. Die Schilderungen dieser jungen Frau und Künstlerin, eine fortschrittliche Frau, geben dem Buch nochmal eine andere, eine persönliche Note.
Alles fügt sich sehr schön zu einem Lesevergnügen, spannend und doch lehrreich, flüssig zu lesen, mir hat es sehr viel Freude gemacht.

Bewertung vom 03.11.2021
Weiße Nacht
Suah, Bae

Weiße Nacht


weniger gut

Verwirrender Traum
"Weisse Nacht" von Bae Suah ist ein Roman wie ein Traum. Teilweise findet er sehr schöne beschreibende Worte, teilweise hat er mich total verwirrt zurück gelassen.
Ayami arbeitet in einem Hörtheater in Seoul, dass nun endgültig geschlossen werden soll. Wir begleiten hier sie und ihre Gedanken an ihrem letzten Tag und auf dem Weg in eine noch unbekannte Zukunft.
Ich habe diesen Roman als Hörbuch gehört und weiss nicht, ob das der Grund ist, dass ich der Handlung so schlecht folgen konnte. Mein Gefühl war, als ob ich Fieberfantasien und Halluzinationen folgte, denen man gar nicht folgen kann.
Teilweise fand ich es sehr interessant, wenn es um das Land und das Leben darin ging und dann war man schon wieder ganz woanders. Die Hitze in Seoul, die Abgeschiedenheit Ayamis, das alles war fast greifbar beschrieben, aber die Geschichte blieb mir fremd, ich bekam den Kern nicht zu fassen. Diese Sinnestäuschungen und Spiegelungen sind gewollt und waren grandios beschrieben, für mich bliebe es farblos und fremd.

Bewertung vom 01.11.2021
Mädchenmeuterei
Fuchs, Kirsten

Mädchenmeuterei


sehr gut

Freundinnen auf großer Fahrt
"Mädchenmeuterei" von Kirsten Fuchs ist ein Nachfolgeband von "Mädchenmeute", was mir aber erst beim lesen klar wurde. Es war auch nicht wirklich störend den Vorgänger nicht gelesen zu haben, aber neugierig bin ich jetzt schon auf die Geschichte. Das Jugendbuch handelt von einer Freundschaft zwischen fünf ganz verschiedenen Mädchen, der Mädchenmeute halt.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Charlotte erzählt, die Nachrichten von einer der Mädels bekommt, die verschwunden ist. Die Nachrichten klingen nach ernsthaften Problemen, in denen sie steckt. Für den Rest der Truppe klingt das nach Abenteuer und so begeben sie sich auf eine ungewisse Fahrt auf einem Frachtschiff übers Meer nach Marokko.
Es macht einfach sehr viel Spaß die Mädels zu beobachten, sie quatschen, lachen, streiten, blödeln rum und führen ernsthafte Gespräche. Zusätzlich zu dieser großen Rettungsaktion hat jede der Mädchen auch noch so ihre eigenen Probleme und auf dem Schiff ergeben sich da auch noch so einige unvorhergesehene Sachen.
Es ist ein richtiges Abenteuerbuch, es ist spannend, man kann lachen und es kommen auch einige ernsthafte und wichtige Themen zur Sprache. Besonders gefällt mir auch, wie sich die Beziehungen der Protagonistinnen untereinander entwickeln und dargestellt werden.
Schade, dass auf dem Cover nicht erwähnt wird, dass das Buch eine Vorgeschichte hat.

Bewertung vom 01.11.2021
Die Sternenleserin und das Geheimnis der Insel
Hargrave, Kiran Millwood

Die Sternenleserin und das Geheimnis der Insel


sehr gut

Uralte Legende
"Die Sternenleserin und das Geheimnis der Insel" von Kiran Millwood Hargrave ist ein ganz fantastisches Kinderbuch, dass es auch schafft erwachsene Leser zu fesseln.
Isabella ist die Tochter des Kartographen und lebt mit ihm und Huhn und Katze in einem kleinen Haus auf der Insel Joya. Seit der neue Gouverneur auf der Insel ist, haben sich die Lebensumstände stark verschlechtert, ins Meer darf man nicht, den Wald zu betreten ist auch verboten und mit den Tieren stimmt auch was nicht. Die Leute leben in Armut und Angst.
Trotz allem ist Isabella mit Lupe befreundet, der Tochter dieses tyrannischen Herrschers. Als eines Tages eine Schulfreundin der beiden verschwindet, beginnt dieses Abenteuer.
Was mir sehr gut gefallen hat, im Mittelpunkt steht eine alte Legende, die immer mal wieder Erwähnung findet und tatsächlich auch etwas Magie ins Spiel bringt. Es gibt sehr viele interessante Charaktere, die auch sehr gut beschrieben sind und einem ans Herz wachsen
Die Welt ist wunderbar und bildhaft beschrieben, obwohl da sogar noch etwas mehr Weltenbau gut getan hätte, habe ich mich da gut reindenken können. Die Mädchen haben sehr viel Mut bewiesen und sich treu ihre Freundschaft bewahrt.
Es gibt allerdings schon einige recht brutale Szenen, sehr sensible Kinder sollte man beim lesen unterstützen, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Bewertung vom 01.11.2021
Löwenherzen
Neitzel, Gesa

Löwenherzen


sehr gut

Herz in Afrika verloren
"Löwenherzen" von Gesa Neitzel ist eine Art Reisebericht, liest sich aber so spannend wie ein Roman.
Gesa ist verliebt, verliebt in den afrikanischen Kontinent und in ihren Freund Frank. Und in diesem Buch beschreibt sie ihren Weg, ihren Traum zu leben. Gemeinsam machen sie sich in ihrem auf Elli getauften Jeep auf die Reise durch verschiedene Länder in Afrika. Für beide ist es nicht der erste Besuch dort.
Das Buch setzt sich auch deshalb aus verschiedenen erlebten Reisen zusammen, die hier geografisch zusammengefasst werden. So reisen sie nacheinander durch Botswana, Namibia und Sambia. Wunderbar ist der Fototeil in der Mitte des Buches, der aber gerne etwas umfangreicher hätte sein können und noch mehr der Flora und Fauna einfangen. So wirken einige mehr wie Familienfotos.
Was ich sehr beeindruckend fand, ist der Mut der beiden, sich hier ein neues Leben und eine Zukunft aufzubauen. Auch die Hürden auf diesem Weg werden beschrieben.
Die Art und Weise, wie hier die Menschen und ihre Lebensumstände beschrieben werden, ist sehr lebensecht, hier hätte es gerne noch etwas tiefer gehen können. Die Tierwelt ist bedroht und das wird auch sehr oft angemerkt, auch wie man selber Hilfe leisten kann. Am meisten gefreut habe ich mich auf die Beobachtungen der Wildtiere dort vor Ort und die sind auch wirklich super gelungen und reichlich vorhanden. Ein wenig mehr Hintergrundwissen zu den einzelnen Tierarten wäre hier für mich sehr hilfreich gewesen.
Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen, weil es gut geschrieben ist und es schafft Fernweh zu wecken und eine große Neugier auf Afrika.

Bewertung vom 28.10.2021
Wir für uns
Kunrath, Barbara

Wir für uns


gut

Zwei verschiedene Schicksale
"Wir für uns" von Barbara Kunrath ist die Geschichte zweier Frauen und zwei ganz verschiedener Leben, die sich zufällig begegnen und sich dadurch auch gegenseitig beeinflussen.
Josie ist Anfang vierzig und schwanger von einem verheirateten Mann, der aber selber schon Vater ist. Kathi ist siebzig und nach fünfzig Ehejahren Witwe und plötzlich alleine. Beide sind einsam und beide stehen vor schweren Entscheidungen, die das weitere Leben beeinflussen und verändern werden.
Beide Frauen blicken auf ihr bisheriges Leben zurück, was hier sehr interessant und eindringlich beschrieben wird. Es gibt Gründe, warum man so ist, wie man ist und es gibt immer eine Wahl, was man jetzt tun kann. Durch die sehr einfühlsame Schreibweise der Autorin kommt man den beiden Frauen sehr nahe und kann ihre Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen.
Als die beiden sich kennenlernen und anfreunden merken sie sehr bald, wie sehr sie sich gegenseitig brauchen und helfen können. Es entsteht eine tiefe Freundschaft, bei dem das unterschiedliche Alter fast keine Rolle zu spielen scheint.
Mich stört ein wenig die unangemessen hohe Themenvielfalt, die nicht unbedingt alle in einen Roman gehört hätten, das überfordert mitunter.

Bewertung vom 28.10.2021
Der Brand
Krien, Daniela

Der Brand


ausgezeichnet

Schwere Zeiten
"Der Brand" von Daniela Krien ist ein eher ruhiger Roman, der es schaffte, mich vollständig in die Atmosphäre mit einzubeziehen.
Rahel und Peter sind lange verheiratet, die Kinder aus dem Haus, sie wissen sich zu schätzen, aber nicht so recht, wohin ihr Weg weitergehen soll. Ihr Urlaubsziel, eine Hütte in den Alpen, brennt ab, somit haben sie Zeit, auf dem Hof einer guten Freundin zu helfen, Tiere versorgen, Gartenarbeit und sowas. Es bleibt auch viel Zeit für sich selbst zu zweit, die sie aber jeder für sich verbringen.
Peter ist der eher ruhige Professor an der Uni, Rahel eine lebenslustige Psychologin. Jeder hat sich zusätzlich zum gemeinsamen Eheleben in eine andere Richtung entwickelt. Warum das so ist und wie sich das für sie anfühlt, wird hier sehr schön in schlichte und ergreifende Worte gefasst.
Nach und nach lernt man die Familie der beiden kennen und tiefer hinter die Fassaden zu blicken und begreift, dass da schon noch eine tiefe Liebe zueinander vorhanden ist. Sie wurde nur leider im Laufe der Jahre zur Nebensache in ihrem Leben.
Die Beschreibung dieses Lebens in der Uckermark, dieses Einfache, Natürliche, Ruhige, das nimmt mich vollständig gefangen, ich konnte fast die Staubfahnen sehen. Es ist ein durchatmen, ein Zur-Ruhe-Kommen, ein Besinnen auf sich selber. Beide begreifen auch, dass man nicht alles ändern kann und muss, manches geschieht einfach so.
Brände gibt es hier so einige, die den Titel erklären, mir hat das Buch sehr gut gefallen.

Bewertung vom 26.10.2021
Die Walin
Mahlow, Christian

Die Walin


ausgezeichnet

Meisterhafte Rettungsaktion
"Die Walin" von Christian Mahlow ist ein wunderbares kleines Buch mit einer Parabel.
Der Protagonist besucht regelmäßig im Ozeanarium eine Walin, die dort in einem Aquarium lebt. Er bewundert die Schönheit des Tieres sehr. Man kann sich sein Erstaunen vorstellen, als ebendiese Walin eines Tages mitten in seinem Wohnzimmer liegt, auf dem Trockenen.
Er versucht sich Hilfe zu holen und alles zu tun, was für ihn im Bereich des Möglichen liegt, dem Meereswesen zu helfen. Die Geschichte klingt so fantastisch und grotesk, es macht sehr viel Spaß sich darin zu versenken. Erzählt wird sie aus der Sicht des Protagonisten, der für uns namenlos bleibt.
Sehr schnell beginnt man sich zu fragen, wo seine Grenzen liegen bei der Liebe zur Walin und auch bei den Hilfsmaßnahmen zu ihrem Überleben.
Als Leser habe ich hier ganz vielfältige Möglichkeiten diese Erzählung zu deuten und zu verstehen, vielleicht ist auch keine davon wahr, oder alle. Das spielt aber wirklich nur eine ganz untergeordnete Rolle, denn diese Geschichte wird mir noch lange in meinem Kopf bleiben.
Was mich absolut überzeugt hat, ist das Gesamtkonzept von diesem Buch, das Cover, die Seitengestaltung, die wunderbar in die Erzählung eingebundenen, Illustrationen, alles das stellt zusammen ein kleine Kunstwerk dar. Respekt dem Autor und dem Verlag für diese tolle Umsetzung.

Bewertung vom 26.10.2021
Auszeit
Lühmann, Hannah

Auszeit


sehr gut

Gedankenspiele
"Auszeit" von Hannah Lühmann beschreibt die Geschichte einer Freundschaft und einer Selbstfindung.
Henriette fühlt sich nicht wohl in ihrem Leben, beruflich fühlt sie sich nicht angekommen, ja noch nicht mal auf dem richtigen Weg, ihr ungeborenes Kind ist nur noch eine schmerzhafte Erinnerung. Da bietet ihre beste Freundin ihr gemeinsame Zeit in einer Ferienhütte im Wald an. Die beiden Frauen reden, arbeiten und genießen die Natur. Hauptsächlich um ihr Kind, dass durch ihre Entscheidung nicht leben durfte, dreht sich ihre Trauer. Aber auch die Dissertation, die nicht so richtig Gestalt annimmt, liegt ihr auf der Seele.
Henriette hat das Gefühl, dass ihr das Leben insgesamt nicht gelingt und sie planlos nichts auf die Reihe kriegt. Teilweise hat sie sehr interessante Gedankengänge, dann zerfließt sie wieder in Mitleid mit sich selbst.
Das Buch hat interessante Ansätze und lässt sich gut lesen, aber irgendwie entglitt mir die Protagonistin mit ihren Gedanken immer mehr.